SWR Kultur lesenswert - Literatur

Zen, Zorn und Zeitgeist: Kathrin Fischers „Achtsam geht die Welt zugrunde“

4 min · 18. elo 2026
jakson Zen, Zorn und Zeitgeist: Kathrin Fischers „Achtsam geht die Welt zugrunde“ kansikuva

Kuvaus

Jahrelang saß Kathrin Fischer auf dem Meditationskissen. Eifrig folgte sie den Anweisungen ihres Zen-Lehrers, auf der Suche nach mehr Gelassenheit in ihrem Leben. Geholfen hat es ihr nicht. Denn wenn etwas ihren polemischen Buchessay „Achtsam geht die Welt zugrunde“ antreibt, dann ist es Wut. Wut über eine immer kaputtere Welt, Wut über eine elitäre Mittelstandsgesellschaft, die glaubt, sie würde mit Atemübungen und einer Schale Yogitee dazu beitragen, die Welt zu retten.   GESCHÄFTSTÜCHTIGE KOMPLIZIN DES NEOLIBERALISMUS  Und vor allem Wut über das, was Kathrin Fischer [https://www.swr.de/kultur/literatur/die-ideologie-der-achtsamkeit-kathrin-fischer-100.html] die „Ideologie der Achtsamkeit“ nennt: Für die Podcasterin ist die boomende, geschäftstüchtige Meditationsindustrie mit ihren Sinnsprüchen und Dankbarkeitsritualen nichts anderes als eine Komplizin unserer neoliberalistischen Gesellschaft. Wer glaubt, gegen die Fehlentwicklungen und Missstände, die diese Spielart des Kapitalismus gerade hierzulande anrichtet, würde einem eine Achtsamkeitsapp helfen, liege gründlich falsch, so Fischer.  > Atemtechniken, Manifestationen und Fünf-Minuten-Meditationen helfen möglicherweise kurzfristig gegen die Angst, in München oder Berlin eine neue Wohnung suchen zu müssen. An der schier ausweglosen Situation ändern sie jedoch nichts. > > > Quelle: Kathrin Fischer - Achtsam geht die Welt zugrunde SÜNDENBOCK FÜR GESELLSCHAFTLICHE MISSSTÄNDE  Ganz genau, möchte man einwenden. Achtsamkeitspraktiken können einen, im besten Fall, in schwierigen Momenten ruhiger und gelassener werden lassen – was in unseren Zeiten der Vielfachkrisen ja nicht gerade wenig ist, oder? Aber wer hat behauptet, mit ihnen ließe sich die harte Realität ändern? Und, um Fischers Beispiel aufzugreifen, bezahlbarer Wohnraum herbeimeditieren?  In Kathrin Fischers Wutrede werden Achtsamkeitspraktiken zum Sündenbock für praktisch alles, was derzeit falsch läuft: Beispielsweise sollen sie die Isolation befördern, schließlich kümmerten sich Meditierende ja primär um sich selbst. Deshalb förderten sie auch Narzissmus, da sie unsere Abhängigkeit von unseren Mitmenschen leugnen und behaupten, unser Glück liege in uns selbst. Mehr noch: Achtsamkeit verstärke die Spaltung der Gesellschaft, schließlich nutze die neue Mittelklasse einschlägigen Praktiken, um sich von den unteren Schichten abzugrenzen. Was für diese die Flucht in populistische Rechtsparteien ist, sei für jene die Teilnahme am Zen-Retreat: ein kontraproduktives Hilfsmittel, mit einer immer kaputteren Wirklichkeit fertigzuwerden.  > Im Grunde verhält sich die achtsame Mittelklasse wie die Milliardäre, die sich mit Bunkern und Marsplänen auf eine apokalyptische Zukunft vorbereiten. […] Sie zieht in den inneren Bunker und nennt das Rettung der Welt. > > > Quelle: Kathrin Fischer - Achtsam geht die Welt zugrunde WUT ALS BESSERE QUELLE FÜR POLITISCHE VERÄNDERUNG?  Okay, jetzt atmen wir alle doch erstmal tief durch. Natürlich ist nicht alles falsch, was Kathrin Fischer schreibt. Ihre Kritik am scheinheiligen Einsatz von Achtsamkeitskursen in Unternehmen zum Beispiel. Oder an einer „achtsamen Mittelklasse“, die Solidarität und Diversität predigt, aber ihre Kinder dann doch lieber auf Privatschulen schickt. Oder Fischers Gesellschaftsdiagnose, von den wachsenden Vermögensungleichheiten bis zum Skandal einer kaputtgesparten Infrastruktur.   Aber genau hier wird es spannend: Falsch zum Beispiel sei es, so die 59-jährige Autorin, das Warten auf den wieder mal verspäteten Zug für Gelassenheitsübungen zu nutzen – wie es übrigens tatsächlich ein Schlaumeier in der Süddeutschen geraten hat. Besser sei es, die Wut dann zuzulassen, als Quelle für politische Veränderungen. Fragt sich nur, inwiefern der ungehemmte Ärger einer, sagen wir, wartenden Mutter mit quengelndem Kind mehr hilft als eine Runde Boxatmung. Und warum sollen sich Achtsamkeitspraktiken und politisches Engagement ausschließen? Denkt man an jene, die mit Wut und Empörung in der Politik auf Stimmenfang gehen – dann kann man sich bei den anstehenden Wahlen eigentlich gar nicht genug Gelassenheit wünschen.

