Zeitreise: Kleinkunst im Gespräch| Deutsche Welle
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Zeitreise: Kleinkunst im Gespräch| Deutsche Welle

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Chanson und Kabarett stehen im Vordergrund dieser Podcast-Reihe, in der die Künstler über sich selbst sprechen und von ihrer Arbeit erzählen. 

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8 episoder
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1985: Interview mit Ulla Meinecke
"Jeder Abend hat seine eigene Choreographie" - Ulla Meinecke über ihre Auftritte1984 wurde sie mit dem Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte "Chanson" ausgezeichnet und hat laut ihrer Internetseite, auf der sie sich als Songwriterin, Poetin und Sängerin bezeichnet, bis heute knapp zwei Dutzend Platten veröffentlicht. Ulla Meinecke ist eine feste Größe im deutschen Musikgeschäft, das es nicht immer freundlich mit ihr meinte. Eine schicksalhafte Kassette Zur Welt kam Ulla Meinecke am 14.8.1953 in Usingen im Taunus, wo sie bis 1966 aufwuchs. Nach dem Abitur im Jahr 1972 wurde sie in Frankfurt Studentin in den Fächern Germanistik, Völkerkunde und Geschichte, doch ihr Interesse galt mehr der Frankfurter Spontiszene denn dem Studium. Doch sie interessierte sich auch für Musik und begann recht früh eigene Liedertexte zu schreiben, zu denen sie auch die Musik komponierte. In Begleitung einer Gitarre sang sie diese Lieder und nahm sie gleichzeitig auf einer Kassette auf. Eine von diesen Kassetten übersandte sie Udo Lindenberg, der derzeit Musikerinnen für eine Frauenband suchte. Bald holte der Musiker Ulla Meinecke nach Hamburg und es sollte der Beginn einer Karriere werden, die bis heute andauert. Ein Jahr später - 1977 - erschien auch die erste Platte der Sängerin, die sie in Zusammenarbeit mit Udo Lindenberg als Komponist und Produzent aufnahm. Es war ein gelungenes Debüt, das Ulla Meinecke auch zu einer zweiten LP ermutigte, die ebenfalls gute Kritiken erhielt. Zwei Tourneen zusammen mit Udo Lindenberg rundeten den Einstieg ins Musikgeschäft ab. Doch Ulla Meinecke war auch darin bestrebt, ihren eigenen Still weiter zu entwickeln und siedelte schließlich 1979 nach Berlin um. Und hier sollte sich bald eine fruchtbare Zusammenarbeit mit anderen Musikern ergeben. Der Durchbruch Noch im selben Jahr nach dem Umzug nach Berlin, gründete Ulla Meinecke ihre eigene Band und begann eine Zusammenarbeit mit dem österreichischen Schlagzeuger, Sänger, Komponist und Produzent Herwig Mitteregger. Es folgten zwei weitere Alben und Tourneen der Sängerin, bis 1983 der endgültige Durchbruch kam: die LP "Wenn schon nicht für immer, dann wenigstens für ewig" erwies sich als ein großer Verkaufserfolg. Über die darauffolgende Tournee schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" am 24.11.1983 unter anderem: "Auf ihrer Deutschland-Tornee, die in der Alten Oper in Frankfurt begann, ist sie so gut und überzeugend wie nie zuvor. Instinktsicher zeichnet Ulla Meinecke die Stimmungsbilder täglicher Desillusionen nach, die Fähigkeit zur Freude hart zusetzen, sie freilich nie ganz verlöschen können." Es seien "menschliche Schicksale, die nicht sentimental verkitscht, sondern einleuchtend seziert werden", schrieb die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" weiter. Nach zwei Jahren, 1985, sollte die nächste