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Anlässlich des Gedenktages am 8. Mai hatten wir hier [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150104] unsere Leserinnen und Leser dazu aufgerufen, kurze Schlaglichter und Eindrücke ihrer eigenen Erinnerungen (oder der ihrer Eltern) an die Schrecken des Krieges und der unmittelbaren Nachkriegszeit aufzuschreiben und uns zu senden. Wir bedanken uns von Herzen für die vielen berührenden Beiträge! Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464], den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486] sowie den vierten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150605] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- Wir waren Kellerkinder Liebe Redaktion, ich habe meinen Vater (95) gefragt, ob er für den Aufruf etwas formulieren möchte. Das handschriftliche Ergebnis habe ich abgetippt und hier in den Anhang gelegt. Herzliche Grüße Birgid Kubin (Anhang) Hin und wieder holen mich noch Erinnerungen an Ereignisse aus den Kriegsjahren ein, in denen ich letztendlich Mutter, Schwester und meinen älteren Bruder verlor. Mein Vater war Küster und wir wohnten somit an der Kirche. Bei den alliierten Luftangriffen 1944/45 auf Wiesbaden nahmen wir daher unsere Sachen mit in unseren „Keller“, der eigentlich eine Krypta war, von der sich ein Teil unter dem Kirchturm befand und als sicher galt. Wir wurden so quasi zu „Kellerkindern“. In einer Nacht schlug eine fehlgeleitete Rakete in der Oranienstraße nahe dem „Ring“ ein. Kein Alarm! Mama, mein älterer Bruder und ich stürzten aus den Betten unserer Wohnung in „unseren Bunker“. Dann kam der zweite Raketeneinschlag – und ein verspäteter Alarm. Diese Einschläge waren gewaltig, zerstörerisch und nahe unserer Rückertstraße. Mit meinem jüngeren Bruder war ich einkaufen. Es gab Fliegeralarm und wir sahen, nahe dem Taunuskamm, in üblicher Höhe, einen feindlichen Kampfverband. Wir beobachteten auch noch, wie sich einige Maschinen daraus lösten und auf uns zusteuerten. Bald fielen die ersten Bomben. Es folgten weitere, immer näher kommende Einschläge. Wir waren mittlerweile erfahren genug und wussten, wie wir uns zu verhalten hatten. Hinter ein kleines Mäuerchen legten wir uns flach auf den Boden. Ich hielt meine Ohren zu und sperrte den Mund auf, da war auch schon der Einschlag in ein Haus, ganz nahe. Danach Ruhe. Verdreckt, aber unverletzt liefen wir nach Hause. Mutter kam uns auf der Treppe entgegen. Sie weinte. Wir hatten gerade meinen Opa zu Grabe getragen und befanden uns auf dem Heimweg. Da erlebten wir einen „Jabo“-Angriff. Dieser schoss zuerst mit MG auf uns. Unser Vater, der wegen eines Fronturlaubs dabei war, rief noch rechtzeitig: „In den Graben!“ Gemeint war ein Wasserabfluss neben dem Feldweg, den wir heimwärts gingen. Ich konnte die einschlagenden Geschosse hören und sehen, die uns aber nicht trafen. Doch dann löste der Flieger eine Bombe aus, die in einer Baracke einschlug. Ein dadurch herumwirbelnder Balken traf meine Mutter, die sich schützend über uns Buben gelegt hatte. Sie wurde von Männern, die nahe der Bahnschienen aus einem Unterstand kamen, ins Krankenhaus getragen, wo sie ihren Verletzungen erlag. Obwohl die „Amis“ schon in Mainz waren und einige Granaten in Richtung Wiesbaden abschossen, sollte ich – 14 Jahre alt – mit dem Volkssturm gegen sie ausrücken. Ich war „Melder“ mit Armbinde, die mich als solchen auswies. Samt Helm sollte ich beim Luftschutz im nahen Gutenberg-Gymnasium antreten und in den Krieg eingreifen. Damals habe ich schon beherzigt, was in der Nachkriegszeit auf einem Plakat zu lesen war: „Stell‘ dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin.“ Ich habe mich im Kirchturm versteckt. Von dort aus konnte ich noch sehen, wie Leute für dieses letzte „Himmelfahrtskommando“ auf einen mit einem Holzgenerator versehenen Lastwagen stiegen. Man entdeckte mich nicht und so überlebte ich. Für mich und die meisten meiner Generation ist es daher keine Frage: Nie wieder Krieg! Willibald Troemer (Jahrgang 1931) ---------------------------------------- Nie mehr würden die Sirenen heulen Lieber Albrecht Müller, die Aufforderung, Erinnerung an die Kriegstage aufzuschreiben und an die NachDenkSeiten zu schicken, finde ich sehr gut, bewegen wir uns doch traumwandlerisch und das alles vergessend wieder in höchstgefährliche Zeiten. ich schicke Ihnen einen etwas überarbeiteten Ausschnitt aus dem 1. Teil meiner autobiografischen Zeitbetrachtungsreihe „Zwischen gestern und morgen – ich” genau zu diesem Thema. (…) Mit besten Grüßen Winfried Wolk Meine Eltern waren zwei Jahre nach meiner Geburt aus beruflichen Gründen aus dem Erzgebirgsdorf wieder zurück nach Leipzig gezogen. Dabei hatte es im März 1943 bereits einen Bombenabwurf in dem Stadtteil gegeben, in dem die Eltern und Brüder meiner Mutter wohnten. Es folgten weitere Angriffe auf die Leipziger Stadtteile Eutritzsch und Schönefeld. Längst schon lief es für die Deutschen nicht mehr gut im weltweiten Gemetzel. Die Schlacht um Stalingrad war zu einem Desaster geworden, in Tunesien mussten die deutschen Truppen kapitulieren und im Juli landeten die Alliierten auf Sizilien. Am 27. Juli 1943 verwüstete die „Operation Gomorrha” Hamburg, brachte dort 35.000 Menschen den Tod und sorgte für landesweites Entsetzen. Meiner Mutter machte dieses alles große Angst, zumal auch mein Vater Mitte 1943 zum Kriegsdienst einberufen wurde. Kurzerhand entschloss sie sich, das mittlerweile hochgefährdete Leipzig wieder zu verlassen und mit uns Kindern zurück in das gewiss sichere Dorf im Erzgebirge zu ziehen. Dort würden ganz gewiss keine Bomben fallen. Hier war ich zur Welt gekommen, hier tat ich nun meine ersten bewussten Schritte. So lebten wir in einer friedlichen Welt, während in Leipzig die Bombardements zunahmen. Am 4. Dezember 1943 wurden große Teile der eng bebauten Innenstadt, das Gewandhaus, das Reichsgericht, die Universitätsbibliothek und große Teile des Musikviertels zerstört und etwa 1.800 Menschen getötet. In der Nacht zum 20. Februar 1944 warfen 700 Bomber innerhalb von 30 Minuten fast 2.300 t Spreng- und Brandbomben auf die Wohn- und Industriegebiete im Südwesten von Leipzig, am Nachmittag desselben Tages bombardierten 200 Bomber der 8. US-Luftflotte die am Flughafen Mockau im Nordosten der Stadt befindlichen Flugzeugwerke. Das alles sorgte dafür, dass in Leipzig unzerstörter Wohnraum knapp und unsere Mutter aufgefordert wurde, umgehend die Leipziger Wohnung wieder zu nutzen, ansonsten diese an diejenigen vergeben würde, die durch die Bombardements wohnungslos geworden waren. So währte die Zeit nicht lange, in der wir im kleinen Erzgebirgsdorf vor den Bombenangriffen geschützt waren. In Leipzig durfte ich wegen des jederzeit zu erwartenden Fliegeralarms nur im Hof und nicht auf der kleinen Straße spielen. Die Angst meiner Mutter war begründet. Nur wenige hundert Meter Luftlinie von unserer Wohnung entfernt produzierte das Büssing-Werk Motoren und Fahrgestelle für Acht-Rad-Panzerspähwagen. Auch befand sich der große Güterbahnhof Leipzig-Wahren, wo die Munitionszüge für die Front zusammengestellt wurden, in keiner allzu großen Entfernung. Das waren wichtige Ziele der alliierten Bomberstaffeln und nicht immer trafen die