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Wer sich über Infantino echauffiert, darf auch zu Merz nicht schweigen

7 min · 7. juli 2026
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Die Aufregung war größtmöglich. Wie kann es sein, dass FIFA-Chef Gianni Infantino vor Donald Trump kuscht und die FIFA-Regeln im Sinne des US-Präsidenten ein wenig flexibler interpretiert? Die bessere Frage wäre: Wie kann es sein, dass irgendwer in Deutschland diese Frage ernsthaft stellt? Es ist natürlich einfach, sich über den servilen FIFA-Gnom zu echauffieren. Im Fußball würde man von einer Steilvorlage sprechen. Was aber ist mit den nicht minder servilen Friedrich Merz, Mark Rutte und Ursula von der Leyen, die Trump ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Allerwertesten kriechen? Immerhin geht es in diesen Fällen um Dinge, die weitaus wichtiger als eine Rote Karte im Fußball sind. Doch da gibt es nur dröhnendes Schweigen. Ein Kommentar von Jens Berger. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Es gibt im Leben und im Fußball Geschichten, die sind so skurril, dass man sie zunächst für einen nicht mal originellen Witz hält. Dazu gehört die gestrige Pressemeldung [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-sogar-blatter-ist-fassungslos-ueber-infantino-eklat-6a4b5fc77bfb3e5e95d170e5], dass ausgerechnet der nunmehr 90-jährige Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter sich öffentlichkeitswirksam Sorgen um die Integrität der FIFA unter seinem Nachfolger Gianni Infantino macht. Wer Blatter nicht kennt – das ist der Mann, der von der FIFA-Ethikkommission – allein dieser Begriff ist ja bereits ein Oxymoron – wegen seiner dubiosen Geschäfte zu sechs Jahren Sperre [https://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-reduziert-sperren-von-blatter-und-platini-auf-sechs-jahre-a-1079143.html] für alle mit dem Fußball verbundenen Tätigkeiten verurteilt wurde. Das ist ungefähr so, als würde sich die CSU über die Vetternwirtschaft der AfD aufregen. Lesen Sie dazu auch: Jens Berger – Schafft die Fifa ab! (Teil 1 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=21995], Teil 2 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22012] und Teil 3 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22033]) Die FIFA ist so korrupt, wie Wasser nass ist. Und Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump ist ja ebenfalls kein Geheimnis [https://www.nachdenkseiten.de/?p=143302]. Dass Trump nun seinen Buddy „Johnny“ angerufen und eine Aufhebung der Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun gefordert hat, sollte daher eigentlich niemanden so wirklich überraschen. Trump macht Trump-Sachen und Infantino macht Infantino-Sachen. Das kann und muss man kritisieren. Nun so zu tun, als falle man vor Überraschung aus allen Wolken, ist jedoch bestenfalls naiv und schlimmstenfalls verlogen. Aber in Sachen Verlogenheit sind „wir“ ja in der Tat, anders als im Fußball, Weltspitze. Bleiben wir doch ruhig zunächst auf fußballerischem Gebiet. Es ist ja beileibe nicht so, dass der Fall Balogun nun ein qualitatives Novum wäre. Wir drehen die Uhr zurück: Im November letzten Jahres verkürzte [https://www.espn.com/soccer/story/_/id/47096172/portugal-cristiano-ronaldo-escapes-world-cup-ban-red-card-ireland] die FIFA die Rotsperre des Megastars Ronaldo von drei Spielen auf ein Spiel und setzte den Rest der Sperre zur Bewährung aus, sodass er bei der WM von Anfang an kicken kann. Nun gut, es ist unwahrscheinlich, dass dies auf Anweisung des portugiesischen Präsidenten geschah. Dass die Sponsoren und Rechteverwerter hier interveniert haben, ist jedoch hochwahrscheinlich. Sauberer Fußball? Ach was. Wenn es um den großen Kommerz geht, dehnt man bei der FIFA gern die eigenen Regeln bis ins Unendliche. Darüber regt sich aber vor allem im sauberen Europa keiner mehr auf. Oder habe ich den lauten Protest europäischer Fußballfunktionäre gegen die Aufhebung der Ronaldo-Sperre nur überhört? Aber was rede ich da. Ronaldo ist ja ein Europäer, also im Grunde „einer von uns“. Und wer es noch nicht weiß: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!“ So formulierte es [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-brandrede-von-klopp-gegen-trump-und-infantino-6a4adf340b14ed961bb5325a] gestern nonchalant die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp. Dieser Ausspruch ist unfreiwillig komisch, wenn man bedenkt, dass Klopps offizielle Berufsbezeichnung immer noch „Head of Global Soccer“ [https://rbleipzig.com/de/news/juergen-klopp-head-of-global-soccer-red-bull-rb-leipzig] bei Red Bull ist – einem österreichischen und asiatischen Milliardären gehörenden Brause- und Sportimperium, das wie kein anderes für die Kommerzinteressen im Fußball steht. Gute Käuflichkeit, schlechte Käuflichkeit. Da haben wir’s. Wenn sich Milliardäre den Fußball unter den Nagel reißen, ist das also „unser Spiel“. Wenn sich korrupte Funktionäre den Fußball unter den Nagel reißen, aber nicht. Das kann man so sehen, aber das macht die Sache dann auch nicht besser. Dass unsere Medien zu diesen Widersprüchen schweigen, ist ebenfalls nicht wirklich verwunderlich. Kritisch geht es beim Fußball wie in der Politik ja nur zu, wenn es Gratismut zu verteilen gibt. Und was ist leichter und dankbarer, als sich über Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump zu mokieren? Doch wo waren unsere ach so kritischen Medien eigentlich, als Friedrich Merz im Weißen Haus eine Schleimspur, breiter als der Strafraum im Fußballstadion, hinterließ? Ach ja, das war ja in den Worten des SPIEGEL „Krisendiplomatie“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Ist Friedrich Merz im Grunde nicht auch nur ein etwas größerer Infantino mit etwas mehr Haaren auf dem Kopf? Und was ist mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte? Im Vergleich zu dem Niederländer, der das Trump-Umschleimen so meisterlich wie Ronaldo die Schwalbe im Strafraum beherrscht, geht Gianni Infantino ja glatt als charakterstarker Ehrenmann mit Rückgrat durch. Und die kritischen deutschen Medien? Die verbrämen das, was Martin Sonneborn zu Recht als „astreine Arschkriecherei“ [https://www.instagram.com/p/DLShwGtIkZV/] bezeichnet hat, als „Verhandlungsgeschick“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Wäre Infantino NATO-Generalsekretär, würde der SPIEGEL das sicher auch für ihn attestieren. Und was ist mit Ursula von der Leyen? Deren Unterwürfigkeit und Prinzipienlosigkeit gegenüber den USA sind ja legendär und im Handelsstreit mit den USA kapitulierte sie dann auch auf ganzer Linie [https://www.nachdenkseiten.de/?p=135974] vor dem „Dealmaker“ aus Washington. Korruption? Unfähigkeit? Vasallentum? Nennen Sie es, wie Sie es wollen – einen qualitativen Unterschied zwischen von der Leyen und Infantino kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen Infantino und seinen Ebenbildern aus der deutschen und europäischen Politik. Wenn Infantino den Bückling gegenüber Trump macht, geht es um so banale Dinge wie einen albernen „FIFA-Friedenspreis“ oder Rote Karten im Fußball. Bei den Kotaus von Merz, Rutte und von der Leyen geht es um Billionen, unsere Zukunft und, wenn es hart auf hart kommt, um Krieg oder Frieden. Das sollte man nicht gleichsetzen. Infantino mag ein glatzköpfiger korrupter Gnom sein. Die Auswirkungen seiner charakterlichen Defizite auf unser Leben sind marginal. Daher ist die allgegenwärtige Kritik an ihm auch wohlfeil. Merz, Rutte und von der Leyen treffen jedoch Entscheidungen, die für unser Leben elementar sind. Wer hier keine scharfe Kritik übt, ist selbst nicht besser als die Infantinos dieser Welt und zeichnet sich vor allem durch Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen aus. Titelbild: Screenshot Magenta Sport via YouTube[http://vg07.met.vgwort.de/na/e9cd09d845514714b87b91080fcf6b38]

