SWR Aktuell Im Gespräch

Iranische Angriffe auf Golfstaaten: Wie schwierig ist die wirtschaftliche Lage?

4 min · 14. heinä 2026
jakson Iranische Angriffe auf Golfstaaten: Wie schwierig ist die wirtschaftliche Lage? kansikuva

Kuvaus

SWR Aktuell: Die Golfstaaten hängen jetzt schon seit Monaten im Irankrieg indirekt mit drin. Lässt sich der wirtschaftliche Schaden für sie denn ungefähr abschätzen? Christian Hanelt: Der Schaden für das Geschäftsmodell der reichen arabischen Golfstaaten ist hoch. Allerdings haben sie weiterhin eine große finanzielle Rücklage, denn die sechs GCC-Staaten, also Katar, Kuwait und Bahrain, auch noch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman, sind ja quasi in einem Handels- und Politikverbund verbunden, den wir „Golfkooperationsrat“ nennen. Und die sind schon eine der dynamischen politischen und wirtschaftlichen Regionen in der Welt. > Die Golfstaaten erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir. > > > Quelle: Christian Hanelt, Nahostexperte, Bertelsmann-Stiftung Was ich was jetzt halt bei ihnen passiert ist: Sie erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Sie merken, dass auch sie verwundbar sind, so wie wir das auch merken. Und sie versuchen jetzt im großen Tempo ihre Abhängigkeiten und ihr Risiko zu streuen. Das heißt eben insbesondere: der Abhängigkeit von der Straße von Hormus als Transitweg eben zu entgehen, indem man auf das arabische Meer, also Richtung Indien oder eben das Rote Meer ausweicht. Aber das braucht viele Investitionen, und es dauert Zeit - aber das machen sie. > Am Ende des Tages ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung. > > > Quelle: Nahostexperte Christian Hanelt SWR Aktuell: Blicken wir mal auf die Straße von Hormus. Da spricht ja US-Präsident Trump jetzt davon, dass er eine Gebühr für die Fahrt durch die Passage erheben will, von 20 Prozent des transportierten Warenwerts. Nun darf man nicht glauben, dass alles, was Trump sagt, auch so kommt. Aber das kann doch überhaupt nicht im Interesse der Golfstaaten sein, wenn jetzt die USA da plötzlich ihnen eine Gebühr für ihren Handel aufzwingen wollen… Hanelt: Nein, das kann nicht nur nicht im Interesse der Golfstaaten sein, sondern auch in unserem europäischen und deutschen Interesse. Wir sind Exportnationen, die sind Exportnationen, sie sind auch Importnationen. Man muss immer im Hinterkopf behalten: Die arabischen Golfstaaten kaufen erheblich mehr Produkte bei uns in Deutschland, in Europa ein, als sie zu uns als Erdöl und Erdgas exportieren. Alle sind abhängig von einer freien, nachhaltigen Seeschifffahrt, und das ist ein globales Recht, das überall gilt, Und hier verstößt Iran gegen internationales Recht. Die USA versuchen, das jetzt nach dem Krieg, der zur Schließung der Straße von Hormus führt, das Machtinstrument der iranischen Führung irgendwie zu korrigieren. Und am Ende des Tages, so tragisch es ist, ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung, die dann das vielleicht wieder in Disruption in der Region investieren würde. SWR Aktuell: Und trotzdem könnten sich die Golfstaaten ja die Frage stellen, ob es für sie noch so vorteilhaft ist, wenn die USA dort vor Ort sind. Hanelt: Es ist jedenfalls nicht vorteilhaft, wenn da Gebühren erhoben werden und weiter eine Unsicherheit über die Straße von Hormus besteht. Die reichen Golfstaaten versuchen das abzuschwächen, indem sie jetzt Pipelines bauen, Straßen und vor allen Dingen Zugverbindungen an das Rote Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ja auch noch ein eigenes Emirat, quasi am Indischen Ozean. Sie versuchen darüber ihre Exporte und Importe laufen zu lassen. Je mehr Geld die reichen arabischen Golfstaaten investieren müssen in ihre eigene Sicherheit, in den Umbau ihrer Wirtschaft, desto weniger Geld werden sie haben, um international zu investieren. Das fällt einem manchmal nicht so als Erstes auf: Kuwait ist zum Beispiel einer der größten Finanziers von UNICEF, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar finanzieren das UN-Flüchtlingshilfswerk. All diese großen Investitionen in internationale Organisationen werden wegfallen. Genauso die wichtigen Zusatzstoffe, die Katar oder auch Bahrain oder auch Kuwait exportieren für die Nahrungsmittelsicherheit und Düngemittel. Das werden wir im nächsten Jahr merken, wenn es zu wenig Düngemittel gibt und wir dann in eine Nahrungskrise kommen. Das heißt, das, was am Golf passiert und das, wie die arabischen Golfstaaten darauf reagieren, ist in unserem Interesse, und da ergeben sich für unsere Wirtschaft in diesem Umbau des Geschäftsmodells, den diese machen, auch Chancen - und nicht nur Risiken.

