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„Ballers in God“ bei der Fußball-WM: Jedes Tor ein Gottesgeschenk

3 min · 29. juni 2026
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Beskrivelse

Felix Nmecha schoss das erste Tor für die deutsche Mannschaft bei dieser WM. Nach seinem Treffer nahm er eine imaginäre Krone von seinem Kopf und legte sie auf den Boden. Ein Zeichen dafür, dass Nmecha den Ruhm nicht allein für sich beanspruchen wollte. Er betrachtet seinen Erfolg als Geschenk Gottes. PROBLEMATISCHE TENDENZ BEI „BALLERS IN GOD“ Fotos von dieser Szene wurden auch von „Ballers in God“ verbreitet, einem Netzwerk aus dem evangelikalen Christentum. Diese Strömung des Protestantismus legt die Bibel in der Regel wörtlich aus, sagt der Theologe Martin Fritz und beschreibt eine problematische Tendenz. „Zum Beispiel diese Entschiedenheit dieses Christentums: Du musst dein Leben ganz in Jesu Hände geben, das kann in Gemeinschaften auch zu einem Entscheidungsdruck führen. Du musst dich entscheiden, denn immerhin geht es um das Heil oder Unheil, das ewige Heil deines Lebens.“ „Ballers in God“ stellt den Bezug zu Jesus Christus in den Mittelpunkt. Das Netzwerk wurde 2015 von dem englischen Profifußballer John Bostock gegründet. GESCHÜTZT VON DER RELIGIONSFREIHEIT „Ballers in God“ verbreitet nun während der WM Videos und Fotos von betenden Spielern. Zwischen den großen Turnieren organisiert das Netzwerk auch sogenannte „Retreats“ für das gemeinsame Beten und Fasten. Die Religionsfreiheit schützt ein solches Werben für den eigenen Glauben und auch die Missionierung weitreichend. Doch es gibt auch Kritik an „Ballers in God“. Das Netzwerk hält Verbindungen zur US-amerikanischen Bethel Church, die Esoterik und übernatürliche Erlebnisse propagiert. Prophezeiungen, Wunderheilungen, die Austreibung von Dämonen. Ein früherer Prediger der „Bethel Church“, Ben Fitzgerald, will diese Strömung in Europa verbreiten. Seine Organisation heißt „Awakening Europe“ – „Erwachendes Europa“. Der Theologe Martin Fritz erklärt: „Zu dieser Form von Bethel-Christentum gehört auch die Idee, systematisch bestimmte kulturelle Bereiche mit Schlüsselfiguren zu besetzen, die eben den Glauben prominent vertreten, und damit dann in die Gesellschaft hineinwirken.“ NMECHA VERBREITETE QUEERFEINDLICHE INHALTE 2024 besuchten Ben Fitzgerald von „Awakening Europe“ und John Bostock, Gründer von „Ballers in God“, das Finale der Champions League in London. Dort wollten sie Felix Nmecha von Borussia Dortmund gegen Real Madrid unterstützen. Nmecha äußert sich seit Jahren zu seinem Glauben. Gibt Interviews in Podcasts oder zitiert Bibelverse.  Doch Nmecha hat auch queerfeindliche Inhalte verbreitet. 2023 teilte er auf Instagram einen Beitrag, in dem der Begriff „Pride“ mit dem Teufel in Verbindung gesetzt wurde. Während der Klub-WM 2025 in den USA veröffentlichte Nmecha ein Video auf TikTok. Darauf zu sehen war auch ein Buch mit dem Titel: „Understanding the Purpose and Power of Women“. DIE WM TRÄGT ZUM WACHSTUM VON „BALLERS IN GOD“ BEI Der Journalist Felix Michaelis, der seit Jahren zu evangelikalen Netzwerken im Fußball recherchiert, erläutert den Kontext dieses Buches: „Das wird direkt deutlich, wenn man sich den Autor anguckt, Myles Munroe, das ist ein evangelikaler Prediger. Der hat zum Beispiel die LGBTQ-Community als Vergewaltigung der Bürgerrechtsbewegung diffamiert. Er hat Frauen als Rohmaterial bezeichnet, das Männer, wie immer sie wollen, formen können.“ Die „Ballers in God“ zählen auf Instagram mehr als 770.000 Follower. Das Netzwerk bietet auch Merchandising-Produkte an. Socken, Schienbeinschoner und Torwarthandschuhe mit Kreuzsymbol. Die WM und Felix Nmecha tragen dazu bei, dass die „Ballers in God“ weiter rasant wachsen.

