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Ist EMDR eine echte Alternative zum „Goldstandard“ KVT bei Zwangsstörungen? Wir werfen einen Blick auf die Wissenschaft! Wenn es um die Behandlung von Zwangsstörungen (OCD) geht, führt meist kein Weg an der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) vorbei. Doch was ist mit EMDR, einer Methode, die eigentlich aus der Traumatherapie kommt? Eine spannende Studie von Marsden et al. (2018) hat genau diese beiden Methoden gegeneinander antreten lassen. Die Ergebnisse sind überraschend – und haben ein wichtiges statistisches Detail, das wir uns genau ansehen müssen. Was ist eigentlich der „Goldstandard“? (ERP erklärt) Die weltweit am besten untersuchte und empfohlene Methode ist die KVT mit Exposition und Reaktionsmanagement (auf Englisch: Exposure and Response Prevention, kurz ERP). Das Prinzip klingt simpel, ist aber harte Arbeit: Patienten setzen sich gezielt den Situationen aus, die ihren Zwang auslösen (z. B. Türklinken anfassen), verzichten dann aber bewusst auf die sonst übliche Zwangshandlung (z. B. Händewaschen). Ziel ist es zu lernen, dass die Angst von alleine sinkt, ohne dass man das Ritual durchführt. Die Studie: EMDR vs. ERP In der untersuchten randomisiert-kontrollierten Studie wurden 55 Teilnehmer mit Zwangsstörungen zufällig auf zwei Gruppen aufgeteilt: Die EMDR-Gruppe: Diese Patienten erhielten eine spezielle Anpassung des EMDR-Protokolls für Zwänge. Dabei wurden mit Hilfe der schnellen Augenbewegungen sowohl aktuelle Auslöser (die Zwangsgedanken) verarbeitet, dann Zukunftsszenarien als auch mögliche traumatische Ereignisse aus der Vergangenheit. Die KVT (ERP)-Gruppe: Diese Patienten erstellten eine „Angst-Hierarchie“ und übten systematisch, sich den Ängsten zu stellen (in vivo und in der Vorstellung), ohne die Zwangshandlungen auszuführen. Die Ergebnisse: Ein statistisches Dilemma? Das Fazit der Forscher auf den ersten Blick: Beide Methoden funktionieren! Es gab statistisch keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen – beide zeigten Verbesserungen. ABER – Der Blick auf die Zahlen (Numerical Trend): Hier wird es spannend: Wenn man sich die reinen Zahlen ansieht, hatte die KVT (ERP) die Nase vorn. Der Effekt der Symptomreduktion war bei der KVT etwas stärker (Cohen’s d = -0.24 zugunsten der KVT). Mehr Patienten in der KVT-Gruppe erreichten eine „klinisch signifikante Verbesserung“ (40,0 % bei KVT vs. 21,4 % bei EMDR). Warum war das Ergebnis dann „nicht signifikant“? Das Problem war vermutlich vermutlichdie statistische Power. Mit nur 55 Teilnehmern war die Stichprobe zu klein, um diesen kleineren Vorteil der KVT statistisch zweifelsfrei zu beweisen. Man kann also vermuten: Hätte man 500 statt 55 Leute getestet, wäre die KVT wahrscheinlich auch statistisch als die überlegene Methode bestätigt worden. Fazit: EMDR erwies sich als machbare Alternative, besonders für Menschen, die ERP nicht machen können oder wollen. Dennoch bleibt die ERP (KVT) numerisch und basierend auf der breiten Studienlage der unangefochtene Platzhirsch. Studie: Marsden, Z., Lovell, K., Blore, D., Ali, S., and Delgadillo, J. (2018). A randomized controlled trial comparing EMDR and CBT for obsessive-compulsive disorder. Clinical Psychology and Psychotherapy, 25, e10–e18. https://doi.org/10.1002/cpp.2120 Bücher und Podcasts von Dipl. Psych. Eskil Burck: Buch: Angst - Was hilft wirklich gegen Angst und Panikattacken? (https://psychologie-lernen.de/buecher/angst-was-hilft-wirklich-das-buch/) Die Macht der Situation - Das Buch: http://psychologie-lernen.de/die-macht-der-situation-wovon-sich-menschen-im-alltag-manipulieren-lassen-eskil-burck/?preview=true Das manipulierte Gehirn - Das Buch: http://psychologie-lernen.de/das-manipulierte-gehirn-psychologie-der-unbewussten-beeinflussung-eskil-burck/ Audio-Podcast: Angst – Was hilft wirklich? https://podcasts.apple.com/de/podcast/angst-was-hilft-wirklich-gegen-angst-und-panikattacken/id1450856027
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