Kommentit

0

Ole ensimmäinen kommentoija

Rekisteröidy nyt ja liity SWR Kultur lesenswert - Literatur-yhteisöön!

Aloita maksutta

30 vrk ilmainen kokeilu

Kokeilun jälkeen 7,99 € / kuukausi. · Peru milloin tahansa

  • Podimon podcastit
  • 20 kuunteluaikaa / kuukausi
  • Lataa offline-käyttöön

Kaikki jaksot

5713 jaksot

jakson Zen, Zorn und Zeitgeist: Kathrin Fischers „Achtsam geht die Welt zugrunde“ kansikuva

Zen, Zorn und Zeitgeist: Kathrin Fischers „Achtsam geht die Welt zugrunde“

Jahrelang saß Kathrin Fischer auf dem Meditationskissen. Eifrig folgte sie den Anweisungen ihres Zen-Lehrers, auf der Suche nach mehr Gelassenheit in ihrem Leben. Geholfen hat es ihr nicht. Denn wenn etwas ihren polemischen Buchessay „Achtsam geht die Welt zugrunde“ antreibt, dann ist es Wut. Wut über eine immer kaputtere Welt, Wut über eine elitäre Mittelstandsgesellschaft, die glaubt, sie würde mit Atemübungen und einer Schale Yogitee dazu beitragen, die Welt zu retten.   GESCHÄFTSTÜCHTIGE KOMPLIZIN DES NEOLIBERALISMUS  Und vor allem Wut über das, was Kathrin Fischer [https://www.swr.de/kultur/literatur/die-ideologie-der-achtsamkeit-kathrin-fischer-100.html] die „Ideologie der Achtsamkeit“ nennt: Für die Podcasterin ist die boomende, geschäftstüchtige Meditationsindustrie mit ihren Sinnsprüchen und Dankbarkeitsritualen nichts anderes als eine Komplizin unserer neoliberalistischen Gesellschaft. Wer glaubt, gegen die Fehlentwicklungen und Missstände, die diese Spielart des Kapitalismus gerade hierzulande anrichtet, würde einem eine Achtsamkeitsapp helfen, liege gründlich falsch, so Fischer.  > Atemtechniken, Manifestationen und Fünf-Minuten-Meditationen helfen möglicherweise kurzfristig gegen die Angst, in München oder Berlin eine neue Wohnung suchen zu müssen. An der schier ausweglosen Situation ändern sie jedoch nichts. > > > Quelle: Kathrin Fischer - Achtsam geht die Welt zugrunde SÜNDENBOCK FÜR GESELLSCHAFTLICHE MISSSTÄNDE  Ganz genau, möchte man einwenden. Achtsamkeitspraktiken können einen, im besten Fall, in schwierigen Momenten ruhiger und gelassener werden lassen – was in unseren Zeiten der Vielfachkrisen ja nicht gerade wenig ist, oder? Aber wer hat behauptet, mit ihnen ließe sich die harte Realität ändern? Und, um Fischers Beispiel aufzugreifen, bezahlbarer Wohnraum herbeimeditieren?  