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Der Zorn ist echt, die Alternative nicht: Wie eine angebliche „Mitte“ den Boden schafft, den die AfD bewirtschaftet

14 min · 18 de jul de 2026
Portada del episodio Der Zorn ist echt, die Alternative nicht: Wie eine angebliche „Mitte“ den Boden schafft, den die AfD bewirtschaftet

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Millionen Menschen haben die AfD gewählt. Sie alle pauschal zu Rechtsextremen zu erklären, ist analytisch bequem, aber ist politisch falsch und löst Trotzreaktionen aus. Wer auf der anderen Seite Wählerentscheidungen als bloßen Hilferuf verharmlost, übersieht jedoch, dass Protest und Zustimmung zum Programm zusammenfallen können. Von Detlef Koch. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Eine Frage drängt sich auf: Wie konnte eine Partei sich zur vermeintlich letzten „Notbremse“ stilisieren, wenn doch ihre Wirtschafts-, Sozial- und Rüstungspolitik den mehrheitlichen Interessen der Bevölkerung widerspricht? Die Antwort beginnt nicht bei der AfD, sondern bei den Parteien, die seit Jahrzehnten an den wahren Interessen der Bürger vorbeiregieren. Die dissoziale Politik der selbsternannten Mitte Menschen erleben steigende Mieten, verfallende Schulen, die schleichende Erosion des Gesundheitssystems, unsichere Beschäftigung und eine marode Infrastruktur. Gleichzeitig lässt man die untere Hälfte der Gesellschaft schmerzhaft spüren, dass man selbst ihre einfachsten Bedürfnisse für unwichtig erachtet. Eine Untersuchung von Lea Elsässer und Armin Schäfer zeigte eindrücklich, dass das, was Bürger und Bürgerinnen mit geringem Einkommen in besonders großer Zahl wollten, eine besonders niedrige Wahrscheinlichkeit hatte, umgesetzt zu werden.[1] Haben wir eine „radikale Mitte“? Radikalität erwarten wir von der AfD und möglicherweise einem nicht unerheblichen Teil ihrer Wähler. Die sind hier aber gar nicht gemeint. Es geht vielmehr um etablierte Parteien, die Sozialabbau, Privatisierung, militärische Eskalation oder Grundrechtseingriffe als alternativlose Vernunft der „Mitte“ ausgeben. Besonders sichtbar wird diese Radikalisierung in der Sicherheitspolitik. Im März 2025 änderten Union, SPD und Grüne das Grundgesetz: Verteidigungs- und bestimmte Sicherheitsausgaben oberhalb von einem Prozent des Bruttoinlandsprodukts fallen nicht mehr unter die Schuldenbremse.[2] Wenige Monate später verpflichteten sich die NATO-Staaten, bis 2035 fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für militärische und sicherheitsbezogene Zwecke aufzuwenden.[3] Die damit verbundenen Risiken für den sozialen Frieden und den massiven Angriff auf Rentner und arme Menschen wurden ausgeblendet, oder Friedrich Merz bezichtigte die Bürger indirekt der Faulheit oder des Blaumachens. Die Energiepreiskrise hatte bereits 2021 begonnen. Russlands Angriff auf die Ukraine und die anschließende Eskalation des Wirtschaftskonflikts – insbesondere die von Russland 2022 auch als Reaktion auf westliche Sanktionen massiv gekürzten Gaslieferungen – verschärften sie dramatisch. Die hohe Abhängigkeit Deutschlands von fossilen Energieimporten – auch infolge eines zu langsamen Ausbaus erneuerbarer Energien – erhöhte die Verwundbarkeit gegenüber diesem Preisschock.[4] Im zweiten Halbjahr 2025 kostete Haushaltsgas 79 Prozent, Strom 23 Prozent mehr als vier Jahre zuvor.[5] Das wirkte auf gering entlohnte Beschäftigte, arme Rentner und kleine Betriebe wie eine Enteignung. Ähnliches gilt für die im Artikel 5 des Grundgesetzes geschützte Meinungsfreiheit. Viele Menschen erleben den Debattenraum verengt – selbst bei allgemeinen politischen Fragen oder harmloser Regierungskritik. Im Januar 2026 glaubten 36 Prozent der Befragten einer Mannheimer Studie, sich öffentlich zur Migrationspolitik nicht frei äußern zu können. 30 Prozent berichteten, ihre Meinung dazu bewusst zurückzuhalten.[6] Im öffentlichen Bereich sind die Werte besonders beim Völkermord an den Palästinensern mit 33 Prozent und bei Fragen ‚kultureller bzw. religiöser Vielfalt‘ mit 31 Prozent sehr hoch. Das ist nicht unberechtigt, denn jeder kann durch die „falsche Meinung“ ins Visier der Cancel Culture geraten und einen hohen sozialen Preis für seine Meinung bezahlen. Wähler sind nicht mit der Partei identisch Die AfD-Wählerschaft ist kein geschlossener Block. Im WSI-Erwerbspersonenpanel sind 51 Prozent der AfD-Wähler seit 2021 von einer anderen Partei gewechselt, 44 Prozent hatten sie schon damals gewählt. Die Studie findet Zusammenhänge mit Preisschockerfahrungen, Benachteiligungsgefühlen und Transformationssorgen. Zugleich sind ablehnende Einstellungen gegenüber Geflüchteten erheblich stärker verbreitet als in anderen Wählergruppen.[7] Die Wahl kann also zugleich Protest und ideologische Entscheidung sein. Laut Infratest dimap sagten 85 Prozent der AfD-Wähler 2025, nur mit dieser Partei ihren Protest ausdrücken zu können. 