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Gazacide – es gibt keinen Waffenstillstand, das Morden geht weiter

💜116 min · 12. juni 2026
episode Gazacide – es gibt keinen Waffenstillstand, das Morden geht weiter cover

Beskrivelse

„Der Tod menschlicher Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen einer Kultur, die im Begriff ist, in die Barbarei zu verfallen.“ (Hannah Arendt) Am 19. Mai erhielt der palästinensische Journalist Rami Abu Jamous den Nord-Süd-Preis des Europarats. Jamous war Gründer der Agentur GazaPress, die westlichen Journalisten bei Recherchen und bei Übersetzungen half. Im Oktober Weiterlesen [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152142]

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episode 21,5 Prozent CDU/CSU, 12,5 Prozent SPD, 29 Prozent AfD: Die ehemaligen Volksparteien fahren mit Vollgas auf die Mauer zu cover

21,5 Prozent CDU/CSU, 12,5 Prozent SPD, 29 Prozent AfD: Die ehemaligen Volksparteien fahren mit Vollgas auf die Mauer zu

Laut einer aktuellen INSA-Umfrage [https://www.wahlrecht.de/umfragen/insa.htm] zur Bundestagswahl liegen CDU/CSU bei 21,5 Prozent. Die SPD kommt auf 12,5 Prozent und die AfD auf 29 Prozent. Die ehemaligen Volksparteien sind zu einem Schatten ihrer selbst verkommen. Trotzdem lautet die Losung: „Volle Fahrt voraus!“, während der wache Teil der Bevölkerung immer lauter ruft: „Vorsicht, Mauer!“ Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Was sagen wohl die Mitglieder der Regierungsparteien bei Betrachtung der aktuellen Umfrageergebnisse? Wahrscheinlich: „Das ganze Land steht hinter uns. Wir sind auf dem richtigen Kurs. Weitermachen.“ Die Realitätsverweigerung auf politischer Seite ist längst hinlänglich bekannt. Seit vielen Jahren machen die ehemaligen Volksparteien samt ihrer Koalitionsanhängsel konsequent eine Politik am Interesse des Landes vorbei. Bei aller gebotenen Distanz zu Umfragen und den zu ziehenden Schlüssen: Der Verlust an Wählern sowohl bei der CDU als auch der SPD ist echt. Dass auf der anderen Seite die AfD immer stärker wird und längst kurz davor ist, die 30 Prozent zu reißen, verdeutlicht das Ausmaß der „Brett-vorm-Kopf-Politik“ der Regierung. „Volle Fahrt voraus!“ lautet die Losung, während der wache Teile der Bevölkerung immer lauter ruft: „Vorsicht, Mauer!“ Doch es nutzt ja nichts. Allen Anzeichen und allen Warnungen zum Trotze regiert die Regierung so wie seit Jahrzehnten: Sie setzt ihre politische Talfahrt fort – egal, was kommt. Ob Energiepolitik, Wirtschaftspolitik, Migrationspolitik, Russlandpolitik, Armutspolitik: Kein Sinn, kein Verstand, kein Erkenntnisgewinn. Nichts. Absolut nichts davon ist bei dieser Regierung zu sehen. Der Volksmund sagt: „Aus Fehlern lernt man.“ Und das stimmt. Nur nicht für diese Politik. Es ist ja nicht nur so, dass sie sich weigert, aus Fehlern zu lernen. Sie weigert sich mit Nachdruck, überhaupt anzuerkennen, dass sie Fehler macht. Wobei: Bei Lichte betrachtet wird das Gerede von „Fehlern“ der Situation nicht gerecht. Dass nämlich „Fehler“ immer und immer und immer wieder nur in eine Richtung gehen, ist unwahrscheinlich. Diese Politik des Totalschadens verläuft zielgerichtet. Titelbild: penofoto / Shutterstock[http://vg07.met.vgwort.de/na/6547caca774840cf96d8e5389a7c19f4]

I går3 min
episode Lisa Fitz – Wie Mitarbeiter ticken cover

Lisa Fitz – Wie Mitarbeiter ticken

Stellen wir uns vor, so ein Sozialkredit-System würde bei uns eingeführt. Punkte sammeln wie Autofahrer in Flensburg, nur umfassender: Bist du politisch korrekt, klimaneutral, meinungsstabil? Dann musst du dich als systemkonformer Mitarbeiter trotzdem ganz schön nach der Decke strecken, um den Job in diesen Zeiten zu behalten. Dann reicht es nicht mehr, dass du meinungskonform/-kompatibel gelächelt hast – dann musst du performen. Und die KI sitzt schon im Büro nebenan und flüstert: „Ich mach das schneller. Und billiger. Und ohne Urlaub. Ohne Krankheit und ohne Weihnachtsgeld.“ Von Lisa Fitz. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. ---------------------------------------- Externer Inhalt Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen. Inhalt von Youtube zulassen Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen ---------------------------------------- Die nächsten Auftritts-Termine und das aktuelle Programm von Lisa Fitz erfahren Sie stets auf der Website lisa-fitz.de [https://www.lisa-fitz.de].

