SWR Aktuell Im Gespräch
SWR Aktuell: Die Golfstaaten hängen jetzt schon seit Monaten im Irankrieg indirekt mit drin. Lässt sich der wirtschaftliche Schaden für sie denn ungefähr abschätzen? Christian Hanelt: Der Schaden für das Geschäftsmodell der reichen arabischen Golfstaaten ist hoch. Allerdings haben sie weiterhin eine große finanzielle Rücklage, denn die sechs GCC-Staaten, also Katar, Kuwait und Bahrain, auch noch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman, sind ja quasi in einem Handels- und Politikverbund verbunden, den wir „Golfkooperationsrat“ nennen. Und die sind schon eine der dynamischen politischen und wirtschaftlichen Regionen in der Welt. > Die Golfstaaten erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir. > > > Quelle: Christian Hanelt, Nahostexperte, Bertelsmann-Stiftung Was ich was jetzt halt bei ihnen passiert ist: Sie erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Sie merken, dass auch sie verwundbar sind, so wie wir das auch merken. Und sie versuchen jetzt im großen Tempo ihre Abhängigkeiten und ihr Risiko zu streuen. Das heißt eben insbesondere: der Abhängigkeit von der Straße von Hormus als Transitweg eben zu entgehen, indem man auf das arabische Meer, also Richtung Indien oder eben das Rote Meer ausweicht. Aber das braucht viele Investitionen, und es dauert Zeit - aber das machen sie. > Am Ende des Tages ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung. > > > Quelle: Nahostexperte Christian Hanelt SWR Aktuell: Blicken wir mal auf die Straße von Hormus. Da spricht ja US-Präsident Trump jetzt davon, dass er eine Gebühr für die Fahrt durch die Passage erheben will, von 20 Prozent des transportierten Warenwerts. Nun darf man nicht glauben, dass alles, was Trump sagt, auch so kommt. Aber das kann doch überhaupt nicht im Interesse der Golfstaaten sein, wenn jetzt die USA da plötzlich ihnen eine Gebühr für ihren Handel aufzwingen wollen… Hanelt: Nein, das kann nicht nur nicht im Interesse der Golfstaaten sein, sondern auch in unserem europäischen und deutschen Interesse. Wir sind Exportnationen, die sind Exportnationen, sie sind auch Importnationen. Man muss immer im Hinterkopf behalten: Die arabischen Golfstaaten kaufen erheblich mehr Produkte bei uns in Deutschland, in Europa ein, als sie zu uns als Erdöl und Erdgas exportieren. Alle sind abhängig von einer freien, nachhaltigen Seeschifffahrt, und das ist ein globales Recht, das überall gilt, Und hier verstößt Iran gegen internationales Recht. Die USA versuchen, das jetzt nach dem Krieg, der zur Schließung der Straße von Hormus führt, das Machtinstrument der iranischen Führung irgendwie zu korrigieren. Und am Ende des Tages, so tragisch es ist, ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung, die dann das vielleicht wieder in Disruption in der Region investieren würde. SWR Aktuell: Und trotzdem könnten sich die Golfstaaten ja die Frage stellen, ob es für sie noch so vorteilhaft ist, wenn die USA dort vor Ort sind. Hanelt: Es ist jedenfalls nicht vorteilhaft, wenn da Gebühren erhoben werden und weiter eine Unsicherheit über die Straße von Hormus besteht. Die reichen Golfstaaten versuchen das abzuschwächen, indem sie jetzt Pipelines bauen, Straßen und vor allen Dingen Zugverbindungen an das Rote Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ja auch noch ein eigenes Emirat, quasi am Indischen Ozean. Sie versuchen darüber ihre Exporte und Importe laufen zu lassen. Je mehr Geld die reichen arabischen Golfstaaten investieren müssen in ihre eigene Sicherheit, in den Umbau ihrer Wirtschaft, desto weniger Geld werden sie haben, um international zu investieren. Das fällt einem manchmal nicht so als Erstes auf: Kuwait ist zum Beispiel einer der größten Finanziers von UNICEF, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar finanzieren das UN-Flüchtlingshilfswerk. All diese großen Investitionen in internationale Organisationen werden wegfallen. Genauso die wichtigen Zusatzstoffe, die Katar oder auch Bahrain oder auch Kuwait exportieren für die Nahrungsmittelsicherheit und Düngemittel. Das werden wir im nächsten Jahr merken, wenn es zu wenig Düngemittel gibt und wir dann in eine Nahrungskrise kommen. Das heißt, das, was am Golf passiert und das, wie die arabischen Golfstaaten darauf reagieren, ist in unserem Interesse, und da ergeben sich für unsere Wirtschaft in diesem Umbau des Geschäftsmodells, den diese machen, auch Chancen - und nicht nur Risiken.
10213 jaksot
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Rekisteröidy nyt ja liity SWR Aktuell Im Gespräch-yhteisöön!