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Die Leere des Selbst

4 min · 14. juni 2026
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DONALD TRUMP: NARZISSTISCHER CHARAKTER IN REINFORM  Ob es irgendetwas gebe, was ihm weltpolitisch Grenzen setzen könne, wurde Donald Trump kürzlich von der New York Times gefragt. Ja, eine Sache, sagte der US-Präsident, seine eigene Moral, sein eigener Verstand.  Bedürfte es noch eines Belegs, Donald Trump als gefährlichen Narzissten zu diagnostizieren – diese Selbstanmaßung liefert ihn. Trump ist ein narzisstischer Charakter in Reinform. Der mächtigste Politiker der Welt, der sich gerne als „sehr stabiles Genie“ bezeichnet, taucht an der ein oder andern Stelle des neuen Buches von Thomas Arnold und Thomas Fuchs auf. Aber es geht um Trump nur am Rande, mehr um ein Phänomen, das uns als Menschen ganz allgemein betrifft. Neben der psychischen Problematik untersuchen die beiden Philosophen die soziokulturelle Perspektive des Narzissmus. Ihr Ansatz ist ein interdisziplinärer. Sie wollen den populärwissenschaftlichen Deutungen einen phänomenologisch-existenzialen Ansatz entgegenstellen. Ziel ist es:  „… das narzisstische Selbst- und Weltverhältnis in seinen Grundstrukturen zu beschreiben, wobei wir besondere Aufmerksamkeit auf seine leibliche Verfasstheit richten.“   Ihr Buch „Das unersättliche Selbst“ ist klar strukturiert, in allen Gedankengängen gut nachvollziehbar. Narzissmus analysieren sie zunächst als eine Leere, einen Mangel. Eine Neuinterpretation von Ovids Narziss-Mythos bildet den Ausgangspunkt ihrer Überlegungen.  „EIN RAUM DES SCHEINS“  „Narzissten suchen ihr Selbstsein, ihren Selbstwert im Spiegel – in ihrem Bild, ihrem Image, ihrem Selfie, damit letztlich in der Bewunderung oder im Neid der anderen, jedenfalls in deren Blicken. Videor ergo sum, ich werde gesehen (bzw. gespiegelt), also bin ich.“  Der oft positiv konnotierten Rede von der Spiegelung setzen sie etwas anderes entgegen: „Selbstwert“ habe seine Basis in einem leiblichen Selbstgefühl, das nicht durch flache und kalte Spiegel erworben werde, sondern durch Erfahrungen der Wärme, der Berührung, des Gehalten- und Getragenwerdens – Erfahrungen, an denen es in der Kindheit von Narzissten gemangelt habe. Eine doppelte Leere:  > Hunger, Gier und Mangel, Spiegelungssucht und zugleich deren Vergeblichkeit, schließlich eine existenzielle Verzweiflung – dies zeichnet die narzisstische Subjektivität aus.  > > > Quelle: Thomas Arnold, Thomas Fuchs – Das unersättliche Selbst KAPITALISMUS UND SOZIALE MEDIEN Auf dieser Prämisse fußt ihre Untersuchung, von dort aus greifen sie aus ins Gesellschaftliche, etwa wenn sie feststellen, dass der Kapitalismus selbst in seiner fortwährenden Erzeugung von Bedürfnissen, die letztlich unbefriedigt bleiben, narzisstische Züge trage. Auch Soziale Medien nehmen sie dabei in den Blick. Dass es einen guten, dem Fortschritt förderlichen Narzissmus gebe, entlarven Arnold und Fuchs als Propaganda. Das Verlangen narzisstischer Persönlichkeiten ist immer auf das Zukünftige gerichtet, auf etwas, das noch nicht erlangt, erobert ist – und auch nicht durch noch so große Anerkennung oder Macht gestillt werden kann, weil es sich eben um einen inneren Mangel handele.  FEHLEN VON EMPATHIE  > Die innere Unruhe äußert sich zeitlich betrachtet in einem Sich-vorweg-Sein, einer ständigen Ungeduld.  > > > Quelle: Thomas Arnold, Thomas Fuchs – Das unersättliche Selbst An Trump wiederum lässt sich sehr gut demonstrieren, was Narzissten fehlt: Sie können keine echten Beziehungen zu anderen Menschen aufbauen, also solche, die nicht auf Spiegelung des eigenen Ego beruhen. Der andere wird von ihnen lediglich als Mittel zum Zweck betrachtet: „Damit stellt [der Narzisst] auch ein ethisches Problem dar.“  Zusammengefasst plädieren Arnold und Fuchs dafür, Narzissten einen Übergang vom Haben, Machen oder Können zum Sein und Sichsein-Lassen zu ebnen. DIE LEERE DES SELBST Narzissmus sei zwar eine Möglichkeit des Menschseins. Wir alle bewegen uns psychisch und gesellschaftlich in diesem Möglichkeitsraum. Wo aber echte Selbstliebe als Gegengewicht zum Narzissmus nicht einmal mehr am Horizont aufscheine, so Arnold und Fuchs, lauere die Leere des Selbst. Fazit: Ihre Studie ist nicht nur eine lohnende Einführung ins Thema, sondern dazu noch eine äußerst inspirierende Denkanregung, die uns beim Verstehen unserer unerfreulichen Gegenwart hilft.