I går9 min
episode „Unsere Demokratie“ oder Wie die AfD von der Dummheit der etablierten Parteien profitiert cover

„Unsere Demokratie“ oder Wie die AfD von der Dummheit der etablierten Parteien profitiert

Die Redewendung von „Unserer Demokratie“, die von diversen Politkern der etablierten Parteien genutzt wird, bedarf einer genaueren Analyse. Was ist mit dieser Redewendung genau gemeint? Ist „unsere Demokratie“ die Demokratie im eigentlichen Sinne des Begriffs – also eine Volksherrschaft, die so auch im Grundgesetz normiert ist? Oder ist es, wie manche Kritiker behaupten, eine verkürzte Demokratie, auf die die (etablierten) Parteien Besitzansprüche geltend machen – also mithin eine Parteiendemokratie? Von Alexander Neu. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Demokratie und Parteiendemokratie Wenn wir in Deutschland von Demokratie sprechen, wird darunter landläufig die repräsentativ-parlamentarische Demokratie verstanden: Alle vier Jahre finden Bundestagswahlen statt. Der Staatsbürger darf für einen Tag der Souverän sein und sich zwischen einer Vielzahl von Parteien entscheiden. Hat er sein Kreuzchen auf dem Wahlzettel gemacht, verabschiedet er sich wieder vom Status des Souveräns für die nächsten vier Jahre. Er hat der gewählten Partei einen politischen Blankoscheck ausgestellt und kann nur hoffen, dass diese Partei, sofern sie in die Regierungsverantwortung gelangt, ihre Wahlversprechen im Wesentlichen umsetzt. Erfüllt diese in Regierungsverantwortung stehende Partei ihr Wahlversprechen nicht, dann hat er eben Pech – kann sich bei der nächsten Wahl ja revanchieren, indem er eine andere Partei wählt, die sich im Zweifel ebenso verhält. Das ist, vereinfacht gesagt, das landläufige und weitgehend praktizierte Demokratieverständnis in Deutschland seit Inkrafttreten des Grundgesetzes 1949. Dieses praktizierte Demokratieverständnis ist nicht verfassungswidrig, jedoch unvollständig: Artikel 20 Abs. 2 sowie Artikel 21 Abs. 1 Grundgesetz ermöglichen es, dass politische Parteien an der politischen Willensbildung (mit)wirken. In der politischen Praxis läuft dies auf eine indirekte Demokratie (durch Parteien vermittelte politische Interessen) hinaus. Aber das ist die eine und auch nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille lautet: Das Grundgesetz ermöglicht auch eine direktere, eine wirklich partizipative Demokratie – den Volksentscheid. Dazu aber später. Wenn politische Parteien die Demokratie auf ein politisches Willensbildungsmonopol der Parteien verkürzen und absichern, indem sie andere, verfassungsoffene Partizipationsmöglichkeiten totschweigen und mit abenteuerlichsten Argumenten zu verhindern suchen, handelt es sich letztlich um eine lupenreine Parteiendemokratie mit der auch unschönen Tendenz zum Parteienstaat. In einem Parteienstaat monopolisieren die Parteien nicht nur den politischen Willensbildungsprozess, sondern auch die Besetzung staatlicher Ämter mit „ihren Leuten“. Die Besetzung relevanter Staatsämter wird zwischen den Parteien ausgehandelt – der bekannte Fall um die gescheiterte Kandidatin für das Amt als Richterin am Bundesverfassungsgericht steht sinnbildlich hierfür. Das („richtige“) Parteibuch wird unter Umständen zum ausschlaggebenden Kriterium für die Besetzung staatlicher Ämter – es herrscht Parteienfilz. Parteiungebundene Kräfte oder Akteure mit dem „falschen“ Parteibuch haben kaum eine Chance auf ein hochrangiges staatliches Amt. Ist diese Phase erreicht, so handelt es sich im Extremfall nicht mehr nur um die Teilhabe der Parteien an staatlicher Macht, sondern um die mögliche Übernahme des Staates durch die Parteien. Partei(en) und Staat verschmelzen sodann faktisch miteinander. Gewählte Parteien schließen andere gewählte Parteien aus – demokratische Absurdität oder „unsere Demokratie“ Wenn Parteien in den Parlamenten, die ja staatliche Einrichtungen sind, darüber entscheiden, welche anderen vom Volke, dem Souverän, gewählte Parteien im staatlichen Parlament mitmachen und nicht mitmachen dürfen, wer beispielsweise von parlamentarischen Posten ausgeschlossen wird, schlimmstenfalls sogar unter sehr abenteuerlichen Interpretationen oder rasch vorgenommenen Änderungen der parlamentarischen Geschäftsordnungen, dann ist ein Zustand erreicht, bei dem die Alarmglocken läuten sollten. Dann erhält die Redewendung von „unserer Demokratie“ ein besonderes „Geschmäckle“ – das Geschmäckle des die Demokratie im eigentlichen Sinne einschränkenden Parteienstaates: ein Parteienstaat, in dem ein Parteienkartell die demokratischen Spielregeln gegenüber der ungeliebten Drittpartei(en) außer Kraft setzt, um diese konkurrierenden Parteien, die von einem Teil des Volkssouveräns demokratisch gewählt sind, von staatlichen Posten und politischen Informationen fernzuhalten. „Unsere Demokratie“ bedeutet dann nichts weniger als die Demokratie der kartellierenden Parteien, die unter sich bleiben wollen, ungeachtet dessen, was ein Teil des Souveräns will und wählt. Nur, solange eine Partei