In Kathrin Fischers Wutrede werden Achtsamkeitspraktiken zum Sündenbock für praktisch alles, was derzeit falsch läuft: Beispielsweise sollen sie die Isolation befördern, schließlich kümmerten sich Meditierende ja primär um sich selbst. Deshalb förderten sie auch Narzissmus, da sie unsere Abhängigkeit von unseren Mitmenschen leugnen und behaupten, unser Glück liege in uns selbst. Mehr noch: Achtsamkeit verstärke die Spaltung der Gesellschaft, schließlich nutze die neue Mittelklasse einschlägigen Praktiken, um sich von den unteren Schichten abzugrenzen. Was für diese die Flucht in populistische Rechtsparteien ist, sei für jene die Teilnahme am Zen-Retreat: ein kontraproduktives Hilfsmittel, mit einer immer kaputteren Wirklichkeit fertigzuwerden.  > Im Grunde verhält sich die achtsame Mittelklasse wie die Milliardäre, die sich mit Bunkern und Marsplänen auf eine apokalyptische Zukunft vorbereiten. […] Sie zieht in den inneren Bunker und nennt das Rettung der Welt. > > > Quelle: Kathrin Fischer - Achtsam geht die Welt zugrunde WUT ALS BESSERE QUELLE FÜR POLITISCHE VERÄNDERUNG?  Okay, jetzt atmen wir alle doch erstmal tief durch. Natürlich ist nicht alles falsch, was Kathrin Fischer schreibt. Ihre Kritik am scheinheiligen Einsatz von Achtsamkeitskursen in Unternehmen zum Beispiel. Oder an einer „achtsamen Mittelklasse“, die Solidarität und Diversität predigt, aber ihre Kinder dann doch lieber auf Privatschulen schickt. Oder Fischers Gesellschaftsdiagnose, von den wachsenden Vermögensungleichheiten bis zum Skandal einer kaputtgesparten Infrastruktur.   Aber genau hier wird es spannend: Falsch zum Beispiel sei es, so die 59-jährige Autorin, das Warten auf den wieder mal verspäteten Zug für Gelassenheitsübungen zu nutzen – wie es übrigens tatsächlich ein Schlaumeier in der Süddeutschen geraten hat. Besser sei es, die Wut dann zuzulassen, als Quelle für politische Veränderungen. Fragt sich nur, inwiefern der ungehemmte Ärger einer, sagen wir, wartenden Mutter mit quengelndem Kind mehr hilft als eine Runde Boxatmung. Und warum sollen sich Achtsamkeitspraktiken und politisches Engagement ausschließen? Denkt man an jene, die mit Wut und Empörung in der Politik auf Stimmenfang gehen – dann kann man sich bei den anstehenden Wahlen eigentlich gar nicht genug Gelassenheit wünschen.

18. elo 20264 min
jakson Erzählen gegen den Tod: „Mein privates Glück“ von Michael Köhlmeier kansikuva

