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Portada del episodio Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (5)

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (5)

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150104] unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen berührenden Beiträge! Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464], den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486] sowie den vierten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150605] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- Wir waren Kellerkinder Liebe Redaktion, ich habe meinen Vater (95) gefragt, ob er für den Aufruf etwas formulieren möchte. Das handschriftliche Ergebnis habe ich abgetippt und hier in den Anhang gelegt. Herzliche Grüße Birgid Kubin (Anhang) Hin und wieder holen mich noch Erinnerungen an Ereignisse aus den Kriegsjahren ein, in denen ich letztendlich Mutter, Schwester und meinen älteren Bruder verlor. Mein Vater war Küster und wir wohnten somit an der Kirche. Bei den alliierten Luftangriffen 1944/45 auf Wiesbaden nahmen wir daher unsere Sachen mit in unseren „Keller“, der eigentlich eine Krypta war, von der sich ein Teil unter dem Kirchturm befand und als sicher galt. Wir wurden so quasi zu „Kellerkindern“. In einer Nacht schlug eine fehlgeleitete Rakete in der Oranienstraße nahe dem „Ring“ ein. Kein Alarm! Mama, mein älterer Bruder und ich stürzten aus den Betten unserer Wohnung in „unseren Bunker“. Dann kam der zweite Raketeneinschlag – und ein verspäteter Alarm. Diese Einschläge waren gewaltig, zerstörerisch und nahe unserer Rückertstraße. Mit meinem jüngeren Bruder war ich einkaufen. Es gab Fliegeralarm und wir sahen, nahe dem Taunuskamm, in üblicher Höhe, einen feindlichen Kampfverband. Wir beobachteten auch noch, wie sich einige Maschinen daraus lösten und auf uns zusteuerten. Bald fielen die ersten Bomben. Es folgten weitere, immer näher kommende Einschläge. Wir waren mittlerweile erfahren genug und wussten, wie wir uns zu verhalten hatten. Hinter ein kleines Mäuerchen legten wir uns flach auf den Boden. Ich hielt meine Ohren zu und sperrte den Mund auf, da war auch schon der Einschlag in ein Haus, ganz nahe. Danach Ruhe. Verdreckt, aber unverletzt liefen wir nach Hause. Mutter kam uns auf der Treppe entgegen. Sie weinte. Wir hatten gerade meinen Opa zu Grabe getragen und befanden uns auf dem Heimweg. Da erlebten wir einen „Jabo“-Angriff. Dieser schoss zuerst mit MG auf uns. Unser Vater, der wegen eines Fronturlaubs dabei war, rief noch rechtzeitig: „In den Graben!“ Gemeint war ein Wasserabfluss neben dem Feldweg, den wir heimwärts gingen. Ich konnte die einschlagenden Geschosse hören und sehen, die uns aber nicht trafen. Doch dann löste der Flieger eine Bombe aus, die in einer Baracke einschlug. Ein dadurch herumwirbelnder Balken traf meine Mutter, die sich schützend über uns Buben gelegt hatte. Sie wurde von Männern, die nahe der Bahnschienen aus einem Unterstand kamen, ins Krankenhaus getragen, wo sie ihren Verletzungen erlag. Obwohl die „Amis“ schon in Mainz waren und einige Granaten in Richtung Wiesbaden abschossen, sollte ich – 14 Jahre alt – mit dem Volkssturm gegen sie ausrücken. Ich war „Melder“ mit Armbinde, die mich als solchen auswies. Samt Helm sollte ich beim Luftschutz im nahen Gutenberg-Gymnasium antreten und in den Krieg eingreifen. Damals habe ich schon beherzigt, was in der Nachkriegszeit auf einem Plakat zu lesen war: „Stell‘ dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ Ich habe mich im Kirchturm versteckt. Von dort aus konnte ich noch sehen, wie Leute für dieses letzte „Himmelfahrtskommando“ auf einen mit einem Holzgenerator versehenen Lastwagen stiegen. Man entdeckte mich nicht und so überlebte ich. Für mich und die meisten meiner Generation ist es daher keine Frage: Nie wieder Krieg! Willibald Troemer (Jahrgang 1931) ---------------------------------------- Nie mehr würden die Sirenen heulen Lieber Albrecht Müller, die Aufforderung, Erinnerung an die Kriegstage aufzuschreiben und an die NachDenkSeiten zu schicken, finde ich sehr gut, bewegen wir uns doch traumwandlerisch und das alles vergessend wieder in höchstgefährliche Zeiten. ich schicke Ihnen einen etwas überarbeiteten Ausschnitt aus dem 1. Teil meiner autobiografischen Zeitbetrachtungsreihe „Zwischen gestern und morgen – ich” genau zu diesem Thema. (…) Mit besten Grüßen Winfried Wolk Meine Eltern waren zwei Jahre nach meiner Geburt aus beruflichen Gründen aus dem Erzgebirgsdorf wieder zurück nach Leipzig gezogen. Dabei hatte es im  März 1943 bereits einen Bombenabwurf in dem Stadtteil gegeben, in dem die Eltern und Brüder meiner Mutter wohnten. Es folgten weitere Angriffe auf die Leipziger Stadtteile Eutritzsch und Schönefeld. Längst schon lief es für die Deutschen nicht mehr gut im weltweiten Gemetzel. Die Schlacht um Stalingrad war zu einem Desaster geworden, in Tunesien mussten die deutschen Truppen kapitulieren und im Juli landeten die Alliierten auf Sizilien. Am 27. Juli 1943 verwüstete die „Operation Gomorrha” Hamburg, brachte dort 35.000 Menschen den Tod und sorgte für landesweites Entsetzen. Meiner Mutter machte dieses alles große Angst, zumal auch mein Vater Mitte 1943 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Kurzerhand entschloss sie sich, das mittlerweile hochgefährdete Leipzig wieder zu verlassen und mit uns Kindern zurück in das gewiss sichere Dorf im Erzgebirge zu ziehen. Dort würden ganz gewiss keine Bomben fallen. Hier war ich zur Welt gekommen, hier tat ich nun meine ersten bewussten Schritte. So lebten wir in einer friedlichen Welt, während in Leipzig die Bombardements zunahmen.    Am 4. Dezember 1943 wurden große Teile der eng bebauten Innenstadt, das Gewandhaus, das Reichsgericht, die Universitätsbibliothek und große Teile des Musikviertels zerstört und etwa 1.800 Menschen getötet. In der Nacht zum 20. Februar 1944 warfen 700 Bomber innerhalb von 30 Minuten fast 2.300 t Spreng- und Brandbomben auf die Wohn- und Industriegebiete im Südwesten von Leipzig, am Nachmittag desselben Tages bombardierten 200 Bomber der 8. US-Luftflotte die am Flughafen Mockau im Nordosten der Stadt befindlichen Flugzeugwerke. Das alles sorgte dafür, dass in Leipzig unzerstörter Wohnraum knapp und unsere Mutter aufgefordert wurde, umgehend die Leipziger Wohnung wieder zu nutzen, ansonsten diese an diejenigen vergeben würde, die durch die Bombardements wohnungslos geworden waren. So währte die Zeit nicht lange, in der wir im kleinen Erzgebirgsdorf vor den Bombenangriffen geschützt waren. In Leipzig durfte ich wegen des jederzeit zu erwartenden Fliegeralarms nur im Hof und nicht auf der kleinen Straße spielen. Die Angst meiner Mutter war begründet. Nur wenige hundert Meter Luftlinie von unserer Wohnung entfernt produzierte das Büssing-Werk Motoren und Fahrgestelle für Acht-Rad-Panzerspähwagen. Auch befand sich der große Güterbahnhof Leipzig-Wahren, wo die Munitionszüge für die Front zusammengestellt wurden, in keiner allzu großen Entfernung. Das waren wichtige Ziele der alliierten Bomberstaffeln und nicht immer trafen die Bomben ihre anvisierten Ziele. Die Angst vor einem Luftangriff beherrschte jetzt den Alltag. Für mich war das Geheul der Sirenen, das einen solchen Angriff ankündigte, das Unerträglichste, was es überhaupt auf der Welt gab. Noch heute spüre ich beim Heulen von Sirenen tief in meinem Inneren die damals empfundene panische Unruhe. Doch auch den düsteren, dumpfigen Luftschutzkeller, in den wir von diesem Geheul getrieben wurden, hasste ich aus tiefstem Herzen. Die bedrückend-stickige Luft und das spärliche Licht der einsamen Glühbirne machte den niedrigen Raum zu einem Schreckensort, wo alle nur vorstellbaren Gespenster zu Hause waren. Nie, das schwor ich mir, würde ich allein in diesen Keller gehen. Auch viele Jahre danach, wenn mich die Mutter dorthin schickte, um Kartoffeln oder Kohlen zu holen, kostete es mich große Überwindung, diesen gruseligen Ort zu betreten. Immer öfter trieb uns das Sirenengeheul in diesen mir unheimlichen Raum, wo wir mit den anderen Bewohnern unseres Hauses auf den schmalen, harten Holzbänken, die an den Wänden des niedrigen kleinen Raumes aufgestellt waren, ganz eng beieinander sitzen mussten. Das schwache Licht ließ alle zu gesichtslosen dunklen Schatten werden, in denen ich niemanden mehr zu erkennen vermochte. Anfangs herrschte gespannte, gespenstische Stille, was für mich alles noch unheimlicher machte. Alle lauschten angstvoll konzentriert, wenn das langsam anschwellende, immer bedrohlicher werdende, tiefe Brummen der sich nähernden Flugzeuge zu hören war. Dann presste ich mich ganz fest an meine Mutter und hoffte, dass sie mich und meine Hand nie mehr loslassen würde. Manchmal ging der Bombenalarm vorbei, ohne dass etwas Bedrohliches geschah. Doch manchmal war nicht nur das