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Leihmutterschaft: „So wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen“

5 min · 22. heinä 2026
jakson Leihmutterschaft: „So wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen“ kansikuva

Kuvaus

Die Debatte um Jens Spahn hat das Thema Leihmutterschaft neu entfacht. Der CDU-Politiker und sein Ehemann bekamen mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind – obwohl Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Im Gespräch mit SWR Kultur erklärt die Journalistin Annette Kammerer, warum trotzdem viele Paare den Weg ins Ausland wählen und welche Risiken damit verbunden sind. Kammerer hat ein Jahr lang zum Thema recherchiert und begleitet aktuell ein Paar, dessen Kind mithilfe einer Leihmutter in Georgien zur Welt kommen soll. Die Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, seien „eigentlich eher ein Querschnitt der Gesellschaft“, sagt sie. Neben wohlhabenden Paaren habe sie auch Menschen getroffen, die sich das Geld für eine Leihmutterschaft von ihren Eltern leihen mussten. WELTWEITER MARKT MIT GROSSEN UNTERSCHIEDEN Während die USA als besonders transparent gelten, gebe es weltweit große Unterschiede. Georgien zähle derzeit zu den Ländern, in die viele deutsche Paare gingen. Problematisch seien dagegen Staaten ohne klare gesetzliche Regelungen. Als Beispiel nennt Kammerer den türkisch besetzten Teil Zyperns. Dort gelte das Motto: „Was nicht verboten ist, ist erstmal erlaubt.“ Für ein so komplexes Verfahren wie eine Leihmutterschaft sei das „doch sehr riskant“. FEHLENDE BERATUNG DRÄNGT PAARE INS AUSLAND Das deutsche Verbot halte viele Paare nicht von einer Leihmutterschaft ab – im Gegenteil. Aus Kammerers Sicht verschärft es die Situation sogar. „Sehr verzweifelte Paare treffen auf einen sehr agilen weltweiten Markt“, sagt sie. Gleichzeitig fehle ein neutrales Beratungsangebot. Viele Betroffene seien deshalb auf Facebook- oder WhatsApp-Gruppen angewiesen, um seriöse Agenturen oder geeignete Länder zu finden. „NIEMAND IST GESCHÜTZT“ Nach ihren Recherchen sieht Kammerer dringenden Handlungsbedarf. „So wie es gerade läuft, kann es eigentlich nicht weitergehen“, sagt sie. Weder die Leihmütter noch die Wunscheltern seien ausreichend geschützt. Gleichzeitig finde kaum eine Kontrolle statt, wer eine Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nimmt.

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jakson Big Tings: Eine Ausstellung über Stuttgart als Reggae-Hotspot kansikuva

