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Das Universum der Comic-Künstlerin Emil Ferris im Cartoonmuseum Basel

3 min · 14. juli 2026
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Description

„EIN ALBTRAUM ZU SEIN, IST NUR EIN JOB“ Emil Ferris kramt in ihrer großen Tasche, befördert eine Zeichenmappe zutage und breitet vier Bilder auf dem Tisch aus. Das Ergebnis einer von Albträumen heimgesuchten Nacht: dunkle Dämonen, seltsame Gestalten tummeln sich da: „Die warten auf den Bus“, sagt Emil Ferris. „Sie sind auch witzig und haben ihr eigenes Leben. Ein Albtraum zu sein, ist nur ein Job“, führt sie weiter aus. EIN BESONDERER BLICK AUF DIE WELT Die US-amerikanische Künstlerin hat einen wirklich besonderen Blick auf diese Welt. Und wenn sie sagt, sie gehöre zu den glücklichen Kindern, die mit schweren Behinderungen auf die Welt gekommen sind, dann ist das nicht ironisch gemeint. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung ist sie in den ersten Jahren ihres Lebens ans Bett gefesselt. Schon früh beginnt sie mit dem Zeichnen: mit sechs oder neun Monaten, erzählt Emil Ferris, und dass ihre Künstler-Eltern ihr ein kleines Atelier eingerichtet hätten. Anders zu sein und arm zu sein, das sind ihre prägenden Erfahrungen. Und die Monster, die sie in Geschichten, Filmen, in Horror-Comics entdeckt und die in ihren Zeichnungen zu einer neuen Identität werden. Etliche dieser Monsterporträts hängen in der Ausstellung wie in einer Ahnengalerie nebeneinander. Dazwischen: immer wieder ein Zerrspiegel, in dem Besucherinnen und Besucher unter Umständen ihre eigenen Dämonen entdecken können. MONSTER-SEIN ALS GEGENWELT „Wir alle haben ganz verschiedene Monster. Ich lese die Comics so, dass Monster-Sein wie eine Gegenwelt ist, eine befreiende Welt, wo man alles sein kann“, sagt Anette Gehrig, Kuratorin und Leiterin des Basler Cartoonmuseums. „Wenn ich in der Monsterwelt bin, kann ich alles sein“, sagt auch die Heldin Karen in Emil Ferris' autofiktionalem Comic „Am liebsten mag ich Monster“. Karen empfindet sich als Werwolf und damit stark genug, sich den Herausforderungen eines brutalen, frauenfeindlichen Alltags in einer Stadt wie Chicago stellen zu können. In Chicago, wo Emil Ferris 1962 geboren wird, sind Mord, Gewalt, Entführung damals noch an der Tagesordnung. Auch davon erzählen die Monsterbilder in dieser Ausstellung, die erschreckend normal daher kommen. ALTE MEISTER NEU INTERPRETIERT – MIT DEM KUGELSCHREIBER Doch Chicago ist nicht einfach nur die dunkle Stadt. Genauso die Monster ist sie mehrschichtig. Es ist auch die Stadt, in der Emil Ferris ihren Weg als Künstlerin und Frau gefunden hat. Im Kunstmuseum faszinieren sie die Gemälde alter Meister und der italienischen Renaissance, die starken Göttinnen antiker Mythologien und die vielen Kreaturen, von denen die Kunstgeschichte nur so wimmelt. Emil Ferris' Interpretation der alten Meister gehört zu den beeindruckendsten Momenten in dieser absolut sehenswerten Ausstellung. Vor allem auch, weil sie die hohe Kunstfertigkeit dieser Künstlerin zeigt, die nur mit dem Kugelschreiber zeichnet. Kunst und Geschichten sind die besten Erfindungen der Menschheit, sagt Emil Ferris. Sie würden uns helfen, ein starkes Monster zu werden, das das Böse besiegt.

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Gecancelter Auftritt von Danger Dan und Igor Levit: Wann wird die Demokratie abgesagt?

