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Acerca de SWR Kultur lesenswert - Literatur
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Wie Gelassenheit lernen angesichts multipler Krisen?
Kann man angesichts der zahlreichen globalen Krisen und Katastrophen unserer Zeit, die die Zukunft als leer und bedrohlich erscheinen lassen, überhaupt noch zu einer gelassenen Lebensführung finden? Wie soll man heute im Zeichen der fortschreitenden politischen Polarisierungen ruhig Blut bewahren, nicht die Nerven verlieren und sich aus der Fassung bringen lassen? Das sind die großen Fragen zu einer aktuellen Lebensethik, die der Kulturwissenschaftler Helmut Lethen in seinem Buch „Stoische Gangarten“ aufwirft und in Anknüpfung an sein 1994 erschienenes Buch „Verhaltenslehren der Kälte“ zu beantworten sucht. MEHR STOIZISMUS WAGEN Ist Stoizismus als „seelische Meeresstille“, wie sie der römische Philosoph Marc Aurel empfahl, heute eine mögliche Haltung oder bleibt uns am Ende nur Depression, Verzweiflung und Erschöpfung? Helmuth Lethen gibt darauf in seinem Essay keine definitive Antwort, sondern umkreist sein Thema, indem er auf Schriften von Friedrich Nietzsche [https://www.swr.de/kultur/literatur/friedrich-nietzsche-vereinsamt-100.html], Ernst Jünger oder Hannah Arendt [https://www.swr.de/kultur/gesellschaft/kampf-um-die-freiheit-hannah-arendts-erbe-in-zeiten-der-krise-forum-2025-12-04-100.html] Bezug nimmt, aber auch indem er seine persönliche Lebenssituation nach einem erlittenen Schlaganfall und einer Kopf-OP reflektiert. In einem Lesemarathon, den er sich zur geistigen Gesundung verordnet hatte, sucht er Techniken zur Schmerzbeherrschung und rekapituliert seine intellektuelle Sozialisation als Angehöriger der 68er-Generation, die ihre utopischen Ideen nicht realisieren konnte: > Nach dem Scheitern der politischen Projekte, in die ich erst als „Chaot“ und dann als Kader einer maoistischen Partei verwickelt gewesen war, wurde ich in meiner Zeit in den Niederlanden skeptisch gegenüber den Giften der Theorie. > > > Quelle: Helmut Lethen – Stoische Gangarten Überschwängliche Phantasien von der planvollen Gestaltbarkeit der Geschichte, wie sie die linke Philosophie lehrte, trafen auf Gegenkräfte von Natur, Tod, Gewalt und den „Zufällen des Körperschicksals“ und bedeuteten für Lethen die Abwendung von der Machbarkeitshybris und die Suche nach einer abgeklärten, kühleren Lebensführung in der Tradition des Stoizismus. NEUES AUFRÜSTEN IM SCHATTEN DES RUSSISCHEN ANGRIFFSKRIEGES Aktueller Fluchtpunkt seiner Überlegungen ist dabei der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, der das letzte und interessanteste Kapitel seines Buches unter der pointierten Überschrift „Einsamkeit und Rheinmetall“ gewidmet ist. Wer wie der 1939 geborene Autor in den Jahren eines strukturellen Pazifismus in der Bundesrepublik aufwuchs, ist von der politischen Forderung nach Wehrtüchtigkeit naturgemäß herausgefordert: > Der Appell trifft auf eine Gesellschaft der Vereinzelten. Wehrhaftigkeit setzt, wie der Politikwissenschaftler Herfried Münkler konstatierte, eine „heroische Opfergemeinschaft“ voraus. Nichts ist unserer Gesellschaft gegenwärtig fremder. > > > Quelle: Helmut Lethen – Stoische Gangarten So steht der Kulturwissenschaftler Lethen, der in den 1960er Jahren selbst noch Wehrdienst geleistet hat, vor der Frage, wie man heute eine zeitgemäße Vorstellung vom Soldatischen und dem Soldaten begründen kann, ohne martialische Männerphantasien und diskreditierte Wehrmachtstraditionen wieder zu beleben. Lässt sich die Waffenproduktion, wie sie von Firmen wie Rheinmetall geleistet wird, aus stoischem Pragmatismus begründen? Genauer, > Ist Aufrüstung die notwendige Bedingung zur Ermöglichung von Friedensverhandlungen? > > > Quelle: Helmut Lethen – Stoische Gangarten PLÄDOYER FÜR EHRLICHKEIT Helmut Lethen, der die Frage bejaht, plädiert vor allem dafür, sich angesichts der harten Realität des Krieges nicht hinter einem „Kult der Wehrlosigkeit“ zu verstecken. Dennoch endet sein Buch in einer gewissen Ratlosigkeit, wenn er die Forderung nach Wehrhaftigkeit für nicht weniger begründet erklärt, wie die nach einem „strukturellen Pazifismus“. Im Zeichen militärischer Bedrohung durch Russland ruhig Blut zu bewahren, fällt auch einem Anwalt stoischer Gangarten alles andere als leicht.
Julian Barnes: Abschied(e)
Am 19. Januar ist Julian Barnes 80 Jahre alt geworden, und „Abschied(e)“ soll sein letztes Buch sein. Behauptet der Autor und verabschiedet sich auf das Eleganteste von seiner Leserschaft: mit einem klugen, fein ironisch gewürzten Text.
Jon Fosse - Vaim
Der Auftakt zu einer Trilogie. Mit 150 Seiten ist der Roman ein schmales und zugleich beeindruckendes Werk. Wenn der Begriff „Traumlogik“ irgendwo seine Berechtigung hat, dann hier. Drei Kapitel, drei Erzählstimmen. Eine Aneinanderreihung unerhörter Ereignisse.
Leïla Slimani - Trag das Feuer weiter
Leïla Slimani ist ein internationaler Literaturstar. Mit ihrem neuen Roman schließt sie ihre autobiografische Trilogie ab. Mia, das Alter Ego, der Autorin, leidet an Brain Fog und reist zurück nach Marokko, in das Land ihrer Herkunft, um sich zu erinnern.
Josephine Johnson - Ein Jahr in der Natur
Josephine Johnson ist bis heute die jüngste Pulitzer-Preisträgerin aller Zeiten. In diesem Buch erzählt sie von ihrem zurückgezogenen Leben in Ohio. Johnson unterzieht die sie umgebende Welt einer anschaulichen und bildstarken Betrachtung.
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