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#129 BSH-Präsident Helge Heegewaldt: "Die Gefahr auf See ist real"

43 min · 22. maj 2026
Billede af episoden #129 BSH-Präsident Helge Heegewaldt: "Die Gefahr auf See ist real"

Beskrivelse

Der maritime Behördenchef über Schattenflotten, Neubauten und die deutsche Flagge BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt im neuen HANSA-Podcast vor den Risiken der Schattenflotte in der Ostsee. "Die Gefahr ist real – insbesondere für Umwelt und Küste", so der Behörden-Chef. Viele dieser Schiffe seien alt, hätten unklare Besitzstrukturen und erfüllten teils nicht mehr die Standards, die deutsche Reeder akzeptieren würden. Rechtlich sei der Umgang schwierig, weil Schiffe die Ausschließliche Wirtschaftszone grundsätzlich passieren dürften. Komme es zu einem Ölaustritt, könne dies vor allem Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein treffen. "Das wäre eine absolute Katastrophe", so der Behördenchef. Das Thema zeigt, wie stark sich die Lage auf Nord- und Ostsee verändert hat. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sei zwar eine zivile Behörde, Sicherheitsthemen seien aber deutlich stärker in den Fokus gerückt. Dazu zählen der Schutz von Offshore-Infrastruktur, Datenkabeln und Energieanlagen ebenso wie die Zusammenarbeit mit Marine, Bundespolizei und weiteren Sicherheitsbehörden. Das BSH ist die zentrale maritime Fachbehörde Deutschlands. Zuständig ist es unter anderem für Sicherheit auf See, Seevermessung, Seekarten, ozeanographische Daten, Offshore-Genehmigungen und Fragen der deutschen Flagge. Seit März 2023 steht Heegewaldt an der Spitze der Behörde. Im Gespräch geht es außerdem um den Offshore-Ausbau. Bis 2045 sollen in der deutschen AWZ 70 GW Offshore-Windleistung entstehen, aktuell sind es etwas mehr als 10 GW. "Wir wollen in den nächsten 20 Jahren eine Versiebenfachung der Leistung", sagt Heegewaldt. Dafür brauche es Unternehmen, die investieren, und verlässliche Rahmenbedingungen. "Planungssicherheit muss die Verwaltung, muss die Politik geben.“ Auch Cyberangriffe auf maritime Energieinfrastruktur beschäftigen das BSH. Der Jurist verweist auf eine deutlich verschärfte Bedrohungslage. Absolute Sicherheit werde es nicht geben. Entscheidend sei, "vor die Welle" zu kommen und mögliche Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen. Das BSH lasse sich dabei unter anderem vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Marine und weiteren Sicherheitsbehörden beraten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die eigene Flotte des BSH. Die fünf Schiffe bezeichnet Heegewaldt als "Datensammler des BSH". Rund 80 % der Einsätze entfielen auf Seevermessung, 20 % auf Forschung. Mit zwei Neubauten will die Behörde ältere Einheiten ersetzen. Die Schiffe sollen in Spanien gebaut und perspektivisch mit Methanol beziehungsweise Biomethanol betrieben werden. Auch bei den geplanten BSH-Neubauten wird es politisch und wirtschaftlich interessant: Warum die Schiffe nicht auf einer deutschen Werft gebaut werden, sondern in Spanien, erklärt Heegewaldt im Gespräch mit einem bemerkenswert klaren Kostenvergleich. Am Ende habe es zwei Angebote gegeben: "Mit der einen Werft hätten wir ein Schiff bauen können, mit der anderen zwei.“ Auch die deutsche Flagge kommt zur Sprache. Heegewaldt wirbt für eine moderne, serviceorientierte Flaggenstaatsverwaltung. Die Verfahren seien bereits vereinfacht worden, Zuständigkeiten würden stärker gebündelt. Aus mehreren Einflaggungsanträgen sei ein einziger geworden, zudem gebe es mit deutsche-flagge.de eine zentrale Anlaufstelle. "Wir haben das sehr entbürokratisiert", sagt Heegewaldt. Zum Schluss richtet der BSH-Präsident den Blick auf die maritime Wahrnehmung in Deutschland. Sein Ziel sei es, die Sichtbarkeit maritimer Themen zu erhöhen – nicht nur an der Küste, sondern auch in Süd- und Westdeutschland sowie in Berlin. "Wir sind ein Land, das nicht sehr meeresbewusst ist", so Heegewaldt.

