Imagen de portada del espectáculo SWR Kultur lesenswert - Literatur

SWR Kultur lesenswert - Literatur

Podcast de SWR

alemán

Cultura y ocio

Oferta limitada

2 meses por 1 €

Después 4,99 € / mesCancela cuando quieras.

  • 20 horas de audiolibros / mes
  • Podcasts exclusivos
  • Podcast gratuitos
Empezar

Sobre SWR Kultur lesenswert - Literatur

Die Sendungen SWR Kultur lesenswert können Sie als Podcast abonnieren.

Todos los episodios

5685 episodios

Portada del episodio Auf der Suche nach „Zukunftsmut“. Gabriele von Arnims Tagebuch der Polykrise

Auf der Suche nach „Zukunftsmut“. Gabriele von Arnims Tagebuch der Polykrise

Gabriele von Arnim [https://www.swr.de/kultur/literatur/der-trost-der-schoenheit-matinee-swr-kultur-20260517-100.html] wird achtundsiebzig und beschließt an ihrem Geburtstag, ein Jahr lang Tagebuch zu führen über das Thema Abschied in seinen vielen Formen: als Trennung und Verlust ebenso wie als Befreiung und Verwandlung.  Im Verlauf dieses Jahres wird in den USA Trump die Allianzen in der Welt verändern, Israel wird den Iran angreifen und Friedrich Merz wird mit Hilfe der AfD sein sogenanntes „Zustrombegrenzungsgesetz“ durch den Bundestag bringen. Die engagierte Demokratin von Arnim ist entsetzt.     SPRACHE PRÄGT DAS DENKEN  „Sprache prägt das Denken, und aus dem Denken erwachsen Handlungen, Taten. Je häufiger wir das Wort hören, umso weniger soll es uns stören. Wieder ein gefährliches Normalisierungsgeschleiche in unsere Köpfe. Um dann ungestört die neue Normalität durchzusetzen“, schreibt von Arnim in ihrem Tagebuch.  > Trump macht es vor. Merz übt sich innenpolitisch noch im Trumpismus. Ich musste die Debatte im Bundestag immer wieder abstellen, weil mir übel wurde.  > > > Quelle: Gabriele von Arnim – Abschied leben Gabriele von Arnim muss sich im Jahr 2025 von vielen Gewissheiten verabschieden, politisch und privat. Freundinnen werden dement und schwer krank, sie selbst ist gehbehindert und wagt sich bei Glatteis nicht mehr auf die Straße. Aber sie verabschiedet sich auch von ihrem lebenslangen Kontrollzwang und erlaubt es sich, Tage auf dem Sofa zu verträumen. „Ich will auf Zerstörung nicht mit Selbstzerstörung antworten“, sagt sie, aber dann stürzt sie sich jeden Morgen wieder mit, wie sie es nennt, „räuberischer Gier“ auf die Nachrichten.  „Immer mal wieder entferne ich mich vom Weltgeschehen, übe mich in der Ausblendung aktueller Schrecken. Aber die Gefühle des Entsetzens, die innere Unruhe fräsen sich immer mehr in mich hinein. Immer wieder muss ich Kraft und Lachen suchen in mir, Weltmut.“  AUF DER SUCHE NACH ZUKUNFTSMUT  Politik nimmt den größten Raum in diesem Tagebuch ein, und heute wissen wir: Es ist vieles noch schlimmer gekommen. Das Medium Buch eignet sich nicht gut für Tagespolitik, das können Zeitungen und das Internet besser. Gabriele von Arnim macht sich bei Psychologinnen, Historikern, Soziologen und Schriftstellerinnen auf die Suche nach dem, was sie Zukunftsmut nennt. Sie findet durchaus Beispiele gelebten Miteinanders, aber sie selbst scheint sich nicht ermutigt zu fühlen und wird von Fragen umgetrieben.  > Wie kann eine Gesellschaft resilienter, wie repariert werden, wie übt man Widerstandskraft, wie lernen, den erreichten Fortschritt zu beschützen und daraus Befriedigung zu ziehen. Woran sich orientieren, wenn ‚Weltverlust‘zu ‚Selbstverlust‘ führt. > > > Quelle: Gabriele von Arnim – Abschied leben RÄUME DES GEGENSEITIGEN VERTRAUENS SCHAFFEN  Das ganze Jahr über ringt Gabriele von Arnim darum, trotz der Ereignisse in der Welt ihre Kraft nicht zu verlieren. Dieser Balance-Akt ist Menschen, die bewusst leben, sehr vertraut. Gerade deshalb wäre es so wichtig gewesen, dass diese kluge Autorin nicht nur ein Zeitgefühl in Worte fasst, sondern zeigt, wie man sich auch als politisch wache Person Freude und Leichtigkeit bewahren kann. Im Grunde weiß sie ja, was nötig wäre, auch wenn es bei ihr vorerst noch wie eine Beschwörung klingt.  „Jetzt gilt es mehr denn je, Anstand und Rebellion, Mitgefühl und Freiheit zu leben und zu bewahren, Ideen zu entwickeln. Uns mit anderen zu verbinden und zusammen kleine Räume der Offenheit oder gar Zartheit zu gestalten, Räume des gegenseitigen Vertrauens. Das Freiheits-Fundament, das wir noch haben, zu befestigen, damit auch die nächste Generation noch einigermaßen stabil darauf stehen kann.“

