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Gewalttat von Stade: Kein Femizid – aber patriarchale Gewalt

2 min · 2. juli 2026
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Nicht erst seit Stade wissen wir: Frauen sind nirgendwo sicher. Es gibt für uns keinen „safe space“. Aber Stade hat noch einmal deutlich gemacht: Nicht einmal eine Mutter-Kind-Einrichtung, die sich explizit als Schutzraum versteht, kann vollkommene Sicherheit bieten. Sogar ihr Umfeld, das die Frauen und ihre Kinder im staatlichen Auftrag beschützen soll, ist vor männlicher Gewalt nicht gefeit.  Bei dieser trostlosen Diagnose sollte man aber nicht stehenbleiben und kapitulieren. Der alternative Begriff „safer space“ sagt es schon: Frauen und ihr direktes Umfeld haben einen „sichereren Ort“ verdient. Sie haben es verdient, dass sie möglichst gut beschützt werden. Dazu gehört, dass die Behörden Warnungen ernst nehmen. Der Täter von Stade war schon mit Bedrohungen aufgefallen. Als gewalttätig eingestuft hatte ihn die Polizei trotzdem nicht. Sonst hätten auch Polizeibeamte beim Treffen anwesend sein können. PATRIARCHALE GEWALT BENENNEN Dazu gehört auch, dass die Politik die patriarchale Gewalt, die mehrheitlich von Männern gegen Frauen angewendet wird, benennt. Nicht als „singulären“ Fall, wie es Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens von der SPD gerade getan hat. Der Bundeskanzler wiederum könnte seine vorgebrachte „schwere Erschütterung“ auch bei den Hunderten von Femiziden im Jahr empfinden, und dann ins Handeln kommen. Die soziale Arbeit ist überall chronisch unterfinanziert. Frauenhäuser müssen Schutzsuchende aus Platzmangel abweisen. Aber lässt sich die Gewalttat von Stade als „Femizid“ oder „Erweiterten Femizid“ einordnen, wie es gerade auf Social Media passiert? Schließlich hat der Täter nicht seine Partnerin getötet, sondern die Mitarbeitenden des Jugendamtes, vier Frauen und zwei Männer. Streng genommen geht der Begriff also vorbei. Von Femiziden sollten wir trennscharf sprechen, um die Bedeutung nicht aufzuweichen.  Außerdem gibt es ja schon ein Wort: den englischen Fachbegriff „Coercive Control“. Der beschreibt eine bestimmte Partnergewalt. Täter tun in ihrem Besitzdenken und Kontrollwahn alles, um über das Leben „ihrer“ Frauen zu bestimmen. Auch vor dem Umfeld, das ihnen vermeintlich im Weg steht, machen sie nicht Halt. Leider gibt es in den Jugendämtern und Familiengerichten noch wenige Menschen, die sich mit dieser Form der Gewalt auskennen. Wir brauchen einen Systemwandel, und der fängt im Kopf an.

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Alles außer Krimis – „Neues deutsches Fernsehen“ beim Filmfest München

In der neue Near-Future-Miniserie „Wake Up“ des ZDF geht es um Bewusstseinsübertragung und die Hoffnung einer jungen Frau, ihre Schwester aus dem Koma zurückzuholen. Die Serie wurde in München mit dem Bernd Burgemeister Fernsehpreis ausgezeichnet [https://presseportal.zdf.de/pressemitteilung/zdf-serie-wake-up-gewinnt-bernd-burgemeister-fernsehpreis]. Die Geschichte ist zugleich ein berührendes Vermächtnis: Die Schauspielerin Luna Jordan ist dieses Jahr im Alter von nur 25 Jahren gestorben. Einen Sendetermin für „Wake Up“ gibt es noch nicht. Ende August wird „Selling Sex“ in der ARD [https://www.filmfest-muenchen.de/de/programm/filme/film/?id=8520&f=122] gezeigt. Hier geht es um eine Escortdame, die nach Spaß, Geld und vor allem nach Unabhängigkeit strebt. Die Serie versucht, Sexarbeit jenseits von Opfernarrativen zu erzählen. Im ZDF-Spielfilm Film „Neues Land“ [https://www.youtube.com/watch?v=m3vD5BGlNl8] wird wiederum eine starke, ostdeutsche Story erzählt: über Zukunftsängste und notwendige Veränderungen – und zwar ohne vordergründige politische Botschaft.

