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WM 2026: Warum der Fußball die USA und Mexiko enger verbindet als die Politik

3 min · 10. juni 2026
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Beskrivelse

WIE EIN HEIMSPIEL: DAS TESTSPIEL DER MEXIKANISCHEN NATIONALMANNSCHAFT IN DEN USA Die mexikanische Nationalmannschaft hat ihr vorletztes WM-Testspiel in den USA bestritten. Und doch wirkte es wie ein Heimspiel. Die Partie gegen Australien fand in Los Angeles statt. In dieser Metropolregion leben rund 19 Millionen Menschen, ein Drittel mit mexikanischen Wurzeln. „Die mexikanische Nationalmannschaft bestreitet mehr Freundschaftsspiele in den USA als im eigenen Land“, sagt der Journalist Mike Woitalla von der Internetplattform „Soccer America“. „Häufig sind die Stadien ausverkauft. Der mexikanische Verband kann in den USA höhere Einnahmen erzielen.“ DER KAMPF UM DIE MEXIKANISCHEN FUSSBALLFANS Mike Woitalla blickt seit Jahren auf gesellschaftliche Themen des Fußballs. „Oft kommen mexikanische Einwanderer in die USA, weil sie sich bessere Arbeitsbedingungen erhoffen“, erklärt er. „Sie fühlen sich weiter mit ihrer Heimat verbunden. Im Fußball können sie diese Emotionen ausleben. Auch deshalb ist die mexikanische Profiliga wohl die meistgesehene Fußballliga im US-Fernsehen.“ Viele Amerikaner mexikanischer Herkunft unterstützen die Fußballklubs aus ihrer alten Heimat. Doch auch die Profiliga der USA möchte Latinos als Fans gewinnen. Etliche US-Vereine veröffentlichen Videos auf Spanisch oder verkaufen Fanartikel in mexikanischen Landesfarben. So sind die Fankurven in Kalifornien oder Texas diverser geworden. BEZAHLEN, UM ZU SPIELEN – PRIVATE FUSSBALLKLUBS IN DEN USA Doch in anderen Bereichen fehlt diese Vielfalt, sagt der Autor Paul Cuadros: „Bezahlen, um zu spielen: Unter diesem Motto sind in den USA private Fußballklubs entstanden. Mitgliedsgebühren, Reisekosten, Ausrüstung: Für die Eltern von Jugendspielern entstehen hohe Kosten. Latinos, die ein geringeres Durchschnittseinkommen haben, können sich das oft nicht leisten.“ Erhebungen zeigen, dass Talentakademien in den USA eher in einkommensstarken und mehrheitlich weißen Gemeinden liegen. Für die WM wurden in das Nationalteam der USA nur zwei Spieler mit mexikanischen Wurzeln berufen. FUSSBALL BOT MEXIKANISCHEN EINWANDERERN EINE HEIMAT Auch in Führungsgremien und Trainerstäben des US-Fußballs sind Latinos seit Jahrzehnten kaum präsent. Eine strukturelle Ausgrenzung, die den Fußball seit den Anfängen begleitet, berichtet der Migrationsforscher José Alamillo: „Rassismus gehörte zum Alltag. Die ersten Fußballligen in Los Angeles wollten nur wenige Latinos aufnehmen.“ Im späten 19. Jahrhundert brachten britische Einwanderer den Fußball in die USA. Latinos gründeten ab den Fünfzigerjahren eigene lokale Ligen, erzählt José Alamillo. „Der Sport bot den Einwanderern einen Raum, um sich heimisch zu fühlen. Beim Fußball konnten Mexikaner Freundschaften schließen und Kontakte für Jobs oder Wohnungen knüpfen.“ Inzwischen bemüht sich auch der Fußballverband der USA um Talente mit mexikanischen Wurzeln. DIE WM WIRD ZEIGEN, WIE SEHR DIE FUSSBALLLÄNDER USA UND MEXIKO ZUSAMMENGEWACHSEN SIND Doch noch scheint der Verband des Nachbarlandes einen Vorsprung zu haben. Dutzende mexikanische Scouts suchen in den USA nach Spielern mit doppelter Staatsbürgerschaft. Im mexikanischen Nationalteam für die WM stehen fünf Spieler, die in den USA aufgewachsen sind. Die WM wird also erneut zeigen, wie sehr die Fußballländer USA und Mexiko zusammengewachsen sind.