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Billede af episoden #133 "Nichts passiert": BLG kritisiert Hafenfinanzierungs-Politik des Bundes

#133 "Nichts passiert": BLG kritisiert Hafenfinanzierungs-Politik des Bundes

Bremer Konzern und Eurogate-Co-Eigner will größter paneuropäischer Hafenlogistiker werden "Wäre ich nicht zuversichtlich, wäre ich nicht in diesem Geschäft, aber es ist ziemlich mühsam": Daniel Hosseus, Executive Vice President des Bremer Hafenlogistikkonzerns BLG, spricht exklusiv über die Hafenpolitik des Bundes und die Wachstumspläne der BLG. Außerdem erläutert er, wie der Konzern – der auch 50%iger Anteilseigner am Containerterminalbetreiber Eurogate ist – seine Stimme in die nationale und internationale Politik einbringt. Wie ist aus seiner Sicht die Bundespolitik für die Häfen einzuordnen? "Ins Machen kommen" bleibe Thema, so Hosseus. Die im vergangenen Jahr verkündete 1,35-Mrd.-€-Spritze für Bremerhaven habe mit den Grundanliegen der Seehafen fast nichts zu tun, sagt er, begründet seine Ansicht und beziffert den Investitionsrückstau. Hosseus berichtet, was aus der höchsten Bundespolitik auf der Tonspur gesagt und zugestanden wird, woran es jedoch hakt. Unter anderem: "Ich persönlich halte das Argument Verfassungswidrigkeit für nicht richtig. Wo ein Wille ist, müsste auch ein Weg sein", sagt Hosseus und erläutert, woran es seiner Ansicht nach in der Politik scheitert. Das vieldiskutierte Thema "Resilienz" die das Mitdenken von Sicherheitsthemen im Geschäft ist für die BLG nicht neu. Hosseus spricht in diesem Zusammenhang davon, wie man seit dem Ende des 2. Weltkriegs als Dienstleister für verschiedene militärische Streitkräfte arbeitet, etwa für die US Army – aber auch, welche neue Herausforderungen es diesbezüglich gibt. Neben dem Aspekt "Politik" hat die BLG ehrgeizige geschäftliche Pläne: "Wir wollen der größte paneuropäische Hafen- und Logistikdienstleister sein", sagt Hosseus und spricht über potenzielle Wachstumsmärkte und mögliche Expansionen. Letztes Jahr wurde das zweitbeste Ergebnis der 150-jährigen Unternehmensgeschichte eingefahren. Dazu hat der Containerbereich einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet. "Tatsächlich sind wir dabei, diese Aktivitäten auszubauen", so Hosseus, der auf Eurogate-Aktivitäten, die Westerweiterung in Hamburg, gemeinsame Investitionen mit Maersk und die Suche nach internationalen Wachstumsmöglichkeiten eingeht. Auch zum Automobilumschlag in Bremerhaven und Hamburg äußert er sich ausführlich. Weil der Konzern allein in Deutschland 60 Terminals betreibt, sind Infrastrukturprojekte im gesamten Bundesgebiet von Interesse für die Verantwortlichen. Deshalb ist die Infrastrukturfinanzierung für die BLG auch so wichtig. "Geht das voran? Woher kommt das Geld? Und dann ist man immer wieder ganz schnell beim Thema Hafeninfrastrukturfinanzierung. Da können wir nicht locker lassen, denn da muss viel passieren." In der Episode spricht Hosseus außerdem u.a. über seinen Einstieg bei der BLG, seine Hoffnung und Erwartung zur Weservertiefung, den Ausbau der "politischen Präsenz" der BLG, die Aktivitäten im deutschen Hinterland, die Aktivitäten im Ausland, "Dedicated Terminals" für Auto- und Container-Umschlag, Pläne für das "High & Heavy"-Geschäft, Bremerhaven als "größte Autowerkstatt Europas", Investitionen und Expansion, den Wandel in Automobilindustrie und die Folgen für die BLG, Wachstumspläne für Eurogate und darüber, was Bremerhaven Hamburg voraus hat

23. juli 202627 min
Billede af episoden #132 »Sehr optimistisch«: Warburg Bank plant Wachstum in Schiffsfinanzierung

