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Lieber Risiko als Ruhe: „Green Fence“ im Kunstmuseum Reutlingen

4 min · 14. heinä 2026
jakson Lieber Risiko als Ruhe: „Green Fence“ im Kunstmuseum Reutlingen kansikuva

Kuvaus

Der Stuttgarter Künstler Georg Lutz zeigt im Kunstmuseum Reutlingen seine Rauminstallation „Green Fence“ über das NS-Vernichtungslager Sobibor. „Man kann dabei leicht Fehler machen“, sagt der Künstler, „aber wir müssen versuchen, über Antisemitismus ins Gespräch zu kommen.“

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jakson Kino-Dokumentation: Sexismus, Klischees und Herrenwitze – Was Frauen im Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre erlebten kansikuva

Kino-Dokumentation: Sexismus, Klischees und Herrenwitze – Was Frauen im Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre erlebten

WER HAT GELACHT? UND WER WAR DER WITZ? Wer bestimmt eigentlich, worüber gelacht wird? Denn wer das bestimmt, hat Macht – und die hatten Frauen im deutschen Fernsehen der 1990er-Jahre nicht gerade im Überfluss. Wer durfte lachen – und wer war der Witz?  Eva Müllers und Isabel Schneiders Dokumentarfilm stellt die richtigen Fragen. Mit scharfem Blick auf die Fernsehunterhaltung der 1990er erzählt der Dokumentarfilm von Frauen, die sich ihren Platz vor der Kamera und hinter den Pointen erkämpften. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und andere erinnern sich an eine Zeit, in der Humor eindeutig männlich dominiert war.  OFFENES ANTATSCHEN ALS UNTERHALTUNG Das gezeigte Archivmaterial wirkt heute wie eine Reise in die Abgründe des Offensichtlichen: „Mini ist wieder in“, Assistentinnen mit „Tendenz zur Hintergründigkeit“, offenes Antatschen, Frauen als Dekoration. Der Film zeichnet das Bild einer Fernsehwelt, in der viele Männer auf wenige Frauen kamen. Letztere waren meist Ansagerinnen oder Assistentinnen und wurden auf ihre äußerliche Attraktivität reduziert. Esther Schweins nennt ihre damalige Normschönheit etwas eitel „meine Misere“. Maren Gilzer steht als „Glücksrad“-Fee exemplarisch für dieses Rollenbild. Bettina Böttinger bewundert rückblickend die Professionalität jener Frauen: „Die lächelten einfach durch.“ Gleichzeitig zeigen Archivaufnahmen, wie manche bei „Herrenwitzen“ kurz die Fassung verlieren, bevor das routinierte Lächeln zurückkehrt. WER NICHT MITLACHT, GILT ALS SPASSBREMSE Vor diesem Hintergrund verfolgt der Film die Karrieren ihrer Protagonistinnen: Sie berichten davon, wie sie eigene Texte und neue Perspektiven in die Comedy einbringen. Themen wie Abtreibung oder Vergewaltigung, Alltagssexismus und Menstruationsprobleme sind aber noch keineswegs ein „weiblicher Blick“. Im Gegenteil reproduzieren sie die Sexualisierung von Frauen eher – nur aus neuer, nun weiblicher Perspektive.  Gerade diese Film-Passagen über Körperscham und Weibchen-Stereotype sind selbstkritisch und kennen keine einfachen Urteile. HUMOR ALS MACHTINSTRUMENT Besonders überzeugend ist der Film immer dort, wo er Humor als Machtinstrument versteht. Maren Kroymann beschreibt, wie Kritik an sexistischen Witzen selbst zur Zielscheibe wurde: Wer widersprach, galt schnell als humorlose Spielverderberin.  Man erfährt, was feministische Bewegungen verändert haben – und wie viel heute lediglich subtiler geworden ist. Der Film vermeidet zugleich auch den üblichen Reflex, auf die Vergangenheit nur mit moralischer Überlegenheit zu blicken. Was damals als harmloser Spaß galt, wirkt heute oft wie ein Affront. Jede Pointe ausschließlich nach heutigen Maßstäben zu bewerten, wäre allerdings ebenso verkürzt. EIN KLUGES STÜCK MEDIENGESCHICHTE Ähnlich wie „Die Unbeugsamen“ die Politik über das Thema der Frauenbeteiligung neu vermessen hat, wird dieser Dokumentarfilm zu einer klugen Archäologie des Gelächters im deutschen Fernsehen und fragt nach den Machtverhältnissen hinter dem Humor. Ein unterhaltsames, politisches Stück Mediengeschichte, bei dem einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt – und das am Ende die beunruhigende Frage stellt: Übersehen wir heute vielleicht genauso viel wie damals? Trailer „Was haben wir gelacht“, Kinostart 16. Juli

