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Sachcomic über die Manosphere: „Strong Men“ – Warum demonstrative Männlichkeit nicht stark ist

4 min · 9 de jun de 2026
Portada del episodio Sachcomic über die Manosphere: „Strong Men“ – Warum demonstrative Männlichkeit nicht stark ist

Descripción

ÜBERKOMPENSATION VON FRAGILER, UNSICHERER MÄNNLICHKEIT „Strong Men“ – starke Männer, so heißt der Comic von Meikel Mathias. Ein doppeldeutiger Titel, denn der sogenannte „starke Mann“ ist in der Politik auch immer ein Synonym für den autoritären, starken Lenker. Bestes Beispiel: Donald Trump, der das Prinzip „Strong Man“ in der Politik lebt. “We are having a big fight!” –  einen großen Kampf kündigte Donald Trump für den 14. Juni an: An seinem 80. Geburtstag soll vor dem Weißen Haus ein „Mixed-Martial-Arts-Wettkampf” stattfinden. Das bedeutet: stundenlanges, blutiges Gerangel in einem Käfig. Was für manche die ultimative Performance starker Männlichkeit symbolisiert, steht für den Comiczeichner Meikel Mathias für das Gegenteil, nämlich für „… performative Männlichkeit, die Donald Trump verkörpert, und auch diese extrem fragile, unsichere Männlichkeit, die ständig überkompensiert werden muss“. DIE GESCHICHTE DER „STRONG MEN“ Mit dieser „performativen Männlichkeit“, ihren Auswüchsen und ihrer zerstörerischen Kraft beschäftigt sich Meikel Mathias in seinem Sachcomic „Strong Men“. Von Alexander dem Großen bis hin zu Andrew Tate, dem in Großbritannien wegen Vergewaltigung und Menschenhandel angeklagten Männlichkeits-Influencer. Was beide gemeinsam haben? Sie stehen für eine Männlichkeit, die dominiert und kontrolliert: die Menschen um sie herum oder den eigenen Körper. Anhand zahlreicher Beispiele zeigt Meikel Mathias auf, wie Männlichkeit von der Performance lebt. Von der eigenen Aufwertung und der Abwertung anderer. Etwas, das man sehr gut verkaufen kann. Das wusste in den 1930er-Jahren auch der Bodybuilder Charles Atlas. In Zeitungsanzeigen machte er sich über schmächtige Männer lustig. Die Lösung: Kauf das Fitnessprogramm von Charles Atlas und werde zum richtigen, starken und wehrhaften Mann! Das Erfolgsrezept ist, Leute in ihrer Männlichkeit zu verunsichern, um ihnen anschließend die Lösung als Produkt oder als Dienstleistung zu verkaufen.  MANFLUENCER WIE SCHRÄGE SIMPSONS-FIGUREN Meikel Mathias zeichnet die Manosphere wie einen Cartoon. Seine reduzierte Bildsprache gibt seiner umfangreichen Recherche eine klare Form. Er bietet den prominentesten Vertretern der „Strong Men“ – wie etwa Donald Trump, Andrew Tate oder dem Verschwörungserzähler Alex Jones – keine Bühne, sondern demaskiert gekonnt ihre Strategien. In den Primärfarben Rot, Blau und Gelb sehen die zerstörerischen Manfluencer aus wie schräge Simpson- oder Lego-Figuren. Witzfiguren, die aber auch den Witz toxisch machen, erklärt Meikel Mathias: „Humor und Memes verschieben die Grenzen des Sagbaren. […] Wenn man es als einen Witz verpackt, dass Frauen weniger wissen oder weniger können, humoristisch, dann ist es viel leichter diese Message indirekt rüberzubringen. Deswegen sind Memes so machtvoll.“ BEWUSSTSEIN FÜR DIE INSZENIERUNG SCHAFFEN Und je mehr sie verbreitet werden, desto mehr bleiben diskriminierende, abwertende oder rechtsextreme Aussagen hängen und vergiften den gesellschaftlichen Diskurs. Meikel Mathias wünscht sich hier ein viel größeres Bewusstsein dafür, „… dass es natürlich alles eine Inszenierung ist. Und dass die ganzen Leute, die man vorfindet, das ist eine Performance von einem Männlichkeitsideal, was so nicht existiert.“ Für ihn ist es extrem wichtig, das den Leuten vor Augen zu halten und zu sagen:  „Das, was ihr da seht, ist wie ein Schauspieler in einem Film, das ist nichts, was real ist.“ Vielleicht ist die Performance nicht real, aber die Konsequenzen sind es: für alle, die für die zerstörerischen Strong Men nicht als „Strong Men“ gelten und sogar für die Demokratie. Wie, das zeigt Meikel Mathias in seinem Sachcomic auf unterhaltsame und kluge Weise.

