SWR Kultur lesenswert - Literatur

Kinderbücher im Wandel

8 min · 4 de jun de 2026
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Descripción

„Wer möchte eine Geschichte hören?“ In der Kita wird jeden Tag vorgelesen. Die Kinder sammeln sich um ein Buch oder wie hier vor dem Kamishibai, japanisch für „Papiertheater“, ein bühnenähnlicher Holzrahmen mit Flügeltüren, in dem großformatige Bildkarten stecken. Kinderbücher erzählen seit jeher, wie Erwachsene auf Kinder blicken – und was sie ihnen fürs Leben mitgeben wollen. Viele Kinderbuchhelden sind bis heute unsterblich: „Max und Moritz“, der Räuber Hotzenplotz, Pippi Langstrumpf, die Tigerente, das Sams. Mia kennt sie alle. Sie ist 8 Jahre alt und liest so viel, dass sie sogar ihren eigenen Podcast hat: „Mias Leseecke". Dafür ist sie gerade mit dem Deutschen Lesepreis ausgezeichnet worden. „Also im Moment taucht sehr oft Mut, Freundschaft und Umzug auch sehr oft auf, aber auch Magie“, erzählt Mia. VOM STRUWWELPETER ZUR MORALGESCHICHTE Das war nicht immer so. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts sollen Kinderbücher vor allem eins: belehren. Bis 1845 – da erfindet der Arzt Heinrich Hoffmann den „Struwwelpeter“: grotesk-grausame Geschichten in Reimform, die drastische Konsequenzen für unartige Kinder zeigen. > »Konrad,« sprach die Frau Mama, »ich geh aus und du bleibst da. Und vor allem, Konrad, hör! lutsche nicht am Daumen mehr; Fort geht nun die Mutter und wupp! den Daumen in den Mund. > > > Quelle: Heinrich Hoffmann - Struwwelpeter „Bauz! da geht die Türe auf, und herein in schnellem Lauf springt der Schneider in die Stub zu dem Daumen-Lutscher-Bub. Weh! jetzt geht es klipp und klapp mit der Scher die Daumen ab, mit der großen, scharfen Scher! Hei! da schreit der Konrad sehr.“ „Der Struwwelpeter“ – ein Horror-Kinderbuch? Seit über 180 Jahren ist er nicht totzukriegen. Fortan dürfen Kinderbücher auch unterhalten. Sie vermitteln dabei aber bürgerliche Werte und starre Rollenbilder. „DER GEHEIME GARTEN“ NOCH AKTUELL Sabine Bohlmann ist eine der bekanntesten deutschen Kinderbuchautorinnen. Ihr Lieblingsbuch ist aus dieser Zeit: „Der geheime Garten“. „Es ist ja wirklich alt. 1911 ist ja schon eine Weile her“, erzählt sie. Die Geschichte, in der ein Garten einem Waisenmädchen und ihren Freunden neue Hoffnung und Heilung schenkt, ist immer noch aktuell. Denn wie damals sorgen sich heute wieder Autor:innen über den Verlust der Einheit von Mensch und Natur. „So eine Geschichte, die mich so berührt und ich habe dann schon gemerkt, dass ich ähnlich schreibe. Nur weniger düster“, sagt Bohlmann. Seit über 20 Jahren erfindet sie für den Stuttgarter Thienemann Verlag Geschichten wie „Frau Honig“, „Der kleine Siebenschläfer“ oder „Ein Mädchen namens Willow“. WIE POLITISCH DÜRFEN KINDERBÜCHER SEIN? Nach dem Zweiten Weltkrieg