Big Tings: Eine Ausstellung über Stuttgart als Reggae-Hotspot

„BIG TINGS“ IM STUTTGARTER STADTPALAIS Eins ist klar: Hier stimmt was nicht! Man betritt die Reggae-Ausstellung „Big Tings“ im Stuttgarter Stadtpalais, steht vor der üppigen Plantage einer bewusstseinsverändernden Grünpflanze, die bekannt ist für ihre notorisch süßliche Ausdünstung, aber zu riechen ist hier rein gar nichts. Alles nur Plastik.  Müsste man denn eigentlich nicht ordentlich bekifft sein, um den Spirit des Reggae so richtig tief zu spüren? „Nein, überhaupt gar nicht. Das ist komplettes Klischee. Natürlich ist es eine Thematik, ganz klar. Aber es ist keine tragende Säule einer kulturellen Identität“, sagt der Stuttgarter Elmar Jäger, den die Ausstellung als weltweite Berühmtheit des Reggae einstuft. SCHWABEN IN KINGSTON Da sind Unwissende verblüfft: Reggae, das ist doch jene partytaugliche Befreiungsmusik aus Jamaika, in den 1970er-Jahren berühmt gemacht von Bob Marley. Was machen denn Schwaben in Kingston?  „Die Verbindung zwischen Jamaika und Stuttgart liegt ja wirklich nicht nahe, aber grundsätzlich ist diese Dancehall- und Reggae-Musik eine Musik, mit der die urbane Szene seit den 1980er-Jahren und vor allem in den 2000ern relativ viel anfangen kann“, erklärt Stadtpalais-Direktor Torben Giese. HAILE SELASSIE ALS ERLÖSER Doch vorher klärt die Ausstellung erst mal die historischen Grundlagen, und zwar mit Hilfe der Plastik-Hanfstengel am Eingang. In handelsüblichen Portionstütchen stecken dort statt Gras Illustrationen und Infos – etwa über den Panafrikanismus, einer christlich gefärbten Befreiungsbewegung in Amerika, die das Heil der unterdrückten Schwarzen in der Rückkehr nach Afrika sah. „Tatsächlich wird 1930 Haile Selassie [https://www.swr.de/swrkultur/wissen/zeitwort-20250509-mussolini-verkuendet-die-annexion-abessiniens-100.html]der Kaiser von Äthiopien und vor allem in Jamaika gibt es eine Menge von Intellektuellen, die sagen: Das ist dieser Messias, wir müssen zu ihm und er zeigt uns den Weg aus dem Kolonialismus. Und das ist diese Rastafari-Bewegung, dass man sagt, da kommt ein Messias und der befreit die Welt“, sagt Museumsleiter Giese. STUTTGARTER SOUNDSYSTEM IM REGGAE-OLYMP Bob Marleys Hit „Iron Lion Zion“ feiert genau diese Erlöserfigur. Weltanschaulich ist das Lichtjahre von dem entfernt, was sich später aus dem Reggae entwickelt: eine urbane, elektronische Musik mit jenem Groove, der Elmar Jäger Mitte der 1990er-Jahre infiziert, als er zum ersten Mal nach Jamaika kommt. Elmar Jägers Netzwerk wächst, er und seine Kumpels nennen sich Sentinel Soundsystem. Der Clou solcher Gruppen ist es, nicht nur die fettesten Beats zu haben, sondern vor allem eigene Tracks, die sonst keiner hat. Schließlich erreichen Jäger und Kollegen den maximalen Erfolg: Als erste Weiße gewinnen Sentinel 2005 den „Worldclash“-Wettbewerb in Brooklyn, eine Art Weltmeisterschaft des Reggae.

22. heinä 20263 min
jakson Leihmutterschaft: „So wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen“ kansikuva

Leihmutterschaft: „So wie es gerade läuft, kann es nicht weitergehen“

Die Debatte um Jens Spahn hat das Thema Leihmutterschaft neu entfacht. Der CDU-Politiker und sein Ehemann bekamen mithilfe einer Leihmutter in den USA ein Kind – obwohl Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Im Gespräch mit SWR Kultur erklärt die Journalistin Annette Kammerer, warum trotzdem viele Paare den Weg ins Ausland wählen und welche Risiken damit verbunden sind. Kammerer hat ein Jahr lang zum Thema recherchiert und begleitet aktuell ein Paar, dessen Kind mithilfe einer Leihmutter in Georgien zur Welt kommen soll. Die Menschen, die sich für diesen Weg entscheiden, seien „eigentlich eher ein Querschnitt der Gesellschaft“, sagt sie. Neben wohlhabenden Paaren habe sie auch Menschen getroffen, die sich das Geld für eine Leihmutterschaft von ihren Eltern leihen mussten. WELTWEITER MARKT MIT GROSSEN UNTERSCHIEDEN Während die USA als besonders transparent gelten, gebe es weltweit große Unterschiede. Georgien zähle derzeit zu den Ländern, in die viele deutsche Paare gingen. Problematisch seien dagegen Staaten ohne klare gesetzliche Regelungen. Als Beispiel nennt Kammerer den türkisch besetzten Teil Zyperns. Dort gelte das Motto: „Was nicht verboten ist, ist erstmal erlaubt.“ Für ein so komplexes Verfahren wie eine Leihmutterschaft sei das „doch sehr riskant“. FEHLENDE BERATUNG DRÄNGT PAARE INS AUSLAND Das deutsche Verbot halte viele Paare nicht von einer Leihmutterschaft ab – im Gegenteil. Aus Kammerers Sicht verschärft es die Situation sogar. „Sehr verzweifelte Paare treffen auf einen sehr agilen weltweiten Markt“, sagt sie. Gleichzeitig fehle ein neutrales Beratungsangebot. Viele Betroffene seien deshalb auf Facebook- oder WhatsApp-Gruppen angewiesen, um seriöse Agenturen oder geeignete Länder zu finden. „NIEMAND IST GESCHÜTZT“ Nach ihren Recherchen sieht Kammerer dringenden Handlungsbedarf. „So wie es gerade läuft, kann es eigentlich nicht weitergehen“, sagt sie. Weder die Leihmütter noch die Wunscheltern seien ausreichend geschützt. Gleichzeitig finde kaum eine Kontrolle statt, wer eine Leihmutterschaft im Ausland in Anspruch nimmt.