LP von Ulla Meinecke, "Der Stolz italienischer Frauen", einen ähnlichen Erfolg erlangen. Lediglich das aufwendige Arrangement wurde von der Kritik beanstandet, da es die Textinhalte überdecke. Im Laufe der nächste Jahre folgten weitere zahlreiche Platten und Tourneen von Ulla Meinecke, die ihren festen Platz in der Spitze der deutschen Musikszene nun festigten. Doch die Sängerin bewies ihre Talente mit Erfolg durchaus auch auf anderen Gebieten. Bucherfolge Im Jahr 2003 erfüllte sich Ulla Meinecke einen Traum und sie setzte ihr Lieblingsbuch, den Jugendbuchklassiker „Die Abenteuer von Tom Sawyer“ als Hörbuch um. Zwei Jahre später erschien dann auch ihr erstes Buch „Ulla Meinecke – Im Augenblick / Das Buch“, das sie selbst als eine Sammlung mit Texten, Fotografien und Bühnengeschichten bezeichnete und auf der Leipziger Buchmesse präsentierte. Das Buch erwies sich als ein großer Erfolg und so stellte sie es auf unzähligen Lesungen dem Publikum in Deutschland, Österreich und in der Schweiz vor. Doch es sollte nicht bei dem einen Buch bleiben: bereits 2007 erschien ihr nächstes Werk "Willkommen in Teufels Küche: Vom Glanz und Elend der Chaotiker", das sie ebenfalls auf eine ausgiebige Lesetournee führte. Ulla Meinecke scheute auch nicht vor Theaterbühnen und war in Theaterstücken mit Songs von Dietmar Loeffler „Männerbeschaffungsmaßnahmen“ an den Hamburger Kammerspielen zu sehen und übernahm auch den Gesang in dem Drama von Tennessee Williams „Endstation Sehnsucht“ am Renaissance Theater Berlin. Nach ihren eigenen Angaben auf ihrer Internetseite ist die Sängerin bis heute bei ihren zahlreichen Konzerten zu sehen. Im Oktober 1985 sprach DW-Redakteur Klaus Ulrich mit Ulla Meinecke in Köln. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer
01. apr. 2021 - 17 min
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2002: Interview mit Reinhard Mey
"Ich habe Glück gehabt mit meiner aller ersten französischen Schallplatte" - Reinhard Mey erinnert sich an seinen ersten Schallplatten-Preis in FrankreichFür "Die Zeit" vom 14.6.1985 war er "ein Sänger, der jedes bürgerliche Bedürfnis befriedigt" und die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 28.10.1998 nannte ihn einen "Mikrokosmonauten der kleinen Alltagsdinge". Seit etwa 60 Jahren steht Reinhard Mey auf der Bühne und während dieser Zeit hat er die deutsche Liedermacherszene entscheidend mitgeprägt. Die erste Gitarre Zur Welt kam Reinhard Mey am 21.12.1942 in Berlin als Sohn eines Rechtsanwalts und einer Lehrerin. Er wuchs in wohlbehüteten Verhältnissen auf und machte sein Abitur im Jahr 1963. Danach folgten eine Lehre als Industriekaufmann und ein Studium der Betriebswirtschaft. Doch schon in frühen Jahren galt sein Interesse vor allem der Musik. Nach eigenen Angaben, hat er mit vierzehn Jahren seine erste Gitarre bekommen und dieses Instrument begleitet ihn bis heute. Seine ersten Soloauftritte sollen noch im Gymnasium stattgefunden haben, doch der tabellarische Lebenslauf von Renhard Mey auf seiner Internetseite bestätigt diese Begebenheit allerdings nicht (reinhard-mey.de). Mit zwanzig Jahren vertonte Reinhard Mey die Balladen von François Villon und Gedichte von Georg von der Vring - doch das war nur der Einstieg. Bald darauf erschien sein erstes Chanson "Ich wollte wie Orpheus singen" (1964), dem ebenfalls ein Debüt beim 1. "Chanson