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Portugal in der Diktatur: Debütroman „Die Frauen der Fonte Nova“ von Alice Brito | Buchkritik

4 min · 10. juni 2026
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Description

Die portugiesische Stadt Setúbal prägt in den 30er- und 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein alles überlagernder Geruch: Es sind die Ausdünstungen von Fisch, der in den Fabriken der Stadt eingekocht wird. Hält man sich in Küstennähe auf, so erinnert sich die Erzählerin in Alice Britos detailreichem Roman, weht zudem der Geruch vom Meer heran.   HISTORISCHE KULISSE: BOOM DER FISCHKONSERVEN IM KRIEG  Dessen Freigiebigkeit bestimmt den Tagesablauf der Menschen in Setúbal. Das Meer bestimmt auch darüber, wie viel Geld die Menschen verdienen. Während die Männer zum Fischen fahren, verarbeiten die Frauen ihren Fang in den Konservenfabriken der Stadt. Dosen mit Sardinen sind eine gefragte Ware in Zeiten des Spanischen Bürgerkriegs und des Zweiten Weltkriegs:  > Alle lechzten nach Dosen: Deutschland, versteht sich, Italien, als es an der Reihe war, und selbst die Schweiz, die nie auch nur das Geringste mit der Sardine am Hut gehabt hatte, kaufte Schwärme von Dosen und wurde unversehens zum eifrigen Abnehmer. > > > Quelle: Alice Brito – Die Frauen der Fonte Nova „Nie hatte sich die Sardine eine solche Bedeutung erträumt. Ein Arme-Leute-Fisch von jeher, erwies sie sich jetzt als Produkt erster Güte und sprang, einmal auf dem Fischmarkt, stolz und silbern in die dringenden Entladungen auf dem Weg zu den Fabriken.“ Frauen profitieren von der florierenden Industrie allerdings nicht. Sie kassieren für die Akkordarbeit in der Fabrik einen Hungerlohn und sind zudem noch den gierigen Augen ihrer Vorgesetzten ausgesetzt. Arminda, eine der Protagonistinnen des Romans, verliert ihren guten Ruf, weil der Sohn des Fabrikbesitzers sie nicht wie versprochen heiratet.   Maria João ergeht es ähnlich. Sie muss zudem für einen unehelich geborenen Sohn aufkommen und geht deshalb eine glücklose Ehe mit einem Kohlenhändler ein, der sie brutal schlägt.   FRAUENBIOGRAFIEN GEPRÄGT VON PREKÄRER ARBEIT UND HÄUSLICHER GEWALT  Welche Benachteiligungen und welche Gewalt Frauen in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Portugal erleben, untersucht Alice Brito teils wie unter dem Mikroskop. Das gilt auch für die monotone Arbeit in der Konservenfabrik:  „Die Regeln, die Vorschriften, die Fingerfertigkeit, der Rhythmus der Arbeit, die Ökonomie der Handgriffe und der Verhaltenskodex, die Geschicklichkeit waren Stücke des eigenen Lebens, die man verinnerlichte, wie zu gewissen Stunden zu schlafen, sich Guten Tag zu sagen oder morgens das Gesicht zu waschen. Den Fisch verladen, entladen, in die Salzlake legen, die schmutzigen säubern. Den Kopf abtrennen, den Fisch grillen und konservieren.“  Sowohl Arminda als auch Maria João gelingt es, sich gegen alle Widrigkeiten einen Platz in der Gesellschaft zu erkämpfen. Alice Brito folgt weiteren Lebensläufen und zeichnet so ein treffendes Bild einer Stadt in der portugiesischen Provinz – von der Salazar-Diktatur bis zur sogenannten Nelkenrevolution [https://www.swr.de/kultur/literatur/lidia-jorge-die-stunde-der-nelken-100.html].   EIN BUCH, DAS FRAUENBIOGRAFIEN DEM VERGESSEN ENTREISSEN WILL  „Die Frauen der Fonte Nova“ ist dabei ein Buch, das Haltung zeigt. Die Erzählerin des Romans zeigt fortlaufend Missstände auf, sie klagt an und wiederholt sich an vielen Stellen in den Angriffen auf Ausbeuter und Mitläufer des Regimes.  Diese Dopplungen könnte man als Schwatzhaftigkeit abtun, tatsächlich sind die ein Akt des Aufbegehrens. Denn die Erzählerin will ganz bewusst an Frauen und ihre Lebensleistungen erinnern – auch an jene, die im Untergrund aktiv gewesen und anschließend in Vergessenheit geraten sind: „Die Wohnungen, in denen sie untertauchten, waren stets nur vorübergehende Adressen, ohne Wurzeln, ohne Heim, ohne Seele oder etwas, das auch nur annährend ein Nest gewesen wäre, hätte es die Frauen nicht gegeben, die den Untergrund in fortwährend weiblicher Unsichtbarkeit begleiteten und mit ertrugen, Frauen, die für immer in Vergessenheit gerieten, selbst in der Stunde der großen Lobreden.“  Im Bewahren dieser Geschichten liegt der Verdienst des Romans – und auch seine Kunstfertigkeit. Der Arbeit in der Fabrik nicht unähnlich konserviert Alice Brito nicht nur zahlreiche Biografien, sondern auch Bilder, Klänge und Gerüche jener Zeit.  Inzwischen riecht Setúbal kaum noch nach Fisch. Heute schaffen die Zellstofffabriken der Stadt andere, ebenfalls unangenehme Geruchskulissen.

