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„Selbst Nero bekam eine Oper“: Geplante Oper über Atatürk sorgt für Kontroverse

7 min · 5 de jun de 2026
Portada del episodio „Selbst Nero bekam eine Oper“: Geplante Oper über Atatürk sorgt für Kontroverse

Descripción

OPER SOLL RELEVANTE THEMEN BEHANDELN „Ich kann die Aufregung verstehen“, sagt der Intendant der Stuttgarter Staatsoper Victor Schoner im Interview mit SWR Kultur. Die Figur des Mustafa Kemal Atatürk könne, wie viele Machthabende, immer von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Da die Uraufführung aber erst im April 2027 stattfinde, wisse man noch gar nicht genau, worüber man rede. Schoner betont, dass die Aufregung um das Stück nicht kalkuliert gewesen sei. Als künstlerische Leiter einer öffentlichen steuerfinanzierten Institution habe er alle Communities im Blick. Die Oper müsse relevant sein und Geschichten erzählen, die alle betreffen. Und das habe sich bereits jetzt schon, bei der Ankündigung der Oper, eingelöst. KEIN EINSEITIGER BLICK AUF HISTORISCHE FIGUR ATATÜRK Die Kunstfreiheit sei in Deutschland – im Vergleich zur Türkei – ein hohes Gut, so Schoner. Viele Menschen arbeiteten sich an der historischen Figur Atatürk ab. Deshalb wolle man sich der spannenden Diskussion um ihn stellen. Die Oper werde keinen verzerrten Blick von der einen oder anderen Seite einnehmen.  Man müsse zur Kenntnis nehmen, so Schoner, dass der herrschende Atatürk nicht nur Gutes getan habe, sondern tatsächlich an vielen Gräueltaten beteiligt war: „Julius Cäsar, Nixon in China, selbst Nero bekam eine Oper und ich glaube, wir sind uns alle einig, dass es sehr zwielichtige Figuren sind.“ OPER STUTTGART NIMMT SORGEN DER KURDISCHEN AKTIVISTEN ERNST Die kurdische und armenische Perspektive werde natürlich in die Oper eingebracht, betont der Intendant. Zurzeit führten alle Beteiligten sehr viele Gespräche, auch die Librettistin. Dass wegen inhaltlicher Fragen eine Dienstaufsichtsbeschwerde und Gefährdungsanzeige beim Kunstministerium gestellt worden sei, habe er bislang noch nie erlebt. Man werde mit dem Deutsch-Kurdischen Forum in den Dialog gehen. „Es ist ja natürlich auch der Versuch, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die vielleicht erstmal mit unserem Genre auch nichts zu tun haben.“ Die Oper Stuttgart nehme die Befürchtung, die Inszenierung könnte schutzbedürftige Minderheiten gefährden, sehr ernst. Trotz des Wirbels freut sich Intendant Victor Schoner auf den Entstehungsprozess. Es sei ja gerade das Interessante, dass die Ära Atatürk schon lange her sei und andererseits immer noch auf die Gegenwart wirke: „Und das ist ja das, was Kunstwerke können, dass sie das vermeintlich Gestrige ins Heute holen und deswegen auch Relevanz beweisen.“

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Umstrittene Auszeichnung: Leo-Baeck-Preis für Dieter Nuhr

DIE UMSTRITTENE KABARETTISTIN LISA ECKHART WAR MEHRMALS ZU GAST BEI NUHR „Wirklich nachvollziehen kann ich das nicht“, sagt auch Tom Uhlig, Professor für Demokratieförderung an der Hochschule RheinMain und einer der Autoren von „Antisemitismus definieren. Anleitung zur Abgrenzung“ zu dieser Entscheidung. Der Zentralrat begründet seine Entscheidung unter anderem damit, dass Nuhr konsequent „Doppelstandards in der deutschen Debatte um Israel“ offenlege. Währenddessen kritisieren andere Stimmen die mehrfache Einladung der wegen Antisemitismusvorwürfen umstrittenen Kabarettistin Lisa Eckhart in Nuhrs Sendung „Nuhr im Ersten“. „DIETER NUHR SIEHT BEIM ANTISEMITISMUS IM EIGENEN MILIEU WEG“ Auch der Umstand, dass Nuhr in der Vergangenheit Shitstorms als „humane Variante des Pogroms“ bezeichnet hatte, ist kritisiert worden. „Dieter Nuhr sieht beim Antisemitismus im eigenen Milieu weg“, sagt Uhlig, dagegen schlage er auf Antisemitismus bei anderen drauf. „Das ist zum Teil auch relativ virtuos, oftmals polemisch weit überspitzt, aber er trifft da schon ab und zu etwas“, räumt Uhlig ein. Allerdings käme es darauf an, Antisemitismus in allen Varianten, allen Spielarten zu kritisieren. IST DIE ABLEHNUNG DES ANTISEMITISMUS IM KULTURBETRIEB NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH? In einem Interview in der Jüdischen Allgemeinen habe Dieter Nuhr gesagt: „Es ist ein Trauerspiel, dass die Ablehnung des Antisemitismus heute gerade im Kulturbetrieb alles andere als selbstverständlich ist.“ „Da würde ich ihm sogar zustimmen“, sagt Uhlig, und das führe dazu, dass so zweifelhafte Personen wie Dieter Nuhr dann doch als auszeichnungswürdige Kandidaten in Betracht kämen. Mit dem Leo-Baeck-Preis zeichnet der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten aus, die in besonderem Maße für die jüdische Gemeinschaft eingetreten sind. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung am Nuhr findet am 10. Juni in Berlin statt.

