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Gazacide – es gibt keinen Waffenstillstand, das Morden geht weiter

💜116 min · 12 de jun de 2026
Portada del episodio Gazacide – es gibt keinen Waffenstillstand, das Morden geht weiter

Descripción

„Der Tod menschlicher Empathie ist eines der frühesten und deutlichsten Zeichen einer Kultur, die im Begriff ist, in die Barbarei zu verfallen.“ (Hannah Arendt) Am 19. Mai erhielt der palästinensische Journalist Rami Abu Jamous den Nord-Süd-Preis des Europarats. Jamous war Gründer der Agentur GazaPress, die westlichen Journalisten bei Recherchen und bei Übersetzungen half. Im Oktober Weiterlesen [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152142]

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Portada del episodio Die EU ist zu einem Monster geworden – sie erteilt der Barbarei die Absolution

Die EU ist zu einem Monster geworden – sie erteilt der Barbarei die Absolution

Die EU ist zu einem Monster geworden. Die Staatengemeinschaft will den Schutzstatus für wehrfähige Ukrainer beenden. [https://www.tagesschau.de/ausland/europa/eu-schutzstatus-ukraine-102.html] Die brutalen Zwangsrekrutierungen [https://busification.org/] in der Ukraine ignoriert die EU mit Nachdruck – kein Wort zu den furchtbaren [https://x.com/Glenn_Diesen/status/2070918510474121470] Gewaltvideos, die zeigen [https://x.com/ernst_klaus/status/2069339990769754228], wie Rekrutierer auf offener Straße [https://www.dw.com/en/inside-ukraines-search-for-suspected-draft-dodgers/video-75236215] vorgehen, wenn sich potenziell Wehrpflichtige weigern, mitzugehen. Wer Menschen gegen ihren Willen zwingt, andere zu töten oder sich der Gefahr auszusetzen, selbst getötet zu werden, handelt barbarisch. Die EU verschließt die Augen vor dieser Barbarei. Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Jeder, der es sehen will, kann es sehen: In der Ukraine werden Bürger, die sich den Rekrutern widersetzen, mit Gewalt in Busse gezerrt, um sie zur Rekrutierungsbehörde zu verschleppen. Manche in Deutschland und anderswo nehmen sich die Dreistigkeit heraus, diese Szenen als Recht und Gesetz zu bezeichnen – schließlich bestehe nun mal eine gesetzliche Verpflichtung zum Dienst an der Waffe. Doch worum es sich tatsächlich handelt, ist eine grausame, furchtbare, barbarische Menschenfängerei – Gesetz hin, Gesetz her. Die EU galt lange als eine Art „Institution“ für Werte. In ihre Politik sollte das einfließen, was vorgeblich die demokratischen Länder Europas auszeichnete: Respekt vor den universellen Menschenrechten, eine tief eingeschriebene Humanität. Nichts ist davon mehr übrig. Die EU ist zu einem Monster geworden, das vor der Barbarei die Augen verschließt. Wie sonst lässt sich eine Staatengemeinschaft bezeichnen, die den Schutzstatus für wehrfähige Ukrainer im Alter zwischen 23 und 60 Jahren beenden will? Das Vorhaben der EU sieht vor, „dass neu ankommenden Personen kein vorübergehender Schutz gewährt werden soll, wenn sie die Ukraine aufgrund ihrer militärischen Verpflichtungen nach ukrainischem Recht nicht verlassen dürfen“, so der EU-Innenkommissar Magnus Brunner. Welch ein furchtbares Signal vonseiten der EU in Richtung der politischen Führung der Ukraine. Von der EU gibt es keine Ansage an die Ukraine, auf Gewaltanwendungen bei der Rekrutierung zu verzichten. Sie mahnt nicht an. Prangert nicht an. Sie erteilt vielmehr dem Grauen ihre Absolution. Wie lange die Lebensdauer eines ukrainischen Soldaten an der direkten Front ist, lässt sich nicht genau sagen. In einem im Jahr 2023 veröffentlichten Artikel [https://nypost.com/2023/02/23/life-expectancy-on-frontline-in-ukraine-4-hours-soldier/] ist von durchschnittlich 4 Stunden die Rede. Für Ukrainer, die hier ankommen und vor dem Krieg flüchten, ist das Vorhaben weitreichend. Sie haben zwar weiterhin Anspruch auf Asyl – aber sie müssen mit schwierigen Verfahren und einer Ablehnung rechnen. Der derzeitige Stand gewährt vor dem Krieg flüchtenden Ukrainern sofortigen Schutzstatus und ermöglicht ihnen auch die Aufnahme von Arbeit. Die EU – das darf man nicht vergessen – ist letztlich das Spiegelbild der Politik jener Staaten, die sie bilden. Auch Deutschland steht hinter dem aktuellen Vorhaben. Auch die deutsche Politik mahnt und prangert die Missstände bei der Rekrutierung in der Ukraine nicht an. Auch deutsche Politiker akzeptieren die Barbarei. Eine Frage drängt sich auf: Wie wird die EU, wie wird Deutschland im Kriegsfall mit Wehrdienstverweigerern [https://www.nachdenkseiten.de/?p=129326] und Fahnenflüchtigen umgehen? Titelbild: Alim Yakubov / Shutterstock[http://vg07.met.vgwort.de/na/6e589c6c47244b63baaa7e7b287e8533]

