Klinisch Relevant Podcast
Notfallguru meets Klinisch Relevant 👉Kennst Du schon die Fortbildungen von Klinisch Relevant zu vielen spannenden Themen? schau gerne mal vorbei! [https://klinischrelevant.de/fortbildungen/] Klinisch Relevant x Notfall Guru Update präklinische Schmerztherapie – Was empfiehlt die neue europäische Leitlinie? mit Dr. Isabel Lück Worum geht’s in dieser Folge? Schmerzen gehören zu den häufigsten Gründen für einen Kontakt mit dem Rettungsdienst oder eine Vorstellung in der Notaufnahme. Dennoch erhalten viele Patient:innen nach wie vor keine ausreichende Analgesie – ein Problem, das als Oligoanalgesie bezeichnet wird. In dieser Folge der Kooperationsreihe mit Notfallguru [https://www.notfallguru.de/] spricht Kai Gruhn mit Dr. Isabel Lück über die neue europäische Leitlinie der European Society for Emergency Medicine (EUSEM) zur Schmerztherapie in Präklinik und Notaufnahme [https://eusem.org/images/251104_EUSEM_European_Pain_Initiative_Guidelines_Updated_Oct_2025.pdf]. Gemeinsam diskutieren sie, welche Konsequenzen sich für die klinische Praxis ergeben und welche Analgetika künftig eine größere – oder kleinere – Rolle spielen sollten. Zu Gast Dr. Isabel Lück ist Notfallmedizinerin und Teil des Teams von NotfallGuru. Regelmäßig ordnet sie aktuelle Entwicklungen und neue Evidenz aus der Notfallmedizin für die Hörer:innen von Klinisch Relevant ein. Hintergrund: Warum eine neue Leitlinie? Die aktualisierte EUSEM-Leitlinie berücksichtigt aktuelle Herausforderungen der Notfallmedizin: steigende Patientenzahlen in Notaufnahmen Ressourcenknappheit und Overcrowding lange Wartezeiten die internationale Diskussion um die Opioidkrise weiterhin bestehende Defizite in der Schmerzversorgung Ein zentrales Anliegen der Leitlinie: Schmerzen frühzeitig erkennen und konsequent behandeln. Zentrale Inhalte der Folge * Oligoanalgesie bleibt ein relevantes Problem * Trotz moderner Analgesiekonzepte erhalten viele Patient:innen noch immer keine ausreichende Schmerztherapie. Besonders betroffen: Kinder ältere Menschen Patient:innen mit Kommunikationsproblemen Die Leitlinie betont ausdrücklich, dass Schmerztherapie frühzeitig beginnen sollte und nicht erst nach vollständiger ärztlicher Diagnostik erfolgen darf. Schmerzmanagement ist Teamarbeit Ein wichtiger Schwerpunkt der Leitlinie ist die interprofessionelle Versorgung. Empfohlen werden: * standardisierte Schmerzprotokolle * validierte Schmerzskalen * frühzeitige Schmerzerfassung * Analgesie durch qualifiziertes Pflegepersonal oder Notfallsanitäter:innen nach festgelegten Algorithmen Ziel ist es, wertvolle Zeit bis zum ärztlichen Kontakt zu überbrücken und unnötiges Leiden zu vermeiden. Nicht-medikamentöse Maßnahmen mitdenken Gerade bei Kindern spielen ergänzende Maßnahmen eine wichtige Rolle: Ablenkung Kühlung Lagerung Beruhigung und Kommunikation Diese Maßnahmen ersetzen jedoch keine adäquate Analgesie. *Analgesie beginnt vor dem venösen Zugang Ein praxisrelevanter Punkt der Leitlinie: Analgetika sollten nicht erst nach Anlage eines intravenösen Zugangs verabreicht werden. Alternativen: intranasale Applikation inhalative Verfahren orale Medikamente So kann die Schmerztherapie bereits während diagnostischer oder organisatorischer Maßnahmen begonnen werden. 💊 Welche Medikamente empfiehlt die Leitlinie? 🔹 Milde Schmerzen Empfohlen werden insbesondere: Paracetamol Ibuprofen lokale bzw. topische Verfahren Wichtig: NSAR sollten nicht miteinander kombiniert werden. 