Dröhnen der Flugzeuge zu hören, das lauter und immer lauter wurde, sondern auch die Detonationen der Bomben. Und manchmal, wenn die Einschläge sehr nah waren, spürte ich das Erbeben des Hauses. Oft flackerte dann das sowieso schwache Licht, erlosch und stürzte alles augenblicklich in rabenschwarze Finsternis. Dann kannte meine panische Angst keine Grenzen. Doch auch die sonst so selbstsicheren Erwachsenen begannen laut zu jammern und zu schluchzen und flehten den lieben Gott an, uns zu helfen. Und auch ich schrie sie heraus, meine Angst und betete mit, damit er uns auch wirklich hört und hilft, der liebe Gott. Wenn ich dann spürte, dass auch meine starke Mutter, die doch immer alles konnte und sich vor nichts fürchtete, ebenfalls zitterte und betete und weinte, wusste ich, es würde keine Rettung geben, nicht für mich und für keinen anderen in diesem Keller. Wir alle waren unrettbar verloren. Doch wenn wir tatsächlich durch ein Wunder oder Gottes Hilfe noch einmal davongekommen waren und die Sirenen endlich die Entwarnung in die Luft heulten, vollzog sich eine erstaunliche Verwandlung bei den Erwachsenen. Die noch vor wenigen Minuten alles beherrschende, panische Angst schlug übergangslos in lautstarken Zorn um. Alle schimpften jetzt über diese schlimmen anglo-amerikanischen Bombenflieger, die uns das alles antaten. Auch ich war sehr zornig auf sie. Warum machten sie unsere schönen Städte kaputt und jagten uns immer wieder mit diesem grässlichen Sirenengeheul in diesen furchtbaren Luftschutzkeller? Die immerfortwährenden Fliegeralarme, das Sirenengeheul und die panische Flucht in den Luftschutzkeller verfolgten mich oft bis in meine Träume. Nur wenn ich im freien Bett neben der Mutter schlafen durfte, fühlte ich mich einigermaßen sicher. Doch auch hier schreckten mich immer wieder schlimme Angstträume auf. Dann gab es nur einen Ausweg: Ich musste unbedingt Licht haben, musste sehen, dass um mich herum wirklich nichts Schreckliches geschah und alles, was mir Angst machte, nur ein schlechter Traum gewesen war. Am Kopfende der Ehebetten meiner Eltern gab es eine Schnur, an der man einfach nur ziehen musste, um die Deckenleuchte einzuschalten. Wenn ich mich ein bisschen streckte, konnte ich diese greifen. Schlaftrunken und in meiner panischen Angst fand ich diese rettende Schnur oft nicht. Bei der verzweifelt-hektischen Suche gruben meine Fingernägel in das glänzende Furnier des elterlichen Ehebettgiebels tiefe Spuren, die auch viele Jahre später als Zeugnisse meiner Panikattacken noch deutlich zu sehen waren. Leipzig blieb weiter ein von der Royal Air Force und der 8. US-Luftflotte intensiv angegriffenes Ziel. Die Flugzeuge kamen jetzt nicht nur nachts, auch am Tag kündigten die Sirenen mit ihrem entsetzlichen Heulen deren Kommen an. Am 27. Februar 1945 flog die 8. US-Luftflotte in der Mittagszeit einen Angriff auf das gesamte Stadtgebiet, ebenfalls am 6. April. Die Royal Air Force unternahm in der Nacht vom 10. auf den 11. April einen Doppelangriff. Am 15. April 1945 endete dann der alliierte Bombenkrieg. Jetzt musste ich keine mehr Angst haben, wenn Flugzeuge am Himmel auftauchten, endlich gab es keinen der verhassten Bombenalarme mehr, nie mehr würden die Sirenen heulen, nie mehr würden Bomben fallen, nie mehr müsste ich so schnell ich nur konnte die Treppen hinunter in den verhassten Luftschutzkeller rennen. Und endlich durfte ich mit den anderen Kindern auch auf der Straße spielen. Als etwas später am endlosen, frühlingsblauen Himmel ein Pulk von Flugzeugen in großer Höhe dahinzog, machte mir das keine Angst mehr. ---------------------------------------- Man hat niemals herausfinden können, warum diese Bomben dort abgeworfen wurden Sehr geehrte NDS-Redaktion, persönlich habe ich den Zweiten Weltkrieg und das Kriegsende nicht miterlebt, dafür bin ich dann doch zu jung. Meine Eltern haben diese Zeit allerdings als Kinder erlebt. Nach dem Krieg wurde nicht viel darüber geredet bis auf eine Ausnahme, die mir in Erinnerung geblieben ist: Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie nicht nur drei Brüder hätte, sondern auch noch eine kleine Schwester hatte, die jetzt meine Tante wäre, wenn sie den Krieg überlebt hätte. Sie ist allerdings kurz vor Kriegsende gestorben, aber nicht etwa durch eine Fliegerbombe, eine Mine, eine Granate oder eine Gewehrkugel, und genügend zum Essen gab es auch, da meine Mutter auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Aber ihre kleine Schwester ist einmal krank geworden und einfach „nur” deswegen gestorben, weil es keine Medikamente gab. Die Medikamente wurden nämlich für die Soldaten an der Front benötigt. (…) Am Stadtrand meiner Heimatstadt gibt es (…) einige Fischteiche. Diese Fischteiche gibt es seit 1945. Es sind ehemalige Bombenkrater. Man hat niemals herausfinden können, warum diese Bomben dort abgeworfen wurden. In dieser Kleinstadt gab es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ziele, die von irgendeiner militärischen Relevanz gewesen wären, um darauf Bomben abzuwerfen (und zu verschwenden). Eine mögliche Ursache: Die Stadt lag direkt auf der Flugroute der britischen und amerikanischen Bomber, die nachts regelmäßig nach Berlin geflogen sind, um die Hauptstadt zu bombardieren, und die Bomben, die nicht über Berlin abgeworfen wurden, wurden dann beim Rückflug abgeworfen, um Gewicht bzw. Treibstoff zu sparen. Ob die Bomben meine Heimatstadt nur verfehlten oder die Besatzung und der Bombenschütze absichtlich daneben gezielt haben, diese Frage konnte bis heute niemand verlässlich beantworten. Mit freundlichen Grüßen Detlef Schmiedel ---------------------------------------- „Ich hoffe auf Gott, dass er mich Dir und den Kindern erhält.“ (…) Ich bin 1946 geboren worden und habe Erinnerungen an Ruinen in unserer Wohnumgebung in Berlin Zehlendorf, die uns als gefährlicher Spielplatz diente und als Fundort für Metalle aller Art, die man zum Schrotthändler brachte, um sich Taschengeld zu verdienen. Tief in mir verwurzelt ist eine tiefe Angst vor Krieg und hat mich zu einer festen Haltung gegen Militarisierung und Krieg gebracht. Fassungslos stehe ich heute vor der Kriegstreiberei in unserem Land, in dem man hören muss, Rußland müsse verlieren lernen wie die Deutschen ehemals. Will man also doch Rache nehmen? Landauf und landab wird unter der Parole verdeckt, was eigentlich wirklich passiert, Krieg aus nationalen oder geopolitischen Interessen, und damit verbunden Mord, Tod, Vertreibungen, Folter, Vergewaltigungen, die ganze Palette der Verbrechen, die die Menschheitsgeschichte durchziehen. Geschichte wiederholt sich nicht, aber Geschichten ähneln sich. Erbarmungslos versuche ich in meinem Umfeld aufzuklären, auch mit der Biografie meiner Familie. Brief des leiblichen Vaters Richard Albert Eduard Pick an seine Ehefrau Hedwig Anna Gertrud Pick, geb. Bera vor dem Ausrücken in den Ersten Weltkrieg: > Spandau, den 15.3.1915 > > Mein liebes Herz, > > Ich will Dir hiermit die letzten Gedanken, welche mich vor meinem Ausrücken bedrücken zu Papier bringen, und bitte Dich, auch noch persönlich, diesen Brief erst nach meinem Ausrücken zu lesen. > > Ich konnte gestern Abend nicht schlafen und habe mich ruhelos umhergeworfen, weil ich mit meinen Gedanken nur bei Dir war. > > Ich sah mich in Gedanken draußen im Felde liegen, ob krank, verwundet oder tot, ich weiß es nicht. Und weiter dachte ich an Dich und die Kinder und heiße Tränen habe ich geweint bei dem Gedanken Dich und die Kinderchen vielleicht nicht wieder zu sehen. > > Ich hoffe auf Gott, dass er mich Dir und den Kindern erhält. > > Auch habe ich all das Unrecht, was ich glaube, Dir in der langen Zeit unserer Ehe angetan zu haben, tief bereut und bitte Dich herzlichst um Vergebung mein Liebling! > > Hoffe auf Gott und bete für mich, ich will es auch für Dich tun, so wird er mich beschützen und mich gesund zurückkehren lassen. > > Meine Feldadresse lautet, damit Du sie nicht vergisst: 5. Garderegiment zu Fuß, verstärkte 5. Garde Infanterie Brigade 25, Reserve Korps. > > Es fehlt nur noch die Kompanie, die gebe ich Dir später an. > > Nun lebe wohl, und möchte Gott, auf Wiedersehen, Dein treuer Richard Der Brief des Ehemannes klang nicht nach Kriegseuphorie, sondern nach Angst. Gleichwohl wurde der Beginn des Krieges 1914 im Land euphorisch gefeiert. Richard Pick sollte mit seinen dunklen Ahnungen recht behalten. Nur drei Monate später war er tot. Als Angehöriger der Fußtruppen des 5. Garderegiments war er als 30-jähriger sechsfacher Vater am Feldzug im Osten beteiligt. Nicht zu klären ist, warum er in seinem Alter und Status als Familienvater so früh in den Krieg eingezogen wurde oder ob er sich womöglich freiwillig gemeldet hatte. Er gehörte zur Reserve. (…) von Brigitte Pick ---------------------------------------- Titelbild: wikicommons [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg]

