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Sachcomic über die Manosphere: „Strong Men“ – Warum demonstrative Männlichkeit nicht stark ist

4 min · Ayer
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Descripción

ÜBERKOMPENSATION VON FRAGILER, UNSICHERER MÄNNLICHKEIT „Strong Men“ – starke Männer, so heißt der Comic von Meikel Mathias. Ein doppeldeutiger Titel, denn der sogenannte „starke Mann“ ist in der Politik auch immer ein Synonym für den autoritären, starken Lenker. Bestes Beispiel: Donald Trump, der das Prinzip „Strong Man“ in der Politik lebt. “We are having a big fight!” –  einen großen Kampf kündigte Donald Trump für den 14. Juni an: An seinem 80. Geburtstag soll vor dem Weißen Haus ein „Mixed-Martial-Arts-Wettkampf” stattfinden. Das bedeutet: stundenlanges, blutiges Gerangel in einem Käfig. Was für manche die ultimative Performance starker Männlichkeit symbolisiert, steht für den Comiczeichner Meikel Mathias für das Gegenteil, nämlich für „… performative Männlichkeit, die Donald Trump verkörpert, und auch diese extrem fragile, unsichere Männlichkeit, die ständig überkompensiert werden muss“. DIE GESCHICHTE DER „STRONG MEN“ Mit dieser „performativen Männlichkeit“, ihren Auswüchsen und ihrer zerstörerischen Kraft beschäftigt sich Meikel Mathias in seinem Sachcomic „Strong Men“. Von Alexander dem Großen bis hin zu Andrew Tate, dem in Großbritannien wegen Vergewaltigung und Menschenhandel angeklagten Männlichkeits-Influencer. Was beide gemeinsam haben? Sie stehen für eine Männlichkeit, die dominiert und kontrolliert: die Menschen um sie herum oder den eigenen Körper. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Meikel Mathias auf, wie Männlichkeit von der Performance lebt. Von der eigenen Aufwertung und der Abwertung anderer. Etwas, das man sehr gut verkaufen kann. Das wusste in den 1930er-Jahren auch der Bodybuilder Charles Atlas. In Zeitungsanzeigen machte er sich über schmächtige Männer lustig. Die Lösung: Kauf das Fitnessprogramm von Charles Atlas und werde zum richtigen, starken und wehrhaften Mann! Das Erfolgsrezept ist, Leute in ihrer Männlichkeit zu verunsichern, um ihnen anschließend die Lösung als Produkt oder als Dienstleistung zu verkaufen.  MANFLUENCER WIE SCHRÄGE SIMPSONS-FIGUREN Meikel Mathias zeichnet die Manosphere wie einen Cartoon. Seine reduzierte Bildsprache gibt seiner umfangreichen Recherche eine klare Form. Er bietet den prominentesten Vertretern der „Strong Men“ – wie etwa Donald Trump, Andrew Tate oder dem Verschwörungserzähler Alex Jones – keine Bühne, sondern demaskiert gekonnt ihre Strategien. In den Primärfarben Rot, Blau und Gelb sehen die zerstörerischen Manfluencer aus wie schräge Simpson- oder Lego-Figuren. Witzfiguren, die aber auch den Witz toxisch machen, erklärt Meikel Mathias: „Humor und Memes verschieben die Grenzen des Sagbaren. […] Wenn man es als einen Witz verpackt, dass Frauen weniger wissen oder weniger können, humoristisch, dann ist es viel leichter diese Message indirekt rüberzubringen. Deswegen sind Memes so machtvoll.“ BEWUSSTSEIN FÜR DIE INSZENIERUNG SCHAFFEN Und je mehr sie verbreitet werden, desto mehr bleiben diskriminierende, abwertende oder rechtsextreme Aussagen hängen und vergiften den gesellschaftlichen Diskurs. Meikel Mathias wünscht sich hier ein viel größeres Bewusstsein dafür, „… dass es natürlich alles eine Inszenierung ist. Und dass die ganzen Leute, die man vorfindet, das ist eine Performance von einem Männlichkeitsideal, was so nicht existiert.“ Für ihn ist es extrem wichtig, das den Leuten vor Augen zu halten und zu sagen:  „Das, was ihr da seht, ist wie ein Schauspieler in einem Film, das ist nichts, was real ist.“ Vielleicht ist die Performance nicht real, aber die Konsequenzen sind es: für alle, die für die zerstörerischen Strong Men nicht als „Strong Men“ gelten und sogar für die Demokratie. Wie, das zeigt Meikel Mathias in seinem Sachcomic auf unterhaltsame und kluge Weise.