🔹 Moderate Schmerzen Bereits bei moderaten Schmerzen empfiehlt die Leitlinie eine konsequentere Therapie als bisher häufig üblich. Diskutiert werden: Paracetamol Ibuprofen orales Morphin Ketamin (intranasal, intravenös oder inhalativ) Auch Regionalanästhesieverfahren gewinnen zunehmend an Bedeutung. 🔹 Starke Schmerzen Bei schweren Schmerzen kommen insbesondere infrage: Morphin intravenös Fentanyl Ketamin Regionalanästhesieverfahren Die Leitlinie plädiert dafür, diese Substanzen frühzeitig und strukturiert einzusetzen. 🚫 Welche Medikamente werden kritisch gesehen? Die Leitlinie spricht sich ausdrücklich gegen mehrere traditionell häufig eingesetzte Medikamente aus: Tramadol begrenzte Wirksamkeit ungünstiges Nebenwirkungsprofil Codein keine relevante Rolle in der modernen Notfallanalgesie Oxycodon kritisch bewertet aufgrund seines hohen Euphorisierungspotenzials Bezug zur internationalen Opioidkrise Metamizol zurückhaltende Empfehlung Hinweis auf das Risiko einer Agranulozytose Diese Einschätzungen dürften in vielen Notaufnahmen für Diskussionen sorgen. Regionalanästhesie: unterschätztes Potenzial? Ein weiterer Schwerpunkt der Leitlinie ist der Einsatz regionalanästhesiologischer Verfahren. Besonders bei: Hüftfrakturen Verletzungen der Extremitäten Thoraxverletzungen zeigen Studien Vorteile hinsichtlich: Analgesiequalität Mobilisation Delirprävention Gerade bei geriatrischen Patient:innen könnten Regionalverfahren künftig eine größere Rolle spielen. Besonderheiten bei älteren Patient:innen Bei geriatrischen Patient:innen müssen mögliche Nebenwirkungen besonders berücksichtigt werden: Delirrisiko Sturzneigung Medikamenteninteraktionen Die Leitlinie sieht deshalb insbesondere regionale Verfahren als attraktive Alternative zu systemischen Opioiden. ⚠️ Opioide bei Entlassung Ein weiterer wichtiger Aspekt: Bei Entlassung aus der Notaufnahme sollten Opioide möglichst zurückhaltend verordnet werden. Wenn erforderlich: niedrigste wirksame Dosierung kürzestmögliche Dauer idealerweise maximal 2–3 Tage Außerdem sollte Naloxon verfügbar sein, wenn stärkere Opioide eingesetzt werden. 💡 Take-Home Messages Oligoanalgesie bleibt ein relevantes Problem in Präklinik und Notaufnahme. Kinder erhalten besonders häufig eine unzureichende Schmerztherapie. Schmerzmanagement sollte interprofessionell organisiert sein. Analgesie kann und sollte bereits vor Anlage eines IV-Zugangs beginnen. Die Leitlinie stärkt den Einsatz von Morphin, Ketamin und Regionalanästhesie. Tramadol, Codein und Oxycodon werden deutlich kritischer bewertet als in der Vergangenheit. Regionalanästhesieverfahren könnten insbesondere bei älteren Patient:innen künftig eine größere Rolle spielen. 🎧 Hörenswert für Notfallsanitäter:innen Rettungsdienstpersonal Pflegefachpersonen in Notaufnahme und Akutmedizin Anästhesist:innen Notfallmediziner:innen Allgemeinmediziner:innen Ärzt:innen in Weiterbildung 👉 Diese Podcast-Folge wird von der Hire a Doctor Group gesponsert: 👉 Lust auf berufliche Abwechslung? Die Hire a Doctor Group vermittelt Sie als Notfallsanitäter:in [https://hireadoctor.de/rettungsdienst/?mtm_campaign=podcast-notfallguru-retter], Notfallmediziner:in [https://hireadoctor.de/notarzt-vermittlung/?mtm_campaign=podcast-notfallguru-arzt] oder Notfallpfleger:in [https://hireadoctor.de/pflege/?mtm_campaign=podcast-notfallguru-pflege] für befristete Einsätze in Notaufnahmen oder Rettungsdienste. Sie bestimmen, wann, wo und wie lange Sie eingesetzt werden. Sie erhalten neue Einblicke und eine attraktive Bezahlung. 👉 Zeit für den nächsten Karriereschritt? 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