95 Prozent wünschten sich zugleich ihre Beteiligung an einer Bundesregierung.6 [https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2025-02-23-BT-DE/analyse-wanderung.shtml] Manche Wähler lehnen Waffenlieferungen, Sanktionen oder weitreichende US-Waffensysteme ab. Andere protestieren gegen hohe Energiepreise, die Corona-Politik oder das Gefühl, öffentlich nicht gehört zu werden. Wieder andere teilen nationalistische, rassistische oder antifeministische Positionen. Eine problematische Wahlentscheidung macht nicht jedes Motiv verwerflich. Wer Friedenssehnsucht, soziale Wut und demokratische Entfremdung unterschiedslos als rechten Reflex behandelt, treibt Menschen gerade jener Partei zu, die ihre Kritik für andere Ziele nutzbar macht. Der Kampf gegen arme Menschen Viele AfD-Wähler wünschen sich eine sichere, gerecht entlohnte Arbeit, Entlastungen für kleine und mittlere Einkommen, eine auskömmliche Rente und hochwertige Gesundheitsversorgung. Das AfD-Programm tarnt sich mit sozial klingenden Elementen wie etwa die Abschaffung der Krankenhaus-Fallpauschalen und höhere Freibeträge für arbeitende Rentner. Die verteilungspolitische Architektur des Programms bleibt reine Rhetorik und ist bei genauer Betrachtung eine Kampfansage gegen arme und alte Menschen. Die AfD will die Vermögens- und Erbschaftssteuer abschaffen, Unternehmenssteuern senken und das Bürgergeld „unattraktiver“ machen. Nach sechs Monaten Leistungsbezug sollen Erwerbsfähige zu gemeinnütziger Arbeit herangezogen werden. Für Ausländer soll der Zugang zur Grundsicherung massiv eingeschränkt werden.[8] Eine ZEW-Simulation der bezifferbaren Wahlversprechen ergab: Ein Alleinverdiener-Ehepaar mit zwei Kindern und 180.000 Euro Bruttojahreseinkommen würde um rund 19.190 Euro entlastet; bei 40.000 Euro errechnete das Modell ein Minus von 440 Euro.[9] Auch die parlamentarische Praxis widerspricht dem Bild einer Arbeitnehmerpartei. Im Ausschuss zur Erhöhung des Mindestlohns auf zwölf Euro enthielt sich die AfD 2022, und 2024 verlangte sie sogar eine Ausnahme vom Mindestlohn für ausländische Saisonarbeiter. Im Februar 2026 stimmte sie gegen das Bundestariftreuegesetz, das bei öffentlichen Aufträgen tarifvertragliche Arbeitsbedingungen verlangt.[10] Gleichzeitig beantragte ihre Fraktion die vollständige Abschaffung der Erbschafts- und Schenkungssteuer.[11] Aus berechtigter Wut über Ungleichheit wird so keine Umverteilung von oben nach unten, sondern eine Verteilung nach nationaler Zugehörigkeit – bei fortbestehenden Privilegien großer Vermögen. Gegen Krieg – aber für Völkermord? In der Russland- und Ukrainepolitik fordert die AfD, die Sanktionen aufzuheben und Nord Stream instand zu setzen. Sie will eine neutrale Ukraine außerhalb von NATO und EU und lehnt weitreichende US-Waffensysteme in Deutschland ab. Wer eine Eskalation fürchtet, findet hier Positionen, die die heutige Politik von Union, SPD und Grünen nicht vertritt. Diese Übereinstimmung darf man aber nicht als antimilitaristische Politik umdeuten. Das AfD-Programm verlangt Wehrpflicht, eine besser ausgestattete Bundeswehr, eine starke deutsche Rüstungsindustrie und offensive Cyberfähigkeiten. Es beschwört soldatische Tugenden und die „besten Traditionen der deutschen Militärgeschichte“. Markus Frohnmaier (AfD) kritisierte die Aussetzung deutscher Waffenexporte nach Israel und sprach sich im Einklang mit den „besten Traditionen der deutschen Militärgeschichte“ für eine Rüstungskooperation mit dem Staat aus, der unter Völkermordverdacht steht. Freiheit – aber nicht für alle Auch beim Thema Meinungsfreiheit greift die AfD reale Streitfragen auf. Sie will den besonderen Ehrenschutz für Politiker in Paragraf 188 des Strafgesetzbuches abschaffen, die staatliche Finanzierung von „Faktenprüfern“ beenden und den Einfluss von Parteien auf Medienunternehmen begrenzen. Darüber muss man streiten können, ohne jedes Argument durch seine parteipolitische Herkunft zu entwerten. Doch ihr Freiheitsbegriff bleibt selektiv. Das Programm will den öffentlich-rechtlichen Rundfunk „entideologisieren“, gendergerechte Sprache in staatlichen Stellen untersagen und Filmprojekte nicht wegen Themen wie Vielfalt, Klimaschutz oder Gender fördern. Zugleich sollen Einbürgerungsansprüche verschärft, das Geburtsortsprinzip zurückgenommen und soziale wie aufenthaltsrechtliche Ansprüche von Ausländern beschnitten werden. Meinungsfreiheit schützt das Recht, Gleichstellung zu kritisieren. Sie verleiht aber kein Recht darauf, anderen Gleichheit und Zugehörigkeit zu entziehen. Wie zynisch die strategische Nutzung gesellschaftlicher Krisen werden kann, zeigte 2020 der damalige Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion Christian Lüth. In einer ProSieben-Dokumentation wurde seine nach Senderangaben aus einem Gedächtnisprotokoll rekonstruierte und von Zeugen bestätigte Äußerung wiedergegeben: „Je schlechter es Deutschland geht, desto besser für die AfD. (…) Aber wahrscheinlich erhält uns das.“ Die Fraktion entließ ihn; inzwischen arbeitet er wieder für mehrere AfD-Abgeordnete.