2. juli 20263 min
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Gewalttat von Stade: Kein Femizid – aber patriarchale Gewalt

Nicht erst seit Stade wissen wir: Frauen sind nirgendwo sicher. Es gibt für uns keinen „safe space“. Aber Stade hat noch einmal deutlich gemacht: Nicht einmal eine Mutter-Kind-Einrichtung, die sich explizit als Schutzraum versteht, kann vollkommene Sicherheit bieten. Sogar ihr Umfeld, das die Frauen und ihre Kinder im staatlichen Auftrag beschützen soll, ist vor männlicher Gewalt nicht gefeit.  Bei dieser trostlosen Diagnose sollte man aber nicht stehenbleiben und kapitulieren. Der alternative Begriff „safer space“ sagt es schon: Frauen und ihr direktes Umfeld haben einen „sichereren Ort“ verdient. Sie haben es verdient, dass sie möglichst gut beschützt werden. Dazu gehört, dass die Behörden Warnungen ernst nehmen. Der Täter von Stade war schon mit Bedrohungen aufgefallen. Als gewalttätig eingestuft hatte ihn die Polizei trotzdem nicht. Sonst hätten auch Polizeibeamte beim Treffen anwesend sein können. PATRIARCHALE GEWALT BENENNEN Dazu gehört auch, dass die Politik die patriarchale Gewalt, die mehrheitlich von Männern gegen Frauen angewendet wird, benennt. Nicht als „singulären“ Fall, wie es Niedersachsens Innenministerin Daniela Behrens von der SPD gerade getan hat. Der Bundeskanzler wiederum könnte seine vorgebrachte „schwere Erschütterung“ auch bei den Hunderten von Femiziden im Jahr empfinden, und dann ins Handeln kommen. Die soziale Arbeit ist überall chronisch unterfinanziert. Frauenhäuser müssen Schutzsuchende aus Platzmangel abweisen. Aber lässt sich die Gewalttat von Stade als „Femizid“ oder „Erweiterten Femizid“ einordnen, wie es gerade auf Social Media passiert? Schließlich hat der Täter nicht seine Partnerin getötet, sondern die Mitarbeitenden des Jugendamtes, vier Frauen und zwei Männer. Streng genommen geht der Begriff also vorbei. Von Femiziden sollten wir trennscharf sprechen, um die Bedeutung nicht aufzuweichen.  Außerdem gibt es ja schon ein Wort: den englischen Fachbegriff „Coercive Control“. Der beschreibt eine bestimmte Partnergewalt. Täter tun in ihrem Besitzdenken und Kontrollwahn alles, um über das Leben „ihrer“ Frauen zu bestimmen. Auch vor dem Umfeld, das ihnen vermeintlich im Weg steht, machen sie nicht Halt. Leider gibt es in den Jugendämtern und Familiengerichten noch wenige Menschen, die sich mit dieser Form der Gewalt auskennen. Wir brauchen einen Systemwandel, und der fängt im Kopf an.

