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Schriftdesigner Erik Spiekermann: „Keiner weiß, wer ich bin – aber alle nutzen meine Arbeit“

13 min · 24. kesä 2026
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Kuvaus

DER „RUMPELSTILZCHEN-EFFEKT“ DES ERFOLGS Er gilt als einer der einflussreichsten Gestalter von Schrift und Konzerndesign im deutschsprachigen Raum. Gerade wurde Erik Spiekermann mit dem Gutenberg-Preis [https://www.gutenberg-gesellschaft.de/gutenberg-preis] der Internationalen Gutenberg-Gesellschaft und der Stadt Mainz „als Pionier für prägende und stilbildende Schriften“ ausgezeichnet. Als „Legende“ möchte Erik Spiekermann trotz seines Lebenswerks nicht bezeichnet werden. „Wenn jemand sagt, ich sei Legende, dann bin ich ja eigentlich tot“, sagt der Typograf im Gespräch mit SWR Kultur. Er bevorzuge den „Rumpelstilzchen-Effekt“ seiner langjährigen Tätigkeit: „Keiner weiß, wie ich heiße, wer ich bin, aber alle benutzen meine Arbeit. Das finde ich eigentlich am schönsten daran.“ Was da alles zusammenkommt, ist weit mehr als das Tagewerk eines Rumpelstilzchens. Erik Spiekermann hat unter anderem das Schriftdesign der Deutschen Bahn entworfen, das Corporate Design von Audi und VW, von Bosch und ZDF. Bis 2001 führte er das damals deutschlandweit größte Designbüro mit bis zu 170 Mitarbeitern. GESTALTUNG DER DEUTSCHE TELEFONBÜCHER Das Wichtigste aus seiner Sicht: Ein guter Stil sollte nicht für Augenschmerzen sorgen. Auf Spiekermanns Entwürfe ging seit den 1980er Jahren auch die Gestaltung der deutschen Telefonbücher zurück. Da die „Schreibweise des Namens und die genaue Telefonnummer sehr, sehr, sehr wichtig sind“, sagt der Typograf, „darf man sich nicht zu weit von dem entfernen, was 84 Millionen Deutsche so unter Schrift verstehen.“ Als einer der ersten Designer importierte er elektronische Schriften aus den USA nach Deutschland. Heute dagegen habe er wieder angefangen, analog zu arbeiten. In Berlin hat er eine Buchdruckwerkstatt aufgemacht, wo er Andruckpressen und Schriftsätze aus Holz und Blei sammelt. Erik Spiekermann: „Ich bin wieder da, wo Gutenberg war, allerdings mit Strom und durchaus mit Computern.“ Heute verbinde er das elektronische und das altmodische Handwerk. Im Prinzip ist er nun auch wieder dort, wo er schon als 16-Jähriger war. Damals sei er durch die Stadt gefahren und habe an jeder Straßenecke etwas mitgenommen: „Und hatte dann nach einigen Jahren plötzlich eine Druckerei zusammen.“

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jakson Wenn Antiquariate zu Datenminen werden: Gekauft, gescannt, geschreddert? kansikuva

Wenn Antiquariate zu Datenminen werden: Gekauft, gescannt, geschreddert?