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WM 2026: Warum der Fußball die USA und Mexiko enger verbindet als die Politik

WIE EIN HEIMSPIEL: DAS TESTSPIEL DER MEXIKANISCHEN NATIONALMANNSCHAFT IN DEN USA Die mexikanische Nationalmannschaft hat ihr vorletztes WM-Testspiel in den USA bestritten. Und doch wirkte es wie ein Heimspiel. Die Partie gegen Australien fand in Los Angeles statt. In dieser Metropolregion leben rund 19 Millionen Menschen, ein Drittel mit mexikanischen Wurzeln. „Die mexikanische Nationalmannschaft bestreitet mehr Freundschaftsspiele in den USA als im eigenen Land“, sagt der Journalist Mike Woitalla von der Internetplattform „Soccer America“. „Häufig sind die Stadien ausverkauft. Der mexikanische Verband kann in den USA höhere Einnahmen erzielen.“ DER KAMPF UM DIE MEXIKANISCHEN FUSSBALLFANS Mike Woitalla blickt seit Jahren auf gesellschaftliche Themen des Fußballs. „Oft kommen mexikanische Einwanderer in die USA, weil sie sich bessere Arbeitsbedingungen erhoffen“, erklärt er. „Sie fühlen sich weiter mit ihrer Heimat verbunden. Im Fußball können sie diese Emotionen ausleben. Auch deshalb ist die mexikanische Profiliga wohl die meistgesehene Fußballliga im US-Fernsehen.“ Viele Amerikaner mexikanischer Herkunft unterstützen die Fußballklubs aus ihrer alten Heimat. Doch auch die Profiliga der USA möchte Latinos als Fans gewinnen. Etliche US-Vereine veröffentlichen Videos auf Spanisch oder verkaufen Fanartikel in mexikanischen Landesfarben. So sind die Fankurven in Kalifornien oder Texas diverser geworden. BEZAHLEN, UM ZU SPIELEN – PRIVATE FUSSBALLKLUBS IN DEN USA Doch in anderen Bereichen fehlt diese Vielfalt, sagt der Autor Paul Cuadros: „Bezahlen, um zu spielen: Unter diesem Motto sind in den USA private Fußballklubs entstanden. Mitgliedsgebühren, Reisekosten, Ausrüstung: Für die Eltern von Jugendspielern entstehen hohe Kosten. Latinos, die ein geringeres Durchschnittseinkommen haben, können sich das oft nicht leisten.“ Erhebungen zeigen, dass Talentakademien in den USA eher in einkommensstarken und mehrheitlich weißen Gemeinden liegen. Für die WM wurden in das Nationalteam der USA nur zwei Spieler mit mexikanischen Wurzeln berufen. FUSSBALL BOT MEXIKANISCHEN EINWANDERERN EINE HEIMAT Auch in Führungsgremien und Trainerstäben des US-Fußballs sind Latinos seit Jahrzehnten kaum präsent. Eine strukturelle Ausgrenzung, die den Fußball seit den Anfängen begleitet, berichtet der Migrationsforscher José Alamillo: „Rassismus gehörte zum Alltag. Die ersten Fußballligen in Los Angeles wollten nur wenige Latinos aufnehmen.“ Im späten 19. Jahrhundert brachten britische Einwanderer den Fußball in die USA. Latinos gründeten ab den Fünfzigerjahren eigene lokale Ligen, erzählt José Alamillo. „Der Sport bot den Einwanderern einen Raum, um sich heimisch zu fühlen. Beim Fußball konnten Mexikaner Freundschaften schließen und Kontakte für Jobs oder Wohnungen knüpfen.“ Inzwischen bemüht sich auch der Fußballverband der USA um Talente mit mexikanischen Wurzeln. DIE WM WIRD ZEIGEN, WIE SEHR DIE FUSSBALLLÄNDER USA UND MEXIKO ZUSAMMENGEWACHSEN SIND Doch noch scheint der Verband des Nachbarlandes einen Vorsprung zu haben. Dutzende mexikanische Scouts suchen in den USA nach Spielern mit doppelter Staatsbürgerschaft. Im mexikanischen Nationalteam für die WM stehen fünf Spieler, die in den USA aufgewachsen sind. Die WM wird also erneut zeigen, wie sehr die Fußballländer USA und Mexiko zusammengewachsen sind.

