SWR Aktuell Im Gespräch
Andreas Backhaus ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Er hat also die Entwicklung der Bevölkerung im Blick: speziell in Deutschland, aber auch weltweit. Zum Weltbevölkerungstag am 11. Juli hat er im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler einen Ausblick gegeben, wie es mit der Bevölkerungsstruktur in Deutschland und im Südwesten weitergehen könnte. BEVÖLKERUNGSRÜCKGANG AUF DEM LAND, WACHSTUM IN DER STADT "Eine zunehmende demographische Polarisierung nenne ich das mal", sagt Bevölkerungsforscher Backhaus. Das bedeute, "dass der ländliche Raum also stärker altern wird, zum Teil auch Bevölkerung verlieren wird, während die städtischen Räume weiterhin wachsen oder ihre Bevölkerung relativ stabil halten können." FACHKRÄFTE-LÜCKE MIT ZUWANDERUNG SCHLIESSEN? Backhaus sagt, dass die kommenden Jahrzehnte vielfache Herausforderungen durch den demographischen Wandel in sich bergen. Erst gehen nun mehr und mehr Menschen aus den "Babyboomer"-Jahrgängen in Rente, "die uns dann als Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter fehlen werden - und das in Millionenhöhe". Dieser Arbeitskräfte-Ausfall [https://www.swr.de/swr1/silverworker-auf-dem-vormarsch-wie-wir-erfuellt-laenger-arbeiten-koennen-arbeitsplatz-2025-10-04-100.html] ließe sich nicht allein mit den geburtenschwächeren Jahrgängen ausgleichen. Gleichzeitig entstehe noch mehr Bedarf für Arbeitskräfte, wenn die jetzt in die Rente gehenden Jahrgänge mittelfristig pflegebedürftig werden. "Das heißt, ohne Zuwanderung hätten wir einen sehr starken Rückgang der Erwerbsbevölkerung", sagt der Wissenschaftler. Zuwanderung ließe sich aber nicht gut planen – das hätten die Fluchtbewegungen aus Syrien und der Ukraine gezeigt. FACHKRÄFTE-MANGEL HAT VIELE GESICHTER – UND TRIFFT NICHT ALLE GLEICH STARK Der Fachkräfte-Mangel spielt für manche Wirtschaftsbranchen in Deutschland aber auch eine kleinere Rolle als bisher. Die staatliche Förderbank KfW berichtete im Juni, in Bereichen, in denen die Wirtschaft schwächele, würden weniger Menschen eingestellt - und deshalb weniger Fachkräfte gesucht. In der Industrie etwa hätten zu Beginn des zweiten Quartals nur noch 14 Prozent der Unternehmen von Engpässen berichtet. Vor vier Jahren waren es mehr als 44 Prozent. Das strukturelle Angebot an Fachkräften hat sich dagegen laut KfW kaum verbessert. Bauwirtschaft und Dienstleistungsbranchen, wie die Gastronomie, klagten weiter über Engpässe. Die Förderbank geht davon aus, dass sich der Mangel an Spezialisten wieder verschärft, wenn sich die konjunkturelle Lage bessert. ARBEIT IN DER PFLEGE BELIEBTER ALS ZULETZT In vielen anderen Ländern wirbt die Politik um junge Menschen, die als Pflegekräfte nach Deutschland kommen sollen. Gleichzeitig soll der Beruf attraktiver werden. Tatsächlich sehen die meisten Pflegerinnen und Pfleger in Deutschland ihre Arbeit als sinnvoll an - zugleich aber auch als frustrierend [https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/mannheim/studie-sozialer-roboter-in-mannheimer-pflegeheim-100.html]. Das zeigt eine Befragung des Deutschen Berufsverbands für Pflegeberufe. Demnach gaben in einer Umfrage aus dem Mai 83 Prozent der befragten Pflegekräfte an, dass der Beruf sie erfüllt. Allerdings halten nur wenige von Ihnen das Ansehen von Jobs in der Pflege für gut. Rund drei Prozent sind der Meinung, dass sie für ihre Arbeit genügend Wertschätzung erhalten. WETTBEWERBSNACHTEILE FÜR OSTDEUTSCHLAND? Zugewanderte Fachkräfte wollen laut einer Studie aus dem April nicht in den ostdeutschen Bundesländern leben und arbeiten. Wie das arbeitgebernahe Institut der Deutschen Wirtschaft schreibt, lag der Anteil der Zuwanderer an den Fachkräften in diesen Ländern unter neun Prozent. In Baden-Württemberg und Hessen waren es dagegen über 20 Prozent, in Berlin, Bremen und Hamburg sogar rund 25 Prozent.
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