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Gitarrenstreit um die Stratocaster: Musikhändler Thomann klagt gegen Fender

7 min · 22. juni 2026
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Der Streit um die legendäre Stratocaster spitzt sich zu: Nach einem umstrittenen Urteil verschickt Fender Abmahnungen an Hersteller und Händler weltweit. Nun geht mit Thomann erstmals der ein großer Musikhändler juristisch gegen Fenders Abmahnwelle vor – und will die Frage nach dem Schutz der legendären Gitarrensilhouette gerichtlich klären lassen. VOM PLAGIATENSCHUTZ ZUR GRUNDSATZFRAGE Was als juristisches Vorgehen gegen Gitarrenkopien begann, entwickelt sich zunehmend zu einem Grundsatzstreit der Musikinstrumentenbranche. Im März hatte Fender vor dem Landgericht Düsseldorf einen Erfolg erzielt: Das Gericht bewertete den Korpus der legendären Stratocaster erstmals als urheberrechtlich geschütztes „Werk der angewandten Kunst“. Bis dahin galt vor allem die charakteristische Kopfplatte als geschützt. Auf Grundlage dieses Urteils geht Fender inzwischen nicht nur gegen offensichtliche Fälschungen vor, sondern auch gegen Hersteller und Händler sogenannter „S-Style“-Gitarren, deren Form an die Stratocaster angelehnt ist. Branchenbeobachter berichten von Abmahnungen, Auskunftsforderungen und Vertriebsbeschränkungen. THOMANN KÜNDIGT RECHTLICHE SCHRITTE AN Europas umsatzstärkster Musikhändler Thomann hat am 22. Juni 2026 öffentlich erklärt, selbst rechtliche Schritte gegen Fender eingeleitet zu haben. In seiner Stellungnahme bezeichnet das Unternehmen das Düsseldorfer Urteil als ein „sogenanntes Versäumnisurteil“, das auf formalen Fristversäumnissen beruhe und aus seiner Sicht keine umfassende inhaltliche Prüfung der Rechtslage darstelle. Fender versuche nun, daraus einen grundsätzlichen Copyright-Anspruch auf die Stratocaster-Korpusform abzuleiten. Thomann argumentiert, die Fragestellung reiche weit über einen einzelnen Rechtsstreit hinaus und betreffe „die Zukunft von Vielfalt, Innovation und Wettbewerb“ in der Gitarrenbranche. „VERANTWORTUNG FÜR ALLE BETEILIGTEN“ Besonders deutlich wird Thomann-Chef Hans Thomann. In der Stellungnahme erklärt er: „Viele Betroffene haben nicht die finanziellen und rechtlichen Möglichkeiten, einen solchen Rechtsstreit zu führen.“ Weiter sagt er: „Wir sehen es deshalb als unsere Verantwortung, diese Angelegenheit nicht nur für unser eigenes Unternehmen, sondern für alle Beteiligten gerichtlich klären zu lassen.“ Nach Angaben des Musikhauses betrifft der Konflikt nicht nur externe Hersteller und Händler, sondern auch die Eigenmarke Harley Benton. Thomann betont zugleich, man wolle auch künftig die „gesamte Bandbreite der Gitarrenwelt“ anbieten können. PRÄZEDENZFALL FÜR DIE GESAMTE BRANCHE? Der Fall könnte weit über die Gitarrenwelt hinaus Bedeutung erlangen. Sollte sich die Düsseldorfer Rechtsauffassung durchsetzen, könnte sie neue Maßstäbe dafür setzen, wann die Form eines Gebrauchsgegenstands urheberrechtlichen Schutz genießt. Genau diese Frage hatte bereits den Kern der bisherigen Debatte gebildet. Mit Thomann steigt nun erstmals ein Schwergewicht der europäischen Musikinstrumentenbranche offen in den Konflikt ein. Damit dürfte aus einem bislang vor allem juristischen Fachstreit eine Auseinandersetzung werden, die die gesamte Gitarrenindustrie aufmerksam verfolgen wird.

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Festspieltaugliche Interpretation: Verdis „Macbeth“ bei den Opernfestspielen Heidenheim

Die Opernfestspiele Heidenheim [https://www.opernfestspiele.de/]haben sich zu einem der wichtigen Opernfestivals der vergangenen Jahre gemausert, nicht zuletzt durch Inszenierungen der frühen Opern Giuseppe Verdis, die von Festspielintendant Marcus Bosch in der Chronologie ihrer Entstehung aufs Programm gesetzt werden. 2026 steht Verdis düstere Shakespeare-Vertonung des „Macbeth“ in einer Inszenierung von Andreas Baesler auf dem Programm. Gespielt wird nicht die bekannte, von Verdi für die Pariser Uraufführung überarbeitete Fassung, sondern die selten gespielte Urfassung von 1847. SWR Kultur Opernredakteur zeigt sich angetan von der Inszenierung und der musikalischen Interpretation.

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Christopher Nolans „Odyssee“: Monumentales Kino mit düsterem Grundton

UNTERSCHIEDE ZUR LITERARISCHEN VORLAGE Christopher Nolans mit Spannung erwartete Verfilmung der „Odyssee“ startet in den Kinos und erzählt Homers Epos als psychologisches Drama über einen traumatisierten Kriegsheimkehrer. Filmkritiker Rüdiger Suchsland lobt die erzählerische Anlage des Films: „Er macht es so, dass er schon rafft, aber die Struktur von Homer beibehält. Die Struktur ist nämlich auch schon achronologisch.“ Zugleich sieht Suchsland deutliche Unterschiede zur literarischen Vorlage, denn „die Odyssee ist eine Geschichte, die, würde ich sagen, sehr viel mit dem mittelmeerischen Lebensgefühl, also mit Sonne, blauem Meer, mit einer gewissen Leichtigkeit und Heiterkeit zu tun hat.“ MODERNER BLICK AUF ODYSSEUS Stattdessen präge Nolan den Film mit einem grauen Meer, einer melancholischen Atmosphäre und einem modernen Blick auf Odysseus als nachdenklichen, von Kriegserfahrungen gezeichneten Helden. Mit Matt Damon, Anne Hathaway, Tom Holland, Zendaya und Charlize Theron setzt der Regisseur auf einen hochkarätigen Cast und interpretiert den antiken Stoff als anspruchsvolles Epos für ein heutiges Publikum.

