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Aus Hitlers Geburtshaus wird eine Polizeiwache: Wie eine historische Einordnung gelingen kann

6 min · 22. juli 2026
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In Braunau am Inn wird das Geburtshaus Adolf Hitlers nach einer umfassenden Umgestaltung als Polizeiwache neu eröffnet, um den Ort für Neonazis unattraktiv zu machen. EINORDNUNG STATT NEUTRALISIERUNG Florian Kotanko, Leiter des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, begrüßt den Einzug der Polizei grundsätzlich, betont jedoch, dass der Umgang mit dem Gebäude von dessen Nutzung abhänge: „Es gehört meiner Meinung nach unbedingt eine historische Kontextualisierung dazu“, fordert Kotanko und kritisiert das Fehlen einer direkten Einordnung am Gebäude. Eine bloße Veränderung der Fassade könne die historische Bedeutung des Hauses nicht auslöschen oder den Ort „neutralisieren“. Stattdessen plädiert Kotanko für eine aktive Erinnerungskultur, die Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt und Braunau differenziert mit seiner Geschichte umgehen lässt.

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Aus Hitlers Geburtshaus wird eine Polizeiwache: Wie eine historische Einordnung gelingen kann

In Braunau am Inn wird das Geburtshaus Adolf Hitlers nach einer umfassenden Umgestaltung als Polizeiwache neu eröffnet, um den Ort für Neonazis unattraktiv zu machen. EINORDNUNG STATT NEUTRALISIERUNG Florian Kotanko, Leiter des Vereins für Zeitgeschichte Braunau, begrüßt den Einzug der Polizei grundsätzlich, betont jedoch, dass der Umgang mit dem Gebäude von dessen Nutzung abhänge: „Es gehört meiner Meinung nach unbedingt eine historische Kontextualisierung dazu“, fordert Kotanko und kritisiert das Fehlen einer direkten Einordnung am Gebäude. Eine bloße Veränderung der Fassade könne die historische Bedeutung des Hauses nicht auslöschen oder den Ort „neutralisieren“. Stattdessen plädiert Kotanko für eine aktive Erinnerungskultur, die Verantwortung für die Vergangenheit übernimmt und Braunau differenziert mit seiner Geschichte umgehen lässt.

22. juli 20266 min
episode Die Soul- und Gospelsängerin Siyou artwork

Die Soul- und Gospelsängerin Siyou

Seit 30 Jahren leitet Siyou – mit bürgerlichem Namen: Siyou Isabelle Ngnoubamdjum – Gospelchöre und tritt international mit ihnen auf, hat aber auch andere Musikprojekte, zum Beispiel das Duo „Siyou'n'Hell“ mit dem Bassisten Hellmut Hattler [https://www.swr.de/kultur/musik/far-west-von-der-legendaeren-band-kraan-eine-wiederentdeckte-live-aufnahme-von-1980-100.html]. Jetzt hat sie zum ersten Mal ein Album auf Vinyl veröffentlicht, die gute alte „Langspielplatte“, wie man früher sagte. Die Songs von „About me“ sind teilweise schon älter, wurden aber alle für das Album neu aufgenommen. Siyou ist Tochter einer Pfarrers mit kamerunischen Wurzeln und hat schon in frühester Kindheit in der Kirche gesungen. > Ich habe schnell gemerkt: Das ist meine Art des Ausdrucks, damit kann ich Menschen berühren. > > > Quelle: Sängerin Siyou

Yesterday16 min
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Hyperrealistischer Publikumsliebling: Die „Putzfrau“ der Staatsgalerie Stuttgart wird restauriert