[12] Auch wenn ein einzelner AfDler nicht für alle Mitglieder oder Wähler spricht, sollte uns sein Satz zum Nachdenken bringen, denn wer vom Kontrollverlust lebt, hat wenig Anreiz, dessen soziale Ursachen zu beseitigen. Demokratie ist kein Konsumprodukt Die Antwort auf die AfD kann weder in der Verachtung ihrer Wähler noch in der Übernahme ihrer menschenverachtenden Ausgrenzungspolitik liegen. Auch die Umsetzung ihrer neoliberalen Wirtschaftspolitik zerstört das Vertrauen in den Staat. Wenn etablierte Parteien das Asylrecht menschenrechtswidrig gestalten, Aufrüstung der demokratischen Abwägung entziehen und soziale Unsicherheit als Herrschaftsinstrument nutzen, schüren CDU, CSU, SPD, FDP und Grüne Zorn, Gefühle der Ohnmacht und ein tief empfundenes Gefühl der Bedeutungslosigkeit. Kein Wunder, dass immer mehr Wähler den metaphorischen Molotov-Cocktail ihrer Empörung auf das Establishment werfen und sich in der Verwirrung des Herzens dabei auf rechte Parteien stützen. Unsere Demokratie als ein System, in dem normale Leute ausreichende Mittel besitzen, an den Entscheidungen teilzunehmen, die ihr Leben und das Wohl ihrer Gemeinschaft betreffen, kann nur verteidigt werden, wenn das gesamte, radikal antidemokratische System des Konzernkapitalismus vollständig abgeschafft ist und nicht, wenn man seine Paladine in die Parlamente wählt. Dazu braucht man Medien, die Macht kontrollieren, statt Regierungssprache zu vervielfältigen, einen Debattenraum, in dem Kritik an Krieg, Sanktionen, Migration oder Regierungspolitik nicht bekämpft wird, sobald diese Kritik die gleiche Würde aller Menschen achtet und fordert. Eine ethisch fundierte Demokratie verteidigt Minderheitenrechte auch gegen eine feindselige Mehrheit. Eine sozial gerechte Demokratie lässt nicht Einkommen und Vermögen darüber entscheiden, wessen Interessen zählen. Beides gehört zusammen. Menschenrechte ohne soziale Teilhabe bleiben für viele abstrakt; soziale Politik ohne universelle Rechte wird zum Privileg der jeweils Zugehörigen. Die AfD ist keine Notbremse Die AfD ist keine Notbremse, weil sie berechtigte Wut nicht in mehr Demokratie übersetzt, sondern in eine ausgrenzende Hierarchie überführen möchte. Wer ihr den Boden entziehen will, muss die Ursachen des Protests beseitigen, ohne Sündenböcke anzubieten. Umverteilung von oben nach unten, zivile Friedenspolitik, demokratische Kontrolle wirtschaftlicher und medialer Macht und die Wiederherstellung politischer Wirksamkeit. Demokratie ist kein Konsumprodukt, das man bei Nichtgefallen enttäuscht zurückgibt. Sie ist eine gemeinsame, schützenswerte Ordnung und bleibt nur demokratisch, wenn alle an ihr teilhaben können. Titelbild: nitpicker/shutterstock.com ---------------------------------------- [«1] Lea Elsässer/Armin Schäfer, 2017: Ungleiche Responsivität des Bundestags [«2] Deutscher Bundestag (2025) [https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2025/kw11-de-sondersitzung-1056228]: Mehrheit für Reform der Schuldenbremse: 512 Abgeordnete stimmen mit Ja. 18. März 2025. [«3] NATO (2026) [https://www.nato.int/en/what-we-do/introduction-to-nato/defence-expenditures-and-natos-5-commitment]: Defence investment and NATO’s 5% commitment. [«4] Kemfert, C. (2024) [https://www.bundestag.de/resource/blob/1030742/MAT-A-SV-1-02.pdf]: Stellungnahme für den 2. Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestages. Deutscher Bundestag. [«5] Statistisches Bundesamt (Destatis) (2026) [https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/03/PD26_111_61243.html]: Strompreise für Haushalte im 2. Halbjahr 2025 um 1,6 % gestiegen. [«6] Traunmüller, R. (2026) Meinungsfreiheit in Deutschland [https://www.uni-mannheim.de/media/Einrichtungen/gip/Bilder/Dokumente/GIP_Wie_tickt_Deutschland_3_Meinungsfreiheit.pdf]: Subjektives Empfinden und tatsächliche Erfahrungen. Wie tickt Deutschland? Zahlen, Fakten und Analysen aus dem German Internet Panel, 3/2026. [«7] Hövermann, A. (2025): Die Verdopplung des AfD-Elektorats. Erkenntnisse aus dem WSI-Erwerbspersonenpanel. WSI Study Nr. 42. Düsseldorf: Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut (WSI), Hans-Böckler-Stiftung. Infratest dimap (2025) [https://www.tagesschau.de/wahl/archiv/2025-02-23-BT-DE/analyse-wanderung.shtml]: Bundestagswahl 2025: Wie die Wähler wanderten. Analyse im Auftrag der ARD/Tagesschau, 24. Februar 2025. [«8] AfD: Bundestagswahlprogramm 2025 [https://www.afd.de/wp-content/uploads/2025/02/AfD_Bundestagswahlprogramm2025_web.pdf], S. 20–26, 60, 88–92, 100–111, 131–133, 145–175 [«9] Stichnoth, H., Blömer, M., Buslei, H., Peichl, A., Rausch, B. et al. (2025) [https://www.zew.de/fileadmin/FTP/gutachten/Bundestagswahlprogramme_ZEW_2025.pdf]: Reformvorschläge der Parteien zur Bundestagswahl 2025: Finanzielle Auswirkungen. Mannheim: ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung. [«10] Deutscher Bundestag (2026) [https://dserver.bundestag.de/btd/21/043/2104325.pdf]: Bundestag verabschiedet das Tariftreuegesetz. Berlin: Deutscher Bundestag. [«11] Deutscher Bundestag (2025) [https://dserver.bundestag.de/btd/21/028/2102804.pdf]: Antrag der Fraktion der AfD: Steuerfairness fördern – Erbschaft- und Schenkungsteuer abschaffen. Drucksache 21/2804 vom 13.11.2025. Berlin: Deutscher Bundestag. [«12] Zeit Online zum Lüth-Zitat, 28.9.2020; Tagesschau zu Lüths Rückkehr, 17.1.2026.