nicht verboten ist, ist es unter demokratietheoretischem als auch verfassungsrechtlichem Gesichtspunkt mehr als fragwürdig, wenn diese Partei/Fraktion von anderen Parteien/Fraktionen daran gehindert wird, ihnen zustehende parlamentarische Posten zu übernehmen. Dies ist kein Plädoyer für die AfD oder auch DIE LINKE, sondern ein Plädoyer zur Verteidigung unserer aller Demokratie und des Grundgesetzes. Bumerang oder Realsatire Hinzu kommt: Wenn parlamentarische Geschäftsordnungen und möglicherweise die Verfassungen neu interpretiert oder geändert werden, um der AfD oder der LINKEN den Zugang zu Ämtern und Posten zu verwehren, ist das nicht nur ein demokratisches Problem. Es kann auch zum ungewollten Bumerang werden. Sollte die AfD entsprechende Mehrheiten in den Länderparlamenten erreichen, kann sie die von den etablierten Parteien ursprünglich gegen sie geänderten Rechtslagen nun auch gegen die etablierten Parteien selbst anwenden – und das mit dem Hinweis, sie, die AfD, habe diese Rechtslagen ja nicht geschaffen. Auf diese Weise würden die etablierten Parteien den autoritären Boden letztlich für die AfD vorbereiten. Pure Realsatire: Dümmer geht es kaum noch. Das zeigt, wie rein taktisches Denken sich zu einem gefährlichen Eigentor herausbilden kann, das die „Politikexperten“ der etablierten Parteien natürlich nie haben vorhersehen können – so die dann zu erwartende nicht minder dämliche Erklärung. Wehrhafte Demokratie Das Instrument der „wehrhaften Demokratie“ ist ein nachvollziehbares, aber auch ein sehr sensibel zu nutzendes Instrument – hergeleitet aus den Erfahrungen der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933. Legitimes Ziel ist es, zu verhindern, dass die Feinde der Demokratie durch die Machtübernahme diese erneut beschädigen oder gar abschaffen können. Die „wehrhafte Demokratie“, an deren Ende angesichts der innewohnenden Gefahr der übermäßigen Nutzung dann selbst ein autoritäres Gebilde steht, ist ein sehr restriktiv anzuwendendes Instrument: Eine „wehrhafte Demokratie“ kann nämlich auch die Demokratie zu Tode schützen, mithin durch autoritäre Maßnahmen die Demokratie im Namen der Demokratie scheibchenweise in eine autoritäre Herrschaft überführen. Diesem Prozess muss nicht unbedingt eine Strategie zugrunde liegen. Dieser Prozess der schleichenden Autokratisierung des Liberalismus kann auch das Ergebnis eines nur unreflektierten Politikverständnisses oder einer ideologisierten Politik sein. Dieser Prozess kann auch das Ergebnis eines rein taktischen Manövers sein, bloß um lästige Konkurrenten auszuschalten. Gleichgültig, was das Motiv für diesen Prozess sein mag, er höhlt die politische Demokratie aus, droht sie zu einer Fassade zu degradieren. Um diese Gefahr des „Ausschlusses“ politischer Konkurrenten durch politische Parteien via Parlamentsmehrheit oder durch die von ihnen getragene Regierung zu minimieren, obliegt die Entscheidungshoheit, ob eine Partei (Parteienverbot Art. 21 Abs. 2 GG) eine Gefahr für die freiheitliche demokratische Grundordnung (fdGO) darstellt und entsprechend verboten wird, nicht den politischen Parteien/der parlamentarischen Mehrheit oder der Regierung. Sie obliegt im Sinne der horizontalen Gewaltenteilung einzig dem Bundesverfassungsgericht (Art. 21 Abs. 2). Grundgesetz, Souverän und direkte Demokratie Ein zentrales Element gegen die Parteiendemokratie und die Gefahren eines Parteienstaates ist das Instrument des Volkentscheides als Bestandteil des politischen Willensbildungsprozess. Die in der griechischen Antike formulierte Demokratie, die Volksherrschaft, durch direkt-demokratische Entscheidungen praktiziert, mithin den Volksentscheid, war das eigentliche und prioritäre Instrument des politischen Willensbildungsprozesses. Ist dieses ureigentliche demokratische Instrument des politischen Willensbildungsprozesses im Grundgesetz überhaupt vorgesehen? Was sagt also das Grundgesetz zur Thematik der „politischen Willensbildung“, zur Demokratie? Hierzu ist zunächst auf den Artikel 20 Abs. (2) GG zu verweisen. Dieser Artikel benennt den Staatsbürger als Souverän: > „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Und wie soll es demokratietheoretisch auch anders sein? Demokratie heißt übersetzt „Herrschaft des Volkes“. Wenn also der Staatsbürger nicht der Souverän ist, von dem die Staatsgewalt ausgeht, dann mögen es viele politische Systeme sein, aber auf keinen Fall ist es ein demokratisches System. Die Volkssouveränität, also die Souveränität des Volkes selbst, über die politische Organisation des Gemeinwesens auf der Grundlage freier Diskurse und der Dialektik zu entscheiden, ist nicht nur ein Element der Demokratie, nein, sie ist konstitutiv für die Demokratie. Ohne echte Volkssouveränität keine Demokratie. Im nachfolgenden Satz des Artikel 20 Abs. 2 GG heißt es: > „Sie (die Staatsgewalt, A. Neu) wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.