DAS LIED „KEINE ANGST“: VOR ALLEM EINE DIAGNOSE Wir brauchen nicht länger Serien wie „Babylon Berlin“ zu schauen. Der morbide Reiz, dem Sterben einer Demokratie zuzuschauen, ist längst in der Gegenwart angekommen. Das zeigt die Debatte um die Ausladung von Danger Dan und Igor Levit aus der Satiresendung „Die Anstalt“ deutlich. Beide wollten dort ein Lied aufführen, das man skandalisieren kann. Und das jetzt auch skandalisiert wird, als Aufruf zur Gewalt von links. Deshalb hat das ZDF den Rapper und den Pianisten ja auch ausgeladen. Der Fernsehsender befürchtet, sonst als Steigbügelhalter eines Gewaltaufrufs dazustehen. Das mag verständlich wirken, angesichts der aufgeheizten Stimmung vor den Landtagswahlen in Ostdeutschland. Doch an dem, was Danger Dan in seinem Lied beschreibt, geht es vorbei. Denn dieses Lied ist vor allem eine Diagnose – und Ausdruck einer realen Angst. DIE ANGST, DASS ES NOCH EINMAL SCHIEFGEHT Danger Dan beschreibt die Angst all derer, die fürchten, einen gesellschaftlichen Backlash zu erleben – und dabei selbst zu den Leidtragenden zu werden: Menschen mit Einwanderungsgeschichte, aus liberalen und linken politischen Milieus – und vor allem auch: Jüdinnen und Juden. An sie richtet sich die Botschaft dieses Liedes. Und die lautet: Vertraut nicht länger auf den Staat. Vertraut nicht auf die Polizei. Das alles ist schon einmal schiefgegangen in Deutschland. Und es scheint gerade ein weiteres Mal schiefzugehen. Ihr könnt euch in dieser Situation nur selbst helfen. Das ist die eigentliche Botschaft von Danger Dan und auch Igor Levit. Das Lied handelt von einem Vertrauensverlust. Ist dieses Land noch gefeit vor einem neuen Absturz in den Rechtsextremismus? Kann man den staatlichen Institutionen noch vertrauen, dass sie diese Gefahr noch abwehren? IM ERNSTFALL ALLEIN GELASSEN? Oder sind die bürgerlichen Eliten bereits wieder auf dem Weg in die Komfortzone – bereit, sich mit rechtsextremen Mehrheiten in Teilen des Landes abzufinden, vielleicht sogar mit ihnen zu kooperieren? Wer wird uns helfen, wenn es in diesem Land wieder zum Äußersten kommt? Das fragt Danger Dan stellvertretend für alle, die vor dieser Entwicklung Angst haben – und die zunehmend das Gefühl beschleicht, dass sie im Ernstfall allein dastehen werden. Und als wollte das ZDF dieser Angst nun auch noch Vorschub leisten, kommt nun die Absage: Nein, in unserer kritischen Satiresendung ist genau für diese Meinungsäußerung kein Platz. Und auch andere Medien dürfen sich gleich mit angesprochen fühlen: Werden wir denn da sein, wenn es darum geht, Freiheitsrechte zu verteidigen? Oder schlagen wir uns dann auch bei nächstbester Gelegenheit in die Büsche? SICHTBARER WIDERSTAND STATT ANTIFA Keine Frage, einige Zeilen im Lied von Danger Dan sind fragwürdig: Muss man denn wirklich zum Leben im politischen Untergrund auffordern? Mit unverkennbarer Affinität zur Antifa? Wieso sollten wir Angst haben, irgendwo Fingerabdrücke zu hinterlassen? Oder auf Überwachungskameras sichtbar zu werden? Das geht wirklich in die völlig falsche Richtung. Legitimer politischer Widerstand sollte doch gerade sichtbar sein und werden. Das eigentliche Problem besteht darin, dass dieser politische Widerstand viel zu wenig sichtbar ist. Statt sich daher moralisch zu empören, wäre etwas anderes wichtiger: Selbstkritik. Muss es erst dahin kommen, dass alle den Mut verlieren – und auf Radikalität setzen? Wo bleibt der gesellschaftliche Schulterschluss? Wo bleibt die Solidarität – gerade auch der bürgerlichen und konservativen Milieus? Die klare Absage, mit uns nicht? Und zwar auf den Straßen? Es gibt eine klare Mehrheit gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus. Nur muss sie sich auch zeigen – und Gehör verschaffen. Niemand muss mit der Antifa liebäugeln. Nur wäre es wichtig, jetzt langsam aufzuwachen. Denn wir schauen eben nicht „Babylon Berlin“. Es ist unsere Gegenwart.