14. heinä 20263 min
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Tyrannosaurus Rex kommt unter den Hammer

Das Skelett eines Tyrannosaurus Rex wird heute beim Auktionshaus Sotheby's versteigert. Das Exemplar mit dem Spitznamen „Gus“ gilt mit mehr als 60 Prozent Originalknochen als gut erhalten. Aus Sicht von Fossilienpräparator Nils Knötschke sind privat finanzierte Ausgrabungen erforderlich, um solcher Funde noch gewinnen zu können. VERLETZUNGEN ERZÄHLEN VOM LEBEN DER DINOSAURIER Sotheby's hebt besonders die Bissspuren und verheilten Knochenbrüche des Tieres hervor. Für Knötschke sind solche Verletzungen allerdings keine Seltenheit. Viele Dinosaurierfossilien zeigten Spuren eines harten Lebens mit Kämpfen und Jagden, sagt der Präparator in SWR Kultur. Wissenschaftlich interessant seien sie dennoch, weil sie Rückschlüsse auf Verhalten und Lebensweise der Tiere erlaubten. Besonders bemerkenswert sei vor allem der hohe Anteil erhaltener Originalknochen. PRIVATE FINDER ALS WICHTIGE PARTNER DER FORSCHUNG Der Handel mit Dinosaurierskeletten ist unter Forschenden umstritten. Knötschke verweist jedoch darauf, dass viele spektakuläre Funde überhaupt erst durch private Sammler und Ausgrabungsteams geborgen würden. Oft dauerten Ausgrabung und Präparation viele Jahre. Häufig gelangten solche Fossilien später als Leihgaben in Museen und stünden damit auch der Wissenschaft wieder zur Verfügung. Voraussetzung sei eine sorgfältige Dokumentation der Fundstelle und der Präparation.

14. heinä 20265 min
jakson Affen als Herausforderung für die Literatur: Lara Rüters Essay „Affenliebe” kansikuva

Affen als Herausforderung für die Literatur: Lara Rüters Essay „Affenliebe”