KI-Unternehmen kaufen derzeit offenbar in großem Stil antiquarische Bücher im deutschsprachigen Raum auf, um sie für das Training von Sprachmodellen zu nutzen. Ein bisher einmaliger Vorgang, der eine beunruhigende Komponente hat: Denn auf diese Weise werden nicht nur viele antiquarische Bücher aus dem Verkehr gezogen – es wird in vielen Fällen wahrscheinlich auch deutsches Urheberrecht umgangen. Der Tübinger Antiquar Roger Sonnewald sieht darin zwar keinen Diebstahl – schließlich würden die Werke gekauft. Aber sei anzunehmen, dass die Bücherbestände nach dem Scannen vernichtet werden. Er warnt: „Damit geht Kulturgut verloren.“ Der Fall wiege zudem schwer, weil es sich um große Mengen handle. URHEBERRECHT UMGEHEN: BÜCHER AUS DEN 1970ER-JAHREN In Online-Foren melden Antiquariate aus ganz Deutschland auffällige Großbestellungen des kanadisch-amerikanischen Unternehmens Zoom Books [https://www.literaturcafe.de/kaufen-ki-unternehmen-deutsche-antiquariate-leer/]. Bevorzugt werden Sach- und Fachbücher, Romane kaum. Die meisten Käufe sollen über die Amazon-Tochter AbeBooks gelaufen sein, über die viele Antiquare ihre Bestände anbieten. Betroffen seien vor allem Bücher mit einer ISBN aus den 1970er-Jahren und später, die noch urheberrechtlich geschützt sind. Solche Werke seien für die KI-Systeme besonders interessant, sagt Antiquar Roger Sonnewald: Denn ältere deutsche Literatur sei meistens schon digital verfügbar, unter anderem über deutsche und europäische Bibliotheken. „FAIR USE“-REGELUNG IN DEN USA Die amerikanische KI-Firma Anthropic hat nach Recherchen der „Washington Post“ [https://www.washingtonpost.com/technology/2026/01/27/anthropic-ai-scan-destroy-books/] schon vor einiger Zeit millionenfach Bücher einkauft, eingescannt und dann vernichtet, weil dann die sogenannte „Fair Use“-Regelung greift. Während hierzulande das Urheberrecht strenger durchgesetzt wird, erlaubt diese Ausnahmeregel im US-Urheberrecht, geschützte Werke ohne Klärung mit dem Rechteinhaber zu nutzen. Hier tue sich eine Lücke auf, sagt Sonnewald: „Die Firmen sagen sich: wenn wir das kaufen, also physisch besitzen und danach vernichten, handelt es sich nicht um eine widerrechtliche Kopie, die in Umlauf gebracht wird.“ Ob deutsche Verlage und Autoren rechtlich dagegen vorgehen könnten, bleibt bisher unklar. Urheberrechte international durchzusetzen führt auch in anderen Kunstbereichen wie Musik und Design immer wieder zu Konflikten. CHANCE FÜR HÄNDLER UND ANTIQUARIATE? Die Methode der KI-Firmen, Antiquariaten ihre Ladenhüter abzunehmen, könnte von einigen Buchhändlern als positiv angesehen werden. Genauso würden sich viele Antiquare diesem Vorgang verweigern, sagt Sonnewald. Er selbst habe nur im sehr kleinen Rahmen Bücher auf diese Weise verkauft: „Das waren Bücher, von denen ich mich sehr gut trennen konnte.“ Mittlerweile stehe er dem sehr skeptisch gegenüber. Denn auch wenn die gekauften Bücher oft veraltete Sachbücher, Reisebücher oder Kochbücher sind – Sonnewald befürchtet, dass dadurch langfristig wertvolle Kulturbestände aus dem Antiquariatsmarkt verschwinden: „Antiquarische Bücher brauchen teilweise eine gewisse Lagerzeit. Selbst ein Berlin-Stadtplan von 1980, in dem die Mauer noch da ist, wird in 50 Jahren vielleicht sehr begehrt sein.“

26. kesä 20266 min
jakson Fotograf Michael Wesely zeigt das historische Stuttgart: Die Kamera als Zeitmaschine kansikuva

Fotograf Michael Wesely zeigt das historische Stuttgart: Die Kamera als Zeitmaschine