verändert sich das Bild vom Kind radikal. Fantasie, Freiheit und kindliche Eigenständigkeit rücken in den Mittelpunkt. Rote Zöpfe, unbändige Kräfte, keine Eltern weit und breit – so ein freches Mädchen wie Pippi hatte die Welt noch nicht gesehen. Doch viele Klassiker stehen heute in der Kritik. Begriffe und Darstellungen gelten inzwischen als diskriminierend. Verlage reagieren: Pippis Vater ist heute ein Südseekönig, Winnetou-Kinderbücher wurden aus dem Programm genommen, Illustrationen von Jim Knopf verändert. Mit dieser Debatte beschäftigt sich auch Moritz Klein vom Peter-Hammer-Verlag. „Noch bis vor einem Jahr oder zwei Jahren hätte ich sofort gesagt, ja, auf jeden Fall alles umschreiben. Man muss das einfach wahnsinnig genau von Fall zu Fall prüfen. Bei Pippi Langstrumpf würde ich sagen, auf jeden Fall umschreiben.“ Mia und ihr Papa Marc sehen das ganz anders: „Also nein, weil das ist ja dann nicht mehr das Original. Und das fänd ich schon sehr schade, weil dann lernen Kinder halt auch nicht so das Originale kennen und wie der Autor es richtig geschrieben hat.“ Und: „Ich finde es wichtig, dass Sprache angepasst wird. Sprache ist ein ständiger Wandel. Ich glaube aber, es sollte einfach Hinweise in diesen Büchern geben, wenn die neu aufgelegt werden.“ Dass Verlage und Autoren heute viel vorsichtiger geworden sind, merkt auch Sabine Bohlmann. „Jetzt ist es mittlerweile schon so, wenn ich dann meine Geschichten meiner Lektorin gebe, dass der Verlag auch schon so ganz so in einer Hab-Acht-Stellung ist und sagt im Vorfeld schon, vielleicht sollten wir das schon rauslassen und das, weil vielleicht kriegen wir dann wieder einen Brief“, berichtet die Autorin. Davon will sie sich aber nicht beirren lassen. Sie schreibt weiterhin das, was ihr gerade zufliegt. Gelesen von Heidi, 4: „Wo ist Hasenkind? Da. Hasenkind. Hasenkind, flieg. – Und jetzt? – Bähh.“ ZWISCHEN TROTZ UND HALTUNG Kinderbücher sollen heute vor allem unterhalten, Empathie fördern und kindgerecht über Gefühle und Lebensthemen sprechen. Dabei bilden sie immer öfter das ab, was die Erwachsenen beschäftigt: Rassismus, mentale Gesundheit und auch die Vorliebe für Spannung. Eines der erfolgreichsten Kinderbücher der vergangenen Jahre ist „Das kleine böse Buch“ – ein interaktives Gruselbuch. > Hallo, schnell, ich brauche deine Hilfe. Kannst du mir helfen, böse zu werden? Ich meine, so richtig? Um genau zu sein, ähm … müsstest du jetzt nämlich für mich lügen. Blättere auf Seite 12. > > > Quelle: Magnus Myst - Das kleine böse Buch „Die Erwachsenen sind das Hindernis, was ausgeräumt oder geschickt mit List umgangen werden muss“, erläutert Moritz Klein. „Um jetzt ein bekanntes Beispiel zu nehmen aus unserer Verlagsgeschichte, unser bekanntestes Buch, „Das Buch vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“, das war ein Buch, was auf große Vorbehalte seitens der Elternschaft gestoßen ist und auch immer noch stößt, aber schlussendlich hat sich das Interesse der Kinder durchgesetzt.