#132 »Sehr optimistisch«: Warburg Bank plant Wachstum in Schiffsfinanzierung

Shipping-Chefs Speer und Dose: 2nd-Hand & Neubau, »gut ausgebildetes Geld«, Cash Management Seit zehn Jahren leiten die erfahrenen Schifffahrtsbanker Christian Speer und Jens Dose gemeinsam das Shipping-Geschäft bei der Hamburger Privatbank M.M. Warburg. Nachdem die etwas unruhigeren Fahrwasser (Stichwort "Cum-Ex") verlassen wurden, will die Bank jetzt auch das Schifffahrtsgeschäft nach vorne treiben und sieht sich bereits gut auf Kurs. Speer und Dose zeigen sich im HANSA PODCAST sehr optimistisch. "Ich sehe durchaus Potenzial, dass wir deutlich sichtbarer werden, sowohl in Deutschland als auch anderswo", sagt Speer. Der Anteil der Schiffsfinanzierung am maritimen Geschäft dürfte zunehmen, "wir haben sehr großen Spielraum". Die beiden Co-Chefs der Shipping-Abteilung sprechen ausführlich über das finanzielle Volumen der Schifffahrtsgeschäfte, deren Anteil am Gesamtgeschäft der Bank, den Einfluss der Eignerfamilien Olearius und Warburg sowie die Vorstandsstrategie. Nach einem guten Jahr 2025 kann die Schiffsfinanzierung in diesem Jahr wohl nochmal ausgebaut werden – und zwar sowohl im Secondhand-Markt als auch in der Neubau-Finanzierung, in der die Bank eigentlich nicht wirklich aktiv ist. "Wir bewegen uns in eine guten zweistelligen Millionenbereich", sagt Dose. Aktuell sei viel – und "gut ausgebildetes" – Geld unterwegs. Außerdem gebe es generell verstärkt Nachfragen: "Wir nehmen wahr, dass wir auch im deutschen Markt wieder angesagt sind", sagt Dose, der auch über Container, Tanker, Bulker, MPP-Schiffe, Offshore-, Shortsea- und Spezialschiffe sowie darüber spricht, was bzw. welche Schiffe die Warburg Bank eben nicht finanzieren würde – Stichwort "liquide Assets". Nicht zuletzt geht es u.a. auch um die Option, einen Kreditfonds aufzulegen, wie es andere Banken gemacht haben. Das Ausland macht mittlerweile den größeren Teil des Schifffahrtsgeschäft bei Warburg aus. In der Episode geht es u.a. um Märkte wie Griechenland oder Singapur. Auch eine Expansion in weitere Märkte ist durchaus denkbar: "Wir gehen dorthin, wo das Bankensystem Lücken offeriert", so Dose, der die Überlegungen weiter erläutert. Kerngeschäft der Warburg Bank ist allerdings eigentlich das Cash Management. Speer und Dose sprechen ausführlich darüber, wie sich die Privatbank in diesem Geschäft aufstellt, "Know your customer", Geldwäsche-Prävention, Compliance und Sanktionen, 300 Kundengruppen im In- und Ausland, eine internationale Expansion und Investitionen in Knowhow und IT. Sie blicken außerdem zurück auf "ihre zehn Jahre" bei der Warburg Bank.

3. juli 202626 min
Billede af episoden #131 SMM '26: Tech-Plattform, Netzwerk, (zu wenig) politischer Support

#131 SMM '26: Tech-Plattform, Netzwerk, (zu wenig) politischer Support

Claus-Ulrich Selbach über die maritime Leitmesse in Hamburg, Aussteller und "Rattenrennen" Anfang September öffnet die SMM wieder ihre Pforten für die globale maritime Industrie: In den Hamburger Messehallen – und zwar in allen Hallen – trifft sich die Branche zum zweijährlichen Stelldichein. Claus-Ulrich Selbach, Vice President Exhibitions Maritime & Energy bei der Hamburger Messegesellschaft HMC und damit einer der Macher SMM, spricht im HANSA Podcast ausführlich über (alte und neue) thematische Schwerpunkte, Verschiebungen in der Aussteller-Struktur, Effekte der aktuellen geopolitischen Verwerfungen und den Fokus auf Technologie. "Die Posidonia in Griechenland war ein schönes Vorspiel und jetzt kommt dann der Hauptakt für Technologie und Innovation", sagt Selbach und geht auf eine prinzipiell immer noch gute Stimmung in der maritimen Industrie ein. Die Hallen sind ausgebucht, die Nachfrage groß. Auf ein "Rattenrennen" um konkrete Aussteller- und Besucherzahlen mit anderen Messen will er sich aber nicht einlassen und erklärt, was für ihn wirklich zählt – Stichwort "Buzz in den Gängen". Der SMM-Chef erläutert, zu welchem Punkt ihm und seinem Team die Beiräte aus der Industrie die "Ohren langgezogen" haben und wie die Messe darauf mit Investitionen reagiert. Das Gespräch dreht sich außerdem um einen größeren Fokus auf Marine- und Sicherheitsthemen, Verteidigungs- und "Dual-Use-Technologien", Künstliche Intelligenz sowie das Konferenzprogramm im Rahmen der SMM: "Content Rules", sagt Selbach, der betont, warum die SMM bei einigen Themen die Nase gegenüber anderen Messen vorn hat. Das Netzwerken soll ebenfalls nicht zu kurz kommen, aber der Fokus liege "auf Technologietransfer und Innovation". Enttäuscht zeigt sich Selbach von der deutschen Politik: "Wir bekommen nicht den Support vom Bund", sagt der Messe-Manager und erläutert die Hintergründe.

