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Georg-Büchner-Preis 2026 für Christine Wunnicke: Eine gute Wahl?

2 min · 10. heinä 2026
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Kuvaus

GEORG-BÜCHNER-PREIS GEHT AN AUTORIN CHRISTINE WUNNICKE Es ist mit dem Büchner-Preis wie mit allen großen Preisen: Stets gibt es mehr geeignete Kandidatinnen und Kandidaten, die schon längst einen Preis verdient gehabt hätten, als es Auszeichnungen gibt. Der mit 50.000 Euro dotierte Büchner-Preis, den die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung vergibt, gilt nach wie vor als die bedeutendste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum.  EINE ÜBERRASCHUNG, KEINE ÜBERRASCHUNG? Dass er am 24. Oktober an die 1966 in München geborene Schriftstellerin Christine Wunnicke überreicht werden wird, ist so gesehen eine Überraschung und dann doch auch wieder nicht. Die Akademie hat sich in den vergangenen Jahren immer wieder für eher am Rand des Literaturbetriebs stehende Preisträgerinnen und Preisträger entschieden; man denke nur an den in seinem Schreiben auf den ersten Blick nahezu unverständlichen Oswald Egger [https://www.swr.de/kultur/literatur/oswald-egger-oskar-fiala-und-das-prinzip-der-kleinsten-wirkung-100.html].  TEXTE WIE KUNSTHANDWERK Das trifft auf Christine Wunnicke, die Büchner-Preisträgerin des Jahres 2026, nicht zu. Leicht zugänglich sind ihre stets schmalen und fein konzipierten Romane dennoch nicht. Genauer gesagt: Unter der Oberfläche gibt es stets ein großes System aus Referenzen, Verweisen und Anspielungen. Christine Wunnicke ist eine Autorin mit einer großen Anhängerschaft in den Feuilletons:  Für ihren Roman „Die Dame mit der bemalten Hand“ wurde sie 2020 bereits mit dem Wilhelm-Raabe-Preis ausgezeichnet. Eher skeptische Leser ihrer Bücher wittern in den fein ziselierten Wunnicke-Texten gelegentlich eine Nähe zum Kunsthandwerk.  BLICK FÜR DAS ABSEITIGE Aber: Wunnicke hat einen Blick für das Abseitige. Auch ihr letzter Roman „Wachs“ [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2025-03-03b-102.html], mit dem sie im vergangenen Jahr auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis stand, spielt im 18. Jahrhundert.  Marie Marguerite Bihéron ist die reale Hauptfigur des Romans. Geboren 1719 in Paris als Tochter eines Apothekers, studierte sie Illustration, begann aber bereits in sehr jungen Jahren, sich mit Anatomie zu beschäftigen und Leichen zu sezieren.  Bihéron entwickelte in der Technik von Wachsmodellationen von Organen und Körpern ein Können, das sie zur Künstlerin machte.  ERFUNDENE FAKTEN Christine Wunnicke, die ausgesprochen öffentlichkeitsscheu ist, wehrt sich gegen die Zuschreibung, eine Verfasserin historischer Romane zu sein. Man könne ihr nichts von alldem glauben, was sie in ihre Bücher hineinschreibe, sagte sie in einem ihrer seltenen Interviews.  [https://www.swr.de/kultur/musik/gast-im-studio-die-schriftstellerin-christine-wunnicke-treffpunkt-musik-2026-03-07-100.html] Die Auszeichnung mit dem Büchner-Preis ist auch in dieser Hinsicht ein klares Statement gegen literarische Trends und Moden, allen voran die der Autofiktion. Bei dieser Preisträgerin sind – in der Literatur ist alles erlaubt – selbst die vermeintlichen Fakten erfunden.

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Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

KOSMISCHE PHÄNOME FASZINIERTEN SCHON IMMER Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich. Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab. „Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal. Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“ DIALOG MIT AUSSERIRDISCHEN Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt. Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“ Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen. WELTRAUMSCHROTT UND AUSGEDIENTE TAUCHKAPSEL „Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu? Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024. Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

10. heinä 20263 min
jakson Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie kansikuva

Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

10. heinä 20263 min