29 de jun de 20264 min
Portada del episodio Und nun zum Wetter

Und nun zum Wetter

Früher hieß es immer, dass die Regierung die mittlerweile kurzen Zeiträume, in denen die deutsche Fußballnationalmannschaft bei Europa- oder Weltmeisterschaften im Fokus des Interesses steht, ausnutzt, um dem Volk besonders bittere Gesetze unterzujubeln. In diesem Jahr waren dies wohl die Pläne der Rentenkommission, die Rainer Heyse für die NachDenkSeiten kunstvoll seziert hat [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152855]. Debattiert wurden sie kaum. Doch das lag nicht an König Fußball, sondern an einer Hitzewelle, die nicht nur die Thermometer, sondern auch die Debattenräume in den „sozialen“ Netzwerken zum Kochen brachte. Und wie immer, wenn die virtuellen Stammtische der Neuzeit zum Kriegsschauplatz im allgemeinen Kulturkampf werden, kam dabei außer Hauen und Stechen nicht viel raus. Von Jens Berger. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Erst mal ein kleines Vorwort: Wenn ich nun sage, dass es 2026 ja schon undankbar ist, überhaupt über das Wetter zu schreiben, bin ich schon mit Karacho auf die erste Tretmine gelatscht. „Wetter“, so weiß es die tendenziell eher junge und linke Bubble, sei eine Verharmlosung. Schuld an der Hitze sei ganz sicher der Klimawandel, den sie lieber Klimakatastrophe nennen. Von mir aus. Doch nun einfach über das „Klima“ zu schreiben, wäre der sichere Tritt auf die nächste Tretmine. Damit würde ich mir nämlich die offene Feindschaft der tendenziell eher älteren und rechten Bubble einfangen, die jede Extremtemperatur für ganz normales Wetter hält, wie es das schon immer gegeben habe. Ohne dem zustimmen zu wollen, entscheide ich mich dennoch für den Begriff „Wetter“, da er mir im konkreten Kontext einfach sprachlich richtiger erscheint; vielleicht ja auch nur, weil ich alter weißer Mann bin. Und so begab ich mich frohgemut bei schönem Wetter – bitte kein Shitstorm, zu diesem Zeitpunkt waren es im traditionell eher kühlen Harz wunderschöne 32 Grad im reichlich vorhandenen Schatten – in meine Facebook-Blase und wollte mal schauen, was die Menschen so über die Rentendebatte denken. Offenbar gar nichts. Meine Timeline war stattdessen voll mit einem recht absurd wirkenden meteorologischen Kulturkampf. Was spielte sich da ab? Die Fraktion „Klima-Alarmismus“ Gut ein Drittel meiner „Facebook-Blase“ gehört zur eher jungen, eher weiblichen, eher linken Fraktion. Wäre ich der Amazon-Algorithmus, würde ich sagen: Kunden, die die Linkspartei wählen, LGBTQ-Paraden prima finden und gerne gendern, empfinden die hohen Temperaturen der letzten Tage als Vorboten einer Klimakatastrophe, die uns ganz sicher alle töten wird. Schuld daran sind die Politik und natürlich „die Boomer“, die böse Autos fahren, böse Heizungen betreiben und oft sogar mit dem Flugzeug in den Urlaub fliegen. Klar, diese Vorwürfe sind nicht neu. Sie unterliegen jedoch einer Saisonalität. Mathematisch könnte man sagen: Der Alarmismus-Content korreliert positiv mit der Außentemperatur. Und da wir ja nun ein paar Jahre selbst im Sommer überschaubare Höchsttemperaturen hatten, hat man als Otto Normaldebattenbeobachter die schrillen Weltuntergangsszenarien der „Klima-Alarmisten“ schon beinahe wieder vergessen. In den letzten Tagen kehrten sie mit voller Wucht zurück und kannten keine Gnade. Schon beim Lesen bekam ich, obwohl ich noch nicht einmal zu den Boomern gehöre, als doch schon etwas älterer weißer Mann, der das anfangs schöne Wetter auf seiner Terrasse genießt, ein schlechtes Gewissen. Darf ich mir ein kühles Bier aufmachen, wenn in den Häuserschluchten Berlins Millennials leiden? Putzig finde ich hingegen den Lösungsansatz der „Klima-Alarmisten“. Denn wenn ich deren Schimpftiraden richtig verstehe, bin auch ich für die „Katastrophe“ verantwortlich. Ich fahre Auto – wenn auch Hybrid. Ich heize mit Gas. Und ja, ich trinke meine Cocktails mit einem Kunststoffstrohhalm. Aber Spaß beiseite. Ich persönlich empfinde es als Hybris, zu denken, ein globales Phänomen wie der Treibhauseffekt durch Emissionen sei durch das im globalen Maßstab geradezu winzige Deutschland zu stoppen. Und das Klima? Inshallah. Wir werden wohl Mittel und Wege finden müssen, damit besser klarzukommen. Die Fraktion „Früher war’s auch warm“ Es ist jedoch keinesfalls so, dass die „Klima-Alarmisten“ nun die hegemoniale Deutungshoheit in den „sozialen“ Medien hätten. Im Gegenteil. Der Zeitgeist ist rechts und gerade bei Facebook – der virtuellen Alterstagesstätte – will eine Fraktion den Diskurs für sich bestimmen. Hier würde der Amazon-Algorithmus sagen: Kunden, die die AfD wählen, Windräder niederreißen wollen und sich ihr Zigeunerschnitzel nicht verbieten lassen wollen, sind tendenziell der Überzeugung, dass es auch früher schon heiße Sommer gegeben habe und so was im Sommer halt vollkommen normal sei. Gerne begleiten sie ihre oft hämischen Selbstaffirmationen mit dem alten Carell-Schlager „Wann wird’s mal wieder richtig Sommer“, mal mit – man glaubt es ja kaum – Schlagzeilen der BILD von neunzehnhundertdrölf, die jedoch allesamt keiner näheren Prüfung standhalten. Es sollte überflüssig sein, zu erwähnen, dass diese Fraktion inhaltlich falsch liegt. Nun genieße ich zwar – wie Helmut Kohl es mal in einem anderen Kontext sagte – die Gnade der späten Geburt. Aber in meiner Jugend haben wir – zumindest in den Breitengraden, in denen ich aufwuchs – nicht bei 40 Grad plus Datteln geerntet, sondern