Jenseits von John Wayne – „Black Cowboys“ im Stadthaus Ulm
EINE GEMEINSCHAFT SCHWARZER COWBOYS
Mehr Südstaaten geht kaum: Junge Kerle galoppieren, kernige Frauen posieren auf Pferden unter gleißender Sonne. Man schwitzt schon beim Hingucken. Sabine Bungert und Stefan Dolfen haben sich die Trail-Ride-Festivals in den Staaten angeschaut. In Shelby, North Carolina, wird die Black-Cowboy-Kultur gefeiert mit langen Ausritten, mit Essen, Musik und mit Rodeos.
Auf das Thema der Black Cowboys sind Bungert und Dolfen durch Zufall gekommen: In Fernsehberichten über George Floyd und die Black-Lives-Matter-Bewegung fielen den Fotografen die schwarzen Reiter und damit auch der Begriff der Black Cowboys auf. Die Idee für das nächste Fotoprojekt war geboren.
> Es geht darum, dass sie auch sichtbar werden wollen mit ihrer Geschichte und im Prinzip die Geschichtserzählung ein Stück weit korrigieren wollen.
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> Quelle: Fotografin Sabine Bungert
ES GEHT NICHT UM FRANSEN, COLT UND COWBOYHUT
Die Black Cowboys schauen selbstbewusst, cool. Sie identifizieren sich mit den USA, schwingen die amerikanische Flagge oder tragen Schuhe mit dem rot-weiß-blauem Muster. Es geht überhaupt nicht um Folklore mit Fransen, Colt und Cowboyhut und schon gar nicht um Verklärung.
Die Ausstellung will zeigen, dass die Black Cowboys schlicht ernst- und wahrgenommen werden wollen: „Sie verkleiden sich nicht. Es ist ihre Identität und sie verstehen sich so. Und es ist wahnsinnig wichtig für sie, dass ihre schwarze Identität als Teil der amerikanischen Geschichte gesehen wird“, erklärt Fotograf Stefan Dolfen.
GESCHICHTEN VON AUSBEUTUNG UND WIEDERGUTMACHUNG
In der Ausstellung im Stadthaus Ulm wird etwa die Geschichte eines Black Cowboys erzählt, der als Streetworker arbeitet und damit Identifikationsfigur für Jugendliche geworden ist. Porträtiert wird auch der Gründer des Black-Cowboy-Festivals, Marc Myers, in South Carolina. Die Vorfahren der Familie waren nach Ende der Sklavenzeit sogenannte Sharecroppers.
Auf dem Papier waren sie freie Landwirte, mussten jedoch „am Ende des Jahres einen Großteil der Ernte abgeben, mussten alle Kleidung, alle Gerätschaften, alles, was sie brauchten, um das Land zu bearbeiten, beim Grundbesitzer auf Kredit kaufen und hatten niemals die Möglichkeit, aus dieser ständigen Verschuldung und immer weiteren Verschuldung rauszukommen“, führt Dolfen aus.
Jetzt guckt Marc Myers zufrieden unter dem Cowboyhut: Das Gelände ist im Besitz seiner Familie. Solche Geschichten dokumentiert die Ausstellung eindrucksvoll.
Aber sie ist mehr als ein Dokument, sondern ein starkes künstlerisches wie politisches Statement.
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