28 de jul de 2026 - 4 min
Portada del episodio Wie eine Frau gegen ihre Seelenqualen kämpft

Wie eine Frau gegen ihre Seelenqualen kämpft

Die Ich-Erzählerin von Naja Marie Aidts Roman „Aus dem Dunkel“ führte ein auf den ersten Blick normales Leben. Doch dann stößt ihr im Alter von 57 Jahren etwas Schreckliches zu, über das sie unfähig ist, zu sprechen. Sie wird krank, muss ihre Arbeit als Leiterin einer Kita aufgeben. Selbst die Bewältigung des Alltags fällt ihr schwer und Begegnungen mit den drei Söhnen, den beiden Enkelinnen oder mit ihren vier Freundinnen aus Jugendzeiten steht sie oft nicht durch. Ihre Diagnose: Posttraumatische Belastungsstörung. Sie besucht regelmäßig einen Therapeuten, den sie den PTBS-Mann nennt.   „Es ist mitten am Tag, aber das Wintergrau wirft keine Schatten, zerfließt beinahe. Ich liege auf dem grünen Sofa und schreibe Nicola. Die Lampe mit dem gelben Schirm wirft sanftes Licht auf die Kommode in der Wohnzimmerecke. Februar. Mein Körper ist bleischwer, wie immer, wenn ich zurückkomme“, schreibt Naja Marie Aidt. > Nach den Sitzungen bin ich wahnsinnig erschöpft. Mir wurde strenge Ruhe verordnet. Das ist sehr belastend, hat man mir erklärt, wenn Sie hier waren, dürfen Sie sich erst mal nichts anderes vornehmen.  > > > Quelle: Naja Marie Aidt – Aus dem Dunkel EINE ART THERAPIETAGEBUCH  Der Roman ist eine Art Therapietagebuch. Die Erzählerin lässt die Leserschaft an den Sitzungen teilhaben. Sie gibt Teile der Dialoge mit dem PTBS-Mann wieder, andere fasst sie zusammen. Sie wird von Sitzung zu Sitzung tapferer, sich ihren Dämonen zu stellen. Dabei kommt unter anderem heraus, dass sie als Kind unter der Gewalt des Vaters und einer wegschauenden Mutter litt und im Alter von neunzehn Jahren vergewaltigt wurde.  Mit dem furchtbaren Erlebnis, das die Posttraumatische Belastungsstörung ausgelöst hat, kann sie sich und die Leserschaft erst am Ende der Therapie – und des Romans – konfrontieren, weil ihr zuvor die Kraft fehlt. Das macht das Buch spannend. Die Leserschaft erfährt auch, dass dieses Erlebnis nicht die alleinige Ursache für den Zusammenbruch war, der sich etwa in Angstattacken äußert: „Trauen wir uns, allein in einem Ferienhaus mit großen Fenstern zu übernachten  trauen wir uns, allein spazieren zu gehen, im tiefen Wald am verlassenen Strand  trauen wir uns, abends durchs Industriegebiet zu radeln  trauen wir uns, einen späten Zug nach Hause zu nehmen (wie kommen wir vom Bahnhof nach Hause?)  trauen wir uns, ein Taxi zu nehmen, trauen wir uns, dem Fahrer zu trauen?  Und so weiter.“   > Wir trauen uns besser nicht. Nicht, weil wir übertrieben ängstlich sind, sondern weil wir einen Grund haben.  > > > Quelle: Naja Marie Aidt – Aus dem Dunkel DER ÖFFENTLICHE RAUM ALS BEDROHUNG  Der Roman ist nur vordergründig die fesselnde Überlebensgeschichte einer einzelnen Person, er setzt vielmehr literarisch um, was Millionen von Frauen tagtäglich erleben: Sie sind der Gewalt von Männern ausgesetzt und der öffentliche Raum ist eine Bedrohung für sie.  Viele Frauen werden sich deshalb in dem Roman wiederfinden. Aidts Erzählerin klagt nicht, sie kämpft, was das Buch erst recht lesenswert macht. Unterstützung hat sie dabei von ihren vier Jugend-Freundinnen. Im Gegensatz zu ihrer Familie geben sie ihr Halt, ohne Gegenleistungen zu erwarten.   „Nicola schickt mir oft ein Herz, wenn ich zu Hause angekommen bin. Nicola mit den krausen Haaren und den kräftigen Händen. Und Annie und Lea und Rose. Meine Freundinnen. Wir sitzen gern in einer unserer Küchen zusammen und trinken Kaffee.“ > Ohne diese Freundinnen, diese Frauen, die alle ihr Päckchen zu tragen haben, hätte ich mein Leben nie bewältigt. So sehe ich das. Sie sind meine Gefolgschaft und umgekehrt. > > > Quelle: Naja Marie Aidt – Aus dem Dunkel EIN MUTMACHER-BUCH  Naja Marie Aidts Roman ist somit ebenfalls ein Plädoyer für Freundschaft. Auch sie hilft ihr aus der Depression. Man erfährt vom Auf und Ab der Therapie und kennt schließlich das Leben der Erzählerin mit all ihren kleinen und großen Geheimnissen.  Wenn es zunächst so aussehen mag, als sei „Aus dem Dunkel“ ein pessimistischer Roman – er ist genau das Gegenteil: Ein Mutmacher.