22 de may de 2026 - 18 min
Portada del episodio Will Merz den Krieg nach Deutschland tragen?

Will Merz den Krieg nach Deutschland tragen?

„Wir holen den Krieg mit Russland nach Europa“ [https://www.zdf.de/video/talk/markus-lanz-114/markus-lanz-vom-21-mai-2026-100] – das sagte Brigadegeneral a.D. Erich Vad bei Markus Lanz. Der ehemalige militärpolitische Berater von Angela Merkel bezog sich dabei auf aktuelle Vorstöße aus der Politik, die Ukraine in die EU zu holen. Friedrich Merz hatte gerade für die Ukraine einen EU-Sonderstatus gefordert – inklusive einer Beistandsklausel. [https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a0e8beaf0f7eb608db78bab/merz-schlaegt-in-brief-eu-sonderstatus-fuer-ukraine-vor-beistandsklausel-soll-greifen.html] Bei Lichte betrachtet heißt das, Deutschland der Kriegsgefahr auszusetzen. Roderich Kiesewetter wollte den Krieg nach Moskau tragen [https://www.dw.com/de/kiesewetter-den-krieg-nach-russland-tragen/a-68215200]. Will Merz den Krieg nach Deutschland tragen? Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Als am Donnerstagabend Erich Vad und Roderich Kiesewetter bei Lanz über eine Bindung der Ukraine an die EU diskutierten, war längst klar: Der Bundeskanzler hält einen Kanister mit Benzin und ein Feuerzeug in den Händen. Im Laufe der Woche hatte der Bundeskanzler persönlich in einem Brief an die Spitzen der EU herangetragen, der Ukraine einen EU-Sonderstatus zu ermöglichen. Sprich: Zunächst noch keine volle Mitgliedschaft, keine Stimmrechte, aber mit weitreichender Wirkung auf sicherheitspolitischer Ebene. Merz will, dass für die Ukraine die Beistandsklausel nach Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrages gilt. Anders gesagt: Erfolgt ein militärischer Angriff, sollen alle EU-Länder der Ukraine zu Hilfe kommen – auch militärisch. In dieser Klausel heißt es u.a.: > (7) Im Falle eines bewaffneten Angriffs auf das Hoheitsgebiet eines Mitgliedstaats schulden die anderen Mitgliedstaaten ihm alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung, im Einklang mit Artikel 51 der Charta der Vereinten Nationen. Nun lässt die Formulierung „alle in ihrer Macht stehende Hilfe und Unterstützung“ der Politik einen breiten Spielraum, um im Falle eines Falles zu reagieren. Aber: Die sicherheitspolitischen Risiken für Deutschland wären enorm. Und am langen Ende könnte es gar um die Entsendung von Bodentruppen in die Ukraine, inklusive deutscher Soldaten gehen. Der Amtseid des Bundeskanzlers lautet [https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw19-de-kanzlerwahl-vereidigung-1063890?enodia=eyJleHAiOjE3Nzk0NTE1NTksImNvbnRlbnQiOnRydWUsImF1ZCI6ImF1dGgiLCJIb3N0Ijoid3d3LmJ1bmRlc3RhZy5kZSIsIlNvdXJjZUlQIjoiMTc2LjIyMy4xNzIuMjQ1IiwiQ29uZmlnSUQiOiI4ZGFkY2UxMjVmZDJjMzkzMmI5NDNiNTJlOWQyY2Q2NTA1NzU0ZTE2MjIxMmEyY2UxYmI1YWYxNWMwZDRiYmZlIn0=.i9tCsCzHxTfoNXS3sGp7XqYHPgSXH22nm2656pxL3D0=]: > „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Der Bundeskanzler will offensichtlich die Ukraine an die EU inklusive einer Beistandsverpflichtung binden. Die Gefahr eines Flächenbrandes ist damit gegeben. Politisch ist das Vorhaben Wahnsinn – sofern Frieden beabsichtigt ist. Ob NATO-Mitgliedschaft oder ein EU-Sonderstatus für die Ukraine: Die militärische Beistandsverpflichtung ist für Russland das rote Tuch. Nach über vier Jahren Krieg, Toten, Verletzten, Verstümmelten und Traumatisierten im Millionenbereich schlägt Merz einen Weg vor, den westliche Geostrategen und Kriegszündler ohnehin immer wieder versucht haben, zu beschreiten, nämlich: Die Ukraine an die NATO oder die EU zu binden. Ein EU-Sonderstatus mit militärischer Beistandsverpflichtung: Das ist keine neue europäische Friedensordnung, sondern der Weg in einen großen Krieg. Mit dem „Wohle des deutschen Volkes“ hat Merz’ Vorstoß nichts zu tun. Titelbild: Screenshot Phoenix

22 de may de 2026 - 4 min
Portada del episodio Verfassungsschutz: Du hast „Ostküste“ gesagt, du Antisemit!

Verfassungsschutz: Du hast „Ostküste“ gesagt, du Antisemit!