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Wer sich über Infantino echauffiert, darf auch zu Merz nicht schweigen

Die Aufregung war größtmöglich. Wie kann es sein, dass FIFA-Chef Gianni Infantino vor Donald Trump kuscht und die FIFA-Regeln im Sinne des US-Präsidenten ein wenig flexibler interpretiert? Die bessere Frage wäre: Wie kann es sein, dass irgendwer in Deutschland diese Frage ernsthaft stellt? Es ist natürlich einfach, sich über den servilen FIFA-Gnom zu echauffieren. Im Fußball würde man von einer Steilvorlage sprechen. Was aber ist mit den nicht minder servilen Friedrich Merz, Mark Rutte und Ursula von der Leyen, die Trump ebenfalls bei jeder sich bietenden Gelegenheit in den Allerwertesten kriechen? Immerhin geht es in diesen Fällen um Dinge, die weitaus wichtiger als eine Rote Karte im Fußball sind. Doch da gibt es nur dröhnendes Schweigen. Ein Kommentar von Jens Berger. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Es gibt im Leben und im Fußball Geschichten, die sind so skurril, dass man sie zunächst für einen nicht mal originellen Witz hält. Dazu gehört die gestrige Pressemeldung [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-sogar-blatter-ist-fassungslos-ueber-infantino-eklat-6a4b5fc77bfb3e5e95d170e5], dass ausgerechnet der nunmehr 90-jährige Ex-FIFA-Boss Sepp Blatter sich öffentlichkeitswirksam Sorgen um die Integrität der FIFA unter seinem Nachfolger Gianni Infantino macht. Wer Blatter nicht kennt – das ist der Mann, der von der FIFA-Ethikkommission – allein dieser Begriff ist ja bereits ein Oxymoron – wegen seiner dubiosen Geschäfte zu sechs Jahren Sperre [https://www.spiegel.de/sport/fussball/fifa-reduziert-sperren-von-blatter-und-platini-auf-sechs-jahre-a-1079143.html] für alle mit dem Fußball verbundenen Tätigkeiten verurteilt wurde. Das ist ungefähr so, als würde sich die CSU über die Vetternwirtschaft der AfD aufregen. Lesen Sie dazu auch: Jens Berger – Schafft die Fifa ab! (Teil 1 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=21995], Teil 2 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22012] und Teil 3 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=22033]) Die FIFA ist so korrupt, wie Wasser nass ist. Und Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump ist ja ebenfalls kein Geheimnis [https://www.nachdenkseiten.de/?p=143302]. Dass Trump nun seinen Buddy „Johnny“ angerufen und eine Aufhebung der Sperre des US-Stürmers Folarin Balogun gefordert hat, sollte daher eigentlich niemanden so wirklich überraschen. Trump macht Trump-Sachen und Infantino macht Infantino-Sachen. Das kann und muss man kritisieren. Nun so zu tun, als falle man vor Überraschung aus allen Wolken, ist jedoch bestenfalls naiv und schlimmstenfalls verlogen. Aber in Sachen Verlogenheit sind „wir“ ja in der Tat, anders als im Fußball, Weltspitze. Bleiben wir doch ruhig zunächst auf fußballerischem Gebiet. Es ist ja beileibe nicht so, dass der Fall Balogun nun ein qualitatives Novum wäre. Wir drehen die Uhr zurück: Im November letzten Jahres verkürzte [https://www.espn.com/soccer/story/_/id/47096172/portugal-cristiano-ronaldo-escapes-world-cup-ban-red-card-ireland] die FIFA die Rotsperre des Megastars Ronaldo von drei Spielen auf ein Spiel und setzte den Rest der Sperre zur Bewährung aus, sodass er bei der WM von Anfang an kicken kann. Nun gut, es ist unwahrscheinlich, dass dies auf Anweisung des portugiesischen Präsidenten geschah. Dass die Sponsoren und Rechteverwerter hier interveniert haben, ist jedoch hochwahrscheinlich. Sauberer Fußball? Ach was. Wenn es um den großen Kommerz geht, dehnt man bei der FIFA gern die eigenen Regeln bis ins Unendliche. Darüber regt sich aber vor allem im sauberen Europa keiner mehr auf. Oder habe ich den lauten Protest europäischer Fußballfunktionäre gegen die Aufhebung der Ronaldo-Sperre nur überhört? Aber was rede ich da. Ronaldo ist ja ein Europäer, also im Grunde „einer von uns“. Und wer es noch nicht weiß: „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel!“ So formulierte es [https://www.bild.de/sport/fussball/wm-2026-brandrede-von-klopp-gegen-trump-und-infantino-6a4adf340b14ed961bb5325a] gestern nonchalant die Lichtgestalt des deutschen Fußballs, der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp. Dieser Ausspruch ist unfreiwillig komisch, wenn man bedenkt, dass Klopps offizielle Berufsbezeichnung immer noch „Head of Global Soccer“ [https://rbleipzig.com/de/news/juergen-klopp-head-of-global-soccer-red-bull-rb-leipzig] bei Red Bull ist – einem österreichischen und asiatischen Milliardären gehörenden Brause- und Sportimperium, das wie kein anderes für die Kommerzinteressen im Fußball steht. Gute Käuflichkeit, schlechte Käuflichkeit. Da haben wir’s. Wenn sich Milliardäre den Fußball unter den Nagel reißen, ist das also „unser Spiel“. Wenn sich korrupte Funktionäre den Fußball unter den Nagel reißen, aber nicht. Das kann man so sehen, aber das macht die Sache dann auch nicht besser. Dass unsere Medien zu diesen Widersprüchen schweigen, ist ebenfalls nicht wirklich verwunderlich. Kritisch geht es beim Fußball wie in der Politik ja nur zu, wenn es Gratismut zu verteilen gibt. Und was ist leichter und dankbarer, als sich über Gianni Infantinos Unterwürfigkeit gegenüber Donald Trump zu mokieren? Doch wo waren unsere ach so kritischen Medien eigentlich, als Friedrich Merz im Weißen Haus eine Schleimspur, breiter als der Strafraum im Fußballstadion, hinterließ? Ach ja, das war ja in den Worten des SPIEGEL „Krisendiplomatie“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Ist Friedrich Merz im Grunde nicht auch nur ein etwas größerer Infantino mit etwas mehr Haaren auf dem Kopf? Und was ist mit dem NATO-Generalsekretär Mark Rutte? Im Vergleich zu dem Niederländer, der das Trump-Umschleimen so meisterlich wie Ronaldo die Schwalbe im Strafraum beherrscht, geht Gianni Infantino ja glatt als charakterstarker Ehrenmann mit Rückgrat durch. Und