“ Und da liegen im Moment eindeutig im Trend: Schule und Magie, Dinos und Drachen. Als moderner Kinderbuchklassiker gilt mittlerweile Marc-Uwe Klings „Das NEINhorn“. Es behandelt humorvoll kindliche Trotzphasen. > „Seine Mähne war bauschig, sein Fell superflauschig. Sein Kopf, sein Schwanz, sein Horn, seine Füß … Alles an ihm war schnickeldischnuckelig süß! Trotzdem hatte es oft das Gefühl, am falschen Ort zu sein. Drum sagte es meist nichts, und wenn doch sagte es: Nein.“ > > > Quelle: Marc-Uwe Kling - Das NEINhorn Eine Moral sollen sich die kleinen Leser:innen selbst ausdenken. Doch egal ob mit oder ohne Botschaft – Hauptsache es gibt ein Happy End, findet Sabine Bohlmann. „Damit sie einfach Hoffnung schöpfen. Und es muss für mich humorvoll sein. Im Moment ist es mir wichtiger, dass Kinder lustige Sachen lesen, weil sie, glaube ich, schon mitkriegen, dass gerade die Welt ziemlich schräg und auch ein bisschen schlimm ist.“ KEINE TABUTHEMEN MEHR > „Furzipups der Knatterdrachen, hatte selten was zu lachen, nein, im Gegenteil, er hatte es meist ziemlich schwer. Jeder in der Drachenherde, alle Drachen dieser Erde, spucken Feuer bei Gefahr, nur Furzipups nicht, leider wahr. Er drückt, er prustet, läuft rot an, damit er Feuer spucken kann, dann qualmt’s ein bisschen, doch nur kurz und plötzlich kommt ein dicker …“ > > > Quelle: Kai Lüftner - Furzipups, der Knatterdrache Pupsen, Pipi, Popeln – heute gibt es so gut wie keine Tabuthemen mehr. Kinderbücher sind aber auch die erste Begegnung mit Kunst. Spielerisch erweitern sie den Wortschatz. Deswegen verlegt Moritz Klein im Peter-Hammer-Verlag besonders gern Kinderlyrik: „Wenn man aber das mal ausprobiert und mit dem Kind Lyrik liest, dann zeigt das ganz ungeheure und wunderbare und tolle Effekte.“ gelesen von Emmi, 9: „Dies ist Theodor Tatze, er backt Pizza für die Katze. hehe Ob ich ritze oder ratze, kritzel, schwitze oder schwatze, immer denk ich: Pizzakatze.“ KINDERLITERATUR WIRD ZUNEHMEND POLITISCHER Doch die aktuelle Entwicklung zeigt: Kinderbücher werden zunehmend politischer. Verlage setzen verstärkt auf Vielfalt, Toleranz und Umweltschutz. „Also dieser ganze Diversitätsdiskurs, der kommt jetzt stark ins Kinderbuch und das ist eine positive Entwicklung. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass Bilderbücher, Kinderbücher wieder didaktischer werden und eben dann vielleicht auch dieses Uneindeutige, das Zwiespältige ins Hintertreffen gerät wieder.“ Mia weiß, wie die Botschaften heute lauten: „Sei du selbst, sei mutig und verbieg dich nicht.“ Kinderbücher verraten heute also weniger, wie Erwachsene Kinder sehen, sondern eher, wie sie selbst gerne wären.