Erzählen gegen den Tod: „Mein privates Glück“ von Michael Köhlmeier

EIN GANZ PERSÖNLICHER ROMAN „Monika“, steht auf der Widmungsseite. Nicht „Für Monika“ oder „Für meine Frau“, sondern einfach nur „Monika“. Das ist viel mehr als jede Zueignung. Monika Helfer [https://www.swr.de/kultur/literatur/schriftstellerin-monika-helfer-ist-tot-100.html] ist alles, und sie ist auch Teil dieses Buches. Michael Köhlmeier [https://www.swr.de/kultur/literatur/michael-koehlmeier-die-verdorbenen-100.html] hat mit „Mein privates Glück“ einen ganz persönlichen Roman geschrieben, autobiographisch, ja, aber nicht in dem Sinne, dass da einer sein Leben erzählt und sich für besonders wichtig hält. Vielmehr ist es seine Familiengeschichte, die Erkundung der Existenz, ein Band voller Geschichten, aber so, dass der, der da „ich“ sagt, mehr Beobachter und Erzähler ist als Mittelpunkt.  Selbstverständlich kommt auch Monika Helfer, mit der Köhlmeier seit 1981 verheiratet war, als Gesprächspartnerin darin vor. Es ist von besonderer Tragik, dass sie kurz vor Erscheinen dieses großartigen Buches gestorben ist.   DIE FRAGE NACH GOTT  Die beiden waren ein äußerst produktives und sehr erfolgreiches Autorenpaar. Dass sie auch große Liebende waren, ergibt sich aus allem, was sie über die Liebe wussten und schrieben, und es ergibt sich erneut aus „Mein privates Glück“. Da kommt Monika Helfer als diejenige vor, die ihrem Mann rät, seine Träume aufzuschreiben. Oder die beiden diskutieren beim Frühstück darüber, warum es in Entenhausen keine Religion gibt.   „Nie gehen Onkel Donald und seine Neffen Tick, Trick und Track sonntags in die Kirche. Es gibt keinen Pfarrer, keinen Pastor, keinen Rabbi, keinen Prediger. Nie betet jemand. (…) Monika sagte: ‚Weil in Entenhausen nicht gestorben wird. Wo nicht gestorben wird, dort gibt es keine Religion.‘“   Die Frage nach Gott taucht immer wieder auf, so wie auch der Tod allgegenwärtig ist. All die Figuren, die einem bei der Lektüre ans Herz wachsen, sind längst tot: der Vater, die Mutter, die Großmutter, Tante Helga, Onkel Otto und so fort. Doch wenn er von der Beerdigung der Oma erzählt, ist sie, weil er nicht chronologisch vorgeht, im nächsten Kapitel wieder da und erzählt dem kleinen Michael blutrünstige Schauergeschichten. Das Erzählen – so die Erfahrung – überwindet den Tod. Und so sind sie allesamt Erzähler in dieser großen Familie.  DIE UNBEKANNTEN ELTERN  Köhlmeier beginnt damit, wie er, noch keine fünf Jahre alt, zusammen mit seiner Schwester in Lindau am Bahnhof von einem Mann abgeholt wird, der sein Vater ist und den er als „Herr Arnold Köhlmeier“ anspricht.  Weil die Mutter schwer krank war, nach einem Schlaganfall im Koma, halbseitig gelähmt und ihr Leben lang gehandicapt, wurden die Kinder für zwei Jahre zur Verwandtschaft nach Coburg gegeben. Auch die Frau, die in einem weißen Metallbett liegt, ist dem Jungen unbekannt.   „Niemand hatte mir gesagt, wer uns nach der langen Eisenbahnfahrt erwartet. Tante und Onkel, Großmutter und auch meine Schwester meinten, ich müsse doch wissen, dass ich einen Vater und eine Mutter habe. Weil doch jeder Mensch einen Vater und eine Mutter hat. Ich wusste es nicht.“  EINE BEREICHERNDE LEKTÜRE Von da aus aber entwickelt Köhlmeier seine Familiengeschichte. Alles, was er über den Vater mit seinen drei Geliebten, der seiner kranken Frau doch treu ergeben war, schreibt. Alles, was wir über das Leid der Mutter und die übrige Verwandtschaft erfahren, sind Liebeserklärungen, weil sie alle mit ihren Nöten, Ecken und Kanten in ihrer Unvollkommenheit erfasst und doch stark und würdevoll gezeichnet werden. Köhlmeier ist ein großer Erzähler. Er hat die Gabe, alles Unglück in einen schwebenden Glückszustand zu verwandeln, ganz ohne Kitsch und ohne Verlogenheit, indem auch die Lebenslügen zur Sprache kommen. So wird aus dem Leben mit all seinen Schicksalsschlägen ein „privates Glück“. Davon lesend zu erfahren, macht auf bereichernde Weise glücklich.

18. elo 20264 min
jakson Wie China Taiwan erobern könnte: „Wenn China angreift“ von Andreas Fulda kansikuva