AUF DEM TISCH DER RESTAURATORINNEN Zuletzt putzte sie die Böden bei den alten italienischen Meistern. Dort hockte sie in ihrem geblümten, ausgebleichten Kittel auf dem Boden, abgestützt mit der einen Hand, die andere am Rand des gelben Putzeimers, und blickte erschöpft von der schweren Arbeit ins Leere. Davon erholt sie sich gerade im Schauatelier der Wüstenrot Stiftung: Seitlich liegt sie auf dem Tisch und wird umsorgt von den beiden Restauratorinnen Lena Bühl und Lydia Schmidt: „Der Kittel hatte einen großen Riss, den wir jetzt mittels eines Spannstichs schließen. Außerdem ist er aber auch sehr ausgeblichen und die Unterwäsche hat auch Löcher, die wir schließen werden.“ DUANE HENSON MACHTE GIPS-ABGÜSSE VOM LEBENDEN MODELL Im Vorfeld haben sich die beiden Museums-Restauratorinnen intensiv mit dem US-amerikanischen Künstler Duane Hanson, seiner Technik und dem benutzten Material auseinandergesetzt, damit nichts zerstört wird oder abbricht – etwa beim Anheben der Figur. Denn die Plastik ist hohl. Und dort, wo man nicht hinsieht, wenn sie in der Ausstellung auf dem Boden sitzt, hat sie viele offene Stellen. Sie ist also filigraner, als es auf den ersten Blick scheint. Außerdem hat Duane Henson viele einzelne Abgüsse aus Gips vom lebenden Modell gemacht und sie dann aneinander gefügt. Die Abgüsse hat er anschließend mit Polyesterharz und Glasfaser bearbeitet, ohne sich der gesundheitlichen Folgen bewusst zu sein. „Das ist halt relativ toxisch“, erklärt Restauratorin Lena Bühl. „Deshalb unter anderem ist er damals erkrankt und hat dann das Material gewechselt. Aber das ist ja alles ausgehärtet. Die Dämpfe und die Glasfasern, die bei der Herstellung entstehen, sind natürlich lungengängig, und Hanson hat sich halt gerade zu Beginn nicht geschützt. Das kennt man auch von anderen Künstlern jener Zeit. Niki de Saint Phalle ist ja auch sehr stark erkrankt daran.“ KÜNSTLERATELIER, ZAHNARZTPRAXIS, SCHNEIDEREI UND OP-SAAL Im Schauatelier, wo die Besucher den Restauratorinnen durch eine große Glasscheibe bei der Arbeit zuschauen können, sieht es aus wie in einem Künstleratelier, einer Zahnarztpraxis, einer Schneiderei und einem Operationssaal in einem. Überall liegen Feinwerkzeuge, Pinsel, Farbtöpfchen, Sonden und Messgeräte herum. An der Wand hängen sogar Röntgenaufnahmen. „Das Tolle ist halt, dass wir hier im Haus auch eine Röntgenanlage haben, mit der wir die Kunstwerke durchleuchten können, um eben in tiefere Schichten zu schauen“, so Lena Bühl. Aus welchem Kunststoff die gräulich-beigefarbene Perücke genau ist, konnten die beiden Restauratorinnen nicht herausfinden. Bekannt ist aber, dass Duane Hanson im Frühwerk mit Kunsthaarperücken arbeitete, später mit Echthaarperücken. AUCH FEINE HAUTFALTEN REALISTISCH DARGESTELLT Ein weiteres Merkmal für das Frühwerk: Die Augen waren gemalt, später setzte er Glasaugen ein. Um den Unterschied zu erkennen, muss man allerdings schon genau hinschauen. So sehr perfektionierte Hanson seine Technik, auch was die Haut seiner Figuren anging. Man erkenne etwa am Ellenbogen, wie Henson es schaffte, mittels einer Silikon-Abformungstechnik die genaue Oberfläche der Haut abzubilden, erklärt Restauratorin Bühl, „sodass wir jetzt wirklich diese feinen Runzeln und die Beweglichkeit der Haut nachempfinden können. Und das hat er dann gleichzeitig auch mit der Ölfarbe, die er auf den Untergrund aufgebracht hat, extrem realistisch festhalten können.“   Übrigens: Das Model, das Duane Hanson für seine Plastik Patin stand, war eine echte Putzfrau aus Düsseldorf. Ihr kaufte der Künstler auch die Kleidung ab – Hyperrealismus in Perfektion eben. Im September wird die Figur, die von vielen Besucherinnen und Besuchern schon vermisst wird, ihre Arbeit nach einem halben Jahr Pause wieder in der Dauerausstellung aufnehmen. Wo? Das wird nicht verraten. Die Suche nach ihr gehört für Viele zum Besuch der Stuttgarter Staatsgalerie mit dazu.