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Portada del episodio Lauter Hass - Antisemitismus als popkulturelles Ereignis

Lauter Hass - Antisemitismus als popkulturelles Ereignis

Antisemitische Parolen in der Popmusik – leider kein Einzelfall. Beispiele sind Xavier Naidoo, der mehrfach antijüdische Verschwörungstheorien verbreitet hat, oder Roger Waters, Mitbegründer der Gruppe Pink Floyd, der auf Konzerten offen israelfeindliche Parolen skandierte. Und es gibt noch mehr Beispiele. Das Festival About Pop, an dem auch SWR Kultur beteiligt ist, beginnt am Freitag in Stuttgart und untersucht dieses Phänomen. Mit Konzerten, aber auch mit Diskussionen und Vorträgen. Die Politikwissenschaftlerin Maria Kanitz hat zusammen mit dem Sozialwissenschaftler Lukas Geck bereits zwei Bücher zu dem Thema geschrieben. ANTISEMITISMUS IN DER POPKULTUR IST KEIN RANDPHÄNOMEN Kanitz sagt: „Spätestens seit dem 7. Oktober hat sich eine Radikalisierung bei bestimmten Künstlerinnen und Künstlern gezeigt. Die Boykotte sind stärker und massiver geworden.“ Auch Drohungen seien stärker geworden, einige jüdische Künstlerinnen und Künstler hätten die Branche sogar verlassen. SENSIBILISIERUNG DURCH WORKSHOPS Kanitz fordert, die Aufmerksamkeit stärker auf die verschiedenen Formen von Antisemitismus zu richten, zum Beispiel durch Schulungen und Workshops für Festival- und Konzertveranstalter. „Viele sind im Moment einfach hilflos und in einer Art Schockstarre, weil sie diese Narrative nicht verbreiten wollen, aber wie geht man damit um?“, fragt Kanitz. Man dürfe nicht alles unter Kunstfreiheit subsumieren, es müssten klare Grenzen definiert werden.

12 de jun de 20266 min
Portada del episodio US-Komikerin zu Trumps Geburtstagsparty: Gladiatorenkämpfe wie im alten Rom

US-Komikerin zu Trumps Geburtstagsparty: Gladiatorenkämpfe wie im alten Rom

DER WÜRDE DES PRÄSIDENTENAMTES NICHT ANGEMESSEN Diese Inszenierung der Geburtstagsparty erinnere sie an die Gladiatorenkämpfe im alten Rom. Mit der Würde des Präsidentenamtes habe das nichts zu, die sei „futsch“, so Tufts in SWR Kultur. Trump wisse sehr gut: Dieses „krasse, old-school-amerikanische Entertainment, wie Vaudeville, Wrestling, Zirkus, mit so einem dreckigen Touch“ komme gut an bei seinen MAGA-Anhängern. „ER IST EIN MARKTBESESSENER REALITY-TV-STAR“ Was heißt das für Tufts als Entertainerin? „Ich bin wahnsinnig traurig über diesen Mann, dass er Präsident werden konnte. Er ist ein marktbesessener Reality-TV-Star. Ich finde: das ist so schlimm und traurig.“ Tufts: „In meinen Shows mache ich Witze über mich selbst, dass ich ein bisschen ahnungslos bin [ …], was kann ich jetzt tun? […] Auf der anderen Seite singe ich traurige Balladen. Heulen ist auch gut.“ Tufts weiter: „Musik, Tanzen, Schreien, zusammen mit anderen Leuten – „fight the power“ – das hilft alles. Es gibt immer noch gute Dinge aus Amerika: Burgers, Mini-Golf, Meryl Streep and me.“

12 de jun de 20265 min
Portada del episodio Ausstellung Bloom up! in Baden-Baden – Wie haben Blumen die Kunst geprägt?

Ausstellung Bloom up! in Baden-Baden – Wie haben Blumen die Kunst geprägt?

