SWR Aktuell Im Gespräch
> Tabaksteuererhöhungen sind eines der wirksamsten Mittel im Kampf gegen das Rauchen. > > > Quelle: Sabina Ulbricht, Präventionsforscherin SWR Aktuell: Es gibt ja schon viele andere Länder, zum Beispiel Frankreich, in denen die Schachtel Zigaretten mehr als 10 Euro kostet. Wie erfolgreich sind die denn mit dieser Strategie? Sabina Ulbricht: Grundsätzlich sind Tabaksteuererhöhungen eines der wirksamsten Mittel im Kampf gegen das Rauchen, insbesondere wirksam, um den Einstieg bei Kindern, Jugendlichen und auch jungen Erwachsenen zu verhindern. Das ist ja ein wichtiges Ziel, wenn wir daran denken, dass bei uns in Deutschland jeder Fünfte im Alter ab 15 Jahren raucht. Und in anderen Ländern ist es gelungen. Sie haben Frankreich genannt, die stehen noch am Anfang ihres Weges, aber wenn wir mal auf das Vereinigte Königreich, also auf Großbritannien zum Beispiel schauen, oder auch die Niederlande [https://www.bvte.de/de/presse/pressemitteilung/niederlande-und-frankreich-als-warnsignal-warum-deutschland-jetzt-eine-verantwortungsvolle-tabaksteuerpolitik-braucht], die seit mehr als 10 Jahren erfolgreich viele Maßnahmen umgesetzt haben, sieht man eben dort einen deutlichen Rückgang des Rauchens. > Die bisherigen Maßnahmen sind einfach noch nicht ausreichend. > > > Quelle: Sabina Ulbricht, Aktionsbündnis "Nichtrauchen" SWR Aktuell: Auch in Deutschland sind die Preise in den vergangenen Jahren ja schon gestiegen für Zigaretten, für Tabak. Rauchen wurde immer teurer. Trotzdem ist zum Beispiel der Anteil der Jugendlichen, die rauchen, zuletzt wieder gestiegen. Warum ist der Preis da offenbar nicht unbedingt abschreckend? Ulbricht: Nun muss man erstmal sagen, dass der Anstieg, den wir jetzt gesehen haben, der erste seit einigen Jahren ist. Das ist ein relativ geringer Anstieg, aber wir sollten den dennoch ernst nehmen. Er zeigt ja letztlich auch, dass die Maßnahmen, die wir bisher durchgeführt haben, einfach noch nicht ausreichend sind. Und da sind Tabaksteuererhöhungen eben eine Maßnahme, aber wir müssen natürlich auch weitere Maßnahmen hier bei uns noch einführen. Und das ist in Deutschland bisher noch nicht gelungen. > Einheitsverpackungen beinhalten keine Logos und Brands mehr, sondern sind hässlich und unattraktiv gestaltet. > > > Quelle: Sabina Ulbricht, Präventionsforscherin SWR Aktuell: Welche Maßnahmen fordern Sie da konkret? Ulbricht: Eine der weiteren Maßnahmen, die sehr erfolgversprechend sind, sind die sogenannten Einheitsverpackungen [https://www.dkfz.de/fileadmin/user_upload/Krebspraevention/Download/pdf/PB/PB_2025_Plain-Packaging.pdf], die viele Länder in Europa schon umgesetzt haben, Finnland zum Beispiel, Belgien, Frankreich oder auch die Niederlande. Und diese Einheitsverpackungen, die beinhalten eben keine Logos mehr, keine Brands mehr, sondern die sind relativ, ich sag mal hässlich, unattraktiv gestaltet und das nicht nur für Zigaretten, sondern eben auch für E-Zigaretten, die ja bei uns besonders bunt und poppig und stylish daherkommen und daher eine große Anziehungskraft eben auch auf Kinder und vor allem auch auf Jugendliche haben. Und da sind andere Länder gerade mit diesem sogenannten „Plain Packaging“ vorgeprescht. Eine nächste Maßnahme ist auch das Verbot von Werbung über Social Media, zum Beispiel gerade im Bereich E-Zigaretten, aber eben auch Zigarettenwerbung, was bei uns überhaupt noch nicht gut und konsequent kontrolliert und umgesetzt ist. SWR Aktuell: Jetzt ist ja gerade auch schon rausgekommen, dass es da sehr unterschiedliche Regelungen je nach Land gibt, auch innerhalb der EU, die Steuersätze sind unterschiedlich. Müsste es da nicht eine einheitliche Steuer zum Beispiel geben? Ich kann als Raucher einfach sagen, gut, dann fahr ich halt nach Osteuropa und kauf mir da die Stange Kippen billig. Ulbricht: Absolut, das ist auch was, was zum Beispiel die Niederlande, die da wie gesagt seit den letzten 10 Jahren sehr erfolgreich sind, fordern: letztlich ein einheitliches Steuer-, eben aber eben auch Preisniveau. Und da liegen wir sozusagen im Mittelfeld, wir liegen auch mit den Erhöhungen zum Beispiel, die Sie vorhin angesprochen haben, bei 12 Euro in ein paar Jahren, ungefähr in dem Preissegment, wo Frankreich jetzt schon liegt. Das ist nicht exorbitant, sondern wir sind da noch im Mittelfeld. Und ein ganz wichtiges Thema, was die Niederländer auch voranbringen wollen, ist das Aromenverbot in E-Zigaretten. Und das ist ein ganz wichtiger Fakt, den wir auch als „Aktionsbündnis Nichtrauchen“ fordern, zusammen mit vielen Fachgesellschaften. Das muss man wissen, die Aromen, die in den E-Zigaretten, in den sogenannten Liquids enthalten sind, die sind für den oralen, ja, für den verzehrmäßigen Gebrauch dieser Aromen bestimmt, aber nicht für die Inhalation. Und wir sehen diese negativen Wirkungen und deswegen ist das eine ganz, ganz wichtige Stellschraube, das Aromenverbot für E-Zigaretten durchzusetzen.
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