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Ein neuer Tech-Faschismus? „Der amerikanische Albtraum" von Klaus Brinkbäumer

Klaus Brinkbäumer hat Intellektuelle, Aktivistinnen, MAGA-Anhänger und Insider getroffen. Herausgekommen ist ein politisches Sachbuch, das zugleich Reportage, Analyse und persönliches Zeugnis ist. Manches hat die Realität bereits überholt: Der Krieg gegen den Iran taucht nicht auf. Die Morde durch ICE-Beamte in Minneapolis [https://www.swr.de/kultur/literatur/neue-texte-ueber-minneapolis-100.html] konnte er noch gerade im Vorwort unterbringen. Aber Brinkbäumer liefert kenntnisreiche Analysen, die zum Verständnis der aktuellen Situation beitragen.   „Dieser neue Faschismus ist nicht nur politisch. Er ist technologisch. Trump ist ein Kind des Internets, ein Meister der Algorithmik. Die Sozialen Medien sind sein Medium, nicht trotz, sondern wegen ihrer Verflachung“, beobachtet Brinkbäumer. > In der Welt der Sozialen Medien zählt nicht die Argumentation, sondern der Affekt; und auch nicht Tiefe, sondern Geschwindigkeit. > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum FÜHRERKULT 2.0 MIT DER LÜGE ALS WAFFE. Das Neue an diesem Faschismus, so Brinkbäumer, liege in den sozialen Medien, in der digitalen Infrastruktur der Propaganda. Doch diese Einschätzung lädt zum Widerspruch ein: Die Nazis nutzten seinerzeit das Radio, das für damalige Verhältnisse – gedrucktes Papier und Kundgebungen – ebenfalls eine neue Qualität darstellte. Die Technologie wechselt, aber die Mechanismen der Massensuggestion, die Lüge als Waffe, der Führerkult bleiben erschreckend konstant.  > MAGA: ‚Make America Great Again‘ ist eine Bewegung, die eher wenig denkt, sondern vor allem fühlt. Es gibt eine neue Sprache, die kaum mehr beschreibt, sondern befiehlt und gehorcht, attackiert und lügt, triumphiert und leidet.” > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum NOSTALGISCHES ERINNERN Brinkbäumer begreift den Liberalismus per se als Gegenspieler des Faschismus. Viele seiner Gesprächspartner, die fast alle der arrivierten Mittelschicht angehören, sehnen sich nach den alten USA der Vor-Trump-Ära zurück. Das ist verständlich, aber wenig zielführend: Denn Jahrzehnte einer neoliberalen Politik haben das Vertrauen in die Demokratie erschüttert und so die Grundlage für Trumps Aufstieg geschaffen.  > In der MAGA -Welt jedenfalls geht es nicht um tatsächliche Arbeit und Leistung, sondern um das nostalgische Erinnern an weiße Dominanz. > > > Quelle: Klaus Brinkbäumer – Der amerikanische Albtraum HERRSCHAFT UND PALANTIR-ÜBERWACHUNG  Kulturkampf eben. Brinkbäumer lässt sich, wie viele andere Trump-Gegner, auf dieses Terrain drängen. Er trägt außerdem Detailwissen zusammen, das nicht landläufig bekannt ist, etwa im Kapitel über Trumps Entourage: Elon Musk mit seiner Promiskuität, seinem Drogenkonsum, seinem rücksichtslosen Umgang mit Menschen, seinem Hang zur Selbstinszenierung, den er mit Trump teilt. Und im Hintergrund: Peter Thiel, Erfinder von Palantir, Mentor des Vizepräsidenten JD Vance und des Multimilliardärs Elon Musk. Thiel mag ein lausiger Redner sein, aber er ist ein effektiver Strippenzieher. Sein Motto: Freiheit und Demokratie sind nicht vereinbar. Stark sind auch die Kapitel zu den Methoden der Demontage demokratischer Institutionen. Hier warnt Brinkbäumer ausdrücklich vor der Überwachungstechnologie des Palantir-Konzerns, die in den USA großflächig zum Einsatz kommt. GROSSE RATLOSIGKEIT  „Das Zusammenspiel der Demokratien ist zwingend notwendig und alternativlos. Die EU und die NATO, all die genannten internationalen Organisationen sollten, nein: Müssen in neuer Entschlossenheit sagen: So, wie wir bisher agiert haben, ist es nicht gut genug, so verlieren wir. Wir brauchen eine neue, radikale Konstruktivität.“ Brinkbäumers Vision einer Alternative bleibt dünn. Auch viele US-Intellektuelle, die er getroffen hat, wirken ziemlich ratlos, wenn es um den Weg aus der Misere geht – und hoffen auf Europa. Sich dem Faschismus zu ergeben, ist für Brinkbäumer jedenfalls keine Option. Sein Buch ist ein diskussionswürdiger Aufruf gegen die Gleichgültigkeit, die er zu Recht als größte Gefahr für die Demokratie betrachtet.

12 de jul de 20264 min
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Entdeckung im Exilarchiv: Iwan Heilbuts „Zugvögel“