Folklore International" im gleichen Jahr folgte. Beim Chansonfestival im belgischen Knokke (1967) sang er für Deutschland und bekam anschließend einen Plattenvertrag in Frankreich. Die Kariere von Reinhard Mey sollte nun endgültig beginnen. Gut beschäftigt Die schon zitierte "Die Zeit" vom 14.6.85 konstatierte unter anderem auch: "Reinhard Mey ist Ende der sechziger Jahre der erste Liedermacher gewesen; der Begriff entstand mit seiner Karriere." Und diese nahm ihren Lauf zunächst in Frankreich. Unter seinem Künstlernamen "Frédérik" feierte er dort große Erfolge und für seine erste Platte "Frédérik Mey, Volume 1" wurde er als erster Ausländer mit dem "Prix International" der "Académie de la Chanson Française" ausgezeichnet - eine weitere Auszeichnung mit diesem Preis sollte 1984 folgen. Auch in Deutschland gewann Reinhard Mey zunehmend an Popularität. Es folgten nun Platten für den deutschen Markt und bereits im Jahr 1971 erhielt er für die drei ersten Alben seine erste Goldene Schallplatte und wurde bald ebenfalls mit der Goldenen Europa der Europawelle Saar ausgezeichnet - wohl nicht das letzte Mal. Im gleichen Jahr ging Reinhard Mey auf eine Deutschland-Tournee und feierte mit ihr einen großen Erfolg. Im Laufe der Jahre absolvierte der Musiker zahlreiche weitere Tourneen, die meist komplett ausverkauft waren. Mit erstaunlicher Regelmäßigkeit erschienen die LP's von Reinhard Mey - jedes Jahr mindestens eine - und dieser Rhythmus scheint bis heute anzuhalten. Denn nach eigenen Angaben nahm er 2019 in einem Studio in Berlin Material für das 2020-er Doppel-Album "Das Haus an der Ampel" auf. Viele von den im Laufe der Jahre veröffentlichten Platten wurden auch "vergoldet". In dieser Zeit entstand ebenfalls ein Lied, das mit ihm besonders eng verbunden wird: der Ohrwurm "Über den Wolken", den bis heute ganze Generationen mitsingen können. Doch Reinhard Mey stand nicht nur auf der Bühne mit der Gitarre. Kein unbeschriebenes Blatt auf der Mattscheibe Ebenfalls das Fernsehen wollte in seinem Programm an der Popularität von Reinhard Mey partizipieren. Bereits 1972 gab es beim ZDF die "Reinhard-Mey-Show", ein Jahr danach stellte er in einer Fernsehreihe bekannte und unbekannte Liedermacher vor. Den Titel "Zwei Herren im Dreiviertelfrack" erhielt eine Gemeinschaftssendung mit dem belgischen Sänger Salvatore Adamo. Seine eigene Show "Ich hab' dich lieb" entstand im Jahr 1982 beim ZDF. Immer wieder war er bei den beliebten "Montagsmalern" des SWF zu sehen. Es erschien ebenfalls eine Biographie von Reinhard Mey. Der Liedermacher wurde allerdings nicht nur mit "Goldenen Schallplatten" ausgezeichnet. So ist er unter anderem Träger des "Bundesverdienstkreuzes", der ihm 1984 verliehen wurde, seit 1987 Träger des Verdienstordens des Landes Berlin, ebenfalls wurde er mit dem "Deutschen Schallplattenpreis Echo" für sein Lebenswerk ausgezeichnet. Dagegen eine Nominierung für den Musikpreis "Echo" Pop in der Kategorie "Schlager" wies er zurück. Vielmehr schlug er vor, eine neue Preiskategorie "Chanson" einzuführen. "Der Spiegel" vom 8.2.1999 zitiert Reinhard Mey's Begründung in diesem Zusammenhang mit folgenden Worten: "Ein Schlager ist nur gut, wenn er sich gut verkauft. Ein Chanson kann ein Meisterwerk sein, auch wenn es nur drei Kunden findet." Bereits die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 28.10.98 stellte unter anderem fest: "Aus den Essenzen des Unscheinbaren bastelte Mey über die Jahre ein Gesamtkunstwerk". Aus der deutschen Liedermacherszene ist er nicht weg zu denken. Im Mai 2002 Sprach DW-Redakteur Jürgen Brendel mit Reinhard Mey über seinen musikalischen Weg. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer
