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Topthemen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Sport: Wir ordnen ein, wir klären auf, wir bohren nach. "SWR Aktuell Im Gespräch" - das sind Interviews mit Menschen, die etwas zu sagen haben.

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episode Hitze-Tote in Deutschland: "Wir sind zu langsam" cover

Hitze-Tote in Deutschland: "Wir sind zu langsam"

Vielen graut vor der nächsten Hitzewelle. Wir alle erinnern uns an die vergangenen Wochen. Das war kein Sommer-Spaß mehr, das war in vielen Fällen dramatisch: Die Juni-Hitze Ende Juni hat vorläufigen Schätzungen des Berliner Robert-Koch-Instituts [https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Bericht_Hitzemortalitaet.html] zufolge Tausende Menschen in Deutschland getötet. HITZE-SCHUTZ KOMMT NICHT SCHNELL GENUG Das sei nicht überraschend, eine Übersterblichkeit sei schon in früheren Hitzewellen vorgekommen, sagt Julia Hellmann vom LMU Klinikum in München [https://www.lmu-klinikum.de/newscenter/newsmeldungen/tipps-und-tricks-fur-heisse-tage/bde02071fcd880c0]. Sie forscht am Institut für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerhard Leitner sagt sie aber auch: "Ende Juni - das ist wahnsinnig früh im Jahr." Außerdem könnten Gegenmaßnahmen nicht schnell genug greifen: "Es werden ja Programme aufgelegt, die mehr Hitzeschutz in Pflegeeinrichtungen oder in Krankenhäusern beinhalten, aber wir sind nicht schnell genug und die Finanzierung fehlt oftmals." Es fehle also nicht an Lernbereitschaft [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/stuttgart/robert-bosch-krankenhaus-hitze-100.html]. > Wir sind einfach zu langsam. > > > Quelle: Julia Hellmann, LMU Klinikum in München Dazu käme eine psychologische Komponente: Sonnige Sommertage tauchten in unserer Wahrnehmung meist nicht als problematische Extremwetter-Ereignisse auf. "Man denkt: Ach, die Sonne lacht vom Himmel - aber es ist eben ein Extremwetter und deswegen wird die Gefahr auch oftmals unterschätzt." RKI SCHÄTZT ÜBERSTERBLICHKEIT AUF MEHR ALS 5.000 FÄLLE Das Robert-Koch-Institut schätzt, dass in Deutschland in der ersten Jahreshälfte schon mehr Menschen an den Folgen von Hitze gestorben sind, als im gesamten Jahr 2025 - dasselbe treffe auch auf die Jahre 2024 und 2023 zu. Laut dem aktuellen RKI-Bericht zur hitzebedingten Sterblichkeit gab es in Baden-Württemberg fast 800 Tote, in Rheinland-Pfalz 560 - die meisten dieser Sterbefälle gab's im Juni [https://www.swr.de/barrierefrei/leichte-sprache/nachrichten/hitzetote-rki-baden-wuerttemberg-rheinland-pfalz-100.html]. In der Woche vom 22. bis 28. Juni lag die Übersterblichkeit deutschlandweit bei circa 4.300 Fällen. In dieser Woche stiegen die Temperaturwerte in mehreren Orten in Deutschland auf über 40 Grad Celsius. Betroffen waren vor allem ältere Menschen. Die Bundesländer mit der höchsten Übersterblichkeit durch die Hitze waren das Saarland und Rheinland-Pfalz [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/hitze-schutz-wie-sind-kliniken-pflegeheime-vorbereitet-100.html]. WIE KOMMT DAS RKI AUF DIE ZAHL DER HITZE-TOTEN? Die Zahl der Hitzetoten ist eine Schätzung. Das Robert-Koch-Institut ermittelt sie aus den Sterbezahlen in Wochen mit besonders hohen Temperaturwerten, in denen sich regelmäßig eine Übersterblichkeit zeigt [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/bestattungsunternehmen-spueren-folgen-der-hitze-100.html], für die es keine anderen logischen Gründe gibt. Das RKI betonte in einer Stellungnahme, die Auswirkungen der extremen Hitze könnten sogar noch größer sein, als sein Rechenmodell ergab. Das Statistische Bundesamt geht in seiner Schätzung sogar von 6.800 Hitzetoten allein in der Hitzewoche Ende Juni aus. Grund für die Diskrepanz ist eine andere Berechnungsart beim Statistischen Bundesamt.

