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Acerca de SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts
Alexander Clapps Buch ist schwere Kost, denn es hinterlässt ein schlechtes Gewissen, weil wir so viel wegschmeißen. Der Journalist beschreibt, was er auf der Spur unserer alten Handys, Fernseher oder Zahnpastatuben erlebt hat: In Accra, der Hauptstadt des westafrikanischen Ghana, trifft er in einem Slum namens Agbogbloshie zum Beispiel auf Folgendes: > Über den rund fünf Meter breiten Weg donnern unentwegt Fahrzeuge. Jeden Morgen karren sie Hunderte Tonnen von verbeulten Geräten (Deckenventilatoren, Waschmaschinen, Motoren von Motorrädern, Kühlschränke und so weiter) nach Agbogbloshie, und jeden Nachmittag karren sie wertvolle Metalle wieder hinaus. Innerhalb von zehn Stunden werden Rohstoffe entnommen, und zurück bleiben Berge von Abfall und ein Handgeld für die Arbeiter. Unter meinen Füßen knirschen die Scherben von Computerbildschirmen, zerbrochene Handyhüllen und Computermäuse. > > > Quelle: Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts Einer der Arbeiter ist Awal. Seine Aufgabe ist es, den nicht verwertbaren Plastikschrott zu verbrennen. Durch das Feuer, das stinkenden, schwarzen Rauch erzeugt, wird außerdem die Ummantelung von Kupferkabeln abgeschmolzen. Drei Dollar erzielt der Familienvater im Schnitt pro Tag für das Kupfer. TÖDLICHER ELEKTROSCHROTT > In den acht Jahren, in denen er Elektrogeräte verbrannte, hatten glühende Metallstücke und umherfliegende brennende Plastikteile zahllose Narben auf seinen Händen, seinen Füßen und seinem Hals hinterlassen. Es gebe Tage, an denen er seine Arme oder Beine kaum bewegen könne; sie würden festgehalten von einem brennenden Gefühl. Und nachts wache er gelegentlich auf und huste Blut. > > > Quelle: Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts Auf der Krankenstation, mit deutscher Entwicklungshilfe gebaut, konnte man nichts für Awal tun. Er ist 24 Jahre alt. Zehntausende junger Männer wie Awal bringen Ghana mit dem Zerlegen unseres Elektroschrotts dringend notwenige Devisen ein: > Tatsächlich schickt das Ausland – nicht nur vollkommen legal, sondern auch noch gefördert durch internationale Institutionen wie die Welthandelsorganisation und den Weltwährungsfonds – alte Elektrogeräte, die angeblich noch funktionsfähig sind. Wenn Recyclingunternehmen oder Müllmakler aus Deutschland oder Kanada Millionen ausgemusterter Handys oder Deckenventilatoren nach Ghana verschiffen, dann denken sie möglicherweise nicht einmal daran, dass sie damit ihren Müll in Westafrika abladen. > > > Quelle: Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts ELEKTROSCHROTT – EIN MODERNES BERGWERK Vielmehr glauben manche, sie brächten dem armen Land gebrauchte Geräte und damit ein Stück Fortschritt. Doch das, so hat es Alexander Clapp erlebt, sei falsch. Was da angeliefert werde, diene als modernes Bergwerk: Es werden Edelmetalle daraus gewonnen und für neue Handys oder Ventilatoren postwendend exportiert. Das rechnet sich, weil Menschen wie Awal keine andere Einkommensquelle haben und für einen Hungerlohn ihr Leben aufs Spiel setzen müssen. Mit dem Märchen, Recycling sei ein umweltfreundlicher Prozess, räumt Clapp gründlich auf. Das führt er nicht nur am Elektroschrott, sondern genauso deutlich am Beispiel alter Kreuzfahrt- und Containerschiffe in der Türkei und der Plastikverwertung in Indonesien vor. Auf Java führen einige Dörfer sogar Krieg um Tüten oder Tuben, die sie zu Plastikflocken schreddern. Tofufabriken nutzen die dann als Brennmaterial. Wissenschaftler stellten fest: > Dass ihre Öfen auch nicht annähernd die Temperaturen erreichen, die nötig sind, um die giftigen Zusätze im Plastikmüll zu zerstöre, ... die in modernen Kunststoffen verwendet werden. Diese Giftstoffe gelangten stattdessen in den Tofu. > > > Quelle: Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts Der amerikanische Journalist, der für sein Buch unter anderem von der Uni Oxford unterstützt wurde, schreibt sehr lebendig und gut verständlich. Und gerade deshalb geht einem „Der Krieg um unseren Müll“ so nahe. Das eine oder andere mag man schon mal gelesen haben, doch Alexander Clapp zeichnet geballt das menschliche und ökologische Elend nach, das durch unsere Wegwerf-Mentalität und das herrschende System zur Entsorgung ihres Abfalls entsteht. Ein Buch, das man sich als Schullektüre wünscht.