Kommentit

0

Ole ensimmäinen kommentoija

Rekisteröidy nyt ja liity SWR Aktuell Im Gespräch-yhteisöön!

Aloita maksutta

14 vrk ilmainen kokeilu

Kokeilun jälkeen 7,99 € / kuukausi. · Peru milloin tahansa.

  • Podimon podcastit
  • 20 kuunteluaikaa / kuukausi
  • Lataa offline-käyttöön

Kaikki jaksot

10213 jaksot

jakson Iranische Angriffe auf Golfstaaten: Wie schwierig ist die wirtschaftliche Lage? kansikuva

Iranische Angriffe auf Golfstaaten: Wie schwierig ist die wirtschaftliche Lage?

SWR Aktuell: Die Golfstaaten hängen jetzt schon seit Monaten im Irankrieg indirekt mit drin. Lässt sich der wirtschaftliche Schaden für sie denn ungefähr abschätzen? Christian Hanelt: Der Schaden für das Geschäftsmodell der reichen arabischen Golfstaaten ist hoch. Allerdings haben sie weiterhin eine große finanzielle Rücklage, denn die sechs GCC-Staaten, also Katar, Kuwait und Bahrain, auch noch Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Oman, sind ja quasi in einem Handels- und Politikverbund verbunden, den wir „Golfkooperationsrat“ nennen. Und die sind schon eine der dynamischen politischen und wirtschaftlichen Regionen in der Welt. > Die Golfstaaten erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir. > > > Quelle: Christian Hanelt, Nahostexperte, Bertelsmann-Stiftung Was ich was jetzt halt bei ihnen passiert ist: Sie erleben eigentlich die gleiche Zeitenwenden-Erfahrung wie wir durch den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine. Sie merken, dass auch sie verwundbar sind, so wie wir das auch merken. Und sie versuchen jetzt im großen Tempo ihre Abhängigkeiten und ihr Risiko zu streuen. Das heißt eben insbesondere: der Abhängigkeit von der Straße von Hormus als Transitweg eben zu entgehen, indem man auf das arabische Meer, also Richtung Indien oder eben das Rote Meer ausweicht. Aber das braucht viele Investitionen, und es dauert Zeit - aber das machen sie. > Am Ende des Tages ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung. > > > Quelle: Nahostexperte Christian Hanelt SWR Aktuell: Blicken wir mal auf die Straße von Hormus. Da spricht ja US-Präsident Trump jetzt davon, dass er eine Gebühr für die Fahrt durch die Passage erheben will, von 20 Prozent des transportierten Warenwerts. Nun darf man nicht glauben, dass alles, was Trump sagt, auch so kommt. Aber das kann doch überhaupt nicht im Interesse der Golfstaaten sein, wenn jetzt die USA da plötzlich ihnen eine Gebühr für ihren Handel aufzwingen wollen… Hanelt: Nein, das kann nicht nur nicht im Interesse der Golfstaaten sein, sondern auch in unserem europäischen und deutschen Interesse. Wir sind Exportnationen, die sind Exportnationen, sie sind auch Importnationen. Man muss immer im Hinterkopf behalten: Die arabischen Golfstaaten kaufen erheblich mehr Produkte bei uns in Deutschland, in Europa ein, als sie zu uns als Erdöl und Erdgas exportieren. Alle sind abhängig von einer freien, nachhaltigen Seeschifffahrt, und das ist ein globales Recht, das überall gilt, Und hier verstößt Iran gegen internationales Recht. Die USA versuchen, das jetzt nach dem Krieg, der zur Schließung der Straße von Hormus führt, das Machtinstrument der iranischen Führung irgendwie zu korrigieren. Und am Ende des Tages, so tragisch es ist, ist es besser, Gebühren an Amerikaner zu bezahlen als an eine iranische Führung, die dann das vielleicht wieder in Disruption in der Region investieren würde. SWR Aktuell: Und trotzdem könnten sich die Golfstaaten ja die Frage stellen, ob es für sie noch so vorteilhaft ist, wenn die USA dort vor Ort sind. Hanelt: Es ist jedenfalls nicht vorteilhaft, wenn da Gebühren erhoben werden und weiter eine Unsicherheit über die Straße von Hormus besteht. Die reichen Golfstaaten versuchen das abzuschwächen, indem sie jetzt Pipelines bauen, Straßen und vor allen Dingen Zugverbindungen an das Rote Meer. Die Vereinigten Arabischen Emirate haben ja auch noch ein eigenes Emirat, quasi am Indischen Ozean. Sie versuchen darüber ihre Exporte und Importe laufen zu lassen. Je mehr Geld die reichen arabischen Golfstaaten investieren müssen in ihre eigene Sicherheit, in den Umbau ihrer Wirtschaft, desto weniger Geld werden sie haben, um international zu investieren. Das fällt einem manchmal nicht so als Erstes auf: Kuwait ist zum Beispiel einer der größten Finanziers von UNICEF, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar finanzieren das UN-Flüchtlingshilfswerk. All diese großen Investitionen in internationale Organisationen werden wegfallen. Genauso die wichtigen Zusatzstoffe, die Katar oder auch Bahrain oder auch Kuwait exportieren für die Nahrungsmittelsicherheit und Düngemittel. Das werden wir im nächsten Jahr merken, wenn es zu wenig Düngemittel gibt und wir dann in eine Nahrungskrise kommen. Das heißt, das, was am Golf passiert und das, wie die arabischen Golfstaaten darauf reagieren, ist in unserem Interesse, und da ergeben sich für unsere Wirtschaft in diesem Umbau des Geschäftsmodells, den diese machen, auch Chancen - und nicht nur Risiken.

14. heinä 20264 min
jakson Flüsse mit Niedrigwasser: Welche Probleme hat die Binnenschifffahrt dadurch? kansikuva

Flüsse mit Niedrigwasser: Welche Probleme hat die Binnenschifffahrt dadurch?