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Fotoausstellung „Unordnung“ in der Staatsgalerie Stuttgart – Stolpern, Staub und kreative Chancen

Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt mit „Unordnung“ die Hauptausstellung des Fotosommers Stuttgart 2026. Zu sehen ist eine inspirierende Bestandsaufnahme der Gegenwart durch die Brille künstlerischer Fotografie. Der Fotosommer Stuttgart ist vor 24 Jahren entstanden als kleine Initiative der lokalen Fotoszene. Im Laufe der Zeit ist der Fotosommer zu einem auch international wahrgenommenen Event herangewachsen. 2026 nehmen über 30 Galerien, Museen und andere Präsentationsorte teil – nach Angaben der Veranstalter ist dies die größte Ausstellungs-Kooperation, die es in Stuttgart je gegeben hat. Für die Hauptausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart hatten sich fast 300 Beiträge beworben.

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Festspieltaugliche Interpretation: Verdis „Macbeth“ bei den Opernfestspielen Heidenheim

Die Opernfestspiele Heidenheim [https://www.opernfestspiele.de/]haben sich zu einem der wichtigen Opernfestivals der vergangenen Jahre gemausert, nicht zuletzt durch Inszenierungen der frühen Opern Giuseppe Verdis, die von Festspielintendant Marcus Bosch in der Chronologie ihrer Entstehung aufs Programm gesetzt werden. 2026 steht Verdis düstere Shakespeare-Vertonung des „Macbeth“ in einer Inszenierung von Andreas Baesler auf dem Programm. Gespielt wird nicht die bekannte, von Verdi für die Pariser Uraufführung überarbeitete Fassung, sondern die selten gespielte Urfassung von 1847. SWR Kultur Opernredakteur zeigt sich angetan von der Inszenierung und der musikalischen Interpretation. Die Hexerei des Theaters Wer oder was sind die Hexen? Eine entscheidende Frage für Giuseppe Verdis „Macbeth“, die auch die literarische Vorlage von William Shakespeare nicht so einfach beantwortet. Sind sie eine Kraft, die mit Zauberei manipuliert oder sind sie veräußerlichter Ausdruck von Macbeth unterbewusstem Willen zur Macht, den sie ihm lediglich bestätigen? Bei den Opernfestspielen in Heidenheim sind sie in der Inszenierung von Andreas Baesler die oft verkannte Macht im Hinter- und Untergrund einer Opernbühne: Bühnenarbeiterinnen, die die Szene herrichten für ein Rollenspiel, das sie subtil beeinflussen. Ihre Zauberei ist die des Theaters mit seinen Mitteln zwischen Illusion und Wirklichkeit. Das ist perfekt inszeniert, einschließlich eines durchaus ironischen Tanzes mit dem Besen in der großen Prophezeiungsszene des dritten Aktes und fabelhaft gesungen vom alles überstrahlenden Tschechischen Philharmonischen Chor Brünn, der auch das übrige wankelmütige Theatervolk darstellerisch wie sängerisch exzellent realisiert. Theater über Theater Das Ende ist schon der Anfang, wenn sich der Theaterkönig Duncan – eine stumme Rolle – nach Ende der Vorstellung eines Königsdramas im Hermelin- und Pupurmantel während des Vorspiels verbeugt. Alsbald sorgen die Hexen dafür, dass Macbeth sich diesen Mantel des königlichen Darstellers anpassen und überstreifen will. Begleitet wird er dabei von seinem Kampfgefährten Banco, der hier den Dirigenten am Klavier gibt – mit machtvoll dunklem Bass hervorragend von Don Lee gegeben – und den er alsbald an den Tod verraten wird, den er auch dem Theaterkönig hinter der Bühne in seiner Garderobe bereitet. Ein finster-ironisches Königsdrama der Bühne auf der Bühne. Lady Macbeth ist hier die Primadonna, die ihren zaudernden Partner und Mann zur Machtergreifung drängt. Sie beide spielen