„Das Selber-Schreiben wird in den Hintergrund treten“
KI kann Literatur. Das beweist der Autor belmonte in seinem neuen Buch „Was bleibt von uns, wenn das Wasser kommt. Einsatz generativer KI in erzählender Literatur“. Auch wenn sein Künstlername anderes vermuten lassen könnte: belmonte ist ein Mensch. Er ist Autor, Liederdichter und ein Sprecher der Heidelberger Autor:innen. Trotz seiner Liebe zu altem Liedgut, das er – begleitet von einem indischen Harmonium – auch selbst vorträgt, ist er ausgesprochen technikaffin und experimentierfreudig. In der Zukunft wird literarisches Schreiben „eine Mischung aus menschlicher Kreativität und maschineller Intelligenz“ sein, prognostiziert belmonte. „KI wird im literarischen Schreiben stärker als Partner eingesetzt werden, als Assistenz, als Dialogpartner. Nicht umsonst sind das ja auch Chatprogramme.“ Wie man KI zum Schreiben einsetzen kann In seinem sehr anwendungspraktischen Buch erfasst und testet er aktuelle KI-Programme für Autorinnen und Autoren. Diese Sachteile werden von literarischen Texten umspielt, die belmonte mit Hilfe von KI hergestellt hat. Sein Buch ist klar strukturiert und erinnert passagenweise an ein Lehrbuch. Es führt zunächst ein in die technischen Hintergründe von KI und bietet begriffliche Klärungen. Anschließend geht es darum, wie KI für Literatur nutzbar gemacht werden kann: Charakterentwicklung, Plotgestaltung, Dialogaufbau und Weltenbau sind wichtige Themen. Viele Beispiele ergänzen jedes Kapitel. Die KI-generierten Kurztexte klingen allerdings noch sehr stereotyp. „Ich würde sie auch schematisch und musterhaft nennen wollen“, ergänzt belmonte im Gespräch auf SWR Kultur. KI ist Teil der Technologieentwicklung „Allerdings glaube ich, dass KI-generierte Texte immer besser werden“, unterstreicht er. Dann würde sich auch das Gefühl einer gewissen Leere bei der Lektüre KI-generierter Texte legen. „Ich würde das gerne im Rahmen von Technologieentwicklung betrachten. Denn neue Technologien wurden oftmals als entleert empfunden. Telefon ersetzte einst das persönliche Gespräch, und Internet und E-Mail ersetzten wiederum den handschriftlichen Brief. Selbst nach der E-Mail sehnt man sich inzwischen schon zurück, seit sie durch WhatsApp und Messenger-Systeme zurückgedrängt wurde.“ Kommunikationstechnik ändert sich. „KI lässt sich in die Reihe dieser Medienentwicklungen einphasen“, findet belmonte. Weniger phantasieren, mehr kontrollieren Autorinnen und Autoren werden zunehmen KI verwenden, prognostiziert belmonte auf SWR Kultur. Dadurch wandelt sich auch die Rolle des Autors, findet er. „Autorschaft umfasst einerseits die Tätigkeit des Schreibens und andererseits die Verantwortlichkeit für einen Text. Ich kann mir vorstellen, dass der Aspekt des Selber-Schreibens in den Hintergrund treten wird. Zugleich denke ich, dass der zweite Aspekt in der Zukunft viel, viel wichtiger wird: nämlich dass der Text mir als Autor gehört und dass ich ihn auch selbst komplett überprüfen muss, um dafür verantwortlich zu sein.“ Virtuelle Autor:innen und Neuro-Literatur Schließlich kann KI auch selbst zur Autorin werden. „Ich glaube“, sagt belmonte, „dass wir bald in Europa die ersten komplett virtuellen Autor:innen sehen werden. In der Popmusik gibt es sie ja bereits. In Südkorea und Japan gibt es komplett virtuelle Popstars, die riesige Hallen füllen. Denkbar ist das auch für besonders talentierte KI-Autor:innen mit besonderen Erzählweisen. Die hätten dann eigene Social Media Accounts und gäben virtuelle Interviews.“ Auch neue literarische Genres sieht belmonte kommen: „Es sind zum Beispiel Bücher denkbar, die sich je nach Standpunkt von Leser:innen komplett neu schreiben. Das heißt Neuro-Literatur. Da passt sich Literatur ad hoc an die Gedanken der Leser an.“
Mit neuen Büchern von Tatsuzō Ishikawa, belmonte, Gaspard Kœnig, Ulrike Draesner und Michael Stauffer
Heute schauen wir in die Zukunft. Wir prüfen einen Utopie-Entwurf fürs Jahr 2026 und erfahren mehr über KI-Literatur. Wir suchen Regenwürmer und reisen mit Penelope die Adria hoch.