“ Hier sind die beiden Begriffe „Wahlen“ und „Abstimmungen“ interessant. Mit „Wahlen“ sind unzweifelhaft die Bundestagswahlen gemeint. Was aber ist mit „Abstimmung“ gemeint? Ist damit eine direkte politische Entscheidung des Souveräns gemeint – also Volksentscheid? Ja, genau das ist der Fall. Ergänzt wird diese Annahme durch einen weiteren Verfassungsartikel, nämlich Artikel 21 Abs. 1 GG: > „Die Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit.“ Mitwirkung bedeutet eben kein Wirkungsmonopol der Parteien, sondern „nur“ deren Mitwirkung. Und das Substantiv „Mitwirkung“ respektive das Verb „mitwirken“ impliziert mindestens zwei Subjekte, zwei Akteure – hier neben den Parteien eben auch das Volk. Darüber hinaus findet in Artikel 29 Abs. 2 GG („Neugliederung des Bundesgebietes“) der Begriff des „Volksentscheids“ explizite Erwähnung. Kurzum: Das Grundgesetz selbst eröffnet die Möglichkeit von Volksentscheiden – konkret durch Artikel 20 Abs. 2 GG („Abstimmungen“) –, kennt den Begriff „Volksentscheid“ (Artikel 29 Abs. 2) und verankert im Umkehrschluss weitere Partizipationsmöglichkeiten (Artikel 21 Abs. 1 – Mitwirkung der Parteien) – hier mangels weiterer Formen wohl ebenfalls den Volksentscheid. Dass die Verfassungsrealität auf eine Parteiendemokratie, einen Parteienstaat durch die herrschenden Parteien verengt wird, bedeutet hingegen nicht, dass dies so bleiben muss. Das Grundgesetz hingegen benennt auch die partizipative Demokratie als weiteres, als ergänzendes, als korrigierendes Instrument der politischen Willensbildung. Ein Blick in das Bonner Grundgesetz lohnt sich. Repräsentative-parlamentarische Demokratie oder Volksentscheide – kein entweder oder Die auf Bundesebene praktizierte Form der repräsentativ-parlamentarischen Demokratie hat nicht nur ihre verfassungsrechtliche, sondern auch in der politischen Praxis ihre Daseinsberechtigung: Die politische Gestaltung eines hochkomplexen Gemeinwesens (Gesellschaft, Staat und Wirtschaft) ist nicht mit reinen Volksentscheiden zu verwirklichen: Hunderte von Anträgen und Gesetzentwürfen passieren jährlich den Deutschen Bundestag. Selbst die Bundestagsabgeordneten verstehen in aller Regel nicht alle Gesetzentwürfe und Anträge, sondern zumeist nur jene, die in ihrem Fachbereich liegen. Häufig beinhalten Gesetzesnovellierungen nur Detailfragen. Aber kann dieser Umstand der gesellschaftlichen Komplexität ein Monopol der repräsentativ-parlamentarischen Demokratie begründen? Nein, ein solches Verständnis steht diametral zum Demokratieverständnis gemäß der Definition von Demokratie – einmal von der verfassungsrechtlichen Komponente (Art. 21 GG) abgesehen. Ebenso kann eine ausschließlich direkte Demokratie weder verfassungsrechtlich hergeleitet noch durch die politische Praxis begründet werden. Die ausschließlich direkte Demokratie mag in den antiken Stadtstaaten Athen und Sparta funktioniert haben – sie funktioniert aber schon nicht mehr in den heutigen Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen, geschweige denn auf Bundesebene angesichts des hochkomplexen Gemeinwesens. Nur die gesunde Mischung aus beiden Demokratieformen „Wahlen“ von repräsentierenden Parteien und „Abstimmungen“ des Volkes, des Souveräns, ermöglichen eine Versöhnung von politischer Praktikabilität und demokratischem Anspruch. Der Volksentscheid als Initiativinstrument (Volk bringt eigenen Gesetzentwurf zur Abstimmung ein) oder reagierendes Korrektivinstrument (Volk fordert per Abstimmung die Aufhebung eines vom Parlament beschlossenen Gesetzes) ist die demokratische Antwort auf die Herausbildung eines Parteienstaates. Der Bürger würde mit dem Instrument des Volksentscheids vom vorwiegend nominellen (indirekte und Parteiendemokratie) zum echten, weil mitentscheidenden Souverän (unmittelbare Demokratie). Damit könnten politische Fehlentscheidungen zwar nicht verhindert, jedoch könnte das Wachsen der Kluft zwischen Repräsentanten und Repräsentierten verhindert werden. Eine Annäherung an das demokratische Prinzip, der – ideellen – Identität von Regierten und Regierenden, von Rechtsunterworfenen und Rechtssetzenden würde so ermöglicht. „Unsere Demokratie“ wäre dann tatsächlich unser aller Demokratie. Und selbstverständlich können auch direktdemokratische Entscheidungen falsch sein, aber dann muss eine Gesellschaft mit der selbst herbeigeführten Misere auch leben. Auch direktdemokratische Entscheidungen können verfassungswidrig sein, aber dann würde und müsste auch hier das Bundesverfassungsgericht, gleichsam einer verfassungswidrigen parlamentarischen Entscheidung, handeln. Ein gut ausgewogenes demokratische Hybridsystem von direkter und indirekter Demokratie kann die Funktionsfähigkeit des politischen Betriebes auch in einem hochkomplexen Gemeinwesen sicherstellen. Die Schweiz beweist es. Es könnte den offensichtlichen Parteienverdruss mindern und das demokratische Verantwortungsgefühl des Staatsbürgers als Souverän stärken – „unsere Demokratie“ wäre dann zweifellos unser aller Demokratie. Titelbild: Mahmoud Mahdi Photo[https://vg01.met.vgwort.de/na/8fa34d4a697d4dfdab97df561371e423]