05. feb. 2021 - 14 min
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1976: Interview mit Lore Lorentz
"Man kann sehr viel durch Vergleiche beibringen" - Lore Lorentz zu ihrer bevorstehenden Professur an der Folkwang-HochschuleOft nannte man sie "die Prinzipalin" und ihre Devise, der sie stets treu geblieben war, lautete "Was man angreift, muss angreifbar sein, wie man das macht - unangreifbar". Lore Lorentz schrieb im Nachkriegsdeutschland Kabarettgeschichte und setzte gemeinsam mit ihrem Mann Kay Lorentz im Laufe der Zeit mit dem Kabarett "Kom(m)ödchen" hohe Maßstäbe in der bundesdeutschen Kleinkunstszene und wurde selbst zu einer Legende. Der "Tauschhandel" Lore Lorentz wurde am 12.9.1920 in Mährisch-Ostrau als Tochter eines Ingenieurs geboren. Nach dem Abitur, das sie ebenfalls dort machte, studierte sie in Wien und Berlin Geschichte, Germanistik und Philosophie. In Berlin lernte sie in einem Seminar ihren künftigen Ehemann Kay Lorentz kennen. Noch während des Krieges, 1944, heiratete das Paar, das von nun an unzertrennlich bleiben sollte. Und das sowohl privat, wie auch im beruflichen Leben. Denn entgegen den ursprünglichen Plänen siedelten sie nicht in die USA über, sondern ließen sich in Düsseldorf nieder. Hier beschloss das Paar eine Kabarettbühne zu gründen. Über die Eröffnugsumstände wusste die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 25.2.1994 folgendes zu berichten: "War oder schien damals doch alles möglich, auch ein Tausch wie dieser: Eine Leica erst gegen 36 Päckchen Pall Mall einzuhandeln und für die Zigaretten dann Ziegelsteine, Vorhangstoff und zwei Lampen zu erhalten. Als Startkapital für ein Kabrett in der Düsseldorfer Altstadt reichte das erst einmal aus...". Die Kleine Literaten-, Maler- und Schauspielbühne 'Kom(m)ödchen' konnte nun am 29.3.1947 ihre Premiere mit dem Programm "Positiv dagegen" feiern. Die verblüffende Schreibweise des "Kom(m)ödchens" wird unter anderem auf den Duden zurückgeführt, der zur damaligen Zeit dieses Wort sowohl mit einem wie auch mit zwei "m" zuließ (steffi-line.de). Für Lore Lorentz sollte diese Premiere den Aufstieg zur "profiliertesten Kabarettistin der deutschen Kleinkunstbühne" ("Der Spiegel", 28.2.1994) bedeuten. Von der Kasse auf die Bühne Dass Lore Lorentz bei der Premiere des "Kom(m)ödchen" auf der Bühne stand, war eigentlich ein Zufall. Ursprünglich sollte sie nur an der Kasse sitzen, jedoch weil die Hauptdarstellerin kurzfristig abgesagt hatte, musste sie als Ersatz herhalten. Und dies erwies sich bald als eine glückliche Fügung: innerhalb kürzester Zeit wurde sie zum Mittelpunkt der Programme. "Die Welt" vom 24.2.1994 schrieb in diesem Zusammenhang unter anderem: "Intellektuell, kühl und von unnachahmlicher Eleganz waren ihre Auftritte, bei denen Politiker aller Couleur ihr Fett abbekamen." Und eben dieser Vortragsstil machte sie so unverwechselbar. Bald wurde sie auch außerhalb Düsseldorfs bekannt. Ihre Popularität steigerte sich nicht zuletzt auch Dank der Fernsehübertragungen ihrer Programme, in