die kritischen deutschen Medien? Die verbrämen das, was Martin Sonneborn zu Recht als „astreine Arschkriecherei“ [https://www.instagram.com/p/DLShwGtIkZV/] bezeichnet hat, als „Verhandlungsgeschick“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137398]. Wäre Infantino NATO-Generalsekretär, würde der SPIEGEL das sicher auch für ihn attestieren. Und was ist mit Ursula von der Leyen? Deren Unterwürfigkeit und Prinzipienlosigkeit gegenüber den USA sind ja legendär und im Handelsstreit mit den USA kapitulierte sie dann auch auf ganzer Linie [https://www.nachdenkseiten.de/?p=135974] vor dem „Dealmaker“ aus Washington. Korruption? Unfähigkeit? Vasallentum? Nennen Sie es, wie Sie es wollen – einen qualitativen Unterschied zwischen von der Leyen und Infantino kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Es gibt jedoch einen großen Unterschied zwischen Infantino und seinen Ebenbildern aus der deutschen und europäischen Politik. Wenn Infantino den Bückling gegenüber Trump macht, geht es um so banale Dinge wie einen albernen „FIFA-Friedenspreis“ oder Rote Karten im Fußball. Bei den Kotaus von Merz, Rutte und von der Leyen geht es um Billionen, unsere Zukunft und, wenn es hart auf hart kommt, um Krieg oder Frieden. Das sollte man nicht gleichsetzen. Infantino mag ein glatzköpfiger korrupter Gnom sein. Die Auswirkungen seiner charakterlichen Defizite auf unser Leben sind marginal. Daher ist die allgegenwärtige Kritik an ihm auch wohlfeil. Merz, Rutte und von der Leyen treffen jedoch Entscheidungen, die für unser Leben elementar sind. Wer hier keine scharfe Kritik übt, ist selbst nicht besser als die Infantinos dieser Welt und zeichnet sich vor allem durch Unterwürfigkeit gegenüber den Mächtigen aus. Titelbild: Screenshot Magenta Sport via YouTube[http://vg07.met.vgwort.de/na/e9cd09d845514714b87b91080fcf6b38]

7. juli 20267 min
episode Attacken gegen Journalisten: „Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten“ artwork

Attacken gegen Journalisten: „Faschisten mit einem Presseausweis sind immer noch Faschisten“

Die Angriffe bei den Anti-AfD-Protesten vom Wochenende auf Journalisten von Apollo News sind scharf zu verurteilen. Umso skandalöser sind einige Reaktionen auf die Vorfälle. Ein Kommentar von Tobias Riegel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Während der Versuche, den AfD-Parteitag am Wochenende zu blockieren, waren drei Journalisten des rechten Online-Portals Apollo News nach eigenen Angaben von Demonstranten „gejagt und zusammengeschlagen“ worden. Darüber berichtet etwa die Welt in diesem Artikel [https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a48ee89ad32e994f875b3fe/afd-bundesparteitag-verpisst-euch-drei-reporter-in-erfurt-gejagt-und-zusammengeschlagen.html], ein Video des Vorfalls zeigt Bild hier [https://www.youtube.com/watch?v=t7w3bj1q8M4]. Prinzipienlos – und auch noch stolz darauf Die Angriffe sind skandalös und müssen einfach nur eindeutig verurteilt werden. Und das gerade dann, wenn man sonst permanent Phrasen von Meinungsfreiheit und Demokratie im Mund führt. Darum sind die Reaktionen von Organisatoren der Proteste gegen den AfD-Parteitag (Bündnis „Widersetzen“) ein Skandal im Skandal: Auf einer Pressekonferenz wurden die Fragen des betroffenen Mediums Apollo News zunächst gar nicht akzeptiert, erst als Journalisten anderer Medien nachhakten, ließ man sich zu einer Reaktion herab. Und in dieser Reaktion wurden die Angriffe auf Journalisten dann nicht etwa verurteilt, sondern mit dem Satz indirekt verteidigt, „auch FaschistInnen mit Presseausweis“ seien „FaschistInnen“. Dazu applaudierten dann auch Teile des Podiums. Prinzipienlos und auch noch stolz darauf – schließlich trifft es doch in der Gedankenwelt der Aktivisten die „Richtigen“, da kann man schon mal eine Ausnahme machen, was die Prinzipien Gewaltverbot und Pressefreiheit angeht: Diese fatale und strikt abzulehnende Haltung wird etwa in diesem Ausschnitt der Pressekonferenz [https://www.facebook.com/100027626166440/videos/pcb.2143671266563725/1648407209589065] deutlich. Das Medium Euronews zitiert [https://de.euronews.com/my-europe/2026/07/05/angriffe-reporter-linksaussen-bundnis-gewalt-afd-parteitag] außerdem einen Aktivisten mit dieser martialischen Kampfansage: > „An alle Parteien, insbesondere CDU und BSW: Das hier ist unsere explizite Warnung! Wenn ihr es wagt, den Faschist*innen an die Macht zu helfen, macht ihr euch zu unserem nächsten Aktionsziel.“ Blockaden von Parteitagen sind antidemokratisch In diesem Kommentar werden allgemein die Prinzipien Gewaltfreiheit und Pressefreiheit verteidigt – dass man sich damit nicht mit konkreten journalistischen Inhalten von Apollo News identifiziert, ist selbstverständlich. Noch allgemein zu den Anti-AfD-Protesten vom Wochenende: Versuche, Parteitage zu „blockieren“, also zu verhindern, lehne ich prinzipiell ab: Das ist antidemokratisch, egal mit welchen Phrasen man das schmückt. Das gilt für die Parteitage aller nicht verbotenen Parteien. Auch bei den Grünen wäre es skandalös, wenn aggressive Demonstranten die Delegierten daran hindern wollten, dass sie ihr verbrieftes demokratisches Recht wahrnehmen, nur weil ihnen die politische Ausrichtung nicht in den Kram passt. Selbstverständlich ist es ebenso zu verurteilen, wenn Rechte auf ihren Demos Journalisten physisch angreifen. Außerdem: Mit der ausbleibenden Verurteilung der Attacken auf Journalisten haben Organisatoren der AfD-Proteste (schon wieder) den eigenen „Kampf gegen Rechts“ ins Absurde geführt. Bizarre Szenen wie die von der oben verlinkten Pressekonferenz der Aktivisten haben die AfD sehr wahrscheinlich wieder ein Stück stärker gemacht. Angriffe werden verurteilt Während nun das unsägliche Zentrum für Politische Schönheit auf die Angriffe auf Journalisten vom Wochenende einmal mehr unsäglich reagiert [https://apollo-news.net/fallen-nicht-unter-pressefreiheit-zentrum-fr-politische-schnheit-stellt-schutz-von-apollo-news-infrage/] und auch Anja Kohl (ARD) einmal mehr von der Situation überfordert ist [https://apollo-news.net/ard-journalistin-anja-kohl-fordert-von-afd-distanzierung-von-angriffen-auf-apollo-news-reporter/], verurteilen immerhin auch einige etablierte Journalisten die Angriffe, wie Apollo News hier [https://apollo-news.net/ekelhafte-ausschreitungen-zahlreiche-journalisten-verurteilen-brutalen-angriff-auf-apollo-news-reporter/] berichtet. Das unterscheidet diesen Fall vom Fall des von der EU sanktionierten deutschen Journalisten Hüseyin Dogru [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151147], der von skandalösem Schweigen begleitet wird. Titelbild: siam.pukkato / Shutterstock[https://vg08.met.vgwort.de/na/c33f25dddb97417d9f03ef07eb5272b6]

7. juli 20264 min
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Die USA waren während eines ganzen Drittels ihrer Existenz Besatzungsmacht in Deutschland