Hier ist der Wurm drin
Regenwürmer werden unterschätzt. Diese Einsicht drängt sich Arthur und Kevin auf, als die beiden Pariser Studenten der Agrarwissenschaft einen Vortrag von Professor Combe hören, einer leicht schrulligen Koryphäe der Lumbrikologie – der Wissenschaft vom Regenwurm. Mit ihrer Wühl-, Fress- und Verdauungsarbeit bereiten die Würmer erst den fruchtbaren Boden, auf dem das pflanzliche, tierische und menschliche Leben basiert. Pro Jahr und Hektar Land sind es 300 Tonnen Material, die sie verschlingen und ausscheiden. Darwin vermutete deshalb, dass der Regenwurm als Humusproduzent das vielleicht wichtigste Tier der Evolution sei. Die industrielle Landwirtschaft schert das wenig. Professor Combe beschwört eine ökologische Katastrophe: > Das tiefe Pflügen und das Ausbringen von Pestiziden haben die Regenwurmpopulation auf den meisten Kulturflächen dezimiert… Der Boden besteht also nicht mehr aus Erde, er wird zu einer festen und leblosen Trägersubstanz, eine gigantische Abstellfläche, auf der man Dünger ausstreut, um kommerzielle Produkte einzubringen, die wie Pflanzen aussehen und nach nichts schmecken. Daher auch Erdrutsche, Rückgang des Grundwassers und natürlich schwindelerregende Verarmung der Ökosysteme. Ohne Regenwürmer, resümierte Professor Combe, keine Erde. > > > Quelle: Gaspard Koenig – Humus UTOPIE DES REGENWURMS Das Verschwinden der Würmer sei mindestens so beunruhigend wie das Abschmelzen der Gletscher. Höchste Zeit also, zu handeln. Arthur und Kevin, die beiden Hauptfiguren in Gaspard Kœnigs Roman „Humus“, schmieden nun zwei ganz unterschiedliche Projekte. Kevin entwickelt ein Start-up namens „Veritas“, das sich der Zukunft der Lumbritechnik verschreibt. In riesigen Kompostierbehältern sollen Millionen von Regenwürmern den biologischen Abbau industrieller Abfälle betreiben und Humus erzeugen. Satirische Akzente setzt der Roman, wenn er beschreibt, wie Kevin sein Start-up bei Risikokapitalgebern vorstellt und eine ganze Reihe dieser Strategieberater, Projektentwickler, Transformationsbegleiter und Disruptionsexperten mitsamt ihren Buzzwords kurze Auftritte haben. Schließlich kann Kevin zu seiner eigenen Überraschung eine berühmte kalifornische Investmentfirma von seinen Ideen überzeugen. Und Arthur? Sein Großvater war noch Landwirt in der Normandie. Was liegt also näher, sich Opas ruinierter Äcker anzunehmen und die Brache durch die Inokulation von Regenwürmern wieder zum Leben zu erwecken. So zieht Arthur in die tiefste normannische Provinz, gemeinsam mit seiner Freundin Anne, die sich hier Inspiration für ihren ersten Roman erhofft. Auch wenn Arthur leise Zweifel hegt: > Arthur hatte Schwierigkeiten, sich Anne in dieser Umgebung vorzustellen… Ihrem Enthusiasmus zum Trotz, die nächste ländliche Romanautorin zu werden, war sie eben doch im fünften Arrondissement von Paris aufgewachsen und hielt das Land für eine Art weit entfernte Banlieue, wo man im Naturzustand lebte und rechtsextrem wählte. > > > Quelle: Gaspard Koenig – Humus BIOBAUER MIT HINDERNISSEN Seine erste Desillusion als Biobauer erlebt Arthur bereits, als er nach alter Väter Sitte dem Gestrüpp auf seinem staubigen Acker mit der Sense zuleibe rückt und sich dabei verletzt. Und so sehr er sich bemüht – die Würmer wollen nicht, wie er will. Bei seinen