Atom-Kooperation zwischen den Militärs in Deutschland und Frankreich ist längst gestartet
Das letzte Woche durchgeführte deutsch-französische Regierungstreffen im Rheinland, das unter Beteiligung von Militärminister Pistorius stattgefunden hat, erbrachte neue Impulse für das Verhältnis der beiden Staaten [https://x.com/de_deutschland/status/2078087319614050552]. Diese Vorhaben offenbaren sich als brandgefährlich, wenn man genau hinschaut und den Nebelkerzen der Propaganda nicht auf den Leim geht. Von Bernhard Trautvetter.
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Laut der Website des Verteidigungsministeriums [https://www.bmvg.de/de/aktuelles/starkes-duo-fuer-europa-deutsch-franzoesischer-verteidigungs-und-sicherheitsrat-6121620] ging es unter anderem um einen „europäischen Standard für die vernetzte Gefechtsführung … um die Interoperabilität aller europäischen Luftkampfsysteme … und die gemeinsame Weiterentwicklung eines ‚Systems der Systeme‘ für die Zukunft“.
Die von Militärminister Pistorius angestrebte Kriegstüchtigkeit nimmt zudem mit Elementen der Atomkriegsführung unmittelbar neue Formen an. Der Begriff ‚Kriegstüchtigkeit‘ unterstellt unausgesprochen, dass es noch menschliches Leben nach einem großen Krieg, an dem ja Atommächte auf allen Seiten der Krieg führenden Mächte in Europa beteiligt wären, geben kann.
Die ZEIT berichtete am 16. Juli 2026, dass der deutsch-französische Verteidigungsrat vorsieht, erstmals Bundeswehrsoldaten an einem Nuklearmanöver Frankreichs zu beteiligen.
Bestehende und geplante Kooperationen
Aktuell entsteht eine nukleare Zusammenarbeit, über die Frankreich, Deutschland und Großbritannien [https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-07/frankreich-grossbritannien-abkommen-atomare-abschreckung] verhandeln. Weitere Interessenten sind in diesem Zusammenhang Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden, Dänemark und Norwegen.
Deutschland und Frankreich haben ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit [https://www.zeit.de/2026/11/nukleare-abschreckung-europa-frankreich-emmanuel-macron-atomwaffen] bei der nuklearen Abschreckung erstmals praktisch erprobt. Zwei französische Rafale-Kampfjets [https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-06/fcas-kampfjet-projekt-deutsch-franzoesisch-europa] und zwei Eurofighter der Bundeswehr trainierten die Luftbetankung durch ein französisches Tankflugzeug, wie die Luftwaffe bestätigte. Die Kooperation hat längst begonnen, darunter fallen Übungen inklusive der Wartung französischer atomwaffenfähiger Flugzeuge durch Soldaten der Bundesluftwaffe.
Oberst i. G. Gordon Schnitger beim Kommando Luftwaffe A1 II erklärte in Köln am 25. November 2026, dass die Luftwaffe bereits über sämtliche Kapazitäten verfügt, um schnell und präzise zu handeln: „Wir müssen die Fähigkeit beibehalten, einem potenziellen Gegner weh zu tun, nämlich wenn es um die Waffenwirkung tief im Hinterland des Gegners geht [https://wehrtechnik.info/luft-luft-und-luft-boden-praezisionsbewaffnung-was-die-luftwaffe-braucht/].“ Das Portal ‚deutschaland.de‘ berichtete am 17.7.2026 [https://www.deutschland.de/de/news/deutschland-und-frankreich-starten-atom-kooperation]:
> „Mit einer gemeinsamen Luftwaffenübung haben Deutschland und Frankreich ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung erstmals in die Praxis umgesetzt. Zwei französische Rafale-Kampfjets, die mit Atomwaffen bestückt werden können, und zwei Eurofighter der Bundeswehr trainierten unmittelbar vor dem Deutschlandbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Betankung in der Luft durch ein französisches Tankflugzeug. Am Rande der Tagung des deutsch-französischen Verteidigungsrats soll es heute auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln eine weitere Übung geben. Zudem ist vorgesehen, dass sich im Herbst erstmals deutsche Soldaten an einem französischen Nuklear-Manöver beteiligen.“
Kampfjets, atomare Schnittstellen und KI
Die militärische Kooperation umfasst darüber hinaus auch die Weiterentwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz [https://www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/ki-forscher-bjoern-ommer-interview] und der Satellitentechnik.