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Das Universum der Comic-Künstlerin Emil Ferris im Cartoonmuseum Basel

„EIN ALBTRAUM ZU SEIN, IST NUR EIN JOB“ Emil Ferris kramt in ihrer großen Tasche, befördert eine Zeichenmappe zutage und breitet vier Bilder auf dem Tisch aus. Das Ergebnis einer von Albträumen heimgesuchten Nacht: dunkle Dämonen, seltsame Gestalten tummeln sich da: „Die warten auf den Bus“, sagt Emil Ferris. „Sie sind auch witzig und haben ihr eigenes Leben. Ein Albtraum zu sein, ist nur ein Job“, führt sie weiter aus. EIN BESONDERER BLICK AUF DIE WELT Die US-amerikanische Künstlerin hat einen wirklich besonderen Blick auf diese Welt. Und wenn sie sagt, sie gehöre zu den glücklichen Kindern, die mit schweren Behinderungen auf die Welt gekommen sind, dann ist das nicht ironisch gemeint. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung ist sie in den ersten Jahren ihres Lebens ans Bett gefesselt. Schon früh beginnt sie mit dem Zeichnen: mit sechs oder neun Monaten, erzählt Emil Ferris, und dass ihre Künstler-Eltern ihr ein kleines Atelier eingerichtet hätten. Anders zu sein und arm zu sein, das sind ihre prägenden Erfahrungen. Und die Monster, die sie in Geschichten, Filmen, in Horror-Comics entdeckt und die in ihren Zeichnungen zu einer neuen Identität werden. Etliche dieser Monsterporträts hängen in der Ausstellung wie in einer Ahnengalerie nebeneinander. Dazwischen: immer wieder ein Zerrspiegel, in dem Besucherinnen und Besucher unter Umständen ihre eigenen Dämonen entdecken können. MONSTER-SEIN ALS GEGENWELT „Wir alle haben ganz verschiedene Monster. Ich lese die Comics so, dass Monster-Sein wie eine Gegenwelt ist, eine befreiende Welt, wo man alles sein kann“, sagt Anette Gehrig, Kuratorin und Leiterin des Basler Cartoonmuseums. „Wenn ich in der Monsterwelt bin, kann ich alles sein“, sagt auch die Heldin Karen in Emil Ferris' autofiktionalem Comic „Am liebsten mag ich Monster“. Karen empfindet sich als Werwolf und damit stark genug, sich den Herausforderungen eines brutalen, frauenfeindlichen Alltags in einer Stadt wie Chicago stellen zu können. In Chicago, wo Emil Ferris 1962 geboren wird, sind Mord, Gewalt, Entführung damals noch an der Tagesordnung. Auch davon erzählen die Monsterbilder in dieser Ausstellung, die erschreckend normal daher kommen. ALTE MEISTER NEU INTERPRETIERT – MIT DEM KUGELSCHREIBER Doch Chicago ist nicht einfach nur die dunkle Stadt. Genauso die Monster ist sie mehrschichtig. Es ist auch die Stadt, in der Emil Ferris ihren Weg als Künstlerin und Frau gefunden hat. Im Kunstmuseum faszinieren sie die Gemälde alter Meister und der italienischen Renaissance, die starken Göttinnen antiker Mythologien und die vielen Kreaturen, von denen die Kunstgeschichte nur so wimmelt. Emil Ferris' Interpretation der alten Meister gehört zu den beeindruckendsten Momenten in dieser absolut sehenswerten Ausstellung. Vor allem auch, weil sie die hohe Kunstfertigkeit dieser Künstlerin zeigt, die nur mit dem Kugelschreiber zeichnet. Kunst und Geschichten sind die besten Erfindungen der Menschheit, sagt Emil Ferris. Sie würden uns helfen, ein starkes Monster zu werden, das das Böse besiegt.