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„Bodensee Étude“ von Florentina Holzinger: Ein Windspiel aus Nackten, eine Glocke und viel Wasser

HELIKOPTER LÄSST GLOCKE IN DEN BODENSEE STÜRZEN Es sind Hunderte, die gekommen sind, um Florentina Holzingers Performance „Étude“ am Bregenzer Seeufer zu sehen. Doch die Performance lässt zunächst auf sich warten. Dann taucht ein Helikopter auf. Am Ende der Bucht holt er eine riesige Glocke von der Seebühne der Bregenzer Festspiele ab, die an einem langen Seil hängt. Der Helikopter lässt die Glocke über dem Bodensee schwingen und ins Wasser stürzen, dicht neben einem Ponton mit einem Kran, an dessen Ausleger Seile ins Wasser hängen.   WILDE GESTEN EINER NACKTEN DIRIGENTIN Leises Trommeln ist zu hören, das lauter wird. Auf dem Ponton dirigiert eine nackte Frau mit wilden Gesten die Perkussionistinnen am Ufer. Plötzlich zieht der Kran an den Seilen einen großen verzierten Metallring aus dem Wasser – wie ein Radleuchter in einer Kirche. Daran hängen sechs nackte weibliche Körper, an den Hüften aufgehängt. PERFORMANCE IN SCHWINDELNDER HÖHE Sie baumeln wie leblos. Doch mit sphärischen Klängen beginnen sie, sich aufzurichten. Minutenlang vollziehen sie eine langsame Choreographie, wie ein menschliches Windspiel, während der Kran sie in schwindelnde Höhe zieht und wieder senkt. Auf einmal hakt ein Seil, ein Begleitboot muss helfen, damit am Seil unter den Tanzenden plötzlich die Glocke wieder aus dem Bodensee auftauchen kann. DIE GLOCKE ALS WIEDERKEHRENDES MOTIV Florentina Holzinger hat sich als nackter menschlicher Klöppel in der Glocke unter Wasser festgemacht. In der Luft am Kran beginnt sie, die Glocke zum Klingen zu bringen. Die alten Legenden vom Bodensee faszinieren die Performerin, wie sie betont, etwa die von im See ruhenden Schiffen oder vom Teufel, der eine Glocke in den See geworfen hat. Und so haben diese Legenden um die Glocken auch Einzug in Holzingers Performance gefunden.   GLOCKENSCHLAG ALS WARNSYMBOL Mit ihrem menschlichen Glockenschlag, der für Schmerz und verrinnende Zeit steht, und den sie als ein Warnsymbol an die Menschheit verstanden haben will, hatte Florentina Holzinger auch die Biennale in Venedig eröffnet. In Bregenz endet die Performance nach 40 Minuten mit einem wilden Wirbel Holzingers auf einem hängenden Metallblech. Und der Applaus zieht sich das ganze Bregenzer Ufer entlang. Viele sind begeistert. STRENGE AUFLAGEN WEGEN TRINKWASSERQUALITÄT Auf Extremes wie Urin oder Blut, das sie in anderen Performances zeigt, muss Florentina Holzinger am Bodensee verzichten. Für den Trinkwasserspeicher gelten strenge Auflagen. So ist von dem, was sie normalerweise anprangert - Ausbeutung menschlicher Körper, Overtourism, Vermüllung der Umwelt, Bedrohung durch den Klimawandel - in dieser Performance nicht viel zu sehen.

13. juli 20263 min
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Experten empfehlen Social-Media-Verbot für Kinder unter 13 – Pädagogik-Professorin fordert EU-weite Regelungen

Wie können Kinder und Jugendliche auf Social Media besser geschützt werden? Experten haben am 13. Juli EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen Empfehlungen für mögliche Maßnahmen überreicht. Darin empfehlen sie, den Zugang zu Social Media für Kinder unter 13 Jahren in allen Mitgliedsländern zu beschränken. Die Nutzung sozialer Medien und anderer digitaler Dienste sollte bis zu dieser Altersgrenze nur unter Aufsicht der Eltern oder in einem pädagogischen Kontext sowie zeitlich begrenzt erfolgen, heißt es in dem in Brüssel vorgestellten Bericht. Pädagogik-Professorin Mandy Schiefner-Rohs von TU Kaiserslautern-Landau sagt dazu in SWR Kultur, dass es eine länderübergreifende Regelung zum Umgang mit Social Media für Jugendliche brauche: „Wir merken, dass wir mit nationalen Alleingängen nicht weiterkommen.“

13. juli 20268 min
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Ein neuer Tech-Faschismus? „Der amerikanische Albtraum" von Klaus Brinkbäumer