I går16 min
episode Keir Starmer, ein Handelsvertreter der Macht cover

Keir Starmer, ein Handelsvertreter der Macht

Keir Starmer ist das perfekte Beispiel der neuen Banalität der Handelsvertreter imperialer Interessen. Nicht starke Persönlichkeiten halten offensichtlich ein solches System noch am Leben, sondern angepasste Funktionäre ohne feste Überzeugungen. Starmer war nie mehr als das freundliche Gesicht politischer Kräfte, die Demokratie abbauen, Kriege antreiben und Völkermord ermöglichen und unterstützen. Er war dazu da, die gesellschaftlichen Interessen seiner Bevölkerung zugunsten der Bedürfnisse von Macht- und Finanzeliten zu verraten und dabei so unspektakulär und harmlos wie möglich zu wirken. Jetzt hat er seinen Rücktritt angekündigt. Ein Kommentar von Maike Gosch. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Als Starmer die Labour-Partei übernahm, versprach er, die pragmatische Alternative zu Jeremy Corbyn zu sein und die Partei zum Erfolg zu führen. Stattdessen hat er die Labour-Partei, die historische Partei der Arbeiterbewegung in Großbritannien, komplett entkernt – beziehungsweise das, was von ihr nach Tony Blairs „New Labour“-Projekt noch übrig war, endgültig zerlegt. Unter dem Deckmantel der „Modernisierung“ und dem Vorwand von konstruierten „Antisemitismus-Vorwürfen“ zerstörte er zunächst Corbyns Karriere, „säuberte“ die Partei dann von Corbyns Anhängern und errichtete ein repressives internes Parteiregime, das jede abweichende Meinung im Keim erstickte. Demokratische Strukturen innerhalb der Partei wurden abgebaut, Abgeordnete bei der geringsten Kritik sanktioniert und die Partei damit systematisch in ein gefügiges Werkzeug für neoliberale Interessen, transatlantische Eliten, den Kriegskurs der NATO und die pro-zionistische Lobby verwandelt. Der Betrug am Wähler und an der Parteibasis begann schon mit Starmers berühmten „10 Pledges“ (zehn Versprechen), mit denen er 2020 die Labour-Mitglieder davon überzeugte, ihn anstelle von Jeremy Corbyn zum Parteivorsitzenden zu wählen. Darin versprach er z.B. höhere Steuern für Spitzenverdiener, die Abschaffung von Studiengebühren, einen Green New Deal, die Stärkung der Gewerkschaften, die öffentliche Kontrolle zentraler Infrastruktur, eine an Menschenrechten orientierte Außenpolitik und weitere Positionen, die viele Mitglieder als Fortführung des Corbyn-Kurses verstanden. Kaum im Amt, begann Starmer jedoch, eines dieser Versprechen nach dem anderen zu kassieren. Steuererhöhungen für Reiche wurden verworfen, die Abschaffung der Studiengebühren aufgegeben, zentrale Elemente des Green New Deal gestrichen, die Rekommunalisierung von Energie- und Wasserversorgung fallen gelassen, und selbst die versprochene Orientierung an Menschenrechten zeigte sich spätestens bei Gaza als leere Floskel, wenn nicht als purer Zynismus. Am Ende verschwanden die „10 Pledges“ sogar von seiner eigenen Website. Starmer gewann also die Führungsposition der Partei mit einem Programm, das er anschließend selbst systematisch demontierte – was fast schon wie eine satirische Überzeichnung von politischem Opportunismus wirkt. Starmer lieferte auch in anderer Hinsicht konsequent das Gegenteil von dem, was er versprach. Lange stützte er seine politische Glaubwürdigkeit auf seine Vergangenheit als hochqualifizierter Jurist im Bereich Menschenrechte. Umso bitterer, dass er in seiner Tätigkeit als Politiker wahrscheinlich für nichts stärker in Erinnerung bleiben wird als dafür, den Völkermord Israels an den Palästinensern gedeckt und aktiv unterstützt zu haben und dafür für den massiven Abbau von Bürgerrechten im eigenen Land gegen Menschen, die dagegen protestierten, verantwortlich zu sein. Starmer hat bewiesen, dass er ein Mann ohne jede politische Überzeugung ist – ein Technokrat der Macht, ein Opportunist reinsten Wassers, mit dem „Look & Feel“ einer Ken-Plastikpuppe. Jetzt, wo er seinen Rücktritt angekündigt hat (und auch schon während seiner Amtszeit), wird in Großbritannien viel von ihm als „good and decent man“ (guter und anständiger Mann) gesprochen. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Er ist das Gegenteil von prinzipientreu. Seine einzige zweifelhafte Stärke war und ist es, für zynische Machtpolitik, Völkermordunterstützung, die massive Einschränkung von Meinungs- und Versammlungsfreiheit im Dienst der Israel-Lobby und eine massive Fortführung neoliberaler Politik ein guter Verkäufer mit unschuldigem Blick und ruhiger Stimme zu sein. Ohne den Charme eines Obamas, eher mit der langweilig-unschuldigen Ausstrahlung eines braven Schwiegersohns. Mit Starmer kippt der erste aus dem Triumvirat der unbeliebten Regierungschefs der drei mächtigsten europäischen Länder. Zusammen mit Präsident Macron in Frankreich und Bundeskanzler Merz in Deutschland hatte auch er die zweifelhafte Ehre, bei der eigenen Bevölkerung historisch unbeliebt zu sein. Auch bei Macron und Merz hat man den Eindruck, dass sie inzwischen gegen den Willen der eigenen Bevölkerung regieren. Macron sitzt aufgrund der Besonderheiten der französischen Verfassung immer noch im Sattel, obwohl er die Parlamentsmehrheit längst verloren hat und die von ihm ernannten Premierminister immer wieder von Misstrauensvoten gestürzt wurden. Egal, wie oft die Opposition (sowohl von links als auch von rechts) seinen Rücktritt fordert, er tut es einfach nicht. Ob er sich so bis zum regulären Ablauf seiner Amtszeit im Mai 2027 halten wird, ist fraglich, aber es würde auch nicht mehr überraschen. Das inzwischen blinde Klammern an die Macht ist ja zum neuen „Normal“ geworden. Auch Merz hat historische Unbeliebtheitswerte. Ungeheure 78 Prozent der Bevölkerung sind mit seiner Arbeit unzufrieden. Aber um ihn abzusetzen, braucht es ein konstruktives Misstrauensvotum, bei dem sich die Opposition im Bundestag auch auf einen alternativen Kanzler geeinigt haben muss – was sehr unrealistisch ist. Zudem wird die SPD einen Teufel tun, die Koalition platzen zu lassen und Neuwahlen anzustreben, weil sie sich laut den Sonntagsfragen ebenfalls an einem historischen Tiefpunkt befindet und daher Neuwahlen auf Bundesebene aktuell hauptsächlich der AfD nützen würden. Dennoch kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass mit dem Rücktritt Starmers diese „unpopuläre Front“ deutliche Risse zeigt und vielleicht auch die anderen beiden Pfeiler bald einzustürzen drohen. In Großbritannien wird vermutlich zunächst die rechte Reform-Partei von Nigel Farage profitieren, aber auch die Green Party (nicht zu verwechseln mit den deutschen Grünen) steht bereit (siehe zu ihrem Aufstieg hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=147904]). Als Nachfolger von Starmer wird Andy Burnham gehandelt – bis vor Kurzem Bürgermeister von „Greater Manchester“ mit einem aktuellen Sieg im Rücken (er gewann am 19. Juni die Nachwahl und wurde Abgeordneter im Parlament). Mit diesem Kandidaten will die Partei vermutlich frischen Wind für einen Neustart signalisieren. Wes Streeting, ehemaliger Gesundheitsminister von Keir Starmer, der davor als Kandidat gehandelt wurde, war selbst noch viel zu nah am „System Starmer“ und der Clique rund um Morgan McSweeney und Peter Mandelson, um das glaubwürdig verkörpern zu können (s. hierzu ausführlich [https://www.nachdenkseiten.de/?p=146366]). Viele Kommentatoren bemängelten aber bereits Burnhams Nähe zur Pro-Israel-Lobbyorganisation „Labour Friends of Israel“, deren Mitglied er seit 2015 ist, sowie die Tatsache, dass er es bis jetzt nicht geschafft hat, das Vorgehen Israels gegen die palästinensische Bevölkerung deutlich zu verurteilen. Als Bürgermeister von Manchester war er jedoch sehr beliebt und es spricht für ihn, dass er – anders als Tony Blair und Keir Starmer vor ihm – kein Teil der Londoner Elitezirkel ist [https://www.middleeasteye.net/opinion/long-last-starmer-out-can-burnham-bring-new-hope-britain]. Es bleibt abzuwarten, ob er vernünftige sozialdemokratische Politik und ethische Prinzipien zurück in die britische Politik bringen wird oder lediglich ein weiteres nettes Gesicht ist, das zynische Macht- und Kapitalinteressen vertritt. Auch wenn der Ausgang jetzt noch in den Sternen steht – es kommt dennoch fast so etwas wie Neid auf. Denn auf der Insel besteht damit, anders als in Deutschland, wenigstens eine Chance auf eine politische Erneuerung. Titelbild: Fred Duval / Shutterstock Mehr zum Thema: Ein bisschen Hoffnung [https://www.nachdenkseiten.de/?p=147904] Der Morgan-McSweeney-Komplex [https://www.nachdenkseiten.de/?p=146366] [https://vg07.met.vgwort.de/na/5d506639772f49a6acce1623dae9ebf2]