Der Schriftsteller Iwan Heilbut wurde 1898 in Hamburg geboren und entstammte einer alteingesessenen jüdischen Familie. Er arbeitete als Journalist, schrieb aber auch Romane, bevor er 1933, unmittelbar nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, nach Paris emigrierte. FLUCHT ÜBER DIE PYRENÄEN Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde Heilbut auch im französischen Exil als feindlicher Ausländer interniert. 1941 gelang ihm und seiner Frau über Spanien und Portugal die Flucht in die USA. Heilbuts Roman „Zugvögel“ erschien 1943 in englischer Übersetzung unter dem Titel „Birds of Passage“ und erhielt durchaus gute Kritiken. ENTDECKUNG IM DEUTSCHEN EXILARCHIV Heilbut, der 1950 nach Deutschland zurückkehrte und 1972 in Bonn starb, ist heute mittlerweile kaum noch bekannt. Nun hat Peter Graf, der mit seinem eigenen Verlag „Das kulturelle Gedächtnis“ immer wieder Entdeckungen ans Tageslicht bringt, Iwan Heilbuts knapp 700 Seiten starken „Zugvögel“-Roman im Claassen Verlag erstmals im deutschsprachigen Original herausgegeben. Das Skript befand sich im Deutschen Exilarchiv in Frankfurt am Main. FLUCHT UND HOFFNUNG Die stark autobiografisch grundierte Geschichte erzählt von Heimatlosigkeit und Exil, von Flucht, Angst und Hoffnung. Ein Buch, das sich auch wegen seiner großen literarischen und erzählerischen Kraft zu lesen lohnt, wie Herausgeber Peter Graf im Gespräch betont.

10 de jul de 20269 min
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Angelika Klüssendorf: „Ich kann gar nicht aufhören zu erzählen, was mich alles tröstet"

ZWISCHEN CORONA UND KRIEG Spätestens seit ihrer Trilogie „Das Mädchen“, „April“ und „Jahre später“ gehört Angelika Klüssendorf zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autorinnen der Gegenwart. Ihr neuer Roman „Trost“ spielt zwischen Dezember 2021 und Dezember 2022 – die Zeit der Corona-Pandemie also, aber auch jene Zeit, in der der Überfall Russlands auf die Ukraine stattfand. DEUTSCHLAND IN DER PANDEMIE Angelika Klüssendorf entwirft ein Wimmelbild von Menschen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher sozialer Prägung: Eine ostdeutsch sozialisierte Schriftstellerin und ihr Lebensgefährte, ein westdeutscher Rentner. Dessen siebzehnjährige Tochter, die kurz vor dem Abitur steht und mit den neuen Herausforderungen umzugehen hat, unter anderem mit der Entfremdung von ihrer besten Freundin. Und deren Mutter, die mittlerweile ein Leben ausschließlich in Netflix-Serien führt. SEHNSUCHT NACH NÄHE „Besonders mühsam und bitter war diese Zeit für junge Menschen“, sagt Angelika Klüssendorf. Eine Sehnsucht nach Nähe prägt jedoch alle Figuren in „Trost“; eine Sehnsucht, die auch mit familiären Erfahrungen in früheren Zeiten zu tun hat.

10 de jul de 20269 min
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Spielarten der Liebe: Lily Kings „Herz König“

Mit dem Roman „Euphoria“ landete Lily King im Jahr 2014 einen internationalen Bestseller. Das war ein Buch über die berühmte Ethnologin und Sozialforscherin Margret Mead. Gefeiert wurde Lily King auch für „Writers and Lovers“, einen autobiografischen Roman, in dem sie die Geschichte ihrer Schriftstellerwerdung erzählt. Campus-Dreiecksgeschichte Lily Kings neuer Roman „Herz König“ eröffnet wie eine konventionelle „Campus Novel“ und weitet sich dann zu einer Dreiecksgeschichte. Die Ich-Erzählerin studiert Literatur an einem College in Neu-England und lernt dort die beiden hochbegabten Kommilitonen Sam und Jash kennen. Man liest, man schreibt, man redet über Literatur. Ein berührendes Ende Im Kern jedoch, so SWR Kultur-Literaturredakteurin Anja Brockert im Gespräch, ist „Herz König“ eine Liebesgeschichte und ein Nachdenken über verschiedene Spielarten der Liebe. Und trotz aller Einwände, die man gegen die zum Teil klischeehaft gezeichneten Figuren formulieren könne, so Brockert, sei „Herz König“ letztendlich in seinen überraschenden Wendungen am Ende doch ein berührendes Buch.

10 de jul de 20266 min