10 de jun de 20263 min
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Umstrittene Auszeichnung: Leo-Baeck-Preis für Dieter Nuhr

DIE UMSTRITTENE KABARETTISTIN LISA ECKHART WAR MEHRMALS ZU GAST BEI NUHR „Wirklich nachvollziehen kann ich das nicht“, sagt auch Tom Uhlig, Professor für Demokratieförderung an der Hochschule RheinMain und einer der Autoren von „Antisemitismus definieren. Anleitung zur Abgrenzung“ zu dieser Entscheidung. Der Zentralrat begründet seine Entscheidung unter anderem damit, dass Nuhr konsequent „Doppelstandards in der deutschen Debatte um Israel“ offenlege. Währenddessen kritisieren andere Stimmen die mehrfache Einladung der wegen Antisemitismusvorwürfen umstrittenen Kabarettistin Lisa Eckhart in Nuhrs Sendung „Nuhr im Ersten“. „DIETER NUHR SIEHT BEIM ANTISEMITISMUS IM EIGENEN MILIEU WEG“ Auch der Umstand, dass Nuhr in der Vergangenheit Shitstorms als „humane Variante des Pogroms“ bezeichnet hatte, ist kritisiert worden. „Dieter Nuhr sieht beim Antisemitismus im eigenen Milieu weg“, sagt Uhlig, dagegen schlage er auf Antisemitismus bei anderen drauf. „Das ist zum Teil auch relativ virtuos, oftmals polemisch weit überspitzt, aber er trifft da schon ab und zu etwas“, räumt Uhlig ein. Allerdings käme es darauf an, Antisemitismus in allen Varianten, allen Spielarten zu kritisieren. IST DIE ABLEHNUNG DES ANTISEMITISMUS IM KULTURBETRIEB NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH? In einem Interview in der Jüdischen Allgemeinen habe Dieter Nuhr gesagt: „Es ist ein Trauerspiel, dass die Ablehnung des Antisemitismus heute gerade im Kulturbetrieb alles andere als selbstverständlich ist.“ „Da würde ich ihm sogar zustimmen“, sagt Uhlig, und das führe dazu, dass so zweifelhafte Personen wie Dieter Nuhr dann doch als auszeichnungswürdige Kandidaten in Betracht kämen. Mit dem Leo-Baeck-Preis zeichnet der Zentralrat der Juden seit 1957 Persönlichkeiten aus, die in besonderem Maße für die jüdische Gemeinschaft eingetreten sind. Der Preis ist mit 15.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung am Nuhr findet am 10. Juni in Berlin statt.

10 de jun de 20266 min
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Wie nachhaltig kann Kultur sein? Das Green Culture Festival in Karlsruhe sucht Antworten

Theater, Museen und Konzerthäuser stehen vor der Frage, wie sich Kultur klimafreundlicher gestalten lässt. Beim Green Culture Festival im Karlsruher Tollhaus diskutieren Kulturschaffende aus ganz Deutschland darüber. In SWR Kultur am Morgen sagt Anna Haas, Transformationsmanagerin für nachhaltige Kultur am Badischen Staatstheater Karlsruhe: „Nachhaltigkeit muss so selbstverständlich mitgedacht werden wie Budget, Probenplan oder Premierentermin.“ DAS PUBLIKUM VERURSACHT DIE MEISTEN EMISSIONEN Anders als viele vermuten, entstehen die größten Umweltbelastungen nicht durch Bühnenbilder. „60 bis 80 Prozent der CO₂-Bilanz kommen durch die Mobilität des Publikums zustande“, erklärt Haas. Energieverbrauch spiele ebenfalls eine große Rolle. Trotzdem könne nachhaltiges Bühnenbild eine wichtige Wirkung entfalten, etwa wenn Materialien wiederverwendet werden und daraus neue Geschichten entstehen. KULTUR ALS MOTOR FÜR VERÄNDERUNG Für Haas liegt die besondere Stärke von Kunst und Kultur darin, Menschen emotional zu erreichen. „Kultur hat die Superkraft, Gefühle anzusprechen“, sagt sie. Während reine Fakten oft zu Abwehr oder Resignation führten, könnten Theaterstücke, Konzerte oder Ausstellungen neue Perspektiven eröffnen.

