Halbzeitgedanken, der Podcast von und mit Frank Bencke.
Ein exzessives Leben!Mein heutiger Gast Kristi ist 1970 in den USA, in Kalifornien, geboren; dort auch zur Schule gegangen und aufgewachsen. Am 31.07.1983, kurz vor ihrem 13. Geburtstag, ist ihr (Halb-)Bruder Robert verunfallt und dabei ums Leben gekommen. Er war damals 18, riesengroß und bei den Marines. Zusammen mit zwei Kumpels war Robert übers Wochenende in seinem nagelneuen Mustang GT unterwegs, der viele PS, aber möglichweise einen Defekt hatte. In einer Kurve kam das Auto von der Straße ab und ist im Fluss gelandet, der einen ungewöhnlich hohen Wasserstand hatte. Dadurch ist die Familie komplett auseinandergefallen. Kristi hat ihre Eltern 3 Jahre lang fast nicht gesehen außer mal am Wochenende, weil die sich in ihr Geschäft (Computerbranche) stürzten. Die Therapie des Vaters war außerdem der Umbau des Wochenendhauses in den Bergen. Die Großeltern mütterlicherseits mochten Robert mehr als Kristi und hatten sie das auch spüren lassen. Trotzdem hat sie in der Zeit versucht, die Familie zusammenzuhalten und heute auch wieder ein super Verhältnis zu ihren Eltern. Seinerzeit war Kristi sehr dick, wog über 100 kg, wurde deshalb auch gehänselt und hatte eine schwierige Zeit. Kurz vor ihrem 16. Geburtstag ging sie dann mit ihrer Mutter zusammen nach Santiago und beide haben sich dort den Magen verkleinern lassen. Mit 15 ½ hatte sie den Führerschein und konnte somit mit 16 die Freiheit mit einem eigenen Auto genießen. Vorher hatte sie mit 14 schon ein Motorrad, was man in den USA auch ohne Führerschein fahren durfte. Als Teenager hat sie gelebt, dachte mit 30 könnte sie tot sein, war verrückt und abenteuerlustig, was sie heute immer noch ist. Allerdings bewertet sie jetzt das eigene Leben anders, da sie eine Familie und Kinder hat! Kristi wollte immer in Richtung Bühne gehen, hat sich das aber als Kind nie getraut, da ihr oft gesagt wurde, dass sie dick und hässlich ist. Darunter litt massiv ihr Selbstbewusstsein, obwohl sie auch abgenommen hatte. Sie hat dann viele Sachen ausprobiert, verschiedene Jobs gemacht, zahlreiche Erfahrungen in verschiedenen Richtungen gesammelt, konnte sich aber nicht fokussieren. Zwei Dinge wollte sie nie: in Europa leben ja, aber nie in Deutschland und auch nie mit Computern arbeiten. Ihre Großmutter hasste Italiener sowie Deutsche und auch ihr Vater, der mal bei der Luftwaffe in Deutschland stationiert war, mochte Deutschland/Deutsche nicht besonders. Jetzt ist sie in Deutschland und arbeitet in der IT. Ihre erste Ausbildung absolvierte Kristi in der Bühnenelektrik und ein Studium im Bereich Lichttechnik/-design. Danach wechselte sie in die Fachrichtung Musik zur Oper. Musik hat ihr ganzes Leben geprägt, ihre Eltern waren auch sehr musikalisch. Mit 7 lernte sie Klavier, mit 8 Klarinette und spielte fast täglich bis sie 17 war. Vor 5 Jahren hat Kristi sich das Gitarre spielen beigebracht und jetzt noch Ukulele; sie kann auch Saxophon und Posaune spielen. Immer schon war Kristi in einer Band und in Berührung mit klassischer Musik, in der Highschool auch im Chor. Mit 20 war Kristi mit einem Komponisten aus Washington, D.C. zusammen. Dort verbrachte sie den ganzen Sommer mit ihm, ist auch geblieben und besuchte eine “sauteure” Uni, die ihre Eltern bezahlten sowie auch die Wohnung. Dann begann die andere Geschichte in Baltimore: Kristi fing an allein Alkohol zu trinken, weil sie einsam war und zerrissen, fühlte sich damit aber erwachsen und hatte ein gutes Gefühl dadurch. In ihrer schönen Wohnung trank sie täglich, erst irgendwas, dann teure Weine, später 3-4 Bier plus eine halbe Flasche Wodka und irgendwann war es eine Kiste Bier und eine ganze Flasche Wodka. Ihre Eltern haben nie Alkohol getrunken, da es aus religiösen Gründen nicht gut angesehen und eigentlich verboten war. Kristi trank allerdings über viele Jahre (15) bis 2007 und das hat sie auch die Musikerkarriere gekostet. Gearbeitet hat sie trotzdem und ist auch betrunken Auto gefahren ohne, dass es jemand