sprachen „schon“ bei 32 bis 34 Grad von einer unglaublichen „Jahrhunderthitze“. Als ich Kind war, galt bei uns in Niedersachsen die Regel, dass es in der Schule hitzefrei gibt, wenn um 11 Uhr morgens mehr als 25 Grad sind. Das war so ungefähr drei oder viermal während meiner Schulzeit der Fall. Am Wochenende fiel mein Außenthermometer auch nachts nicht unter 26 Grad. Es mag ja sein, dass es irgendwann im Paläozoikum tatsächlich in Deutschland wärmer war als heute – aber so alt sind die Boomer, die heute auf Facebook davon überzeugt sind, dass es früher genau so warm war, ja auch noch nicht. Ich persönlich empfinde diese Sprüche übrigens auch als schäbig. Sicher, wenn man Rentner ist und ein schönes schattiges Einfamilienhaus, vielleicht ja sogar mit Planschbecken bzw. Pool, besitzt, kann man auch 40 Grad mal über ein paar Tage gut aushalten. Was aber ist mit den Rentnern, die in den kleinen Dachgeschosswohnungen der oft auch schlecht isolierten Mietskasernen leben? Was ist mit meiner Frau, die an diesem Wochenende im Krankenhaus ihren Dienst verrichten musste – bei Innentemperaturen über 35 Grad, ohne Klimaanlage, ohne Lüftung? Ich würde mir ja mal wünschen, dass die Großmäuler der „Früher war’s auch warm“-Fraktion mal eine freiwillige Schicht Sozialarbeit in einem deutschen Krankenhaus oder Altersheim ohne Klimaanlage verrichten. Mal schauen, ob sie danach auch davon schwärmen, wie „schön“ der Sommer in diesem Jahr ist. In einem Kulturkampf bestimmen die Ränder den Diskurs Vielleicht sind die extremen Aussagen der einen sowie der anderen Seite ja sogar verständlich. Unser Diskurs ist, zumindest dann, wenn er online auf Facebook und Co. stattfindet, ja nicht wirklich konstruktiv und ergebnisoffen. Es wird gepöbelt, was das Zeug hält, und je extremer die Meinung, desto mehr Likes. Früher gab es das, was Elisabeth Noelle-Neumann als „Schweigespirale“ [https://de.wikipedia.org/wiki/Schweigespirale] bezeichnet hat – aus Angst, sozial isoliert zu werden, hat man sich die dümmsten Kommentare lieber verkniffen und seine Meinung tendenziell dem Mainstream angepasst. Heute scheint das Gegenteil zu gelten. Keine Meinung – egal in welche Richtung – ist dumm genug, um sie nicht auf Facebook und Co. herauszuposaunen. Wer dummes Zeug postet, kriegt Likes. Wer versucht, eine abwägende Position zwischen den Extremen zu finden, kriegt am Ende von beiden Fraktionen an den Außenseiten des Spektrums virtuell eine Keule über den Schädel gezogen. Schöne neue Welt. Absurditäten im politischen Spektrum Dass die Parteien sich schwertun, bei dieser chaotischen Gemengelage selbst Position zu beziehen, ist klar. Aber es ist ja wieder einmal Wahlkampf und ganz schweigen kann man da doch nicht. Zu meinen persönlichen Highlights zählte an diesem Wochenende die Kommunikations-Volte der AfD. Klar, die AfD zeichnet sich in klimapolitischen Fragen eher durch Verharmlosung aus, aber wenn gerade in Sachsen-Anhalt, wo die AfD im September ja die absolute Mehrheit holen will, die Temperaturen flächendeckend die 40-Grad-Marke überschreiten, ist diese Position schwer zu halten. Was tat also die AfD? Sie startete eine Kampagne für Klimaanlagen. Deutschland braucht Klimaanlagen? Inhaltlich will ich dem ja gar nicht widersprechen. Nur dass man wissen muss, dass Klimaanlagen und Wärmepumpen ein und dasselbe sind. Und spätestens hier wird es unfreiwillig komisch. Hätte die AfD nun mehr Wärmepumpen gefordert, wäre sie wohl von der eigenen Sympathisantenschaft mit Fackeln und Forken vom Hof gejagt wurden. Es kommt halt auf das „Wording“ an. Umgekehrt wären jedoch sicher auch die Grünen mit Strohhalmen aus Pappe von ihren Fans vom Hof gejagt worden, hätten sie nun mehr Klimaanlagen gefordert. Wenn zwei das Gleiche sagen, ist es nicht Dasselbe. Und wenn zwei das Gleiche meinen, es aber anders formulieren, schon gleich gar nicht. Ist der Kulturkampf noch so schrill – es ist ja auch schon fast beruhigend, dass alle größeren Parteien eine „Lösung“ für das Problem haben, die auf den gleichen Mechanismus setzt: individueller Konsum. Egal ob Wärmepumpe, E-Auto, Solaranlage, Klimaanlage oder Notstromaggregat – Hauptsache, irgendwas kaufen. Mit welchem Geld, bleibt unbeantwortet, und die Verantwortung wird dabei mehr oder weniger geschickt von der politischen auf die persönliche Ebene verlagert. Das ist fatal. Denn gerade eben deshalb, weil die Sommer auch in Zukunft nicht so sein werden wie die Sommer unserer Kindheit, wäre politisches Handeln dringend nötig. Und keine Angst, es soll hier nicht um die typisch deutsche Hybris gehen, die suggeriert, dass Oma Erna die Welt retten kann, wenn sie sich eine neue Heizung einbauen lässt. Nein, es sollte darum gehen, wie wir durch infrastrukturelle Maßnahmen, wie beispielsweise Aufforstung, Renaturierung versiegelter Flächen, Begrünung städtischer Gebiete und eine zeitgemäße Gebäudetechnik, die im Winter heizen und im Sommer kühlen kann, das Land fit für heiße Tage machen. Denn auch wenn wir davon sicher nicht aussterben – es wird sie künftig häufiger geben. Aber jetzt regnet es ja zum Glück erst einmal und der Hitzespuk ist vorbei. Ich bin ja mal gespannt, worüber sich die Leute auf Facebook in dieser Woche die Köpfe einschlagen. Fußball? Vielleicht. Über die Rente werden sie jedenfalls sicher wieder einmal nicht diskutieren. Es ist zum Mäusemelken. Titelbild: ChatGPT, mit künstlicher Intelligenz erstellt[http://vg07.met.vgwort.de/na/e9cd09d845514714b87b91080fcf6b38]

