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Gezieltes Umherirren: Nanne Meyer in der Orangerie Karlsruhe

4 min · 5 jun 2026
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KLEINE WERKE VOR MONUMENTALER KULISSE Weit und hell begrüßt die Karlsruher Orangerie ihre Besuchenden, bevor der Blick direkt auf ein leuchtendes Detail stößt: zahlreiche orangefarbene, runde Scheiben, handtellergroß. Wie Planeten sind diese an hintereinander platzierten Wänden installiert. Wer näher herantritt, erkennt auf den bemalten Deckeln von Camembert-Schachteln viele kleine schwarze Punkte, die sich zu ganz unterschiedlichen Maserungen und Schatten formen. „Cosmic Orange“ hat die in Hamburg geborene Künstlerin Nanne Meyer diese Serie genannt. Bewusst hat sie sich dafür entschieden, kleine Werke in der mächtig-groß wirkenden Orangerie zu zeigen: „Die Riesigkeit war für mich ein Problem und ich habe mich gefragt: Schaffen es meine eher luftigen, kleinteiligeren Arbeiten, es damit aufzunehmen, oder verschwinden die da drin?“, erklärt die Künstlerin Nanne Meyer. „Und da bin ich vor einem Jahr hier hergekommen und hab das einfach mal ausprobiert.“ MEHR ALS 500 WERKE VON NANNE MEYER Man müsse Monumentalem nicht mit Monumentalen begegnen, findet die Künstlerin. Stattdessen sind es zahlreiche feine und kluge Alltagsbeobachtungen in den mehr als 500 ausgestellten Werken Nanne Meyers, die das große Ganze im Kleinen erzählen. Sie kommen oft spielerisch und assoziativ daher, nie jedoch zufällig. So etwa die Wandinstallation „Leicht bewölkt“, die aus hunderten japanischer Büttenpapier-Visitenkarten besteht. Einige davon sind bemalt mit grauen und blauen Strukturen und Formen, andere beschriftet mit Worten. Dabei mussten die Karten erst eine Weile unbenutzt warten, bis der passende „Zündfunke“ kam, mit dem Nanne Meyer ihre kreativen Prozesse beschreibt. NANNE MEYER BEFREIT GRENZEN VON IHREN LÄNDERN Neben vermeintlichen Banalitäten sind es die großen, universellen Fragen nach Ursprung, Existenz und Vergänglichkeit, auf denen man gemeinsam mit Nanne Meyer lustvoll umherirrt. Das Universum oder die DNA sind hierfür unter anderem Motive. Immer wieder nehmen die Werke unerwartete Abzweigungen und persiflieren menschliche Ordnungsversuche. Etwa der Karlsruher Stadtplan im Stil einer aufgeschnittenen Orange, die frei erfundenen Straßen und Wege in den „Plänen für gezieltes Umherirren“, oder die Arbeit „Grenzenlosigkeit“.  Zu der gehören aus Atlanten ausgeschnittene Grenzlinien, die sich über eine Wand verteilen. Die Botschaft von Nanne Meyer: „Wenn sie ihre Länder nicht mehr halten müssen, wie man sieht, dann fangen sie an zu tanzen, manchmal auch ein bisschen zu zittern und werden so ganz eigene Gebilde. Und es ist natürlich auch schön zu sehen, was Grenzen machen, wenn sie nichts mehr müssen.“ LUSTVOLLES VERLIEREN UND WIEDERFINDEN Indem Meyer Altbekanntes wendet und seine Bedeutung umkehrt, gelingen ihr immer wieder neue Blick- und Denkrichtungen. Was zunächst kaputt oder fehlerhaft erscheint, gewinnt durch Nanne Meyer an Schönheit: Orangen in verschiedenen Schimmelvariationen, Flecken oder zerbrochenes Geschirr. Ihre Technik ist ebenfalls von Perspektivwechseln geprägt: Neben Zeichnungen, Text und Gemaltem kommt da auch mal ein Tintenstrahldrucker zum Einsatz. Die Ausstellung „Gezieltes Umherirren“ ist voll von Dualismen, philosophischen Fragen, aber auch Humor. Dieser augenzwinkernde Umgang Nanne Meyers mit den Dingen macht es so lustvoll: das sich lebenslange Verlieren und Wiederfinden.

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Zu den Sternen! Weltraum-Kunst im Arp-Museum Remagen