regelmäßigen Wurmzählungen kann er keinerlei Zuwachs der Population erkennen, auch wenn er sich noch so liebevoll über die Tierchen beugt: > Die klugen Würmer ließen ihre Schwanzspitze wie einen festen Anker im Boden stecken. Sobald sie Arthurs Finger an sich spürten, zogen sie sich sofort in ihre Gänge zurück. In diesem Nahkampf spürte Arthur die ganze Kraft ihrer Muskeln, die sich gegen das Raubtier wehrten, sei es nun Eule, Schnepfe, Dachs oder Homo Sapiens. > > > Quelle: Gaspard Koenig – Humus Ähnlich flüchtig verhalten sich die Wörter bei Annes Romanprojekt. Der von stürmischen Liebesfreuden begleitete Anfangsenthusiasmus des Paars schwindet zusehends. Und dann kommt noch ein Rechtsanwalt und überreicht Arthur die Klage des Nachbarn wegen einer zu nah gesetzten Hecke. Arthur schäumt vor Wut. Es sind solche Szenen, bei denen Gaspard Kœnig mit Witz und Esprit brilliert. > Rechtsanwalt de Lansdale zog eine zerknirschte Miene. Er war es gewohnt, als Blitzableiter herzuhalten, und betrachtete diese Funktion sogar als die edelste Aufgabe seines Berufes. War es nicht die letzte Spur von Menschlichkeit in einem extrem formalisierten juristischen Prozess, ein Gesicht zu bieten, das sich hassen ließ. PUTSCH UND PARTY IN PARIS Der Hass köchelt zunehmend in Arthur – denn alles geht schief. Er gerät auf eine abschüssige Bahn der Radikalisierung und wird zur Führungsfigur einer Gruppe von Ökoterroristen, die im Finale den blutigen Aufstand proben. Unterdessen lässt sich Kevin in Paris als „Young Leader“ feiern. Man liebt dort solche Aufsteigergeschichten, weil die ansonsten gut abgeschottete Oberschicht sich dann einreden kann, dass Privilegien auf Leistung beruhen. > Die gesamte Pariser Prominenz wollte Kevin, das Kind aus Limoges, auf ihren Diners feiern, um zu beweisen, dass es letzten Endes doch eine Gerechtigkeit auf Erden gab und sich niemand etwas vorzuwerfen hatte. > > > Quelle: Gaspard Koenig – Humus Mit Sarkasmus schildert Kœnig die Rituale und Codes der Elite. Kevins Zwischenspiel als Start-up-Star nimmt allerdings ein jähes Ende, als die Presse einen Skandal in seiner Firma aufdeckt. „Veritas“ hat es mit der Wahrheit nicht so genau genommen und dadurch das eigentlich zukunftsträchtige Projekt der biologischen Müllentsorgung gefährdet. Auch wenn Kœnig seine beiden Helden auf unterschiedliche Weisen scheitern lässt, zeigt er damit doch nur, dass Gewalt oder Geschäftspraktiken ohne Bodenhaftung der falsche Weg zur Bewältigung der ökologischen Krise sind. Eher ist die Beharrlichkeit des Regenwurms gefragt. GESELLSCHAFTSROMAN IM STIL VON BALZAC Gaspard Kœnig hat mit „Humus“ einen intelligenten Gesellschaftsroman geschrieben, der in Frankreich manche Kritiker sogar an Balzac erinnert hat, hinsichtlich des sozialen Scharfsinns, aber auch wegen einiger plakativer Effekte und Kontraste bei der Figurenzeichnung. Regelmäßig wechseln die Kapitel zwischen Arthur und Kevin. Das bringt zwar keinen Innovationspreis für die Form; thematisch aber ist der Roman ausgesprochen originell und sachkundig. Kœnig gelingt das Kunststück, das gravierende Problem der Verödung der Böden, das sich gegen die literarische Darstellung zu sperren scheint, in eine fesselnde und zudem mit Komik gewürzte Handlung zu verpacken. In diesem Roman ist der Wurm drin. Und das ist gut so.