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episode Atom-Kooperation zwischen den Militärs in Deutschland und Frankreich ist längst gestartet artwork

Atom-Kooperation zwischen den Militärs in Deutschland und Frankreich ist längst gestartet

Das letzte Woche durchgeführte deutsch-französische Regierungstreffen im Rheinland, das unter Beteiligung von Militärminister Pistorius stattgefunden hat, erbrachte neue Impulse für das Verhältnis der beiden Staaten [https://x.com/de_deutschland/status/2078087319614050552]. Diese Vorhaben offenbaren sich als brandgefährlich, wenn man genau hinschaut und den Nebelkerzen der Propaganda nicht auf den Leim geht. Von Bernhard Trautvetter. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Laut der Website des Verteidigungsministeriums [https://www.bmvg.de/de/aktuelles/starkes-duo-fuer-europa-deutsch-franzoesischer-verteidigungs-und-sicherheitsrat-6121620] ging es unter anderem um einen „europäischen Standard für die vernetzte Gefechtsführung … um die Interoperabilität aller europäischen Luftkampfsysteme … und die gemeinsame Weiterentwicklung eines ‚Systems der Systeme‘ für die Zukunft“. Die von Militärminister Pistorius angestrebte Kriegstüchtigkeit nimmt zudem mit Elementen der Atomkriegsführung unmittelbar neue Formen an. Der Begriff ‚Kriegstüchtigkeit‘ unterstellt unausgesprochen, dass es noch menschliches Leben nach einem großen Krieg, an dem ja Atommächte auf allen Seiten der Krieg führenden Mächte in Europa beteiligt wären, geben kann. Die ZEIT berichtete am 16. Juli 2026, dass der deutsch-französische Verteidigungsrat vorsieht, erstmals Bundeswehrsoldaten an einem Nuklearmanöver Frankreichs zu beteiligen. Bestehende und geplante Kooperationen Aktuell entsteht eine nukleare Zusammenarbeit, über die Frankreich, Deutschland und Großbritannien [https://www.zeit.de/politik/ausland/2025-07/frankreich-grossbritannien-abkommen-atomare-abschreckung] verhandeln. Weitere Interessenten sind in diesem Zusammenhang Polen, die Niederlande, Belgien, Griechenland, Schweden, Dänemark und Norwegen. Deutschland und Frankreich haben ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit [https://www.zeit.de/2026/11/nukleare-abschreckung-europa-frankreich-emmanuel-macron-atomwaffen] bei der nuklearen Abschreckung erstmals praktisch erprobt. Zwei französische Rafale-Kampfjets [https://www.zeit.de/politik/deutschland/2026-06/fcas-kampfjet-projekt-deutsch-franzoesisch-europa] und zwei Eurofighter der Bundeswehr trainierten die Luftbetankung durch ein französisches Tankflugzeug, wie die Luftwaffe bestätigte. Die Kooperation hat längst begonnen, darunter fallen Übungen inklusive der Wartung französischer atomwaffenfähiger Flugzeuge durch Soldaten der Bundesluftwaffe. Oberst i. G. Gordon Schnitger beim Kommando Luftwaffe A1 II erklärte in Köln am 25. November 2026, dass die Luftwaffe bereits über sämtliche Kapazitäten verfügt, um schnell und präzise zu handeln: „Wir müssen die Fähigkeit beibehalten, einem potenziellen Gegner weh zu tun, nämlich wenn es um die Waffenwirkung tief im Hinterland des Gegners geht [https://wehrtechnik.info/luft-luft-und-luft-boden-praezisionsbewaffnung-was-die-luftwaffe-braucht/].“ Das Portal ‚deutschaland.de‘ berichtete am 17.7.2026 [https://www.deutschland.de/de/news/deutschland-und-frankreich-starten-atom-kooperation]: > „Mit einer gemeinsamen Luftwaffenübung haben Deutschland und Frankreich ihre im März vereinbarte Zusammenarbeit bei der nuklearen Abschreckung erstmals in die Praxis umgesetzt. Zwei französische Rafale-Kampfjets, die mit Atomwaffen bestückt werden können, und zwei Eurofighter der Bundeswehr trainierten unmittelbar vor dem Deutschlandbesuch von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron die Betankung in der Luft durch ein französisches Tankflugzeug. Am Rande der Tagung des deutsch-französischen Verteidigungsrats soll es heute auf dem Fliegerhorst Nörvenich bei Köln eine weitere Übung geben. Zudem ist vorgesehen, dass sich im Herbst erstmals deutsche Soldaten an einem französischen Nuklear-Manöver beteiligen.“ Kampfjets, atomare Schnittstellen und KI Die militärische Kooperation umfasst darüber hinaus auch die Weiterentwicklung und Anwendung Künstlicher Intelligenz [https://www.deutschland.de/de/topic/wirtschaft/ki-forscher-bjoern-ommer-interview] und der Satellitentechnik. Der Eurofighter ist und bleibt das Hauptkampfflugzeug der Bundeswehr für die sogenannte konventionelle Kriegsführung: Der Kampfjet hat die Aufgaben, die Luftkriegsüberlegenheit und mit ihr alle Aufgaben für Luft-Boden-Angriffe sicherzustellen Es geht um Angriffe mit vom Jet aus startenden Drohnen, um konventionelle Präzisionsangriffe, um elektronische Kriegsführung und um eine „Mehrrollenfähigkeit im Multi-Domaine-Krieg“: Durch Upgrades (z.B. Eurofighter ECR für elektronische Aufklärung) wird die Einsatzfähigkeit erweitert. Demgegenüber hat das F-35 Tarnkappen-/Düsenkampfflugzeug die Aufgabe, in der Tornado-Nachfolger Atomangriffe zu fliegen. Die F-35 ist die Schnittstelle für die in Büchel lagernden Nukleararsenale mit dem Namen B61-12. Die ersten Lieferungen erfolgten 2023, bis Mitte der 2030er-Jahre werden alle 35 F-35-Kampfjets einsatzbereit sein; was alles damit verbunden ist, deutet diese Information der Bundeswehr [https://www.bundeswehr.de/de/organisation/luftwaffe/sondervermoegen-luftwaffe/kampfjets-f-35-luftwaffe] an: Die Beschaffung derartiger Jets umfasst viele Schritte. Es beginnt mit der Planung, und es geht über die Auslieferung hinaus. In diesem Fall folgt auf die erste Auslieferung schrittweise die Aussonderung der Vorgänger-Jets, in diesem Fall der Tornados. Baumaßnahmen für den F-35-Campus in Büchel umfassen Hallen für die Instandhaltung der Jets, die Pilotinnen und Piloten benötigen ebenfalls Versorgungseinrichtungen, Technik für die Vor- und Nachbereitung von Einsätzen muss zur Verfügung gestellt werden. Olaf Scholz nutzte fünf Tage nach dem Beginn der russischen Invasion in die Ost-Ukraine seine Zeitenwende-Rede dafür, die Beschaffung dieser Kampfjets möglichst ohne Widerstand anzukündigen. Dass es bei den F-35 um die Vorbereitung eines Atomkriegs geht, das konnte nur Experten klar sein, die den Charakter der Kampfjets kennen. Verletzung des Zwei-plus-Vier-Vertrags Die nuklearen Kriegsstrategien deutscher Politiker und Militärs widersprechen unter anderem dem Zwei-plus-Vier-Vertrag zur Vereinigung der zwei deutschen Staaten, wie der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages [https://www.bundestag.de/resource/blob/1033578/e948df598a3602df26eb03356ac1e6ad/WD-2-060-24-pdf.pdf] erklärt: > „Kurzinformation: Atomare Bewaffnung Deutschlands und Zwei-plus-Vier-Vertrag – zwei deutsche Staaten. Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages erklärte in seinem Gutachten dazu: Der Zwei-plus-Vier-Vertrag enthält in Art. 3 Abs. 1 eine Verzichtserklärung der beiden deutschen Staaten in Bezug auf die Herstellung und den Besitz von Atomwaffen. Die durch die ‚alte‘ Bundesrepublik mit der Ratifikation des Nichtverbreitungsvertrages begründeten Verpflichtungen Deutschlands gelten laut Zwei-plus-Vier-Vertrag auch für das wiedervereinigte Deutschland fort.“ Die Atomkriegsstrategie der erwähnten NATO-Staaten und die weit gediehenen nuklearen Kooperationsformen, all das widerspricht nicht nur den international gültigen Texten zur Friedensordnung aller Staaten in gemeinsamer, weil gegenseitiger Sicherheit, sie stellen auch ein unverantwortliches Risiko für die Menschen in Europa und auch weltweit dar, da ihr Einsatz existenzielle Menschheitsgefahren bedeuten würde, die einzugehen niemand das Recht hat. Anstehende Aktionen Jetzt stehen die Aktionen zum mahnenden Gedenken an Hiroshima und Nagasaki an, dann der Antikriegstag und die vielen Friedensaktionen im September, darunter die in Essen [https://essener-friedensforum.de], dann am Tag der Vereinigung der beiden deutschen Staaten (3. Oktober) in Berlin und Stuttgart [https://nie-wieder-krieg.org/] sowie in Münster die Friedensaktionen gegen die Verleihung des Westfälischen Friedenspreises an die NATO [https://www.friedenskooperative.de/termine/protestaktion-zur-verleihung-des-westfaelischen]. Die online-Petition ‚Abrüstung jetzt [https://www.change.org/p/abr%C3%BCstung-jetzt?source_location=search]‘ zielt darauf ab, den Widerstand zu stärken, sie hat innerhalb der letzten Wochen jeweils ca. 1.000 Unterschriften erhalten. Das ist ein Anfang. Titelbild: Jahangir Alam Onuchcha / Shutterstock

