Müll auf dem Mond: Die Hinterlassenschaften der Astronauten
"Also das allermeiste sind Raumfahrzeuge verschiedenster Art", erklärt Beck. Darunter seien Sonden, Lander, Rover, Satelliten und abgestürzte Raketenstufen. "Insgesamt sind das rund 190 Tonnen. Aber ein Teil des Mülls ist auch noch Zeug, das die Apollo-Astronauten einfach dagelassen haben, darunter wissenschaftliche Experimente und Fernsehkameras."
PERSÖNLICHE ÜBERBLEIBSEL DER ASTRONAUTEN
"Da sind zwei Golfbälle, die Alan Shepard (der erste Amerikaner im All) geschmuggelt hat, um damit als erster auf einem anderen Himmelskörper Golf zu spielen. Charlie Duke (der bisher jüngste Mensch auf dem Mond) hat ein Familienfoto liegengelassen. David Scott (Apollo-15) hat ein kleines wissenschaftliches Experiment durchgeführt: Er hat eine Feder und einen Hammer fallen lassen, um zu zeigen, dass ohne Atmosphäre beides gleich schnell fällt. Die liegen auch noch ganz genau da, wo sie hingefallen sind." Außerdem habe Scott eine Skulptur des belgischen Bildhauers Paul Van Hoeydonck auf dem Mond gelassen. Darauf befindet sich eine Plakette mit den Namen aller Astronauten, die bis dahin im Dienst für die Raumfahrt ihr Leben gelassen haben. "Darüber hinaus liegen da noch etwas andere Hinterlassenschaften der Astronauten. Ungefähr einhundert Beutel. Damit sollte jedes mögliche Gramm für den Rückflug eingespart werden."
BIS AUF DEN INHALT DER BEUTEL IST DAS ALLES KEIN BIO-MÜLL, ES WIRD NICHTS ABGEBAUT
"Es gibt ohnehin keine Atmosphäre, die da irgendwas oxidieren könnte," erklärt Beck. „Der ganze Müll wird da sehr sehr lange bleiben. Das ist aber gar kein so großes Problem, weil es dort ja kein Leben gibt, das wir damit kaputt machen könnten.“ Natürlich sei es nicht schön, wenn wir da alles vollmüllen. Aber es sei eben auch nicht so problematisch, wie auf der Erde. "Das Einzige, was dagegen helfen könnte, wäre ein gezielter Meteoriteneinschlag auf so ein Schrottteil. Der würde kurzen Prozess machen."
AUCH UM DEN MOND HERUM HAT SICH INZWISCHEN EINIGES ANGESAMMELT
"Was da alles ist, wissen wir gar nicht so genau. Weil der Mond im Vergleich zur Sonne oder zur Erde relativ klein ist, gibt es gar nicht so viele stabile Unlaufbahnen. Wenn ein Satellit zum Beispiel auf einer instabilen Umlaufbahn ist, dann kann das dazu führen, dass er irgendwann auf die Oberfläche abstürzt." Oder der Satellit würde aus der Umlaufbahn herausgeschleudert. Gerade die niedrigen Umlaufbahnen könnten von der Erde aus gar nicht beobachtet werden, da komme den Menschen das Streulicht der Mondoberfläche in die Quere.
SATELLITEN VERSCHWINDEN
"Wenn wir also den Kontakt zu einem ausgedienten Satelliten verlieren, wissen wir nicht mehr, wo er ist. Das kann zu völlig absurden Situationen führen: 2022 ist eine Raketenoberstufe auf den Mond gestürzt und es war zunächst gar nicht klar, welche das eigentlich ist. Erst ging man von einer Falcon 9 von SpaceX aus. Aber mittlerweile denkt man, dass es sich um eine chinesische Rakete handelt." Die Chinesen hätten das allerdings nie bestätigt. Genau wisse man es also immer noch nicht.
BESTEHT DADURCH EINE GEFAHR FÜR ASTRONAUTEN AUF DEM MOND?
"Es ist nicht so wahnsinnig viel, was da unterwegs ist," sagt Beck. "Es waren insgesamt so 150 Missionen, die zum Mond geflogen sind. Davon sind nicht mehr viele Raketenstufen übrig, weil sie sich entweder nicht mehr in der Umlaufbahn befinden oder schon abgestürzt sind." Tendenziell werde es aber immer mehr. Sollten die Menschen irgendwann dauerhaft auf den Mond wollen, müsse man da schon aufpassen. Es könnten auch zwei Teile in der Umlaufbahn zusammenkrachen. Trümmer davon könnten dann mit voller Wucht auf den Mond fallen. "Die Europäische Weltraumorganisation ESA hat sich dazu verpflichtet, keinen Müll mehr im All zu hinterlassen."
Comments
0Be the first to comment
Sign up now and become a member of the SWR Aktuell Im Gespräch community!