Bomben ihre anvisierten Ziele. Die Angst vor einem Luftangriff beherrschte jetzt den Alltag. Für mich war das Geheul der Sirenen, das einen solchen Angriff ankündigte, das Unerträglichste, was es überhaupt auf der Welt gab. Noch heute spüre ich beim Heulen von Sirenen tief in meinem Inneren die damals empfundene panische Unruhe. Doch auch den düsteren, dumpfigen Luftschutzkeller, in den wir von diesem Geheul getrieben wurden, hasste ich aus tiefstem Herzen. Die bedrückend-stickige Luft und das spärliche Licht der einsamen Glühbirne machte den niedrigen Raum zu einem Schreckensort, wo alle nur vorstellbaren Gespenster zu Hause waren. Nie, das schwor ich mir, würde ich allein in diesen Keller gehen. Auch viele Jahre danach, wenn mich die Mutter dorthin schickte, um Kartoffeln oder Kohlen zu holen, kostete es mich große Überwindung, diesen gruseligen Ort zu betreten. Immer öfter trieb uns das Sirenengeheul in diesen mir unheimlichen Raum, wo wir mit den anderen Bewohnern unseres Hauses auf den schmalen, harten Holzbänken, die an den Wänden des niedrigen kleinen Raumes aufgestellt waren, ganz eng beieinander sitzen mussten. Das schwache Licht ließ alle zu gesichtslosen dunklen Schatten werden, in denen ich niemanden mehr zu erkennen vermochte. Anfangs herrschte gespannte, gespenstische Stille, was für mich alles noch unheimlicher machte. Alle lauschten angstvoll konzentriert, wenn das langsam anschwellende, immer bedrohlicher werdende, tiefe Brummen der sich nähernden Flugzeuge zu hören war. Dann presste ich mich ganz fest an meine Mutter und hoffte, dass sie mich und meine Hand nie mehr loslassen würde. Manchmal ging der Bombenalarm vorbei, ohne dass etwas Bedrohliches geschah. Doch manchmal war nicht nur das Dröhnen der Flugzeuge zu hören, das lauter und immer lauter wurde, sondern auch die Detonationen der Bomben. Und manchmal, wenn die Einschläge sehr nah waren, spürte ich das Erbeben des Hauses. Oft flackerte dann das sowieso schwache Licht, erlosch und stürzte alles augenblicklich in rabenschwarze Finsternis. Dann kannte meine panische Angst keine Grenzen. Doch auch die sonst so selbstsicheren Erwachsenen begannen laut zu jammern und zu schluchzen und flehten den lieben Gott an, uns zu helfen. Und auch ich schrie sie heraus, meine Angst und betete mit, damit er uns auch wirklich hört und hilft, der liebe Gott. Wenn ich dann spürte, dass auch meine starke Mutter, die doch immer alles konnte und sich vor nichts fürchtete, ebenfalls zitterte und betete und weinte, wusste ich, es würde keine Rettung geben, nicht für mich und für keinen anderen in diesem Keller. Wir alle waren unrettbar verloren. Doch wenn wir tatsächlich durch ein Wunder oder Gottes Hilfe noch einmal davongekommen waren und die Sirenen endlich die Entwarnung in die Luft heulten, vollzog sich eine erstaunliche Verwandlung bei den Erwachsenen. Die noch vor wenigen Minuten alles beherrschende, panische Angst schlug übergangslos in lautstarken Zorn um. Alle schimpften jetzt über diese schlimmen anglo-amerikanischen Bombenflieger, die uns das alles antaten. Auch ich war sehr zornig auf sie. Warum machten sie unsere schönen Städte kaputt und jagten uns immer wieder mit diesem grässlichen Sirenengeheul in diesen furchtbaren Luftschutzkeller? Die immerfortwährenden Fliegeralarme, das Sirenengeheul und die panische Flucht in den Luftschutzkeller verfolgten mich oft bis in meine Träume. Nur wenn ich im freien Bett neben der Mutter schlafen durfte, fühlte ich mich einigermaßen sicher. Doch auch hier schreckten mich immer wieder schlimme Angstträume auf. Dann gab es nur einen Ausweg: Ich musste unbedingt