22 de jul de 20267 min
episode Gesprächskreise – eine interessante und sympathische Erweiterung der NachDenkSeiten artwork

Gesprächskreise – eine interessante und sympathische Erweiterung der NachDenkSeiten

Am vergangenen Wochenende trafen sich rund 80 Vertreterinnen und Vertreter der NDS-Gesprächskreise im thüringischen Neudietendorf zum Gedankenaustausch, zum Kennenlernen und zum Auftanken. Zum zweiten Mal wurde das Treffen von Udo Fröhlich [https://nachdenken-in-suedholstein.de/] aus Schleswig-Holstein angeregt und organisiert. Anette Sorg ist für die Koordination der Gesprächskreise verantwortlich. Wir beide waren mit NDS-Freunden aus Speyer nach Neudietendorf gereist. Albrecht Müller. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Es gab Vorträge und Diskussionen, Musik und andere kulturelle Beiträge. Hier ist das Programm: [https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260721-Kurzbericht-Neudietendorf-programm.jpg]https://www.nachdenkseiten.de/upload/bilder/260721-Kurzbericht-Neudietendorf-programm.jpg Größere Teile sind auf Videos festgehalten. Einige Videos werden wir in den nächsten Tagen veröffentlichen. Zu Beginn des Treffens hatte ich einige Gedanken zur Einordnung und Bewertung der Gesprächskreise vorgetragen. In Kürze etwa so: Früher waren die Ortsvereine und Kreisverbände der Parteien oft die Träger von wiederkehrenden Versammlungen und Diskussionen auf örtlicher Ebene. Das findet heute kaum noch statt. Wo gibt es noch Ortsvereinsversammlungen von Parteien? Oder Kreisverbandskonferenzen mit Programm-Debatten? Die NachDenkSeiten-Gesprächskreise ersetzen jedenfalls zum Teil die ausgefallenen Debatten unter politisch interessierten Menschen. – Als ich vor 23 Jahren die NachDenkSeiten gründete, hatte ich noch nicht an diese Aufgabe gedacht und freue mich heute ganz besonders darüber, dass die NachDenkSeiten wenigstens ein bisschen helfen, die entstandene Lücke zu schließen. Übrigens, wenn Sie erfahren wollen, ob in Ihrer Gegend ein NachDenkSeiten-Gesprächskreis existiert, dann schauen Sie mal hier: Regionale Gesprächskreise [https://www.nachdenkseiten.de/?page_id=3921]. Und wenn es keinen gibt, dann könnten Sie sich ja mit ein paar Freunden oder Nachbarn zusammentun und einen solchen Gesprächskreis gründen. Dabei werden Sie und alle, die mitmachen, in der Regel gewinnen.

Ayer3 min
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Jens Spahn und die empfindlichen Politiker: erst austeilen, dann jammern

