SWR2 Kultur Aktuell
„Ausgesprochen gut gelungen“, so bewertet Kunst- und Kulturkritiker Nikolaus Bernau das neue Porträt von Alt-Kanzlerin Angela Merkel. „Das ist unglaublich, wie dieser blaue Blazer in den Saal hineinstrahlt.“ Gemalt wurde das Bild vom 28-jährigen Deutsch-Franzosen Jérémie Queyras, der in Freiburg aufwuchs. Bevor das Porträt allerdings ins Kanzleramt zieht, ist es im Bode-Museum ausgestellt. Dort hängt es derzeit im Saal französischer Kunst des 18. Jahrhunderts, von der man einen Blick in den Saal mit deutscher Kunst des 18. Jahrhunderts hat. DER BEGINN EINER KÜNSTLERKARRIERE FÜR JÉRÉMIE QUEYRAS? Angela Merkel hänge nun zwischen bedeutenden Frauen und Männern, zwischen dieser deutsch-französischen Geschichte, sagt Bernau, „es ist eine politische Aussage, ein Staatsporträt und das ist Jérémie Queyras auch bewusst.“ Gleichzeitig glaubt Nikolaus Bernau an den Beginn einer großen Künstlerkarriere für Queyras. Das Merkel-Bild hebe sich inmitten der Kanzlerporträts deutlich ab, so Bernau weiter. Während die anderen Alt-Kanzler sitzen, vermittle das Porträt von Queyras Dynamik: „Sie steht und ist viel beweglicher als die anderen und sie hat ja ganz bewusst einen jungen Maler ausgesucht, um sich eben so in Szene setzen zu lassen“, meint der Kunstkritiker. Merkel selbst erklärte zur Wahl des Künstlers, sie habe es gereizt zu schauen, wie jemand, der am Anfang seines Künstlerlebens stehe, auf eine Person blicke, die „mehr als 70 Lebensjahre und 30 Jahre Politik auf dem Buckel hat.“ Im Gegensatz zu den anderen Alt-Kanzler-Gemälden sei das Merkel-Porträt nicht aus dem Etat des Kanzleramts bezahlt worden, sondern von ihr selbst, sagt Bernau. Damit behalte sie bis zuletzt die Kontrolle über das Bild von ihr.
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