„Deutsche Heldin im Ukrainekrieg“: War Savita Wagner eine Heldin?
Savita Wagner – eine deutsche Frau, die bereits vor über zwei Jahren als Kampfsanitäterin in der Ukraine ihr Leben verlor -, wurde mit zwei Ausstellungen in Bonn geehrt und der Sender Arte hat einen Propagandafilm zu ihr ausgestrahlt. Das gibt Anlass, über Savita Wagner und den Begriff des „Helden“ nachzudenken. Von Franz Heinbach.
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Der Name Savita begegnete mir zum ersten Mal, als ich von ihrer Mutter, Ula Wagner, am 28. Februar 2025 das inzwischen bekannte Foto mit einem Kätzchen auf dem Arm per E-Mail zugeschickt bekam. Sie hatte über eine gemeinsame Bekannte erfahren, dass ich in der Lage sei, Fotos zu retuschieren. Es ging darum, die deutlich sichtbaren Narben auf Savitas Unterarmen zu beseitigen, die von selbst zugefügten Schnittverletzungen herrührten. Das auch als Ritzen bekannte autoaggressive Verhalten sollte nicht erkennbar sein. Mir war nicht wohl bei der Sache, da ich als Fotograf eine grundsätzliche Abneigung gegen verfälschende Retuschen habe, wollte andererseits die Bitte nicht ablehnen und hatte durchaus Verständnis für den Wunsch der Mutter. Von Savita Wagner hatte ich bis dahin nichts gehört.
Vier Wochen später wurde von Arte der Propagandafilm „Ein Engel aus Deutschland“ ausgestrahlt. Vom Verschweigen über Vertuschen bis hin zur offenen Lüge werden alle Mittel eingesetzt, um Zweifel an der Reinheit, vulgo Engelhaftigkeit, der Heldin und ihren edlen, humanen Absichten gar nicht erst aufkommen zu lassen. Dieser Film und meine Befangenheit führten dazu, dass ich mich für den Fall zu interessieren begann und fortan ausgiebig dazu recherchierte, sowohl über frei zugängliche Quellen als auch über informelle Kanäle hier in der Bonner Altstadt. Doch zunächst einige Bemerkungen zum Heldenbegriff.
Vom „Pantoffelhelden“ zum „Kriegshelden“
Jahrzehntelang war in Deutschland von Helden überwiegend im zivilen Bereich die Rede. Gebräuchlich waren eher abfällig konnotierte Varianten wie Pantoffelheld oder Frauenheld. In militärischen Zusammenhängen war man mit Bezug auf die deutsche Geschichte zurückhaltend, man vermied heroische Rhetorik und verwendete stattdessen Begriffe wie Dienst, Pflichterfüllung und Opfer. Allein der Tod im Einsatz war und ist für die Bundeswehr kein Kriterium für den Heldenstatus. Seit dem Beginn des Ukrainekriegs, dem Ausrufen einer „Zeitenwende“ und einer verstärkten Debatte über Bedrohungsszenarien und Aufrüstung erlebt der ursprüngliche Heldenbegriff eine Renaissance. Während traditionell alles Militärische in der Bundesrepublik bevorzugt in technokratischer Sprache diskutiert wurde, ist nun wieder von Helden in der kriegerischen Variante die Rede.
Die oft wenig reflektierte Verwendung des Begriffs übersieht, dass er aus einer Zeit stammt, die durch Patriarchat, Gewalt und Pathos geprägt war. Er passt nicht in eine Gegenwart, die auf Gleichberechtigung, kritisches Denken und kollektive Verantwortung setzt. In einer aufgeklärten, demokratischen Gesellschaft braucht es keine Helden, es braucht Menschen, die Verantwortung übernehmen, Strukturen verändern und solidarisch handeln, gern auch als Vorbilder. Die Anpassung des Heldenbegriffs an unsere liberale Gesellschaft in Form eines Bedeutungswandels hat deshalb längst stattgefunden. Es gibt zahlreiche Einrichtungen für Kinder im Vorschulalter mit dem Namen „Die kleinen Helden“. Es dürfte auch noch gut in Erinnerung sein, dass in der Coronazeit das medizinische Personal auf den Intensivstationen sich durch Beifallklatschen und Heldenverehrung verhöhnt vorkam.