Wie China Taiwan erobern könnte: „Wenn China angreift“ von Andreas Fulda

Binnen einer Woche könnte die Volksrepublik China die Insel Taiwan erobern und deren demokratische Regierung stürzen, um das Land, das die Kommunistische Partei Chinas als abtrünnige Provinz betrachtet, gewaltsam mit dem Festland zu vereinigen. Das ist das Ergebnis eines Szenarios, das der Politologe Andreas Fulda in seinem Buch „Wenn China angreift“ entwickelt. Einer Annexion des Inselstaates lässt er eine Seeblockade der chinesischen Streitkräfte vorausgehen. Als Anlass der militärischen Konfrontation dient der Absturz eines chinesischen Kampfjets über dem taiwanesischen Luftraum, den die militaristisch gesinnte Kommunistische Partei Chinas ausnützt, um ihren Angriff zu rechtfertigen und Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung zu schüren. Ein Propagandafeuerwerk wird gezündet und die innenpolitische Polarisierung in Taiwan zwischen der chinafreundlichen KMT-Partei und der demokratischen DDP geschürt, die auf der auf Unabhängigkeit und Souveränität des Landes besteht. DIE USA IM ISOLATIONISMUS GELÄHMT  Die USA, so die voraussetzungsreiche Grundannahme von Fuldas Szenario, würden sich im Fall eines chinesischen Angriffs nicht ausreichend für die Verteidigung der Insel engagieren, weil die Administration auf Isolationismus setzt. Chinesische Truppen könnten nach der Zerstörung amerikanischer Abhörstationen und des Internets an der Westküste Taiwans landen und den Präsidenten durch ein Spezialkommando entführen. Amerikanische und japanische Truppen kämen zur Verteidigung des Landes zu spät.   > Aus Angst vor nuklearer Eskalation schreckt der amerikanische Präsident vor dem Ziel einer kompletten Befreiung Taiwans zurück. > > > Quelle: Andreas Fulda - Wenn China angreift SZENARIO ALS WECKRUF Schließlich führten, so das Szenario, Demonstrationen innerhalb der USA gegen eine Kriegsbeteiligung zum Rückzug amerikanischer Truppen. Taiwan würde das Schicksal von Hongkong teilen, die Gesellschaft nach einer Annexion brutal unterdrückt. Die Medien würden gleichgeschalten, Dissidenten in Umerziehungslager deportiert. Das Ergebnis des chinesischen Sieges wären nicht nur Flüchtlingsströme von Taiwan nach Japan und in die USA, sondern die Hegemonie Chinas im Indopazifik und eine Schwächung des Westens gegen die Achse der Autokratien. Andreas Fulda entwickelt dieses Szenario einer chinesischen Annexion Taiwans als sogenannten „Weckruf“ und kritisiert, dass Chinas autokratisches System im Westen zu oft „weichgezeichnet“ werde.   GEGEN DEFÄTISMUS UND OPPORTUNISMUS  Auf die geopolitische Herausforderung antworte man mit „Defätismus und Opportunismus“.  > Wer aber gegenüber China, dem autokratischen Regime der KPCh, Appeasement betreibt, gefährdet damit Freiheit, Wohlstand und Sicherheit in Deutschland. > > > Quelle: Andreas Fulda - Wenn China angreift Vermutlich weil Fulda die deutsche Öffentlichkeit wachrütteln will, hat er sein Szenario bewusst überzeichnet: Zu schnell und wie geschmiert verläuft die militärische Eroberung des Landes, die USA schrumpfen zum Papiertiger, ihr angeblicher Isolationismus ist durch Trumps Interventionen in Venezuela und dem Iran längst widerlegt. Fraglich auch, ob der Westen tatsächlich in ohnmächtiger Appeasementpolitik verharren würde. Man sollte Andreas Fuldas „spekulative geopolitische Analyse“ daher nicht allzu alarmistisch nehmen. Sein plakatives Szenario zeichnet eine Dystopie. Seine Forderungen, dass sich Deutschland wirtschaftlich stärker von China entflechten und Taiwans Verteidigungsfähigkeit durch Waffenlieferungen unterstützen müsse, kann man dennoch unterschreiben. Der Westen muss mehr in seine Abschreckungsfähigkeiten investieren und auch Russland Paroli bieten, denn:  > Wenn Putin gewinnt, erhöht sich auch die Gefahr einer Invasion Taiwans enorm. > > > Quelle: Andreas Fulda - Wenn China angreift

16. elo 20264 min
jakson Die Autorin Anne Weber empfiehlt Robert Walser kansikuva