22. heinä 20265 min
jakson Aus Hitlers Geburtshaus wird eine Polizeiwache: Wie eine historische Einordnung gelingen kann kansikuva

Aus Hitlers Geburtshaus wird eine Polizeiwache: Wie eine historische Einordnung gelingen kann

In Braunau am Inn wird das Geburtshaus Adolf Hitlers nach einer umfassenden Umgestaltung als Polizeiwache neu eröffnet, um den Ort für Neonazis unattraktiv zu machen. EINORDNUNG STATT NEUTRALISIERUNG Florian Kotanko, Leiter des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, begrüßt den Einzug der Polizei grundsätzlich, betont jedoch, dass der Umgang mit dem Gebäude von dessen Nutzung abhänge: „Es gehört meiner Meinung nach unbedingt eine historische Kontextualisierung dazu“, fordert Kotanko und kritisiert das Fehlen einer direkten Einordnung am Gebäude. Eine bloße Veränderung der Fassade könne die historische Bedeutung des Hauses nicht auslöschen oder den Ort „neutralisieren“. Stattdessen plädiert Kotanko für eine aktive Erinnerungskultur, die Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt und Braunau differenziert mit seiner Geschichte umgehen lässt.

22. heinä 20266 min
jakson Die Soul- und Gospelsängerin Siyou kansikuva

Die Soul- und Gospelsängerin Siyou

Seit 30 Jahren leitet Siyou – mit bürgerlichem Namen: Siyou Isabelle Ngnoubamdjum – Gospelchöre und tritt international mit ihnen auf, hat aber auch andere Musikprojekte, zum Beispiel das Duo „Siyou'n'Hell“ mit dem Bassisten Hellmut Hattler [https://www.swr.de/kultur/musik/far-west-von-der-legendaeren-band-kraan-eine-wiederentdeckte-live-aufnahme-von-1980-100.html]. Jetzt hat sie zum ersten Mal ein Album auf Vinyl veröffentlicht, die gute alte „Langspielplatte“, wie man früher sagte. Die Songs von „About me“ sind teilweise schon älter, wurden aber alle für das Album neu aufgenommen. Siyou ist Tochter einer Pfarrers mit kamerunischen Wurzeln und hat schon in frühester Kindheit in der Kirche gesungen. > Ich habe schnell gemerkt: Das ist meine Art des Ausdrucks, damit kann ich Menschen berühren. > > > Quelle: Sängerin Siyou

Eilen16 min
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Hyperrealistischer Publikumsliebling: Die „Putzfrau“ der Staatsgalerie Stuttgart wird restauriert