Licht haben, musste sehen, dass um mich herum wirklich nichts Schreckliches geschah und alles, was mir Angst machte, nur ein schlechter Traum gewesen war. Am Kopfende der Ehebetten meiner Eltern gab es eine Schnur, an der man einfach nur ziehen musste, um die Deckenleuchte einzuschalten. Wenn ich mich ein bisschen streckte, konnte ich diese greifen. Schlaftrunken und in meiner panischen Angst fand ich diese rettende Schnur oft nicht. Bei der verzweifelt-hektischen Suche gruben meine Fingernägel in das glänzende Furnier des elterlichen Ehebettgiebels tiefe Spuren, die auch viele Jahre später als Zeugnisse meiner Panikattacken noch deutlich zu sehen waren. Leipzig blieb weiter ein von der Royal Air Force und der 8. US-Luftflotte intensiv angegriffenes Ziel. Die Flugzeuge kamen jetzt nicht nur nachts, auch am Tag kündigten die Sirenen mit ihrem entsetzlichen Heulen deren Kommen an. Am 27. Februar 1945 flog die 8. US-Luftflotte in der Mittagszeit einen Angriff auf das gesamte Stadtgebiet, ebenfalls am 6. April. Die Royal Air Force unternahm in der Nacht vom 10. auf den 11. April einen Doppelangriff. Am 15. April 1945 endete dann der alliierte Bombenkrieg. Jetzt musste ich keine mehr Angst haben, wenn Flugzeuge am Himmel auftauchten, endlich gab es keinen der verhassten Bombenalarme mehr, nie mehr würden die Sirenen heulen, nie mehr würden Bomben fallen, nie mehr müsste ich so schnell ich nur konnte die Treppen hinunter in den verhassten Luftschutzkeller rennen. Und endlich durfte ich mit den anderen Kindern auch auf der Straße spielen. Als etwas später am endlosen, frühlingsblauen Himmel ein Pulk von Flugzeugen in großer Höhe dahinzog, machte mir das keine Angst mehr. ---------------------------------------- Man hat niemals herausfinden können, warum diese Bomben dort abgeworfen wurden Sehr geehrte NDS-Redaktion, persönlich habe ich den Zweiten Weltkrieg und das Kriegsende nicht miterlebt, dafür bin ich dann doch zu jung. Meine Eltern haben diese Zeit allerdings als Kinder erlebt. Nach dem Krieg wurde nicht viel darüber geredet bis auf eine Ausnahme, die mir in Erinnerung geblieben ist: Meine Mutter hat mir einmal erzählt, dass sie nicht nur drei Brüder hätte, sondern auch noch eine kleine Schwester hatte, die jetzt meine Tante wäre, wenn sie den Krieg überlebt hätte. Sie ist allerdings kurz vor Kriegsende gestorben, aber nicht etwa durch eine Fliegerbombe, eine Mine, eine Granate oder eine Gewehrkugel, und genügend zum Essen gab es auch, da meine Mutter auf einem Bauernhof aufgewachsen ist. Aber ihre kleine Schwester ist einmal krank geworden und einfach „nur” deswegen gestorben, weil es keine Medikamente gab. Die Medikamente wurden nämlich für die Soldaten an der Front benötigt. (…) Am Stadtrand meiner Heimatstadt gibt es (…) einige Fischteiche. Diese Fischteiche gibt es seit 1945. Es sind ehemalige Bombenkrater. Man hat niemals herausfinden können, warum diese Bomben dort abgeworfen wurden. In dieser Kleinstadt gab es zu diesem Zeitpunkt keinerlei Ziele, die von irgendeiner militärischen Relevanz gewesen wären, um darauf Bomben abzuwerfen (und zu verschwenden). Eine mögliche Ursache: Die Stadt lag direkt auf der Flugroute der britischen und amerikanischen Bomber, die nachts regelmäßig nach Berlin geflogen sind, um die Hauptstadt zu bombardieren, und die Bomben, die nicht über Berlin abgeworfen wurden, wurden dann beim Rückflug abgeworfen, um Gewicht bzw. Treibstoff zu sparen. Ob die Bomben meine Heimatstadt nur verfehlten oder die Besatzung und der Bombenschütze absichtlich daneben gezielt haben, diese Frage konnte bis heute niemand verlässlich beantworten. Mit freundlichen Grüßen Detlef Schmiedel ---------------------------------------- „Ich hoffe auf Gott, dass er mich Dir und den Kindern erhält.