Zurzeit feiern die US-Amerikaner und mit ihnen eine große Zahl von Gefolgsleuten überall auf der Welt 250 Jahre USA. Am 4. Juli 1776 hatten Vertreter der britischen Kolonien in Amerika die Unabhängigkeit von Großbritannien erklärt. Ende 1941 sind die USA in den Zweiten Weltkrieg eingetreten und haben so geholfen, uns von den Nationalsozialisten zu befreien. Das war eine bemerkenswerte Tat. Wir haben allen Grund, dafür dankbar zu sein. Albrecht Müller. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Dass die USA immer noch hier sind, ist allerdings kein Grund zur Freude, sondern eher ein Grund zur Sorge. Zunächst einige Hinweise und Informationen zur US-Präsenz: Das Folgende ist eine Übersicht über US-amerikanische Stützpunkte in Deutschland. [https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260706-us-basen.jpg]https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260706-us-basen.jpg Dabei geht es nicht um Belangloses. Zum Beispiel: Im bayerischen Grafenwöhr gibt es einen großen Truppenübungsplatz, im rheinland-pfälzischen Büchel lagern Atomwaffen, über das pfälzische Ramstein werden Drohnen zum Einsatz in Europa und in Afrika koordiniert, im pfälzischen Landstuhl befindet sich das größte US-Militärkrankenhaus außerhalb der Vereinigten Staaten, in Stuttgart und Wiesbaden arbeiten wichtige US-amerikanische Kommandostationen. Übrigens: Der Gründungsort der NachDenkSeiten, Pleisweiler zwischen Karlsruhe und Pirmasens, ist umzingelt von US-Stützpunkten. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden über meiner Heimatstadt Heidelberg Flugblätter abgeworfen. Darauf hieß es: > Heidelberg wollen wir schonen, > denn darin wollen wir wohnen. So war’s dann auch. Die US-Streitkräfte verließen Heidelberg erst in den Jahren 2012 und 2013. Die Tatsache, dass die US-Streitkräfte in Deutschland und darüber hinaus vielfältig stationiert sind, macht uns zum Komplizen militärischer Einsätze der USA in Europa, im Nahen Osten und in Afrika. Das ist eine gefährliche Situation. Deshalb gibt es für uns keinen Grund, die Gründung und damit die Existenz der USA zu feiern. P. S.: Über die historischen Abläufe und über die unglückliche und verhängnisvolle Rolle des ersten Bundeskanzlers Konrad Adenauer habe ich auf den NachDenkSeiten vor einiger Zeit schon berichtet. Siehe hier: Rede des späteren Bundespräsidenten Gustav Heinemann vom 23. Januar 1958 [https://www.nachdenkseiten.de/?p=108318]. Titelbild: Beowulf Tomek / commons.wikimedia.org [https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Ramstein_Air_Base.jpg] / Creative Commons [https://en.wikipedia.org/wiki/en:Creative_Commons] Attribution-Share Alike 4.0 International [https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en]

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Klaus von Dohnanyi und Erich Vad: Die EU darf nicht zur ‚Geisel‘ der Ukraine werden

Wie können wir der Gefahr entgehen, dass sich der Krieg in der Ukraine zu einem großen europäischen Krieg ausweitet? „Frieden – Wie geht das?“ In diesem Buch sind Klaus von Dohnanyi und Erich Vad über diese schwierige Frage im Gespräch. Auf Grundlage einer nüchternen Einschätzung der Lage und im Verständnis von Geopolitik und Macht plädieren sie für politische Klugheit gemäß der Verpflichtung des Grundgesetzes, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden. Von Irmtraud Gutschke. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Ein Buch als Dialog zwischen zwei Sachkundigen: Klaus von Dohnanyi, seit 1957 SPD-Mitglied, Jurist, war, bevor er Hamburgs Bürgermeister wurde, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft, Bundeswissenschaftsminister und Staatsminister im Auswärtigen Amt. Erich Vad ist Brigadegeneral a D. der Bundeswehr und war bis 2013 u.a. Gruppenleiter im Bundeskanzleramt, Sekretär des Bundessicherheitsrates und militärpolitischer Berater von Kanzlerin Merkel. Immenses historisches Wissen und wirtschaftliche Expertise treffen hier auf Kenntnisse und Erfahrungen im militärischen Bereich. Schon 2025 haben beide ein Buch zusammen gemacht: „Krieg oder Frieden. Deutschland vor der Entscheidung“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137936]. [1] Ein Plädoyer für Diplomatie als Pflicht, ja als Ausdruck von Stärke. Ein Aufruf zum Frieden, der durch Dialog entsteht. Dass sich die deutsche Regierung diesbezüglich bislang unfähig zeigt, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Mehr noch: „Aus meiner Sicht haben sich Deutschland und auch Europa politisch für den Kurs der Eskalation mit Blick auf Russland entschieden“, so Erich Vad. [2] Keiner kann daran zweifeln, wenn man die Ukraine-Flaggen vor öffentlichen Gebäuden sieht und die täglichen Nachrichten hört. Gebetsmühlenartig wird wiederholt, dass Deutschland und die EU an der Seite der Ukraine stünden und alles für einen Sieg über Russland getan werden müsse. Auf Teufel komm raus sind wir involviert in einen Stellvertreterkrieg zwischen Russland und den USA. Daran hat sich seit 2022 nichts geändert. Aktuell kommt indes ein Sachverhalt hinzu, über den sich manch einer noch Illusionen macht: ein möglicher EU-Beitritt der Ukraine, der uns direkt in diesen Krieg hineinziehen könnte. Am 13. Juni hat die EU Beitrittsverhandlungen mit der Ukraine und Moldau begonnen, nachdem Ungarn seine Blockadehaltung aufgegeben hat. [3] Noch ist von einem längeren Prozess die Rede, doch wer garantiert, dass Selenskyj , diese „unantastbare Figur der ‚moralischen Politik‘ [4], nicht erreicht, was er will: dass die Ukraine in die EU aufgenommen wird, sozusagen als Ersatz für die NATO-Mitgliedschaft, welche als Ziel immer noch in der ukrainischen Verfassung steht. Naiverweise könnte man sagen, dass dies ja eine Handreichung sei für dieses geschundene Land, Ermutigung vielleicht gar, diesen nun schon so lange währenden Krieg zu beenden. Selenskyj könnte den EU-Beitritt der Bevölkerung seines Landes als eine Art Kompensation verkaufen. Was stimmig wäre, weil EU-Mittel (also auch deutsche Steuergelder) in unermesslicher Höhe fließen würden. Wieviel davon wirklich dem Wiederaufbau zugutekommt oder in den Taschen ukrainischer Oligarchen landet (wie schon bei den Militärhilfen zu vermuten ist), bleibt freilich ungewiss. Geld, damit die Waffen schweigen? Aber die Sache ist komplizierter. Es muss nämlich, was im Buch auch geschieht, auf Artikel 42 des EU-Vertrages verwiesen werden, der eine Beistandsverpflichtung enthält, die in ihrer „Bindungswirkung“, so Erich Vad, sogar stärker sei „als die entsprechende Verpflichtung im NATO-Vertrag. Das Problematische ist, dass wir ab einer Aufnahme in die EU […] zu einer Art Geisel der Ukraine werden, […] denn jeder kleine Grenzzwischenfall dort mit Russland kann eskalieren und zum Bündnisfall werden“. [5] Selenskyj käme das zupass, nicht nur als Sicherheitsgarantie für sein Land, sondern auch als Freibrief, mit Hilfe der EU den Krieg mit Russland weiterzuführen. Auch