Der Mittelrhein besteht gerade zu einem beachtlichen Teil aus Land: aus Sand- und Kiesbänken. Sehr früh im Jahr gibt es extremes Niedrigwasser [https://www.bafg.de/DE/5_Informiert/2_Publikationen/Niedrigwasserbericht/niedrigwasserbericht_node.html], was die Binnenschifffahrt schwierig macht. Dominik Mnich, selbstständiger Binnenschiffer, musste die Erfahrung selbst machen, als er sich festfuhr: "Ich hatte Glück, es war tatsächlich sehr unkompliziert". Ein Kollege habe ihn schnell freigeschleppt. Doch das Hauptproblem bleibt die Ladung: Aktuell kann Mnich nur ein Drittel der Fracht transportieren, die sein Schiff bei normalem Wasserstand tragen kann. Das belastet nicht nur die Nerven der Schiffer, sondern drückt auch extrem auf die Wirtschaftlichkeit, da die Schiffer trotz der geringen Auslastung den gleichen Aufwand haben. > Wir müssen extrem aufpassen, weil einfach kein Wasser mehr rechts und links vorhanden ist. > > > Quelle: Dominik Mnich, Binnenschiffer Die Folgen dieses extremen Wassermangels gehen weit über die Schifffahrt selbst hinaus. Wenn die Schiffe nicht mehr voll beladen fahren können, geraten wichtige Lieferketten ins Stocken – vom Brotweizen für den Bäcker bis hin zu Rohstoffen für Tierfutter und Speiseöl. Für die Schiffer bedeutet das Fahren bei Niedrigwasser puren Stress. "Wir müssen extrem aufpassen, weil einfach kein Wasser mehr rechts und links vorhanden ist", beschreibt Mnich die angespannte Lage in den schrumpfenden Fahrrinnen. Viele schwerer gebaute Schiffe müssen im Hafen bleiben, weil sie schon ohne Fracht zu viel Tiefgang haben. In dieser Krise nützt dem Binnenschiffer Mnich ausgerechnet ein "Oldtimer" aus den 1970er-Jahren. Das Schiffe sei damals so vorausschauend konstruiert worden, dass es auch bei extrem niedrigem Wasserstand noch vergleichsweise viel Ladung transportieren kann. > Die Ware muss auch bei geringsten Wasserständen von A nach B gelangen. > > > Quelle: Binnenschiffer Dominik Mnich Da der Klimawandel solche extremen Trockenphasen in Zukunft wohl noch häufiger und länger auslösen wird, muss sich die gesamte Branche anpassen. Für Mnich ist klar, dass beim Schiffskauf umgedacht werden muss: Die Schiffe müssten effizienter für flache Gewässer gebaut sein. Heute setzt der Binnenschiffer auf moderne Technik wie digitale Assistenzsysteme, die zentimetergenau anzeigen, wo in der Fahrrinne noch das meiste Wasser steht. Trotz der wachsenden Herausforderungen blickt Mnich positiv in die Zukunft und wirbt für seine Branche, denn am Ende führe kein Weg an ihr vorbei: "Die Ware muss auch bei den geringsten Wasserständen von A nach B gelangen". Schließlich sei Binnenschiffer trotz allem noch immer ein absoluter "Klasseberuf".

14. heinä 20264 min
jakson Palästina-Demos, Schmiererei und Beleidigungen – wo der neue Antisemitismus herkommt kansikuva

Palästina-Demos, Schmiererei und Beleidigungen – wo der neue Antisemitismus herkommt

Seit vergangenem Jahr werden antisemitische Vorfälle in Baden-Württemberg erstmals systematisch ausgewertet. Die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus hat 335 Vorfälle im Land registriert. Der Projektleiter Robert Ogmann spricht dabei von der "Spitze des Eisbergs". In SWR Aktuell schildert er einen Fall, der ihm besonders aufgefallen ist: "In Kehl wurden vier als jüdisch erkennbare Mitglieder der dortigen Gemeinde von einer zufällig vorbeikommenden Person bespuckt und beleidigt. Der Täter sagte: Fuck Israel und Free Palestine. Er begründete sein Handeln mit seiner israelkritischen und propalästinensischen Haltung." Judenfeindlichkeit gibt es von rechts, von links und aus dem Islam. Eine Form ist derzeit nach Ansicht Ogmanns besonders problematisch: "Wir haben es den anti-israelischen Aktivismus genannt. Im Fokus steht da das Feindbild Israel und zunehmend auch der Zionismus. Wir reden von Vernichtungswünschen, die auf Demonstrationen gerufen werden oder als Schmierereien und auf Aufklebern, die an Hochschulen zu finden sind." Was die Politik dagegen tun sollte, wollte SWR Aktuell-Moderator Christian Rönspies von Robert Ogmann wissen.

