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Ein Anti-007 gegen den Faschismus: Warum Max Friedman ein Held unserer Zeit ist

3 min · 18. juni 2026
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Beskrivelse

IN EUROPA DROHT EIN VERHEERENDER KRIEG Budapest im Frühjahr 1938, eine Stadt voller Spione. Der drohende Zweite Weltkrieg wird in dieser Welt der Intrige und des Verrats im Kleinen bereits geführt. In den Gassen der Budapester Altstadt, in ehrwürdig verstaubten Hotels und auf rauschenden Maskenbällen. „Die Gefahr war ein Teil von ihm. Sie war nicht wie ein Mantel, auf den man manchmal verzichten kann. Sie war wie eine Haut. Man starb gemeinsam.“: Dieses Zitat von Graham Greene steht am Anfang der Comic-Geschichte „Ungarische Rhapsodie“. FRIEDMAN MUSS EINEN BRUTALEN MORD AUFKLÄREN Es charakterisiert Max Friedman, Tabakhändler in Genf und Jude. Der alleinerziehende Vater und seine Tochter leben zurückgezogen am Genfer See. Doch dann holt Friedman seine Vergangenheit ein. Früher war Max Friedman Spion des französischen Geheimdienstes. Als ein ganzer Ring französischer Agenten in Budapest brutal ermordet wird, lässt ihm sein früherer Arbeitgeber keine Wahl. Der französische Auslandsgeheimdienst zwingt Max Friedman, den Fall der Gruppe „Rhapsodie“ aufzuklären. ÜBERMÄCHTIGE POLITISCHE KRÄFTE Aber Friedman hat von Anfang an keine Chance. Die deutsche Abwehr und ihre ungarischen Handlanger haben ihn längst im Visier. Während Friedman auf höfliche, aber stets betrunkene Aristokraten trifft, auf geheimnisvolle Frauen und kommunistische Doppelagenten, zieht sich das Netz um ihn immer enger. Am Ende geht es nur ums Überleben angesichts übermächtiger politischer Kräfte, die den einzelnen niederwalzen. Das letzte Bild der „Ungarischen Rhapsodie“ zeigt den Einmarsch der Wehrmacht in Österreich. Und die überlebenden Agenten sind sich bewusst, dass sie gerade den Vorabend eines verheerenden Krieges erleben. FRIEDMAN WEHRT SICH GEGEN UNMENSCHLICHKEIT In der Neuauflage von Max Friedmans Abenteuern hat der Eckart Schott Verlag ein langes Interview mit dem Zeichner Vittorio Giardino abgedruckt. Der inzwischen 80-jährige Giardino erzählt darin, wie er den Anti-Helden Max Friedman erschaffen hat. Diesen kultivierten, meist melancholisch gestimmten Mann, dem in der Gefahr die Hände zittern, der wie 007 die Frauen liebt, aber auf ganze andere, sanfte und zuvorkommende Art und der trotz aller Hoffnungslosigkeit im Europa der 1930er Jahre stets ein Handelnder, sprich ein Mensch bleibt, der sich gegen Unmenschlichkeit wehrt. „SEHE IMMER HÄUFIGER BESORGNISERREGENDE PARALLELEN“ „Leider erkenne ich immer wieder besorgniserregende Parallelen, und ich sehe sie immer häufiger“, sagt der Comic-Zeichner und Autor Vittorio Giardino über die Zeit der Abenteuer von Max Friedman und die Ähnlichkeiten zu unserer Zeit. Die Wiederkehr des Faschismus im Europa des 21. Jahrhunderts macht die Entscheidung des Eckart Schott-Verlags, jetzt wieder eine Max Friedman-Gesamtausgabe herrauszubringen, hochaktuell. Dabei geht es nicht um plumpe historische Parallelen. Giardino hat mit Max Friedman feinsinnig politische Stimmungen nachgezeichnet. Dieser über 40 Jahre alte Comic verdeutlicht, was im Angesicht des drohenden Faschismus wichtig ist: Nämlich, wie schnell und unvermittelt eine scheinbar zivilisierte Ordnung ins Chaos kippt. BÜRGER DES LIBERALEN WESTENS SOLLTEN MAX FRIEDMAN LESEN Wie fatal es werden kann, wenn politische Ideologie über allem steht, menschliche Gefühle aber nichts mehr zählen. Und wie wichtig es ist, selbst aktiv zu werden, wenn die große Geschichte sich scheinbar unaufhaltsam zum Schlimmsten entwickelt. Die Bürger des liberalen Westens in den USA und Europa, die nicht auf die Straße gehen – gegen Trump oder gegen die sich häufenden Wahlerfolge der Rechtsextremen – sollten die Abenteuer des leisen Helden Max Friedman lesen. 007 war gestern, Max Friedman ist heute.

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Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

KOSMISCHE PHÄNOME FASZINIERTEN SCHON IMMER Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich. Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab. „Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal. Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“ DIALOG MIT AUSSERIRDISCHEN Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt. Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“ Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen. WELTRAUMSCHROTT UND AUSGEDIENTE TAUCHKAPSEL „Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu? Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024. Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

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episode Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie cover

Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

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