AUF DEM TISCH DER RESTAURATORINNEN Zuletzt putzte sie die Böden bei den alten italienischen Meistern. Dort hockte sie in ihrem geblümten, ausgebleichten Kittel auf dem Boden, abgestützt mit der einen Hand, die andere am Rand des gelben Putzeimers, und blickte erschöpft von der schweren Arbeit ins Leere. Davon erholt sie sich gerade im Schauatelier der Wüstenrot Stiftung: Seitlich liegt sie auf dem Tisch und wird umsorgt von den beiden Restauratorinnen Lena Bühl und Lydia Schmidt: „Der Kittel hatte einen großen Riss, den wir jetzt mittels eines Spannstichs schließen. Außerdem ist er aber auch sehr ausgeblichen und die Unterwäsche hat auch Löcher, die wir schließen werden.“ DUANE HENSON MACHTE GIPS-ABGÜSSE VOM LEBENDEN MODELL Im Vorfeld haben sich die beiden Museums-Restauratorinnen intensiv mit dem US-amerikanischen Künstler Duane Hanson, seiner Technik und dem benutzten Material auseinandergesetzt, damit nichts zerstört wird oder abbricht – etwa beim Anheben der Figur. Denn die Plastik ist hohl. Und dort, wo man nicht hinsieht, wenn sie in der Ausstellung auf dem Boden sitzt, hat sie viele offene Stellen. Sie ist also filigraner, als es auf den ersten Blick scheint. Außerdem hat Duane Henson viele einzelne Abgüsse aus Gips vom lebenden Modell gemacht und sie dann aneinander gefügt. Die Abgüsse hat er anschließend mit Polyesterharz und Glasfaser bearbeitet, ohne sich der gesundheitlichen Folgen bewusst zu sein. „Das ist halt relativ toxisch“, erklärt Restauratorin Lena Bühl. „Deshalb unter anderem ist er damals erkrankt und hat dann das Material gewechselt. Aber das ist ja alles ausgehärtet. Die Dämpfe und die Glasfasern, die bei der Herstellung entstehen, sind natürlich lungengängig, und Hanson hat sich halt gerade zu Beginn nicht geschützt. Das kennt man auch von anderen Künstlern jener Zeit. Niki de Saint Phalle ist ja auch sehr stark erkrankt daran.“ KÜNSTLERATELIER, ZAHNARZTPRAXIS, SCHNEIDEREI UND OP-SAAL Im Schauatelier, wo die Besucher den Restauratorinnen durch eine große Glasscheibe bei der Arbeit zuschauen können, sieht es aus wie in einem Künstleratelier, einer Zahnarztpraxis, einer Schneiderei und einem Operationssaal in einem. Überall liegen Feinwerkzeuge, Pinsel, Farbtöpfchen, Sonden und Messgeräte herum. An der Wand hängen sogar Röntgenaufnahmen. „Das Tolle ist halt, dass wir hier im Haus auch eine Röntgenanlage haben, mit der wir die Kunstwerke durchleuchten können, um eben in tiefere Schichten zu schauen“, so Lena Bühl. Aus welchem Kunststoff die gräulich-beigefarbene Perücke genau ist, konnten die beiden Restauratorinnen nicht herausfinden. Bekannt ist aber, dass Duane Hanson im Frühwerk mit Kunsthaarperücken arbeitete, später mit Echthaarperücken. AUCH FEINE HAUTFALTEN REALISTISCH DARGESTELLT Ein weiteres Merkmal für das Frühwerk: Die Augen waren gemalt, später setzte er Glasaugen ein. Um den Unterschied zu erkennen, muss man allerdings schon genau hinschauen. So sehr perfektionierte Hanson seine Technik, auch was die Haut seiner Figuren anging. Man erkenne etwa am Ellenbogen, wie Henson es schaffte, mittels einer Silikon-Abformungstechnik die genaue Oberfläche der Haut abzubilden, erklärt Restauratorin Bühl, „sodass wir jetzt wirklich diese feinen Runzeln und die Beweglichkeit der Haut nachempfinden können. Und das hat er dann gleichzeitig auch mit der Ölfarbe, die er auf den Untergrund aufgebracht hat, extrem realistisch festhalten können.“   Übrigens: Das Model, das Duane Hanson für seine Plastik Patin stand, war eine echte Putzfrau aus Düsseldorf. Ihr kaufte der Künstler auch die Kleidung ab – Hyperrealismus in Perfektion eben. Im September wird die Figur, die von vielen Besucherinnen und Besuchern schon vermisst wird, ihre Arbeit nach einem halben Jahr Pause wieder in der Dauerausstellung aufnehmen. Wo? Das wird nicht verraten. Die Suche nach ihr gehört für Viele zum Besuch der Stuttgarter Staatsgalerie mit dazu.

Eilen4 min