Eilen6 min
jakson Bauchfett? Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht kansikuva

Bauchfett? Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht

Es ist eine uralte Diskussion: Was hilft beim Abnehmen? Ernährung oder Sport? Wenn's um das Bauchfett geht, das gerade jetzt, im Sommer, manche Leute beim Schwimmbad-Besuch lieber verstecken wollen, ist sich Tim Hollstein sicher: Sport nützt gar nichts, nur auf Zucker- und Fett-Kicks in der Ernährung zu verzichten, hilft. SWR Aktuell-Moderatorin Petra Waldvogel hat mit dem Stoffwechselforscher und Leiter der Ernährungsmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel gesprochen. SWR Aktuell: Bierbauch, Hüftgold, Rettungsring - es gibt jede Menge mehr oder weniger beschönigende Ausdrücke für das Fett am Bauch. Woher kommt das, hat es immer die gleichen Ursachen? Tim Hollstein: Das Fett am Bauch kommt erstmal dadurch, dass wir zu viel Nahrung aufnehmen und zu wenig Energie verbrennen. Das ist einfach so, das sind Gesetze der Physik. Unser Körper ist eigentlich sehr schlau, denn in der Evolution hat sich die Natur ausgedacht, dass wir eine "Körperbatterie" entwickeln. Das ist das Fettgewebe, um zusätzliche Energie zu speichern, um dann für Fastenperioden oder schlechte Zeiten gewappnet zu sein. Das hat früher Sinn gemacht, aber heute ist es so, dass wir gar nicht mehr in solchen Zeiten leben. Wir leben stattdessen in der "Zuvielisation", wie ich immer sage, wo also zu viel von allem vorhanden [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/wie-sinnvoll-ist-eine-zuckersteuer-100.html] ist. Unser Körper will aber trotzdem noch immer die ganze Energie speichern und deswegen sorgt das dafür, dass unsere ganzen Fast-Food-Besuche etc. sich schön in zu viel Bauchfett niederschlagen. SWR Aktuell: Wieso ausgerechnet am Bauch? Wenn man schon mal abnimmt, dann werden die Wangen hohl, die Arme dünn, aber der Bauch bleibt. Hollstein: Das ist einfach Genetik, dass unser Körper letztendlich da den besten Ort gesehen hat, wo man Fettgewebe effizient speichern kann, ohne dass es zu sehr stört. Wenn wir uns jetzt vorstellen, wir würden unsere größten Fettdepots an den Arm haben, dann können wir die Arme gar nicht mehr richtig bewegen. Also macht nicht so viel Sinn. Das heißt, in der Körpermitte ist es auch biologisch am sinnvollsten, weil wir das da am besten mit uns rumtragen können - wie ein Rucksack im Prinzip. Es gibt aber unterschiedliche Typen: Frauen zum Beispiel lagern ihr Fettgewebe eher im Hüftbereich, im Oberschenkelbereich ab. Das ist tendenziell noch etwas günstiger, weil sich Bauchfett in zwei Arten von Fettgewebe überteilt: Es gibt einmal das Unterhautfettgewebe. Das ist, wenn