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„Mit den Jugendlichen von heute sind wir nicht verloren“ – Journalistin Julia Kopatzki bekommt Hansel-Mieth-Preis

6 min · 24. juni 2026
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Eine Woche lang war Julia Kopatzki, gemeinsam mit dem Fotografen Roderick Aichinger, für das Nachrichtenmagazin „Spiegel“ bei einem Sommercamp für Jugendliche dabei. Ihre treffenden Beobachtungen hat sie 2025 unter dem Titel „Endlich allein“ veröffentlicht. Die Reportage wird nun mit dem mit 6000 Euro verbundenen Hansel-Mieth-Preis geehrt.

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Gewalttat von Stade: Kein Femizid – aber patriarchale Gewalt

Nicht erst seit Stade wissen wir: Frauen sind nirgendwo sicher. Es gibt für uns keinen „safe space“. Aber Stade hat noch einmal deutlich gemacht: Nicht einmal eine Mutter-Kind-Einrichtung, die sich explizit als Schutzraum versteht, kann vollkommene Sicherheit bieten. Sogar ihr Umfeld, das die Frauen und ihre Kinder im staatlichen Auftrag beschützen soll, ist vor männlicher Gewalt nicht gefeit.  Bei dieser trostlosen Diagnose sollte man aber nicht stehenbleiben und kapitulieren. Der alternative Begriff „safer space“ sagt es schon: Frauen und ihr direktes Umfeld haben einen „sichereren Ort“ verdient. Sie haben es verdient, dass sie möglichst gut beschützt werden. Dazu gehört, dass die Behörden Warnungen ernstnehmen. Der Täter von Stade war schon mit Bedrohungen aufgefallen. Als gewalttätig eingestuft hatte ihn die Polizei trotzdem nicht. Sonst hätten auch Polizeibeamte beim Treffen anwesend sein können. PATRIARCHALE GEWALT BENENNEN Dazu gehört auch, dass die Politik die patriarchale Gewalt, die mehrheitlich von Männern gegen Frauen angewendet wird, benennt. Nicht als „singulären“ Fall, wie es Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens von der SPD gerade getan hat. Der Bundeskanzler wiederum könnte seine vorgebrachte „schwere Erschütterung“ auch bei den Hunderten von Femiziden im Jahr empfinden, und dann ins Handeln kommen. Die soziale Arbeit ist überall chronisch unterfinanziert. Frauenhäuser müssen Schutzsuchende aus Platzmangel abweisen. Aber lässt sich die Gewalttat von Stade als „Femizid“ oder „Erweiterten Femizid“ einordnen, wie es gerade auf Social Media passiert? Schließlich hat der Täter nicht seine Partnerin getötet, sondern die Mitarbeitenden des Jugendamtes, vier Frauen und zwei Männer. Streng genommen geht der Begriff also vorbei. Von Femiziden sollten wir trennscharf sprechen, um die Bedeutung nicht aufzuweichen.  Außerdem gibt es ja schon ein Wort: den englischen Fachbegriff „Coercive Control“. Der beschreibt eine bestimmte Partnergewalt. Täter tun in ihrem Besitzdenken und Kontrollwahn alles, um über das Leben „ihrer“ Frauen zu bestimmen. Auch vor dem Umfeld, das ihnen vermeintlich im Weg steht, machen sie nicht Halt. Leider gibt es in den Jugendämtern und Familiengerichten noch wenige Menschen, die sich mit dieser Form der Gewalt auskennen. Wir brauchen einen Systemwandel, und der fängt im Kopf an.

2. juli 20262 min
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Vom Country-Mädchen zur Milliardärin: ARD-Doku entschlüsselt das Phänomen Taylor Swift