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Das Universum der Comic-Künstlerin Emil Ferris im Cartoonmuseum Basel

„EIN ALBTRAUM ZU SEIN, IST NUR EIN JOB“ Emil Ferris kramt in ihrer großen Tasche, befördert eine Zeichenmappe zutage und breitet vier Bilder auf dem Tisch aus. Das Ergebnis einer von Albträumen heimgesuchten Nacht: dunkle Dämonen, seltsame Gestalten tummeln sich da: „Die warten auf den Bus“, sagt Emil Ferris. „Sie sind auch witzig und haben ihr eigenes Leben. Ein Albtraum zu sein, ist nur ein Job“, führt sie weiter aus. EIN BESONDERER BLICK AUF DIE WELT Die US-amerikanische Künstlerin hat einen wirklich besonderen Blick auf diese Welt. Und wenn sie sagt, sie gehöre zu den glücklichen Kindern, die mit schweren Behinderungen auf die Welt gekommen sind, dann ist das nicht ironisch gemeint. Wegen einer Wirbelsäulenverkrümmung ist sie in den ersten Jahren ihres Lebens ans Bett gefesselt. Schon früh beginnt sie mit dem Zeichnen: mit sechs oder neun Monaten, erzählt Emil Ferris, und dass ihre Künstler-Eltern ihr ein kleines Atelier eingerichtet hätten. Anders zu sein und arm zu sein, das sind ihre prägenden Erfahrungen. Und die Monster, die sie in Geschichten, Filmen, in Horror-Comics entdeckt und die in ihren Zeichnungen zu einer neuen Identität werden. Etliche dieser Monsterporträts hängen in der Ausstellung wie in einer Ahnengalerie nebeneinander. Dazwischen: immer wieder ein Zerrspiegel, in dem Besucherinnen und Besucher unter Umständen ihre eigenen Dämonen entdecken können. MONSTER-SEIN ALS GEGENWELT „Wir alle haben ganz verschiedene Monster. Ich lese die Comics so, dass Monster-Sein wie eine Gegenwelt ist, eine befreiende Welt, wo man alles sein kann“, sagt Anette Gehrig, Kuratorin und Leiterin des Basler Cartoonmuseums. „Wenn ich in der Monsterwelt bin, kann ich alles sein“, sagt auch die Heldin Karen in Emil Ferris' autofiktionalem Comic „Am liebsten mag ich Monster“. Karen empfindet sich als Werwolf und damit stark genug, sich den Herausforderungen eines brutalen, frauenfeindlichen Alltags in einer Stadt wie Chicago stellen zu können. In Chicago, wo Emil Ferris 1962 geboren wird, sind Mord, Gewalt, Entführung damals noch an der Tagesordnung. Auch davon erzählen die Monsterbilder in dieser Ausstellung, die erschreckend normal daher kommen. ALTE MEISTER NEU INTERPRETIERT – MIT DEM KUGELSCHREIBER Doch Chicago ist nicht einfach nur die dunkle Stadt. Genauso die Monster ist sie mehrschichtig. Es ist auch die Stadt, in der Emil Ferris ihren Weg als Künstlerin und Frau gefunden hat. Im Kunstmuseum faszinieren sie die Gemälde alter Meister und der italienischen Renaissance, die starken Göttinnen antiker Mythologien und die vielen Kreaturen, von denen die Kunstgeschichte nur so wimmelt. Emil Ferris' Interpretation der alten Meister gehört zu den beeindruckendsten Momenten in dieser absolut sehenswerten Ausstellung. Vor allem auch, weil sie die hohe Kunstfertigkeit dieser Künstlerin zeigt, die nur mit dem Kugelschreiber zeichnet. Kunst und Geschichten sind die besten Erfindungen der Menschheit, sagt Emil Ferris. Sie würden uns helfen, ein starkes Monster zu werden, das das Böse besiegt.

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Kino-Dokumentation: Sexismus, Klischees und Herrenwitze – Was Frauen im Unterhaltungsfernsehen der 90er-Jahre erlebten