Spahn hat sich bei seinem Rücktritt auch über eine „Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung“ beklagt. Das ist ein klarer Fall von schwerer Heuchelei und der Masche „Haltet den Dieb!“. In den letzten Jahren wurde von vielen Politikern, Journalisten und Kulturschaffenden eine nochmals härtere „Hasssprache von oben“ gegen Andersdenkende kultiviert. Online-Hass vonseiten der Bürger ist ein Problem, aber die Ursachen der Verrohung sind zuerst bei den etablierten Meinungsmachern zu suchen. Ein Kommentar von Tobias Riegel. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Auf den Vorgang um die von Ex-CDU-Fraktionschef Jens Spahn in Anspruch genommene Leihmutterschaft und die daraus entstehende Doppelmoral ist Jens Berger bereits im Artikel „Spahn kauft sich ein Kind und Deutschland versinkt im Neofeudalismus [https://www.nachdenkseiten.de/?p=153830]“ eingegangen. Inzwischen ist Spahn vom Fraktionsvorsitz zurückgetreten – aber nicht ohne in seiner Erklärung zum Rücktritt [https://www.spiegel.de/politik/deutschland/jens-spahn-das-schreiben-zu-seinem-ruecktritt-an-die-cdu-csu-fraktion-im-wortlaut-a-58c2af8e-9fb4-4249-8024-44a097a35cc1] gegen den harten Stil eines Teils seiner Kritiker auszuteilen: > „Die zunehmende Unerbittlichkeit in der öffentlichen Auseinandersetzung hat mich sehr nachdenklich gemacht.“ Dazu sind (unter anderem) folgende Punkte anzumerken: Zum einen hat man den Eindruck, dass unsere Regierenden immer dünnhäutiger werden – dazu passt auch diese kürzliche Behauptung [https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-kein-bundeskanzler-vor-mir-hat-so-etwas-ertragen-muessen-a-c8cf97a6-fe6f-4f21-9600-f95204917df6] von Kanzler Friedrich Merz: > „Ich bin nur gelegentlich auf Social Media unterwegs. Aber wenn Sie mal schauen, was dort über mich verbreitet wird, wie ich da angegriffen und herabgewürdigt werde – kein Bundeskanzler vor mir hat so etwas ertragen müssen. Ich beschwere mich nicht darüber, aber so ist es.“ Dass Merz nach seiner indirekten Beschwerde über den teils (zu) drastisch geäußerten Bürgerunmut sagt, er beschwere sich ja gar nicht, macht den Eindruck einer einem Bundeskanzler unangemessenen Weinerlichkeit nicht besser. Zum anderen, noch wichtiger: Wir erleben im zunehmenden Maße eine Verrohung der politischen Kommunikation vonseiten mächtiger Politiker, etablierter Journalisten und pseudolinker Kulturschaffender. Das muss man als „Hasssprache von oben“ bezeichnen. Wenn man sich aus dieser Richtung über eine Verrohung der Gesellschaft beschwert, dann sollten diese Akteure zuerst mal den eigenen Beitrag dazu einräumen, sonst ist es ein Fall von schwerster Heuchelei. „Hasssprache von oben“ Vorläufiger Höhepunkt der Tendenz zu einer (im Vergleich zu manchen vorherigen Meinungskämpfen nochmals gesteigerten) „Hasssprache von oben“ war der Umgang mit, heute inhaltlich überwiegend bestätigten, Kritikern der unangemessenen und teils gefährlichen Corona-Politik. Dieser neue Zenit der giftigen Diffamierung Andersdenkender ging dann fließend und keineswegs abgemildert über in die harte Propaganda gegen Kritiker des selbstzerstörerischen antirussischen Wirtschaftskriegs und der militaristischen „Zeitenwende”. Es ist nicht akzeptabel, wenn Akteure, die sich an diesen beiden Kampagnen beteiligt haben, nicht nur eine Verhärtung der Kommunikation beklagen, sondern die Verantwortung dafür dann auch noch (allein) den wütenden Bürgerkommentaren im Internet in die Schuhe schieben wollen. Mit diesen Feststellungen wird der (real existierende) Online-Hass vonseiten mancher Bürger nicht gerechtfertigt: Ich finde, verrohte Diffamierungen sind auch abzulehnen, wenn sie Politiker treffen. Man kann (und sollte) auch dann seriös im Ton bleiben, wenn man in der Sache hart argumentiert. Es hat meiner Meinung nach auch jeder Beteiligte das Recht, juristisch gegen Beleidigungen oder falsche Tatsachenbehauptungen vorzugehen. Beide Seiten müssen ihre Verrohung in Zaum halten. Aber wenn ein privilegierter Mitverantwortlicher an der von oben vollzogenen gesellschaftlichen Zuspitzung die Zuspitzung beklagt, als habe er damit gar nichts zu tun, dann nutzt er die Masche: „Haltet den Dieb!“ Covidioten, Engel aus der Hölle, Lumpenpazifisten… Nochmal zur Verrohung „von oben“ – also zur tabubrechenden harten Sprache gegenüber politischen Gegnern aus einer privilegierten Position im Meinungskampf heraus: Diese Art der „offiziellen“ Verrohung, also wenn sie von Politikerkanzeln, etablierten Kulturbühnen oder aus großen Redaktionen kommt, ist noch einmal viel schädlicher als die „Hasssprache“ von kritischen oder auch extremistischen Bürgern im Internet, unter anderem wegen der negativen Vorbildfunktion. Darauf sind wir etwa im Artikel „Die Hasssprache im Mainstream: Menschen sind ‘Ratten’, ‘Dünger’, ‘Schweine’ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=90128]“ näher eingegangen. Innerhalb der Entwicklung der gnadenlosen Verhärtung der „offiziellen“ Kommunikation der letzten Jahre war wie gesagt die Zeit der unangemessenen Corona-Politik eine Klasse für sich, was die üble Diffamierung von Andersdenkenden durch Politiker, etablierte Journalisten und Kulturschaffende angeht – die meisten von ihnen haben sich für diese Hetze bis heute nicht mal entschuldigt. Gleichzeitig fragen sie sich heute mit vorgetäuschter Naivität, wo denn die „plötzliche“ gesellschaftliche und sprachliche Zuspitzung herkommt, obwohl sie doch selber zum großen Teil Urheber und Katalysator eben dieser Spaltungen sind. Auf dem während der Corona-Zeit erreichten verrohten Niveau der giftigen Diffamierung von Andersdenkenden wird nun von oben herab (unter anderem) gegen Andersdenkende bezüglich der Russland-, Energie- und Rüstungspolitik agiert. Diese Bürger mussten sich von hohen Politikerkanzeln und aus großen Redaktionen unter vielem anderen anhören, sie seien „Lumpenpazifisten“ [https://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/ukraine-krieg-der-deutsche-lumpen-pazifismus-kolumne-a-77ea2788-e80f-4a51-838f-591843da8356] oder „gefallene Engel aus der Hölle“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=102716]. Aktuell richtet sich zusätzlich eine inakzeptable Welle der Diffamierung aus einem Teil von Politik und Medien gegen Kritiker von Sozialkürzungen, gegen Benachteiligte oder auch allgemein gegen alle „Normalbürger“, weil sie angeblich zu wenig arbeiten oder mit nichtigen Gründen die Notaufnahmen der Krankenhäuser „verstopfen“ würden. Spahn, Thiel, Corona … Jens Spahn hätte übrigens schon viel früher gute Gründe für einen Rücktritt gehabt, unter anderem wegen seiner engen Kontakte zum Umfeld des radikalen US-Milliardärs Peter Thiel [https://www.nachdenkseiten.de/?p=152739] oder wegen seiner Rolle während der Corona-Politik [https://www.nachdenkseiten.de/?p=135077]. Insgesamt ist der Vorgang um Spahn und die Reaktionen darauf ein Paradebeispiel der doppelten Standards. Titelbild: blue spruce media / Shutterstock[https://vg01.met.vgwort.de/na/d78edd27956346258c2122a44cf32dd5] Mehr zum Thema: Spahn kauft sich ein Kind und Deutschland versinkt im Neofeudalismus [https://www.nachdenkseiten.de/?p=153830] Die Hasssprache im Mainstream: Menschen sind „Ratten“, „Dünger“, „Schweine“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=90128] Kanzler-Entgleisung: Pazifisten sind „gefallene Engel, die aus der Hölle kommen“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=102716] Die Panik der Meinungsmacher – Hemmungslose „Hasssprache von oben“ [https://www.nachdenkseiten.de/?p=120925] Die „Geisterfahrer“ der radikalen Mitte: Alles Extremisten – außer mir! [https://www.nachdenkseiten.de/?p=116590]

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Sparen bei den Armen, Milliarden für den Krieg, aber bitte kritisieren Sie das nicht!

