SWR2 Kultur Aktuell
WIR LAUFEN TECHNISCHEN ENTWICKLUNGEN OFT HINTERHER Künstliche Intelligenz verändert unseren Alltag rasant, von medizinischen Diagnosen bis zu Bewerbungsverfahren. Mit den ethischen Fragen hinter diesen Entwicklungen beschäftigt sich das Institut für Angewandte Ethik an der Universität Trier. „Wir laufen technischen Entwicklungen oft hinterher. Die Herausforderung besteht darin, schon vorher über ihre Folgen nachzudenken“, sagt der Sprecher des Instituts Prof. Matthias Hoesch. KEINE VERANTWORTUNGSLÜCKE BEI KI Wenn Künstliche Intelligenz Fehler macht, stellt sich schnell die Frage nach der Verantwortung. Hoesch widerspricht der Vorstellung, niemand sei zuständig. „In den meisten Fällen lässt sich klar benennen, wo ein Fehler entstanden ist“, sagt er. Verantwortlich seien je nach Fall Entwickler, Anbieter oder Nutzer einer Technologie. Ethische Überlegungen müssten dabei Hand in Hand mit rechtlichen Regelungen gehen. DER THERAPEUT IN DER HOSENTASCHE Besonders spannend findet Hoesch die Zukunft von KI in Psychotherapie und Reproduktionsmedizin: „Vielleicht ist es in zehn Jahren ganz normal, den eigenen Therapeuten auf dem Smartphone zu haben.“ Dann stelle sich die Frage, ob Menschen ihr Leben bewusster gestalten oder ob digitale Systeme immer stärker Einfluss auf persönliche Entscheidungen nehmen. Für Hoesch gehören solche Fragen zu den zentralen ethischen Herausforderungen der kommenden Jahre.
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