In einer neuen Broschüre warnt das Bundesamt für Verfassungsschutz vor versteckten Botschaften, die sich in „antisemitischen Codes und Chiffren“ verbergen würden. Die Auswahl der angeblich antisemitischen Begriffe, deren Nutzung der deutsche Inlandsgeheimdienst gerne aus den Debatten verbannen will, sowie die jeweiligen Erläuterungen dazu müssen als bizarr bezeichnet werden. Das ist eine indirekte Form der Zensur. Ein Kommentar von Tobias Riegel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Die Broschüre des deutschen Inlandsgeheimdienstes, dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), findet sich unter diesem Link [https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/publikationen/DE/allgemein/2026-05-antisemitische-codes-und-chiffren.pdf?__blob=publicationFile&v=9]. Viele Begriffe, die das BfV dort auflistet, sind allerdings erstaunlich: > „‚Globalisten‘: Dieser Begriff steht häufig für eine angebliche kosmopolitische Elite, die keine Bindung (mehr) an ihr eigenes Vaterland, dessen Kultur oder Traditionen habe. Ihr wird unterstellt, nationale Souveränität zugunsten internationaler Organisationen zu untergraben, um geheime menschenfeindliche Pläne global voranzutreiben.“ Oder: > „‚Hochfinanz‘/BlackRock’: Begriffe und Namen wie diese fungieren oft als antisemitische Codes, die das Narrativ einer ‚jüdischen Weltfinanzkontrolle’ bedienen und das Bild eines geheimen, staatenmanipulierenden Zirkels zeichnen.“ Oder: > „Larry Fink: Der Name dient als personifizierter Code für die ‚jüdische Finanzmacht‘. Er ersetzt und ergänzt Namen wie Rothschild oder Soros (siehe Kapitel 2.2). So werden antisemitische Vorurteile einfach auf weitere Akteure übertragen.“ Oder > „Wall Street: Während der Begriff eigentlich das Finanzviertel in New York (USA) beschreibt, > wird er in antisemitischen Kreisen als Synonym für ein ‚wurzelloses‘, internationales ‚Finanzjudentum‘ genutzt. Er dient dazu, den Kapitalismus als eine fremde, feindselige Macht darzustellen, die gegen die Interessen der jeweiligen nationalen Gemeinschaft agiere.“ Oder: > „‚Großkapitalisten‘: Dieser Begriff wird genutzt, um eine künstliche Trennung zwischen dem ‚schaffenden‘ (einheimischen) und dem ‚raffenden’ (angeblich jüdischen) Kapital zu ziehen. Damit wird das Feindbild eines gierigen Ausbeuters gezeichnet, der keine Loyalität zu ‚Volk und Nation‘ besitze.“ Oder: > „‚Ostküste‘: Dieser Begriff ist ein geografischer Verweis auf den angeblich jüdisch kontrollierten Finanzstandort New York sowie auf Jüdinnen und Juden im Allgemeinen.“ Es gibt noch zahlreiche weitere Begriffe, deren Auswahl und Definition als „antisemitischer Code“ einfach nur grotesk ist. Lieber Verfassungsschutz: Sind eigentlich alle Banker an der US-Ostküste Juden? Es wird manchmal behauptet, antisemitische „Codes“ müssten sich gar nicht direkt gegen Juden richten, um antisemitisch zu wirken, – als Beleg für diese These wird vom BfV etwa die Thematisierung des Namens „Rockefeller“ ins Feld geführt: Obwohl die Familie keine jüdischen Wurzeln habe, werde ihr Name aufgrund ihres enormen wirtschaftlichen Einflusses oft mit den Rothschilds gleichgesetzt. Solche Personalisierungen fungieren laut BfV „als Chiffren, die über die konkreten und realen Personen hinaus das Judentum im Allgemeinen als vermeintlich geheime, globale ‚Finanzelite‘ markieren“. Ich hätte noch eine Frage an die Autoren der Broschüre: Wer sagt, der Begriff „Ostküste“ sei „ein Verweis auf Jüdinnen und Juden im Allgemeinen“ und darum antisemitisch – fördert derjenige denn nicht selber den Antisemitismus, den er offiziell bekämpfen will? Nach meinem Verständnis ist „Ostküste“ viel eher ein Synonym für ungebremste Banken-Macht und nicht für eine religiöse Glaubensrichtung. Ich kenne die Nationalität und die religiöse Überzeugung der meisten Wall-Street-Banker nicht – ich denke aber nicht, dass das alles Juden sind. Ist es also nicht viel eher der deutsche Geheimdienst, der hier „Ostküste“ und „Juden“ gleichsetzt? Einschränkend ist zu sagen, dass es selbstverständlich zutrifft, dass es antisemitische Akteure gibt, die einige der vom BfV monierten Vokabeln in einer problematischen Form nutzen. Aber daraus den Umkehrschluss zu ziehen, dass die Vokabeln selber bereits einen antisemitischen Charakter in sich tragen, ist inakzeptabel. Auf weitere Aspekte der Antisemitismus-Debatte ist etwa Jens Berger im Artikel „Wenn aus dem Antisemitismusvorwurf Willkür wird“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=47830] eingegangen. Die Kriterien zur Einordnung von Gewalt als antisemitisch wurden in Deutschland den letzten Jahren geändert, mehr dazu hier [https://www.verfassungsschutz.de/SharedDocs/pressemitteilungen/DE/2024/pressemitteilung-2024-lagebild-antisemitismus.html] oder hier [https://www.antisemitismusbeauftragter.de/Webs/BAS/DE/bekaempfung-antisemitismus/initiativen/erweiterung-46-stgb/erweiterung-46-stgb-node.html] oder hier [https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/PMKZahlen2024/PMKZahlen2024.html] oder hier [https://mediendienst-integration.de/rassismus-und-antisemitismus/antisemitismus/zahl-antisemitischer-straftaten/]. Und aktuell versucht das Bundesland Hessen über eine Initiative im Bundesrat [https://justizministerium.hessen.de/presse/gesetzentwurf-zur-leugnung-des-existenzrechts-israels], die „Leugnung“ des Existenzrechts Israels unter Strafe zu stellen. Demontage des Debattenraums Das BfV betreibt mit seiner Broschüre eine weitere Demontage des Debattenraums. Wenn man das wirklich so praktizieren würde, wie der Verfassungsschutz aktuell anmahnt, dann würde es bei vielen zentralen und aktuellen Themen erheblich schwieriger, sich kritisch auszutauschen. Das ist mutmaßlich ein Motiv für die Erstellung solcher Broschüren und für die Praxis, Begriffe zu „verminen“. Wie soll man denn Larry Fink oder Black Rock sonst bezeichnen, wenn bereits die Nennung ihrer Namen einen „antisemitischen Code“ bedient? Durch Vorstöße wie die BfV-Broschüre sollen mächtige Personen, Gruppen und ganze Themenbereiche abgeschirmt werden, indem bereits die Erwähnung „kriminalisiert” wird. Das ist eine indirekte Form der Zensur. Titelbild: Stokkete / Shutterstock Mehr zum Thema: „Wenn aus dem Antisemitismusvorwurf Willkür wird“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=47830] [https://vg04.met.vgwort.de/na/a067265af90649b887c29b2699e82ba0]

22 de may de 2026 - 6 min
Portada del episodio Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (4)

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (4)

Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150104] unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen berührenden Beiträge! Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Sie können uns gerne weiterhin – bis zum 22. Mai 2026 – Ihre Erinnerungen an leserbriefe@nachdenkseiten.de [leserbriefe@nachdenkseiten.de] mit dem Betreff „Aufruf zum 8. Mai“ schicken. Bitte senden Sie uns keine Beiträge, die bereits in anderen Publikationen erschienen sind. ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464] sowie den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- „Ick will hem, ick will hem” Liebe Redaktion, Der Bruder meiner Mutter war zur Zeit des Faschismus Lokomotivführer. Er ging eines Abends schlafen. In der Nacht stand plötzlich die SA/SS mit Maschinengewehren vor seinem Bett, als er erwachte, schaute er in die Mündung der auf ihn gerichteten Maschinengewehre, sie brüllten: Laut Befehl habe er einen Zug zu fahren, jetzt. Wenn er dem Befehl nicht Folge leistet, erschießen sie ihn sofort. Natürlich stand mein Onkel sofort auf und ging mit ihnen, voller Schreck und noch verschlafen. Sie brachten ihn zu dem Zug, den er als Lokomotivführer zu fahren hatte, und fuhren los. Er erhielt den Befehl, eine gewisse Strecke zu fahren, und an dem und dem Bahnhof würde er zu halten haben, dort würde die Zugfahrt enden. Als mein Onkel dann an dem bezeichneten Bahnhof hielt, musste er erschüttert feststellen, was er transportiert hatte. Er kam nach Hause, noch unter dem Schock stehend, er weinte und sagte immer wieder: „Ach hätte ich mich doch erschießen lassen. Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich mich sofort erschießen lassen …“ Sein Leben war zerstört. Ich selbst bin 1953 geboren, wie überall in den Familien wurde über diese Zeit nicht gesprochen. Jedoch erhielt ich als Kind furchtbare Eindrücke von der zerstörerischen Kraft eines Krieges. Meine Eltern vermieteten die obere Etage unseres Hauses an eine Flüchtlingsfamilie aus Schlesien, bestehend aus Vater, Mutter, Kind. Aus den Erzählungen erfuhr ich, dass die neuen Hausbewohner schon im Ersten Weltkrieg aus ihrem großen Bauerngehöft in Oberschlesien fliehen mussten. Sie ließen sich nach dem Krieg in Schlesien nieder, bauten dort wieder einen großen Bauernhof auf, jedoch mussten sie wieder im Zweiten Weltkrieg fliehen und landeten letztendlich im Münsterland, nahe der holländischen Grenze, und erhielten bei uns eine Bleibe. Der Mann war psychisch erkrankt an den Folgen der Kriege, er ging schon morgens den Weg zur Straße, ging dort hin und her und wiederholte nur noch die Worte „Ick will hem, ick will hem”, das tat er täglich. Wir Kinder waren erschüttert, wie dieser Mann litt. Seine Frau, der Inbegriff der schweigenden Güte, unterstützte ihn, wie und wo sie nur konnte, sie half meiner Mutter, die 7 Kinder hatte. Dann bekam der Mann einen Schlaganfall, er konnte nicht mehr sprechen, nicht mehr gehen, er musste gefüttert werden und so weiter. Seine Frau betreute ihn treulich und mit großer, schweigender, geduldiger Hingabe. Keine Klage kam über ihre Lippen. Dann kam die Kubakrise, anhand der Reaktion meiner Mutter war die Angst und der Schrecken eines neuen Krieges für uns erlebbar. Wir Kinder knieten tagelang im Sandkasten und beteten, bis der Kelch an uns vorüberging. M. Volmer ---------------------------------------- „Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.“ Zunächst vielen Dank für die hervorragende Idee zu diesem Aufruf. Aus den Erzählungen der Großmutter Jahrg. 1900, 6 Kinder: Im Zuge der Vertreibung aus Schlesien ging folgende Episode voraus, sinngemäß: Russischer Offizier: „Madga geh in Westen, hier wird nicht gut.“ Und das nach dem, was in Russland, unter deutscher Ägide, geschehen war. 1946 vertrieben. Nicht von Russen. Ich selbst habe in St. Petersburg die Einheimischen kennengelernt und sehr positive Erfahrungen gemacht. Europäische, insbesondere deutsche Russophobie ist widerwärtig. Ich habe keinen Reim auf diesen üblen, deutschen Revanchismus. Ukrainekonflikt hin oder her. Nur eine Perspektive auf den scheinbar ewigen, europäischen Konflikt. Rainer Mrochen ---------------------------------------- Zusammengefasst: Keine Jugend Sehr geehrte Redaktion der NachDenkSeiten, als 1954 Geborener habe ich natürlich keine direkten Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg. Allerdings haben mich die Geschichte und die Erzählungen meiner Eltern und Großeltern und meines Onkels zu einem Gegner aller dieser (…) verantwortungslosen Politversager und militaristischen, intellektuell eingeschränkten Schirmmützenträger gemacht, welche die eigene Bevölkerung als reine Verfügungsmasse betrachten, sie mit Hilfe ihrer Medien manipulieren und keinerlei Skrupel haben, diese für ihren pathologisch- narzisstischen Machterhalt zu verheizen und ihr Leben zu zerstören. Dazu: Großvater, 1897 geboren, mit 18 Jahren in den Ersten Weltkrieg nach Frankreich geschickt, das Gemetzel von Verdun erlebt, Giftgaseinsatz, unvorstellbare Grausamkeiten kennengelernt, 1918 verwundet in englische Kriegsgefangenschaft gelangt, die Ruhr überlebt. Danach nach Hause gekommen. Hungerwinter überstanden. Dann Inflation. Neuanfang mit fast nichts. Beginn Zweiter Weltkrieg. Noch nicht alt genug, also wieder an die Front nach Polen. Kriegsgefangenschaft. Überlebt. Zusammengefasst: Keine Jugend, mindestens 15 Lebensjahre durch Politverbrecher zerstört. Anderer Großvater, 1900 geboren. Damit um Ersten Weltkrieg „herumgekommen“. Im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Danach russische Kriegsgefangenschaft. Überlebt, aber mit erfrorenen Füßen nach Hause gekommen. Lebenslang gezeichnet. Ein Sohn von ihm mit 18 Jahren an die Ostfront. In der Panzerschlacht von Kursk gefallen. Der verstörende Brief seines Kompaniechefs an seinen Vater ist noch vorhanden. Mit dem ganzen Gesülze von Ehre, Vaterland und anderem sinnfreien, ekelhaften Gelaber. Sein anderer Sohn ebenso zum Zweiten Weltkrieg eingezogen. Im Afrikakorps gedient. Englische Kriegsgefangenschaft. Mit Malaria-Infektion nach Hause gekommen. Lebenslange gesundheitliche Probleme wegen Spätfolgen. Mein Vater, 1926 geboren. Mit 18 Jahren, also 1944, sofort an die Ostfront. Nach Kriegsende vier Jahre russische Kriegsgefangenschaft. Mit Knochentuberkulose nach Hause gekommen. Oberschenkelamputation. Keine Jugend erlebt, traumatisiert bis ans Lebensende. Mutter, 1926 geboren. Ihre Mutter war 1940 vor Beginn des Zweiten Weltkrieges verstorben. Dann wurden ihr Vater und ihre zwei Brüder zur Armee eingezogen, sodass sie sich mit 14 Jahren allein durchschlagen musste mit Erlebnissen, die ich hier nicht wiedergeben möchte. Damit dürfte nachvollziehbar sein, woher meine Einstellung kommt. (…) Mit vielen Grüßen an die Redaktion, D. Clauß ---------------------------------------- Beide stammten aus Ostpreußen Ich bin Jahrgang 1973 und das jüngste Kind meiner Eltern. Beide stammten aus Ostpreußen und waren Kinder, als sie mit meinen Großeltern 1944 fliehen mussten. Der Zweite Weltkrieg war ständig präsent in meiner Ursprungsfamilie, er hat alles verändert und gebrochen und hat mich in meiner eigenen Entwicklung verfolgt. Es hat einiges an therapeutischer Aufarbeitung benötigt, damit ich verstehen, verarbeiten und loslassen konnte, was meine Eltern geprägt hat. Dies ist wohl auch ein Grund, warum ich absolut gegen derzeitige Wehrpflichtmaßnahmen bin. Meine älteren Brüder haben in den 80er-Jahren den Kriegsdienst verweigert. Ich freue mich über jeden jungen Menschen, der gegen Krieg und Wehrdienst agiert. Von unserer Leserin A.P.