man sich in den Bauch fasst, das man greifen kann. Das ist nicht schlimm - das ist diese eigentliche Körperbatterie, von der ich spreche, die ist im Prinzip von der Natur entwickelt. Dann aber gibt es auch das sogenannte viszerale Gewebe am Bauch. Das ist das, welches man nicht greifen kann, das nicht nur unter der Haut liegt, sondern im Prinzip unter den Bauchmuskeln, also in den Organen und um die Organe herum. Das ist das gefährliche Fett und das müssen wir reduzieren, weil das entzündet sich und das kann dann viele Folgeerkrankungen machen, wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/kardiologen-herz-kreislauf-kongress-mannheim-tabak-zucker-steuer-100.html] und da müssen wir was gegen tun. SWR Aktuell: Ursache sind zu viele Kalorien - also die Klassiker: zu viel Fett, zu viel Alkohol, zu viel Süßes? Hollstein: Ja, genau, zu viel hochverarbeitete Nahrung. Sie müssen sich vorstellen: Unser Körper und insbesondere unser Gehirn ist für eine Nahrung kalibriert, die unserer Nahrung als Jäger und Sammler entspricht - unverarbeitete Nahrung, mediterrane Kost, viel Gemüse, Obst, Nüsse, Beeren und wenn Fleisch, dann halt unverarbeitetes Fleisch, wenig Zucker, gute Öle, viele Ballaststoffe. In der Ernährung, die wir meistens zu uns nehmen, ist das alles nicht drin, da haben wir wenig Ballaststoffe, wir haben sehr viel zugesetzten Zucker und dann essen wir im Prinzip ja sehr fettreich, sehr kohlenhydratreich und vor allen Dingen diese perfekte Kombination aus Fett und Zucker, die es so in der Natur gar nicht gibt. Die sorgt dann dafür, dass unser Gehirn in Ekstase geht und wir immer mehr und mehr davon haben wollen. Das ist mitunter das Hauptproblem. SWR Aktuell: Nicht unbedingt die Bewegung, wie viele denken, sondern die Ernährung ist das Hauptproblem? Hollstein: Bewegung ist nicht das Hauptproblem - Sport, jeden Morgen ein paar Situps oder Liegestützen helfen nichts. Das ist ein totaler Quatsch, dass das irgendwie das Bauchfett reduzieren soll, das bringt nichts. Wir wissen, dass Sport per se natürlich sehr gesund ist. Das baut insbesondere Muskelmasse auf, das stärkt das Herz-Kreislauf-System [https://www.swr.de/leben/gesundheit/fit-durch-sport-bei-arbeit-im-garten-100.html] und stärkt auch das Immunsystem, also hat viele positive Effekte, aber Sport hilft nicht beim Abnehmen, das muss man ganz klar sagen. Unser Körper ist ja nicht doof. Damals in der Evolution hatten wir oft das Problem, dass wir uns sehr viel bewegen mussten, um dann zum Beispiel die nächste Gazelle zu fangen und unser Körper hat dann Mechanismen entwickelt, um diese hohe Aktivitätsenergie, den ganzen Energieverbrauch, wenn wir uns bewegen, entsprechend zu kompensieren.