Der Eurofighter ist und bleibt das Hauptkampfflugzeug der Bundeswehr für die sogenannte konventionelle Kriegsführung: Der Kampfjet hat die Aufgaben, die Luftkriegsüberlegenheit und mit ihr alle Aufgaben für Luft-Boden-Angriffe sicherzustellen Es geht um Angriffe mit vom Jet aus startenden Drohnen, um konventionelle Präzisionsangriffe, um elektronische Kriegsführung und um eine „Mehrrollenfähigkeit im Multi-Domaine-Krieg“: Durch Upgrades (z.B. Eurofighter ECR für elektronische Aufklärung) wird die Einsatzfähigkeit erweitert.
Demgegenüber hat das F-35 Tarnkappen-/Düsenkampfflugzeug die Aufgabe, in der Tornado-Nachfolger Atomangriffe zu fliegen. Die F-35 ist die Schnittstelle für die in Büchel lagernden Nukleararsenale mit dem Namen B61-12. Die ersten Lieferungen erfolgten 2023, bis Mitte der 2030er-Jahre werden alle 35 F-35-Kampfjets einsatzbereit sein; was alles damit verbunden ist, deutet diese Information der Bundeswehr [https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/sondervermoegen-luftwaffe/kampfjets-f-35-luftwaffe] an: Die Beschaffung derartiger Jets umfasst viele Schritte. Es beginnt mit der Planung, und es geht über die Auslieferung hinaus. In diesem Fall folgt auf die erste Auslieferung schrittweise die Aussonderung der Vorgänger-Jets, in diesem Fall der Tornados. Baumaßnahmen für den F-35-Campus in Büchel umfassen Hallen für die Instandhaltung der Jets, die Pilotinnen und Piloten benötigen ebenfalls Versorgungseinrichtungen, Technik für die Vor- und Nachbereitung von Einsätzen muss zur Verfügung gestellt werden.
Olaf Scholz nutzte fünf Tage nach dem Beginn der russischen Invasion in die Ost-Ukraine seine Zeitenwende-Rede dafür, die Beschaffung dieser Kampfjets möglichst ohne Widerstand anzukündigen. Dass es bei den F-35 um die Vorbereitung eines Atomkriegs geht, das konnte nur Experten klar sein, die den Charakter der Kampfjets kennen.
Verletzung des Zwei-plus-Vier-Vertrags
Die nuklearen Kriegsstrategien deutscher Politiker und Militärs widersprechen unter anderem dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zur Vereinigung der zwei deutschen Staaten, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages [https://www.bundestag.de/resource/blob/1033578/e948df598a3602df26eb03356ac1e6ad/WD-2-060-24-pdf.pdf] erklärt:
> „Kurzinformation: Atomare Bewaffnung Deutschlands und Zwei-plus-Vier-Vertrag – zwei deutsche Staaten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erklärte in seinem Gutachten dazu: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag enthält in Art. 3 Abs. 1 eine Verzichtserklärung der beiden deutschen Staaten in Bezug auf die Herstellung und den Besitz von Atomwaffen. Die durch die ‚alte‘ Bundesrepublik mit der Ratifikation des Nichtverbreitungsvertrages begründeten Verpflichtungen Deutschlands gelten laut Zwei-plus-Vier-Vertrag auch für das wiedervereinigte Deutschland fort.“
Die Atomkriegsstrategie der erwähnten NATO-Staaten und die weit gediehenen nuklearen Kooperationsformen, all das widerspricht nicht nur den international gültigen Texten zur Friedensordnung aller Staaten in gemeinsamer, weil gegenseitiger Sicherheit, sie stellen auch ein unverantwortliches Risiko für die Menschen in Europa und auch weltweit dar, da ihr Einsatz existenzielle Menschheitsgefahren bedeuten würde, die einzugehen niemand das Recht hat.
Anstehende Aktionen
Jetzt stehen die Aktionen zum mahnenden Gedenken an Hiroshima und Nagasaki an, dann der Antikriegstag und die vielen Friedensaktionen im September, darunter die in Essen [https://essener-friedensforum.de], dann am Tag der Vereinigung der beiden deutschen Staaten (3. Oktober) in Berlin und Stuttgart [https://nie-wieder-krieg.org/] sowie in Münster die Friedensaktionen gegen die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO [https://www.friedenskooperative.de/termine/protestaktion-zur-verleihung-des-westfaelischen]. Die online-Petition ‚Abrüstung jetzt [https://www.change.org/p/abr%C3%BCstung-jetzt?source_location=search]‘ zielt darauf ab, den Widerstand zu stärken, sie hat innerhalb der letzten Wochen jeweils ca. 1.000 Unterschriften erhalten. Das ist ein Anfang.
Titelbild: Jahangir Alam Onuchcha / Shutterstock
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