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„Mit leiser Stimme“ – Subtiler Film über Queerness in Tunesien

3 min · 9. juli 2026
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Beskrivelse

HEIKLE REISE ZUR FAMILIE NACH TUNESIEN Lilia, eine junge Frau aus Tunesien, liebt eine Französin. Von Paris aus reisen beide nach Karthago zur Beerdigung von Lilias Onkel. Für Lilia, die Hauptfigur des Films, ist dies eine Rückkehr zu Familie und Heimat, für die andere ein Verlassen der Komfortzone. Da Homosexualität in Tunesien als Straftat gilt, verbergen die beiden Frauen ihre Beziehung. Doch der Skandal ist bereits vor ihrer Ankunft da: In Lilias Familie konnte niemand ernsthaft behaupten, nichts von den homosexuellen Beziehungen des verstorbenen Onkels gewusst zu haben, die hinter einer Scheinehe verborgen waren. Lilias Mutter Wahida (gespielt von Hiam Abbass) und Tante Hayet wussten immer von der Homosexualität des Onkels, haben jedoch versucht, sie vor der Großmutter Néfissa geheim zu halten. Sie hätte einen Skandal für die Familie bedeutet. Doch eines Tages wurde der tote Onkel nackt auf der Straße gefunden. STILLSCHWEIGEN ÜBER „ENTEHRENDEN“ TOD Der dritte Spielfilm der Tunesierin Leyla Bouzid beginnt wie ein Kriminalfilm. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, ihrer Tante und ihrer Großmutter, die über diesen die Familie in der Nachbarschaft „entehrenden“ Tod Stillschweigen bewahren wollen, versucht Lilia, mehr über die Umstände des Todes ihres Onkels herauszufinden. Gespickt mit undurchsichtigen Hinweisen und unausgesprochenen Wahrheiten führt die Spur, der die Hobbyermittlerin folgt, durch die wenigen Orte der Stadt, in denen sich eine schwule Subkultur auslebt, zum Haus eines ehemaligen Liebhabers des Verstorbenen und in ein Dorf im Hinterland. Es ist eine Reise durch ein Tunesien, das unsichtbar gemacht und kriminalisiert wird, gezwungen, in Vorsicht und Schweigen zu leben. Die Kontrolle, die Lilia zu Beginn aufrechtzuerhalten scheint, zerfällt umso mehr, je weiter sie in ein feindliches Terrain eindringt, in dem ihre Wirklichkeit immer sichtbarer wird. ERSCHÖPFENDE WIDERSPRÜCHE DER DOPPELTEN ZUGEHÖRIGKEIT Hin- und hergerissen zwischen ihrer Familie und ihrer Freundin, zwischen den Orten ihrer Kindheit und dem Land, in das sie zum Leben gegangen ist, fühlt sich Lilia bald von ihrer doppelten Zugehörigkeit und den Widersprüchen, die diese mit sich bringt, erschöpft.  Der Film „Mit leiser Stimme“ versucht nicht, diese Widersprüche aufzulösen, sondern bewegt sich in jenem Zwischenraum, in dem unterschiedliche Wertesysteme aufeinanderprallen und neu ausgehandelt werden. Mit einem gewissen Gespür fürs Subtile inszeniert, stellt die Erzählung verschiedene Verhaltenstypen dar. Dieser analytische Zugang macht es einem westlichen Publikum und seinem touristischen Blick leichter, die Geschichte zu verstehen.  SUBTILES UND BEWEGENDES KINO Obwohl sich der Film in bestimmten Momenten einem kitschigen „magischen Realismus“ nähert und etwas an Kraft zu verlieren droht, gelingt es ihm, eine eindringliche Atmosphäre aufrechtzuerhalten, die ausreichend anziehend wirkt.  Die Geschichte über persönliche Geheimnisse, die verborgen gehalten werden, da die Gesellschaft sie verurteilt, ist subtiles und bewegendes Kino, das die Auflehnung als Form persönlicher Emanzipation verkündet: Die Frauen der Familie fordern ihren Platz und ihre Entscheidungsfreiheit ein. Geschickt in eine Erzählung eingebettet, die sich mühelos zwischen Familienporträt und persönlicher Ermittlung bewegt, rennt der Film Türen ein, die nur im westlichen Kunstpublikum ganz offen sind: Das Private ist politisch, sagt man gern. Hier sieht man, was das wirklich heißt. TRAILER „MIT LEISER STIMME“: KINOSTART AM 9. JULI