-K. ---------------------------------------- Da hatten die ersten schon genug von Rußland… Liebe NachDenkSeiten, mein Vater hat seine Erinnerungen zum Krieg in seinen letzten Jahren niedergeschrieben. Vielleicht passen seine Zeilen, von denen ich einen Teil hier als PDF anhänge, zum „Aufruf zum 8. Mai“. Die aktuelle Kriegsgeilheit macht mich wütend. Ich wünsche uns allen, dass sich mutige Leute finden, die mit Verstand und Gelassenheit zur Diplomatie und einem friedlichen Miteinander zurückfinden … Liebe Grüße Ulrich Mathussek Und so fing es an Als am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg begann, war ich gerade 16 Jahre jung. Wir wohnten damals in Konstadt in Oberschlesien, nur wenige Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Schon Tage zuvor hatten wir die schier endlosen Fahrzeugkolonnen nach Osten rollen sehen. Als am ersten Kriegstag die Bombengeschwader über uns dröhnten, sah ich meine Mutter weinen. Ich konnte das damals nicht verstehen, aber sie hatte ja schon den Ersten Weltkrieg erlebt und dessen Schrecken immer noch in Erinnerung. Mein Vater war damals als Soldat vier Jahre in russischer Gefangenschaft in Sibirien. Die Folgen machten ihm sein Leben lang zu schaffen. Meine Sorge war damals höchstens, daß ich noch nicht alt genug war, um in den Krieg zu ziehen. Diese Sorge war aber unbegründet, denn ich habe davon noch mehr mitbekommen, als mir lieb war. Ich war gerade 18 geworden, als ich am 6. Februar 1941 zum Arbeitsdienst nach Schedlau Kreis Falkenberg einberufen wurde. Als ich von dort am 27. September entlassen wurde, lag schon meine Einberufung zu den Kradschützen nach Hirschberg im Riesengebirge zu Hause. Am 6. Oktober mußte ich dort einrücken. Unsere Ausbildung dauerte damals immer volle acht Monate, später war sie oft viel kürzer. Rußland ruft Mitte Mai 1942 wurde ein Transport nach Rußland zusammengestellt, und da war ich auch dabei. Die Fahrt nach dort dauerte zwei Wochen, denn wir standen oftmals viele Stunden auf dem Abstellgleis. In unseren Güterwagen bekamen wir bald Gesellschaft, die ersten Läuse machten sich bemerkbar. Anscheinend fühlten sie sich auch wohl bei uns, denn sie verließen uns nicht mehr. In Orscha (Mittelabschnitt) wurden wir ausgeladen. Etliche Kilometer mußten wir mit unserem schweren Gepäck laufen, da hatten die ersten schon genug von Rußland. Die Einheit, der wir zugeteilt wurden, war im vorigen sehr kalten Winter vor Moskau im Einsatz und hatte dort sehr schwere Verluste erlitten. Jetzt sollten wir die entstandenen Lücken ausfüllen. Wir gehörten jetzt zum 29. Regiment in der 3. Motorisierten Infanterie-Division, und diese war wiederum Teil der 6. Armee. Anm. d. Lesers: Meinem Vater blieb Stalingrad erspart. Er wurde verwundet und wurde erst später wieder an anderer Stelle eingesetzt. Schließlich kam er in Gefangenschaft … Als wir einmal mit einer größeren Gruppe auf Vorposten waren, kam ich am 7. Oktober 1943 in Gefangenschaft und war dann fast vier Jahre als POW in England. Dort lebten wir auf jeden Fall ruhiger und sicherer als irgendwo an der Front oder auch zu Hause in der Heimat. Wenn ich jetzt nochmal einen Krieg erleben müßte, würde ich auch weinen, denn ich weiß jetzt, wie grausam Kriege sind. Jetzt kann ich meine Mutter verstehen. ---------------------------------------- Weihnachten des Unglücksjahres 1945 Liebe Redaktion der NachDenkSeiten, … tut mir leid, aber mit ‚kurz‘ hat es leider nicht funktioniert, ist doch etwas länger geworden! Zu diesem ‚Kellerfund‘ gestatten Sie mir noch eine (kurze!) Bemerkung. Ich habe dieses Nähkästchen mit der (noch ausführlichen) Geschichte dem „Dokumentationszentrum Flucht, Vertreibung, Versöhnung Berlin“ als Dauerleihe zur Verfügung gestellt. Ich glaube, dort gehört es hin und dort ist es in guten Händen! Beste Grüße Manchmal ist es schon kurios. Urplötzlich wird man mit Dingen konfrontiert, die so nicht in den Tagesablauf passen und einiges durcheinander bringen: Ich war im Keller beim Aufräumen und hatte das alte Nähkästchen meiner Mutter schon auf den Wegwerfhaufen sortiert, als ich unten auf dem Boden etwas Bleistiftgeschriebenes entdeckte. Ich räumte alle Knöpfe und alles Sammelsurium aus und fand folgendes: > O Heimatsonne könnten wier dich grüssen > O Heimatflur so lieb, so traut so schön > O Heimaterde könnten wier dich küssen > Wer weiss, wer weiss ob wier dich wiedersehen. > > Meiner lieben Nichte, > Weihnachten des Unglücksjahres 1945. > Onkel Fritz Diesen Nähkasten hatte Fritz Titze, der Onkel meiner Mutter, für sie als Weihnachtsgeschenk selbst gebaut. „Weihnachten des Unglücksjahres 1945.“ Das „Unglücksjahr 1945“? – Ich hatte keine Ahnung. Was war passiert? Der Krieg war doch seit 9 Monaten vorbei? Meine ganze Familie kommt aus Schlesien. Meine Großeltern hatten vier Kinder. Else (meine Mutter), geboren 1914, und ihre drei Brüder, Kurt (geb. 1920), Willy (geb. 1921) und Detmar (geb. 1925). Mein Onkel Kurt wurde 1939 als erster eingezogen, zur Kriegsmarine (Minensuchboot) eingezogen. Sein Boot wurde 1944 vor Norwegen schwer getroffen. Er wurde schwer verwundet und verbrachte den Rest des Krieges in einem deutschen Lazarett. Willy wurde auch gleich mit 18 Jahren – 1939 oder 1940 – eingezogen, der jüngste, Detmar, wurde wohl erst 1943 eingezogen. Da war er gerade 18 Jahre alt! Beide haben den Russland-Feldzug mitgemacht. Beide haben den Krieg nicht überlebt. Willy ist im Juni 1944, er war damals 23 Jahre alt, in Koljugin (Sowjetunion) gefallen, sein Bruder Detmar ist 1945, da war er gerade 20 Jahre alt, in der Sowjetunion verschollen. „FÜR FÜHRER, VOLK UND VATERLAND“? Ich weiß nicht, wann und wie meine Mutter und ihre Eltern über den Tod ihrer Söhne informiert wurden. In der Familie wurde nie darüber gesprochen. Der Schmerz muß jedoch schier unendlich gewesen sein. Meine Oma Wally hat das Kriegsende nur um 10 Monate überlebt, sie wurde nur 51 Jahre alt. Mein Vater, Kurt Groll, wurde mit 27 Jahren eingezogen. Der Krieg brachte ihn bis nach Italien. Hier geriet er Anfang 1945 in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Mein Vater sagte mir einmal, das „HANDS UP!“ der Amerikaner bei der Gefangennahme waren die schönsten Worte, die er seit 5 Jahren gehört hat. Meine Mutter, meine Oma und mein Opa Herrmann waren Anfang 1945 noch in ihrem Haus in Hammerfeld, als der Rückzug der deutschen Armee über sie hinweg rollte. Wenige Wochen später packten die zurückgebliebenen Frauen, Mädchen, Kinder und alten Leute, also ganz Schlesien das letzte Hab und Gut auf Handwagen und Pferdefuhrwerke und flüchteten vor der nachrückenden Roten Armee auf dem Landweg Richtung Osten. Die Zeit muss fürchterlich gewesen sein. In unserer Familie, aber nie von meinen Eltern, wurde von Plünderung und Vergewaltigung gesprochen. Meine Oma und meine Mutter kamen bis nach Bayern, dann war der Krieg zu Ende. Sie gingen also wieder zurück nach Hammerfeld in ihr Haus. Die Rückkehr war jedoch von sehr kurzer Dauer, denn im Ergebnis des verlorenen Krieges wurden die deutschen Ostgebiete von den Siegermächten neu aufgeteilt. Das Haus, das Grundstück und sämtliches Hab und Gut aller Schlesierdeutschen wurde entschädigungslos von der polnischen Regierung konfisziert. Meine Familie machte sich dann im Herbst 1945 mit einem Handwagen auf den Weg nach Strausberg, dort fanden sie eine Unterkunft bei Verwandten. Weihnachten 1945 war das erste Nachkriegsweihnachten. In diesen 12 Monaten des Jahres 1945 liegt der ganze Schmerz meiner Familie. Eine zerrissene Familie, Verwandte, Freunde und Bekannte verloren, eine Heimat verloren, kein Zuhause, keine Habseligkeiten, keine Fotos, zwei verlorene Söhne, der dritte schwer verwundet, der Ehemann und Schwiegersohn im Kriegsgefangenenlager, ungewollte Zuzügler, Flüchtlinge, Habenichtse und keine Hoffnung mehr auf eine Rückkehr in ihre Heimat, ins Elternhaus und zu den Gräbern ihrer Vorfahren. Ich hätte und habe noch ganz viele Fragen, aber jetzt ist keiner mehr da, der sie beantwortet. In Strausberg, auf einem Grabstein der Familie stand folgender Text: > HIER LIEGEN BEGRABEN IM MÄRKISCHEN SAND > FLÜCHTLINGE AUS DEM SCHLESIERLAND PS: … und fragt mich jetzt etwa noch jemand, warum ich gegen jegliche Art von Kriegsgelüsten, Waffen und Aufrüstung bin? > „Nein, meine Söhne kriegt ihr nicht!“ (R. Mey) Wolfgang Groll Frankfurt (Oder), Mai 2026 ---------------------------------------- Hier können Sie den fünften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150632] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. Titelbild: wikicommons [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg]