Niemand kann selbst beschließen, ein „wahrer Held“ zu sein. Der Titel wird von anderen verliehen, meist im Dienst einer bestimmten Ideologie oder Agenda. Es geht nicht um die echte Anerkennung der Person, sie wird im Gegenteil in eine Figur verwandelt. Das geschieht durch diejenigen, die über Deutungsmacht verfügen: Regierungen, gesellschaftliche Gruppen und nicht zuletzt die Medien. Es geht darum, die öffentliche Meinung bei der Verfolgung eigener Interessen zu beeinflussen.
Dabei erweist sich die Definition dessen, was einen Helden ausmacht, als zweischneidig. War er mutig oder leichtsinnig? War er selbstlos oder ruhmsüchtig? War er entscheidungsfreudig oder voreilig? War sein Handeln ethisch vertretbar oder nicht? War er erfolgreich oder verschlimmerte er die Lage? Entsprach sein Handeln berechtigten Erwartungen oder war es ganz außergewöhnlich?
War er umsichtig oder selbstzerstörerisch? Die Antworten auf diese Fragen beeinflussen die Vorstellung, die man von der Persönlichkeit des Helden hat. Wenn man Persönlichkeit als das charakteristische, relativ beständige Muster innerer Dispositionen und äußerer Verhaltensweisen eines Menschen auffasst, gilt für Helden, dass sie nicht in auffälliger Weise von dem abweichen dürfen, was in einem historisch und kulturell geprägten Umfeld allgemein akzeptiert wird. Wie und warum jemand auf eine bestimmte Weise denkt, fühlt und handelt, auch wenn man selbst dazu nicht in der Lage wäre, muss nachvollziehbar sein. Und vor allem: Ein Held muss ohne Fehl und Makel sein.
Reaktionärer Paradigmenwechsel beim Heldenbegriff
Drei Ereignisse in jüngster Zeit markieren den reaktionären Paradigmenwechsel beim Heldenbegriff sehr deutlich: Savita Wagner, eine Frau, die bereits am 31. Januar 2024, also vor über zwei Jahren, als Kampfsanitäterin in der Ukraine ihr Leben verlor, wird mit zwei Ausstellungen in Bonn geehrt: letztes Jahr im Frauenmuseum und aktuell im Haus der Geschichte.
Spätestens mit dem Auftritt von Savitas Mutter Ula Wagner am 22. April 2026 bei „Maischberger” ist diese Wahrnehmung von Heldentum im Mainstream angekommen. Bevor man die Frage stellt, von wem und mit welchen Mitteln die späte Verwandlung der Person Savita in die Heldin Savita eingeleitet und betrieben wurde, ist zu klären, ob sie überhaupt eine „Heldin“ war. Dabei sollen drei Aspekte gelten: Es kann nur ein Held im klassischen Sinn sein, wer als integre, stabile und aufrechte Person durch überragende Leistungen bei Orientierung an ethischen oder gesellschaftlichen Werten andere in gleicher Position weit und vorbildlich übertrifft.
Im Februar 2024 gab es eine erste Nachricht über den Tod von Savita in der BILD-Zeitung, später eine ausführlichere Meldung bei t-online. Am 4. März 2024 sendete die Deutsche Welle ebenfalls einen ausführlicheren Bericht. Der Spiegel, FAZ, Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Focus, taz, ARD oder ZDF hielten das Ereignis weder unmittelbar noch in den Wochen danach für berichtenswert. Das ist ein durchaus auffälliger Befund. Erst nach über einem Jahr nahm die Berichterstattung Fahrt auf, zunächst mit dem Hörspiel-Feature „Also muss ich überleben!“, gesendet im Deutschlandfunk am 21. Januar 2025, und insbesondere durch die Reportage „Ein Engel aus Deutschland“, von Arte ausgestrahlt am 28. März 2025.