Ayer - 4 min
Portada del episodio Macht und Sex im antiken Rom

Macht und Sex im antiken Rom

Valeria Messalina – Hochadelige im antiken Roman und Ehefrau des Kaisers Claudius. Messalina – bis heute Synonym für sexuelle Ausschweifung, Nymphomanie und Habgier. Wie kam es zu diesem Geschichtsbild?   > Es ist die Geschichte einer Frau, die es in einer Welt von Männern wagt, Macht auszuüben, und die Folgen ihrer Entscheidung zu tragen hat. > > > Quelle: Honor Cargill-Martin – Messalina MESSALINA UND DIE MÄNNLICHEN GESCHICHTSSCHREIBER  Die Autorin Honor Cargill-Martin stellt zu Anfang ihres Buchs „Messalina. Intrigen, Macht und Orgien im antiken Rom“ eines klar heraus: Diejenigen, die nach dem Tod Messalinas über sie schrieben, waren ausschließlich Männer.  Natürlich betrieben sie Nachforschungen, doch historische Genauigkeit oder Ausgewogenheit war damals kein Kriterium.  Für Cargill-Martin ist es allerdings eines! Sie hat genau recherchiert und vor allem bettet sie das Leben der Messalina in die Geschichte ihrer Zeit.  MEHR BEDEUTUNG FÜR DIE ROLLE DER FRAU Mit Octavian, der als Herrscher den Namen „Augustus“ trug, änderten sich in Rom die politischen Verhältnisse gravierend. Die Republik mit ihrem Senat wurde mehr und mehr zu einer Monarchie umgestaltet.  Dabei gewann die Rolle der Frau an Bedeutung. Sie avancierte zur Garantin dynastischer Nachfolge. Und damit hatte sie auch politischen Einfluss, wie sich bei Livia, der Frau des Kaisers zeigt.  Messalina war sich dessen bewusst, als sie als Frau des Claudius 41 nach Christus den Thron bestieg. Wie Livia bei Augustus gehörte sie zum engsten Beraterkreis des Claudius.   PRIVILEGIEN UND POLITIKWECHSEL > Die Kaiserin hatte beträchtlichen Einfluss auf ihren Ehemann. Sie hatte ständig Zugang zu ihm und zu seinem Bett, und das wusste sie zu nutzen. > > > Quelle: Honor Cargill-Martin – Messalina Kaiser Claudius konnte von zwei Sachen nicht lassen: Wein und Frauen. Zumindest sexuell soll er Messalina geradezu hörig gewesen sein. Der Senat wiederum erkannte, dass es von großem Vorteil sein konnte, wenn zur Kaiserin gute Verhältnisse aufgebaut wurden. Man erteilte ihr zwei Privilegien: Sie bekam in der ersten Reihe der Theater einen gesonderten Ehrenplatz und man gestattete ihr einen eigenen „carpentum“, einen geschlossenen Wagen – wir würden das heute „Staatskarosse“ nennen.   > Beide machten sie sichtbar und in den Augen der Öffentlichkeit bedeutender, und indem Claudius ihr erlaubte, sie anzunehmen, signalisierte er einen Politikwechsel. > > > Quelle: Honor Cargill-Martin – Messalina MACHT, SEX UND INTRIGE  Messalina erfüllte auch eine äußerst wichtige Funktion als Kaiserin: Sie gebar Claudius eine Tochter und einen Sohn. Damit schien die Erbfolge gesichert. Cargill-Martin schildert das antike Rom nicht als Hort des Friedens und der Eintracht. Intrigen waren an der Tagesordnung. Messalina entwickelte sich zu einer Meisterin der Intrige. Macht zu haben und an der Macht zu bleiben, war ihr Ziel. Dabei schuf sie sich eine Menge Feinde. Dazu kam, dass sie tatsächlich mit einigen Untergebenen Sex hatte – was stillschweigend akzeptiert wurde.  Doch als sie mit dem jungen Senator Gaius Silius ein offen zur Schau gestelltes Verhältnis einging, schlugen ihre Gegner zu. Sie fiel bei Claudius in Ungnade, wurde nun selbst eines geplanten Staatstreichs bezichtigt und ermordet.   DER TIEFE FALL EINER KAISERIN  Das alles erklärt noch nicht, weswegen Messalina zum Symbol sexueller Ausschweifung stilisiert wurde. Vielleicht aber so: Der Vorgänger von Claudius am Thron war Caligula – gefürchtet für seine Unberechenbarkeit und Grausamkeit. Wahrscheinlich war er tatsächlich dem Wahnsinn nahe.  Machtmenschen wie Caligula, aber auch wie Messalina bedeuteten eine Gefahr für das Bestehen des Staatswesens. Sie in den Annalen der Geschichte als menschliche Monstren erscheinen zu lassen, war letztlich ein Gebot der Ordnung – ein Mahnruf an die Mächtigen, sich zu mäßigen.  Honor Cargill-Martins Messalina-Biographie besticht durch historischen Faktenreichtum, ausgewogene Argumentation und erzählerisches Können. Und dabei rückt sie Messalina ins rechte Licht der Historie. Besser kann man es nicht machen!