I går9 min
episode Denglisch for advanced Beginners cover

Denglisch for advanced Beginners

Nachdem ich den Artikel von Albrecht Müller gelesen habe zum Thema „Die Verhunzung unserer Sprache macht Fortschritte“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152344] und ich im Newsletter nochmals auf den Artikel aufmerksam gemacht wurde, bin ich in mich gegangen, überlegte, wann ich dieses Denglisch anwende bzw. wann es mir begegnet, und habe ein paar Tage lang gesammelt, zum Thema, Arbeit, Sport, Sprache meiner Enkelinnen, Werbung u.v.m. Gut, das, was von den Enkelinnen kam, musste ich mir übersetzen lassen. Von Susanne Bur. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Ein ganz normaler fiktiver Tag (oder: Das absolute Cringe-Fest unseres Alltags): Dein Handy weckt dich, weil du das im Timer so gescheduled hast. (Fun Fact für die Besserwisser-Fraktion: „Handy“ ist kein englisches Wort, sondern kommt aus dem Schwäbischen „Hänn die koi Kabel?“. Der Brite nennt das Ding Mobile Phone, der Amerikaner Cell Phone, aber wir sind hier in Germany, also who cares.) Vor dem Aufstehen erst mal die absolute Core-Routine: Durch die Socials scrollen und ein paar Memes liken, die heute viral gehen. Danach kurz die News-Apps auschecken – man muss ja wissen, was die Headers und Subheaders an Breaking News droppen. Vor allem bei der Politik brauchst du das tägliche Update, um zu checken, welche Gamechanger in den aktuellen Kriegen mal wieder performed haben. Exciting! Ich dachte immer, Krieg sei die Hölle, aber dass es ein Game ist, also ein Spiel, lässt die Grausamkeiten doch viel freundlicher wirken. Dann: Aufstehen, das Outfit of the Day wählen und ab in den Job. Das Business-Meeting: Wo die Magic happens: Heute steht ein Marketing Meeting an – ein großes Event wirft seine Schatten voraus. Einer der Sales Manager kommt natürlich late, weil ihn der Check-In am Airport ge-delayed hat. Absolute Katastrophe, denn wir haben eine unfassbar tighte Deadline. Plötzlich crasht der Kollege aus der IT rein: Er braucht dringend einen Quick Call mit dem gesamten Team, um uns zu updaten. Parallel fragt der Customer Service, ob die Flyer schon ready gedruckt sind. Und boom – plötzlich talkst du wie ein kalifornischer Tech-Bro auf Koks, obwohl du eigentlich nur sagen wolltest, dass der Drucker im Flur mal wieder einen Papierstau hat. Deep. Shopping-Time & Generation-Crash: Nach dem Business schnell noch eine Runde Shoppen gehen. Die Enkelinnen (13 und 15) kommen zu Besuch. Also Quality Time im Discounter, Lebensmittel-Restocking betreiben. Und hey, ein paar T-Shirts für die Kids müssen auch mit. Direkt rein in die Grabbelkiste, über der ein fettes SALE-Schild prangt. Die Power-Drinks nicht vergessen – die lieben die Beiden. Schnell nach Hause und auf der Couch noch kurz chillen, bevor der Nachwuchs über dich herfällt wie eine Horde hungriger Zombies. Sie sind da! Ab jetzt wird’s richtig anstrengend. Am besten fährst du direkt den Google Translator oder eine High-End-KI hoch, um dieses Kauderwelsch zu entschlüsseln. Die Stories sprudeln nur so aus ihnen heraus – alles Updates aus ihrem Life. Aber hey, du bist heute der absolute Hero und maximal cool, weil du Eis gesnackt hast und eine TK-Pizza in den Air Fryer schiebst. Die Vibes mit den Freundinnen? Komplett lit! Jungs? Alle doof und lost, die werden direkt ge-ghosted. Aber der neue Crush? Absolute Ausnahme, der ist einfach nur slay. Du wirst direkt gezwungen, dir auf TikTok eine Influencerin reinzuziehen, die dir die neuesten Basics zeigt – angeblich absolute Klamotten-Must-Haves, um überhaupt noch in zu sein. Der Feierabend-Overkill: Dank deines Smart-TVs wird jetzt eine neue Serie gestreamt, die die Kids unbedingt sehen müssen. Du starrst auf den Screen und hörst nur Jugend-Gedöns, das du in deinem Alter mental nicht mehr verarbeiten kannst, performed von Stars, die du aus der Boomer-Generation nicht kennst. Bevor du komplett im Binge-Watching versinkst, gehst du als Raucher erst mal auf den Balkon und ziehst dir zwei bis drei Glimmstängel zur Beruhigung rein. „Hilfe, ich verstehe die Welt nicht mehr!