9. juli 2026 - 6 min
episode Zugbegleiter-Prozess: 10 Jahre für Körperverletzung mit Todesfolge cover

Zugbegleiter-Prozess: 10 Jahre für Körperverletzung mit Todesfolge

Im Fall des in Rheinland-Pfalz getöteten Zugbegleiters Serkan Çalar ist der Angeklagte zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Das Urteil des Landgerichts Zweibrücken [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/urteil-prozess-in-zweibruecken-getoeteter-zugbegleiter-schaffner-100.html] lautet auf Körperverletzung mit Todesfolge - und ist noch nicht rechtskräftig. Das Gericht habe dem 26-jährigen Angeklagten nicht nachweisen können [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/serkan-calar-getoeteter-zugbegleiter-prozess-faq-rechtsfragen-100.html], dass er den Zugbegleiter mit den Schlägen habe töten wollen, so der Richter am Landgericht Zweibrücken. Ein Indiz: "That will teach him", soll der Angeklagte gesagt haben, berichtet SWR-Reporter Andreas Kahlmeyer im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Simon Dörr. Daraus habe das Gericht gefolgert, dass der Angeklagte nicht mit dem Tod des Zugbegleiters gerechnet habe. Zugunsten des Angeklagten habe auch gesprochen, dass er keine Vorstrafen hat und versucht habe, sich zu entschuldigen. TÖTUNGSDELIKT IM FEBRUAR Im Februar war laut Landgericht Zweibrücken eine Fahrkartenkontrolle durch den Zugbegleiter Serkan Çalar in einer Regionalbahn in Landstuhl bei Kaiserslautern eskaliert, weil der Angeklagte kein gültiges Zugticket hatte. Laut Richter schlug der 26-Jährige mehrfach mit so großer Wucht zu, dass Serkan Çalar stürzte, schwerste Kopfverletzungen erlitt und wenig später an einer Hirnblutung starb. Die Tat hat eine breite Debatte über Verrohung in der Gesellschaft [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/kaiserslautern/interview-gewaltforscher-auswirkungen-tot-zugbegleiter-100.html] ausgelöst. DER ANWALT SPRICHT VON EINEM "SCHLAG INS GESICHT" Der Anwalt der Nebenklage spricht von einem klaren Fehlurteil. Gegen das Urteil des Landgerichts Zweibrücken können noch Rechtsmittel eingelegt werden - das hat die Familie von Serkan Çalar [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/erstmals-spricht-familie-des-getoeteten-zugbegleiters-serkan-100.html] auch vor. Sie wolle vor den Bundesgerichtshof ziehen und den Schuldspruch prüfen lassen - Nebenklage-Anwalt Yalçın Tekinoğlu sagte wörtlich: "Serkan Çalar wurde mit mindestens vier Schlägen getötet und niedergestreckt. Das Urteil heute ist für die Angehörigen und für alle Menschen, die für dieses Gemeinwesen arbeiten und sich jeden Tag in Gefahr begeben, ein weiterer Schlag ins Gesicht gewesen."

9. juli 2026 - 4 min
episode Audi in Neckarsulm: "Das Werk hat seine Hausaufgaben gemacht" cover

Audi in Neckarsulm: "Das Werk hat seine Hausaufgaben gemacht"

Barbara Resch, Bezirksleiterin der IG Metall für Baden-Württemberg, kann die Diskussion um eine Werksschließung in Neckarsulm nicht nachvollziehen. "Das Werk hat seine Hausaufgaben gemacht", sagt sie im Gespräch mit SWR Aktuell. In Neckarsulm habe man an den Arbeitskosten gearbeitet und sei gut ausgelastet, deshalb könne sie nicht verstehen, warum das Werk auf einer möglichen Streichliste steht. IG METALL BEKLAGT VERSÄUMNISSE Der Grund dafür, dass die Autoindustrie nicht gut dastehe, liegt laut Resch vor allem an Versäumnissen in der Vergangenheit. "Es ist uns nicht gelungen, eine Batteriezellenfertigung in Deutschland hochzuziehen. Wir haben Schwierigkeiten beim Thema Digitalisierung im Auto. Es ist einiges verschlafen worden." GEWERKSCHAFT HÄLT AN STANDORT FEST Für Resch und ihre Gewerkschaft steht fest: "Wir werden kämpfen für diesen Standort [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/widerstandskomitee-gegen-moegliche-audi-werk-schliessung-vw-sparplaene-100.html]." Konkret könne sie sich vorstellen, dass noch mehr als bisher an der "Exzellenz" des Standorts gearbeitet werde, um Produktivität und Innovation weiter voranzutreiben, sagt sie im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler.