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„Unsere kleine Farm“ – Gelungene Neuverfilmung der Serie nach über 40 Jahren

GEN WESTEN AUF DER SUCHE NACH ARBEIT UND FREIHEIT Mehr als 40 Jahre nach der Kultserie kehrt „Unsere kleine Farm“ mit einer Neuverfilmung auf Netflix zurück. Die neue Serie orientiert sich stärker an den Romanen von Laura Ingalls Wilder und erzählt die Geschichte der Familie Ingalls zeitgemäß neu. Neben der vertrauten Familienidylle rücken auch Themen wie die Rolle der Frauen sowie der Umgang mit den indigenen Osage, Vorurteilen und Rassismus stärker in den Mittelpunkt. Laura Ingalls erzählt in ihren Romanen die Geschichte ihrer Familie. Sie erzählt, wie ihre Eltern Charles und Caroline Ingalls mit ihr und der älteren Schwester Mary nach Westen ziehen, auf der Suche nach einem Ort zum Leben und Arbeiten in Freiheit.  EIN BISSCHEN KITSCHIG, ABER AUCH SYMPATHISCH. Die erste Staffel schildert, wie sie nach langer Fahrt in dem aufstrebenden Örtchen Independence in Kansas ankommen, wie der Vater zusammen mit anderen liebenswürdigen Außenseitern ein Holzhaus baut. Wie die Mädchen langsam Freundschaften schließen und wie sie vor allem als Familie immer mehr zusammenwachsen. Die Prärie erscheint dabei weit, die Natur auch gefährlich, sie wird aber immer wieder in ein warmes Licht getaucht: Blumenkränze, saubere Kleidung, Krankheiten werden überwunden und der Tag kann eigentlich nie so schlecht gelaufen sein, dass am Abend nicht die Geige ausgepackt und zusammen gesungen und getanzt wird. Manchmal ein bisschen kitschig, aber auch sehr sympathisch. FAMILIENTAUGLICHER WESTERN MIT AKTUELLEN FRAGEN Keine Frage. „Unsere kleine Farm“ ist auch in der Neufassung die familientaugliche Version des Western. Ganz anders als Serien wie „1883“ oder „American Primeval“, die die gewaltsame und dreckige Seite des Pioniermythos zeigen wollten. Vorlage ist die autobiografische Romanreihe der Autorin Laura Ingalls Wilder, die in den 1930er-Jahren herauskam.  Und während der Verfilmung aus den 70er-Jahren sich davon eher locker inspirieren ließ, hat das neue Team um Showrunnerin Rebecca Sonnenshine versucht, näher am Charakter der Bücher zu bleiben und gleichzeitig moderner zu erzählen. Das betrifft insbesondere die Frauen- und Mädchenrollen: An Caroline als gleichberechtigte Partnerin oder die abenteuerlustige Laura kann man problemlos andocken. Bemerkenswert ist auch, dass das indigene Volk der Osage, denen das Siedlerland zu Beginn der Serie noch gehört, eine viel größere Rolle spielt. GELUNGENER MIX AUS IDYLLE UND REFLEXION Wie hier Fragen von Identität und Traditionsbewusstsein verhandelt werden, von Vorurteilen und Rassismus, ohne zu sehr in Klischees abzudriften, das ist im Kontext einer historischen Familienserie schon ziemlich gelungen. Die Geschichte spielt in den 1870er-Jahren, wenige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg. „Unsere kleine Farm“ ist ein zumeist idyllischer Blick auf eine Nation im Werden, aber mit aktuellen Fragen: Wie könnte man Gemeinschaften, Verträge, das alltägliche Miteinander über Grenzen hinweg gestalten?  Wie könnte man respektvoll miteinander umgehen, bei allen Gegensätzen, menschlichen Schwächen und Problemen? Und reicht das zum Überleben? Die Ingalls' ziehen am Ende jedenfalls weiter, in Hoffnung auf ein Glücksversprechen, an das man auch heute immer noch gerne glauben möchte. TRAILER „UNSERE KLEINE FARM“, AB 9. JULI AUF NETFLIX

9. juli 20263 min