Klaus Brinkbäumer hat Intellektuelle, Aktivistinnen, MAGA-Anhänger und Insider getroffen. Herausgekommen ist ein politisches Sachbuch, das zugleich Reportage, Analyse und persönliches Zeugnis ist. Manches hat die Realität bereits überholt: Der Krieg gegen den Iran taucht nicht auf. Die Morde durch ICE-Beamte in Minneapolis [https://www.swr.de/kultur/literatur/neue-texte-ueber-minneapolis-100.html] konnte er noch gerade im Vorwort unterbringen. Aber Brinkbäumer liefert kenntnisreiche Analysen, die zum Verständnis der aktuellen Situation beitragen.   „Dieser neue Faschismus ist nicht nur politisch. Er ist technologisch. Trump ist ein Kind des Internets, ein Meister der Algorithmik. Die Sozialen Medien sind sein Medium, nicht trotz, sondern wegen ihrer Verflachung“, beobachtet Brinkbäumer. > In der Welt der Sozialen Medien zählt nicht die Argumentation, sondern der Affekt; und auch nicht Tiefe, sondern Geschwindigkeit. > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum FÜHRERKULT 2.0 MIT DER LÜGE ALS WAFFE. Das Neue an diesem Faschismus, so Brinkbäumer, liege in den sozialen Medien, in der digitalen Infrastruktur der Propaganda. Doch diese Einschätzung lädt zum Widerspruch ein: Die Nazis nutzten seinerzeit das Radio, das für damalige Verhältnisse – gedrucktes Papier und Kundgebungen – ebenfalls eine neue Qualität darstellte. Die Technologie wechselt, aber die Mechanismen der Massensuggestion, die Lüge als Waffe, der Führerkult bleiben erschreckend konstant.  > MAGA: ‚Make America Great Again‘ ist eine Bewegung, die eher wenig denkt, sondern vor allem fühlt. Es gibt eine neue Sprache, die kaum mehr beschreibt, sondern befiehlt und gehorcht, attackiert und lügt, triumphiert und leidet.” > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum NOSTALGISCHES ERINNERN Brinkbäumer begreift den Liberalismus per se als Gegenspieler des Faschismus. Viele seiner Gesprächspartner, die fast alle der arrivierten Mittelschicht angehören, sehnen sich nach den alten USA der Vor-Trump-Ära zurück. Das ist verständlich, aber wenig zielführend: Denn Jahrzehnte einer neoliberalen Politik haben das Vertrauen in die Demokratie erschüttert und so die Grundlage für Trumps Aufstieg geschaffen.  > In der MAGA -Welt jedenfalls geht es nicht um tatsächliche Arbeit und Leistung, sondern um das nostalgische Erinnern an weiße Dominanz. > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum HERRSCHAFT UND PALANTIR-ÜBERWACHUNG  Kulturkampf eben. Brinkbäumer lässt sich, wie viele andere Trump-Gegner, auf dieses Terrain drängen. Er trägt außerdem Detailwissen zusammen, das nicht landläufig bekannt ist, etwa im Kapitel über Trumps Entourage: Elon Musk mit seiner Promiskuität, seinem Drogenkonsum, seinem rücksichtslosen Umgang mit Menschen, seinem Hang zur Selbstinszenierung, den er mit Trump teilt. Und im Hintergrund: Peter Thiel, Erfinder von Palantir, Mentor des Vizepräsidenten JD Vance und des Multimilliardärs Elon Musk. Thiel mag ein lausiger Redner sein, aber er ist ein effektiver Strippenzieher. Sein Motto: Freiheit und Demokratie sind nicht vereinbar. Stark sind auch die Kapitel zu den Methoden der Demontage demokratischer Institutionen. Hier warnt Brinkbäumer ausdrücklich vor der Überwachungstechnologie des Palantir-Konzerns, die in den USA großflächig zum Einsatz kommt. GROSSE RATLOSIGKEIT  „Das Zusammenspiel der Demokratien ist zwingend notwendig und alternativlos. Die EU und die NATO, all die genannten internationalen Organisationen sollten, nein: Müssen in neuer Entschlossenheit sagen: So, wie wir bisher agiert haben, ist es nicht gut genug, so verlieren wir. Wir brauchen eine neue, radikale Konstruktivität.“ Brinkbäumers Vision einer Alternative bleibt dünn. Auch viele US-Intellektuelle, die er getroffen hat, wirken ziemlich ratlos, wenn es um den Weg aus der Misere geht – und hoffen auf Europa. Sich dem Faschismus zu ergeben, ist für Brinkbäumer jedenfalls keine Option. Sein Buch ist ein diskussionswürdiger Aufruf gegen die Gleichgültigkeit, die er zu Recht als größte Gefahr für die Demokratie betrachtet.

I går4 min