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Domino-Drama auf Curaçao: „Doppeltes Spiel“ von Frank Martinus Arion

1 min · 19 de jun de 2026
Portada del episodio Domino-Drama auf Curaçao: „Doppeltes Spiel“ von Frank Martinus Arion

Descripción

ZU VIERT UNTERM TAMARINDENBAUM Immer wieder wird nachgeschenkt. Bubu Fiel und seine drei Freunde stürzen den Rum runter, als sei‘s Wasser. Wie jeden Sonntag haben sich die vier zum Domino getroffen. „Doppeltes Spiel“ heißt Frank Martinus Arions Roman daher auch. Gemeinsam sitzen sie bei Bubu unterm Tamarindenbaum. Doch dieser Sonntag ist anders. Normalerweise wird groß palavert, und man drischt die Steine fluchend auf den Tisch. Bisschen Drama muss sein. Diesmal aber herrscht ein fast tödlicher Ernst. Chamon und Janchi ziehen Bubu und Manchi über den Tisch. Aber sowas von! Anfangs wird noch viel geredet, auch über die Kolonialzeit und die Politik, nach einer Weile aber wird taktiert und dabei gegrübelt: was jeden der Männer an genau diesen Dominotisch führte und wie es danach weitergehen kann. Doch am Ende liegt einer erstochen am Boden. MORD ZUM SONNTAG „Doppeltes Spiel“ erzählt von einem einzigen Sonntag auf der Karibikinsel Curaçao. Und entfaltet dabei ein ganzes Inselpanorama. Der Roman erschien im Original schon 1973, wurde aber erst vor einer Weile sehr lässig von Lisa Mensing ins Deutsche übersetzt. Der Roman ist die reinste Pracht: dramatisch, böse und auch sehr, sehr witzig. Erstaunlicherweise hat Arion diese Männerpartie „Den mutigen Frauen“ gewidmet. Warum das? Weil die Frauen der vier Dominosportsfreunde im Hintergrund nochmal ganz eigene Sachen abdealen. Muss man lesen! Ein moderner Klassiker von Curaçao. Ein domino-karibisches Fundstück.

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Portada del episodio Achtung, Achtsamkeit! Der neue Roman „Einatmen. Ausatmen.“ von Maxim Leo

Achtung, Achtsamkeit! Der neue Roman „Einatmen. Ausatmen.“ von Maxim Leo

Meditation, Yoga, Waldbaden, Energiearbeit, Ayurveda – das und noch einiges mehr bietet die „Academy“. Ausgebrannte Overachiever können hier regenerieren, aufstrebende Führungskräfte sich den Habitus der Empathie antrainieren. Marlene Buchholz hält zwar wenig von solchem Psychokram, aber sie wird von der Konzernleitung der „Aviola“ zur Teilnahme verdonnert. Denn manche Mitarbeiter werfen ihr einen kalten Führungsstil vor – ein Hindernis für ihren anstehenden Karrieresprung zur CEO des Unternehmens.  „Zuerst hatte sie es für einen Witz gehalten, aber dann merkte sie, dass Dr. Finckenstein es wirklich ernst meinte. ‚Sie gehen zu Alex Grow, ein ausgezeichneter Unternehmens-Coach’, sagte er. ‚Es gibt Intensivkurse, zwei Wochen lang in einem kleinen Schloss in Brandenburg. Danach sprechen wir uns wieder.‘“  Alex Grow – der Name ist Programmmusik, wie so vieles im neuen Roman des Schriftstellers Maxim Leo. AUGENZWINKERN UND TRÄNEN  Der Achtsamkeitsbetrieb mit seinem Jargon und seiner ganz eigenen Betulichkeit ist ergiebiger Stoff für Komödien. Maxim Leo liegt es jedoch fern, die Komik ins Schmerzhafte zu treiben. Ein bisschen Augenzwinkern – unbedingt. Etwa wenn ausgerechnet der Super-Coach Alex Grow, der äußerlich als Profi der Tiefenentspannung auftritt, seine innere Panik kaum noch kontrollieren kann.  Marlenes anfängliche spöttische Reserviertheit aber wird nach alter psychoanalytischer Manier bald als „Widerstand“ erkennbar: Die Business-Frau will nicht heran an ihre Gefühle, weil sie diese seit ihrer Kindheit zu verdrängen gelernt hat. Während einer Familienaufstellung in der Academy brechen dann die Tränen und Einsichten über sich selbst, ihre Mutter und die Kriegserlebnisse ihrer Großmutter nur so aus ihr heraus:   „Sie begann zu ahnen, wie das Drama der Großmutter, die Kälte der Mutter und ihre eigenen Beziehungsprobleme zusammenhingen. Sie verstand, dass das Böse durch die Generationen wandert, so lange, bis man sich ihm stellte. Dass ein Gefühl sich nicht mit Schweigen begraben ließ. Es war schwer für sie, das alles an sich heranzulassen.“ GÄNGIGE MUSTER UND THEMEN  Für Marlene mögen dies überraschende Enthüllungen sein. Nicht aber für die Leser, die an dieser Stelle des Romans kaum etwas anderes erwartet haben dürften als den zeitgemäßen Rekurs auf „transgenerationale Traumata“. Auch sonst reichert Maxim Leo den Plot mit gängigen Debattenthemen an. Da gibt es zum Beispiel in der Nähe des Schlosses ein Protestcamp im Wald. Dort ketten sich Demonstranten an die Bäume, damit diese nicht gefällt werden für den Bau einer riesigen Geflügelmastanlage.   Eine klaffende Leerstelle bleibt dagegen die Firma „Aviola“. Was wird dort produziert und welche Leistungen haben Marlene so weit nach vorne gebracht? Solche Details wären nicht unwichtig in einem Roman über eine Managerin. Maxim Leo begnügt sich mit ein paar austauschbaren Business-Sprechblasen. WUNDERSAME WANDLUNG Endgültig verliert der Roman die psychologische Bodenhaftung, wenn es um Marlenes wundersame Wandlung im Zeitraffertempo geht. Wichtigen Anteil hat dabei ihre rasch aufblühende Freundschaft ausgerechnet mit dem Hausmeister des Achtsamkeits-Schlosses. Günther Mattissen (man sieht den Schauspieler Charly Hübner in einer möglichen Verfilmung schon vor sich) gibt sich anfangs schroff, taut dann aber auf – ein liebenswerter Kauz mit dem Herz auf dem rechten Fleck.   Schon nach wenigen Stunden Bekanntschaft vertritt Marlene ihn am Sterbebett seiner Mutter und wird von der Verwirrten für die endlich gefundene Schwiegertochter gehalten – das ist ebenso rührend gemeint wie schief erzählt. Und wenn Marlene dann noch gemeinsam mit Mattissen Rehe befreit, fragt man sich, was für eine Vorstellung Maxim Leo vom Mindset deutscher Führungskräfte hat. Der Schriftsteller wird gelobt als „Garant für filmreife Geschichten“. Nur dass man dabei diesmal nicht ans große Kino denken sollte, sondern an den ZDF-Fernsehabend mit seinen Kulissen und Klischees.

Ayer4 min