29 de jun de 202611 min
Portada del episodio Deutsches Steuergeld verschwindet im ukrainischen Sumpf der Korruption

Deutsches Steuergeld verschwindet im ukrainischen Sumpf der Korruption

Der Bundeskanzler erklärte am G7-Gipfel, Europa und die USA hätten sich in allen Punkten geeinigt, ließ dabei jedoch die entscheidenden Fakten außer Acht: Trump interessiert sich kaum mehr für die Ukraine, während die EU das Land weiter aufrüsten möchte. Doch während die Bundesregierung überall spart, um Milliarden in die Ukraine zu senden, landen diese im Sumpf der Korruption. Von Dieter Reinisch. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Der G7-Gipfel, der am 17. Juni im französischen Évian-les-Bains zu Ende ging, sollte als Symbol der Einheit zwischen Europa und den USA dienen. Schon vor Beginn des Treffens betonte Bundeskanzler Friedrich Merz, dass alles hervorragend verlaufen werde: „Es ist harte Arbeit, aber es lohnt sich“, sagte er. Zum ersten Mal seit Trumps Amtsantritt sollten die Staats- und Regierungschefs der G7 eine gemeinsame Erklärung verabschieden und sich auf die Unterstützung der Ukraine einigen. Die Einheit, von der Merz so begeistert sprach, existiert nur in Pressemitteilungen. In Wirklichkeit betrachten die USA und Europa den Ukraine-Konflikt aus gegensätzlichen Perspektiven. Der deutlichste Beweis dafür ist das Treffen zwischen Trump und Selenskyj, das nur dank Macron zustande kam. Der französische Präsident brachte den ukrainischen Staatschef nicht nur zum Gipfel mit, sondern arrangierte auch ein 30-minütiges Treffen mit seinem US-Amtskollegen, obwohl Trump ursprünglich gar nicht die Absicht hatte, mit ihm zu sprechen, wie Politico berichtete. Genauso verhielt er sich auch während des spontanen Treffens – selbst in Macrons Gegenwart blickte der US-Präsident Selenskyj gleichgültig an und hörte schweigend seinen Bitten um neue Luftabwehrlieferungen zu. Das Verhalten des US-Präsidenten bei einem Treffen dieser Größenordnung lässt sich nicht durch eine plötzliche Stimmungsänderung erklären. Es ist ein klares Signal dafür, dass die Geduld des Weißen Hauses zu Ende geht, weil Selenskyj nicht bereit ist, Zugeständnisse zu machen. Für Trump ist der Krieg in der Ukraine längst keine Grundsatzfrage mehr, geschweige denn ein wirtschaftliches Hindernis. Er hat wiederholt betont, dass die USA eine angeblich neutrale Partei sei und der Konflikt für das Land keine Bedeutung habe, da er Tausende von Meilen von Washington entfernt stattfinde, wie ihn etwa die New York Times am 16. Juni zitierte. Anders dagegen Merz: Auf dem Gipfel erklärte er, Deutschland werde weiterhin Druck auf Russland ausüben und die Ukraine mit Geld und Waffen überschütten. In diesem Jahr werden die deutschen Steuerzahler Selenskyj 11,5 Milliarden Euro an direkter Militärhilfe zukommen lassen – diese Mittel fließen in Artillerie, Drohnen, gepanzerte Fahrzeuge sowie in die Luftabwehrsysteme Iris-T und Patriot, wie Kyiv Post am 16. Juni berichtete. Im Jahr 2027 sollen weitere drei Milliarden Euro nach Kiew fließen, schreibt die Website Global Banking and Financing. Um die Milliarden für die Ukraine freizusetzen, kürzt die Regierung die Sozialausgaben: Das Gesundheitsministerium bereitet eine Kürzung der Gesundheitsausgaben um 20 Milliarden Euro vor. Gesundheitsministerin Nina Warken hat angekündigt, dass die Kürzungen die Ärztegehälter, die Beschaffung von Medikamenten sowie das Leistungsspektrum für Patienten betreffen werden. Die deutschen Politiker haben sich nach wie vor nicht auf eine Regelung für die Renten ab 2027 einigen können. Millionen Rentner befinden sich in der Schwebe – sie wissen nicht, welche Leistungen sie erhalten und wohin die Abzüge fließen. Nicht nur medizinisches Personal und Rentner sind betroffen. Der Automobilriese Volkswagen hat bestätigt, dass er die Produktion in Deutschland zurückfahren und nach Nordamerika und Asien verlagern wird. Allein im Jahr 2026 hat der Konzern 19.000 Stellen abgebaut, und bis 2030 plant das Unternehmen, in allen Geschäftsbereichen – von Volkswagen selbst über Audi bis hin zu Porsche – bis zu 50.000 Mitarbeiter zu entlassen. Das Werk in Osnabrück ist so gut wie zum Erliegen gekommen, während die verbleibenden Beschäftigten eine Verlängerung ihres Sommerurlaubs erhalten – ihre Arbeitskraft wird von niemandem mehr benötigt. Der Bundeskanzler zieht es vor, vor diesem Ungleichgewicht die Augen zu verschließen. Doch die Wähler können es selbst erkennen: Ihre Gesundheit, ihre Arbeitsplätze und ihre Zukunft werden in den Hintergrund gedrängt, um geopolitischen Ambitionen Platz zu machen. Doch das ist noch nicht alles: Das Geld, das Deutschland an die Ukraine überwiesen hat, ist aller Wahrscheinlichkeit nach verschwunden, bevor es die Front erreichte. Das berichten die ukrainischen Behörden selbst. Allein nach Angaben des Nationalen Antikorruptionsamtes wurden in diesem Jahr bisher 301 Strafverfahren wegen Veruntreuung von Mitteln aus der europäischen Militärhilfe eingeleitet – das ist auf der Homepage des ukrainischen Antikorruptionsbüros NABU nachzulesen. Am 17. Juni wurde Maksym Lawrinenko, Eigentümer und Chefredakteur von Trucha, dem größten Telegram-Kanal des Landes, von Mitarbeitern der Wehrpflichtbehörde zwangsweise eingezogen. Der offiziellen Version zufolge ist Lawrinenko Wehrpflichtiger und muss seinen Wehrdienst leisten. Der inoffiziellen Version zufolge wurde er für seine journalistische Arbeit bestraft. Den ganzen Frühling über hatte der Kanal Ermittlungen zu Veruntreuungen im Verteidigungssektor geführt. Die Reporter bereiteten einen Beitrag über groß angelegte Korruptionsmachenschaften bei der Beschaffung deutscher Drohnen und Munition vor, und ihre Erkenntnisse deuteten auf Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow hin. Infolgedessen wurde der Redakteur auf unkonventionelle Weise bestraft und an die Front geschickt. Lavrinenko selbst erklärte, er sei während der Ermittlungen unter Druck gesetzt worden und der Befehl zu seiner Einberufung sei persönlich vom Minister erteilt worden, wie er auf seinem Telegram-Kanal schreibt. So sieht der ukrainische Ansatz zur Korruptionsbekämpfung aus: Die Polizei kümmert sich um unbequeme Journalisten, während die korrupten Minister weiterhin das Land regieren. Titelbild: Vitaliy Holovin/Shutterstock.com