Leinen los! Ulrike Draesner bereist das Nordmeer
Wir erreichen Ulrike Draesner [https://www.swr.de/kultur/literatur/ulrike-draesner-zu-lieben-100.html] im norwegischen Tromsø. Kurz vorm Ablegen. „Ich gehe auf ein Schiff und fahre elf Tage durchs Nordmeer, durch die Dunkelheit. Ich will Wale beobachten und Polarlichter sehen.“ Keine Angst vor Dunkelheit und Seegang? „Doch, vor dem Seegang habe ich jede Menge Angst. Ich werde nämlich immer seekrank und habe deshalb Tabletten eingepackt“, erklärt Ulrike Draesner aufbruchsfreudig. DAS DUNKLE NORDMEER ALS SELBSTEXPERIMENT „Vor der Dunkelheit habe ich aber weniger Angst“, sagt sie. Zur Dunkelheit will sie recherchieren. Denn im Herbst publiziert sie im Mare-Verlag einen arktischen Doppelessay. Der erste Text heißt „Radio Silence“ und ist schon fertig. Diesen Text schrieb Draesner nach einer Arktis-Reise im Sommer 2019. 2020 erhielt sie dafür den Deutschen Preis für Nature Writing. „Ich war unglaublich angerührt von dieser Landschaft und von ihrer scheinbaren Unberührtheit. Wir wissen aber, dass sie nicht unberührt ist. Sie ist von Umweltverschmutzung betroffen und vom Aussterben bedroht“, sagt sie im Gespräch mit SWR Kultur. „Radio Silence“ will sie kombinieren mit einem Arktis-Essay über Dunkelheit. Deswegen ist sie nach Tromsø geflogen. „Ich setze mich hier einem Selbstexperiment aus: Was macht diese Dunkelheit mit mir?“ Auf „penelopes sch()iff“ die Adria hoch Auch in ihrem aktuellen Lyrikband setzt Ulrike Draesner die Segel: In „penelopes sch()iff“ schreibt sie die Odyssee fort. Auch davon berichtet sie in ihrem Gespräch. Eigentlich kennt man Penelope als treue Ehefrau, die zwanzig Jahre lang auf die Rückkehr ihres Gatten Odysseus wartet. Draesner versteht Penelope jedoch als kluge Königin, und sie macht sie sogar zur Seglerin. Zusammen mit anderen Frauen segelt Draesners Penelope die Adria hoch und… gründet Venedig! Hey, warum nicht? Lyrik darf das! EINEN UTOPISCHEN RAUM ERSCHREIBEN „Schreibend konnte ich mitgehen auf Penelopes Reise“, erinnert sich Ulrike Draesner, „und das hat mir auch erlaubt, einen utopischen Raum zu erreichen. Das war für mich selbst vielleicht die allergrößte Überraschung: das, was sich nach dem Zusammenbruch der alten Ordnung während der Fahrt die Adria hoch entwickelt hat.“ Denn es ist keine Fahrt, die auf Eroberung aus ist. „Die Frauen suchen Begegnungen, weil sie Essen tauschen und Wasser aufnehmen müssen, sie wollen handeln, Kompetenz und Güter mitzubringen. Sie fahren die Adria in Kooperation rauf, übrigens auch in Kooperation mit der Natur.“ Kurzum: friedlich. „In meinem Buch“, sagt Draesner, „weht also ein anderer Geist als der, der aktuell politisch weht.“
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