Leipzig, ein Primatenforschungszentrum. Aus dem Gewimmel des Zoos klingen Tierstimmen. Eine Forscherin steht vor einem der Gehege, beobachtet die Affen, macht Notizen. Eine Biologin? Nein, eine Dichterin. Ihr Name: Lara Rüter [https://www.swr.de/kultur/literatur/bestenliste-2026-05-09-102.html].  Die Aufzeichnungen in ihrem Notizbuch wirken zunächst wie ein Durcheinander aus Beobachtungen, Tagebucheinträgen und Gedichtfragmenten: Bei genauerem Hinsehen entpuppen sie sich als Versuche, das Verhalten der Affen möglichst genau zu erfassen.   MENSCHLICHES VERHALTEN Im Leipziger Zoo sind die Affen Individuen: Sie haben Namen, Vorlieben, vielleicht sogar Gefühle. Rüter gelangt schnell zu der Einsicht, dass sie sich von den menschlichen Verhaltensweisen der Tiere nicht distanzieren kann. Sie ertappt sich dabei, einzelne Lieblingsaffen zu haben. Besonders nähert sie sich dem Bonobo Tayo an – entgegen aller wissenschaftlichen Distanz:  „Tayo schlägt seine Zähne wie immer an die Schreibe, als er mich sieht, schließlich presst er seine Lippen kussmündig auf das Glas. Und ich zögere nicht, lege meine sofort darauf, bevor er verschwindet, lege sie auf die verstaubte, dreckige Scheibe, irgendwie direkt auf seine Lippen und auch nicht.”    FORSCHUNG ZWISCHEN NÄHE UND DISTANZ  Spätestens hier verlässt die Autorin die Rolle einer nüchternen Beobachterin. Der Institutsalltag wird zu einem Alltag der Gefühle. Die Affen setzen bei Rüter Erinnerungen und Reflexionen über ihre Vergangenheit in Gang. Dann entwickelt sich der Essay zunehmend zu einer biographischen Selbstbefragung.  > Meine Affen stellen keine Fragen an die Welt, scheinen Bruchstücke als das Ganze anzunehmen. Lieblingsfarbe. Lieblingstier. Als Kind wollte ich vom Kuckucksvater immer nur das wissen. […] Ich glaube, dass ich Halt suchte in diesem Ritual. > > > Quelle: Lara Rüter – Affenliebe Dokumentieren und Dichten: So könnte also das Motto von Rüters Buch lauten. Die Autorin ist eben beides: Forscherin und Dichterin; in „Affenliebe“ erprobt sie die Möglichkeit einer Symbiose dieser beiden Rollen.  Entstanden ist ein Text, der das Verhältnis von Menschen und Affen zum Ausgangspunkt einer Reflexion über die existenziellen Fragen des Menschseins nimmt. Im Hintergrund schwebt dabei immer die Frage: Kann eine Dichterin die Sprache der Tiere sprechen?  INTELLEKTUELLES BERÜHREN Schnell wird deutlich: Da, wo das literarische Verdichten beginnt, werden die Affen als Schreibanlässe instrumentalisiert. Ist das nicht jene Projektion, die Rüter eigentlich vermeiden wollte? Die Autorin reflektiert diesen Widerspruch kaum und macht stattdessen das sogenannte „intellektuelle Berühren“ zum Programm ihres Schreibens:  > Vertraue nie einem Affen. Berühre ihn nie, auch nicht, wenn er dein Freund ist, berühre ihn nur auf der intellektuellen Ebene. > > > Quelle: Lara Rüter – Affenliebe EIN INTERTEXTUELLES SCHREIBPROJEKT  Gelungen ist das Buch vor allem dort, wo es in den Dialog mit anderen Texten tritt. Zahlreiche philosophische Zitate begleiten die freien Assoziationen, eine Liste mit Literaturhinweisen am Ende des Buches dient hier als Einladung zum Weiterlesen.  Ein wichtiger literarischer Bezugspunkt des Essays ist Franz Kafka [https://www.swr.de/kultur/literatur/aexavarticle-swr-39000.html]. In dessen Erzählung „Ein Bericht für eine Akademie“ spricht der menschgewordene Protagonist Rotpeter von seiner Vergangenheit als Affe: „Ich kann das damals affenmäßig Gefühlte nur mit Menschenworten nachzeichnen“.  Das Zitat steht dem Buch als Epitaph voran. Was bei Kafka pointiert klingt, mündet bei Rüter in langatmige Suchbewegungen.  Am Ende bleibt „Affenliebe“ ein Experiment: ein Schreibprojekt, das seinem fragmentarischen Charakter aufs höchste verbunden ist. Es folgt konsequent dem Grundsatz: Genaues Beobachten hat keine Stringenz. Stattdessen ist es Aufgabe einer Dichterin, das Gesehene zu verdichten.  Damit zeugt der Essay davon, was Lara Rüter – vor allem als Lyrikerin – gut kann: In aufmerksamer Versenkung ihre Umwelt beobachten.

Eilen4 min