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„Unsere kleine Farm“ – Gelungene Neuverfilmung der Serie nach über 40 Jahren

GEN WESTEN AUF DER SUCHE NACH ARBEIT UND FREIHEIT Mehr als 40 Jahre nach der Kultserie kehrt „Unsere kleine Farm“ mit einer Neuverfilmung auf Netflix zurück. Die neue Serie orientiert sich stärker an den Romanen von Laura Ingalls Wilder und erzählt die Geschichte der Familie Ingalls zeitgemäß neu. Neben der vertrauten Familienidylle rücken auch Themen wie die Rolle der Frauen sowie der Umgang mit den indigenen Osage, Vorurteilen und Rassismus stärker in den Mittelpunkt. Laura Ingalls erzählt in ihren Romanen die Geschichte ihrer Familie. Sie erzählt, wie ihre Eltern Charles und Caroline Ingalls mit ihr und der älteren Schwester Mary nach Westen ziehen, auf der Suche nach einem Ort zum Leben und Arbeiten in Freiheit.  EIN BISSCHEN KITSCHIG, ABER AUCH SYMPATHISCH. Die erste Staffel schildert, wie sie nach langer Fahrt in dem aufstrebenden Örtchen Independence in Kansas ankommen, wie der Vater zusammen mit anderen liebenswürdigen Außenseitern ein Holzhaus baut. Wie die Mädchen langsam Freundschaften schließen und wie sie vor allem als Familie immer mehr zusammenwachsen. Die Prärie erscheint dabei weit, die Natur auch gefährlich, sie wird aber immer wieder in ein warmes Licht getaucht: Blumenkränze, saubere Kleidung, Krankheiten werden überwunden und der Tag kann eigentlich nie so schlecht gelaufen sein, dass am Abend nicht die Geige ausgepackt und zusammen gesungen und getanzt wird. Manchmal ein bisschen kitschig, aber auch sehr sympathisch. FAMILIENTAUGLICHER WESTERN MIT AKTUELLEN FRAGEN Keine Frage. „Unsere kleine Farm“ ist auch in der Neufassung die familientaugliche Version des Western. Ganz anders als Serien wie „1883“ oder „American Primeval“, die die gewaltsame und dreckige Seite des Pioniermythos zeigen wollten. Vorlage ist die autobiografische Romanreihe der Autorin Laura Ingalls Wilder, die in den 1930er-Jahren herauskam.  Und während der Verfilmung aus den 70er-Jahren sich davon eher locker inspirieren ließ, hat das neue Team um Showrunnerin Rebecca Sonnenshine versucht, näher am Charakter der Bücher zu bleiben und gleichzeitig moderner zu erzählen. Das betrifft insbesondere die Frauen- und Mädchenrollen: An Caroline als gleichberechtigte Partnerin oder die abenteuerlustige Laura kann man problemlos andocken. Bemerkenswert ist auch, dass das indigene Volk der Osage, denen das Siedlerland zu Beginn der Serie noch gehört, eine viel größere Rolle spielt. GELUNGENER MIX AUS IDYLLE UND REFLEXION Wie hier Fragen von Identität und Traditionsbewusstsein verhandelt werden, von Vorurteilen und Rassismus, ohne zu sehr in Klischees abzudriften, das ist im Kontext einer historischen Familienserie schon ziemlich gelungen. Die Geschichte spielt in den 1870er-Jahren, wenige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. „Unsere kleine Farm“ ist ein zumeist idyllischer Blick auf eine Nation im Werden, aber mit aktuellen Fragen: Wie könnte man Gemeinschaften, Verträge, das alltägliche Miteinander über Grenzen hinweg gestalten?  Wie könnte man respektvoll miteinander umgehen, bei allen Gegensätzen, menschlichen Schwächen und Problemen? Und reicht das zum Überleben? Die Ingalls' ziehen am Ende jedenfalls weiter, in Hoffnung auf ein Glücksversprechen, an das man auch heute immer noch gerne glauben möchte. TRAILER „UNSERE KLEINE FARM“, AB 9. JULI AUF NETFLIX

9. juli 20263 min