ALTE BAUERNSCHRÄNKE AUS DEM SCHWARZWALD Die Ausstellung beginnt mit einem Augenzwinkern: Im großen Saal der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden stehen fünf alte Bauernschränke aus dem Schwarzwald – also das, was man erwartet von einem „Badischen Landesmuseum“, das ja für die nächsten fünf Jahre „als Untermieter“ in die Kunsthalle eingezogen ist. Die mit vielen Blumen verzierten Schränke gehörten im 19. Jahrhundert zur Mitgift wohlhabender Schwarzwälder Bauernfamilien. Liebe spielte damals bei den Hochzeiten wohl kaum eine Rolle. Und deswegen hat das Künstlerpaar Petrit Halilaj und Alvaro Urbano – als Kontrapunkt und Zeichen seiner Liebe – zwei riesige Blumen gestaltet, die jetzt im großen Saal über den Schränken schweben. KONTRAPUNKT VON ALT UND NEU Ein Beispiel dafür, wie diese Ausstellung funktioniert: Alte kulturhistorische Objekte werden von zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern neu befragt und regen zu neuen Arbeiten an, erklärt Kuratorin Christina Lehnert. Die norwegische Künstlerin Sissel Tolaas hat sich zum Beispiel das sogenannte „Dorotheen-Fenster“ von Hans Baldung Grien ausgesucht. Laut der christlichen Heiligenlegende wurde der heidnische Bräutigam von Dorothea durch himmlischen Blütenduft zum Christentum bekehrt. Sissel Tolaas forscht schon lange zu Gerüchen und kreierte eigens einen passenden Blumenduft zur Dorotheenlegende, der in der Ausstellung aus kleinen weißen Sitzhockern strömt. TRAUERNDE MARIENFIGUR, NEU INTERPRETIERT Auch die Künstlerin Ketuta Alexi-Meskhicvilli hat sich ein christliches Kunstwerk ausgesucht: „Es ist eine Holzskulptur aus dem späten 14. Jahrhundert. Eine Pietà. Also Maria, die den toten Körper ihres Sohnes, Jesus, in den Armen hält und betrauert. Aber Maria trägt hier nicht, wie sonst meist üblich, einen blauen Umhang über dem Kopf, sondern einen weißen mit vielen roten Rosen und Tulpen, wie als Symbol der Liebe und des Lebens. Obwohl es eine Todesszene ist, glaube ich, dass hier eine gewisse Hoffnung drinsteckt.“ An das Gefühl der Hoffnung und der Trauer konnte die georgische Künstlerin gut anknüpfen. Denn seitdem sowjetische Truppen im Frühling 1989 friedliche Proteste in Tiflis blutig niedergeschlagen haben, gelten dort rote Tulpen als Symbol des Widerstands. Ketuta Alexi-Meskhicvilli hat deswegen neben die spätmittelalterliche Pietà ihre experimentellen Fotoarbeiten mit Tulpenmotiven gehängt. BLUMENBOUQUETS INTERNATIONALER KONFERENZEN Dass die Sprache der Blumen auch diplomatisch genutzt werden kann, greift die US-amerikanische Künstlerin Taryn Simon auf. Sie reinszeniert in ihren Fotoarbeiten Blumenbouquets, die internationale Konferenzen schmückten. Sie dechiffriert die Symbolik der Farben, die sich oft an Nationalflaggen orientiert oder an der Auswahl der Blumenarten, die in den Ländern der Gäste wachsen. Ihren Arbeiten gegenüber hängt eine prachtvoll mit Blumen und Kronen bestickte Seidendecke aus dem Schloss der badischen Herrscherfamilie. HISTORISCHE KUNST IN EIN NEUES LICHT GERÜCKT Museumsdirektor Eckart Köhne sieht die Sammlung aus dem Badischen Landesmuseum nicht nur als Inspirationsquelle für aktuelle Kunst. Die historischen Objekte würden durch die Ausstellung in ein anderes Licht gerückt und aufgewertet werden: „… Die Objekte sind auch ästhetisch ganz anders wahrnehmbar … Es tut den Objekten wirklich gut, mal so gesehen zu werden.“ DER DIALOG ZWISCHEN ALT UND NEU FUNKTIONIERT NICHT IMMER Doch nicht alle neun Dialogräume funktionieren gleich gut, oft ist der Bezug zu lose oder zu gewollt. Und ein ganz wichtiger Aspekt, nämlich der, dass Blumen, die bei uns in den Vasen landen, meist unter extrem gesundheits- und umweltschädlichen Bedingungen gezüchtet und um die halbe Welt geflogen werden, fehlt leider ganz. Alles in allem aber ein interessantes Experiment. Diesmal hat der Dialog zwischen alt und neu gut funktioniert. Bei den folgenden Ausstellungen wird sich zeigen, ob das Konzept – wie geplant – dauerhaft trägt.