EINE ÜBERMENSCHLICHE PROJEKTIONSFLÄCHE Schon der Untertitel der Dokuserie „The Taylor Swift Years“ macht deutlich, zu was für einem Mythos die Sängerin geworden ist: Schicksalsjahre eines Superstars. Die Ähnlichkeit mit einem Film über die legendäre Kaiserin Sisi ist nicht zufällig. Denn längst ist auch Taylor Swift eine übermenschliche Projektionsfläche.  Swift-Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Ländern und Fachgebieten helfen, diese Frage zu beantworten. Sie erklären das Phänomen Taylor Swift in all seinen Facetten. ERSTE FRAU, DIE MIT MUSIK MILLIARDEN GEMACHT HAT „Sie ist die erste Milliardärin, die wirklich mit Musik ihre Milliarden gemacht hat“, sagt zum Beispiel die Autorin und Produzentin Janina Rook. „Ich glaube, sie ist kein Michael Jackson, kein Wunderkind“, sagt Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp. „Das zeigt auch die Durchsetzungsfähigkeit Taylor Swifts, die wir immer wieder erleben.“ ELFJÄHRIGE KÄMPFT FÜR PLATTENVERTRAG Schon als kleines Kind hat Taylor Swift Musik gemacht, vor allem Country. Als Elfjährige versucht sie auf eigene Faust, einen Plattenvertrag in der Country-Hochburg Nashville zu ergattern. Die ganze Familie zieht schließlich sogar dorthin, um Taylor zu unterstützen. „Schon als Kind will Taylor unbedingt ins Musikgeschäft. Sie zieht von Label zu Label, kämpft für ihren Traum“, erzählt die Kulturjournalistin und Podcasterin Zing Tsjeng.  „Taylor erzählt oft, dass sie zu Hause so lange mit einer großen Gitarre übte, bis ihre Finger bluteten und sie damit umgehen konnte.“ STEILER AUFSTIEG DER JUNGEN SÄNGERIN Mit 15 dann der erste Lohn für ihre Mühen: Ein Vertrag mit einem Plattenlabel. Seitdem geht es steil bergauf für die 1989 geborene Musikerin. Wobei es in ihrem Aufstieg immer wieder Momente gab, die sie hätten ausbremsen oder sogar scheitern lassen können. Auch das spart die dreiteilige Dokureihe nicht aus. IMMER IHRE EIGENEN ENTSCHEIDUNGEN GETROFFEN Zum Beispiel die Auseinandersetzung mit ihrem ersten Plattenboss, die schließlich dazu führte, dass sie ihre ersten Alben neu einspielte, um die Rechte an den Originalaufnahmen zu sichern. Ein Akt der künstlerischen Selbstermächtigung, der bis dahin nicht vorgesehen war im profitorientierten Popbusiness. > Ich habe meine Musik immer selbst geschrieben, meine eigenen Entscheidungen getroffen, alles kuratiert. Aber die Tatsache, dass ich mein Werk jetzt ganz besitze, übertrifft alles. > > > Quelle: Taylor Swift in einem BBC-Interview im Jahr 2019 DOKU ZEICHNET DIFFERENZIERTES BILD Die ARD Doku ist keine reine Huldigung Taylor Swifts. Vielmehr zeichnet sie ein differenziertes Bild der Sängerin. Dabei wird auch ihre Rolle im letzten US-amerikanischen Wahlkampf nicht ausgespart, in dem sie Donald Trump mal öffentlich kritisierte, mal auffällig schweigsam war. Die Dokumentation erinnert auch an den grauenhaften Angriff auf Kinder während eines Taylor-Swift-Tanzworkshops und daran, dass ihre Shows trotzdem immer weitergehen mussten. Solange, bis islamistische Anschlagspläne Konzerte während der „Eras“-Tour unmöglich machten. PERFEKTES MARKETING BIS ZUR HOCHZEIT Dass die anstehende Traumhochzeit mit Footballer Travis Kelce natürlich auch einen Marketingzweck verfolgt, wird ebenso deutlich. Bei all dem kommen die „Swifties“ ohnehin auf ihre Kosten. Alle anderen verstehen spätestens nach der insgesamt knapp anderthalb Stunden langen ARD-Dokumentation, warum Taylor Swift der größte Popstar unserer Zeit ist.

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Kunst im Kanzleramt: Was das Merkel-Porträt über die Alt-Kanzlerin verrät

„Ausgesprochen gut gelungen“, so bewertet Kunst- und Kulturkritiker Nikolaus Bernau das neue Porträt von Alt-Kanzlerin Angela Merkel. „Das ist unglaublich, wie dieser blaue Blazer in den Saal hineinstrahlt.“ Gemalt wurde das Bild vom 28-jährigen Deutsch-Franzosen Jérémie Queyras, der in Freiburg aufwuchs. Bevor das Porträt allerdings ins Kanzleramt zieht, ist es im Bode-Museum ausgestellt. Dort hängt es derzeit im Saal französischer Kunst des 18. Jahrhunderts, von der man einen Blick in den Saal mit deutscher Kunst des 18. Jahrhunderts hat. DER BEGINN EINER KÜNSTLERKARRIERE FÜR JÉRÉMIE QUEYRAS? Angela Merkel hänge nun zwischen bedeutenden Frauen und Männern, zwischen dieser deutsch-französischen Geschichte, sagt Bernau, „es ist eine politische Aussage, ein Staatsporträt und das ist Jérémie Queyras auch bewusst.“ Gleichzeitig glaubt Nikolaus Bernau an den Beginn einer großen Künstlerkarriere für Queyras. Das Merkel-Bild hebe sich inmitten der Kanzlerporträts deutlich ab, so Bernau weiter. Während die anderen Alt-Kanzler sitzen, vermittle das Porträt von Queyras Dynamik: „Sie steht und ist viel beweglicher als die anderen und sie hat ja ganz bewusst einen jungen Maler ausgesucht, um sich eben so in Szene setzen zu lassen“, meint der Kunstkritiker. Merkel selbst erklärte zur Wahl des Künstlers, sie habe es gereizt zu schauen, wie jemand, der am Anfang seines Künstlerlebens stehe, auf eine Person blicke, die „mehr als 70 Lebensjahre und 30 Jahre Politik auf dem Buckel hat.“ Im Gegensatz zu den anderen Alt-Kanzler-Gemälden sei das Merkel-Porträt nicht aus dem Etat des Kanzleramts bezahlt worden, sondern von ihr selbst, sagt Bernau. Damit behalte sie bis zuletzt die Kontrolle über das Bild von ihr.

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