merkte. Regelmäßig ging sie zu den “Anonymen Alkoholikern”, hatte aber immer wieder Rückfälle, war mehrfach in Einrichtungen für max. 10-14 Tage, denn eine Langzeittherapie gab es in Amerika nicht und die Therapeuten waren auch nicht spezialisiert auf Suchterkrankungen. Am Ende war Kristi letztendlich Anfang 2007, nachdem sie sogar zwischendurch 2 Jahre trocken war mit Hilfe der “Anonymen Alkoholiker”. Ihr neuer Freund, ein Musiker und ebenfalls trockener Alkoholiker, mit dem sie fast ein Jahr zusammenlebte, hatte einen Rückfall und sie auch leider wieder mitgerissen. Irgendwann im Rausch hatte er ihr den Arm gebrochen. Damit hat sie noch gearbeitet und ist erst ins Krankenhaus als der Arm schwarz wurde. Obwohl sie ihn nicht verraten hatte, musste ihr Freund dafür ins Gefängnis, denn eine Freundin von den “Anonymen Alkoholikern”, die zufällig in dem Krankenhaus arbeitete, hatte dies durchschaut. Der Chirurg/Operateur in diesem Nobel-Krankenhaus hat ihr auf den Kopf zugesagt “das sei Verschwendung (die OP kostete 80.000 Dollar), weil sie ein absolutes Nichts ist, sowieso in einem Jahr tot und somit nicht sein Talent wert”. Dieser hatte natürlich gemerkt, dass Kristi Alkoholikerin ist, sie damit aber natürlich tief verletzt und wieder in Selbstzweifel gestürzt. Wieder zu Hause angekommen, war Kristi dann an dem Punkt, wo sie nicht mehr mit und nicht mehr ohne Alkohol leben konnte, wollte sich deshalb das Leben nehmen und trinken bis sie stirbt, hatte das Haus voller Alkohol und auch Zigaretten. Dann kam ihr Kollege/Freund, der 10 Jahre jünger und aus Deutschland war, um nach ihr zu schauen, weil er sich Sorgen machte. Er hat gesehen, wie schrecklich es bei ihr aussieht und gefragt “ob sie leben oder sterben will”, daraufhin ihre Tasche gepackt und sie mitgenommen, ihr versprochen, auf dem Weg Bier zu kaufen – was sie nie bekommen hat! In seinem Hotelzimmer haben sie 4 Monate zusammengelebt und einen kalten Entzug durchgezogen, der aber sehr gefährlich war und keinesfalls empfehlenswert! Täglich brachte er sie auch zu den “Anonymen Alkoholikern”. Nach und nach sind die beiden sich dann nähergekommen und haben sich ineinander verliebt. Kristi hat ihrem jetzigen Mann sehr viel zu verdanken und einiges von ihm gelernt, sich letztendlich für ihn scheiden lassen und ging mit ihm nach Deutschland am 17.12.2007 mit 2 Kartons. Ihr letzter Trinktag war der 22.07.2007! Jedes Jahr bekommt sie an diesem Tag eine Medaille/Münze von ihrem Mann, wie man sie auch von den “Anonymen Alkoholikern” zuerst nach einem Tag und dann in größeren Abständen erhält. Früher wollte Kristi nie Kinder, hatte auch mit 25 Gebärmutterhalskrebs und die amerikanischen Ärzte haben ihr darum die Hoffnung darauf genommen. Mittlerweile hat sie aber 2 Töchter -wenn auch spät- bekommen, Ivy mit 40 und Willow mit 44. Die beiden sind auch musikalisch: die Ältere spielt sehr gut Harfe und die Jüngere lernt gerade Schlagzeug. In den 15 Jahren ihrer Alkoholsucht hat sie leider die Musik vernachlässigt und alles, was sie gelernt hatte, war weg. In Deutschland ist Kristi aber auf Drängen ihres Mannes und über die Mitarbeit in einem Kirchenchor zum Glück wieder zur Musik gekommen. Dadurch hat sie, neben einem Sprachkurs, auch so gut Deutsch gelernt. Am Weitesten hat sie seinerzeit dann die Band “Feeling good” gebracht und Band ist für sie immer wie Familie. Heute ist Kristi mit zwei Musikprojekten unterwegs und zwar B51 North sowie BEAST 51, gibt Klavier- und Gesangsunterricht, singt auch in 2 Chören. Anderen Betroffenen gibt sie mit auf den Weg: „Akzeptiere Dich selbst, sei bereit Hilfe anzunehmen, gib nie auf und mach immer weiter, denn Du weißt nie was morgen passiert!“ Was Kristi in einer Sportsbar auf dem Tisch machte, sie in Italien erleben musste und wie BEAST 51 entstanden ist, erfahrt Ihr in der heutigen Sendung. Wollt auch Ihr Gast in meiner Sendung sein oder habt Fragen, dann schreibt mir einfach unter mail@halbzeitgedanken.de!
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