“ Aber hey: Keep calm, have a break, have a Kitkat. Solche Micro-Pauses sind schließlich essenziell für die eigene Work-Life-Balance. Schnell noch ein paar Runden Stuhl-Yoga, um den Body in shape zu halten, während der Mind schon Feierabend hat. Die Boomer unter uns erinnern sich bestimmt noch an die Jacobs-Kaffee-Frau: das ultimative Role Model. Gut aussehend, beruflich erfolgreich, fancy Wohnung, sportlich und meistens glücklicher Single. Peak Performance halt. Weil gerade die Fußball-WM live übertragen wird – natürlich zu absolut unnormalen Zeiten mitten in der Nacht –, wird das Binge-Watching eiskalt ge-cancelt. Zeit für den guten alten Volkssport. Der Moderator legt direkt los: „Der Coach hat das Team gestern noch mal richtig ge-briefed und mental eingeschworen. Jetzt schießt Spieler X mit maximalem Wumms Richtung Tor… der Keeper ist chancenlos! Die Meute schreit GOAL! Aber Pfiff vom Referee: Der Spieler war im Offside! Großes Kino. Sprachlich so high-level, dass selbst ein fades 0:0 klingt wie ein glorreiches 7:1. „Deutschland wankt gegen die Elfenbeinküste, dann kommt der Finisher Deniz Undav. Mit zwei Treffern dreht der abermals eingewechselte Stürmer die Partie. Er ist jetzt Topscorer der gesamten WM.“ (Subheader bei der WELT) Und genau so husteln wir uns durch den Tag. Wir chillen, streamen, binge-watchen, fixen und updaten uns durch dieses Konstrukt namens Leben. Immer schön das richtige Framing im Hinterkopf behalten, bis wir am Ende des Tages gar nicht mehr checken, dass wir eine völlig mutierte Sprache sprechen: Denglisch. Aber hey – dabei bitte immer schön politically correct bleiben! I wish you what! p.s.: Verhunzen können die Politiker auch nicht schlecht, kleine Aufgabe für „runaways“ :-) in Deutsch und Englisch: Bitte übersetzt mal das offiziell längste deutsche Wort ins Englische:„Grundstücksverkehrsgenehmigungszuständigkeitsübertragungsverordnung“ Bedeutung: Eine Verordnung darüber, wer dafür zuständig ist, die Genehmigung für den Verkehr (Kauf/Verkauf) von Grundstücken zu übertragen. ---------------------------------------- Glossar: einige möglicherweise gänzlich unbekannte Begriffe: * cringe: Fremdschämen bzw. peinlich (der absolute Klassiker, war auch schon Jugendwort des Jahres) * viben/Vibs haben: Eine gute Zeit haben, sich gut verstehen oder die Atmosphäre genießen („Wir viben voll miteinander“) * lit: toll, super, schön * ghosten: Den Kontakt zu jemandem plötzlich und ohne Erklärung komplett abbrechen. * lost: Planlos, verwirrt oder völlig neben der Spur („Ich bin heute echt komplett lost“) * crush: Jemand, in den man heimlich verliebt ist („Mein Crush hat mir geschrieben“) * slay: Großartig sein, cool aussehen oder eine Situation meistern („Dein Outfit slayt richtig“) * Binge-Watching: das Anschauen mehrerer Folgen einer Serie oder sogar ganzer Staffeln direkt hintereinander, oft über mehrere Stunden hinweg. * Topscorer:(top „Spitze“ und scorer „Schütze“),Spieler in einer Mannschaft, der die meisten Punkte erzielt * Offside: Abseits * hustln: Die moderne Bedeutung: Hart arbeiten & Durchziehen

23. juni 20269 min