26 de jul de 2026 - 4 min
Portada del episodio Wie kann man einen Krieg verhindern? Odd Arne Westadts „Der kommende Sturm“

Wie kann man einen Krieg verhindern? Odd Arne Westadts „Der kommende Sturm“

Der Erste Weltkrieg forderte 40 Millionen Tote und prägte das gesamte 20. Jahrhundert. Es war das Versagen der Politik, schreibt der norwegische Historiker Odd Arne Westad in seinem Buch „Der kommende Sturm“, das diese Menschheitskatastrophe auslöste. Die Konkurrenz der damaligen Großmächte Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Russland und Österreich-Ungarn zerstörte das fragile Machtgleichgewicht, das im 19. Jahrhundert eine lange Friedensperiode möglich gemacht hatte.  Niedergangsängste bei den einen und Aufstiegsgrößenwahn bei den anderen förderten Ressentiments zwischen den Völkern, führten zu Aufrüstung und einem aggressiven Nationalismus, den die politischen Kasten nicht mehr einhegen konnten oder wollten.   „Wenn es Lehren aus der Geschichte gibt, dann müssen wir sie jetzt beherzigen, damit wir nicht noch einmal in einen Krieg zwischen Großmächten geraten, weil wir der tödlichen Kombination von Hurrapatriotismus, Angst, Fatalismus und schierer Dummheit erliegen, die den ersten großen Krieg des 20. Jahrhunderts verursacht hat.“  KONFLIKTE IN DER MULTIPOLAREN WELT  So wie einst der industrielle und militärische Aufstieg Deutschlands in der Kaiserzeit seine europäischen Nachbarn bedrohte, stellt heute der Aufstiegs Chinas zur Weltmacht die Dominanz der USA infrage.   Die USA wiederum reagieren auf Chinas ökonomische Expansion mit Zöllen und schwächen die Logik der Abschreckung, indem sie die NATO und internationale Institutionen wie die UN infrage stellen. In der entstehenden multipolaren Welt beanspruchen aufsteigende regionale Hegemonialmächte wie Brasilien, die Türkei oder Indien ihr Stück vom Kuchen der globalisierten Wirtschaft.   RESSENTIMENTS UND NATIONALISMUS  Der Verlust von industriellen Arbeitsplätzen in Amerika und Europa – auch bedingt durch einen rasanten technologischen Wandel – ist eine der Folgen und führt zu Ressentiments und Ängsten bei der Bevölkerung sowie dem Entstehen eines populistischen Nationalismus. Für stagnierende Löhne, den Rückbau der Sozialversicherungssysteme und steigende soziale Ungleichheit mache man aber nicht eine verfehlte Politik verantwortlich, schreibt Westad, sondern Migranten und äußere Feinde. Das alles fördere die Kriegsbereitschaft und die militärische Aufrüstung. So wie einst Frankreichs Versuch, Elsass-Lothringen zurückzubekommen, den Ausbruch des 1. Weltkriegs mit bedingte, könnte heute Chinas Anspruch auf Taiwan ein möglicher Kriegsgrund sein. Die USA müssten dann militärisch eingreifen, um ihre Dominanz im asiatisch-pazifischen Raum zu verteidigen. Westad entwickelt in seiner ebenso verständlich geschriebenen wie fundierten historischen Darstellung jedoch einige mögliche Handlungsoptionen, um einen großen Krieg zu verhindern. Entscheidend sei neben guten Kommunikationskanälen zwischen den politischen Führern der Großmächte und der Stärkung multinationaler Institutionen vor allem eine glaubhafte Abschreckung:  > Wenn die deutsche Führung im Juli 1914 überzeugt gewesen wäre, dass Großbritannien gegen Deutschland in den Krieg eintreten würde, wäre es viel weniger wahrscheinlich gewesen, dass sie den Krieg gegen Russland und Frankreich erklärt hätte. > > > Quelle: Odd Arne Westad - Der kommende Sturm „Wenn heute die Führung der KPCh überzeugt ist, dass die Vereinigten Staaten Taiwan bei dessen Verteidigung helfen, ist es weniger wahrscheinlich, dass sie die Insel angreift.“  PLÄDOYER FÜR FRIEDEN DURCH DIPLOMATIE UND ABSCHRECKUNG  Odd Arne Westads Plädoyer für den Frieden läuft nicht auf Appeasement und Pazifismus hinaus, sondern auf die Forderung nach einem klugen politischen Management realer Machtkonflikte. Kompromissbereitschaft, Respekt vor den Interessen der Gegenseite, Deeskalation und der Kampf gegen nationalistische Ressentiments können Kriege verhindern. Westads Skepsis ist allerdings groß, ob dafür die „Weisheit und Kompetenz“ der politischen Führer ausreicht.