Als Erklärung bietet sich an, dass erst mit dem Jahrestag ihres Todes und der damit verbundenen Fahrt von Mutter und Ehemann nach Kiew ausreichendes Filmmaterial erstellt werden konnte. Die zeitliche Distanz bot auch die Möglichkeit, nicht nur zu berichten, sondern entsprechend der beabsichtigten Wirkung auf die Zuschauer eine passende Erzählung zu entwickeln. Es ist bemerkenswert, wie vielfach und eklatant beide Produktionen die Grundregeln seriöser journalistischer Arbeit verletzen. Das soll an der Arte-Reportage aufgezeigt werden, weil Bildmaterial (Stand- und Bewegtbilder) besonders gut geeignet ist, Nachrichten zu emotionalisieren und dadurch Parteinahme und moralische Positionierung zu evozieren.
„Ein Engel aus Deutschland“
Schon der Titel „Ein Engel aus Deutschland“ dient der Einstimmung. Ergänzend startet der Film mit einer zweiten Einordnung: „Deutsche Heldin im Ukrainekrieg“. Im weiteren Verlauf geht es im Wesentlichen darum, diese Zuschreibungen zu untermauern und die Tragödie der Familie Wagner zu rechtfertigen. Damit die Urheberschaft des Heldenbegriffs im Dunkeln bleibt, lässt der Filmautor Uwe Lothar Müller bei Minute 11:29 die Mutter sagen: „Ja, Heldin? Doch, für mich ist sie eine Heldin.“ Indem die Frage herausgeschnitten wird, liegt der Schluss nahe, dass der Begriff aus der Frage stammt. Abgesehen davon, dass solche Methoden journalistischen Standards widersprechen, wird damit von Arte eine Heroisierung in die Wege geleitet, die die reale Savita in ein Stereotyp verwandelt.
Sollte das eigene Leben im Kampf für „die Freiheit“ verloren gehen, hat sich der Einsatz gelohnt. Ein Schweizer Freiwilliger spricht es bei einer arrangierten Begegnung auf dem Friedhof in Kiew explizit aus: „Wir werden immer Leute haben, die sterben müssen für die Freiheit, […] und wenn wir hier sterben für das, dann ist es das wert.“ (15:05). Herrn Müller ist es die Mühe nicht wert, an dieser Stelle deutlich zu machen, von welcher Art Freiheit hier die Rede ist. Eben nicht von Menschenrechten, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und der Betonung individueller Würde. Stattdessen geht es um die Freiheit der Nation, die durch Nationalismus, Rassismus, Militarismus, Führerkult, Heroismus und Opferbereitschaft gekennzeichnet ist, also kurz gesagt um NS-Ideologie. Frau Wagner äußert: „Ich finde es bewundernswert und bin stolz darauf, was sie dort gemacht hat“ (11:10), nicht anders Savitas Mann Karl. Keiner der Beteiligten bezweifelt, dass im Kampf für „die Freiheit“ der eigene Tod ein angemessener Preis ist. Die Gegenposition kommt nicht vor.
Das tragische Schicksal der Familie, der Tod von Savita, der Verlust von Tochter und Ehefrau verdienen Mitgefühl, gar keine Frage. Diese Ergriffenheit macht sich der Film zunutze, ein Heldenepos zu erfinden. Dessen Dekonstruktion bedeutet nicht, Trauer und Schmerz der Familie Wagner kleinzureden. Es geht darum, zu klären, ob die Zuschreibung des Heldenhaften gerechtfertigt ist.
Der Film nutzt und missbraucht neben filmischen Mitteln, darunter pathetische Volksmusik, vor allem die sehr menschliche Fähigkeit der Zuschauer zur Empathie. Wenn man wissen will, wie ein solcher Film wirkt, muss man nur in die Kommentarspalte bei Arte schauen. Die Begründung Savitas, sie habe nicht tatenlos zusehen können, wie „Europa angegriffen“ wurde, und sich deshalb, militärisch unausgebildet und unerfahren und nur mit medizinischen Grundkenntnissen ausgestattet, einer Todesgefahr ausgesetzt, wird völlig unkritisch übernommen. Unvoreingenommen und bei klarem Verstand betrachtet, würde man diese Entscheidung kaum mutig und heldenhaft, vielmehr leichtsinnig und selbstzerstörerisch nennen. Wer hier von Heldentum spricht, verwechselt das Außergewöhnliche mit dem Ungewöhnlichen.
Kampfsanitäter als Held?