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Unwegsamkeiten in Stadt und Land: Xaver Bayers neuer Roman „Hauch“

Bayers Roman setzt im Hoch- oder Spätsommer ein und endet im Frühjahr. Die Trennung der beiden Protagonisten – Veit und Dora – ist eine Abmachung. In dieser Zeit dürfen sie einander nicht persönlich treffen. Sie schreiben aber einander handgeschriebene Briefe, verschickt mit der Post. Dora arbeitet als Übersetzerin, Veit als Schriftsteller. Dora leidet an Albträumen und Schlaflosigkeit. Das hat auch mit der urbanen Umgebung zu tun. Doch auch auf dem Land ist nicht alles Idylle: Vögel fliegen erschrocken auf, weil eine Drohne vorbeisaust. Veit kommentiert das Geschehen: EIN SCHWANENGESANG AUF DIE NATUR  „Es kommt mir vor, alles in der Welt ist zu einem Kippbild zwischen friedlich und bedrohlich geworden. Man muss Mal für Mal selbst entscheiden, wie man die Dinge sehen möchte. Wenn man denn entscheiden kann.“ Und Dora ergänzt mit apokalyptischen Worten: „Lieber Veit, wenn ich Deinem letzten Brief noch etwas hinzufügen darf, ist die gesamte Menschheit eine Kriegserklärung an die Natur.“   Veit wiederum stellt eine existentielle Frage: „Warum konnte innerhalb so weniger Jahrzehnte eine derart eklatante Entfremdung des Menschen von der Natur stattfinden? Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass die Natur von immer mehr Menschen als veraltet, als nicht zeitgemäß angesehen wird.“ GRILLENZIRPEN IN DER U-BAHN Dora wiederum drückt dies in philosophischen Worten aus: „Das Sein hat sich hinter einer Kopie seiner Außenansicht zurückgezogen.“  Im urbanen Terrain beherrscht beständiger Lärm den Alltag. Der Smog greift die Lunge an. Und die Menschen? Dora nimmt sie zusehends als wandelnde Zombies wahr. Zwischen Baustellengetöse erlauscht Dora das Tschilpen der Spatzen.   > Gestern habe ich sogar ein Grillenzirpen vernommen, in der U-Bahn, aber es kam aus einem Mobiltelefon.  > > > Quelle: Xaver Bayer – Hauch VERLUST LÄNDLICHER GEBORGENHEIT  Auf dem Land nimmt Veit naturgemäß etwas andere Veränderungen wahr: Auch dort gibt es Baulärm, rasende Rolande auf ihren Motorrädern und Flugzeuge ziehen ihre Bahn. Doch was auffällt, ist die Verödung der Dörfer: Gasthäuser und örtliche Einkaufsläden schließen, wer Besorgungen hat, muss zu den Shoppingmalls nächstgrößerer Städte. Und der Postkasten für die Briefe an Dora? Ist auch verschwunden – zahlt sich nicht mehr aus, sagt die Postverwaltung. Veit nennt diese Orte am Land das „Herz der Verlassenheit“.  Wenn man nun im Weiterlesen meinen würde, irgendwann und irgendwo müsste bald die Bombe einschlagen, irrt man. Zeitweise hat man das Gefühl, die Briefe würden allein den tristen Ist-Zustand der Welt abbilden. Aber auch das ist ein Fehlschluss. EIN HAUCH DES LEBENS Veit beobachtet die Vögel im Flug, das Fallen des Schnees, die Spuren der Hauskatze und das heftige Rauschen der Gräser und Bäume im Sturm. Die Bewegungen des Windes – sind sie nicht naturhafte Gleichung für den Atem, für den „Hauch“ im Dasein der Menschen?  Selbst Dora, geplagt von ihren Albträumen, hat Träume, die aus Hoffnung gestickt sind. Auch das – ein Hauch des Lebens.  > „Lieber Veit, heute, im Traum, habe ich auf der Straße einen Ring gefunden, den offenbar jemand verloren hat. Aber wo gibt man Traumfundstücke ab? Deine Dora.“  > > > Quelle: Xaver Bayer – Hauch DIE GELASSENHEIT IM LEBEN Xaver Bayer ist mit seinem Roman Hauch etwas Besonderes gelungen: Apokalyptische Gedanken holen einen heutzutage öfters ein. Indem aber der Autor im Laufe des Geschehens durch Naturbeobachtung und durch die Dialoge der beiden Briefschreibenden ein Gefühl der „Gelassenheit“ erzeugt, nimmt er seine Leserschaft im Lesen der Briefe mit. „Hauch“ ist sprachlich gesehen, völlig unspektakulär, man könnte sagen, der Roman steht diametral zur Aufregungs- oder Betroffenheitsliteratur. Doch genau das macht die Seriosität des Textes aus. In einem Brief fasst Veit es in kurzer, unmissverständlicher Weise zusammen – eine Art Aphorismus, den man sich durchaus einprägen sollte.  > „Die Welt will wahrgenommen werden, und sie will beschrieben werden, das ist alles.“  > > > Quelle: Xaver Bayer – Hauch

15. juli 20264 min