Eilen7 min
jakson Originell und leicht verständlich – wie ein erfolgreiches Spiel sein muss kansikuva

Originell und leicht verständlich – wie ein erfolgreiches Spiel sein muss

Gerade ist das Spiel des Jahres 2026 gekürt worden. Gewonnen hat „Dito“ – ein Begriffsspiel, bei dem es darum geht, zu erraten, was Mitspieler mit einem bestimmten Begriff in Verbindung bringen. Ausgedacht haben sich das Spieleentwickler. Wie Michael Palm. Er betreibt außerdem den Comic- und Spieleladen „Seetroll“ in Konstanz. In SWR Aktuell erklärt er, wie aufwändig es ist, ein Spiel zu entwickeln: "Wir hatten schon Spiele, die haben wir in drei Monaten entwickelt. Dann wiederum haben wir sechs Jahre an einem Spiel getüftelt." Für Michael Palm aber kein Problem. "Ich habe das Glück, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte", verrät er SWR Aktuell-Moderatorin Ulrike Alex. Denn auch seine Familie, die Frau und die beiden Söhne spielen gerne und oft. Und worauf kommt es bei einem guten Spiel an? "Es ist wichtig, dass das Spiel unterschwellig ist. Die Spielregeln müssen leicht verständlich sein, damit man sich nicht viel merken muss. Und das Thema muss frisch sein."

Eilen5 min