wenn es noch nicht zu einer Vollmitgliedschaft in der EU käme, wäre angesichts der Russophobie in ihren Gremien ein solches Versprechen militärischer Hilfe nicht ausgeschlossen. Dass dies auf lange Sicht eine Aussöhnung mit Russland blockieren würde, gibt Klaus von Dohnanyi zu bedenken. Aber wer in den deutschen und europäischen Machtzirkeln hat es denn auf Aussöhnung abgesehen? Im Gegenteil, der Hass sitzt so tief, als könne man sich endlich für die Niederlage 1945 rächen. Kriegsangst wird der deutschen Bevölkerung verkauft, um jene Aufrüstung zu rechtfertigen, die auf ihre Kosten geht und einigen Wenigen immense Gewinne beschert. Nicht auszudenken indes, was ein Krieg für jeden Einzelnen von uns bedeuten würde. Erich Vad hat recht – es braucht eine neue Friedensordnung: > „Man kann und sollte die europäische Sicherheit nicht gegen Russland organisieren, sondern in jedem Fall mit Russland, trotz des Völkerrechtsbruches, trotz des Aggressionskrieges gegen die Ukraine. Denn der Krieg, nicht zu vergessen, hatte auch eine Vorgeschichte.“ [6] So ein Buch in Gesprächsform hat den Vorteil, dass man sich beim Lesen in Gedanken einmischen kann. Ich stutze wieder einmal, weil in dieser Passage gängige Floskeln wiederholt werden und nicht erwähnt ist, dass es um die inzwischen von Russland anerkannten Republiken Donezk und Lugansk ging, um jene Ostgebiete mit vorwiegend russischsprachiger Bevölkerung, die sich schon 2014 vom Kiewer Herrschaftsgebiet lösten und seitdem militärischer Gewalt unterlagen. Und ich stutze, wenn an anderer Stelle Reagan und Gorbatschow als Beispiele angeführt werden, über systemische Gegensätze hinweg Frieden zu schaffen. Wurde wirklich der Kalte Krieg beendet? Gorbatschow frönte seinem Traum, dass von Lissabon bis Wladiwostok ein gemeinsames Haus Europa entstünde, in dem auch die Sowjetunion (ihren Zerfall sah er nicht voraus) eine Wohnung hätte. Die Wolfowitz-Doktrin von 1992 und Zbigniew Brzezińskis Grundsatzwerk „The Grand Chessboard“ von 1997 konnte er noch nicht kennen und er stand unter ökonomischem Druck. Dass dies von gegnerischer Seite ausgenutzt, ja als Kapitulation verstanden würde, sah er das nicht? War er ein Träumer mit dem Rücken zur Wand? Verstand er denn überhaupt nichts von Geopolitik? Geopolitik und strategische Interessen Klaus von Dohnanyi ist zu danken, dass er diesen Begriff ins Spiel bringt, in dessen Rahmen zu denken, viele noch ungeübt sind. Das hat mit dem schlimmen Erbe von „Deutschland über alles“ zu tun, aber als kleines Land können wir uns an „Amerika first“ auch kaum ein Beispiel nehmen. Und es hängt aus meiner Sicht eben mit Gorbatschows Kapitulation, dem Zerfall der Sowjetunion zusammen, dass wir uns in einem Weltordnungskrieg befinden, in dem Einflusssphären neu abgesteckt werden. Die USA agieren als Großmacht, Russland will sich weiterhin als solche behaupten und China trumpft langfristig auf mit wirtschaftlicher Stärke. > „Was haben der Aufmarsch der US-Navy vor der Küste Venezuelas und die Kommando-Operation gegen Maduro, der Krieg gegen den Iran, der Einmarsch der Russen in die Ukraine, das Auftauchen chinesischer Zerstörer vor den Küsten Taiwans und Japans, die Androhung einer Invasion der USA in Panama oder Grönland, das Errichten von Sicherheitszonen durch Türkei wie Israel oder laufende Verhandlungen der USA mit den Taliban zur Rückgewinnung eines bedeutenden Stützpunktes in Afghanistan gemeinsam? Hier geht es im Kern um Geopolitik und um handfeste strategische Interessen, um die Projektion und Durchsetzung politischer Macht, mit geheimdienstlichen und auch mit gewaltsamen militärischen Mitteln.“ [7] Allein schon deshalb ist dieses Buch so lesenswert, weil heutige Vorgänge in der Welt unter solchen geopolitischen Gesichtspunkten betrachtet werden. Wünschen möchte man sich, dass Großmächte und Kleinstaaten auf Augenhöhe agieren könnten. Manchmal erwecken sie ja auch diesen Anschein. Aber es existiert nun mal eine Hierarchie im internationalen System. „Interventionen in die Einflusssphären von Weltmächten führen unweigerlich zum Krieg“, stellt Klaus von Dohnanyi fest. [8] Und Erich Vad, ausgebildet in den US-Streitkräften, sieht im Februar 2022 eine misslungene Regime-Change-Operation in Kiew, um eine russlandfreundliche Regierung zu installieren. Das sei gescheitert, „weil die dafür vorgesehenen russischen Spezialkräfte nach Übertragung entsprechender nachrichtendienstlicher Informationen und Aufklärungsdaten buchstäblich ins Messer der ukrainischen Verteidiger liefen.“ [9] Das klingt plausibel und offenbart zwischen den Zeilen zugleich, dass der US-russische Stellvertreterkrieg in der Ukraine eine Reaktion auf prowestliche Aktivitäten war, die schon viel früher begannen – sogar schon vor 2014 mit der Organisation des Euro-Maidan. Was hier nicht steht, ist anderswo nachzulesen: „Nachdem der damalige Präsident Viktor Janukowitsch 2014 gestürzt worden war, schlug der neue Leiter des ukrainischen Sicherheitsdienstes (SBU), Walentyn Nalywajtschenko, innerhalb der prowestlichen Regierung in Kiew eine ‚Partnerschaft‘ mit der CIA und dem britischen Auslandsgeheimdienst MI6 vor.“ Während der ersten Präsidentschaft von Donald Trump sei diese Zusammenarbeit noch verstärkt worden. Die ukrainischen Stellen lieferten der CIA nachrichtendienstliche Informationen über Russland, einschließlich „geheimer Dokumente über die russische Marine“, was zur Einrichtung von CIA-Stützpunkten in der Ukraine zur Koordinierung von Aktivitäten gegen Russland und zu verschiedenen Ausbildungsprogrammen für ukrainische Kommandos und andere Eliteeinheiten führte. Absolvent eines CIA-Trainings war der damalige Oberstleutnant Kyrylo Budanow, der später Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes wurde. [10] Und es sei auch noch einmal an die Aussage des einflussreichen US-amerikanischen Geostrategen Zbigniew Brzeziński von 1997 erinnert, dass die Ukraine für die USA „ein geopolitischer Dreh- und Angelpunkt“ ist, weil ihre Existenz als unabhängiger Staat zur Transformation Russlands beitragen würde: > „Ohne die Ukraine ist Russland kein eurasisches Reich mehr. Es kann trotzdem nach einem imperialen Status streben, würde aber dann ein vorwiegend asiatisches Reich werden, das aller Wahrscheinlichkeit nach in lähmende Konflikte mit aufbegehrenden Zentralasiaten hineingezogen würde […] Wenn Moskau allerdings die Herrschaft über die Ukraine mit ihren 52 Millionen Menschen, bedeutenden Bodenschätzen und dem Zugang zum Schwarzen Meer wiedergewinnen sollte, erlangte Russland automatisch die Mittel, ein mächtiges Europa und Asien umspannendes Reich zu werden. Verlöre die Ukraine ihre Unabhängigkeit, so hätte das unmittelbare Folgen für Mitteleuropa und würde Polen zu einem geopolitischen Angelpunkt an der Ostgrenze eines vereinten Europas werden lassen.