WER HAT GELACHT? UND WER WAR DER WITZ? Wer bestimmt eigentlich, worüber gelacht wird? Denn wer das bestimmt, hat Macht – und die hatten Frauen im deutschen Fernsehen der 1990er-Jahre nicht gerade im Überfluss. Wer durfte lachen – und wer war der Witz?  Eva Müllers und Isabel Schneiders Dokumentarfilm stellt die richtigen Fragen. Mit scharfem Blick auf die Fernsehunterhaltung der 1990er erzählt der Dokumentarfilm von Frauen, die sich ihren Platz vor der Kamera und hinter den Pointen erkämpften. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger und andere erinnern sich an eine Zeit, in der Humor eindeutig männlich dominiert war.  OFFENES ANTATSCHEN ALS UNTERHALTUNG Das gezeigte Archivmaterial wirkt heute wie eine Reise in die Abgründe des Offensichtlichen: „Mini ist wieder in“, Assistentinnen mit „Tendenz zur Hintergründigkeit“, offenes Antatschen, Frauen als Dekoration. Der Film zeichnet das Bild einer Fernsehwelt, in der viele Männer auf wenige Frauen kamen. Letztere waren meist Ansagerinnen oder Assistentinnen und wurden auf ihre äußerliche Attraktivität reduziert. Esther Schweins nennt ihre damalige Normschönheit etwas eitel „meine Misere“. Maren Gilzer steht als „Glücksrad“-Fee exemplarisch für dieses Rollenbild. Bettina Böttinger bewundert rückblickend die Professionalität jener Frauen: „Die lächelten einfach durch.“ Gleichzeitig zeigen Archivaufnahmen, wie manche bei „Herrenwitzen“ kurz die Fassung verlieren, bevor das routinierte Lächeln zurückkehrt. WER NICHT MITLACHT, GILT ALS SPASSBREMSE Vor diesem Hintergrund verfolgt der Film die Karrieren ihrer Protagonistinnen: Sie berichten davon, wie sie eigene Texte und neue Perspektiven in die Comedy einbringen. Themen wie Abtreibung oder Vergewaltigung, Alltagssexismus und Menstruationsprobleme sind aber noch keineswegs ein „weiblicher Blick“. Im Gegenteil reproduzieren sie die Sexualisierung von Frauen eher – nur aus neuer, nun weiblicher Perspektive.  Gerade diese Film-Passagen über Körperscham und Weibchen-Stereotype sind selbstkritisch und kennen keine einfachen Urteile. HUMOR ALS MACHTINSTRUMENT Besonders überzeugend ist der Film immer dort, wo er Humor als Machtinstrument versteht. Maren Kroymann beschreibt, wie Kritik an sexistischen Witzen selbst zur Zielscheibe wurde: Wer widersprach, galt schnell als humorlose Spielverderberin.  Man erfährt, was feministische Bewegungen verändert haben – und wie viel heute lediglich subtiler geworden ist. Der Film vermeidet zugleich auch den üblichen Reflex, auf die Vergangenheit nur mit moralischer Überlegenheit zu blicken. Was damals als harmloser Spaß galt, wirkt heute oft wie ein Affront. Jede Pointe ausschließlich nach heutigen Maßstäben zu bewerten, wäre allerdings ebenso verkürzt. EIN KLUGES STÜCK MEDIENGESCHICHTE Ähnlich wie „Die Unbeugsamen“ die Politik über das Thema der Frauenbeteiligung neu vermessen hat, wird dieser Dokumentarfilm zu einer klugen Archäologie des Gelächters im deutschen Fernsehen und fragt nach den Machtverhältnissen hinter dem Humor. Ein unterhaltsames, politisches Stück Mediengeschichte, bei dem einem das Lachen immer wieder im Hals stecken bleibt – und das am Ende die beunruhigende Frage stellt: Übersehen wir heute vielleicht genauso viel wie damals? TRAILER „WAS HABEN WIR GELACHT“, KINOSTART 16. JULI

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Tyrannosaurus Rex kommt unter den Hammer

Das Skelett eines Tyrannosaurus Rex wird heute beim Auktionshaus Sotheby's versteigert. Das Exemplar mit dem Spitznamen „Gus“ gilt mit mehr als 60 Prozent Originalknochen als gut erhalten. Aus Sicht von Fossilienpräparator Nils Knötschke sind privat finanzierte Ausgrabungen erforderlich, um solcher Funde noch gewinnen zu können. VERLETZUNGEN ERZÄHLEN VOM LEBEN DER DINOSAURIER Sotheby's hebt besonders die Bissspuren und verheilten Knochenbrüche des Tieres hervor. Für Knötschke sind solche Verletzungen allerdings keine Seltenheit. Viele Dinosaurierfossilien zeigten Spuren eines harten Lebens mit Kämpfen und Jagden, sagt der Präparator in SWR Kultur. Wissenschaftlich interessant seien sie dennoch, weil sie Rückschlüsse auf Verhalten und Lebensweise der Tiere erlaubten. Besonders bemerkenswert sei vor allem der hohe Anteil erhaltener Originalknochen. PRIVATE FINDER ALS WICHTIGE PARTNER DER FORSCHUNG Der Handel mit Dinosaurierskeletten ist unter Forschenden umstritten. Knötschke verweist jedoch darauf, dass viele spektakuläre Funde überhaupt erst durch private Sammler und Ausgrabungsteams geborgen würden. Oft dauerten Ausgrabung und Präparation viele Jahre. Häufig gelangten solche Fossilien später als Leihgaben in Museen und stünden damit auch der Wissenschaft wieder zur Verfügung. Voraussetzung sei eine sorgfältige Dokumentation der Fundstelle und der Präparation.

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