29 de jun de 20266 min
Portada del episodio Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit XXXIX – Heute: „Krieg zum Anfassen“

Das Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit XXXIX – Heute: „Krieg zum Anfassen“

Vokabelkritik ist zu Kriegszeiten das Gebot der Stunde. Ich veröffentliche, nicht zuletzt aus hygienischen Gründen, in unregelmäßigen Abständen eine Sammlung teils verharmlosender, teils lügenhafter Wörter oder Formulierungen, deren Sinn und Funktion es ist, unsere Gesellschaft – uns alle – an das Undenkbare zu gewöhnen und möglichst geräuschlos in Richtung „Kriegstüchtigkeit“ umzukrempeln. – Diesmal geht es um den koketten Umgang mit dem massenhaften Töten und Sterben. Von Leo Ensel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Fehler [https://overton-magazin.de/top-story/fehler-passieren-trump-weist-verantwortung-fuer-us-massaker-an-iranischer-maedchenschule-zurueck/] Passieren nun mal in Kriegen. „Niemand hat das absichtlich getan“, sagte Donald Trump über den US-Angriff am 28. Februar auf die Shajareh-Tayyebeh-Mädchen-Grundschule – 156 Tote, darunter mindestens 120 Kinder, und weitere 95 Verletzte – im persischen Minab. „Fehler passieren. Krieg ist grausam.“ (Da kann man halt nichts machen.) „Aber ich weiß, dass der Vorfall untersucht wird.“ (Und das ist doch immerhin beruhigend.) geil [https://www.rnd.de/politik/herlinde-koelbl-ueber-boris-pistorius-neues-buch-gibt-einblick-in-das-leben-PSSZXRUMONFOTNKPC62JC4WTFM.html] Jawoll, Sie haben richtig gelesen, Leser-Doppelpunkt-innen! Er hat es tatsächlich gesagt. In aller Öffentlichkeit. Deutschlands beliebtester Politiker. „Erfolg ist toll und geil, aber es ist alles vergänglich.“ Für jemanden, der so kumpelhaft-nahbar (und zugleich bescheiden) ist, und mit Hauptmännern, die „absolut mega!“ jubeln, ziehen wir alle gerne in den Krieg! (Denn [https://www.rnd.de/politik/herlinde-koelbl-ueber-boris-pistorius-neues-buch-gibt-einblick-in-das-leben-PSSZXRUMONFOTNKPC62JC4WTFM.html]: „Man spürt eine Anständigkeit, die heute in der Politik nicht mehr so vorhanden ist.“ So schwärmt die renommierte Fotografin und Autorin Herlinde Koelbl.) Kurz: „Geil“ ist die heutige „Anständigkeit“! – By the way: „Anständig“… Lieblingswort deutscher Spitzenexekutoren. (Besonders erste Hälfte der Vierzigerjahre des letzten Jahrhunderts.) Girls’ Day [https://karriere.bundesheer.at/service/events/details/girlsday-wien-2026] Beim österreichischen Bundesheer. „Macht erlebbar, was sonst oft nur von außen sichtbar ist.“ – WOW…! „immersive“ Darstellungen [https://taz.de/Neues-Ukraine-Museum-in-Berlin/!6157471/] Tja, was das wohl heißen mag …? Blättern wir nach in der taz! Über den „Krieg zum Anfassen“ im Neuen Ukraine-Museum zu Berlin: „Im ersten Raum können sich Besucher:innen über einen Monitor selbst betrachten. Der Bildschirm zeigt sie aus der Perspektive russischer Drohnen, bevor sie zum tödlichen Schuss ansetzen.“ – So wird „die Härte des Krieges erlebbar“ gemacht. O-Ton taz: „Wer hier hinkommt, soll sich überwältigen lassen.“ (Und zwar in „echt“.) James Bond wagen [https://www.deutschlandfunk.de/mehr-befugnisse-fuer-den-bnd-interview-mit-konstantin-von-notz-gruene-mdb-100.html] Wenigstens „ein bisschen mehr“. So kokett Stephanie Rohde am 20. Dezember 2025 im Deutschlandfunk. Gemeint waren „operative Anschlussmaßnahmen“, die laut BND-Chef Martin Jäger [https://www.tagesschau.de/investigativ/ndr-wdr/bnd-gesetz-befugnisse-100.html] nun auch dessen Bundesnachrichtendienst durchführen soll. Karrierecenter [https://www.bundeswehr.de/de/organisation/personal/bundesamt-fuer-das-personalmanagement-der-bundeswehr-/karrierecenter-der-bundeswehr-] Der Bundeswehr. Klingt doch viel flotter als „Kreiswehrersatzamt“, oder? (Hoffentlich aber nicht für die finale Karriere – ad finem!) Krieg zum Anfassen [https://taz.de/Neues-Ukraine-Museum-in-Berlin/!6157471/] Entblödete sich nicht, just zum vierten Jahrestag des russischen Überfalls die BILD-Zeitung für Woke, die taz, zu titeln. „Eine Ausstellung in Berlin will die Härte des Ukrainekriegs erlebbar machen. Die Besucher:innen sind umgeben von Bildern von Tod und Zerstörung.“ Und ab geht‘s in die Geisterbahn: „Ein kaputter Helm baumelt von der Decke, er hat einmal einem russischen Soldaten gehört. Der Helm ist echt, kein Replikat. Wenn man genauer hinsieht, erkennt man einen Durchschuss: Der Soldat, der ihn trug, ist tot. Wer will, kann den Helm nicht nur ansehen, sondern auch anfassen.“ (Auch aufsetzen?) – Gott sei Dank war es ein russischer und kein ukrainischer Soldat! Wir haben es hier also mit einer Trophäe zu tun. (In einem Native American Tipi Camp des 18. Jahrhunderts hätte an dieser Stelle vermutlich ein Skalp gebaumelt.) Kleine PR-Idee für die ukrainische Armee: Vielleicht sollten Sie im Donbass spezielle frontnahe Freigehege einrichten für die am „Echten“ und „Erlebbaren“ interessierten woken Tourist:innen aus Berlin – Kriegssafariparks, alles zum Anfassen und in echt! (Gegen Eintrittsgebühr, versteht sich.) maritime Dienstleistungen [https://www.msn.com/de-de/nachrichten/politik/dieses-land-befindet-sich-auf-dem-tiefpunkt-der-tiefsten-barbarei-merz-attackiert-putin/ar-AA1WTw3h] Ein „umfassendes Verbot maritimer Dienstleistungen“ für Tanker mit russischem Rohöl an Bord wollte die EU in ihrem 20. Sanktionspaket gegen Russland durchsetzen. Hat bis vor Kurzem aber nicht geklappt, weil der übliche Verdächtige in Budapest immer wieder dazwischenfunkte. my own morality [https://www.nytimes.com/2026/01/08/us/politics/trump-interview-power-morality.html] “I don‘t need international law. [https://www.gamereactor.eu/trump-says-power-is-limited-only-by-my-own-morality-i-dont-need-international-law-1658593/] Yeah, there is one thing. My own morality. My own mind. It’s the only thing that can stop me.” So am 8. Januar zur New York Times der international outlaw Donald Trump. (Es ging um seine „völkerrechtlich umstrittene“ Aktion in Venezuela.) – ABER: Wie sang mal jemand [https://www.bobdylan.com/songs/absolutely-sweet-marie/]? „To live outside the law, you must be honest!“ Nahtoderfahrung [https://www.morgenpost.de/politik/article411007719/eu-gipfel-in-bruessel-europa-macht-die-nahtod-erfahrung.html] Gerne auch „Nato(d)erfahrung“ [https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/usa-nato-krise-deutschland-trump-li.10016554]. Die machte, laut Berliner Morgenpost, im Januar Europa angesichts „eines enthemmten US-Präsidenten, der nach dem Territorium eines NATO-Verbündeten greift und andere Alliierte mit Strafzöllen überziehen will. Eines drohenden Handelskriegs zwischen der Europäischen Union und den Vereinigten Staaten. Eines Verteidigungsbündnisses, das kurz vor der Implosion zu stehen scheint.