MICHAEL WESELY MACHT STUTTGART ZUR FOTOGRAFISCHEN ZEITREISE An einem glühend heißen Sommertag betritt ein Mann mit Bollerwagen den Stuttgarter Schlossplatz und tut seltsame Dinge: Er geht am verlockend rauschenden Brunnen vorbei, ohne sich dort abzukühlen, und bleibt erst mitten in der prallen Sonne stehen. Dann kramt er aus seinem Gefährt zwei Stative hervor. Auf dem einen installiert er eine Digitalkamera, auf dem anderen einen Laptop, zu dessen Betrachtung er unter einem schwarzen Tuch verschwindet. Nicht selten sprechen ihn Passanten an und fragen, was er da eigentlich macht. „Die Stuttgarter, wenn es diese nun überhaupt gibt, sind ein sehr neugieriges Völkchen. Da kommen wirklich jeden Tag vier, fünf Leute jeden Alters und wollen erklärt haben, was ich da mache“, erzählt der Berliner Fotograf Michael Wesely. HISTORISCHE FOTOS WERDEN MILLIMETERGENAU NACHGESTELLT Seit einigen Monaten fotografiert Wesely historische Stadtansichten nach, um beide Zeitschichten in einem Bild miteinander zu verbinden. Gerade vergleicht er auf seinem Laptop eine Schwarz-Weiß-Aufnahme des Schlossplatzes aus der unmittelbaren Nachkriegszeit mit der heutigen Situation. Bis Standort, Kamerahöhe, Brennweite und Bildausschnitt exakt übereinstimmen, kann es dauern. Erst wenn sich die Fluchtlinien und Gebäude deckungsgleich überlagern, entsteht der gewünschte Effekt. „Man sieht also einen Menschen aus 1945 ziemlich verloren nach dem Krieg herumlaufen und gleichzeitig einen Mann oder eine Frau mit drei Einkaufstüten über den gleichen Platz gehen. Dann weiß man eben, dass da Zeit vergangen ist.“ SICHTBAR WIRD AUCH, WAS STUTTGART VERLOREN HAT Weselys doppelt belichtete Stadtansichten machen nicht nur den Lauf der Zeit sichtbar, sondern auch die tiefgreifenden Veränderungen des Stadtbildes. Gerade Stuttgart gilt vielen als Stadt, die nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs und während des Wiederaufbaus ein zweites Mal ihr historisches Gesicht verlor. Viele alte Gebäude mussten Neubauten und dem wachsenden Autoverkehr weichen. „Dann kommen natürlich auch sämtliche Sachen vor, die verschwunden sind. Allen voran das berühmte Kaufhaus Schocken“, sagt Wesely. Würde das Gebäude heute noch stehen, „würden alle Influencer davorstehen und sich dauernd mit dieser tollen Fassade zeigen.“ EINE AUSSTELLUNG ALS EINLADUNG ZUR ZEITREISE Im Frühjahr 2027 werden Weselys Stuttgart-Bilder im StadtPalais Stuttgart ausgestellt. Parallel erscheint ein Bildband. Bereits in Berlin arbeitete der Fotograf nach demselben Prinzip im Auftrag des Bundestags. Dort beobachtete er, wie Besucher lange vor den großformatigen Bildern stehen blieben und über die Geschichte ihrer Stadt ins Gespräch kamen. Genau das wünscht er sich auch für Stuttgart. „Historie und Gegenwart mischen sich so seltsam, dass man gedanklich in Bedrängnis kommt. Was ist früher, was ist heute? Wenn die Entwicklung des Stadtraums direkt aus dem Bild hervorgeht, entstehen neue Erkenntnisse.“

26. kesä 20263 min
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„Ritus“: Neue ARD-Mystery-Serie mit Moritz Bleibtreu startet im Spätherbst

Ein abgeschiedenes Dorf, rätselhafte Vorfälle und verschwundene Kinder bilden die Kulisse der neuen sechsteiligen ARD-Mystery-Serie „Ritus“, die im Spätherbst in der ARD Mediathek starten soll. Regisseur Jonathan B. Behr beschreibt das Format im Gespräch mit SWR Kultur als „eine Mystery-Thriller-Serie, wir haben Horror-Elemente drin. Das heißt, es wird schon sehr spannend.“ Als Vorbilder nennt der Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg unter anderem „Twin Peaks“, „The Wicker Man“ und „True Detective“. Für Behr liegt der Reiz des Genres darin, gesellschaftliche Themen auf besondere Weise zu erzählen: „Diese Genres sind für mich immer so eine Art Linse, durch die man quasi die Realität betrachten kann.“ Die Hauptrollen übernehmen Moritz Bleibtreu als Kommissar Berger und Anna Shirin Habedank als Selin, die von rätselhaften Erinnerungen und Blackouts verfolgt wird.