12 de jun de 20264 min
Portada del episodio Neues Album der Sportfreunde Stiller: „Happy Birthday“ – zwischen Hurra-Punk und Stillstand

Neues Album der Sportfreunde Stiller: „Happy Birthday“ – zwischen Hurra-Punk und Stillstand

IMMER OPTIMISTISCH, MEISTENS IN DUR Er ist schon irgendwie bewundernswert, dieser durch nichts zu trübende Optimismus der Band Sportfreunde Stiller aus München. Diese Musik, für die mal jemand die treffende Bezeichnung „Hurra-Punk“ geprägt hat, treibt unbeirrbar voran, nicht viel mehr als drei Akkorde, fast immer in Dur. Wo sie herkommt, diese positive Gestimmtheit in einer Zeit, die nicht allzu viel Grund dafür bietet? Anscheinend ist diese Band so etwas wie ein „Perpetuum mobile“ und speist sich aus sich selbst, das legt jedenfalls der zweite Song – „Wir laden uns auf“ –  des neuen Albums „Happy Birthday“ nahe. EINFACH IMMER WEITERMACHEN, OHNE NACHZUDENKEN? Woraus sie sich aufladen, die Sportfreunde Stiller, das hätte man dann aber doch schon gerne erfahren, der Song verrät es nicht. Ist ihr Geheimnis vielleicht, nie nachzudenken, einfach immer weiterzumachen? Ähnlich der Hummel, die angeblich nur deshalb fliegen kann, weil sie nicht weiß, dass sie es eigentlich gar nicht kann? Leider ist es ausgesprochen unoriginell, dieser Band wieder einmal ihre simplen Arrangements und die unterkomplexen Texte vorzuwerfen. Das tut das Feuilleton ja schon fast so lange, wie es die Sportfreunde Stiller gibt, nämlich seit 30 Jahren. BEWUNDERNSWERTER OPTIMISMUS? Doch sie machen es einem nicht leicht. Vielleicht versuchen wir es also mal mit Bewunderung, nicht nur für den Optimismus dieser Band, sondern auch für ihr Selbstbewusstsein – wenn sie sich hier einfach mal mit dem Titel „Happy“ selbst zum Geburtstag gratulieren. In dem Song geht es dann wirklich um nichts anderes als um den Wunsch, die geliebte Person happy zu sehen. Ein bisschen Nachdenklichkeit wird zwischendurch eingestreut mit dem Song „Ohne Regen keine Blumen“, der darauf hinweist, dass es für die Blumen ja auch nicht so gut wäre, wenn immer nur die Sonne schiene. „Auf deinem Balkon“ heißt eine Ode an den Sommer in der Stadt, in der die mittlerweile Ü‑50‑Jährigen davon singen, betrunken vom Balkon auf die Straße zu kotzen. Und zum Schluss ermahnen uns die Sportfreunde Stiller noch mit „Vergiss mir die Zukunft nicht“. Was genau sie damit meinen, bleibt unausgesprochen. Eine der Mythen um die Band Sportfreunde Stiller ist ja, dass sie ursprünglich eigentlich nur ein einziges Konzert spielen und dann wieder aufhören wollten. Sie wurden aber dazu überredet, weiterzumachen. ENGAGEMENT GEGEN NAZIS Vielleicht kann man so einer Band außer Willensschwäche gar nichts weiter vorwerfen. In den stolzen 30 Jahren ihres Bestehens haben diese drei im Grunde sehr sympathischen Typen auch einiges Gutes geschaffen, zum Beispiel ihr Engagement gegen Nazis. Nach den zehn Songs auf „Happy Birthday“ klappt das dann aber doch nicht so richtig mit der Bewunderung. Es bleiben eher Ratlosigkeit, und ein gewisses Staunen. Dieses Vermeiden jeder geistigen Anstrengung im Text und in der Musik, dieser völlige Verzicht auf Anspruch an das Publikum und sich selbst, das ist zum 30. Bandgeburtstag wirklich etwas schwach. Ja, „Hurra-Punk“, das trifft es ganz gut.

12 de jun de 20263 min