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Ein EU-Beitritt der Ukraine ist eindeutig abzulehnen. Die aktuellen Konflikte zwischen Polen und der Ukraine um die Agrarpolitik und um die ukrainische Ehrung von Nazi-Kollaborateuren können aber leise Hoffnungen auf ein Scheitern eines ukrainischen EU-Beitritts machen, der nicht nur destruktiv, sondern gefährlich wäre – Stichwort „Beistandsklauseln“. Für Entwarnung gibt es allerdings keinen Anlass: Wenn es um die Ukraine geht, gelten rationale politische Kriterien schon längst nicht mehr. Ein Kommentar von Tobias Riegel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Ein bereits vor einem Jahr ausgehandelter Rüstungs-Deal zwischen den Regierungen in Kiew und Warschau, bei dem Polen Drohnentechnologie und die Ukraine MIG-Kampfjets erhalten sollte, steht vor dem Scheitern, wie Medien berichteten [https://www.n-tv.de/politik/Streit-zwischen-Kiew-und-Warschau-eskaliert-wegen-offener-Wunden-id31045982.html]. Der polnische Verteidigungsminister Władysław Kosiniak-Kamysz sieht die Schuld bei den ukrainischen Verhandlungspartnern, die eine Vereinbarung zu den Drohnenlieferungen nicht erfüllt hätten. Die schweigen sich bislang dazu aus. Konflikte um die Ehrung von Nazi-Kollaborateuren Offizieller Auslöser war die Entscheidung von Präsident Wolodymyr Selenskyj, eine Armee-Einheit nach der berüchtigten Ukrainischen Aufständischen Armee (UPA) zu benennen. Die 1942 gründete UPA kooperierte zeitweise mit Nazi-Deutschland, sie ist unter anderem für die Massaker von Wolhynien im Sommer 1943 verantwortlich – und damit für den Mord an mehr als 100.000 Polen, darunter zahlreiche Zivilisten. Dass in der Ukraine einflussreiche Kräfte behaupten, die UPA sei eine (politisch-moralisch zu verteidigende) nationale, antikommunistische Widerstandsbewegung gewesen, ist massive Geschichtsklitterei. Bei N-TV jedoch erscheint der Historiker Frank Grelka erstaunlich tolerant bezüglich Massenmördern und Nazi-Kollaborateuren: > „Dass die UPA aus ukrainischer Sicht Helden, aus polnischer Perspektive jedoch Verbrecher sind, kann Grelka mit Blick auf die geschichtlichen Ereignisse nachvollziehen.“ In Polen wird das Massaker von Wolhynien als Völkermord gewertet. Die Verehrung der UPA als Helden in der Ukraine und die Verleihung von Ehrennamen an ukrainische Militäreinheiten sorgen in Polen regelmäßig für schwere diplomatische Verstimmungen und den Entzug staatlicher Auszeichnungen, wie Medien berichten [https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-polen-streit-100.html]. So entzog der polnische Präsident Karol Nawrocki dem ukrainischen Präsidenten Selenskyj einen polnischen Orden. Selenskyj und andere ukrainische Politiker gaben daraufhin polnische Auszeichnungen [https://www.tagesschau.de/ausland/europa/polen-ukraine-112.html]zurück. Konflikte um die Agrarpolitik Wahrscheinlicher ist allerdings, dass es den Polen – eigentlich einer der wichtigsten Unterstützer der Ukraine [https://www.tagesschau.de/ausland/europa/ukraine-koalition-der-willigen-manoever-100.html] – eher um die Konflikte in der Agrarpolitik geht, als um die symbolischen Dispute zur Historie. Seit dem Ukrainekrieg wurde ukrainisches Getreide zunehmend über den Landweg, also auch über Polen, transportiert. Zum Schutz der eigenen Landwirte hatte Polen zeitweise Einfuhrverbote für ukrainisches Getreide verhängt, da die günstige ukrainische Ware den polnischen Markt unter Druck gesetzt hatte. Die Situation hatte auch zu schweren Protesten an der polnisch-ukrainischen Grenze geführt. Das Medium Länder-Analysen schreibt dazu [https://laender-analysen.de/ukraine-analysen/301/beziehungen-ukraine-polen-seit-krieg-grenzblockaden/]: > „Negative wirtschaftliche Folgen ergaben sich auch aus wichtigen Entscheidungen der Europäischen Union vom Juni 2022, als alle Handelsbeschränkungen mit der Ukraine aufgehoben wurden und angesichts der russischen Blockade ukrainischer Seehäfen am Schwarzen Meer der beiderseitige Güterverkehr auf der Straße liberalisiert wurde. Entscheidungen, für die man in Friedenszeiten den mühsamen Verhandlungsweg eingeschlagen und sicherlich mehrere Jahre gebraucht hätte, was den Marktteilnehmer:innen die notwendige Zeit zur Anpassung gegeben hätte, wurden nun sehr schnell getroffen und von Warschau mit Blick auf die Notwendigkeit des Augenblicks unterstützt. In den folgenden Monaten kehrten sie allerdings als Bumerang zurück.“ Auch Frankreich hat Konflikte mit der Ukraine über die Agrarpolitik, wie Agrar Heute berichtet [https://www.agrarheute.com/markt/marktfruechte/landwirte-fuerchten-maisflut-ukraine-frankreichs-maisbauern-schlagen-alarm-641666]. Und auch der Politologe Herfried Münkler fürchtet laut Medien [https://www.n-tv.de/politik/Die-Agrarlobby-wird-den-EU-Beitritt-der-Ukraine-verhindern-Herfried-Muenkler-kritisiert-Bauern-id30332408.html], dass ein EU-Beitritt der Ukraine an diesen Konflikten um die Landwirtschaft scheitern könnte: > „Die Agrarlobby wird den EU-Beitritt der Ukraine verhindern.“ Solche „optimistischen“ Prophezeiungen sind allerdings ebenfalls verfrüht: Wenn es um die Ukraine geht, gelten rationale politische Kriterien wie gesagt schon längst nicht mehr. Korruption und Beistandsklauseln Durch einen EU-Beitritt würde die Ukraine dauerhaft zu einer korrupten und ultranationalistisch geprägten Belastung für die europäischen Gesellschaften. Zusätzlich würden die anderen EU-Länder durch eventuelle Beistandsklauseln als (dann direkte) Kriegsparteien in den Ukrainekrieg hineingezogen. Ob es der radikale ukrainische Geschichtsrevisionismus ist oder die Konflikte um die Agrarpolitik: Welcher Grund für Polen (und andere Länder) nun tatsächlich ausschlaggebend wäre, ist nicht die Hauptsache. Hauptsache ist, dass ein EU-Beitritt der Ukraine daran scheitert. Dann hätte Polen ganz Europa einen Dienst erwiesen. Titelbild: Traudl / Shutterstock[https://vg01.met.vgwort.de/na/892f94f28d104805a3334e9053807206] Mehr zum Thema: Wem gehört die Ukraine? 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