22. juni 202629 min
Billede af episoden #130 Eine neue Stimme für die Bremer Reedereien

#130 Eine neue Stimme für die Bremer Reedereien

Rhederverein-Chefin Lorenz Medina und Vorgänger Völkl über Schifffahrtsstandort und Politik Er war 28 Jahre im Amt, sie ist die erste Frau an der Spitze des 1884 gegründeten Bremer Rhedervereins: Die neue Geschäftsführerin Angelica Lorenz Medina und ihr Vorgänger Robert Völkl blicken gemeinsam auf den Schifffahrtsstandort Bremen. Lorenz Medina ist gelernte Speditionskauffrau und hat viele Jahre im Seefracht-Geschäft gearbeitet. „Jetzt ist es ein komplett neues Tätigkeitsfeld – es ist unheimlich interessant und macht viel Spaß“, sagt sie in der neuen Episode des HANSA PODCASTs und geht darauf ein, ob ihr angesichts ihrer bisherigen beruflichen Laufbahn auch Skepsis im Rhedervereins entgegengebracht wurde. Neu ist vor allem die politische Arbeit. Ihr Vorgänger stand ihr die ersten Wochen beratend zu Seite. Völkl und Lorenz Medina teilen eine ähnliche Sichtweise auf die Art und Weise, wie der Rhederverein in der Arbeit mit Politik und Verwaltung erfolgreich sein kann: "Gegeneinander erreichen wir absolut gar nichts“, sagt die neue Geschäftsführerin. Ein enger Draht ist wichtig: „Unsere gemeinsame Aufgabe ist es, den Schifffahrtsstandort zu erhalten. Und es ist Aufgabe des Rhedervereins, immer wieder deutlich zu machen, dass Bremen ein guter Schifffahrtsstandort ist, der hat alles, was eine Reederei braucht“, sagt Völkl. Er spricht in diesem Zusammenhang auch über zwischenzeitlich verloren gegangenes Renommee durch die große Schifffahrtskrise, in deren Rahmen etwa die Bremer Landesbank u.a. aufgrund vieler fauler Schiffskredite notverkauft werden musste. Darüber hinaus teilt er seine Einschätzung darüber, ob die Reeder-Stimme aus Bremen mehr Gehör und die dortige Branche mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Im Gespräch geht es auch um eine Halbierung der Flotte und ungesunde Dynamiken. Die aktuelle Situation bewertet Völkl positiv und geht auf Investitionen ein, die trotz der unsicheren geopolitischen Lage Sinn machen können. Ein weiterer Aspekt: die deutsche Flagge, deren Modernisierung in der Verwaltung derzeit sehr viel Aufmerksamkeit bekommt. Einen „Turnaround“ sieht Völkl noch nicht, erläutert aber, warum und unter welchen Umständen er dennoch optimistisch wäre, dass die deutsche Flagge bessere Chancen bei deutschen Reedern haben könnte. Lorenz Medina spricht über die Größe und Aufteilung der Bremer Flotte, die Anzahl der Reedereien und Schiffe. Einen Schwerpunkt ihrer Arbeit will sie künftig auch auf die Suche nach Fachkräften für die Reedereien legen: „Ich möchte herausfinden, warum wir die jungen Leute nicht mehr in die Ausbildung bekommen“, so Lorenz Medina, die dabei auch auf konkrete mögliche Schritte eingeht, wie man junge Leute besser erreichen kann. Völkl erläutert, warum keinen Wehmut oder Abschiedsschmerz verspürt und berichtet nicht zuletzt von „Highlights“ in seiner langen Tätigkeit und die Ursprünge des bekannten Bremer Reederabends.