10 de jun de 20266 min
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Wie nachhaltig kann Kultur sein? Das Green Culture Festival in Karlsruhe sucht Antworten

Theater, Museen und Konzerthäuser stehen vor der Frage, wie sich Kultur klimafreundlicher gestalten lässt. Beim Green Culture Festival im Karlsruher Tollhaus diskutieren Kulturschaffende aus ganz Deutschland darüber. In SWR Kultur am Morgen sagt Anna Haas, Transformationsmanagerin für nachhaltige Kultur am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Nachhaltigkeit muss so selbstverständlich mitgedacht werden wie Budget, Probenplan oder Premierentermin.“ DAS PUBLIKUM VERURSACHT DIE MEISTEN EMISSIONEN Anders als viele vermuten, entstehen die größten Umweltbelastungen nicht durch Bühnenbilder. „60 bis 80 Prozent der CO₂-Bilanz kommen durch die Mobilität des Publikums zustande“, erklärt Haas. Energieverbrauch spiele ebenfalls eine große Rolle. Trotzdem könne nachhaltiges Bühnenbild eine wichtige Wirkung entfalten, etwa wenn Materialien wiederverwendet werden und daraus neue Geschichten entstehen. KULTUR ALS MOTOR FÜR VERÄNDERUNG Für Haas liegt die besondere Stärke von Kunst und Kultur darin, Menschen emotional zu erreichen. „Kultur hat die Superkraft, Gefühle anzusprechen“, sagt sie. Während reine Fakten oft zu Abwehr oder Resignation führten, könnten Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen neue Perspektiven eröffnen.

Ayer6 min
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Sachcomic über die Manosphere: „Strong Men“ – Warum demonstrative Männlichkeit nicht stark ist

ÜBERKOMPENSATION VON FRAGILER, UNSICHERER MÄNNLICHKEIT „Strong Men“ – starke Männer, so heißt der Comic von Meikel Mathias. Ein doppeldeutiger Titel, denn der sogenannte „starke Mann“ ist in der Politik auch immer ein Synonym für den autoritären, starken Lenker. Bestes Beispiel: Donald Trump, der das Prinzip „Strong Man“ in der Politik lebt. “We are having a big fight!” –  einen großen Kampf kündigte Donald Trump für den 14. Juni an: An seinem 80. Geburtstag soll vor dem Weißen Haus ein „Mixed-Martial-Arts-Wettkampf” stattfinden. Das bedeutet: stundenlanges, blutiges Gerangel in einem Käfig. Was für manche die ultimative Performance starker Männlichkeit symbolisiert, steht für den Comiczeichner Meikel Mathias für das Gegenteil, nämlich für „… performative Männlichkeit, die Donald Trump verkörpert, und auch diese extrem fragile, unsichere Männlichkeit, die ständig überkompensiert werden muss“. DIE GESCHICHTE DER „STRONG MEN“ Mit dieser „performativen Männlichkeit“, ihren Auswüchsen und ihrer zerstörerischen Kraft beschäftigt sich Meikel Mathias in seinem Sachcomic „Strong Men“. Von Alexander dem Großen bis hin zu Andrew Tate, dem in Großbritannien wegen Vergewaltigung und Menschenhandel angeklagten Männlichkeits-Influencer. Was beide gemeinsam haben? Sie stehen für eine Männlichkeit, die dominiert und kontrolliert: die Menschen um sie herum oder den eigenen Körper. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Meikel Mathias auf, wie Männlichkeit von der Performance lebt. Von der eigenen Aufwertung und der Abwertung anderer. Etwas, das man sehr gut verkaufen kann. Das wusste in den 1930er-Jahren auch der Bodybuilder Charles Atlas. In Zeitungsanzeigen machte er sich über schmächtige Männer lustig. Die Lösung: Kauf das Fitnessprogramm von Charles Atlas und werde zum richtigen, starken und wehrhaften Mann! Das Erfolgsrezept ist, Leute in ihrer Männlichkeit zu verunsichern, um ihnen anschließend die Lösung als Produkt oder als Dienstleistung zu verkaufen.  MANFLUENCER WIE SCHRÄGE SIMPSONS-FIGUREN Meikel Mathias zeichnet die Manosphere wie einen Cartoon. Seine reduzierte Bildsprache gibt seiner umfangreichen Recherche eine klare Form. Er bietet den prominentesten Vertretern der „Strong Men“ – wie etwa Donald Trump, Andrew Tate oder dem Verschwörungserzähler Alex Jones – keine Bühne, sondern demaskiert gekonnt ihre Strategien. In den Primärfarben Rot, Blau und Gelb sehen die zerstörerischen Manfluencer aus wie schräge Simpson- oder Lego-Figuren. Witzfiguren, die aber auch den Witz toxisch machen, erklärt Meikel Mathias: „Humor und Memes verschieben die Grenzen des Sagbaren. […] Wenn man es als einen Witz verpackt, dass Frauen weniger wissen oder weniger können, humoristisch, dann ist es viel leichter diese Message indirekt rüberzubringen. Deswegen sind Memes so machtvoll.“ BEWUSSTSEIN FÜR DIE INSZENIERUNG SCHAFFEN Und je mehr sie verbreitet werden, desto mehr bleiben diskriminierende, abwertende oder rechtsextreme Aussagen hängen und vergiften den gesellschaftlichen Diskurs. Meikel Mathias wünscht sich hier ein viel größeres Bewusstsein dafür, „… dass es natürlich alles eine Inszenierung ist. Und dass die ganzen Leute, die man vorfindet, das ist eine Performance von einem Männlichkeitsideal, was so nicht existiert.“ Für ihn ist es extrem wichtig, das den Leuten vor Augen zu halten und zu sagen:  „Das, was ihr da seht, ist wie ein Schauspieler in einem Film, das ist nichts, was real ist.“ Vielleicht ist die Performance nicht real, aber die Konsequenzen sind es: für alle, die für die zerstörerischen Strong Men nicht als „Strong Men“ gelten und sogar für die Demokratie. Wie, das zeigt Meikel Mathias in seinem Sachcomic auf unterhaltsame und kluge Weise.