“ [11] Erich Vad hat recht mit der Aussage, „wie die in Jalta geschaffene Ordnung von vor 80 Jahren fortlebt, dass die damals entstandenen Flügelmächte Europas, also früher die Sowjetunion, heute Russland und die Vereinigten Staaten, immer noch über die Zukunft des Schicksals Europas bestimmen. Ich danke Trump, denn er hat das sehr offengelegt, um was es in der amerikanischen Außen- und Sicherheitspolitik immer ging und geht: um die Dominanz der Vereinigten Staaten …“ [12] Wer vom Ukraine-Krieg profitiert Dass die USA im Zweiten Weltkrieg Lend-and-Lease-Verträge mit dreißig Staaten abgeschlossen haben – auch die Ukraine wird vornehmlich per Kredit mit Waffen versorgt – dürften viele nicht wissen. Heute fließen „über 65 Prozent der erhöhten Nato-Verteidigungsausgaben […] letztendlich zurück in die US-Wirtschaft, weil wir überwiegend US-Waffensysteme kaufen müssen. Das haben die USA der EU unmissverständlich klargemacht.“ Natürlich müsse die Bundeswehr zur Landesverteidigung befähigt werden, zumal aus ihren Beständen „massiv Waffensysteme und Ausrüstung an die Ukraine abgegeben wurden“. Aber die Bereitschaft, „voll in eine Kriegsökonomie zu gehen, das rechnet sich für Deutschland nicht“. [13] Vor allem aber würde ein großer Krieg in Europa Deutschland zum Aufmarschgebiet, zur logistischen Drehscheibe der NATO machen, „wir würden das Schlachtfeld, wenn der Ukrainekrieg in einen europäischen Krieg eskaliert“. [14] Da kommt einem Artikel 56 des Grundgesetzes in den Sinn, der Eid, den Mitglieder der Bundesregierung bei ihrer Amtseinführung leisten müssen: > „Ich schwöre, dass ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes wahren und verteidigen, meine Pflichten gewissenhaft erfüllen und Gerechtigkeit gegen jedermann üben werde. So wahr mir Gott helfe.“ Wie oft hat die deutsche Regierung diesen Amtseid wohl schon gebrochen! Dass die Sicherheit Deutschlands „angeblich am Hindukusch, in Mali, am Dnepr, im Indopazifik oder sonstwo verteidigt“ würde, wird uns eingeredet. Und auf den größten Sprengstoffanschlag der Nachkriegsgeschichte, auf die Ostseepipeline Nord Stream, wird nicht reagiert. Dringende Gründe sprechen dafür, dass der ukrainische Staat den Sabotageakt initiiert und gesteuert habe, stellt der Bundesgerichtshof fest. Staatsterrorismus gegen die deutsche Energieversorgung – mit „Blick auf 9/11 hätte man de jure auch den Bündnisfall ausrufen können“. [15] Wie die Sache totgeschwiegen wurde, ohne irgendwelche außenpolitische oder finanzielle Konsequenzen, hat wiederum mit geopolitischen Interessen der USA zu tun. > „Sie wollten selbst teures Flüssiggas in Deutschland und Europa verkaufen, was sie ja heute auch tun. Zum anderen: Jeder enge Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland war den USA schon immer eine Dorn im Auge.“[16] Deshalb würden die Amerikaner aus „eigennütziger, strategischer Sicht Europa niemals links liegen lassen. Sie brauchen die logistische Plattform Deutschland für weltweite Militärinterventionen.“ Und wenn die US-Truppen aus Deutschland abziehen würden, würden sie eben nach Polen und ins Baltikum gehen.[17] Was Krieg für Deutschland bedeuten würde Strategische Illusionen – darüber könne man ein ganzes Buch schreiben. Ein nuklearer Schutzschirm der USA? Da sind sich beide einig: Den hat es nie gegeben. Zudem sind moderne Kriege mit früheren nicht gleichzusetzen. Drohnen spielen eine immer größere Rolle, gekoppelt mit daten- und KI-gestützter Operationsführung. Auch der Weltraum ist inzwischen zur Kampfzone geworden. Nur durch weltraumgestützte Frühwarnung sind ballistische Raketen effektiv abfangbar und Hyperschallwaffen in früher Flugphase noch zu bekämpfen. Was heute alles an neuer Militärtechnik entwickelt und erprobt wird, es schwirrt einem der Kopf, wenn man dieses Buch liest. Aber das macht das Ganze nicht zum Videospiel. Menschen kämen zu Schaden. Die ganze Infrastruktur würde zerstört. Und gerade deshalb sollte man nicht unterschätzen, was ein europäischer Krieg für die hochentwickelten Industriegesellschaften Europas, insbesondere Deutschland, bedeuten würde. „Bereits ein flächendeckender Stromausfall, zum Beispiel nach Raketenangriffen auf Einrichtungen der Stromversorgung, würde zum Kollaps des Gesamtsystems führen, mit massenhaften Kollateralschäden in der Trinkwasser-, Wärme- und Lebensmittelversorgung. Ein flächendeckender Schutz der Zivilbevölkerung ist nicht möglich.“ [18] Schäden an Reaktorblöcken von Kernkraftwerken, Verseuchung nach Angriffen auf die chemische Industrie; das alles würde durch KI-gestützte Cyberangriffe auf Software- und Kontrollsysteme passieren. „Kriegsführung geht nicht in Deutschland.“ Wenn die jetzige US-Administration den Ukrainekrieg beenden will und über die Köpfe der Europäer hinweg einen Interessenausgleich mit Russland sucht, müsse man das nutzen. Andererseits wird die Absicht der USA ja nicht verschwinden, eine nachhaltige Kooperation Deutschlands beziehungsweise Europas mit Russland zu verhindern. Also sollte es das Ziel sein, „Europa schrittweise aus der Abhängigkeit von den geopolitischen Interessen der USA herauszuführen“. Die Bündnisfreiheit Deutschlands könnte einen „amerikanisch-russischen Stellvertreterkrieg auf europäischem Boden nachhaltig verhindern, einen Krieg, in dem alles zerstört würde, was verteidigt werden soll, und in dem der Sieg einer Seite unmöglich wäre“. Ein bündnisfreies, aber bewaffnetes Land mit Wehrpflicht? [19] Ist diese Perspektive denn realistisch? Ein Friedensvertrag für die Ukraine „Wir müssen wirklich darauf achten, dass die Ukraine nur in die EU aufgenommen werden kann, wenn es zuvor einen abschließenden Friedensvertrag mit Russland gegeben hat.“ Da hat Klaus von Dohnanyi recht, und Erich Vad stimmt ihm zu. Aber wie soll dieser Friedensvertrag zustande kommen? Klare Aussage von Erich Vad: Bereits im Herbst 2022 habe sich abgezeichnet, „dass eine militärische Lösung im Sinne der vom Westen unterstützten Ukraine unwahrscheinlich war“. [20] Was folgt daraus? Dass Deutschland, Europa, die USA diesen Krieg durch Waffenlieferungen nur verlängern. Und was wäre, wenn sie das nicht täten? Das ist der springende Punkt und nicht nur eine außenpolitische, sondern auch eine innenpolitische Frage. Medial geschürt, herrscht in weiten Teilen Deutschlands die Überzeugung, dass Russland in diesem Krieg, der gebetsmühlenartig mit dem Adjektiv „völkerrechtswidrig“ versehen wird, keinesfalls die Oberhand gewinnen darf, sondern „ruiniert“ werden muss, wie es Annalena Baerbock, damals Außenministerin, ausdrückte. Dass Russland bisher anscheinend nicht zu „ruinieren“ ist, macht vielen Leuten Angst. Und diese Angst wird geschürt, damit sie die Belastungen gutheißen, die ihnen jetzt auferlegt werden sollen und die durchaus nicht etwa nur mit diesem Krieg zu tun haben. „Wenn Russland gewinnt“ – in seiner fiktiven Erzählung hat Carlo Masala 2025 ja ausgemalt, wie es dann im baltischen Raum zu weiteren Eroberungen kommen könnte. [21] Ich habe mich an dieser Stelle darüber lustig gemacht, muss aber jetzt bedenken, was Klaus von Dohnanyis sagte: dass Interventionen in die Einflusssphären von Weltmächten fast unweigerlich zum Krieg führen. In diesem Buch gibt es viele historische Reminiszenzen und von beiden Gesprächspartnern immer wieder Beteuerungen, dass Frieden nicht gegen, sondern nur mit Russland möglich ist. Von russischer Seite wird ja auch bekräftigt, dass man an einem großen europäischen Krieg kein Interesse hätte. Aber das kommt deutschen Lesern vermutlich nicht zur Kenntnis und wenn, bleiben ihnen Zweifel. Die will Erich Vad beschwichtigen: > „Zu einem Angriff auf die NATO ist Russland absehbar nicht befähigt, und es hat auch bisher in diese Richtung nie eine politische Absicht geäußert: Die amerikanischen Nachrichtendienste sind dazu eindeutig.