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Kino-Dokumentation: Sexismus, Klischees und Herrenwitze – Was Frauen im Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre erlebten

WER HAT GELACHT? UND WER WAR DER WITZ? Wer bestimmt eigentlich, worüber gelacht wird? Denn wer das bestimmt, hat Macht – und die hatten Frauen im deutschen Fernsehen der 1990er-Jahre nicht gerade im Überfluss. Wer durfte lachen – und wer war der Witz?  Eva Müllers und Isabel Schneiders Dokumentarfilm stellt die richtigen Fragen. Mit scharfem Blick auf die Fernsehunterhaltung der 1990er erzählt der Dokumentarfilm von Frauen, die sich ihren Platz vor der Kamera und hinter den Pointen erkämpften. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und andere erinnern sich an eine Zeit, in der Humor eindeutig männlich dominiert war.  OFFENES ANTATSCHEN ALS UNTERHALTUNG Das gezeigte Archivmaterial wirkt heute wie eine Reise in die Abgründe des Offensichtlichen: „Mini ist wieder in“, Assistentinnen mit „Tendenz zur Hintergründigkeit“, offenes Antatschen, Frauen als Dekoration. Der Film zeichnet das Bild einer Fernsehwelt, in der viele Männer auf wenige Frauen kamen. Letztere waren meist Ansagerinnen oder Assistentinnen und wurden auf ihre äußerliche Attraktivität reduziert. Esther Schweins nennt ihre damalige Normschönheit etwas eitel „meine Misere“. Maren Gilzer steht als „Glücksrad“-Fee exemplarisch für dieses Rollenbild. Bettina Böttinger bewundert rückblickend die Professionalität jener Frauen: „Die lächelten einfach durch.“ Gleichzeitig zeigen Archivaufnahmen, wie manche bei „Herrenwitzen“ kurz die Fassung verlieren, bevor das routinierte Lächeln zurückkehrt. WER NICHT MITLACHT, GILT ALS SPASSBREMSE Vor diesem Hintergrund verfolgt der Film die Karrieren ihrer Protagonistinnen: Sie berichten davon, wie sie eigene Texte und neue Perspektiven in die Comedy einbringen. Themen wie Abtreibung oder Vergewaltigung, Alltagssexismus und Menstruationsprobleme sind aber noch keineswegs ein „weiblicher Blick“. Im Gegenteil reproduzieren sie die Sexualisierung von Frauen eher – nur aus neuer, nun weiblicher Perspektive.  Gerade diese Film-Passagen über Körperscham und Weibchen-Stereotype sind selbstkritisch und kennen keine einfachen Urteile. HUMOR ALS MACHTINSTRUMENT Besonders überzeugend ist der Film immer dort, wo er Humor als Machtinstrument versteht. Maren Kroymann beschreibt, wie Kritik an sexistischen Witzen selbst zur Zielscheibe wurde: Wer widersprach, galt schnell als humorlose Spielverderberin.  Man erfährt, was feministische Bewegungen verändert haben – und wie viel heute lediglich subtiler geworden ist. Der Film vermeidet zugleich auch den üblichen Reflex, auf die Vergangenheit nur mit moralischer Überlegenheit zu blicken. Was damals als harmloser Spaß galt, wirkt heute oft wie ein Affront. Jede Pointe ausschließlich nach heutigen Maßstäben zu bewerten, wäre allerdings ebenso verkürzt. EIN KLUGES STÜCK MEDIENGESCHICHTE Ähnlich wie „Die Unbeugsamen“ die Politik über das Thema der Frauenbeteiligung neu vermessen hat, wird dieser Dokumentarfilm zu einer klugen Archäologie des Gelächters im deutschen Fernsehen und fragt nach den Machtverhältnissen hinter dem Humor. Ein unterhaltsames, politisches Stück Mediengeschichte, bei dem einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt – und das am Ende die beunruhigende Frage stellt: Übersehen wir heute vielleicht genauso viel wie damals? TRAILER „WAS HABEN WIR GELACHT“, KINOSTART 16. JULI

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Tyrannosaurus Rex kommt unter den Hammer

Das Skelett eines Tyrannosaurus Rex wird heute beim Auktionshaus Sotheby's versteigert. Das Exemplar mit dem Spitznamen „Gus“ gilt mit mehr als 60 Prozent Originalknochen als gut erhalten. Aus Sicht von Fossilienpräparator Nils Knötschke sind privat finanzierte Ausgrabungen erforderlich, um solcher Funde noch gewinnen zu können. VERLETZUNGEN ERZÄHLEN VOM LEBEN DER DINOSAURIER Sotheby's hebt besonders die Bissspuren und verheilten Knochenbrüche des Tieres hervor. Für Knötschke sind solche Verletzungen allerdings keine Seltenheit. Viele Dinosaurierfossilien zeigten Spuren eines harten Lebens mit Kämpfen und Jagden, sagt der Präparator in SWR Kultur. Wissenschaftlich interessant seien sie dennoch, weil sie Rückschlüsse auf Verhalten und Lebensweise der Tiere erlaubten. Besonders bemerkenswert sei vor allem der hohe Anteil erhaltener Originalknochen. PRIVATE FINDER ALS WICHTIGE PARTNER DER FORSCHUNG Der Handel mit Dinosaurierskeletten ist unter Forschenden umstritten. Knötschke verweist jedoch darauf, dass viele spektakuläre Funde überhaupt erst durch private Sammler und Ausgrabungsteams geborgen würden. Oft dauerten Ausgrabung und Präparation viele Jahre. Häufig gelangten solche Fossilien später als Leihgaben in Museen und stünden damit auch der Wissenschaft wieder zur Verfügung. Voraussetzung sei eine sorgfältige Dokumentation der Fundstelle und der Präparation.

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