Mein Geschenk an dich! Blumen auf dem Schrottplatz – Vom Niemandsein und Mitgefühl
Lade dir hier das komplette Buch als PDF herunter! [https://www.patreon.com/collection/2179614]
Du kannst aber auch einfach abwarten, bis alle Texte aus dem Buch als Audiobuch im Podcast veröffentlicht werden.
**Möge es dir Inspiration geben! Bitte beachte, dass ich es ohne die Hilfe vieler großzügiger Menschen nie hätte schreiben können. Es ist also nicht nur mein Buch, vielmehr ist es das Werk vieler anderer, *wirklich* weiser Menschen.**
Alles Liebe, dein Oleg!
(Auszug)
Das Wartezimmer der Erleuchtung - Es ist kurz nach 17 Uhr; ein Mann betritt einen Raum, in dem sich etwa drei Dutzend Menschen aufhalten. Er schaut sich um, entdeckt einen freien Platz und macht es sich darauf bequem. (Zuvor erhaschte er mit seinem Blick einen eingerahmten Schriftzug über seinem Stuhl, der mit dem Wort „Geduld” beginnt.)
„Entschuldigung“, sagt er zur Frau zu seiner Rechten, die ihren achtjährigen Sohn dabeihat. Der Junge sitzt am Boden und spielt Schach. „Worauf wartet man hier? Draußen steht nur: Das Wartezimmer der Erleuchtung.“
„Wenn ich ehrlich bin, weiß ich das selbst nicht genau“, antwortet die Frau freundlich. „Ich habe das Gefühl, dass es den meisten hier genauso geht. – Wissen Sie, ursprünglich wollte ich mit meinem Sohn nur ein paar Besorgungen machen; als wir aber vorhin an diesem Laden vorbeikamen, sagte er plötzlich: ‚Mama, lass uns da reingehen.‘ Und einen Wimpernschlag später saßen wir hier … Es ist einfach passiert, ohne dass wir uns entschlossen hätten, hierherzukommen.“ „Verstehe“, sagt der Erwachsene und schenkt dem Jungen ein Lächeln. Da taucht in ihm ein Gedanke auf. „Seltsam, auch ich bin hier, weil mich etwas Unbekanntes hergezogen hat … Dabei dachte ich immer, jeder Entscheidung gehe zuerst ein stringenter, bewusster Denkprozess voraus … Könnte es also sein, dass eher etwas durch uns handelt?“ Sein Blick schweift durch den Raum, bleibt an einer Dreiergruppe hängen. Zwei Männer und eine Frau in angeregter Diskussion. „Was du meinst, Peter, ist Yoga, nicht Meditation … Yoga sind Übungen, die im Wesentlichen den Körper wohlwollend beeinflussen; Meditation hingegen geschieht, wenn wir ruhig sitzen, die Beine überkreuzen und –“ „Du magst recht haben, Jonas“, unterbricht ihn Marie, „aber auch Peter liegt nicht ganz daneben; wenn er seine Arme kreisen lässt und das für ihn Meditation bedeutet, wie können wir behaupten, es sei keine? Ist Meditation nicht letztlich das, was wir daraus machen?“ Eine ältere Dame mischt sich ein. „Sie haben vollkommen recht, junge Frau, dieser Tanz erinnert mich an die Sufis, die sich drehend Gott nähern … Ich bin überzeugt, kein Derwisch würde behaupten, das sei keine Meditation.“