“ – Kommen wir runter! So schlimm ist das alles auch wieder nicht: Die Forschung hat, laut Wikipedia [https://de.wikipedia.org/wiki/Nahtoderfahrung], „eine Reihe von Elementen und Gefühlen identifiziert, die typisch für Nahtoderfahrungen sind. Dazu gehören u.a.: die Erfahrung eines bewussten Seins ohne physischen Körper, Tunnel-, Licht-, Jenseits- und Weltraumerfahrungen, Gefühle von Liebe, Frieden, Geborgenheit und Schmerzlosigkeit.“ Wohlgemerkt: Gefühle von Liebe, Geborgenheit und Frieden! nukleares Latenzproblem [https://www.hartpunkt.de/das-nukleare-latenzproblem-in-europa-europaeische-nukleare-proliferation-erweiterte-abschreckung-und-nicht-nukleare-alternativen/] „Kommentatoren in ganz Europa fordern einen schnellen Vorstoß in Richtung Atomwaffen. Das Problem: Das ist weder kurzfristig machbar noch ohne erhebliche Risiken. Kein europäischer Nicht-Nuklearstaat – ob Deutschland, Italien, Schweden, Norwegen, Finnland oder Polen – verfügt über die zivile nukleare Infrastruktur, um schnell das für eine Bombe benötigte spaltbare Material herzustellen.“ So die Zeitschrift hartpunkt – Monitor für Defence und Sicherheitspolitik im März 2025. – Auf Deutsch: Ein (nukleares) Latenzproblem entsteht dann, wenn man schon will, aber noch nicht kann! (Oder darf.) Pfui-Bereich (keiner mehr) [https://www.nachdenkseiten.de/?p=140966] „Nach Liminskis Worten müsse aber auch ‚über nukleare Abschreckung‘ nachgedacht werden und der aufstrebende Wirtschaftsbereich der Verteidigungsindustrie sei ‚kein Pfui-Bereich‘ mehr“, so die WELT vom 22. Oktober 2025. „Damit setzt der Christdemokrat“, gemeint war der Chef der Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen und römische Katholik Nathaniel Liminski, „den Tenor beim Forum.“ Gemeint war das „Mittelstand Defense Forum“ der „Mission 2044“ in Düsseldorf. – „Pfui-Bereich“: Früher die dunkle Ecke (direkt neben der Pornosammlung), wo Bomben, Panzer und Rüstungsaktien standen. Da, wo nicht hinging, wer noch ein Gewissen hatte. Jetzt: der neue Zukunftsmarkt! Frisch renoviert, LED-Beleuchtung, Nachhaltigkeitssiegel, klimaneutrale Atomsprengköpfe. Und wer jetzt noch „Pfui“ sagt, entlarvt sich als Agent des Diktators im Kreml. Praxisnähe [https://www.berliner-zeitung.de/politik-gesellschaft/geopolitik/selenskyjs-drohnentour-mitten-im-krieg-wird-die-ukraine-zur-militaerischen-tech-macht-li.10030543] „Diese Geschwindigkeit und Praxisnähe können westliche Rüstungskonzerne mit ihren jahrzehntelangen Beschaffungszyklen kaum bieten.“ Denn: „Ukrainische Firmen innovieren ständig auf Basis von Echtzeit-Rückmeldungen von der Front. Waffensysteme, die im Kampf versagen, werden sofort aussortiert.“ Schwärmt die Berliner Zeitung. Und das Sahnehäubchen: „Auch die Reichweite ukrainischer Drohnen wächst. Militärbloggern zufolge können sie inzwischen rund 1750 Kilometer weit fliegen. Zum Vergleich: Das wäre wie von Berlin nach Finnland oder ins südliche Spanien.“ – Stellt sich nur noch die Frage: Legen sie den gefährlichen Weg „weit in die Tiefe des russischen Raumes“ über das feindliche Territorium zurück oder nicht doch bequemer über Polen und das Baltikum? (vgl. „Inspirationsquelle“, „kulturelles Problem“) Reifemoment [https://www.foks-allianz.de/wordpress/wp-content/uploads/2025/05/2025-1-Wittke.pdf] Nein, hier ist nicht von den Geheimnissen der Camembertherstellung die Rede – es geht, mal wieder, um die Ukraine! „Ein möglicher ‚Reifemoment‘ für Verhandlungen“ entsteht laut Dr. Cindy Wittke-Hohlfeld nur, „wenn die Ukraine militärisch so gestärkt wird, dass Russland keine Geländegewinne mehr erzielt.“ Bis dieses „Momentum“ erreicht ist und dem „von Russland angegriffenen Land“ westlicherseits das „Zeugnis der Reife“ ausgestellt wird, wird also noch etwas Wasser den Dnipro runterfließen … (vgl. „Möglichkeitsfenster“) schlapp [https://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Thiele-sieht-poroese-Verteidigung-Wir-sind-in-der-Ukraine-schon-an-einer-Grenze-article26127951.html] „Sie [die Russen natürlich!] stellen sich tatsächlich darauf ein, gegebenenfalls in einer Konfrontation mit dem Westen, einschließlich der USA, überlegen sein zu können. Das ist, glaub ich, der kritische Punkt. Man sieht, dass sie weitaus energischer diese Modernisierung betreiben als wir im Westen, die doch noch etwas schlapp dabei sind und versuchen, das moderat zu machen. Und das ist das, was mir Sorge bereitet.“ So der sich immer wieder sehr handfest – „sportlich“, „kneifen“, „reinspringen“ – ausdrückende Oberst a. D. Ralph Thiele über den neuen, nuklear angetriebenen russischen Marschflugkörper Burewestnik („Sturmvogel“). – Mit anderen Worten: klarer Fall für die „Generation Waschlappen“! Schwurbler Bequeme verbale Allzweckwaffe, um ein unbequemes Gegenüber verächtlich zu machen, ohne sich inhaltlich mit ihm auseinandersetzen zu müssen. – Also alles ganz simpel: Wer einen anderen einen Schwurbler schimpft, schwurbelt selbst. selbstgefälliges Wohlfühlpapier [https://www.berliner-zeitung.de/article/zwischen-pistorius-und-stegner-die-spd-sucht-nach-ihrer-verlorenen-seele-10036021] Das war laut dem damaligen Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses, Michael Roth, das von einigen SPD-Dissidenten Mitte 2025 verfasste „Manifest“ [https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/spd-verteidigung-manifest-ukraine-100.html], das für eine Abkehr von der Aufrüstungspolitik und eine Zusammenarbeit mit Russland warb. – Tja, da kann man nur mit Ricky Nelson [https://www.youtube.com/watch?v=E8yvEdKMRKA&list=RDE8yvEdKMRKA&start_radio=1] singen: „If you can‘t please everyone / you got to please yourself!“. (vgl. „Realitätsverweigerung“) verheerende Luftschläge [https://www.focus.de/politik/deutschland/deutschland-bereit-heute-nacht-gegen-russland-zu-kaempfen_7095671b-17c9-4be4-b51f-e8dc616c6072.html] Auf russisches Territorium. Würde die deutsche Luftwaffe durchführen. (Natürlich „hoffentlich nie“ und auch nur bei einem russischen Angriff auf NATO-Territorium!) Drohte der Chef der deutschen Luftwaffe, Generalleutnant Holger Neumann, neulich dem alten und neuen Feind. – Aber lieber Luftwaffenchef, warum mal wieder so gschamig? Da ist doch wirklich noch Luft nach oben: Vor nicht allzu langer Zeit versprach man noch, Moskau „auszuradieren“ oder wenigstens „dem Erdboden gleichzumachen“! (Das waren noch Männer!!) (vgl. „reingehen“) (wird fortgesetzt) Alle bisher erschienenen Folgen der Serie „Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit“ von Leo Ensel können Sie in dieser Übersicht finden [https://www.nachdenkseiten.de/?tag=woerterbuch-der-kriegstuechtigkeit] und diese auch einzeln darüber aufrufen. Leo Ensel: Wörterbuch der Kriegstüchtigkeit – Krieg heißt Töten. [https://mediashop.at/buecher/woerterbuch-der-kriegstuechtigkeit/] Wien 2026, Promedia Verlag, Taschenbuch, 168 Seiten, ISBN 978-3-85371-563-5, 20 Euro. Titelbild: © Tina Ovalle [https://tinaovalle.com/]