Im Krieg geht es darum, möglichst viele gegnerische Soldaten zu töten oder zu verletzen. In Erwartung eigener Verluste gibt es daher in jeder Armee sogenannte Kampfsanitäter. Das sind Soldaten mit der Zusatzaufgabe, bei Verletzten für Atemwegssicherung, Blutstillung und Schmerzlinderung zu sorgen und sie so schnell wie möglich in hintere Stellungen zu bringen, wo sie umfassend medizinisch behandelt werden können. In den ukrainischen Streitkräften dürften mehr als 20.000 Kampfsanitäter Dienst tun. Es ist nichts darüber bekannt, dass Savita in Bezug auf das, was deren Aufgabe war und ist, andere übertroffen hätte. Unter Beschuss Verwundete zu versorgen und dabei Leben zu retten, gehört zur normalen Aufgabe eines Kampfsanitäters an der Front. Sie verdient Anerkennung, ist aber weit entfernt von Engelhaftigkeit und Heldentum.
Wenn an dieser Stelle nichts Heldenhaftes zu entdecken ist, muss der Aspekt der Orientierung an ethischen und gesellschaftlichen Werten untersucht werden, was die Sache erschwert. Jemandem zu helfen, der bedroht oder angegriffen wird, ist ein ethisch hochstehender Wert. Problematisch wird es, wenn die Hilfe mit unethischen Mitteln erfolgt oder gar ein unethisches Ziel anstrebt.
Die Verfasstheit der Bundesrepublik Deutschland wird als freiheitlich-demokratische Grundordnung beschrieben. Für das Militär in Gestalt der Bundeswehr gelten daher die Grundsätze von parlamentarischer Kontrolle, demokratischer Legitimation, Anerkennung der Verfassung, Geltung der Menschenrechte, rechtsstaatlichen Prinzipien sowie Anerkennung des Kriegs- und Völkerrechts. Bestrebungen und Handlungen, die dem widersprechen, z.B. rechtsextremistische oder grundgesetzwidrige Aktivitäten, werden verfolgt und sanktioniert. Militärische Mittel dürfen nur zur Verteidigung eingesetzt werden und müssen zugleich den genannten Grundsätzen entsprechen.
Wenn ein Soldat der Bundeswehr, demokratisch legitimiert, unter rechtsstaatlichen Prinzipien und mit UN-Mandat in einen kriegerischen Einsatz geschickt wird, ist das etwas völlig anderes, als wenn eine Privatperson sich aus freien Stücken und persönlichen Motiven, einem Söldner vergleichbar, an Kampfhandlungen zwischen zwei Staaten beteiligt, deren Staatsbürgerschaft sie nicht besitzt. Deutschland unterstützt die Ukraine, ist aber nicht Kriegspartei. Der Tod oder die Gefangennahme eines deutschen Kombattanten in einem fremden Krieg wären rechtlich und politisch hoch problematisch.
Die Sache mit den Rechtsextremen
Auf der anderen Seite ist kaum vorstellbar, dass die Ukraine eine militärisch nicht ausgebildete Ausländerin in die reguläre Armee aufnehmen würde. Als gangbarer Weg erwies sich der über eines der sogenannten Freiwilligenbataillone, deren Status in Bezug auf die regulären Streitkräfte und zu den staatlichen Institutionen sowie der Verfassung der Ukraine schon immer höchst fragwürdig war. In der Regel von nationalistischen und rechtsextremistischen Gruppierungen außerhalb der Streitkräfte gegründet, agierten sie aufgrund ihrer Ideologie möglichst eigenständig fern von staatlicher Kontrolle. Erst 2022 wurden sie zumindest formell in die Armee integriert und gezwungen, in der Öffentlichkeit auf rechtsradikales Vokabular und nazistische Symbolik zu verzichten.