Ayer - 18 min
Portada del episodio „Es war eine minimale Erleichterung, als wir die Leichen gefunden haben.“

„Es war eine minimale Erleichterung, als wir die Leichen gefunden haben.“

Der Fall von Hind Rajab ging um die Welt, da er repräsentativ zeigt, wie Kinder und Sanitäter in Gaza getötet werden. Sogar nachdem sie aus dem Leben gerissen wurde, erreicht ihre Stimme noch Menschen. Das fünfjährige Mädchen war bei der Familie ihres Onkels, als die Anordnung des IDF kam, Gaza-Stadt sofort zu verlassen. Einen sicheren Ort erreichten sie nie, denn auf der Flucht wurde das Auto ihrer Familie über 300-mal angeschossen und Hind blieb als einzige Überlebende des Massakers zurück. In ihren letzten Stunden versuchten Mitarbeiter des palästinensischen Roten Halbmond, das kleine, verängstigte Mädchen telefonisch zu beruhigen, während sie Hilfe schickten. Die aufgezeichneten Hilferufe Hinds legen heute noch Zeugnis ab, was ihr angetan wurde. Ihr Cousin Mohammed Salam Hamada ist Arzt in Frankfurt am Main und hatte der Familie den Kontakt zum Rettungsdienst hergestellt. Er sprach mit dem Journalisten Hassan Al Khalaf über den Versuch, seine Familie zu retten, darüber, wie die Menschen vor Ort versuchen zu überleben, und über die Rolle von Medizinpersonal in Gaza. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Hassan Al Khalaf: Wie haben Sie den Vorfall erlebt und wie haben Sie versucht, Ihrer Familie zu helfen? Mohammed Salam Hamada: Es war ein sehr schlimmes Erlebnis. Man fühlte sich absolut hilflos. Das Netz im Gazastreifen war größtenteils abgestürzt. Ich habe von anderen Verwandten die Info bekommen, dass sie den Kontakt zur Familie verloren haben und dass sie Hind, ihren Onkel Bashar, seine Frau und deren Kinder nicht erreichen können. Dann habe ich versucht, mit vielen Hilfsorganisationen zu telefonieren und Kontakt aufzunehmen, bis es mit dem Roten Halbmond in Ramallah geklappt hat. Es war alles nicht so einfach. Ich hatte viele schlaflose Nächte, vor allem die ersten Nächte waren wirklich katastrophal. Es war sehr schmerzhaft. Wie haben Sie sich ab dem Moment, als Sie den Kontakt zum Palästinensischen Roten Halbmond für Ihre Familie hergestellt haben, gefühlt? Vielleicht ein bisschen Erleichterung, dass endlich Hilfe geleistet werden kann, aber Sicherheit hatte ich immer noch nicht, weil die Gefahr noch besteht. Ich komme selber aus Gaza und habe dort viele Jahre gelebt. Ich weiß, was der Rote Halbmond und das Rote Kreuz leisten können. Wenn jemand helfen kann, dann sind es diese Organisationen. Deshalb war ich froh, dass ich sie erreichen konnte. Es gab mehr Hoffnung als davor. Durch Filme und Musik kennt man mittlerweile den Namen Hind Rajab, aber was sollten Menschen noch über Ihre Familie wissen? Meine Familie waren ganz normale Menschen, die versucht haben, zu überleben. Der größte Teil der Familie lebt noch dort und eigentlich wollen sie dort leben. Es ist nicht so, dass das Ganze in der Vergangenheit ist. Es geht noch weiter. Die Menschen werden immer noch bedroht. Alle Häuser von meiner Familie und vielen anderen Familien wurden zerstört. Sie leben nicht mehr in diesen Häusern. Es wurde alles besetzt. Gaza ist bis zur Hälfte schon weg. Viele Menschen lebten zuvor auf sehr kleiner Fläche und diese Fläche wurde halbiert. Was die Leute über diese Familien wissen müssen, ist, dass die Menschen dort bedroht sind, aber trotzdem versuchen, jeden Tag zu überleben. Schon vor dem Krieg war es schwer, in Gaza zu überleben. Es gibt eine Sache, die die Menschen dort relativ oft machen: Die Familienmitglieder werden untereinander zu anderen Kernfamilien geschickt. Falls eine Familie bombardiert wird, dann lebt ein Teil der Familie wenigstens weiter. So war das Schicksal von Hind, als sie bei ihrem Onkel war. Sie haben das Haus verlassen und sind zur Tankstelle, die unsere Familie betreibt, gegangen, weil sie dachten, dass sie dort sicher sind. Dann kam der Evakuierungsbefehl, und obwohl sie ihm gefolgt sind, wurden sie trotzdem getötet. Hinds Mutter Wesam wusste gar nicht, dass ihre Tochter plötzlich evakuiert werden muss. Die IDF kündigen so etwas nicht eine Woche vorher an, bevor sie intensiv bombardieren, sondern wenige Stunden, wenn überhaupt. Der Gazastreifen an sich ist eigentlich sehr klein mit nur 165 Quadratkilometern, also wohin kann man noch fliehen, wo man sicher ist? Wie erging es Ihnen, als es keine Lebenszeichen mehr von Ihrer Familie gab? Es waren schlaflose Nächte. Jedem Menschen würde es nicht so gut gehen, wenn man weiß, da sind fünf Kinder, die höchstwahrscheinlich erschossen noch für mehrere Tage im Auto liegen. Der Kontakt war verloren. Der ganzen Familie ging es nicht so gut und wir haben uns große Sorgen gemacht, dass sie entführt wurden, dass wir sie nie wiedersehen, dass sie es wahrscheinlich überlebt haben und woanders verschleppt wurden. Ob sie getötet wurden, wussten wir damals nicht. Wir haben versucht, mit vielen Organisationen Kontakt aufzunehmen. Es gab keine einzige Info, bis wir die Leichen gefunden haben. Diesen Tag werde ich nie vergessen. Es war der absolute Horror für uns. Es wurde ein Rettungswagen zum Tatort geschickt. Dieser Rettungswagen wurde dann bombardiert und man konnte diesen Ort nicht besuchen. Er wurde vom israelischen Militär zum Sperrgebiet erklärt. Erst nach über neun Tagen konnte man endlich dahin, und man hat die Leichen im Auto gefunden. Es war ein sehr schlimmes Erlebnis. Natürlich war ich traurig, aber es war eine minimale Erleichterung, als wir die Leichen gefunden haben. Das kann man nicht verstehen, wenn man nicht selber aus einem Kriegsgebiet kommt. In vielen anderen Situationen haben die Leute aus Gaza ihre Familienangehörigen verloren und die Leichen nicht gefunden. Viele wissen nicht mal, wo sie sind, ob sie entführt oder getötet wurden. Wir waren absolut traurig, dass sie getötet wurden, aber als die Leichen gefunden wurden, wussten wir endlich, was mit ihnen passiert ist. Hatten Sie persönlich Hoffnung, dass Hind und Ihre Familie sicher sein werden, wenn sie den Anordnungen des IDF zur Evakuierung folgen? Die Familie hat alles gemacht, was ihnen gesagt wurde, aber gebracht hat es nichts. Als plötzlich die Anordnung zur Evakuierung kam, haben sie die Anordnung sofort befolgt, und am Ende wurden trotzdem alle getötet. Meine Mitmenschen und mehrere Hundert Leute werden getötet, vor allem Kinder. Kinder können nur Zivilisten sein, also wie soll ich da der IDF vertrauen? Natürlich vertraue ich diesen Menschen nicht. Von Sicherheit ist nicht die Rede in Gaza. Sogar die Hilfsorganisationen, die Botschafter, die Diplomaten, gar keiner fühlte sich sicher in Gaza. Weder meine Familie noch alle anderen Familien. Es gibt unendliche Berichterstattungen von Zivilisten und ziviler Infrastruktur, die bombardiert wurden. Wie haben Sie vom Tod Ihrer Familie erfahren? Wir haben uns als Familie jeden Tag erkundigt, ob es möglich ist, das Auto zu erreichen. Es ist eine große Straße, wo es passiert ist. Unsere Tankstelle liegt auch in der Nähe, deshalb kennen sie den Ort sehr gut. Als die IDF an diesem Ort waren, war es nicht möglich. Keiner konnte rein oder raus. Als sie abgezogen sind, konnte meine übrige Familie endlich das Auto erreichen. Sie haben das Auto und die Leichen direkt erkannt. Wir haben mit der Familie telefoniert, und so habe ich es direkt von den Familienmitgliedern erfahren. Es gibt keinen einzelnen Tag, an dem ich nicht an sie denke. Wie geht es Hinds Mutter und den restlichen Überlebenden? Für alle, die aus Gaza kommen oder in Gaza leben, ist es eine harte Zeit. Auch für die Angehörigen, die im Ausland leben, ist das alles noch nicht vorbei. Wir leben in einer absoluten Ausnahmesituation, und uns allen geht es nicht sehr gut. Die Bedrohung besteht noch. Gerade beim Fall von Hind würde sich jeder Mensch nicht gut fühlen, nachdem man so etwas erlebt und mitbekommen hat. Wenn man die Videos von Hind sieht oder die Aufnahmen vom Telefonat hört, erkennt man, dass sie ein sehr begabtes Kind ist. Es tut ihrer Mutter Wesam weh, das eigene Kind zu verlieren. Gleichzeitig kümmert sie sich um ihren Sohn, Hinds kleinen Bruder. Das ist keine leichte Sache, die man in Jahren verarbeiten kann. Jeder, der seine Kinder liebt, versteht das. Sie ist immer noch in dieser Phase, wo sie posttraumatisiert ist, denn es war ein sehr großes Trauma für sie. Sie ist dabei, das Ganze noch zu verarbeiten. Auch Amir hat seine ganze Familie verloren. Er musste mit Anfang 20 seinen Vater, seine Mutter und seine vier Geschwister verlieren, die im selben Auto waren. Stell dir vor, wie es diesem Menschen geht. Er studiert seit zwei Jahren in der Türkei und war deshalb nicht dort. Was ist es für ein Gefühl für Sie als Arzt, zu wissen, dass die IDF auch auf Sanitäter und Medizinpersonal schießt? Mediziner und Sanitäter sind absolute Helden, gerade in Gaza. Sie werden tagtäglich bedroht, und diese Bedrohungen werden mehrmals realisiert, auch in diesem Fall von den beiden Sanitätern. Über den Roten Halbmond wurde die Kontaktaufnahme mit der IDF organisiert, damit die Sanitäter zum Auto können. Sogar die Route wurde vorher der IDF mitgeteilt. Es sollte eigentlich nur ein paar Minuten dauern, Hind zu retten. Wie ich auch hatten die IDF sogar die Nummern von den