22 de jul de 2026 - 4 min
Portada del episodio Italien mit der Seele suchend: „Olevano“ von Golo Maurer

Italien mit der Seele suchend: „Olevano“ von Golo Maurer

Vor 1804 hätten sich nur wenige Besucher in das abgelegene Olevano in den Monti Prenestini verirrt, schreibt der Kunsthistoriker Golo Maurer in seiner Studie „Olevano. Als ein paar romantische Aussteiger in Italien die deutsche Kunst erfanden“. Doch dann seien die wanderlustigen ‚Tedeschi‘ gekommen, deutsche Künstler:  „Sie waren überwiegend jung, überwiegend nicht rechtgläubig, also Heiden, zogen sich an, wie niemand sich eigentlich anzieht, waren dabei oft kränklich und starben auch manchmal. Abends hockten sie palavernd beisammen, des Tags strömten sie aus.“  > Aber nicht zum Holzsammeln oder sonst was Nützlichem, sondern um auf kleinen Brettchen, an denen sie stundenlang hockten, Papierbögen mit feinen Bleistiftstrichen zu bedecken. > > > Quelle: Golo Maurer - Olevano EINE DEUTSCHE KÜNSTLERKOLONIE ENTSTEHT  Nach dem Pionier Joseph Anton Koch, einem Maler, der Olevano noch als felsiges Hirten-Idyll inszenierte und damit bekannt machte, wandelten bald junge Landschaftsmaler wie Karl Philipp Fohr, Franz Theobald Horny, Heinrich Reinhold oder Julius Schnorr von Carolsfeld auf den wilden Pfaden des Lazio. Hinzu stießen Dichter wie Wilhelm Waiblinger oder Friedrich Rückert, der seine romantische Gesinnung in die Worte „Ich bin der Welt abhandengekommen“ kleidete.   EIN JUNGER HIGH-POTENTIAL AUS DER GOETHESTADT TRITT AUF  Zum Kronzeugen der „heroischen“, romantisch produktiven Jahre Olevanos zwischen 1804 und 1829, macht Maurer den Maler Franz Horny. Der „geborene Romantiker“ besuchte zunächst die Fürstliche Zeichenschule in Goethes Weimar. Seine stimmungsvollen Baum-Motive zeigten ...  „... eine eigentümliche Fähigkeit, im nur organisch Belebten so etwas wie eine seelische Persönlichkeit, einen individuellen Zustand zu entdecken und wiederzugeben, der durchaus menschliche Züge trägt.“ 1816 durfte Horny mit einem Förderer aus dem Umkreis Goethes eine Italienreise antreten. In Rom tauchte der 17-jährige Hoffnungsträger in den Bienenstock des Caffé Greco ein, einen Treffpunkt deutscher Künstler, die, so Maurer, „dem Vaterland wieder auf die Beine helfen“ wollten, das nach Napoleonischer Besatzung und Wiener Kongress darnieder lag.  Die Maler und Dichter trugen ‚altdeutsche Tracht‘, eine Art Mittelalter-Kostümierung, und lange Haare. Golo Maurer nennt sie „reaktionäre Revolutionäre“.  > Man floh vor den politisch-gesellschaftlichen Zuständen der Heimat, also vor Restauration und Unterdrückung. > > > Quelle: Golo Maurer - Olevano „Man floh vor einer Gegenwart, die noch heute als Beginn des wissenschaftlich-technischen Fortschritts gilt und die als seelenlos zu bezeichnen damals Mode wurde: Rationale Betriebsamkeit und bürgerlicher Gewerbegeist, Handel, Börse, Automaten, Manufakturen und Dampfmaschinen – eine aus dem gemütlichen Takt langer Jahrhunderte gekommene Menschheit.“  LANDSCHAFTEN WIE AUS DEN MÄRCHEN DER GEBRÜDER GRIMM  Eingeschüchtert vom „ewigen Rom“ entwickelten die jungen Maler in den Sommerfrischen in Olevano zwischen Steineichen und Felsen eine Landschaftsmalerei von mittelalterlich-märchenhafter Anmutung, die sich von der dominierenden französischen Kunst absetzte und bald als typisch deutsch geschätzt wurde.  Man war, wie Maurer spöttisch sagt, „Landschaftserlebnisweltmeister“.   Unter den ‚Olevanern‘ war auch Franz Horny. Er kam 1817 in die Monti Prenestini, die er als „Zauberland“ empfand. Trotz seiner Tuberkulose aquarellierte und zeichnete er in früher Meisterschaft Landschaften, die aussahen wie aus Grimms Märchen. Er starb 1824, mit nur 25 Jahren, in Olevano.  Golo Maurers Buch ist eine grandiose deutsch-italienische Kunst- und Kulturgeschichte. Fast im Plauderton entreißt Maurer die frühromantischen Pioniere dem Vergessen – und amüsiert, etwa, wenn er den romantikfeindlichen Goethe respektlos „den alten Gockel von Weimar“ nennt.