denen sie spitzzüngig und bissig die gesellschaftliche Realität ihrer Kritik unterzog. Ihre kritischen Pointen waren unter anderem ein Dorn im Auge für den damaligen Verteidigungsminister Franz-Josef Strauß, der 1959 ein Verbot der Fernsehübertragungen für ein Jahr durchsetzte. Der Erfolg des "Kom(m)ödchens" hatte aber auch mehrere Väter. Die besten Autoren der Nachkriegszeit wie Eckart Hachfeld, Martin Morlock oder auch Werner Franke steuerten ebenfalls ihre Beiträge zu den Programmen bei. Und eben die scharfsinnige Gesellschaftskritik sollte für das Kabarett von Lore Lorentz zum Markenzeichen werden. Solistin und Professorin Das "Kom(m)ödchen" wurde bald auch außerhalb der Grenzen der Bundesrepublik bekannt. Als erstes deutsches Kabarett nach dem Zweiten Weltkrieg gastierte die Bühne in Frankreich, in der Schweiz, in Großbritannien, in den Niederlanden und sogar in Übersee, in den USA, und "galt als Spiegel eines Deutschland, das 'wieder ein Gewissen' hat" (Steffi-line.de). In über 50 Programmen war Lore Lorentz zu sehen, wobei sie sich im Laufe der Jahre zunehmend auf Solo-Programme konzentrierte und Texte von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Bertolt Brecht oder auch Heinrich Heine interpretierte. Unvergessen bleiben unter anderem ihre Solo-Auftritte "Das gestrichene M" oder "Lore Lorentz präsentiert die Pürkels", die das Publikum begeisterten. Zu sehen war Lore Lorentz aber auch auf der Bühne des Düsseldorfer Schauspielhauses und in manchen Operetten-Produktionen, wo sie einige Rollen übernahm. Ihre Erfahrungen vermittelte die "Kassandra des Kabretts" ("Frankfurter Allgemeine Zeitung", 25.2.1994) an der Folkwang-Hochschule, wo sie von 1976 an in den Fächern Chanson, Song und Musical lehrte. Zwei Jahre später wurde sie auch zur Professorin ernannt. Daneben wurden ihr auch andere Auszeichnungen im In- und Ausland zuteil: so wurde sie unter anderem mit dem "Ehrenpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis" oder auch mit der "Ehrengabe der Heinrich-Heine-Gesellschaft" geehrt. Eine Ehrung mit dem Bundesverdienstkreuz lehnte das Ehepaar Lorentz ab. Lore Lorentz starb am 22.2.1994 in Düsseldorf. Die Gazetten ehrten in zahlreichen Nachrufen das Andenken an die außergewöhnliche Kabarettistin. So schrieb "Der Spiegel" vom 28.2.1994 unter anderem: "Indem sie das Kabarett gesellschaftsfähig machte, erreichte sie genau jene Leute, die von ihr zu hören bekamen, was sie eigentlich nicht hören wollten." Im März 1976 sprach DW-Redakteur Horst Pomsel über ihre bevorstehende Professur an der Folkwang-Hochschule und über die Zukunft des Kabaretts. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer
08. jan. 2021 - 6 min
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1972: Interview mit Edith Hancke
"Das muss 1952 gewesen sein... da haben wir für die stolze Gage von 50 Mark unseres Kabarettprogramm absolviert" - Edith Hancke erinnert sich an ihre Anfänge beim FernsehenSie war über Jahrzehnte auf den Thetaerbühnen Berlins zu Hause, spielte in unzähligen Filmen und Fernsehproduktionen mit und war Mitglied des legendären Berliner Kabaretts "Die Stachelschweine", in dem sie oft die Rolle einer "kessen Berliner Göre" (www.steffi-line.de) übernahm. In vielen Filmproduktionen war sie auch als Synchronsprecherin zu hören. Edith Hancke wurde dank ihrer "Berliner Schnauze" und der