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Portada del episodio Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (27)

Leserbeiträge „Erinnerungen gegen den Krieg“ – Aufruf zum 8. Mai (27)

In dieser 27. Folge der Reihe „Erinnerungen gegen den Krieg“ hören wir von den Erlebnissen eines Pfarrers der „Bekennenden Kirche“ und seiner Verfolgung und die eindrucksvolle Geschichte über eine kleine Puppe. In der zweiten Geschichte erfahren wir von dem gesellschaftlichen Absturz eines U-Boot-Kommandanten, der sich nicht entnazifizieren lassen will, und von der Emanzipationsgeschichte seiner Tochter im Deutschland der Nachkriegszeit. Wir bedanken uns weiterhin von Herzen für die zahlreichen und berührenden Beiträge! Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. ---------------------------------------- Hier können Sie den ersten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150403], den zweiten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150464], den dritten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150486], den vierten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150605], den fünften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150632], den sechsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150671], den siebenten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150740], den achten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150816], den neunten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150812], den zehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=150802], den elften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151038], den zwölften Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151098], den dreizehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151156], den vierzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151209], den fünfzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151229], den sechzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151393], den siebzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151418], den achtzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151461], den neunzehnten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151530], den zwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151546], den einundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151551], den zweiundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151731], den dreiundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=151881], den vierundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152445], den fünfundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152535] sowie den sechsundzwanzigsten Teil [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152546] der Zusendungen unserer Leser nachlesen. ---------------------------------------- Das Püppchen Sehr geehrtes NachDenkSeiten Team, meine Frau und ich (Jahrgang 1955/1954) können aus den Erzählungen unserer Eltern und Geschwister nur erahnen, wie sich die Angst der Kinder im Krieg anfühlen muss. Mein Vater, evangelischer Pfarrer, war als Mitglied der „Bekennenden Kirche” den Schikanen durch den NS-Staat ausgeliefert. Seine Gottesdienste wurden von Spitzeln der Nazis überwacht. Ein dickes Aktenbündel veranlasste die Geheime Staatspolizei („Gestapo”), ihn zum Verhör nach Darmstadt in das Großherzogliche Palais, dem Sitz der Gestapo, vorzuladen. Ein gefürchteter Ort für alle, die sich nicht staatskonform verhielten und öffentlich gegen die Politik der Nazis Stellung bezogen. Das Ergebnis des Verhörs meines Vaters durch Georg Albert Dengler: „Eigentlich wollten wir Sie ja ins KZ stecken. Wir haben uns aber entschlossen, Sie noch einmal laufen zu lassen.” Unter Auflagen durfte er stattdessen als Sanitätssoldat am Russland-Feldzug teilnehmen. Er hat, wie durch ein Wunder, die Schrecken des Krieges und auch 3 Jahre russische Kriegsgefangenschaft überlebt. Er hat die Russen nie gehasst. Im Gegenteil! Er hat sich nach dem Krieg für dieses Land und seine Geschichte sehr interessiert. Bücher in seinem Bücherregal zeugten davon. Die Politik Willy Brandts („Vorbehaltloses Erkennen der Verbrechen, die von Deutschen und im Namen Deutschlands an anderen Völkern verübt worden sind, ist die erste Vorbedingung für eine Gesundung des deutschen Volkes.”) hat er mit vollem Herzen unterstützt. Ihm war sehr wohl bewusst, was die Deutschen den Russen angetan hatten. Meine Geschwister hat die Angst, die sie während der Abwesenheit ihres Vaters bei den nächtlichen Bombenangriffen durchlebten, die sie im Keller des Hauses verbracht haben (zusammen mit Nachbarn, die sich in diesem Keller immer einfanden), für ihr Leben gezeichnet. Unvergesslich ist mir eine kleine Geschichte, die sie bei passenden Gelegenheiten immer wieder erzählten: Sie waren auf dem Weg zur Schule. Sie saßen, zusammen mit anderen Kindern aus dem Dorf, auf der Ladefläche eines Milchautos, das sie zur Schule beförderte. Auf offener Straße wurde das Milchauto von Tieffliegern unserer heutigen „Amerikanischen Freunde” mit MGs beschossen. Das Milchauto stoppte. Die Kinder, in ihrer Todesangst, sprangen von der Ladefläche, krochen unter den Laster und suchten dort Schutz vor den Kugeln aus den MGs. Sie haben die Angriffe der Bomber im Keller sowie die Angriffe auf das Milchauto wie durch ein Wunder überlebt. Aber die Angst hat sie gezeichnet. Sie sind diese Angst ihr ganzes Leben lang nicht mehr losgeworden. Meine Mutter hat die erlebte Angst noch tiefer geprägt. Sie hatte die Hausdurchsuchungen durch die Nazis erlebt. Spitzel, die die Gottesdienste ihres Mannes überwachten, hatten diese durch entsprechende Meldungen an die Gestapo veranlasst. Besonders schlimm war es für meine Mutter, als sie bei einer dieser Durchsuchungen alleine mit den beiden Kindern war. Ein Buch von Martin Niemöller („Vom U-Boot zur Kanzel”) lag auf dem Nachttisch ihres Mannes. Vorn im Buch stand folgende Widmung: „Während der Haft des Verfassers und trotz polizeilichem Verbot in Pforzheim erstanden und seinem lieben Freund und Kollegen Friedel May zum 29. Juli 37 geschenkt”. Das Buch war also verboten, und wäre es den Nazis in die Hände gefallen, wären gleich zwei „dran gewesen”. Die Fenster des Pfarrhauses waren im ganzen unteren Stock mit starkem Eisen vergittert. Diese Eisengitter boten meinen Eltern und Geschwistern in den Zeiten des braunen Terrors einen gewissen Schutz. Die erlebten Ängste meiner Mutter hat diese für ihr weiteres Leben gezeichnet. Sie haben das ausgelöst, was man heute als eine schwere Angststörung bezeichnet. Im Haus, das mein Vater nach seiner Pensionierung bauen ließ, mussten einige Fenster vergittert werden. Nur so konnte sie sich einigermaßen sicher darin fühlen! Die Erzählungen meines Vaters haben dazu geführt, dass ich den Kriegsdienst verweigert habe. Meine Frau kennt aus Erzählungen ihrer Mutter ebenfalls „Geschichten der Angst”. Ihre hochbetagte Mutter (89) erzählte ihr vor Wochen folgende Geschichte: „Ich erinnere mich an einen eher traurigen Tag, irgendwann im Jahr 1944. Ich war damals 7 Jahre alt. Bombenalarm! Die Menschen, meist Frauen und Kinder, gingen zum Schutz in den Keller. Kerzenlicht. Wir sitzen auf Matratzen. Hier, in dieser angstvollen Atmosphäre, entsteht ein kleines Kunstwerk für mich, das mich ablenken und gegen meine Angst helfen soll: Mama bastelt mir, während die Menschen im Keller auf das Ende des nächtlichen Terrors warten, ein kleines Püppchen. Mama und ich haben das Püppchen zusammen gefertigt. Der Puppenkörper wurde aus Stoffresten in Wickeltechnik gefertigt. Das Gesichtchen wurde aufgestickt. Die Haare wurden aus ausgedienten Nylonstrümpfen gefertigt. Für die Kleidung fand vieles Verwendung. Aus einem Taschentuch, das abkömmlich war, wurde z. B. ein Röckchen genäht, vielleicht auch noch ein Oberteilchen dazu. Auch ein gehäkeltes Röckchen und Oberteilchen zum Wechseln bekam das Püppchen noch. Auch damals war man schon sehr kreativ. War kein Häkelgarn da, wurde zum Häkeln eben einfach Stopfgarn verwendet, das war fast immer verfügbar, da man es zum Stopfen von Socken verwendet hat. Trotz großer Sorgen, trotz Angst und Traurigkeit hat meine Mama es geschafft, diesen Tag für mich zu einem ganz besonderen Tag zu machen und mir ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern! Mein Papa ist nicht mehr aus dem Krieg zurückgekommen. Er war lange vermisst und wurde dann für tot erklärt. Sein Name steht in einer Chronik der Gefallenen des Zweiten Weltkriegs. Sie liegt in der Friedhofskapelle.” 