“ [22] Andererseits: „Dass die Ukraine sich aus den noch gehaltenen Gebieten des Donbass zurückzieht oder Russland die besetzten Gebiete im Donbass räumt, ist unrealistisch. Eine europäische Friedenstruppe in die Ukraine zu entsenden, ist kaum machbar. Sie würde von den Russen ebenso wie eine NATO-Mitgliedschaft der Ukraine nicht akzeptiert.“ Die Ukraine brauche Sicherheitsgarantien wie Russland auf andere Weise auch. > „Es kann den Russen aus strategischen Gründen nicht egal sein, welche Regierung in Kiew sitzt. Die muss für sie neutral sein, zwingend.“ Diesbezüglich hätten die beiden Großmächte USA und Russland, die machtpolitisch gesehen die Ukraine bereits zwischen sich aufgeteilt haben, das Heft des Handelns in der Hand. [23] Wenn in der Öffentlichkeit davon die Rede ist, dass Russland 20 Prozent des ukrainischen Territoriums kontrollieren würde, handelt es sich, abgesehen von der Krim, die fest in russischer Hand ist, auch wenn Selenskyj immer wieder mit Angriffen droht, vornehmlich um die Republiken Donezk und Lugansk, die sich bereits im Frühjahr 2014 abgespalten haben und seitens der ukrainischen Armee seitdem mit einer „Antiterroroperation“ überzogen wurden. Keine Frage, dass eine solche Pufferzone im russischen Sicherheitsinteresse ist, weil die Ukraine antirussisch aufgerüstet wurde. Auch anderswo am Rande einstiger Sowjetrepubliken gibt es solche abgetrennten russischen Territorien – zum Beispiel in Transnistrien, Südossetien, Abchasien mit Militärstützpunkten zum Schutze Russlands, weil sich die westliche Einflusssphäre immer weiter ausdehnt. Müssen sie es eben hinnehmen, würden manche heute sagen. Aber Russland versteht sich als Großmacht und nimmt das nicht hin. Bezüglich der als russisch deklarierten Territorien wird es keine Zugeständnisse geben. Aber wie lässt sich der Hass überwinden, der in der Ukraine seit dem russischen Einmarsch auch Menschen beherrscht, die vorher vielleicht russlandfreundlich waren? All die Verluste sollen umsonst gewesen sein? Wie könnte die Selenskyj-Administration einen Friedensvertrag mittragen, der einer Kapitulation gleichkäme? Ist das Zuckerstück des EU-Beitritts dann doch unumgänglich? Auch Russland leidet zunehmend unter diesem Krieg. Trumps Friedensbemühungen stießen im Kreml für Momente auf Begeisterung. Putin fühlte sich verstanden und im Großmachtstatus seines Landes ernst genommen (diesen Aspekt sollte man nicht unterschätzen), aber das währte jeweils kurze Zeit. Je länger der Krieg dauert, umso größer könnte der innenpolitische Druck werden, stärkere militärische Mittel einzusetzen. Die Warnungen von Sergej Karaganow, Ehrenvorsitzender des Russischen Rates für Außen- und Verteidigungspolitik und langjähriger Berater von Wladimir Putin, sind nicht zu unterschätzen. [24] Bereits am 17. Dezember 2021 hatte der Kreml dem Weißen Haus einen „Vertragsentwurf zur Gewährleistung der Sicherheit Russlands und der Mitgliedsstaaten der NATO“ vorgelegt. > „Es handelt sich um den Verzicht auf die weitere Nato-Ausdehnung, um den Abruf der ‚Bukarest-Formel‘, der zufolge ‚die Ukraine und Georgien Nato-Mitglieder werden‘, und um den Verzicht auf Einrichtung von Militärstützpunkten auf dem Territorium der Staaten, die früher Teile der UdSSR gewesen waren und keine Mitglieder der Allianz sind, insbesondere auf die Nutzung ihrer Infrastruktur zwecks jedweder militärischer Aktivitäten, wie auch um die Rückkehr militärischer Potenziale (insbesondere offensiver Potenziale) und der Infrastruktur der Nato zum Zustand des Jahres 1997, als die Russland-Nato-Grundakte unterzeichnet wurde.“ [25] Weitreichende Forderungen, die schon eine Warnung enthielten. Die Biden-Administration hätte viele Möglichkeiten gehabt, diplomatisch zu reagieren. Beim Gipfeltreffen im Juni 2021 in Genf war indes das gespannte Verhältnis zwischen beiden Präsidenten unübersehbar, von denen der eine sich schon als Sieger im geopolitischen Kräftemessen sah und das seinem Gegenüber auch demonstrierte. Keine Verhandlungen: Man war darauf vorbereitet, dass Russland unter Zugzwang geraten würde. Am 24. März 2021 bereits hatte Selenskyj ein Dekret erlassen, in dem die „De-Okkupation und Wiedereingliederung der Krim und der Stadt Sewastopol“ zum staatlichen Auftrag gemacht wurden. Zugleich verlagerte Kiew Truppen in den Süden der Ukraine. Am 30. August wurde ein Vertrag über militärische Zusammenarbeit mit den USA geschlossen. Offiziell gemacht wurde, was vorher schon Usus war. Etwa 2.000 US-Soldaten mit schwerem Gerät und Flugzeugen hielten sich bereits in der Ukraine auf. Am 19. Februar 2022 stellte Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz den im Budapester Memorandum vereinbarten Verzicht auf Nuklearwaffen infrage. Geleakte Informationen über einen angeblich bevorstehenden Angriff auf die Krim sollen die russische Führung endgültig zur Reaktion veranlasst haben. In seinem Buch „Die strategische Falle“ hat Georg Auernheimer diesen Hergang dargestellt bis hin zum gescheiterten Friedensabkommen von Istanbul. [26]. Der Ukraine-Krieg wäre 2021 zu verhindern und 2022 zu beenden gewesen. Eine friedliche Lösung wünschen sich viele. Es wird Zeit, dass Deutschland einen Beitrag dazu leistet, statt den Konflikt noch weiter anzuheizen. Titelbild: Westend Verlag[https://vg01.met.vgwort.de/na/cd0c63ecaebd4f3fb23558d84e40e696] Mehr zum Thema: Klaus von Dohnanyi und Erich Vad: Schicksalsfrage für Europa [https://www.nachdenkseiten.de/?p=137936] ---------------------------------------- [«1] [1] Klaus von Dohnanyi/ Erich Vad: Krieg oder Frieden. Deutschland vor der Entscheidung. Westend Verlag, 2025 [«2] Klaus von Dohnanyi/ Erich Vad: Frieden – wie geht das?, Westend Verlag 2026, S. 11 [«3] tagesschau.de/ausland/eu-ukraine-moldau-102.html [https://www.tagesschau.de/ausland/eu-ukraine-moldau-102.html] [«4] Frieden – wie geht das?, Dohnanyi S. 64 [«5] ebenda, Vad, S. 12 [«6] ebenda, Vad, S. 16 [«7] ebenda, Vad, S. 28 [«8] ebenda, Dohnanyi, S, 37 [«9] ebenda, Vad, S. 39 [«10] telepolis.de/article/CIA-in-der-Ukraine-Die-Provokation-die-Putins-Angriffskrieg-ausloeste-9641397.html?seite=all [https://www.telepolis.de/article/CIA-in-der-Ukraine-Die-Provokation-die-Putins-Angriffskrieg-ausloeste-9641397.html?seite=all] [«11] Zbigniew Brzeziński: Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft und der Kampf um Eurasien. Nomen Verlag 2024, S. 70 [«12] Frieden – wie geht das?, Vad, S. 41 [«13] ebenda, Vad, S. 58 [«14] ebenda, Vad, S. 66 [«15] ebenda, Vad, S 15 [«16] ebenda, Dohnanyi, S. 63 [«17] ebenda, Vad, S. 70ff [«18] ebenda, Vad, S. 152 [«19] ebenda, Vad, S, 162ff [«20] ebenda, Vad, S. 135 [«21] Carlo Massala: Wenn Russland gewinnt, C.H.Beck 2025 [«22] Frieden – wie geht das?, Vad, S. 68 [«23] ebenda, Vad, S. 129 ff [«24] de.euronews.com/2026/01/25/russland-atomwaffen-ukraine-putin [https://de.euronews.com/2026/01/25/russland-atomwaffen-ukraine-putin] [«25] mid.ru/ru/foreign_policy/news/1799157/?lang=de [https://mid.ru/ru/foreign_policy/news/1799157/?lang=de] [«26] Georg Auernheimer: Die strategische Falle. Die Ukraine im Weltordnungskrieg. Papyrossa Verlag 2024