charakteristischen Stimme noch zu der Lebzeiten zu einer wahren Kultschauspielerin. Bei Marlise Ludwig in der Lehre Zur Welt kam Edith Hancke am 14.10.1928 in Berlin als Tochter eines Bankangestellten. Ihrem Wunsch eine Schauspielerin zu werden, standen die Eltern skeptisch gegenüber, doch die künftige Diva setzte ihren Kopf durch und nahm nach dem Zweiten Weltkrieg Unterricht an der privaten Schauspielschule von Marlise Ludwig in der Wilhelmsaue 10 in Berlin-Wilmersdorf. Ihr erstes Theater-Engagement folgte bereits im Jahr 1948 - am "Deutschen Theater" in Berlin. 1949 ging sie an das Renaissance-Theater, an dem sie ihren ersten großen Erfolg als Hedwig in Ibsens "Wildente" feiern konnte. Und dies war erst der Anfang ihres Aufstiegs zu Berlins "Beliebtester Theaterschauspielerin", was ihr das Publikum immer wieder aufs Neue bescheinigte. Im Laufe der Jahre eroberte sie die Theaterbühnen Berlins vor allem mit den Rollen einer waschechten Berlinerin, die mit Herz und Seele sich jedes Problems annahm. Doch die Beliebtheit von Edith Hancke sollte noch eine größere Dimension erfahren. Im Reich des Boulevardtheaters Im Jahr 1970 erfolgte eine Wende im Leben Edith Hanckes. In Berlin lernte sie den einige Jahre jüngeren Intendanten, Regisseur und Schauspieler Klaus Sonnenschein kennen, den zwei Jahre später heiratete. Es war bereits die dritte Ehe der Schauspielerin. Klaus Sonnenschein inszenierte mit Edith Hancke zahlreiche Boulevardstücke und stand nicht selten auch selbst auf den Bühnenbrettern. Große Erfolge feierte sie nun in solchen Stücken wie dem Singspiel "Mutter Gräbert macht Theater" oder auch als Gertrud Stranitzky in der Komödie "Keine Ehe nach Maß" von Curth Flatow. Ebenfalls einer großen Popularität erfreute sich das Stück "Arsen und Spitzenhäubchen", in dem sie gemeinsam mit Brigitte Mira die Rollen der Schwestern Martha and Abby Brewster übernahm. Die Schauspielerin war ebenfalls in dem populären Boulevard-Stück von Curth Flatow und Horst Pillau "Das Fenster zum Flur" zu sehen, mit dem sie auch auf Tournee ging. Doch Edith Hancke war nicht nur unter dem Theaterpublikum ein "Dauerbrenner". Ebenfalls der Film entdeckte recht früh die talentierte Schauspielerin für sich. Vor der Kamera mit Rühmann, Erhardt und anderen Schaut man sich die Liste der Filmrollen, die Edith Hancke im Verlauf ihrer Karriere übernahm, so kommt man aus dem Staunen über die Intensität ihrer Filmaktivität kaum heraus. Ihr Filmdebüt gab Edith Hancke 1949 als Adelheid Wolff in der Verfilmung "Der Biberpelz" von Gerhard Hauptmann. Es folgten nun unzählige Rollen in den deutschen Filmproduktionen und das sowohl für die Leinwand als auch für das Fernsehen. "Die Schauspielerin war vor allem immer dann gefragt, wenn es um echte Berlinerinnen mit 'Herz und Schnauze' ging" - liest man bei www.steffi-line.de und die "Berliner Zeitung" vom 14.10.2008 feierte sie noch zu ihrem 80. Geburtstag als "Die ewige Berliner Jöre". Während ihrer Karriere übernahm Edith Hancke neben den Theaterengagements manchmal bis zu sieben Filmrollen in einem Jahr. So war sie unter anderem in "Der Hauptmann von Köpenick" an der Seite von Heinz Rühmann als das kranke Mädchen Lieschen zu sehen, des weiteren wirkte sie in dem Film "Natürlich die Autofahrer" zusammen mit Heinz Erhardt mit, in dem Streifen "Die seltsame Gräfin" oder auch als Mimi - ebenfalls an