Ayer6 min
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Kriminologie: Auf der Straße oft mehr Sicherheit als in den eigenen vier Wänden | Buchkritik

Jeder kennt das Gefühl der Unsicherheit beim Gang durch nächtliche Straßen. Frauen erst recht, weil sie nicht nur Angst um ihre Handtasche, sondern auch vor sexuellen Übergriffen haben. Statistisch betrachtet ist das eigene Zuhause viel gefährlicher als der nächtliche öffentliche Raum, haben die beiden Kriminologinnen Nicole Bögelein und Gina Rosa Wollinger festgestellt:  > Die Täter:innen kommen überwiegend aus dem sozialen Nahraum. Das ist wichtig zu wissen, um endlich diesen Mythos vom fremden Täter, der irgendwo im Park im Gebüsch auf sein Opfer lauert, aus der Welt zu schaffen. > > > Quelle: Nicole Bögelein, Gina Rosa Wollinger – True Criminology „Tatsächlich gibt es häufig eine Vorbeziehung zwischen Täter:in und Opfer. Bei über der Hälfte der Täter:innen handelt es sich um Bekannte, Freund:innen, (ehemalige) Partner:innen oder Verwandte. Bei ungefähr 20 Prozent handelt es sich um fremde Personen.“  STRASSENKRIMINALITÄT IST GESUNKEN  Überhaupt sei Straßenkriminalität in den letzten zehn Jahren gesunken, heißt es im Buch. Dagegen sei die Zahl der erfassten Fälle von Vergewaltigung, sexueller Nötigung und sexuellen Übergriffen in den letzten Jahren gestiegen: auf rund 13.000 Fälle im Jahr:  „Die Täter:innen sind fast ausschließlich Männer. Zu 93 Prozent", stellen die Kriminologinnen fest. „Erwachsene ab 60 Jahren treten besonders oft bei exhibitionistischen Handlungen und Erregung öffentlichen Ärgernisses, sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen unter Ausnutzung einer Amtsstellung oder eines Vertrauensverhältnisses und beim Besitz und bei der Verschaffung von Darstellungen sexualisierter Gewalt an Kindern (auch »Kinderpornografie« genannt) in Erscheinung.“  NEUE GESETZE UND STRAFTATBESTÄNDE Die Autorinnen haben auch eine Erklärung dafür, dass sexuelle Übergriffe zugenommen haben: Verschiedene Gesetzesänderungen hätten dafür gesorgt, dass die Taten inzwischen häufiger zur Anzeige kommen. So wurde 1997 Vergewaltigung in der Ehe strafbar, und seit 2016 gibt es den Straftatbestand „sexuelle Belästigung“. Diese Beispiele sind nur ein Beleg dafür, dass Gesetzgebung sich wandelt und an gesellschaftliche Entwicklungen anpasst – was sich in der Folge in den Kriminalitätsstatistiken niederschlägt. Viele Fälle waren früher schlicht nicht strafbar. DEUTSCHLAND: EINES DER SICHERSTEN LÄNDER DER WELT   Das Buch greift viele wichtige Fragen auf, die eine Interpretation von Kriminalitätsstatistiken erleichtern:   „Wie wird man kriminell? Wie können wir Kriminalität überhaupt messen? Wie gestaltet sich die mediale Darstellung von Kriminalität? Warum haben diejenigen, deren Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, gering ist, am meisten davor Angst?“  „Ferner widmen wir uns den Ursachen für Kriminalität. Inwiefern spielen Faktoren wie Alter, Herkunft, Geschlecht und Kontostand oder auch Drogensucht eine Rolle? Und dann »zoomen« wir in die Gegenwart der Kriminalität in Deutschland: Wie kriminell ist unsere Gesellschaft?“, fragen die Autorinnen. Das Fazit der Autorinnen: Deutschland ist eines der sichersten Länder der Welt. Allerdings sei im europäischen Vergleich die Furcht vor Kriminalität hier besonders hoch. Wozu nach Ansicht der Autorinnen auch die Medien beitragen. Auch Migration ist ein Thema, wobei die Statistiken auch hier genauerer Beleuchtung bedürfen. Menschen mit Migrationshintergrund würden beispielsweise häufiger angezeigt. „True Criminology“ ist außerdem ein Plädoyer für mehr Kriminalitätsprävention und einen sinnvolleren Umgang mit Strafen. Hohe Strafen hätten sich keinesfalls als abschreckend erwiesen. Das gut lesbare und sorgfältig recherchierte Buch von Nicole Bögelein und Gina Rosa Wollinger ist ein Muss, wenn man sich in Politik und Gesellschaft mit Kriminalität befasst. Außerdem räumt es mit vielen Vorurteilen auf. Vor allem aber trägt es dazu bei, einer irrationalen Angst vor Verbrechen entgegenzuwirken.

Ayer4 min
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Sachcomic über die Manosphere: „Strong Men“ – Warum demonstrative Männlichkeit nicht stark ist

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