9. juli 2026 - 4 min
episode Trockenheit und Niedrigwasser: Das macht die Hitze mit Flüssen und Seen cover

Trockenheit und Niedrigwasser: Das macht die Hitze mit Flüssen und Seen

Lang anhaltendes, kühleres Wetter mit ausgedehnten, aber gut verteilten Regenphasen - das wär's jetzt, denkt sich Marieke Frassel von der Bundesanstalt für Gewässerkunde. Zumindest wäre das für die Flüsse und Seen im Land dringend nötig, denn die aktuelle, leichte Abkühlung bei anhaltender Trockenheit hat die Lage noch nicht entscheidend verbessert: "Die Mosel hat immer noch knapp über 25 Grad und wir sehen ja auch in der Vorhersage, dass es wieder wärmer wird", sagt Frassel im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Gerhard Leitner. "Gerade für die Tiere, die im Wasser leben, kann die Hitze Stress bedeuten." Der Stoffwechsel beschleunige sich, dadurch brauchen die Tiere mehr Sauerstoff [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/freiburg/trockenheit-und-hitze-gefaehrdet-fische-im-rhein-wasser-100.html], der allerdings in warmem Wasser deutlich abnimmt. NIEDRIGE WASSERSTÄNDE NACH DER JUNI-HITZE "Wir sehen auch bei den Wasserständen, dass die Flüsse momentan sehr niedrige Wasserstände zeigen", sagt Marieke Frassel. Solche Wassermarken seien grundsätzlich nicht unbekannt, aber: "Die treten dieses Jahr sehr früh im Jahr auf." Damit verhalte es sich bei den Flusspegeln ähnlich, wie bei den Temperaturwerten - auch solche Hitze, wie wir sie im Juni erlebt haben, kommt sonst eher im August vor, wenn das System schon viel Wärme gespeichert hat. NIEDRIGWASSER IN DER DONAU Die Donau führt in Baden-Württemberg zum jetzigen Zeitpunkt so wenig Wasser wie seit Jahrzehnten nicht [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/trockenheit-in-bw-bodensee-und-donau-auf-rekordtief-102.html] mehr. Laut dem Regierungspräsidium Tübingen floss am Pegel Hundersingen im Kreis Sigmaringen Ende Juni nur noch rund ein Sechstel der sonst üblichen Wassermenge durch das Flussbett. Solch niedrige Werte treten an der oberen Donau normalerweise erst im Spätsommer oder Herbst auf. Die Folgen sind entlang der Donau deutlich sichtbar: Kiesbänke ragen aus dem Wasser, flache Uferbereiche trocknen aus, und das Wasser erwärmt sich. AUCH BODENSEE IST VON TROCKENHEIT BETROFFEN Auch der Bodensee hatte Ende Juni einen historischen Tiefstand erreicht. Am Pegel Konstanz lag der Wasserstand bei 3,32 Metern [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/hitze-und-niedrigwasser-am-bodensee-100.html]. Das ist über ein Meter weniger als der langjährige Mittelwert von Ende Juni und 5 cm niedriger als der bisherige historische Minimalwert zu diesem Zeitpunkt. KEINE WASSERENTNAHME AN MANCHEN GEWÄSSERN Der Kreis Mayen-Koblenz und zahlreiche andere Kreise im Südwesten bitten die Bürgerinnen und Bürger, aktuell kein Wasser aus Bächen und Flüssen zum Gießen [https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/koblenz/wegen-niedrigen-wasserstaenden-im-kreis-mayen-koblenz-kein-wasser-aus-baechen-und-fluessen-entnehmen-100.html] im Garten zu entnehmen. Grund sind auch hier die anhaltend niedrigen Pegel vieler Gewässer. Gerade viele kleinere Bäche und Flüsse seien wärmer als sonst, teilweise sogar ausgetrocknet, heißt es von verschiedenen Verwaltungen.