“ (…) Ich bin 1946 geboren worden und habe Erinnerungen an Ruinen in unserer Wohnumgebung in Berlin Zehlendorf, die uns als gefährlicher Spielplatz diente und als Fundort für Metalle aller Art, die man zum Schrotthändler brachte, um sich Taschengeld zu verdienen. Tief in mir verwurzelt ist eine tiefe Angst vor Krieg und hat mich zu einer festen Haltung gegen Militarisierung und Krieg gebracht. Fassungslos stehe ich heute vor der Kriegstreiberei in unserem Land, in dem man hören muss, Rußland müsse verlieren lernen wie die Deutschen ehemals. Will man also doch Rache nehmen? Landauf und landab wird unter der Parole verdeckt, was eigentlich wirklich passiert, Krieg aus nationalen oder geopolitischen Interessen, und damit verbunden Mord, Tod, Vertreibungen, Folter, Vergewaltigungen, die ganze Palette der Verbrechen, die die Menschheitsgeschichte durchziehen. Geschichte wiederholt sich nicht, aber Geschichten ähneln sich. Erbarmungslos versuche ich in meinem Umfeld aufzuklären, auch mit der Biografie meiner Familie. Brief des leiblichen Vaters Richard Albert Eduard Pick an seine Ehefrau Hedwig Anna Gertrud Pick, geb. Bera vor dem Ausrücken in den Ersten Weltkrieg: > Spandau, den 15.3.1915 > > Mein liebes Herz, > > Ich will Dir hiermit die letzten Gedanken, welche mich vor meinem Ausrücken bedrücken zu Papier bringen, und bitte Dich, auch noch persönlich, diesen Brief erst nach meinem Ausrücken zu lesen. > > Ich konnte gestern Abend nicht schlafen und habe mich ruhelos umhergeworfen, weil ich mit meinen Gedanken nur bei Dir war. > > Ich sah mich in Gedanken draußen im Felde liegen, ob krank, verwundet oder tot, ich weiß es nicht. Und weiter dachte ich an Dich und die Kinder und heiße Tränen habe ich geweint bei dem Gedanken Dich und die Kinderchen vielleicht nicht wieder zu sehen. > > Ich hoffe auf Gott, dass er mich Dir und den Kindern erhält. > > Auch habe ich all das Unrecht, was ich glaube, Dir in der langen Zeit unserer Ehe angetan zu haben, tief bereut und bitte Dich herzlichst um Vergebung mein Liebling! > > Hoffe auf Gott und bete für mich, ich will es auch für Dich tun, so wird er mich beschützen und mich gesund zurückkehren lassen. > > Meine Feldadresse lautet, damit Du sie nicht vergisst: 5. Garderegiment zu Fuß, verstärkte 5. Garde Infanterie Brigade 25, Reserve Korps. > > Es fehlt nur noch die Kompanie, die gebe ich Dir später an. > > Nun lebe wohl, und möchte Gott, auf Wiedersehen, Dein treuer Richard Der Brief des Ehemannes klang nicht nach Kriegseuphorie, sondern nach Angst. Gleichwohl wurde der Beginn des Krieges 1914 im Land euphorisch gefeiert. Richard Pick sollte mit seinen dunklen Ahnungen recht behalten. Nur drei Monate später war er tot. Als Angehöriger der Fußtruppen des 5. Garderegiments war er als 30-jähriger sechsfacher Vater am Feldzug im Osten beteiligt. Nicht zu klären ist, warum er in seinem Alter und Status als Familienvater so früh in den Krieg eingezogen wurde oder ob er sich womöglich freiwillig gemeldet hatte. Er gehörte zur Reserve. (…) von Brigitte Pick ---------------------------------------- Titelbild: wikicommons [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:%D0%9D%D0%B5%D0%BC%D0%B5%D1%86%D0%BA%D0%B8%D0%B9_%D0%BC%D0%B0%D0%BB%D1%8C%D1%87%D0%B8%D0%BA_%D0%BD%D0%B0_%D1%80%D0%B0%D0%B7%D0%B2%D0%B0%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B0%D1%85_%D0%B2_%D0%B3.%D0%91%D0%B5%D1%80%D0%BB%D0%B8%D0%BD%D0%B5.jpg]
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