Mütter und Alleinstehende seien in der Lage, „auch Arbeit aufzunehmen“ [https://taz.de/Kuerzungen-beim-Unterhaltsvorschuss/!6192588/]. Mit diesen Worten begegnete Friedrich Merz einer Frage bei der Sommerpressekonferenz, die die Kürzungen im Sozialbereich thematisierte, wie die taz berichtet. Konkret ging es um die Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss. Der Bundeskanzler sagte auch: Auf die „finanzielle Situation der Städte und Gemeinden“ müsse „Rücksicht genommen werden“. Halten wir fest: Die deutsche Regierung lässt gigantische Summen für ihr politisches Steckenpferd „Kriegstüchtigkeit“ fließen, schiebt riesige Geldmengen in die Ukraine, aber bei den Armen setzt sie den Rotstift an. Roderich Kiesewetter meinte kürzlich im Deutschlandfunk, man dürfe Soziales und Sicherheit nicht gegeneinander ausspielen [https://www.deutschlandfunk.de/kiesewetter-cdu-soziales-und-sicherheit-nicht-gegeneinander-ausspielen-102.html]. Politiker werden immer unverschämter. Ein Kommentar von Marcus Klöckner. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Wenn sich die Regierung herausnimmt, Milliarden und noch mehr Milliarden in Aufrüstung und Krieg zu stecken, dann sollte davon ausgegangen werden, dass es im Land keine Armut gibt und auch ansonsten alles in Butter ist. Wie jeder weiß: Dem ist mitnichten so. Altersarmut, Kinderarmut, Alleinerziehende, die kaum über die Runden kommen, Schlangen vor Suppenküchen, marode Schulen usw. Dringend braucht es hier Geld und eine Sozialpolitik mit Verstand. Was es folglich nicht braucht, ist eine Politik, die die Rüstungsindustrie bedient und meint, sich den Luxus eines Feindbildes leisten zu können. Die jüngsten Vorstöße, aufseiten der Armen zu sparen, offenbaren die Politik der sozialen Schande. Alleinerziehende, die aufgrund fehlender Unterhaltszahlungen auf Unterstützung vom Staat angewiesen sind, werden große Probleme bekommen, wenn dieses Vorhaben der Regierung umgesetzt wird. Konkret sind alle 16- und 17-Jährigen betroffen, das heißt: geschätzt 80.000 junge Menschen. Anders gesagt, gerade diejenigen Jungen, die in einem Alter sind, wo die Weichen in Sachen Bildungskarriere gestellt werden, könnten gezwungen sein, ihre Schulausbildung abzubrechen. Wer um Himmelswillen innerhalb der Regierung denkt sich so einen Mist aus? Ein Betrag, je nach Berechnung, von mehreren hundert Millionen Euro könnte so eingespart werden. Mehrere hundert Millionen Euro? Das klingt für den Normalbürger viel. Aber auf der Ebene der Politik, wo Milliarden in die Ukraine und die Aufrüstung fließen, sind diese Summen „Peanuts“. Für die Armen entscheiden allerdings die 394 Euro im Monat mehr oder weniger über ihr Leben. Welch eine Dreistigkeit, welch eine Unverschämtheit, dass die Regierung auf der einen Seite gar nicht genug Geld in so ziemlich das Destruktivste, was es auf diesem Planeten gibt, bereitstellen kann, während dort, wo Geldzahlungen konstruktiv im Sinne des Einzelnen und des ganzen Landes etwas Gutes bewirken könnten, mit dem Millimeterband bemessen werden. Kürzungen beim Unterhaltsvorschuss, beim Elterngeld, und gar der 25 Euro Kindersofortzuschuss soll gestrichen werden. Eine Verständnisfrage. Wenn Kiesewetter sagt, man dürfe Soziales und Sicherheit nicht gegeneinander ausspielen: Wer spielt denn hier etwas gegeneinander aus? Wenn einer etwas „ausspielt“, dann ist es die Politik. Aber überhaupt: „Sicherheit“? Was hat denn die 1 Billion Euro für Kriegstüchtigkeit mit „Sicherheit“ zu tun? Die Antwort ist offensichtlich: Nichts! Gar nichts! Diese Politik gefährdet nicht nur das Land – denn bei einem Krieg zwischen NATO und Russland dürfte hier kein Stein mehr auf dem anderen stehen. Sie gefährdet aber jetzt schon das soziale Gefüge in Deutschland. Aus der Armut von heute geht die Armut von morgen hervor. Nichts, und zwar wirklich gar nichts, ist daran schwer zu verstehen. Die Bundesregierung muss wissen, was sie sich hier leistet. Und das kann man ihr gar nicht oft genug vorwerfen. Titelbild: Mahmoud Mahdi Photo / Shutterstock[http://vg07.met.vgwort.de/na/6823e53ccef4484c94c04aabd8c363d7]

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Danger Dan und das ZDF – die Cancel Culture frisst ihre Kinder