82 Jahre später, in lieber Erinnerung an ihre Mama und „ihr Püppchen”, hat meine Mama, nachdem sie mir, ihrer ältesten Tochter, ihre Geschichte erzählt hatte, für ihre kleine Urenkelin (4 Jahre) ein solches Püppchen gefertigt. Das Püppchen [https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260626-das-Pueppchen.jpg] Die Angst der Mütter und Kinder hat diese gezeichnet. Viele für ihr ganzes Leben. Was Krieg wirklich bedeutet, haben sie am eigenen Leib bitter erfahren müssen. So, wie meine Eltern und meine beiden Geschwister. Und die Mama meiner Frau. Väter kamen nicht mehr heim. So, wie der Papa meiner Schwiegermutter. Wenn sie mehr Glück hatten und zurückkamen, dann nicht selten verkrüppelt. Oder traumatisiert. Oder beides. Wir fragen die für die Menschen in diesem Land Verantwortung tragenden Politikerinnen und Politiker und vor allem auch die Kirchen: Sollen unsere Kinder und Enkel erneut das durchleben und durchleiden, was ihre Vorfahren durchleben und erleiden mussten? Sollen sie wieder in Kellern Zuflucht suchen und Todesängste aushalten müssen, wenn die Bomber ihre vernichtende und zerstörende Fracht abwerfen? Soll diese Hölle erneut über sie hereinbrechen? Und soll dann, wenn genügend Menschenopfer dargebracht wurden und der Blutzoll als genügend hoch bemessen wurde, auf den Gefallenendenkmälern und -Chroniken erneut stehen, was eine große, unverschämte Lüge ist: „Für Volk und Vaterland”? Soll sinnloser Tod erneut gerechtfertigt werden? Uns scheint, etliche Damen und Herren, die nie selbst erleben mussten, was Krieg bedeutet, arbeiten mit Hochdruck daran … Mit freundlichen Grüßen Carmen und Ekkehard May ---------------------------------------- Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft kam der gesellschaftliche Absturz Liebes Team von den NDS – Ich habe lange gezögert, meine Erinnerungen aufzuschreiben – und dann schien es „zu spät“. Nun haben sie gestern einen neuen Bericht veröffentlicht, und das hat mich dann doch veranlasst, meine „Geschichte“ aufzuschreiben. (…) Geboren wurde ich 1950 als siebtes Kind in einer Zweizimmerwohnung in der „Wohnküche“ auf dem Sofa. An meine ersten Lebensjahre kann ich mich wenig erinnern, außer an die Armut. Nun zu dem, was ich eigentlich berichten will: Mein Vater war überzeugter Nazi – bis zu seinem Tod -, erst beim Reichsarbeitsdienst, dann als gelernter Seemann, hoher Offizier bei der Armee – erst auf einem Zerstörer vor Norwegen, zuletzt U-Boot-Kommandant in Asien, einer der wenigen, die es geschafft haben, wieder nach Europa zu kommen. (Viele von seiner Mannschaft haben Dankschreiben geschickt – einige habe ich in meinem Erinnerungskarton aufbewahrt – für wen?) Nach dem Krieg war er in französischer Gefangenschaft, wo es ihm, so seine Schilderungen, offensichtlich „ganz gut” ging im Lager, gemeinsam mit anderen Offizieren – den gemeinen Soldaten ging es offensichtlich nicht so gut! Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft 1948 kam der gesellschaftliche „Absturz“, zumal sich mein Vater nicht hatte entnazifizieren lassen wollen (es gab für ihn zwei Sorten von Vaterlandsverrätern – die einen, die geflüchtet waren, wie Willi Brandt zum Beispiel, die anderen, die sich nach dem Krieg haben entnazifizieren lassen (oder wie es das geflügelte Wort damals war, sich den „Persilschein“ geholt hatten), wie z. B. Filbinger). So konnte er in seinen Beruf bei der Handelsmarine nicht zurück und erst recht nicht in der „Ostzone“, da wäre er als Kriegsverbrecher (so seine Worte) verhaftet worden. Er holte seine Frau und die vier Kinder aus Thüringen (dahin war meine Mutter mit den vier Kindern aus Bayern geflüchtet und bei ihrer Familie untergekommen) nach Bielefeld in die Zweizimmerwohnung, wo ich dann – nach den Zwillingen 1949 – geboren wurde. (Seine Maxime – wo vier Kinder (es wurden dann gleich fünf) satt werden, da werden auch sieben satt. Wir wurden oft nicht satt! Mein Vater arbeitete dann als Bauarbeiter, stieg aber schon bald auf als Schachtmeister. Er war offensichtlich ein „guter Vorgesetzter“. Woran ich mich noch erinnern kann, war unser Umzug aus der Zweizimmerwohnung in ein „Behelfsheim“ an den Rand des Teutoburger Waldes. Eine spezielle Wohngegend – fünf/sechs Behelfsheime, ein umgebauter Bunker (Haus der 1.000 Betten), eine Siedlung für Ostaussiedler, die vor den „Russen“ geflüchtet waren, eine Neubausiedlung für die Familien englischer Soldaten und eine paar ganz normale Häuser. Angesichts der vor den Russen geflüchteten Ostaussiedler blühten die Gerüchte über die Gräueltaten der Russen, insbesondere gegen die Frauen. Der „Russenhass” blieb mir und meinen Geschwistern erspart, weil meine Mutter in Thüringen dem Einmarsch der russischen Soldaten ihr Leben verdankte. Aufgeben und die letzte Ölung erhalten, kam ein junger Offizier und sagte – so meine Mutter: diese Frau soll nicht sterben. Offensichtlich gab es auch unter den Russen gute Menschen! Wir Kinder mischten uns – nur die „Tommi’s“ (verächtlich „Inselaffen“ genannt) nicht und die behüteten Kinder der „Alteingesessen“, die wurden von den anderen ferngehalten. Die meisten von denen gingen dann nach der vierten Klasse auf weiterführende Schulen. Ich durfte das trotz guter schulischer Leistung nicht, weil Frauen ja sowieso heiraten und für die Familie (Mann, Kinder, Haushalt) „bestimmt“ sind, so die ideologische Haltung meines Vaters – ganz im Nationalsozialismus verhaftet. Also beendete ich die Volksschule nach acht Schuljahren, war dann „Haustochter“ bei einem Arztehepaar in Dortmund und war tagsüber mit einem zweijährigen Kind und dem Haushalt beschäftigt, durfte also schon mal „meine Bestimmung“ einüben. Mein Taschengeld gab ich dann für einen Schreibmaschinenkurs aus und lernte Stenographie. Anschließend eine dreijährige Ausbildung zur Kinderpflegerin. In dieser Zeit hatte ich das große Glück, zur Disco in die „linke Baracke“ eingeladen zu werden – und lernte hier, die Welt neu zu sehen. Ich besuchte abends Vorträge zur Geschichte und zum historischen und dialektischen Materialismus. Und ich fasste den Entschluss, weiter zur Schule zu gehen. Erst die mittlere Reife nachholen, dann am Kolleg Abitur. Dies war mir durch den Bau der Mauer möglich: Weil keine oder viel weniger Fachkräfte mehr aus der DDR in die BRD kamen, hat der Staat das elternunabhängige BAföG eingeführt, das hat mir diesen Weg eröffnet. Mein Vater hätte das niemals ermöglicht! Danach ein Stipendium der Stiftung Mitbestimmung – es war geschafft. Auf Studium und meinen weiteren Weg gehe ich hier nicht ein – es geht ja um die Nachkriegszeit! So viel noch: Mein ganzes Leben war ich in der Friedensbewegung aktiv und bin entsetzt, wie unser Staat die „Kriegstüchtigkeit“ propagiert. Noch eine Anmerkung zur aktuell wieder geführten Rentendebatte: Mein Vater war als Rentner gut „versorgt“, er bekam zusätzlich zu seiner „erarbeiteten“ Rente die sogenannte „Ausgleichsrente“, also die Differenz, die er als Offizier bekommen hätte. Ja, die BRD hat die Offiziere des Nazi-Regimes gut versorgt, die einfachen Soldaten hingegen nicht. In diesem Zusammenhang kommt mir die Erinnerung an das Buch von Roger Willemsen „Das hohe Haus“ und die Debatte zu den Rentenansprüchen der Zwangsarbeiter – beschämend! Soweit zu mir, ich danke den NachDenkSeiten für diese Initiative und die insgesamt gute Berichterstattung. Mit friedvollen Grüßen, (Anonym) ---------------------------------------- Titelbild: Gorodenkoff / Shutterstock

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