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Meinungsfreiheit: Die Normalisierung des Autoritären

Die Axt ist an der Meinungsfreiheit angesetzt. Immer dreister, immer unverschämter greifen Politiker und staatliche Institutionen das Grundrecht der freien Rede an. Vor unseren Augen vollzieht sich längst die Normalisierung des Autoritären und zunehmend auch des Totalitären. Längst sind Übergriffe und Maßnahmen von staatlicher Seite, die bis vor einiger Zeit bei uns kaum einer für möglich gehalten hätte, zur neuen Normalität geworden. Wo wird das hinführen? Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Ein Feuer beginnt nicht als Großbrand. Es beginnt mit einer kleinen Flamme, die sich ausbreitet, um dann immer größer zu werden, bis die vernichtende Kraft der Flammen immer weiter um sich greift. Dieses Bild zeigt, was in Deutschland, aber auch in der EU passiert. Fast wäre man versucht zu sagen: Was waren das für Zeiten, als Meinungsabweichler nur als „Verschwörungstheoretiker“ öffentlich diffamiert wurden! Im Vergleich zu dem, was heute passiert, waren diese Zeiten geradezu harmlos – könnte man meinen. Doch harmlos waren schon die Übergriffe nur mit Worten nie. Das Feuer war bereits zu sehen. Und heute? Wer die falsche Meinung vertritt, wird von Medien nach wie vor als „umstritten“ oder als „rechts“ bezeichnet mit dem Ziel: mundtot machen. Zum Schweigen bringen. Doch längst passiert mehr. Was wir erleben, hat mit dem Geist der Demokratie nichts mehr zu tun. Vielmehr weht der Wind des Autoritären und zunehmend des Totalitären durch die Republik. Die Angst geht um. Die freie Rede existiert zwar noch. Aber wer im Internet ein falsches Meme postet, muss sich davor fürchten, dass die Polizei vor der Tür stehen wird und auf Anordnung einer Staatsanwaltschaft Computer und Handy beschlagnahmt. Das Sinnbild steht offen zur Betrachtung aus. Eine chronisch überlastete Justiz, die nicht mehr hinterherkommt, selbst schwerste Verbrechen aufzuklären, kümmert sich um „Schwachkopf“-Äußerungen in sozialen Medien. Landesmedienanstalten gehen gegen YouTuber, Blogger und kleine alternative Medien vor und wollen, dass jedes veröffentlichte Wort auf die Goldwaage gelegt wird. Während der Coronazeit war indes nicht einmal mehr der Respekt vor der ärztlichen Souveränität gewahrt. Der Staat stellte sich über die ärztliche Expertise. Auf den Straßen kamen Wasserwerfer und Knüppel zum Einsatz – gegen Bürger, die einfach nur „Grundrechte!“ sagten. Selbst die Unverletzlichkeit der Wohnung war dahin, wenn ein Bruder zu viel in der Wohnung war. Nicht zu vergessen: Paragraph 188 wurde 2021 verschärft, er umfasst nun auch einfache Beleidigungen, die sich gegen Politiker richten. Er erstreckt sich über alle politischen Ebenen, soll auch Kommunalpolitiker vor verbalen „Entgleisungen“ schützen. Ein falsches Wort gegen Politiker, die dieses Land an die Wand fahren? Bitte nicht! Hinzu kommt: Die EU – dieses angebliche Mustergebilde der Demokratie – hat längst das Schwert ausgepackt: Und schlägt damit zu. Hüseyin Doğru [https://www.nachdenkseiten.de/?page_id=47542&suche=+H%C3%BCseyin+Do%C4%9Fru], Jacques Baud [https://www.nachdenkseiten.de/?page_id=47542&suche=jaque+baud] und wie sie heißen: Selbst Journalisten, die die falsche Sicht vertreten, trifft es. Existenzvernichtung: Darum geht es. Längst hat die EU den russischen Sender RT verboten – weil es sich dabei um ein Propagandainstrument handeln soll und eine „signifikante und direkte Bedrohung für die öffentliche Ordnung und Sicherheit der Union“ [https://www.consilium.europa.eu/en/press/press-releases/2022/03/02/eu-imposes-sanctions-on-state-owned-outlets-rtrussia-today-and-sputnik-s-broadcasting-in-the-eu/] darstellen soll. Gerade erst wurde gerichtlich „klargestellt“, dass selbst die Verbreitung von RT-Videos unter Strafe steht [https://tkp.at/2026/07/05/zensur-wie-auf-drogen-aber-rechtsstaatlich/]. Und so geht es weiter. Was passiert hier? Wo soll das enden? Wo die Entwicklung enden wird, ist noch undurchsichtig. Was passiert, ist hingegen klar: Die vorherrschende Politik hat ein großes Problem mit dem Wettstreit freier Meinungen. Sie hat ein Problem mit der Wahrheit. Sie verachtet die Sicht der „anderen Seite“ – wer auch immer damit im Einzelfall gemeint sein mag. All jene Maßnahmen, die die Handschrift des Autoritären tragen, zerstören die Meinungsfreiheit. Wenn Bürger, bevor sie etwas sagen, sich zuerst bei drei Anwälten über die Rechtmäßigkeit ihrer Aussagen informieren müssen, dann ist die Meinungsfreiheit am Ende. Wenn Journalisten keine politisch unliebsamen Positionen wiedergeben und zuerst bei den zuständigen „Wahrheitsministerien“ abklären lassen sollten, was geschrieben werden darf und was nicht, dann ist die Meinungsfreiheit tot. Wie kann ein demokratischer Staat die Verbreitung von Propaganda verbieten? Dann dürfte auch keine Partei mehr bei Wahlkämpfen für sich werben – denn das ist auch Propaganda. Oder will sich die Politik tatsächlich anmaßen, inhaltlich darüber zu entscheiden, was Propaganda ist und was nicht, was „gute“ Propaganda und was „schlechte“ Propaganda ist? Ja, genau das maßen Politiker sich längst an. Das ist ein Frontalangriff auf die Meinungsfreiheit. Wenn Politik im Verbund mit in ideologischer Komplizenschaft verbundenen Medien vorgeben, einen Kampf gegen „Hass und Hetze“ zu führen, dann ist das eine Lüge. In Wirklichkeit sind sie auf einem Feldzug gegen jene, die ihrer Politik nicht folgen. Für eine Demokratie ist es schon verhängnisvoll, wenn nur die vage Annahme im Raum der Gesellschaft steht, es bedürfe Vorsicht mit dem, was man öffentlich sagt. Deutschland und die EU sind längst weiter. Viel weiter. Vor unseren Augen vollzieht sich die Normalisierung des Autoritären. Titelbild: Achim Wagner / Shutterstock[http://vg07.met.vgwort.de/na/88e417f40cbc4ee1a8afa444c83e2bd5]

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