Der Arte-Film erwähnt nur lapidar, dass Savita eine zweimonatige Ausbildung beim Bataillon Karpatska Sich absolvierte (5:00). Dazu wird ein Gruppenfoto gezeigt, das an eine fröhliche Jagdgesellschaft erinnert, nicht an eine rechtsextreme Miliz. Erkennbar ist die Manipulation des Fotos durch Verpixelung etlicher Bereiche. Die Verwendung solcher Fotos verstößt gegen journalistische Standards. Ideologische Ausrichtung, Zielsetzung und öffentliches Auftreten von Karpatska Sich werden an keiner Stelle thematisiert, geschweige denn kritisch beleuchtet. Deshalb hier eine Einordnung aus seriösen Quellen:
In einer Entschließung des Europäischen Parlaments vom 25. Oktober 2018 zur Zunahme neofaschistischer Gewalttaten wird Karpatska Sich vorgeworfen, mehrfach Roma-Gruppen sowie antifaschistische Kundgebungen, Stadtratssitzungen, eine von Amnesty International ausgerichtete Veranstaltung, Kunstausstellungen, LGBT-Veranstaltungen sowie Frauenrechts- und Umweltaktivisten angegriffen zu haben.
Der Atlantic Council dokumentierte dies 2018 ebenfalls. Bellingcat bezeichnet Karpatska Sich ausdrücklich als neofaschistische Gruppe, deren Mitglieder Fotos mit Hitlergruß veröffentlichten und die sie dazu aufrief, die ukrainische Übersetzung des Manifests des Christchurch-Attentäters zu kaufen. Eine wissenschaftliche Studie bei Springer Nature stellt fest, dass Karpatska Sich die SS-Galizien-Division zum 80. Jahrestag ihrer Gründung verherrlicht hat und der Asow-Bewegung nahesteht. Ein Reportage-Text in Harper’s beschreibt, wie in Uzhhorod Wände mit dem Kürzel KS88 (Code für Karpatska Sich Heil Hitler) plakatiert waren und wie die Gruppe eine Konferenz für rechtsextreme Organisationen aus ganz Ost- und Mitteleuropa ausrichtete, an der Neonazis aus Polen, Serbien, Ungarn, Finnland und Russland teilnahmen.
Führungsfigur des Bataillons war bis zu seinem Tod im Juni 2022 Oleh Kutsyn, der die paramilitärische Gruppierung 2014 gründete. Nach seinem Tod wurde das Bataillon nach ihm benannt. Er war Mitglied der Partei Swoboda, die in Deutschland am ehesten mit der NPD vergleichbar wäre. Swoboda bezeichnet ihre Parteiideologie als Sozialnationalismus und knüpft an das von der Organisation der Ukrainischen Nationalisten (OUN) in den 1930er-Jahren formulierte Konzept der Natiokratie an. Swoboda wird als rechtsextreme Partei beschrieben, deren ideologische Substanz aus Fremdenfeindlichkeit und einer dezidiert antidemokratischen Ausrichtung besteht. Ein Auszug von der Website von Karpatska Sich beschreibt Ideologie und Ziele so:
> „Wir werden nicht zulassen, dass Globalismus, Liberalismus, Kapitalismus, Linksideen, LGBT- und feministischer Aktivismus und andere Arten von Perversionen friedlich existieren und sich auf unserem Land vermehren.“
In keiner Verlautbarung des Bataillons ist von Demokratie, Menschenrechten und persönlicher Freiheit die Rede, also von den Werten, die Savita angeblich dort verteidigen wollte.
Der für den Heldenstatus relevante Aspekt der Orientierung an ethischen oder gesellschaftlichen Werten mündet in die einfache Frage, ob man gemeinsam mit Neonazis für eine liberale Gesellschaft kämpfen kann. Im Arte-Film wird diese Frage nicht thematisiert. Der Name Karpatska Sich fällt nur an drei Stellen, ohne weitere Erklärung oder Einordnung. Die Kämpfer werden von Savita und ihrem Umfeld als Kameraden bezeichnet. Sie spricht von ihnen als „meine Leute“. Ihre militärische Auszeichnung erhält sie nicht von der Armee, sondern vom Bataillon. Sie posiert stolz mit dessen Standarte und hält ihren Orden in die Kamera.
Eine Distanz zur ideologischen Positionierung dieser Faschisten-Truppe ist nicht erkennbar. Ohne Zweifel ist also auch der Aspekt der Orientierung an höheren ethischen oder gesellschaftlichen Werten als Begründung für heldenhaftes Verhalten hinfällig.
Titelbild: Julia Uz / Shutterstock
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