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Klein, arm, besser? – Was bietet die FIFA-Alternative CONIFA?

3 min · 16 de jun de 2026
Portada del episodio Klein, arm, besser? – Was bietet die FIFA-Alternative CONIFA?

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DIE CONIFA WILL ANDERS SEIN ALS DER GROSSE FUSSBALLWELTVERBAND FIFA In der ersten Juniwoche 2026 fand in Norditalien eine alternative Europameisterschaft statt. Mit dabei: Grönland, Nordzypern, die französische Provence, die italienische Region Padanien und die Schweizer Kantone Tessin und Graubünden. Veranstalter war die CONIFA, die Konföderation unabhängiger Fußballverbände, gegründet 2013 für nicht anerkannte Staaten, Minderheiten oder historische Regionen. CONIFA zählt etwa 40 Mitgliedsverbände weltweit und will dabei ganz anders sein als der große Fußballweltverband FIFA. „Es geht um eine weite Repräsentation von Territorien, Menschen, Ethnien und Indigenen. Das ist die Essenz von CONIFA“, sagt der Schwede Per-Anders Blind, Mitbegründer und Präsident der CONIFA, die sich durch die 500 Euro Jahresbeitrag der Mitgliedsverbände finanziert. 20.000 Euro Jahresbudget für eine FIFA-Alternative. DIE MITGLIEDER: ETHNIEN, INDIGENE VÖLKER, SPORTLICH ISOLIERTE REGIONEN Die Beitrittsregeln sind bewusst niedrigschwellig und offen – und folglich divers sind die Mitglieder: Der grönländische Verband ist über 50 Jahre alt und von großer administrativer Bedeutung für den Fußball auf der Insel. Die Schweizer Kantone mit ihren Teams sind eher folkloristisch, Verbände aus Nordzypern, Kurdistan, Kashmir oder Tibet wiederum politisch brisant. „Wir nehmen Ethnien oder indigene Völker auf, aber auch sportlich isolierte Regionen“, erklärt Blind. „Manche sind wegen akuter politischer Umstände von der internationalen Sportbühne ausgeschlossen. Wir sind aber eine Plattform, damit alle Fußball spielen.“ DIE CONIFA SIEHT SICH EHER ALS MENSCHENRECHTSORGANISATION Früher waren auch die so genannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk dabei. Die norditalienische Region Padanien wiederum – stark verbunden mit der Agenda der rechtspopulistischen, einst als Separatistenpartei gegründeten, Lega Nord – hat man laut Blind erst zugelassen, als sich die Fußballer von der Partei vollständig distanzierten. Blind zufolge geht es der CONIFA gar nicht um Politik: „Oft versucht man von außen, CONIFA zu politisieren, aber wir selbst interessieren uns nicht für die politische Agenda der Verbände. Wir selbst sehen uns eher als Menschenrechtsorganisation.“ Nur ist ja selbst die Aufnahme bestimmter Mitglieder ein politisches Statement. DIE LEUTE SIND GENERVT DAVON, WIE GIERIG DIE FIFA GEWORDEN IST Der Fußball soll also im Vordergrund stehen – unpolitisch und vor allem auch antikommerziell. Denn, so Blind: „Die Leute sind genervt davon, wie gierig die FIFA geworden ist. Es muss etwas geben, das den Sport wieder zurück in den Fokus bringt. Und das sind wir!“ Kann die CONIFA das wirklich bieten? Immerhin repräsentiert CONIFA laut eigenen Angaben etwa 600 Millionen Menschen. Gleichzeitig wird auf der Homepage eine „Weltrangliste“ seit sechs Jahren nicht aktualisiert, zuletzt musste ein Drittel der weltweiten Mitgliedsverbände wegen Inaktivität ausgeschlossen werden. KRITIK AN DER CONIFA: WILLKÜRLICHE AUFNAHMEKRITERIEN, ABSAGEN GEPLANTER TURNIERE Alberto L'Episcopo von der sizilianischen Fußballföderation kritisiert die CONIFA. Sein Verband ist nach einer kurzen Mitgliedschaft wieder ausgetreten. Aufnahmekriterien seien willkürlich, immer wieder käme es zu Absagen geplanter Turniere, sagt er: „‘Ernstzunehmende‘ Auswahlmannschaften wie Katalonien, das Baskenland oder Korsika haben sich CONIFA niemals auch nur genähert.“ Es gibt nämlich durchaus große Verbände, die kein FIFA-Mitglied sind und auf selbstorganisierte Spiele außerhalb der FIFA setzen. So etwa Katalonien oder das Baskenland, das vor zwei Jahren ausschließlich mit Profifußballern vor über 35.000 Zuschauern gegen die Nationalmannschaft Uruguays spielen konnte. „Wir haben alle das Bedürfnis nach einer Institution, die die unterschiedlichen Fußballverbände zusammenführen kann. Aber CONIFA kann das nicht sein“, so der sizilianische Sportfunktionär. „DIE FIFA IST WOHLHABEND, CONIFA IST GESUND!“ CONIFA-Präsident Blind ist sich mancher organisatorischen Schwächen der Konföderation bewusst. Er sieht aber auch ihre Stärke und ihr Alleinstellungsmerkmal im gegenwärtigen, teilweise umstrittenen Weltfußball: „Ich sage immer: Die FIFA ist wohlhabend, CONIFA ist gesund!“

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Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

KOSMISCHE PHÄNOME FASZINIERTEN SCHON IMMER Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich. Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab. „Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal. Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“ DIALOG MIT AUSSERIRDISCHEN Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt. Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“ Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen. WELTRAUMSCHROTT UND AUSGEDIENTE TAUCHKAPSEL „Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu? Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024. Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

Ayer3 min
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Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

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