I går - 5 min
episode Intelligente Roboter in der Pflege: Wer streichelt uns, wenn wir alt sind? cover

Intelligente Roboter in der Pflege: Wer streichelt uns, wenn wir alt sind?

Wenn es um Robotik geht und Künstliche Intelligenz, scheiden sich oft die Geister: Die einen fürchten eine Zukunft, in der die Maschinen immer mehr Macht an sich ziehen - der "Terminator" lässt grüßen. Die anderen versprechen schier unbegrenztes Wachstum und Wohlstand zum Nulltarif - Elon Musk zum Beispiel [https://www.swr.de/swraktuell-radio/elon-musk-sagt-ki-macht-altersvorsorge-ueberfluessig-warum-das-nicht-so-einfach-ist-100.html] sagt, er glaube, mit Künstlicher Intelligenz, die alle Arbeit übernimmt, liefen wir nicht nur auf ein Zeitalter des Überflusses zu, sondern des "Super-Überflusses". REALISTISCHE SZENARIEN FÜR ROBOTIK UND KI Realistisch ist vermutlich keines dieser Szenarien. Mit realistischen Szenarien beschäftigt sich David Reger. Er ist Geschäftsführer von "Neura Robotics" [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/hoffnungstraeger-aus-bw-neura-robotics-100.html] - eine Firma mit dem Motto "We serve humanity", die für knapp 100.000 Euro humanoide, KI-gesteuerte Roboter anbietet. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Simon Dörr relativiert er die Disruption durch den Wegfall von Arbeitskräften durch Künstliche Intelligenz: "Bis 2030 werden wir allein in Europa rund sieben Millionen weniger Arbeitskräfte haben", argumentiert Reger. Das werde allein durch den demographischen Wandel geschehen. Es brauche Roboter, um Wohlstand zu erhalten und diese Aufgaben überhaupt zu bewältigen. DER ROBOTER ALS PFLEGEKRAFT? Ohne Roboter sei es kaum denkbar, so viele Menschen im Alter zu betreuen [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/karlsruhe/sozialer-roboter-navel-karlsruhe-100.html], wie in den kommenden Jahrzehnten Unterstützung brauchten, meint David Reger. Er will aber auch beruhigen: "Wir wollen nicht, dass der Roboter jetzt hingeht und jemanden streichelt oder mit jemandem quatscht - das versuchen auch welche, aber wir sehen das eher anders". Seine Firma wolle Zeit bei den menschlichen Pflegekräften freiräumen: "Man ersetzt den Mensch nicht, man ergänzt ihn, dass sie wirklich rund um den Menschen wieder die Zeit finden für das Wichtige, für das Zwischenmenschliche, was nur Menschen tun können und auch in der Zukunft tun sollen." ROBOTIK- STATT AUTOMOBILWIRTSCHAFT IM SÜDWESTEN? "Hier ist eine riesige Chance für Europa und auch für Deutschland, überhaupt noch irgendwie in der Welt teilzuhaben und mitzumischen", sagt David Reger. Mit Blick auf die Automobilwirtschaft meint er, es sei nicht so, dass deutsche Autos schlechter geworden seien - die Industrie schaffe es aber nicht mehr, sie effizient auf die Straße zu bringen [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/automobil-wirtschaft-hoffmeister-kraut-vw-porsche-mercedes-100.html]. Die Robotik sei heute so weit, dass man einem Roboter innerhalb weniger Stunden eine neue Aufgabe beibringen könne. "Das hat ein extrem großes Potenzial." VORSICHT VOR ÜBERREGULIERUNG Damit Unternehmen gute Roboter für den Alltag entwickeln können [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heilbronn/tech-2026-heilbronn-oezdemir-ministerpraesident-estland-schwarz-digits-handelsblatt-100.html], brauchen sie freie Hand, sagt David Reger: "Die Politik braucht erst mal nichts mehr regulieren." Es gelte das Grundgesetz - das Verbot, Menschen physisch oder psychisch Leid zuzufügen. Rieger zieht einen Vergleich zur Entwicklung des Sicherheitsgurts: "Man hat nicht erst einen Gurt entwickelt und dann die Räder und den Motor. Man muss erst mal die Technologie entwickeln, führend werden und dann natürlich beginnen, sie zu regulieren, um mehr Sicherheit hineinzubekommen."

I går - 6 min
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