In_equality Podcast
Hosts: Marius R. Busemeyer – Professor für Vergleichende Politische Ökonomie an der Universität Konstanz und Sprecher des Exzellenzclusters „The Politics of Inequality“. Gabriele Spilker – Professorin für Globale Ungleichheit an der Universität Konstanz und Co-Sprecherin des Clusters. Gast: Sebastian Koos – Professor für Soziologie an der Universität Konstanz und Inhaber der Clusterprofessur „Social Movements“; er forscht u. a. zu sozialen Bewegungen und Nachhaltigkeit. Episodenüberblick Wie politisch ist unser Einkaufszettel? Und was unterscheidet „nachhaltigen“ von „politischem“ Konsum? In dieser Live-Folge – aufgenommen im Rahmen der Nachhaltigkeitstage an der Universität Konstanz – sprechen Gabriele Spilker und Marius R. Busemeyer mit dem Soziologen Sebastian Koos über Boykotte, Fair-Trade-Märkte, das Lieferkettengesetz und die Frage, ob Konsumentscheidungen tatsächlich gesellschaftlichen Wandel anstoßen können. Episoden-Highlights Politischer vs. nachhaltiger Konsum · Politischer Konsum: Kaufen oder Nichtkaufen als Mittel, um Unternehmen zu belohnen oder zu bestrafen (instrumentell, strategisch). · Nachhaltiger Konsum: Konsum so gestalten, dass ökologische und soziale Folgen möglichst gering bleiben. · Wichtigster Punkt: „Der nachhaltigste Konsum ist der, den man sich spart.“ Ungleichheitsdimension · Anders als bei Wahlen gilt nicht „one person, one vote“, sondern wer sich beteiligen kann hängt direkt von Kaufkraft, Wissen und Zeit ab. · Aus einer Gerechtigkeitsperspektive ist politischer Konsum daher ambivalent. Wer konsumiert politisch oder nachhaltig? · Politischer/ethischer Konsum ist voraussetzungsvoll: Bildung ist ein zentraler Faktor (Information, Labels, Wissen). · Einkommen und Klassenlage spielen mit hinein: Nachhaltiger Konsum kann Status ausdrücken – ist aber selten nur Status oder nur Moral. · Geschlechterunterschiede: Frauen zeigen häufiger „positives Kaufen“, Boykotts sind etwas ausgeglichener verteilt. · „Ethischer Konsum“ bedeutet je nach sozialer Lage Unterschiedliches – von Zertifikaten bis zu „gesund und sparsam für die Familie sorgen“. Wirksamkeit und Grenzen · Forschungslage zu Boykotts: gemischte Effekte – manchmal negativ, manchmal kaum messbar, manchmal sogar positiver PR-Effekt. · Häufig entscheidend: Reputation (Naming & Shaming) statt reine Umsatzverluste. Links & Quellen * Mehr zum Exzellenzcluster „The Politics of Inequality“: www.exc.uni-konstanz.de/inequality [http://www.exc.uni-konstanz.de/inequality] * Weiterführende Literatur: * Bartley, T., Koos, S., Samel, H., Setrini, G., & Summers, N. (2015). Looking behind the label: Global industries and the conscientious consumer. [https://iupress.org/9780253016560/looking-behind-the-label/] Indiana University Press. * Koos, S. (2021). Moralising markets, marketizing morality. The fair trade movement, product labeling and the emergence of ethical consumerism in Europe. [https://doi.org/10.1080/10495142.2020.1865235] Journal of Nonprofit & Public Sector Marketing, 33(2), 168-192. * Koos, S. (2012). What drives political consumption in Europe? A multi-level analysis on individual characteristics, opportunity structures and globalization. [https://www.researchgate.net/publication/254078455_What_drives_political_consumption_in_Europe_A_multi-level_analysis_on_individual_characteristics_opportunity_structures_and_globalization] Acta sociologica, 55(1), 37-57. * Kontakt: cluster.inequality@uni-konstanz.de Neue Folgen immer am ersten Mittwoch im Monat – jetzt abonnieren!
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