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Georg-Büchner-Preis 2026 geht an Christine Wunnicke

6 min · 9. juli 2026
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Die Deutsche Akademie zeichnet Christine Wunnicke mit dem Georg-Büchner-Preis 2026 für ihr eigenwilliges, historisch inspiriertes Erzählwerk aus.

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„Mit leiser Stimme“ – Subtiler Film über Queerness in Tunesien

HEIKLE REISE ZUR FAMILIE NACH TUNESIEN Lilia, eine junge Frau aus Tunesien, liebt eine Französin. Von Paris aus reisen beide nach Karthago zur Beerdigung von Lilias Onkel. Für Lilia, die Hauptfigur des Films, ist dies eine Rückkehr zu Familie und Heimat, für die andere ein Verlassen der Komfortzone. Da Homosexualität in Tunesien als Straftat gilt, verbergen die beiden Frauen ihre Beziehung. Doch der Skandal ist bereits vor ihrer Ankunft da: In Lilias Familie konnte niemand ernsthaft behaupten, nichts von den homosexuellen Beziehungen des verstorbenen Onkels gewusst zu haben, die hinter einer Scheinehe verborgen waren. Lilias Mutter Wahida (gespielt von Hiam Abbass) und Tante Hayet wussten immer von der Homosexualität des Onkels, haben jedoch versucht, sie vor der Großmutter Néfissa geheim zu halten. Sie hätte einen Skandal für die Familie bedeutet. Doch eines Tages wurde der tote Onkel nackt auf der Straße gefunden. STILLSCHWEIGEN ÜBER „ENTEHRENDEN“ TOD Der dritte Spielfilm der Tunesierin Leyla Bouzid beginnt wie ein Kriminalfilm. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrer Großmutter, die über diesen die Familie in der Nachbarschaft „entehrenden“ Tod Stillschweigen bewahren wollen, versucht Lilia, mehr über die Umstände des Todes ihres Onkels herauszufinden. Gespickt mit undurchsichtigen Hinweisen und unausgesprochenen Wahrheiten führt die Spur, der die Hobbyermittlerin folgt, durch die wenigen Orte der Stadt, in denen sich eine schwule Subkultur auslebt, zum Haus eines ehemaligen Liebhabers des Verstorbenen und in ein Dorf im Hinterland. Es ist eine Reise durch ein Tunesien, das unsichtbar gemacht und kriminalisiert wird, gezwungen, in Vorsicht und Schweigen zu leben. Die Kontrolle, die Lilia zu Beginn aufrechtzuerhalten scheint, zerfällt umso mehr, je weiter sie in ein feindliches Terrain eindringt, in dem ihre Wirklichkeit immer sichtbarer wird. ERSCHÖPFENDE WIDERSPRÜCHE DER DOPPELTEN ZUGEHÖRIGKEIT Hin- und hergerissen zwischen ihrer Familie und ihrer Freundin, zwischen den Orten ihrer Kindheit und dem Land, in das sie zum Leben gegangen ist, fühlt sich Lilia bald von ihrer doppelten Zugehörigkeit und den Widersprüchen, die diese mit sich bringt, erschöpft.  Der Film „Mit leiser Stimme“ versucht nicht, diese Widersprüche aufzulösen, sondern bewegt sich in jenem Zwischenraum, in dem unterschiedliche Wertesysteme aufeinanderprallen und neu ausgehandelt werden. Mit einem gewissen Gespür fürs Subtile inszeniert, stellt die Erzählung verschiedene Verhaltenstypen dar. Dieser analytische Zugang macht es einem westlichen Publikum und seinem touristischen Blick leichter, die Geschichte zu verstehen.  SUBTILES UND BEWEGENDES KINO Obwohl sich der Film in bestimmten Momenten einem kitschigen „magischen Realismus“ nähert und etwas an Kraft zu verlieren droht, gelingt es ihm, eine eindringliche Atmosphäre aufrechtzuerhalten, die ausreichend anziehend wirkt.  Die Geschichte über persönliche Geheimnisse, die verborgen gehalten werden, da die Gesellschaft sie verurteilt, ist subtiles und bewegendes Kino, das die Auflehnung als Form persönlicher Emanzipation verkündet: Die Frauen der Familie fordern ihren Platz und ihre Entscheidungsfreiheit ein. Geschickt in eine Erzählung eingebettet, die sich mühelos zwischen Familienporträt und persönlicher Ermittlung bewegt, rennt der Film Türen ein, die nur im westlichen Kunstpublikum ganz offen sind: Das Private ist politisch, sagt man gern. Hier sieht man, was das wirklich heißt. TRAILER „MIT LEISER STIMME“: KINOSTART AM 9. JULI

9. juli 20263 min
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Historiker Ilko-Sascha Kowalczuk über sein neues Buch „Faschismus ist keine Meinung“

WENDEPUNKT HIN ZU EINEM AUTORITÄREN ZEITALTER Ilko-Sascha Kowalczuk sieht Deutschland und viele andere Demokratien an einem Wendepunkt hin zu einem autoritären Zeitalter und macht dafür unter anderem gesellschaftliche Verunsicherung, wirtschaftliche Umbrüche und den Verlust von Zukunftsperspektiven verantwortlich. In seinem neuen Buch „Faschismus ist keine Meinung. Stabil bleiben in autoritären Zeiten“ erklärt der Historiker: „Wir stehen an einem Epochenwechsel hin zu einem autoritären Zeitalter.“ CREDO DES HISTORIKERS: NICHT PESSIMISTISCH SEIN Zugleich betont Kowalczuk im Gespräch mit SWR Kultur, dass das Erstarken autoritärer Kräfte kein ausschließlich ostdeutsches Phänomen sei, sondern sich in vielen Regionen Deutschlands und Europas beobachten lasse. Trotz seiner Sorge ruft er dazu auf, demokratische Werte selbstbewusst zu verteidigen und sich aktiv gegen Menschenfeindlichkeit einzusetzen. Das habe er aus der Wende 1989 gelernt: „Seitdem gibt es für mich gewissermaßen das elfte Gebot: Du darfst nicht mehr politisch pessimistisch sein, es ist alles möglich.“

9. juli 20267 min