der Seite von Heinz Erhardt - in der Komödie "Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett" von Franz Antel mit, um nur einige wenige zu nennen. Hinzu kam die Mitwirkung in unzähligen Fernsehproduktionen wie etwa in den Serien "Die Hesselbachs" vom Hessischen Rundfunk, "Café Wernicke" von der ARD oder auch "Berliner Weiße mit Schuß" vom ZDF. Die Aufzählung könnte beliebig lang fortgesetzt werden. Für ihr so umfangreiches Wirken wurde Edith Hancke unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Ehrenpreis der Goldene Kamera ausgezeichnet. Die populäre Schauspielerin starb am 4.6.2015 in Berlin. In seinem Nachruf schrieb "Der Spiegel" noch am selben Tag unter anderem: "Sie war die 'Königin des Boulevard-Theaters'". Im Dezember 1972 sprach DW-Redakteur Dieter Mommert mit Edith Hancke über ihre bisherige Kariere. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer
18. dec. 2020 - 6 min
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1996: Interview mit Gerhard Polt
"Ich bin immer sehr nervös vor dem Auftritt" - Gerhard Polt über seine Arbeit als KabarettistIm März diesen Jahres hat er seine nächste von unzähligen Auszeichnungen erhalten: Der Oberbürgermeister der bayerischen Landeshauptstadt Dieter Reiter übergab ihm den "Kulturellen Ehrenpreis der Stadt München". Gerhard Polt, der seit über vierzig Jahren seine Fangemeinde als Satiriker, Autor und Schauspieler erfreut, ist seit Jahren von der deutschen Kabarett-Szene nicht weg zu denken. Bei der Geburt "enttäuscht" "Ich hab am 7. Mai 1942 in München das Licht der Welt erblickt und was ich da gesehen habe, hat mir gleich gar nicht gefallen" - liest man auf der Internetseite von Gerhard Polt. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Altötting, wohin sich seine Mutter mit ihm vor möglichen Bombenangriffen auf München in Sicherheit brachte. Nach dem Abitur an einem Münchener Gymnasium begann Gerhard Polt ein Studium der Politischen Wissenschaften, Geschichte und Kunstgeschichte. Anschließend ging er nach Schweden und studierte in Göteborg Skandinavistik. Nach vier Jahren in Schweden kehrte Gerhard Polt nach München zurück und fasste dort Fuß zunächst als Übersetzer, Lehrer und Dolmetscher. Doch bald zog es ihn auf die Bühne und so präsentierte er 1976 in München sein erstes Programm mit dem Titel "Kleine Nachtrevue", das ihm schließlich ein Engagement am Berliner Schiller-Theater einbrachte. Zwei Jahre später startete Gerhard Polt beim Bayerischen Rundfunk mit seiner Sketchreihe "Fast wia im richtigen Leben", die später auch von der ARD übernommen wurde. Darin bewies Gerhard Polt sein Können als scharfsinniger und nicht müde werdender Beobachter von Spießbürgertum, das er immer wieder an den Pranger stellte. "Der Spiegel" vom 28.1.80 schrieb über diese Reihe: "Der Titel ist ein, sein Programm: Polt erfindet nicht, er findet. Er schaut dem Volk aufs Maul und spricht ihm nach -das kann heiter werden und auch hanebüchen." Doch Gerhard Polt stand erste am Anfang seiner Karriere, die ihn zu einem exzellenten Kenner der bajuwarischen Lebensgewohnheit aufsteigen ließ. Der Gesellschaftsspiegel auf Bühne und Leinwand In den 1980-er Jahren setzte Gerhrad Polt nicht nur seine Bühnenaktivitäten fort - zum Beispiel bei Dieter Hildebrandt im "Scheibenwischer" - sondern erweiterte sein Betätigungsfeld ebenfalls um das Genre des Films. So