26. kesä 20265 min
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Warum der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels an Philippe Sands geht

PHILIPPE SANDS ERHÄLT FRIEDENSPREIS DES DEUTSCHEN BUCHHANDELS Der französisch-britische Jurist und Bestsellerautor Philippe Sands wird mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet. Für Frank Hertweck, Leiter der Literaturredaktion von SWR Kultur, ist die Wahl ein deutliches Bekenntnis zur Bedeutung des Völkerrechts – gerade in einer Zeit, in der internationale Regeln zunehmend infrage gestellt werden. MENSCHENRECHTSANWALT AN DEN GROSSEN FÄLLEN DER ZEIT Sands lehrt Rechtswissenschaften am University College London und zählt zu den bekanntesten Experten für internationales Recht. Als Menschenrechtsanwalt war er unter anderem an Verfahren gegen den chilenischen Diktator Augusto Pinochet beteiligt und setzt sich seit Jahren dafür ein, den Begriff des Ökozids als Straftatbestand im Völkerrecht zu verankern. „Er ist immer an den ganz großen Sachen dran“, sagt Hertweck. Gerade diese Verbindung aus juristischer Praxis und wissenschaftlicher Arbeit habe Sands international bekannt gemacht. WENN RECHT ZU LITERATUR WIRD Einem breiten Publikum ist Sands vor allem als Autor bekannt. Bücher wie „Rückkehr nach Lemberg“ verbinden Familiengeschichte mit der Entstehung des modernen Völkerrechts. Ausgangspunkt ist häufig eine persönliche Spurensuche, die zu grundlegenden Fragen von Gerechtigkeit und historischer Verantwortung führt. „Recht fällt nicht vom Himmel, sondern ist immer Antwort auf Probleme und Ungerechtigkeiten in der Welt“, sagt Hertweck. Gerade diese Verbindung aus juristischer Analyse, historischer Recherche und literarischem Erzählen mache Sands' Werk außergewöhnlich. EIN SIGNAL FÜR DAS VÖLKERRECHT Nach Ansicht Hertwecks sendet die Jury mit ihrer Entscheidung auch eine politische Botschaft. Angesichts internationaler Konflikte sei die Auszeichnung ein klares Bekenntnis zu einer regelbasierten internationalen Ordnung. „Es ist ganz klar ein Plädoyer für die regelbasierte Ordnung“, sagt Hertweck. Rechtliche Regeln seien komplex und müshsam zu entwickeln – gerade deshalb dürften sie nicht leichtfertig infrage gestellt werden. LITERATUR ERINNERT AN DEN MENSCHEN Für Hertweck liegt die besondere Stärke von Philippe Sands darin, juristische Fragen immer mit den Schicksalen einzelner Menschen zu verbinden. „Er erinnert daran, dass das Recht immer für die Menschen da ist“, sagt Hertweck. Literatur wiederum erinnere daran, „dass es um Menschen geht“. An dieser Schnittstelle bewege sich das Werk von Philippe Sands seit Jahren. Deshalb sei die Auszeichnung mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels folgerichtig. „Dass er die Moralseite wieder stärkt und an die Moralseite erinnert, ist fundamental und ein großes Verdienst“, so Hertweck.

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jakson Desinformation rund um die Ebola-Epidemie kansikuva

Desinformation rund um die Ebola-Epidemie

DESINFORMATIONEN HABEN AUFSCHWUNG Spätestens seit der Corona-Pandemie erlebt die Verbreitung von Desinformationen zu Gesundheitsthemen einen deutlichen Aufschwung. Das gilt auch für die aktuelle Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda. Im Gespräch mit SWR Kultur am Morgen erläutert der Desinformationsexperte Christopher Nehring die derzeit am weitesten verbreitete Verschwörungstheorie: „Die wirkungsmächtigste Verschwörungserzählung ist sicherlich dieselbe wie bei Aids, Corona und vielen anderen Krankheiten: die Behauptung, das Virus sei als Biowaffe künstlich im Labor hergestellt und anschließend gezielt mit politischen Absichten eingesetzt worden.“ GESUNDHEITSDESINFORMATION VERFOLGT UNTERSCHIEDLICHE ZIELE Nach Angaben von Nehring, Direktor des Cyberintelligence Institute Frankfurt, gibt es verschiedene Motive für die Verbreitung von Gesundheitsdesinformation. Zum einen lasse sich damit Geld verdienen: „Gesundheit ist ein Thema, das sehr schnell große Aufmerksamkeit erzeugt. Im digitalen Zeitalter ist Aufmerksamkeit eine Ressource, die sich leicht monetarisieren lässt.“ Zum anderen werde Gesundheitsdesinformation auch von politischen Akteuren genutzt. Durch die gezielte Verbreitung von Angst und Irrationalität könnten politische Interessen verfolgt und gesellschaftliche Spannungen verstärkt werden.

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