21 de jul de 2026 - 4 min
Soy muy de podcasts. Mientras hago la cama, mientras recojo la casa, mientras trabajo… Y en Podimo encuentro podcast que me encantan. De emprendimiento, de salid, de humor… De lo que quiera! Estoy encantada 👍
Soy muy de podcasts. Mientras hago la cama, mientras recojo la casa, mientras trabajo… Y en Podimo encuentro podcast que me encantan. De emprendimiento, de salid, de humor… De lo que quiera! Estoy encantada 👍
MI TOC es feliz, que maravilla. Ordenador, limpio, sugerencias de categorías nuevas a explorar!!!
Me suscribi con los 14 días de prueba para escuchar el Podcast de Misterios Cotidianos, pero al final me quedo mas tiempo porque hacia tiempo que no me reía tanto. Tiene Podcast muy buenos y la aplicación funciona bien.
App ligera, eficiente, encuentras rápido tus podcast favoritos. Diseño sencillo y bonito. me gustó.
contenidos frescos e inteligentes
La App va francamente bien y el precio me parece muy justo para pagar a gente que nos da horas y horas de contenido. Espero poder seguir usándola asiduamente.

Elige tu suscripción

Más populares

Oferta limitada

Premium

20 horas de audiolibros

  • Podcasts exclusivos

  • Disfruta los podcast de Podimo sin anuncios

  • Cancela cuando quieras

2 meses por 1 €
Después 4,99 € / mes

Empezar

Premium Plus

100 horas de audiolibros

  • Podcasts exclusivos

  • Disfruta los podcast de Podimo sin anuncios

  • Cancela cuando quieras

Disfruta 30 días gratis
Después 9,99 € / mes

Prueba gratis

Sólo en Podimo

Audiolibros populares

Preguntas frecuentes

Más preguntas y respuestas
Empezar

2 meses por 1 €. Después 4,99 € / mes. Cancela cuando quieras.