entstand 1983 der Spielfilm "Kehraus" mit Gerhard Polt in der Rolle des Gabelstaplerfahrers Ferdinand, dessen "...Versuch, einen Ansprechpartner zu finden, zu einer kafkaesken, absurd-komischen Odyssee durch die Korridore der Versicherungs-Bürokratie" (filmportal.de) wurde. Gerhad Polt gehörte hier auch zum Team der Drehbuchautoren, die Regie führte Hanns Christian Müller, sein Jugendfreund und seit Jahren enger Mitarbeiter. Vier Jahre später entstand die Film-Satire "Man spricht deutsh", in der das bewährte Gespann Gerhad Polt - Hanns Christian Müller - Gisela Schneeberger den Italien-Urlaub eines Spießers aufs Korn nimmt. "Der Spiegel" vom 15.2.88 urteilte über den Film unter anderem: "Der doppelte Boden hindert freilich nicht, daß sich der Film als höchst vergnüglicher Gaudiwurm kringelt, mit running gags und kabarettistischen Dolchstößen, mit Klamotten-Szenen und der perfiden Art, giftige Satire als Schwank zu tarnen." Nach dieser Film-Satire präsentierte Gerhard Polt 1988 mit großem Erfolg dem Münchner Publikum die satirische Revue über Geld und die Politik "Diridari", doch der Tod des bayerischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß (1988) bedeutete auch das "Aus" für das erfolgreiche Stück. Jedoch auch in den nächsten Jahrzehnten sollten die Aktivitäten von Gerhard Polt nicht nachlassen und der Kabarettist hat sein "letztes Wort" noch nicht gesprochen. Keine Spur von Müdigkeit Auch in den Folgejahren ließ die Kreativität des Kabarettisten Gerhard Polt nicht nach. Es entstanden zahlreiche weitere Theaterproduktionen von und mit ihm. So zum Beispiel "Tschurangrati" 1993 , "Kinderdämmerung" 1994, "Bayer Open" 1996 oder "Ich AD" 2003 um nur einige wenige zu nennen. Es folgten auch erfolgreiche Tourneen durch das ganze Land und es erschienen unzählige CD's und Bücher ebenfalls regelmässig auf dem Markt. So konnte sich die Fangemeinde 2012 zum Beispiel auch über "Gerhard Polt Bibliothek" freuen - eine Werkausgabe in zehn Bänden. Bis jetzt entstanden drei weitere Filme von und mit Gerhard Polt: "Herr Ober!" von 1992, in dem er die Hauptrolle übernahm und für den er das Drehbuch schrieb und ebenfalls an der Regie beteiligt war. Weitere Filme waren "Germanikus", der 2004 in die Kinos kam und sich auf alt bewährte Weise mit dem Untergang des Römischen beschäftigte. Der bisher letzte Film von und mit Gerhard Polt - "Und Äktschn!" - kam 2014 in die Kinos und erfreute sich zahlreicher positiver Rezensionen. Im Jahr 2017 erschien ein Buch von Gerhard Polt mit dem Titel "Der große Polt. Ein Konversationslexikon", ein Werk, das allgemein als der "Schlüssel zu seiner legendären Begriffswelt" angesehen wird. Die "Süddeutsche Zeitung" vom 23.4.2017 urteilte unter anderem: "Aus jeder Zeile dieses Konversationslexikons tönt der Sprachduktus des Redners Polt. So findet man große Freude daran, einzelne Definitionen selbst laut jemandem vorzulesen, weil so Polts kunstvolle Sprachquerungen noch deutlicher werden." Der Künstler ist Träger von unzähligen Auszeichnungen und Preisen. So wurde er unter anderem mehrfach mit dem Deutschen Kleinkunstpreis und dem Kulturpreis Bayern geehrt. Im November 1996 sprach DW-Redakteurin Ulrike Knapp mit Gerhard Polt über seinen Werdegang. Autor: Andreas Zemke Redaktion: Uta Hardes-Schmeißer
16. okt. 2020 - 9 min
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