Manchmal treibt die Debatte um die Cancel Culture schon seltsame Blüten. So geschehen an diesem Wochenende, als sowohl die klassischen Medien als auch große Teile der sogenannten sozialen Medien nur ein Thema kannten: Die Ausladung des Musikers Danger Dan aus der Satiresendung „Die Anstalt“ durch das ZDF. Schnell war von Zensur die Rede. Ein klassischer Fall von Cancel Culture? Nein. Erstaunlich ist vielmehr, dass die Verantwortlichen der Anstalt Danger Dan überhaupt eingeladen haben. Noch erstaunlicher ist, dass die Intervention des ZDF nun als Kotau vor der „politischen Rechten“ und Danger Dan als „linker“ Musiker bezeichnet werden. Ein Kommentar von Jens Berger. Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar. Begeben wir uns doch mal auf eine kleine Zeitreise. 1980 veröffentlichte die linke Punkband SIime das Lied „Wir wollen keine Bullenschweine“; ein Lied mit zahlreichen indirekten Aufrufen zu Gewalt. Zwar gab es einige Gerichtsverfahren gegen diesen Song, die jedoch alle im Sande verliefen. Das Lied war – wie es Danger Dan später formulieren sollte – von der Kunstfreiheit gedeckt [https://www.youtube.com/watch?v=Y-B0lXnierw&list=RDY-B0lXnierw]. Aber: Hätte sich in den 1980ern irgendwer vorstellen können, dass Slime dieses Lied im ZDF, beispielsweise bei Frank Elsners „Wetten das?“, live hätte vorführen dürfen? Natürlich nicht. Allein die Idee ist vollkommen abwegig. 2010 wurde das Lied übrigens 30 Jahre nach seiner Veröffentlichung dann doch auf Antrag des Landeskriminalamts Brandenburg indiziert. Jugendschutz sei in diesem Falle höher zu bewerten als die Kunstfreiheit. Externer Inhalt Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen. Inhalt von Youtube zulassen Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen Danger Dan – Keine Angst Indirekte Aufrufe zu Gewalt und zur Verletzung von Gesetzen gibt es auch in Danger Dans aktuellem Lied „Keine Angst“ [https://www.youtube.com/watch?v=Gg-SCpXba64&list=RDGg-SCpXba64] zuhauf, in dem er eine Art Anleitung zum Widerstand gegen die, die er „Nazis“ und „Faschisten“ nennt, gibt. Ähnlich wie Punkbands aus dem linksextremen Milieu kratzt er dabei textlich an den roten Linien des Erlaubten. Das ist legitim und gehört zu den Markenzeichen von Danger Dan und seiner Band Antilopengang. 2021 machte der Musiker sich bereits in seinem Lied „Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt“ über die rechtliche Situation derartiger Textzeilen lustig. Externer Inhalt Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen. Inhalt von Youtube zulassen Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen Danger Dan – Das ist alles von der Kunstfreiheit gedeckt Aber wie kommt ein ZDF-Format auf die Idee, Danger Dan eine Plattform für seine rechtlich zumindest grenzwertige Musik anzubieten? Um diese Frage zu beantworten, muss man schon ein wenig weiter ausholen. In zahlreichen Artikeln zum Thema wird Danger Dan als „linker Rapper“ bezeichnet. Nun will ich an dieser Stelle keine Diskussion darüber führen, was Rap-Musik ist. Zumindest ich würde Dans Musik jedenfalls nicht als Rap, sondern eher als klassischen politischen Chanson bezeichnet. Interessanter ist die Frage, ob seine Lieder tatsächlich „links“ sind. Und hier sind ernsthafte Zweifel angebracht. Dan und seine Antilopengang gehören vielmehr einer politischen Strömung an, die man als „Antideutsche“ [https://www.nachdenkseiten.de/?tag=antideutsche] bezeichnet. Antideutsche vermischen – kurz zusammengefasst – Versatzstücke linksextremer Positionen mit rechtsextremen Positionen bei den Themenkomplexen „Militär“, „Außenpolitik“ und vor allem „Israel“. Ihre großen Feindbilder sind neben den „klassischen Rechtsextremen“ auch Linke, die beispielsweise die rechtsextreme Regierung Israels oder den Völkermord an den Palästinensern in Gaza kritisieren. Der linke Aktivist mit der „Free Palastine“-Flagge steht für sie auf einer Stufe mit dem Skinhead und seinem „Ausländer raus“-Plakat. Auch Danger Dan macht aus dieser Baukasten-Ideologie mit links- und rechtsextremen Versatzstücken gar keinen Hehl. So bezeichnete er beispielsweise in seinem Lied „Oktober in Europa“ die rund 90.000 palästinensischen Opfer des israelischen Vernichtungskriegs in Gaza als „Schutzschilde der Hamas, Schutzschilde der Nachfahren der Juden-Vergaser“. Das ist starker Tobak, menschenverachtend und geschichtsklitternd. Externer Inhalt Beim Laden des Videos werden Daten an Youtube übertragen. Inhalt von Youtube zulassen Inhalte von Youtube nicht mehr zulassen Antilopengang – Oktober in Europa Dass ausgerechnet ein Antideutscher wie Danger Dan sich nun in die Opferrolle der Cancel Culture begibt, ist grotesk und schon fast wieder unfreiwillig komisch, zeichnen sich die Antideutschen selbst doch ganz besonders durch ihre Forderungen aus, politisch missliebige Veranstaltungen zu unterbinden. In den letzten Jahren gab es kaum eine Veranstaltung mit einem Referenten oder Künstler, der Israels Politik scharf kritisiert, die nicht mit dem Vorwurf des vermeintlichen „Antisemitismus“ von Antideutschen – meist mit Erfolg – verhindert wurde. Dass nun ein antideutscher Künstler selbst einmal ausgeladen wurde, ist in der Tat Ironie der Geschichte. Auf Englisch würde mal wohl „Karma is a bitch“ sagen – manchmal zahlt das Leben einfach mit derselben Münze zurück. So verständlich die Absage des ZDF ist, so unverständlich ist auf den ersten Blick die Einladung Danger Dans durch die Macher der Anstalt. Um was geht es eigentlich? Wollte die Anstalt, wie es unkritisch durch die meisten Berichte suggeriert wird, mit dem Lied ein Zeichen „gegen rechts“ setzen? Unwahrscheinlich. Gerade beim Thema „Israel“ hat die Anstalt bekanntlich schon länger selbst einen antideutschen Bias. Unvergessen ist diesem Zusammenhang die skandalöse „Iran-Folge“ [https://www.telepolis.de/article/Das-Iran-Dilemma-Die-Anstalt-zwischen-Profit-Propaganda-und-Pro-Imperialismus-11226096.html], die die Anstalt im März dieses Jahres ausgestrahlt hat und in der doch tatsächlich die Bombardierung Irans durch Israel und die USA gegen das Völkerrecht verteidigt wurde. Das hat durchaus System. Spätestens seit der „Zeitenwende“ versteht sich die ehemals kritisch-aufklärerische Sendung als großer Freund von Aufrüstung und Kriegen für „westliche Werte“. Wer Empathie für die Opfer dieser Kriege sucht, vor allem in Gaza, sucht vergebens. Die Einladung des antideutschen Chansoniers Danger Dan wirkt da schon fast wieder konsequent und es ist vollkommen richtig, dass das ZDF in diesem Fall diese Notbremse gezogen hat. Vor allem die (echten) linken Kritiker dieser Entscheidung sollten angesichts der Hintergründe vielleicht ohnehin ihre Kritik an dieser Entscheidung noch einmal überdenken. Gegen wen oder was singt Danger Dan denn in seinem Lied „Keine Angst“? Gegen Faschisten? Sicher. Nur gehört Danger Dan zu der Art Mensch, die überall Faschisten sehen, nur nicht dort, wo diese Faschisten sogar in der Regierung sind – in Israel. Dan und Co. deuten den Faschismusbegriff vielmehr frei um. Auch und vor allem Kritiker des Völkermords in Gaza sind für sie Antisemiten und Faschisten. Wenn einige gutgläubige Linke nun also kritisieren, dass Danger Dan im ZDF keine „Anleitung zum Widerstand“ singen darf, sollten sie aufpassen – denn es könnte gut sein, dass dieser „Widerstand“ sich auch gegen sie richten würde. Titelbild: Screenshot Danger Dan via YouTube[http://vg07.met.vgwort.de/na/ffa8eb919013429da7990f046df31ef4]

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