beiden Sanitätern. Es wurde alles organisiert, und trotzdem wurden sie angegriffen. Diese Menschen wissen, dass ihnen so was passieren könnte, und trotzdem haben sie ihr Leben riskiert. Es ist absolut heldenhaft, was sie gemacht haben – auch die anderen Kollegen dort. Ich kriege Nachrichten, was die Ärzte in ganz Gaza leisten. Wie viele Tage sie in Krankenhäusern verbracht und ihre Familien mitgenommen haben. Sie haben einfach im Krankenhaus gelebt, weil sie nicht raus konnten. Es ist kaum zu beschreiben, was sie geleistet haben. Es ist absolut großartig, aber gleichzeitig ist es auch katastrophal und kaum zu glauben, was die IDF mit ihnen gemacht haben. Sind Sanitäter und Rettungswagen sicherer, wenn Sie dem IDF ihre Koordinaten mitteilen? Dieses Beispiel zeigt das genaue Gegenteil. Sie befolgten die Anordnung. Bevor sie in ein Einsatzgebiet der IDF müssen, müssen sie es ihnen vorher mitteilen, was sie auch taten. Bei einem anderen bekannten Fall wurde in Rafah sogar gefilmt, wie sie beschossen wurden. Von der IDF wurde es natürlich bestritten, aber als die Videos veröffentlicht wurden, gab es keine Konsequenzen. Sie sind gezwungen, der IDF ihre Koordinaten mitzuteilen, aber es bringt nicht mehr Sicherheit, sondern gefährdet sie noch mehr. Was haben Sie erlebt, als Sie in Gaza gelebt haben? Ich habe 19 Jahre in Gaza gelebt und ich kannte die Straße, wo all das passiert ist, gut. Dort habe ich mehrere Kriege von 2006, 2007, 2008 und 2012 erlebt. Beim Krieg von 2014 war ich schon in Deutschland, aber meine Familie war noch dort, und so habe ich es weiterhin miterlebt. Man kann sich nicht total trennen, wenn die eigene Familie weiterhin dort ist. So habe ich weitere Kriege mitbekommen, wie auch den von 2021. Ich wollte Medizin studieren und hatte einen Verwandten in Deutschland, der mir empfohlen hat, es hier zu machen. Die Anreise hat zuerst nicht sofort geklappt, weil die Grenze zwei Monate durchgehend geschlossen war. Das war ein Rekord damals. Reibungslos läuft nichts in Gaza, aber Gott sei Dank hat es am Ende geklappt und dann bin ich rausgekommen. Wen haben Sie noch in diesem Krieg verloren? Es gibt natürlich den Vorfall mit Hind, aber auch viele andere Vorfälle, über die in den Nachrichten nicht berichtet wurde. Von Freunden, Verwandten und Bekannten kann ich nicht mehr zählen, wenn ich ehrlich bin. Extrem viele Menschen. Wenn ich zählen müsste, hätte ich Angst, jemanden zu vergessen. Da wäre die Familie, die mit Hind war, mein Bruder und sehr viele Freunde und Nachbarn. Im Haus meiner Tante hatten ihre drei Söhne und zwei Töchter mit all ihren Kindern Zuflucht gesucht, als sie bombardiert wurden. Keiner hat überlebt. Was für eine Bedeutung hat Hind Rajabs Anruf nach ihrem Tod? Es ist wichtig, um der Welt zu zeigen, was passiert. Es gibt über tausend Kinder, die getötet wurden und Ähnliches wie Hind Rajab erleben mussten. Kinder, die viele Tage verletzt unter bombardierten Häusern lagen. Deshalb ist es wichtig, dass dieses Telefonat die Welt daran erinnert, dass diese Kinder in Palästina getötet werden. Noch schlimmer ist, dass das alles geleugnet und keine Verantwortung getragen wird. Glauben Sie, dass amerikanische oder israelische Ermittlungen Konsequenzen nach sich ziehen? Was soll da ermittelt werden? Die tun so, als ob sie nicht wissen, wer so etwas getan hat. Als ob sie etwas unternehmen werden und als ob das ein einzelner Fehler war. Im Gegenteil sogar. Die wissen zweifellos, wer es war. Wenn du 335-mal auf jemanden schießt, dann ist das kein Fehler. Die Verantwortlichen werden eher geschützt. Wie stehen Sie zur Hind Rajab Foundation? Jede Organisation, welche die Täter verfolgen und zur Rechenschaft ziehen kann, finde ich sehr gut. Die Foundation leistet prinzipiell eine sehr gute und wichtige Arbeit. In Brasilien, Argentinien und anderen Ländern haben mögliche Täter Urlaub gemacht und sie sollten von der Polizei festgehalten werden, aber sie sind einfach verschwunden. Die waren nicht mehr in dem Land zu finden, deshalb erwarte ich nichts. Es sind Versuche der Hind Rajab Foundation und anderen Organisationen, um Druck aufzubauen, aber die Sache ist politisch sehr aufgeladen. Die Politik kann mehr leisten als Gerichtshöfe, aber sie machen nicht das, was sie machen sollten. Politisch, nicht ethisch gesehen, wie profitieren sie davon? Man sieht, was mit Südafrika gemacht wird, weil sie Palästina unterstützt haben. Von den USA bekamen sie finanzielle Konsequenzen, um andere Länder einzuschüchtern. Können Sie sich erklären, wieso der Fall in Deutschland kaum Berichterstattung erhielt im Vergleich zum englischsprachigen Raum? Ich kann es mir nicht erklären. Ob die deutschen Journalisten darüber berichten oder nicht, es ist jetzt ein weltweit bekannter Fall. Die Wahrheit wird ihren Weg finden, auch wenn sie darüber nicht berichten. Was löst der Kindheitswunsch von Hind, selbst Ärztin zu werden, in Ihnen aus? Es wäre schön gewesen, wenn Sie die Chance gehabt hätte. Dieser ganze Krieg fühlt sich sehr komisch an. Ich liebe meinen Job und tue ihn sehr gerne, aber es ist sehr seltsam, dass ich hier in Deutschland ärztliche Leistungen problemlos durchführen kann, aber gleichzeitig können die einfachsten Sachen in meiner Heimat nicht durchgeführt werden. Es gibt Aufnahmen von einem ärztlichen Kollegen aus Gaza, der das Bein seiner Tochter ohne jegliche Anästhesie, ohne jegliche Betäubung, amputiert hat. Jeder Mensch auf dieser Welt, wo wir leben, hat das Recht, dass so was schmerzfrei passiert. In erster Linie hätte ihr so was nie passieren dürfen. Sie wurde durch den Krieg verletzt, und deshalb hat sie ihr Bein verloren. Wenn sie schon verletzt wird, muss sie es wenigstens weniger schmerzhaft erleben. Zu dieser Zeit durften leider keine Betäubungsmittel in den Gazastreifen importiert werden, und das ist kein Einzelfall. Es gibt viele solcher Extremfälle. Ich bekomme oft von Familienangehörigen und Bekannten Fragen, weil ich Arzt bin, was man tun kann und wie man gewisse Krankheiten diagnostizieren kann. Im ganzen Gazastreifen gibt es keine MRT-Geräte mehr. Es ist absolut katastrophal, dass nicht mal ein so gängiges und notwendiges diagnostisches Mittel, dass in Deutschland jeden Tag mehrere Tausend Male benutzt wird, vorhanden ist. Wie versuchen Sie als Arzt, den Menschen aus Gaza, die Sie kontaktieren, zu helfen? Wenn man ehrlich ist, ist die einzige Lösung vernünftige Diagnostik und dementsprechend vernünftige Therapien. Aktuell gibt es das im Gazastreifen nicht. Ein guter Freund von mir hat Schilddrüsenkrebs bekommen, und alles, was er braucht, ist eine Überweisung an ein gutes Krankenhaus in Ägypten, wo er eine adäquate Therapie erhält, aber es ist aktuell nicht möglich. Insgesamt ist es sehr frustrierend. Der letzte Bekannte, der mich gefragt hat, beklagt eine Überfunktion seiner Schilddrüse. Man könnte es so simpel mit Medikamenten therapieren, aber diese Medikamente gibt es in Gaza nicht. Obwohl er noch um die 30 ist, hat er schon starke Symptome wie hoher Puls und hoher Blutdruck. Im schlimmsten Fall kann das zum Herzstillstand führen, wenn man es nicht therapiert. Das war nur ein Beispiel von extrem vielen Beispielen. Ein junger Mensch mit Problemen in den Gelenken hat mich auch um Rat gebeten. Man müsste nur eine relativ kleine Operation durchführen und dann könnte er ein relativ normales Leben führen, aber es fehlen die Mittel dafür. Wenn er nicht behandelt wird, muss er lebenslang hinken und es besteht das Risiko auf Arthrose im jungen Alter. Es fällt mir schwer, den Menschen zu sagen: „Du könntest daran sterben.“ Wie gehen Sie damit um, wenn Sie schlechte Nachrichten überbringen müssen? Ich versuche immer, mit den Mitteln, die sie vor Ort haben, zu arbeiten. Die Menschen aus Gaza sind nicht so einfach unterzukriegen. Sie sind in der Regel trotzdem noch hoffnungsvoll und motiviert. Im Gegenteil, sie geben mir die Hoffnung. Es sind einfach starke Menschen, von denen man vieles lernen kann. Gott sei Dank habe ich nie jemandem gesagt, dass ich ihnen nicht helfen kann, auch wenn es ein sehr komplexer Fall ist und es sehr wenig Hoffnung gibt. Wenn es wirklich schlimm ist, bleibe ich mindestens neutral. Dann erkläre ich, was der Fall ist, was es bedeuten kann und was für Eventualitäten es gibt. Wir bleiben immer optimistisch. Über den Interviewpartner: Mohammed Salem Hamada ist Arzt in einer Frankfurter Klinik und befindet sich in der Weiterbildung zum Orthopäden. Der Palästinenser ist in Gaza geboren und verließ seine Heimat 2014, um Medizin zu studieren. Er stellte 2024 Verwandten, die unter Beschuss des IDF standen, den Kontakt zum Palästinensischen Roten Halbmond her und versucht heute noch aus der Ferne, die Menschen in Gaza gesundheitlich zu beraten. Titelbild: Diane Krauthamer / Flickr

Ayer - 18 min
Soy muy de podcasts. Mientras hago la cama, mientras recojo la casa, mientras trabajo… Y en Podimo encuentro podcast que me encantan. De emprendimiento, de salid, de humor… De lo que quiera! Estoy encantada 👍
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La App va francamente bien y el precio me parece muy justo para pagar a gente que nos da horas y horas de contenido. Espero poder seguir usándola asiduamente.

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