KOSMISCHE PHÄNOME FASZINIERTEN SCHON IMMER Julia Wallner, Direktorin des Arp-Museums, steht vor der rot glühenden Sonne von Katharina Sieverding, einer Videoinstallation aus echten NASA-Bildern – schön und bedrohlich zugleich. Schon in den 1910er-Jahren – als der Halleysche Komet der Erde gefährlich nahekommt – sind Künstler und Künstlerinnen hingerissen von kosmischen Phänomenen. Manche bilden Milchstraße, Sonnenfinsternis und Protuberanzen fotorealistisch ab. „Planet Arp“ nennt die Direktorin ihr Museum. Was ihr Team unter dem Titel „Zu den Sternen!“ zusammengetragen hat, ist eine künstlerische Suche nach neuen Perspektiven auf den Planeten Erde und auf unser Schicksal. Für Wallner der Inbegriff von Kunst: „Die Unendlichkeit des Kosmos bietet den Raum für Neugier, Fantastik, das Utopische […], das Unmögliche. Das Unmögliche ist die Wiederentdeckung der Menschlichkeit, auch der friedliche Umgang mit unserem Planeten, auch eine Versöhnlichkeit der Wesen untereinander.“ DIALOG MIT AUSSERIRDISCHEN Auch heute ist der Dialog mit Außerirdischen Treibstoff für künstlerische Innovation. Die jüngste Künstlerin der Ausstellung, Mona Schulzek, glaubt an ein kosmisches Zusammenleben: Sie interessiert, dass der Mensch einerseits aus dem Kosmos entsprungen ist, diesen aber gleichzeitig als etwas Fernes, Außenstehendes wahrnimmt. Mona Schulzek: „Was ich durch meine Arbeiten versuche zu schaffen, ist, Berührungspunkte zu geben, um diesen Abstand vielleicht zu verringern.“ Im Innenhof des Arp-Museums steht ihr „Outerspace Transmitter“ – eine funktionierende Funkstation, die Botschaften ins All schickt. Auf der Grünfläche hinter dem Museum hat Schulzek eine Stahlkapsel mit Bremsfallschirmen bruchlanden lassen. WELTRAUMSCHROTT UND AUSGEDIENTE TAUCHKAPSEL „Chamber VI“ – ein Zwitter aus Weltraumschrott und ausgedienter Tauchkapsel, der die unerforschten Weiten des Alls mit den noch weniger erforschten Tiefen des Meeres verbindet. Wer hineinschauen will ins Bullauge, sieht stattdessen sein Spiegelbild – und erkennt sich vielleicht auch neu? Der Kosmos wird weiter existieren, auch ohne uns. Für diese nackte Tatsache findet die Ausstellung bedrückende und berührende Bilder. Mit der Mission, die Welt zu heilen und zu retten, schwebt ein Raumschiff durch den letzten Raum: eine multimediale Installation von Yael Bartana, ursprünglich geschaffen für die Biennale in Venedig 2024. Ihre Utopie macht Lust, die Zeit, die wir auf diesem Planeten noch haben, besser zu nutzen.

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Theaterspektakel zum Saisonabschluss in Mannheim: Parforceritt durch die griechische Mythologie

RIESIGE COLLAGE VON KOMÖDIEN, TRAGÖDIEN UND SAGEN In dieser Inszenierung treten wirklich alle auf: Perseus und die Erinnyen, Ödipus und Medea, Herakles und Aphrodite, Elektra, Odysseus,  und und und … „Kampf der Titanen“ ist eine riesige Collage, ein Mashup, eigentlich ein Parforceritt durch die gesamte griechische Mythologie. Das heißt, wir beschäftigen uns nicht nur mit den Komödien und Tragödien der antiken Autoren, sondern auch mit den griechischen Sagen“, so Olivia Ebert, Dramaturgin am Nationaltheater Mannheim. Verhandelt wird das Menschsein an sich, die ewige Verstrickung von Liebe und Hass, die ewigen Kämpfe um Gerechtigkeit und Rache. Doch auch wenn viele Textpassagen aus Klassikern stammen: Was in Mannheim über die Bühne geht, will weniger tiefschürfende Inszenierung als vielmehr trashiges Spektakel sein.  Wegen der Generalsanierung des Theaters geht das Ganze in der derzeitigen Ersatzspielstätte für das Schauspiel, dem Alten Kino Franklin, über die Bühne. KOSTÜM UND BÜHNENBILD ZU 90 PROZENT RECYCELT Der Kampf zwischen Patroklos und Hektor etwa wirkt wie eine Slowmotion-Szene aus einem Comic – Vorbild ist hier der 80er-Jahre-Trickfilmklassiker „Clash of the Titans“ – die Götter leben in einer WG und haben coole Sprüche auf den Lippen. Die Kostüme reichen von klassisch bis schräg und dem Bühnenbild haftet etwas Improvisiertes an. Olivia Ebert: „Das Besondere ist auch, dass Kostüm und Bühnenbild zu 90 Prozent recycelt sind, die Künstler sind durch den Fundus gegangen, es werden alte Opern-Bühnenbilder verwendet, alles ist cyanblau und magentapink angemalt, so eine sehr fantasievolle Interpretation von Antike.“ Eine weitere Besonderheit: Das Publikum soll hier nicht die ganze Zeit sitzen bleiben, sondern kann aufstehen, herumwandern und Pausen nach Belieben machen. Eine Art Box-Ring bildet die zentrale Bühne. Hier geht es etwas konzentrierter um die drei Tragödien Bakchen, Ödipus, Antigone. THEATER ALS EIN FEST ZU EHREN VON DIONYSOS, DEM GOTT DES RAUSCHES Ansonsten passiert vieles gleichzeitig in den Rauminstallationen hinter der Bühne: einem Käfig für Prometheus, einem Auto für die Irrfahrten des Odysseus, einer Kammer, in der Kassandra für das Publikum Tarotkarten legt. Die Dauer des Ganzen: vier Stunden in der kurzen und sechs Stunden in der sogenannten „Extended Version“.  Vielstündige Antikeninszenierungen haben in den letzten Jahren in anderen Städten für große Furore gesorgt: Dionysos in München und Anthropolis in Hamburg. Mannheim will es wilder und popkultureller machen, aber auch hier geht es um den Bezug zur Antike und die Anfänge der Demokratie.   Olivia Ebert: „Das interessiert natürlich immer wieder, dass in der Antike die Theaterstücke ja als Wettbewerb und mehrtägiges Fest gezeigt wurden, eingebettet in eine Feier zu Ehren von Dionysos. Und Dionysos ist der Gott des Rausches, der Ekstase und des Theaters.“

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