Die Autorin Anne Weber empfiehlt Robert Walser

DER AUTOR ALS STREUNER „Edith liebt ihn. Hiervon nachher mehr.“ – So beginnt Robert Walsers Roman „Der Räuber“. Den Roman verfasste Walser schon 1925 in mikroskopisch kleiner Kurrentschrift, veröffentlicht aber wurde er erst 1972. Der darin auftretende Räuber ist ein mittelloser Schweizer Schriftsteller, der in den Tag hineinlebt, mit den Frauen Edith und Wanda bekannt ist und sich mit kleinen Jobs über Wasser hält. EINE HERRLICHE ZUSAMMENHANGLOSIGKEIT Der Roman thematisiert das Schreiben selbst, erinnert etwa immer wieder daran, was noch zu erzählen sein wird. Zugleich ergeht sich der Text in zahlreichen Abschweifungen. „Ich bin entzückt und erstaunt über die Freiheit und Unerschrockenheit der Erzählweise Robert Walsers, auch über seine Sprunghaftigkeit“, sagt Anne Weber auf SWR Kultur. Sie selbst habe als Autorin bei Walser gelernt, „dass zwei Sätze, die aufeinander folgen, gar nichts miteinander zu tun haben müssen, auch keinen logischen Zusammenhang.“ Gerade aus dieser Zusammenhangslosigkeit entstehe „eine ungeheure Komik“.

14. elo 20261 min
jakson Konfliktreiches Coming-of-Age in Indonesien: „Bellende Katzen“ von Eka Kurniawan kansikuva

Konfliktreiches Coming-of-Age in Indonesien: „Bellende Katzen“ von Eka Kurniawan

SCHLÄFRIG ZUM ERSTEN MORGENGEBET Jeden Tag klopft der Vater an Sato Reangs Zimmertür. Draußen ist es noch dunkel, doch der Junge muss mit in die Moschee zum ersten Morgengebet. Wie Sato Reang das hasst! Überhaupt ist Schluss mit Kindheit, seit er beschnitten wurde. Er soll ein frommer Junge werden. Der Vater zerstört den Fußball und den Stoffaffen. Jetzt ist Schluss mit lustig. DER ERFOLG DES EKA KURNIAWAN Sato Reang wächst im westlichen Java auf. Von dort stammt auch der Autor Eka Kurniawan. Kurniawan wurde 1975 in Tasikmalaya geboren, auch genannt „the City of a Thousand Pesantrens“. Pesantrens sind Koran-Internate. Eka Kurniawan weiß also, wovon er schreibt. Heute lebt er in der Hauptstadt Jakarta und ist einer der wenigen indonesischen Autoren, die international erfolgreich sind. „Bellende Katzen“ ist sein dritter Roman, der ins Deutsche übersetzt wurde. Außerdem liegen sein Debüt „Schönheit ist eine Wunde“ und der Roman „Tigermann“ auf Deutsch vor. KRITIK AM STRENG REGELKONFORMEN ISLAM Indonesien ist das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit. Trotzdem spielt der Islam erst in Eka Kurniawans neuem Roman „Bellende Katzen“ eine Rolle. Jetzt allerdings die Hauptrolle! Darin erleben wir Sato Reang zunächst als kleinen Jungen, der seinen Kinderangelegenheiten nachgeht. Das klingt ein bisschen wie in René Goscinnys [https://www.swr.de/kultur/literatur/rene-goscinny-100-jahre-asterix-lucky-luke-100.html] „Der kleine Nick“. Mit der Beschneidung aber soll Sato ein „frommes Kind“ werden. Dadurch entwickelt er eine unheimliche Wut. „Ich lese den Roman als Kritik am fundamentalen, streng regelkonformen Islam, der mit der streng religiösen Erziehung sehr früh beginnt“, sagt SWR-Literaturredakteurin Anja Brockert. Zugleich lässt der Roman offen, ob es besser ist, regelmäßig zu beten oder das Beten sein zu lassen. Darin liegt seine große Stärke. FRISCH UND PRÄGNANT ÜBERSETZT „Der Roman ist aber kein Buch, das sich nur an Menschen richtet, die im Islam zu Hause sind“, betont Anja Brockert. Es ist eine Coming-of-age-Geschichte, die jeder gut lesen kann, auch weil der Autor Sato Reangs Entwicklung „psychologisch gut und überzeugend hergeleitet“ hat. Überhaupt liest sich der Roman sehr gut. „Der Roman klingt frech und auch bildreich, manchmal etwas märchenhaft, sehr umgangssprachlich“, so Brockert. „Auch die die deutsche Übersetzung von Sabine Müller liest sich nicht nur sehr flüssig, sondern auch frisch und prägnant.“

14. elo 202612 min