2. juli 20262 min
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Vom Country-Mädchen zur Milliardärin: ARD-Doku entschlüsselt das Phänomen Taylor Swift

EINE ÜBERMENSCHLICHE PROJEKTIONSFLÄCHE Schon der Untertitel der Dokuserie „The Taylor Swift Years“ macht deutlich, zu was für einem Mythos die Sängerin geworden ist: Schicksalsjahre eines Superstars. Die Ähnlichkeit mit einem Film über die legendäre Kaiserin Sisi ist nicht zufällig. Denn längst ist auch Taylor Swift eine übermenschliche Projektionsfläche.  Swift-Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Ländern und Fachgebieten helfen, diese Frage zu beantworten. Sie erklären das Phänomen Taylor Swift in all seinen Facetten. ERSTE FRAU, DIE MIT MUSIK MILLIARDEN GEMACHT HAT „Sie ist die erste Milliardärin, die wirklich mit Musik ihre Milliarden gemacht hat“, sagt zum Beispiel die Autorin und Produzentin Janina Rook. „Ich glaube, sie ist kein Michael Jackson, kein Wunderkind“, sagt Kulturwissenschaftler Jörn Glasenapp. „Das zeigt auch die Durchsetzungsfähigkeit Taylor Swifts, die wir immer wieder erleben.“ ELFJÄHRIGE KÄMPFT FÜR PLATTENVERTRAG Schon als kleines Kind hat Taylor Swift Musik gemacht, vor allem Country. Als Elfjährige versucht sie auf eigene Faust, einen Plattenvertrag in der Country-Hochburg Nashville zu ergattern. Die ganze Familie zieht schließlich sogar dorthin, um Taylor zu unterstützen. „Schon als Kind will Taylor unbedingt ins Musikgeschäft. Sie zieht von Label zu Label, kämpft für ihren Traum“, erzählt die Kulturjournalistin und Podcasterin Zing Tsjeng.  „Taylor erzählt oft, dass sie zu Hause so lange mit einer großen Gitarre übte, bis ihre Finger bluteten und sie damit umgehen konnte.“ STEILER AUFSTIEG DER JUNGEN SÄNGERIN Mit 15 dann der erste Lohn für ihre Mühen: Ein Vertrag mit einem Plattenlabel. Seitdem geht es steil bergauf für die 1989 geborene Musikerin. Wobei es in ihrem Aufstieg immer wieder Momente gab, die sie hätten ausbremsen oder sogar scheitern lassen können. Auch das spart die dreiteilige Dokureihe nicht aus. IMMER IHRE EIGENEN ENTSCHEIDUNGEN GETROFFEN Zum Beispiel die Auseinandersetzung mit ihrem ersten Plattenboss, die schließlich dazu führte, dass sie ihre ersten Alben neu einspielte, um die Rechte an den Originalaufnahmen zu sichern. Ein Akt der künstlerischen Selbstermächtigung, der bis dahin nicht vorgesehen war im profitorientierten Popbusiness. > Ich habe meine Musik immer selbst geschrieben, meine eigenen Entscheidungen getroffen, alles kuratiert. Aber die Tatsache, dass ich mein Werk jetzt ganz besitze, übertrifft alles. > > > Quelle: Taylor Swift in einem BBC-Interview im Jahr 2019 DOKU ZEICHNET DIFFERENZIERTES BILD Die ARD Doku ist keine reine Huldigung Taylor Swifts. Vielmehr zeichnet sie ein differenziertes Bild der Sängerin. Dabei wird auch ihre Rolle im letzten US-amerikanischen Wahlkampf nicht ausgespart, in dem sie Donald Trump mal öffentlich kritisierte, mal auffällig schweigsam war. Die Dokumentation erinnert auch an den grauenhaften Angriff auf Kinder während eines Taylor-Swift-Tanzworkshops und daran, dass ihre Shows trotzdem immer weitergehen mussten. Solange, bis islamistische Anschlagspläne Konzerte während der „Eras“-Tour unmöglich machten. PERFEKTES MARKETING BIS ZUR HOCHZEIT Dass die anstehende Traumhochzeit mit Footballer Travis Kelce natürlich auch einen Marketingzweck verfolgt, wird ebenso deutlich. Bei all dem kommen die „Swifties“ ohnehin auf ihre Kosten. Alle anderen verstehen spätestens nach der insgesamt knapp anderthalb Stunden langen ARD-Dokumentation, warum Taylor Swift der größte Popstar unserer Zeit ist.

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