5. juni 202625 min
Billede af episoden #129 BSH-Präsident Helge Heegewaldt: "Die Gefahr auf See ist real"

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Der maritime Behördenchef über Schattenflotten, Neubauten und die deutsche Flagge BSH-Präsident Helge Heegewaldt warnt im neuen HANSA-Podcast vor den Risiken der Schattenflotte in der Ostsee. "Die Gefahr ist real – insbesondere für Umwelt und Küste", so der Behörden-Chef. Viele dieser Schiffe seien alt, hätten unklare Besitzstrukturen und erfüllten teils nicht mehr die Standards, die deutsche Reeder akzeptieren würden. Rechtlich sei der Umgang schwierig, weil Schiffe die Ausschließliche Wirtschaftszone grundsätzlich passieren dürften. Komme es zu einem Ölaustritt, könne dies vor allem Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein treffen. "Das wäre eine absolute Katastrophe", so der Behördenchef. Das Thema zeigt, wie stark sich die Lage auf Nord- und Ostsee verändert hat. Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie sei zwar eine zivile Behörde, Sicherheitsthemen seien aber deutlich stärker in den Fokus gerückt. Dazu zählen der Schutz von Offshore-Infrastruktur, Datenkabeln und Energieanlagen ebenso wie die Zusammenarbeit mit Marine, Bundespolizei und weiteren Sicherheitsbehörden. Das BSH ist die zentrale maritime Fachbehörde Deutschlands. Zuständig ist es unter anderem für Sicherheit auf See, Seevermessung, Seekarten, ozeanographische Daten, Offshore-Genehmigungen und Fragen der deutschen Flagge. Seit März 2023 steht Heegewaldt an der Spitze der Behörde. Im Gespräch geht es außerdem um den Offshore-Ausbau. Bis 2045 sollen in der deutschen AWZ 70 GW Offshore-Windleistung entstehen, aktuell sind es etwas mehr als 10 GW. "Wir wollen in den nächsten 20 Jahren eine Versiebenfachung der Leistung", sagt Heegewaldt. Dafür brauche es Unternehmen, die investieren, und verlässliche Rahmenbedingungen. "Planungssicherheit muss die Verwaltung, muss die Politik geben.“ Auch Cyberangriffe auf maritime Energieinfrastruktur beschäftigen das BSH. Der Jurist verweist auf eine deutlich verschärfte Bedrohungslage. Absolute Sicherheit werde es nicht geben. Entscheidend sei, "vor die Welle" zu kommen und mögliche Angriffsmuster frühzeitig zu erkennen. Das BSH lasse sich dabei unter anderem vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Marine und weiteren Sicherheitsbehörden beraten. Ein weiterer Schwerpunkt ist die eigene Flotte des BSH. Die fünf Schiffe bezeichnet Heegewaldt als "Datensammler des BSH". Rund 80 % der Einsätze entfielen auf Seevermessung, 20 % auf Forschung. Mit zwei Neubauten will die Behörde ältere Einheiten ersetzen. Die Schiffe sollen in Spanien gebaut und perspektivisch mit Methanol beziehungsweise Biomethanol betrieben werden. Auch bei den geplanten BSH-Neubauten wird es politisch und wirtschaftlich interessant: Warum die Schiffe nicht auf einer deutschen Werft gebaut werden, sondern in Spanien, erklärt Heegewaldt im Gespräch mit einem bemerkenswert klaren Kostenvergleich. Am Ende habe es zwei Angebote gegeben: "Mit der einen Werft hätten wir ein Schiff bauen können, mit der anderen zwei.“ Auch die deutsche Flagge kommt zur Sprache. Heegewaldt wirbt für eine moderne, serviceorientierte Flaggenstaatsverwaltung. Die Verfahren seien bereits vereinfacht worden, Zuständigkeiten würden stärker gebündelt. Aus mehreren Einflaggungsanträgen sei ein einziger geworden, zudem gebe es mit deutsche-flagge.de eine zentrale Anlaufstelle. "Wir haben das sehr entbürokratisiert", sagt Heegewaldt. Zum Schluss richtet der BSH-Präsident den Blick auf die maritime Wahrnehmung in Deutschland. Sein Ziel sei es, die Sichtbarkeit maritimer Themen zu erhöhen – nicht nur an der Küste, sondern auch in Süd- und Westdeutschland sowie in Berlin. "Wir sind ein Land, das nicht sehr meeresbewusst ist", so Heegewaldt.

22. maj 202643 min