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Zwangsarbeit in der NS-Zeit: Ausstellung in der ehemaligen Galeria-Filiale Stuttgart

6 min · 17. juni 2026
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UNTERSCHIEDLICHE BEHANDLUNG JE NACH HERKUNFT Gratis sei die Arbeitskraft allerdings nicht gewesen. Zwangsarbeiter aus den Niederlanden oder Belgien hätten fast den gleichen Lohn erhalten wie deutsche Industriearbeiter. Je weiter östlich allerdings die Herkunft der Arbeitskräfte, desto schlechter der Lohn und schlimmer die Behandlung. Besonders unmenschliche Arbeitsbedingungen herrschten vor allem für Arbeitskräfte aus der Sowjet-Union. „So ziemlich jeder Betrieb, der mehr als fünf Beschäftigte hatte, beschäftige irgendwann im Laufe des Krieges Zwangsarbeiter“, sagt Norbert Prothmann. Bis September 2026 ist die Ausstellung in den Schaufenstern der alten Galeria-Filiale zu sehen. Der Arbeitskreis fordert im Anschluss von der Stadt Stuttgart einen dauerhaften Gedenkort.

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Hinter Freiburgs Fassaden - das erinnerungspolitische Rechercheprojekt

FREIBURG IN DEN 1930ER-JAHREN Freiburg, zwischen Theater, Universität und Einkaufsstraße, an einem ganz gewöhnlichen, wenn auch heißen Sommertag. Doch vor diesen Alltag schiebt sich ein anderes Bild: Aus dem Kopfhörer klingt die Stimme der Schauspielerin, die einen in die 1930er-Jahre versetzt. In eine Zeit, als hier noch die Synagoge stand, aber am Theater auch schon die Hakenkreuzflaggen wehten. „Fassade“ heißt das Stück von Regisseurin Caroline Anne Kapp. KITSCHIGE PROPAGANDA-BADESZENE AUS DER NS-ZEIT IM ZENTRUM Immer begleitet von den Schauspielern läuft das Publikum durch die Stadt, vom Theater zum nahen Dokumentationszentrum Nationalsozialismus. Das hatten die Nazis als Fremdenverkehrsamt erbaut – und dort das Wandbild anbringen lassen, das zum Dreh- und Angelpunkt dieses Stücks geworden ist. Teilweise enthüllt, teilweise verdeckt sieht man darauf leicht bekleidete junge Männer und Frauen in einer mythologisch angehauchten Badeszene, im Hintergrund der Feldberg. Darauf zu sehen: ein Mann mit nacktem Oberkörper, der mit einem Paddel das Boot ans Ufer des Titisees zieht, eine halbnackte Frau lehnt an einem Baum. Sie hat ein Tuch um die Hüften gewickelt. Geradezu paradiesisch erscheint die Harmonie zwischen der Volksgemeinschaft und der Natur. IN DEN 1980ER-JAHREN VERSTECKT UND VERGESSEN Was man sieht und erahnen kann, sind mehrere Quadratmeter NS-Propagandakitsch. Künstlerisch eigentlich eher uninteressant. Es ist vor allem die Geschichte der Wandmalerei, die sie für Caroline Anne Kapp so spannend macht. In den 1980ern sei dieses Bild einfach verdeckt worden. „Dieses Verstecken hinter den Fassaden, keinen Umgang damit finden: Es ist gut, da genau hinzuschauen“, sagt die Regisseurin. EIN NEUES BILD DES LINKSLIBERALEN FREIBURG Dabei stößt man fast zwangsläufig auf das faschistische Körper- und Schönheitsideal, das enormen Einfluss hatte – auch im beschaulichen Freiburg. Das wird umso deutlicher, je weiter der Rundgang führt. Bis man schließlich, fast schon gemütlich, auf Decken im Colombi-Park sitzt. Im Hintergrund hören Jugendliche Musik, ein kleines Kind planscht im Wasser. Der Kontrast zwischen der als linksliberal geltenden Stadt und ihrer Vergangenheit könnte in diesem Moment kaum größer sein. „FASSADE“ LEGT DIE SPUREN DER NS-VERGANGENHEIT FREI Denn Freiburg hat auch einen Mediziner wie Erich Lexer hervorgebracht – Erfinder des Faceliftings, überhaupt der plastischen Chirurgie, SS-Führer und Kommentator des NS-Sterilisationsgesetzes. „Fassade“ legt die Spuren der NS-Vergangenheit frei, Schicht für Schicht, Station für Station. Auch, weil zum Ensemble die „methusalems“ gehören, die Seniorentheatergruppe des Hauses. Das Erinnern und Vergessen der Nachkriegszeit haben sie selbst erlebt. Und so erweitert „Fassade“ das Bild, das man von dieser Stadt hat – so sehr, dass man selber anfangen möchte zu graben.

19. juni 20263 min
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„Einen Menschen großziehen“ – Simone Buchholz über Eltern-Sohn-Beziehungen

Wie zieht man in dieser Welt einen Jungen groß? Zwischen Männlichkeitsbildern die gesellschaftlich neu ausgehandelt werden, und den veralteten Rollenvorstellungen der sogenannten „Manosphere“. Vor dieser Herausforderung stand auch die Autorin Simone Buchholz. Ihre Erfahrungen hat sie in ihrem literarischen Essay „Über Söhne“ verarbeitet. Da sei etwa die Angst gewesen, der gemeinsame Faden zwischen ihr und ihrem Sohn könne während der Pubertät abreißen. Neben dem Zugestehen von Zeit und Raum, sei es wichtig gewesen nicht loszulassen: „Egal wie nervig ich selbst war und was für ein blödes Bild ich dann abgegeben habe von der nervigen Mutter, ich habe es einfach weitergemacht. Und irgendwann, anfallartig, nachts um elf oder halb zwölf, kam er dann aus seinem Zimmer geschlichen und in meinen Arm gekrochen und hat angefangen, mir zu erzählen, was seine Ängste sind, wo für ihn die Gefahren liegen gerade und was ihn bewegt.“ Die Herausforderung, dem Sohn Raum für eigene Entwicklungen zu lassen und dabei gleichzeitig feministische Werte zu vermitteln, das gelingt für Buchholz vor allem „indem man einen Menschen großzieht.“ Feminismus bedeutet für die Autorin deshalb vor allem Humanismus „und ein Menschenbild, in dem alle das gleiche Recht darauf haben, zu leben und glücklich zu sein und ein würdevolles Leben zu leben.“

19. juni 20267 min