Yesterday4 min
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Raumgreifende Kunst von Julia Steiner, Olaf Holzapfel und Raul Walch

LEHMVERPUTZTE WÄNDE, FLECHTWERK AUS HEU UND STROH Die ersten Blicke in die aktuelle Ausstellung der Esslinger Villa Merkel geben Rätsel auf. Im Erdgeschoss dominieren riesige, abstrakte Schwarz-Weiß-Zeichnungen, die aus der Ferne an Rußspuren erinnern. Manchmal überziehen sie ganze Wände, den Stuck und die Decken. Im Obergeschoss kommen dazu Collagen aus Jeans-Stoff, lehmverputzte Wände und Flechtwerk aus Heu und Stroh. Also, worum bitte geht’s hier gleich nochmal? – „Falsche Frage“, sagt Olaf Holzapfel, einer der drei Künstler. Es sei nicht das Ziel, Antworten zu geben, „sondern Dinge zu zeigen, die sich verbinden.“ Holzapfels Kollege Raul Walch, der mit ihm zusammen das Obergeschoss eingerichtet hat, ergänzt: „Wenn man sich in die Räume begibt, hat man, glaube ich, schon sehr starke Eindrücke. Man bewegt sich anders, es ist eine andere Akustik, man hat Gerüche, die durch verschiedene Materialien entstehen.“ MATERIAL, DAS NICHT ALS „KUNSTWÜRDIG“ GILT „Ideale Formen und roher Stoff“ betiteln Walch und Holzapfel ihren Ausstellungsteil. Sie verwenden Recyclingmaterial und Stoffe, die normalerweise nicht als kunstwürdig gelten, etwa Heu, Stroh und Lehm. Zwei Innenwände hat Holzapfel mit einer fasrigen Mischung aus Stroh und Lehm überzogen, wie die Füllung von Fachwerk. Der Witz dabei ist: Die klassizistische Villa Merkel wurde vor rund 150 Jahren eben nicht als traditioneller Fachwerkbau errichtet, sondern als damals supermoderne Betonkonstruktion – heute unter ökologischen Aspekten sehr fragwürdig.  IN SICHTWEITE: DIE KRISELNDEN FABRIKEN VON MERCEDES „Damals war das Hightech und jetzt ist es eine Erinnerung. Und so begreifen wir vielleicht verschiedene Industrien, die jetzt im Übergangsstadium sind, später auch als Erinnerung, aber auch als Teil von etwas, was wieder woanders hingeführt hat.“ Eine von Raul Walchs Druckgrafiken in der Ausstellung trägt den Schriftzug: „Wir hausen in den Ruinen unserer fossilen Utopien.“ Mit den kriselnden Fabriken von Mercedes quasi in Sichtweite klingt das ziemlich düster. Was die Kräfte der Kunst dem entgegensetzen können, darüber kann man im Erdgeschoss der Villa Merkel sinnieren, angesichts der meditativen Großzeichnungen von Julia Steiner. Im Lichthof der Villa hat sie ein Podest gebaut, auf dem man liegen und den Blick nach oben richten kann. Julia Steiner: „Mich interessiert bei der Zeichnung, die ja immer sehr großformatig ist, dass man sich als Betrachter oder auch ich als Macherin hineinbegeben kann, dass man fast wie in der Landschaft spazieren gehen kann, dass man sich auch mal in das Bild hineinlegen oder hineinsetzen kann und man kann wie so Teil davon sein.“

Yesterday4 min