Ayer4 min
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Mitmachausstellung: Was brauchen wir für ein Leben auf dem Mars?

AUF DEN MARS FLIEGEN, UM PROBLEME AUF DER ERDE ZU LÖSEN Eine rötlich braune, staubige Landschaft, unendliche Weiten, Tausende Kilometer Wüste und Einschlagskrater aller Größen – kein Ort, der auf den ersten Blick nach Leben schreit. Wie das aber trotzdem aussehen könnte, zeigt die Konzeptausstellung MARS! Im ZKM Karlsruhe. Tina Lorenz, die sich am ZKM mit künstlerischer Forschung und Entwicklung beschäftigt und die Ausstellung mitentwickelt hat, erklärt: „Wir haben eine Forschungsfrage: Wir fliegen zum Mars, um Probleme auf der Erde zu lösen. Wie machen wir das?“ Diese Forschungfrage wurde dann mit den Mitteln der Kunst bearbeitet. BÜRGER-WORKSHOPS ZU KONKRETEN PROBLEMEN In Workshops konnten Bürgerinnen und Bürger mitgestalten und Ideen einbringen. Zum Beispiel beim Thema Wohnraum: Wie können Gebäude auf dem Mars aussehen, in denen man ja die meiste Zeit verbringen müsste? Was bei dem Workshop herauskam, kann jetzt in der Ausstellung betrachtet werden: Eine Underground-Oper, mehreckige Häuser und Versammlungsräume, oder ein Ort zum Gemüseanbauen. Auch jetzt noch können Besucherinnen und Besucher ihre eigenen Ideen zu Papier bringen und der Ausstellung beisteuern. ROBOTER-MEERSCHWEINCHEN ALS HAUSTIER-ERSATZ? Was wird an einem Ort gegessen, an dem keine Kühe gehalten werden oder kein Weizen angebaut werden kann? Wie könnten wir nachhaltig mit kostbaren Ressourcen wie Wasser oder Lithium umgehen? Und welche Regeln gäbe es und wie könnte eine Verfassung aussehen? Mit all diesen Fragen beschäftigt sich die MARS! Ausstellung. Es geht auch um das Thema Einsamkeit – auf einem fremden neuen Planeten. Eine Idee: Mit roboterartigen Meerschweinchen, „Booboos“ genannt, könnte eine Art Haustier-Ersatz geschaffen werden. TESTS DER MODELLE UNTER LEBENSNAHEN BEDINGUNGEN Das Highlight der Konzeptausstellung kommt aber erst noch: Alle Ideen und Skizzen werden auch getestet, unter lebensnahen Bedingungen in einer Siedlung auf dem Karlsruher Marktplatz im Oktober dieses Jahres für fast zwei Wochen. Denn gute Ideen würden nicht hinter Museumswänden entstehen, so Lorenz.

8 de jun de 20263 min