Rollen, die ihnen eigentlich nicht zustehen und an deren Illusion sie auch zerbrechen werden. Hier wird das Theater zum Spiegel der Politik: Hier wie dort geht es um jene Rollenspiele, die die Wirklichkeit manipulieren. Die große Hexenszene macht das deutlich. Die Hexen lassen ihre Prophezeiungen auf dem Proszenium vor dem Vorhang abspielen, Macbeth tritt aus dem Zuschauerraum auf die Bühne. Und auch er erliegt den einfachen Tricks des visionären Illusionismus dieser Theaterhexen. Er besteht aus einfachen Lichteffekten mit den Falten des Bühnenvorhangs. Hier nutzt die Regie brillant die Begrenzungen der Mittel der Opernfestspiele. Auch das ein Theater über Theater. Ein vokaler Drahtseilakt Allein Lady Macbeth scheint das Rollenspiel zu beherrschen, wandelt sich mit ihrem Kostüm vom nächtlichen Schwarz über das blutige Rot des Staatsempfangs im zweiten Akt bis zum paradoxen Unschuldsweiß des Nachtgewands in ihrer großen Wahnsinnsszene. Denn sie zerbricht am Irrsinn des Machtspiels, während Macbeth zu einem lebenden Toten wird und das ganze Theatergebäude verfällt. Leah Gordon hat sich die Lady regelrecht einverleibt. Es lässt sich kaum sagen, welche Stimme sie hat. Mal ist sie divenhafte Stimmmacht, dann Domina, schließlich kindliche Unschuld und dann wieder mezzohafte Geschlechtsuntiefe. Leah Gordon beherrscht alle diese Stimmfarben: eine echte Offenbarung in dieser Partie. Dagegen ist Thomas Weinhappel brüchiger, auch stimmlich der Zauderer, der an seinen Bruder im Geist erinnert, an Hamlet, der ein Guter ist, aber damit das Böse schafft, während der zaudernde Macbeth genau dadurch dem Bösen erliegt. Für die Lady wünschte sich Verdi eine hässliche Stimme. Davon kann bei der großartigen Leah Gordon keine Rede sein. Aber Thomas Weinhappel erfüllt diese Brüchigkeit perfekt vom rauen Singen bis hin zum Sprechen, Schreien und Stöhnen seines letzten Todeskampfes, nachdem ihn sein Konkurrent Macduff erdolcht – nobel verkörpert von David Esteban. Die Entdeckung der Urfassung von Verdis "Macbeth" Eine Entdeckung ist die Erstfassung der Oper. Hier klingt noch mehr von der Zirkusmusik an, der Verdi in der Zweitfassung das grell Ironische entzieht, wenn beispielsweise König Duncan ins Schloss und hier auf die Bühne zurückkehrt, zu einer der banalsten Bühnenmusiken, die Verdi je für eine Banda geschrieben hat. Dieser ironisch absichtsvolle Kommentar ist gewollt und konsequent als Auftritt des Schmierenkomödianten inszeniert, um den Theaterkönig zu geben: Mehr Schein als Wirklichkeit. Die Cappella Aquileia spielt unter der mehr als souveränen, immer subtil die Stimmen begleitenden Leitung von Marcus Bosch, teilweise historisch informiert. Das betrifft vor allem die Blechinstrumente mit dem Tubaklang des Cimbasso und den Ventilposaunen, Instrumente für die Verdi 1847 komponiert. Das klingt weniger scharf als das moderne Instrumentarium und gibt dem hochgefahrenen, engen aber breiten Graben, wie er damals in Italien üblich war, ein samtiges Klangbett, allerdings in tiefstem Schwarz. Man begreift, warum Verdis Zeitgenossen diese Oper als zu düster abgelehnt haben. In unseren Zeiten der ausufernden Machtspiele nicht nur im Theater passt das perfekt. Jedenfalls auch ein Lehrstück für die politische Kaste, bei der Première durch Cem Özdemir vertreten, der als erster baden-württembergischer Ministerpräsident die Opernfestspiele in Heidenheim besucht hat. Wie alle anderen, konnte auch er eine musikalische und szenische Sternstunde der Verdiinterpretation erleben.

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